Knocking on Heaven's door - Teil 1-10 (Thread voll)

      Knocking on Heaven's door - Teil 1-10 (Thread voll)

      Titel: Knocking on Heaven's door
      Autor: Mrs. Mallard
      Beta: anonyma - danke dir!!!
      Inhalt: Auch Bundesagenten werden alt... und nicht immer fit bis zum letzten Atemzug. Umso besser, wenn man Freunde hat, die bis zum bitteren Ende zusammenhalten.
      Disclaimer: Die Rechte an der Serie und ihren Charakteren liegen bei CBS, Paramount und Belisarius Productions, alle sonstigen Charaktere sind meiner Phantasie entsprungen und beruhen nicht auf lebenden Personen. Die Geschichte ist aus Spaß an der Serie und am Schreiben entstanden, um andere Fans zu unterhalten und nicht, um damit Geld zu verdienen.
      Kommentar: Ich habe mir in dieser Geschichte einige "dichterische Freiheiten" erlaubt - mir ist bewusst, dass einige Dinge in der Realität so nicht stattfinden. Ich habe absolut keine Ahnung vom Thema "Patientenverfügung" und den Entscheidungsprozessen in Heimen. @anonyma: Danke für den Hinweis mit dem Andicken von Flüssigkeiten - ich habe mich trotz allem entschieden, dem Gunny wenigstens seinen Kaffee zu lassen. ;)







      Knocking on Heaven's door


      Teil 1
      „Das kann doch so nicht weitergehen!“
      Die Stimme des alten Mannes war heiser und erklang, kaum dass der Pfleger den Raum verlassen hatte.
      „Da gebe ich dir Recht, Tobias“, stimmte der Mann neben ihm zu, der trotz der nicht sonderlich hellen Beleuchtung eine Sonnenbrille trug. „Aber was können wir tun?“
      „Herrgott, King, woher soll ich das wissen? Aber verdammt noch mal, wir haben uns doch früher auch nicht darum gekümmert, was andere uns vorschreiben wollten. Wann zum Teufel sind wir solche gebrechlichen alten Männer geworden?!“
      Dwayne Pride knurrte. „Ich kann nicht für dich sprechen – bei mir war es ziemlich genau der 23. Mai 2023. Der Tag, an dem wir Thomas Henderson verhaften wollten, der diese miese kleine Sprengfalle für uns gebastelt hatte. Herrje, wenn Laurel nicht hier in DC leben würde, wäre ich immer noch zu Hause! Gott, ich vermisse New Orleans…“

      Tobias Fornell schwieg, er kannte die Geschichte. Die Explosion hatte Dwayne Cassius Pride, dem letzten aktiven Mitglied der Fed Five, wenige Wochen vor seiner Pensionierung den rechten Unterschenkel abgerissen und ihm das Augenlicht sowie einen Großteil des rechten Lungenflügels genommen. King hatte wochenlang mit dem Tod gerungen, sich aber anschließend überraschend gut erholt. Doch nach dem Tod seiner langjährigen Weggefährtin Loretta Wade, die ihm nach dem Unfall viele Jahre im Alltag zur Hand gegangen war, war an ein eigenständiges, nicht betreutes Leben nicht mehr zu denken gewesen – er hatte es einige Zeit versucht, aber schließlich selbst einsehen müssen, dass es nicht funktionierte. Auf Drängen seiner Tochter hatte Dwayne schließlich schweren Herzens seine geliebte Heimatstadt verlassen und war ihr in die Hauptstadt, in der Laurel seit Jahren mit ihrem Ehemann lebte, gefolgt. Doch auch das war nicht lange gut gegangen, und nach knapp drei Jahren des gemeinsamen Zusammenlebens hatte King sich entschieden, das Leben seiner Tochter und seines Schwiegersohns nicht länger zu behindern und in ein Pflegeheim zu ziehen. Eine Lösung, die für alle Beteiligten die Beste gewesen war. Pride bereute den Schritt nicht, doch das lag weniger an der Einrichtung selbst als an seinen Mitbewohnern, die letztendlich den Ausschlag für seine Entscheidung gegeben hatten.

      Das Sibley-Memorial-Pflegeheim war ein mittelgroßer Komplex, der sich unmittelbar an das nordwestlich der Hauptstadt gelegene Brookmont Hospital anschloss und Platz für Pflegebedürftige jeder Stufe bot. Für die Aktiveren unter ihnen, zu denen Pride sich und seine Freunde trotz allem zählte, gab es einen flachen Seitentrakt, der sich in die das Gebäude umgebenden Grünanlagen ausstreckte. Hier gab es Wohnungen verschiedener Größe, deren Bewohner so selbstständig wie möglich leben konnten, ohne dabei im Bedarfsfall auf die notwendige Unterstützung verzichten zu müssen. Eine dieser Wohnungen teilte Dwayne Pride sich nun bereits seit einigen Jahren mit dem ehemaligen FBI-Agent Tobias Fornell, den zunehmende Altersbeschwerden sowie eine hartnäckige Darmerkrankung in diese Einrichtung getrieben hatten.
      Der dritte im Bunde, auf den sich die ursprüngliche Aussage Fornells bezogen hatte, war sein Kollege Leroy Jethro Gibbs. Nachdem der Silberfuchs vor etwa fünfzehn Jahren mehr als widerwillig in den Ruhestand gegangen war, hatte er noch einige Jahre überwiegend damit verbracht, mit einem selbstgebauten Segelboot die Ostküste zu bereisen, bis ein schwerer Schlaganfall diese Art der Freizeitgestaltung von einem Tag auf den anderen unmöglich gemacht hatte. Jethro hatte Monate im Krankenhaus und in der Reha verbracht, nach Kräften umsorgt von den Mitgliedern seines Teams, und war entgegen aller ärztlichen Prognosen tatsächlich noch einmal nach Hause zurückgekehrt. Doch ähnlich wie sein Freund Pride hatte er sich letztendlich mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass er für eine eigene Wohnung langsam, aber sicher zu gebrechlich wurde.

      Noch ehe Gibbs sich mit diesem Thema weiter befassen konnte, kam ihm das Schicksal zuvor. Nach einem bösen Sturz auf der Kellertreppe hatte der Silberfuchs sich erneut im Krankenhaus wiedergefunden, mit einem frisch operierten Oberschenkelhalsbruch auf der ohnehin schon stark beeinträchtigten linken Seite. Doch weitaus größer als der Frust über den neuerlichen Rückschlag war seine Überraschung, als er seinen Zimmernachbarn erkannte – kein geringerer als Dwayne Cassius Pride, den die Spätfolgen der Explosion ein weiteres Mal unters Messer gezwungen hatten. Die beiden Männer stellten rasch fest, wie viel einfacher die Unannehmlichkeiten des Älterwerdens zu ertragen waren, wenn man sie mit einem Freund teilte. Und dass es ihnen beiden wesentlich leichter fiel, einen Freund um Hilfe zu bitten, als nach der Schwester zu klingeln.

      Als Pride nach zwei Wochen entlassen wurde, stand die Entscheidung fest. Die ursprüngliche Idee, gemeinsam das große Haus in der East Laurel Street zu beziehen, hatten beide rasch verworfen – so schwer es Gibbs fiel, seine gewohnte Umgebung zu verlassen, wussten beide, dass es bestenfalls eine Lösung auf Zeit gewesen wäre. In Gibbs‘ Haus gab es zu viele Treppen für den Silberfuchs, zu viele Ecken, Nischen und Vorsprünge für einen blinden alten Mann wie den King von New Orleans. Und da Pride noch immer für sein Leben gern kochte, war der altersschwache, bisweilen höchst eigenwillige Gasherd auch keine besonders vertrauenerweckende Option.

      Während Gibbs erneut in der Reha darum kämpfte, wieder auf die Beine zu kommen, kehrte Dwayne noch einmal zu seiner Tochter zurück, doch er verlor keine weitere Zeit, nach einer geeigneten Bleibe zu suchen. Bei einem seiner nachmittäglichen Besuche bei Gibbs war schließlich auch Tobias Fornell aufgetaucht und hatte seufzend gestanden, wie sehr es ihn belastete, seiner Tochter und ihrem Ehemann ständig zur Last zu fallen. Tobias lebte in einer eigenen kleinen Wohnung, doch er war längst nicht mehr in der Lage, seinen Haushalt selbst zu führen, und so kamen Emily oder ihr Mann mindestens zwei Mal am Tag herein, um nach dem Rechten zu sehen. Sie kochten für ihn und wuschen die Wäsche, und an diesem Nachmittag mit seinen alten Freunden gab Tobias zum ersten Mal unumwunden zu, wie sehr er es hasste, auf diese Hilfe angewiesen zu sein. Denn neben Rheuma, Bluthochdruck, Altersdiabetes und starker Arthritis plagte Tobias vor allem eine hartnäckige, mittlerweile chronische Darmentzündung. Und aller Sorgfalt zum Trotz war das Waschen seiner Wäsche keine angenehme Aufgabe, wie der ehemalige FBI-Agent seufzend eingestand. So waren die Ermittler einige Wochen später zu dritt in das Sibley-Memorial-Heim gezogen, gut gelaunt und voller Freude darüber, den letzten Lebensabschnitt mit gleichgesinnten Freunden verbringen zu können.

      Die Heimleitung und das Personal waren hingegen zunächst weit weniger begeistert. Gleich am ersten Abend hatten die Neuankömmlinge ungeachtet jeglicher Regelungen in der Hausordnung eine Einweihungsparty gefeiert, bei der die Wände wackelten – auch wenn ein Teil der Nachbarn sich durchaus über die ungewohnte Abwechslung und „neues Leben in der Bude“, wie es einer von ihnen ausdrückte, gefreut hatte. Die meisten Bewohner des Flügels hatten die „Männer-WG“ allerdings zunächst eher skeptisch betrachtet, zumal zumindest zwei der Bewohner dem ersten Anschein nach gerne unter sich blieben. Doch nachdem das erste Eis gebrochen war, waren alle drei rasch zu einem festen Bestandteil der Gemeinschaft geworden und halfen ohne große Worte überall dort aus, wo sie gebraucht wurden. Insbesondere die Kochkünste von Dwayne Pride sowie sein launiges Klavierspiel sorgten für einen regelmäßigen Besucherstrom vor der nie abgeschlossenen Tür.


      Teil 2

      Obwohl es den ehemaligen Agenten schwergefallen war, die gewohnte Selbständigkeit gegen die Vor- und Nachteile des WG-Lebens einzutauschen, hatten sich alle drei gut aneinander gewöhnt und sich sogar mit der Tatsache, in einem Pflegeheim zu leben, recht schnell arrangiert. Die Alterszipperlein konnte schließlich keiner von ihnen leugnen, und es war in dieser Hinsicht nun einmal durchaus komfortabel, gelegentlich auf professionelle Hilfe zurückgreifen zu können.

      Es hatte allerdings zunächst einmal einige Zeit und Nerven gekostet, ehe das Trio und das Personal sich miteinander abgefunden hatten - zwar wussten alle drei Agenten, dass die vorbeischauenden Pfleger nur ihre Pflicht taten, aber insbesondere Jethro Gibbs hegte seit Jahrzehnten ein ausgeprägtes Misstrauen gegen jede Form der medizinischen Betreuung, das nur wenige Ausnahmen kannte. Nachdem es sich unter dem Personal jedoch herumgesprochen hatte, dass die drei tatsächlich ausgezeichnet für sich selbst sorgen konnten – und ohne falschen Stolz auch tatsächlich Bescheid sagten, wenn doch einmal Hilfe vonnöten wurde – respektierte der Großteil der Belegschaft die unausgesprochene Grenze und nutzte die Gelegenheit, sich bei einer morgendlichen Tasse Kaffee mit Dwayne Pride über die Vorgänge in der WG auf dem Laufenden zu halten. Die Tatsache, dass ihr Gegenüber ein ausgebildeter Bundesagent mit jahrzehntelanger Erfahrung in allen Formen von Verhörtechniken war, ignorierten sie dabei schlichtweg, so sie überhaupt davon wussten. Und so bemerkten nur die wenigsten von ihnen, dass ihr Gesprächspartner am Ende weitaus mehr über die Geschehnisse im Heim in Erfahrung gebracht hatte als sie selbst über die gesundheitlichen Details der drei WG-Bewohner. Und die, die es bemerkten, hakten es mit einem Schulterzucken oder verstohlenem Grinsen ab und nicht weiter nach. Es hätte ewig so weitergehen können, wenn… ja, wenn sich nicht der Gesundheitszustand ihres „Gesichtsältesten“, wie Fornell Gibbs gelegentlich bezeichnete, konstant verschlechterte.

      Bereits kurz nach dem Einzug hatten ständig wiederkehrende Probleme an Blase und Prostata den Silberfuchs wiederholt unters Messer gezwungen, längst konnte er nicht mehr allein Wasserlassen. Schon damals hatte die Heimleitung ihn in einen anderen Bereich, der für intensiver pflegebedürftige Bewohner vorgesehen war, verlegen wollen. Doch Pride und Fornell hatten ebenso heftig widersprochen wie Gibbs selbst. Zur Überraschung und gegen den anfänglichen Widerstand des Personals hatten die Bewohner der WG von Anfang an mit Nachdruck darauf bestanden, die notwendigen Routinen für ihre gegenseitige Versorgung soweit irgend möglich selbst zu übernehmen, und machten auch bei diesem höchst intimen Thema keine Ausnahme. Hatten die drei Männer beim Einzug noch gescherzt, sie würden sich ja ohnehin längst in- und auswendig kennen, hatte sich dieser Satz in einer Weise bewahrheitet, die keiner von ihnen je für möglich gehalten hätte. Insbesondere Gibbs kannten sie inzwischen tatsächlich in- und auswendig, halfen ihm beim Trinken, bei der Zahnpflege und beim Toilettengang ebenso wie bei der Pflege der PEG-Sonde, die ihn mittlerweile mit Nährstoffen versorgte, beim Rasieren und bei der Intimhygiene, für die die Kräfte des Silberfuchses schon lange nicht mehr ausreichten.
      Tobias Fornell stürzte mehrmals am Tag hastig in Richtung Bad, um seiner Notdurft nachzugeben, und nicht immer schaffte er es rechtzeitig. Sein Altersdiabetes erforderte tägliches Spritzen von Insulin, was den arthritischen Fingern mehr als schwerfiel. Zu Beginn ihres Zusammenlebens hatte Gibbs diese Aufgabe mit seinem gesunden Arm übernommen, mittlerweile übernahm das in der Regel Dwayne Pride, der ein überraschend gutes Gespür dafür entwickelt hatte, wie Tobias zugeben musste. Auch der blinde Ermittler aus den Südstaaten war auf die Hilfe seiner Freunde angewiesen, darauf, dass die Dinge des täglichen Lebens an den richtigen Stellen standen, dass keine Stolperfallen herumstanden, und Fornell konnte mittlerweile selbst im Schlaf hören, wenn der andere nachts seinen Beatmungsbeutel benötigte.

      Alles in allem hatten die Drei ihr Leben also noch immer recht gut im Griff, aber es wurde immer offensichtlicher, dass es nicht ewig so weitergehen würde, auch wenn keiner von ihnen es wahrhaben wollte. Der Frieden nach der überstandenen letzten Operation hatte nur wenige Monate gedauert, ehe Jethro eines Abends über Schmerzen in der Brust klagte. Der Herzinfarkt war nicht allzu schwer, und Gibbs überstand ihn gut, doch noch im Krankenhaus hatte er einen erneuten Schlaganfall erlitten, und seitdem war es kontinuierlich bergab gegangen. Der Silberfuchs war von Anfang an das pflegebedürftigste Mitglied der kleinen WG gewesen, seit dem zweiten Schlaganfall war seine linke Seite fast vollständig gelähmt, und das Sprechen und Schlucken fielen ihm mehr als schwer. Sein Körper baute rapide ab, er sprach wenig, und war mittlerweile selbst für seine Freunde schwer zu verstehen. Immer häufiger verbrachte er die Tage im Bett statt im Sessel im Wohnzimmer, weil es zu anstrengend geworden war, die wenigen Schritte zu laufen oder sich auch nur in den Rollstuhl zu setzen. Doch es war deutlich zu spüren, dass er die Gesellschaft seiner alten Weggefährten genau so genoss wie sie die seine.

      Der eigentliche Grund für die Sorgenfalten auf der Stirn seiner Freunde lag allerdings woanders, denn Gibbs baute nicht nur körperlich kontinuierlich ab. Waren anfangs nur seine spärlichen Worte immer schwerer zu verstehen gewesen, wurde mittlerweile deutlich, dass auch sein einst so rasiermesserscharfer Verstand immer häufiger getrübt war. Und diese Momente nahmen unaufhaltsam zu, auch wenn es keiner der drei wahrhaben wollte. Mittlerweile gab es Phasen, in denen Gibbs tagelang kaum ansprechbar war, und sowohl Pride als auch Fornell war klar, dass dem Personal diese Zustände allen Verschleierungstaktiken zum Trotz nicht verborgen blieben. Zwar bestand aufgrund seiner stark eingeschränkten Mobilität wenig Gefahr, dass Gibbs die Hausschuhe statt des Bratens in den Ofen schob oder Schlimmeres anstellte, aber es war dennoch nur eine Frage der Zeit, ehe die Heimleitung endgültig einschreiten würde. Soeben war Jethro noch einmal zurückgebracht worden, zurück von einem mehrwöchigen Aufenthalt im Krankenhaus als Folge einer heftigen Lungenentzündung. Wenn sie ehrlich waren, hatten Dwayne und Tobias kaum zu hoffen gewagt, ihren Freund überhaupt noch einmal zurück zu bekommen, aber Jethros Zustand hatte sich schließlich doch noch ausreichend stabilisiert. Auch wenn es bezüglich der Verlegung einer gewissen Überredungskunst bedurft hatte, bei der beide Agenten keinerlei Skrupel gehabt hatten, alle Tricks und Kniffe ihrer jahrzehntelangen Berufserfahrung in die Waagschale zu werfen.

      Teil 3

      Stimmen.
      Jethro Gibbs registrierte im Halbschlaf, dass um ihn herum gesprochen wurde, aber die Worte blieben im Nebel. Die Stimmen waren vertraut und beruhigend, lange bekannt. Er wusste nicht, wer sprach, aber es war nicht wichtig. Er war zu Hause bei seinen Freunden, nicht länger an dem grellen und kalten Ort mit all den fremden Gesichtern und Geräuschen, voller Schmerzen, Panik und dem scharfen Geruch nach Angst und Tod. Er konnte atmen, ohne dass es in ihm rasselte und alles schmerzte. Die Todesangst, das Gefühl des Erstickens, Ertrinkens, war nicht mehr da. Die Maschinen waren verschwunden. Er war in Sicherheit, und alles war gut. Ein Teil von Jethros Gehirn erinnerte sich, dass er einmal mehr gewusst hatte. Dass es für den kalten Ort voller Angst und Schmerz ein Wort gab, das er kannte. Dass zu den Stimmen, die nun um ihn herum waren, Namen und Gesichter gehörten, die er kannte. Aber der Nebel in seinem Kopf war zu dicht, um sich zu erinnern. Es war auch nicht wichtig. Wichtig war, dass er zurück war. Zurück bei seinen Freunden, in Sicherheit. Egal, was passierte, sie würden ihm den Rücken freihalten.
      Er konnte beruhigt schlafen.
      Alles war gut.

      „So kann es nicht weitergehen“, brummte Tobias ein weiteres Mal, und Pride nickte erneut zustimmend. Beide saßen nebeneinander in Gibbs‘ Zimmer, das sich in den vergangenen Monaten immer mehr zu einem zweiten Wohnzimmer entwickelt hatte. Jethro lag reglos vor ihnen und schlief, leise schnarchend. Tobias stand schließlich auf, nahm ein Papierhandtuch vom stets griffbereit liegenden Stapel und wischte seinem Freund den Speichel vom Kinn, der ihm aus dem halb geöffneten Mund gelaufen war.
      „Was sollen wir mit dem Kerl bloß machen?“ überlegte er anschließend laut. „Ich will ihn nicht einfach den Halbgöttern in Weiß da oben überlassen, aber herrgott, wir können ihm hier auch nicht mehr lange helfen, wenn das so weitergeht.“
      Pride nickte zustimmend. „Du hast den Doc noch einmal an die Patientenverfügung erinnert, ja?“
      „Ja, verflucht, das habe ich, aber... aber das bringt uns doch auch nicht weiter. Gibbs hat verfügt, dass er keine lebenserhaltenden Maßnahmen wünscht. Aber wo fängt das an, wo hört das auf? Er wird ja schon künstlich ernährt, hätten sie ihn ersticken lassen sollen?!“
      „Jethro hat der Sonde selbst zugestimmt, Tobias“, beruhigte Pride seinen Freund. „Und zwar, als er noch bei vollkommen klarem Verstand war. Schlicht und ergreifend, weil er nicht drei Viertel des Tages damit verbringen wollte, mühsam das Essen durch seinen Schlund zu bekommen. Es liegt an uns, darauf zu achten, was daraus...“
      Er brach ab und wandte den Kopf in Richtung Tür, an der es im gleichen Moment klopfte. Ohne eine Antwort abzuwarten, betrat eine Frau mittleren Alters in die Wohnung, der ein hochgewachsener Jugendlicher folgte. Die beiden Männer traten ins Wohnzimmer, um ihren Besuch zu begrüßen.

      „Hey Baby!“, begrüßte Pride seine Tochter ungeniert. „Du siehst umwerfend aus, sagt mir mein väterlicher Stolz. Und Scott hast du auch mitgebracht, wie großartig! Komm her, lass dich umarmen!“
      Der schlaksige Junge kam mit einem breiten Grinsen näher und umarmte seinen Großvater herzlich. Laurel hingegen hatte ihrem Vater lediglich zur Begrüßung eine Hand auf die Schulter gelegt und warf nun einen Blick durch die geöffnete Tür auf den schlafenden Gibbs.
      „Wie geht es ihm?“ fragte sie leise.
      „Unkraut vergeht nicht“, erwiderte Tobias, doch seine Stimme verriet die Sorge um den Freund deutlich.
      „Setzt euch“, schlug Pride unterdessen vor. „Was haltet Ihr von einem späten Frühstück? Rühreier mit Speck, frische Bagels, Erdnussbutter, Marmelade...“ zählte er auf, während er sich zielstrebig auf den Weg in die Küche machte. Doch sein Gesichtsausdruck verriet bereits, dass er sehr genau wusste, wie die Antwort ausfallen würde.
      „Keine Chance!“ erwiderte Laurel energisch. „Wir haben keine Zeit, und das weißt du verdammt genau. Also geh und mach dich... warte, ich komme mit.“
      Sie steuerte zielstrebig Prides Schlafzimmer an und griff einige Dinge aus dem Kleiderschrank. Dwayne folgte ihr schweigend und versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr ihm die Situation gegen den Strich ging.
      Tobias erinnerte sich dunkel, dass sein Freund etwas von einem Besuch bei einem HNO-Spezialisten im Bethesda Naval Hospital erwähnt hatte, doch in der Aufregung um Jethro hatte er vollkommen vergessen, Dwayne genauer danach zu befragen. Wie er überhaupt so viele Dinge in letzter Zeit vergaß, was ihn jedes Mal maßlos ärgerte. Er konnte es sich nicht leisten, auch noch abzubauen – ihm war nur zu deutlich bewusst, dass die Zukunft ihrer Wohngemeinschaft davon abhing. Trotzdem war er heilfroh über Kings Elefantengedächtnis, das ihn schon mehr als einmal vor ernsthaften Problemen durch vergessene Blutzuckermessungen oder zu viel eingenommene Medikamente bewahrt hatte.

      Aus dem Nebenraum war Laurels verärgerte Stimme zu hören, die King Vorwürfe machte, warum er nicht längst umgezogen war. Tobias, der sehr genau wusste, wie tief sein Freund insbesondere Besuche beim HNO-Arzt verabscheute, wollte nicht ausschließen, dass dieser den Termin tatsächlich absichtlich „vergessen“ hatte. Etwas, das er durchaus nachvollziehen konnte, aber die Konsequenz hatte, dass er sich nun wie ein kleines Kind von seiner Tochter herumkommandieren und anziehen lassen musste, weil es ihr nicht schnell genug ging. Der ehemalige FBI-Agent zuckte mit den Schultern, es gab ohnehin nichts, was er derzeit für seinen Freund tun konnte. Stattdessen lud er den verlegen dastehenden Scott mit einer Handbewegung ein, sich so lange aufs Sofa zu setzen.
      „Dauert sicher noch einem Moment“, fügte er hinzu. „Kaffee?“
      Scott nickte. „Gern.“
      Tobias ging herüber in die Küche und kehrte mit zwei Tassen zurück. Trotz des zunehmenden körperlichen Verfalls war guter Kaffee noch immer etwas, worauf kein Mitglied der WG freiwillig verzichtete. Allerdings musste Tobias zugeben, dass sich die Definition von „gutem Kaffee“ längst in Richtung einer magenfreundlicheren Variante verschoben hatte. Was vermutlich der Grund war, weshalb der 15jährige sich für das Getränk entschieden hatte.
      „Schön, dich mal wieder hier zu sehen“, freute er sich, nachdem er sich etwas umständlich in einem der Sessel niedergelassen hatte. „Willst du deinem Grandpa ein bisschen unter die Arme greifen?“
      Scott nickte. „Mum ist immer so schrecklich ungeduldig mit ihm, und... ich dachte... na ja, und außerdem ist heute Nachmittag noch ein Footballspiel in Barnaby Woods, und Mum hat versprochen, mich nachher dort abzusetzen.“
      Tobias schmunzelte. Er mochte den schlaksigen Jungen, der seinem Großvater so ähnelte. Nicht nur, dass er sport- und musikversessen war, auch die Leidenschaft fürs Kochen schien er von ihm geerbt zu haben.
      „Wie lange noch, bis du den Führerschein machen kannst?“ fragte er weiter und fragte sich gleichzeitig, ob sie Scott, wenn er selbst mobil war, häufiger oder seltener zu sehen bekommen würden. Er begleitete seine Mutter, so oft er konnte, und Tobias wusste, wie sehr er an seinem Großvater hing. Aber er wusste auch, dass es im Leben eines Teenagers rasch andere Prioritäten gab, wenn sie erst einmal selbst fahren konnten und durften. Seine eigenen Enkelinnen hatten ihn gelehrt, in dieser Hinsicht nicht allzu viel zu erwarten.
      „Zwei Monate“, antwortete Scott. „Aber Mum sagt...“
      „Was erzählst du nun wieder für Schauermärchen über deine grausame Mum?!“ warf Laurel in einem scharfen Tonfall ein. Sie war soeben zurück ins Wohnzimmer getreten, den umgezogenen Pride im Schlepptau, und hatte die letzten Worte gehört. „Los, komm jetzt, wir müssen los, wir sind schon viel zu spät dran. Tobias, es war schön, Sie zu sehen – wir sind vermutlich in zwei oder drei Stunden zurück.“
      Tobias nickte und drückte seinem Freund zum Abschied aufmunternd die Schulter.
      „Halt die Ohren steif, King“, raunte er ihm zu, was Pride mit einem schiefen Lächeln und einem wenig überzeugten Schulterzucken beantwortete. Doch Tobias wusste, dass seine Worte ihren Zweck erfüllt hatten.
      Nachdem das Trio die Tür hinter sich geschlossen hatte, kehrte er in Jethros Zimmer zurück, überzeugte sich, dass alles in Ordnung war, und entschied dann, es sich mit dem verbliebenen Kaffee auf der Terrasse in der Vormittagssonne gemütlich zu machen. Vielleicht würde er auf diese Weise noch eine Weile verdrängen können, dass ihm selbst in Kürze ein ähnlich unangenehmer Ausflug bevorstand.

      Teil 4

      Dwayne Pride folgte seiner Tochter zum Auto, mit einer Laune, die schlechter kaum hätte sein können. Zu der Sorge um seinen langjährigen Freund, den er wie einen Bruder liebte, und der Sorge um die Zukunft ihrer kleinen Gemeinschaft kam nun auch noch der Unmut über den bevorstehenden Ausflug. Er liebte seine Tochter über alles, doch die gemeinsamen Jahre lasteten noch immer schwer auf ihrer Beziehung. Und Laurel war in vielen Dingen genau wie ihre Mutter Linda: gut organisiert und durchgeplant, und mittlerweile ließ sie die gewisse Lockerheit, die das Leben in New Orleans so prägte, oft vermissen. Natürlich hatte er den Termin vergessen, oder vielleicht auch verdrängt, aber gab ihr das das Recht, ihn wie ein Kleinkind zu behandeln? Dass er nicht mehr sehen konnte, hieß schließlich nicht, dass er sich nicht mehr alleine anziehen konnte, und herrgott, es war doch wohl vollkommen egal, ob sie fünf Minuten früher oder später ankamen. Sie würden ohnehin mindestens eine Stunde mit Warten verbringen!
      Doch er gab sich Mühe, seinen Unmut zu ignorieren. Immerhin war Scott ebenfalls mitgekommen, und Pride war nicht gewillt, auch nur eine Sekunde dieser wertvollen Gesellschaft zu verschwenden. Aber Scott saß auf der Rückbank, und Laurels eisiges Schweigen machte ein entspanntes Geplänkel beinahe unmöglich. Nach wenigen Meilen verrieten gedämpfte Bässe Prides feinen Ohren, dass sein Enkel seinen I-pod – oder wie auch immer diese modernen Geräte mittlerweise hießen - in Betrieb genommen hatte, und die verzögerten, knappen Antworten zeigten, dass es sinnlos sein würde, ein Gespräch in Gang halten zu wollen.

      Pride atmete einmal tief ein und aus und versuchte, sich für das Kommende zu wappnen. Er wusste, warum Laurel ihn abgeholt hatte, sie hatte schon vor Wochen einen Termin bei diesem Spezialisten vereinbart. Grund dafür waren die unregelmäßig wiederkehrenden Schwindelattacken und Gleichgewichtsprobleme, die nach Meinung seiner Ärzte durch ein Problem im Innenohr verursacht wurden. Und abgesehen von dem allgemeinen Misstrauen gegenüber ärztlichen Behandlungen, dass Dwayne Pride mit seinen Mitbewohnern verband, hasste er Ohrenärzte ganz besonders.
      Seit seiner Erblindung hatten sich seine übrigen Sinne bemerkenswert verändert. Er hatte schon immer ein gutes Gehör besessen, doch mittlerweile hörte er Dinge, die er als Sehender nie wahrgenommen hätte. Er nahm Düfte wahr, die ihm früher fremd gewesen waren, und hatte ganz allgemein eine Art siebten Sinn entwickelt, was sich in seiner unmittelbaren Umgebung abspielte. Umso mehr hasste er Termine wie den, der nun vor ihm lag. Zwar würde er voraussichtlich nicht hilflos wie ein auf den Rücken gefallener Käfer auf einer Liege herumliegen müssen, aber sehr viel besser war der Behandlungsstuhl in diesem Fall auch nicht. Außer vielleicht, dass er ihm ein leichteres Atmen ermöglichte, wofür Pride sehr dankbar war – langes Liegen und jede Form der körperlichen Anstrengung brachten ihn aller Fortschritte zum Trotz schnell an den Rand der Atemnot. Aber dennoch... dieser verfluchte Arzt und seine Helferinnen würden eine ganze Weile in seinen Ohren herumfummeln, und so lange sie das taten, würde er nichts hören können. Und das war etwas, was ihn mittlerweile zutiefst hilflos machte und selbst einen unverbesserlichen Optimisten wie Dwayne Cassius Pride an den Rand einer Panikattacke brachte.

      Er erinnerte sich nur dunkel an die Zeit unmittelbar nach dem Unfall. Die überwiegende Zeit war er ohnehin nicht bei Bewusstsein gewesen, aber abgesehen von den Schmerzen war ihm vor allem die entsetzliche Hilflosigkeit in Erinnerung geblieben. Die Druckwelle der Explosion hatte beide Trommelfelle zerfetzt, ein Trümmerteil seinen Kehlkopf gequetscht, und die umherfliegenden Splitter seine Augen zerstört. Er hatte sich wie ein Gefangener in seinem eigenen Körper gefühlt, blind, taub und stumm, ohne eine Möglichkeit, mit seiner Umwelt zu kommunizieren, die einen Sinn in seine Agonie hätte bringen können. Die meisten seiner Finger waren verletzt, die Hände geschient und fixiert. Einzig der Geruch sowie die vertrauten Berührungen von Laurel und Loretta hatte ihn damals überzeugen können, dass er sich nicht in der Hand eines Psychopathen, sondern in einem Krankenhaus befand. Wobei er sich bis heute nicht sicher war, was den Geruch anging, denn eigentlich hatte er – da keine Luft durch die Nase strömte – Düfte gar nicht wahrnehmen können. Aber vermutlich hatten sich trotzdem ein paar Moleküle an seine Geruchsrezeptoren verirrt und seinem Unterbewusstsein mitgeteilt, dass er in Sicherheit war. Irgendwann – Laurel hatte später gesagt, etwa drei Wochen nachdem er das erste Mal erwacht war – hatte sich sein Zustand soweit stabilisiert, dass das Ärzteteam eine weitere Operation riskiert und seine Trommelfelle wieder zusammengeflickt hatte. Er erinnerte sich daran, dass er vor Freude geweint hatte, als er Laurels Stimme nach dem Aufwachen vernommen hatte. Es hatte höllisch geschmerzt. Irgendwann war auch sein Kehlkopf wieder ausreichend abgeschwollen und der Beatmungsschlauch entfernt worden, so dass er nach und nach seine Stimme hatte wiederfinden können. Das gesamte Team, das ihn betreut hatte, hatte erstklassige Arbeit geleistet, und Dwayne wusste, dass seine Genesung außergewöhnlich gut verlaufen war. Nichtsdestotrotz bereitete ihm der bloße Gedanke an einen erneuten Hörverlust, so kurzfristig er auch sein mochte, Schweißausbrüche.

      Der Vormittag entwickelte sich wie befürchtet immer mehr zu einem Alptraum. Dr. Blake war durchaus freundlich, aber wie viele der Mediziner, die Pride in den letzten Jahren erlebt hatte, war er hauptsächlich auf Laurel fixiert und besprach mögliche Diagnosen automatisch mit seiner Tochter anstatt mit ihm selbst. Es bedurfte King einiger energischer Worte, um klarzustellen, dass er zwar vielleicht alt und blind, aber deswegen noch lange nicht außen vor war. Genützt hatte es ihm nicht viel, Blake hatte die Auffassungen der Klinikärzte geteilt und - zumindest kam es Dwayne so vor – jeden einzelnen verfluchten Test durchgeführt, zu dem er und sein Team imstande waren. Sie hatten seine Ohren hin- und hergezogen, hineingesehen, heiß und kalt ausgespült, gegen sein Trommelfell geklopft, ihm die Nase zugehalten und ihn gefühlte Ewigkeiten unter einem gut isolierten Kopfhörer regelrecht versauern lassen. Als der Arzt ihn schließlich wieder abnahm, war der ehemalige Agent bereits vollkommen erschöpft und längst nicht mehr an einer möglichen Diagnose interessiert. Er wollte verflucht noch mal einfach nur nach Hause auf sein Sofa, an sein Klavier oder noch besser in die Küche. Kochen hatte ihm schon immer geholfen, abzuschalten und den Kopf freizubekommen.

      Stattdessen traute er seinen Ohren nicht, als Dr. Blake zum Abschluss ein MRT anordnete. Verdammt, das durfte doch wohl nun wirklich nicht wahr sein! Pride musste alle Kraft zusammennehmen, um die übrigen Anwesenden seine Angst nicht sehen zu lassen, doch er spürte bereits, wie ihm der kalte Schweiß ausbrach. Gottseidank war zumindest Scott längst nach draußen gegangen und ersparte seinem Großvater die Blöße, seine Hilflosigkeit zur Schau stellen zu müssen. King war inzwischen so erschöpft, dass er nicht einmal protestierte, als Laurel ihn in die zum MRT führende Umkleide schob, ihm erneut beim Umziehen half und die Prothese abschnallte. Immerhin war seine Tochter mittlerweile etwas ruhiger geworden, dennoch zog sie an seiner Kleidung herum, als leide er an fortgeschrittener Demenz.
      Die Tür zum MRT öffnete sich, und Pride fühlte, wie er zu zittern begann, als er das rhythmische Wummern der Maschine spürte. Laurel blieb zurück, eine der Helferinnen stützte den Agenten, der einbeinig zur Liege humpelte, und bat ihn sich hinzulegen. Dwayne kannte die Prozedur, doch er zitterte am ganzen Leib und bekam kaum mit, dass die Helferin ihm beruhigend über den Arm strich. Ein kurzer, überraschend heftiger Schmerz am rechten Unterarm erinnerte ihn daran, dass der Arzt etwas von Kontrastmitteln gesagt hatte – sie legten den Zugang vorsichtshalber, damit sie ihn nicht noch einmal der Röhre herausfahren mussten, falls es einen auffälligen Befund gab. Für Pride fühlte es sich in diesem Moment eher wie ein Zugang für eine Giftspritze in der Todeskammer an. Er zuckte zusammen, als ihm jemand ohne Vorwarnung eine Sauerstoffmaske über die Nase stülpte und mit routinierten Handgriffen befestigte. Als letztes drückte die Helferin ihm noch den Notfallknopf in die Hand, und Dwayne umklammerte ihn wie einen Rettungsanker. Dann bekam er den Kopfhörer aufgesetzt – Gott, wie er diese Dinger hasste! - und die Liege setzte sich langsam in Bewegung.

      Pride spürte, wie ihn augenblicklich Panik überfiel, Platzangst, die Angst, eingesperrt und gefangen zu sein und jeden Moment von dem Ungetüm, das ihn laut wummernd umgab und selbst im Innern seines Kopfes zu hämmern schien, zerquetscht zu werden. Auch, wenn er genau wusste, dass nichts davon geschehen würde. Es war schließlich nicht sein erstes MRT.
      Halt durch! knurrte er sich selbst innerlich an. Du hast schon schlimmeres mitgemacht! Wenn du die Reißleine ziehst, müssen sie anschließend wieder von vorne anfangen, und du hast alles Bisherige umsonst durchgemacht!
      Der Agent kämpfte mit aller Macht gegen die Panik an, seine Hand umklammerte den kleinen Ballon, fest gewillt, ihn nicht zu drücken. Er konzentrierte sich mit aller Kraft darauf, gleichmäßig zu atmen, ein und aus und ein und aus. Die Maske versorgte ihn mit zusätzlichem Sauerstoff, es gab keinen Grund für Atemnot. Doch er spürte, wie seine Atemzüger immer flacher wurden und seine Finger sich immer mehr zusammenkrümmten. Nein, nein, nein!! befahl er sich selbst. Halt durch, halt durch, du musst durchhalten!! Atme!! Ein, Aus, Ein, Aus!! Aber seine eigene Stimme schien im Nebel der Panik immer schwächer zu werden.

      Das nächste, was Pride wahrnahm war, dass sich die Liege wieder in Bewegung gesetzt hatte. Er war schweißgebadet und zitterte am ganzen Leib, und sein Atem ging stoßweise. Er hatte nicht einmal genug Kraft übrig, um sich aufzusetzen, und wunderte sich, dass niemand kam, um ihm zu helfen. Immerhin nahm ihm endlich jemand den Kopfhörer ab, aber irgendetwas stimmte nicht. Erschrocken fuhr er zusammen, als ihn jemand an der Schulter fasste, seinen Ohren dröhnten noch zu sehr von dem Lärm der Maschine, und er hatte nicht bemerkt, dass jemand neben ihn getreten war. Verwirrt erkannte er die kräftige Hand des Arztes auf seinem linken Oberarm. Was machte der Kerl dort? Normalerweise kam an dieser Stelle die Assistentin, um ihm zurück in die Kabine zu helfen!
      Dr. Blake klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter und murmelte etwas von „vielleicht ein bisschen viel“, und King, der es mittlerweile zumindest wieder schaffte, einigermaßen Luft zu bekommen, beschlich eine böse Vorahnung. Hatte er etwa tatsächlich den Notfallknopf gedrückt? Würde er die ganze Prozedur noch einmal wiederholen müssen?!

      Offensichtlich hatte er das, doch bevor er länger darüber nachdenken konnte, spürte er erneut einen kühlen Tupfer auf seinem Arm, roch den scharfen Duft eines Desinfektionsmittels.
      „Ich werde Ihnen ein Beruhigungsmittel geben, Mr. Pride“, hörte er Dr. Blake sagen, und ihm entging der genervte Unterton nicht. Wut brandete in ihm auf, verdammt noch mal, warum hatten sie es heutzutage alle so eilig? Und was gab ihnen das Recht, ihn wie einen lästigen Klotz am Bein zu behandeln?! Er wollte kein Beruhigungsmittel, schon gar nicht ohne vorher gefragt zu werden! Er wollte einfach nur nach Hause! Doch er kam nicht dazu, den Gedanken zu Ende zu führen. Ohne eine Antwort seines Patienten abzuwarten, hatte Blake dem alten Mann eine Spritze verabreicht, deren Inhalt sich auf der Stelle wie schwarzer Samt über Dwaynes Nervenkostüm legte. Er bekam kaum mit, dass sie ihn erneut in die Röhre schoben.


      Teil 5

      Als Laurel ihren Vater am frühen Nachmittag wieder ins Heim zurückbrachte, waren Dwayne die Nachwirkungen des Arztbesuches noch mehr als deutlich anzusehen. Er war so erschöpft, dass er sich widerstandslos von seiner Tochter im Rollstuhl schieben ließ, die Unterschenkelprothese und den Taststock nutzlos in den Händen haltend. Der King machte einen dermaßen erbärmlichen Eindruck, dass die alte Mrs. Miller, eine direkte Nachbarin der kleinen WG, erschrocken umdrehte und zurück in ihre Wohnung eilte. Tobias gab sich Mühe, sich sein Entsetzen nicht anmerken zu lassen, und wartete mit mühsam gewahrter Geduld, bis Laurel ihren Vater in sein Bett gesteckt und sich mit einem hastigen Kuss auf die Stirn und einem „Ich rufe dich morgen an!“ verabschiedet hatte. Scott war nicht mit hereingekommen, und Fornell vermutete, dass er in der Stadt beim Football geblieben war. Nachdem Laurel die Tür hinter sich zugezogen hatte, ließ Tobias sich langsam auf Dwaynes Bettkante nieder und drückte beruhigend die Hand seines Freundes.
      „Schlaf dich aus“, brummte er leise und zog die Decke unwillkürlich höher. Anschließend stellte er das Sauerstoffgerät ein und positionierte die Maske zwischen Kings Fingern, so dass Pride sie jederzeit aufsetzen konnte, wenn es nötig werden sollte. King bedankte sich mit einem schwachen Händedruck und war eingeschlafen, noch ehe Tobias das Zimmer verlassen hatte.

      Eine gute Stunde später war in der Wohnung noch immer alles ruhig. Tobias, der es sich in der Zwischenzeit für ein kleines Nickerchen in seinem Lieblingssessel bequem gemacht hatte, ging langsam in die Küche und setzte einen neuen Kaffee auf. Wie erwartet dauerte es nicht allzu lange, ehe die Duftschwaden die Lebensgeister seiner Mitbewohner weckten. Er überließ es Pride, sich selbst zurechtzufinden, und trat zu Jethro, der ihn schief angrinste.
      „Kahhhhnnn…. hell….feee?“ brachte er hervor, während er bereits begonnen hatte, seine Füße über die Bettkante zu bugsieren. Tobias war überrascht und erleichtert, dass Gibbs munter genug war, um sein Bett verlassen zu wollen, und half ihm rasch, sich warm anzuziehen. Der Silberfuchs stützte sich schwer auf seinen Freund, doch er schaffte es, auf eigenen Füßen bis ins Wohnzimmer zu gehen. Dort ließ er sich auf dem Sofa nieder, und Tobias deckte ihn mit einer der vielen Wolldecken zu, die überall auf den Möbeln drapiert waren. Nicht, dass es sonderlich kalt war in der Wohnung, im Gegenteil, aber Tobias wusste, dass Jethro schon seit seinem ersten Schlaganfall schnell fror, und nach dem zweiten war es nicht besser geworden. Außerdem hatte er gerade eine Lungenentzündung hinter sich, und einen neuerlichen Infekt wollte Tobias auf keinen Fall riskieren.

      Jethro nahm die Decke dankend an und versuchte dann, sich in eine bequeme Position zu bringen. Währenddessen war auch Dwayne Pride wieder auf die Beine gekommen und strahlte trotz der Erschöpfung über das ganze Gesicht, als er die Anwesenheit seines Bruders im Zimmer bemerkte. Er schickte sich an, in die Küche zu gehen, doch Tobias winkte ab, er würde ohne Hilfe vermutlich ohnehin schneller zurechtkommen.
      „Im Schrank sind noch ein paar Beignets“, rief Pride ihm nach. „Sie sind nicht mehr so frisch, wie ich sie gerne hätte, aber mit viel Puderzucker sollten sie trotzdem noch schmecken!“
      Tobias nickte und konnte sich ein Kopfschütteln nicht verkneifen, als er die Küche betrat. Es war kaum zu fassen, wie sehr sie alle sich an die unglaublich leckeren Spezialitäten gewöhnt hatten, die Pride aus New Orleans „importiert“ hatte. So lange seine Kräfte es auch nur ansatzweise zuließen, konnte Dwayne Stunden in der Küche verbringen und sowohl seine Mitbewohner als auch einen Großteil der Nachbarn mit kulinarischen Delikatessen aus dem Big Easy verwöhnen.
      Tobias schmunzelte, als er an die Zeit nach ihrem Einzug dachte. Die meisten Bewohner waren zunächst eher auf Distanz gegangen, doch Mrs. Miller war ganz begeistert von der Vorstellung gewesen, die drei Junggesellen unter ihre Fittiche zu nehmen. Fornell grinste noch immer, wenn er an den Gesichtsausdruck der alten Frau zurückdachte, die eines Abends bei ihnen geklopft hatte, um ihre neuen Nachbarn für den nächsten Tag zum Mittagessen einzuladen, damit sie sich im fremden Heim gleich wie zu Hause fühlen konnten. Zu Mrs. Millers größter Überraschung traf sie das Trio jedoch gerade beim Essen an – kein Steak mit Ketchup, wie sie befürchtet hatte, sondern ein höchst verführerisch duftender Eintopf, den Pride gerade auf den Tellern seiner Mitbewohner verteilte. Sie hatte sich nicht zweimal bitten lassen, ebenfalls Platz zu nehmen.

      Heute jedoch blieben die Freunde unter sich, und der heiße Kaffee in Kombination mit dem süßen Gebäck sorgte dafür, dass Dwayne sich rasch besser fühlte. Tobias hatte eines der Beignets in kleine Häppchen geschnitten und Gibbs mit einem alten Handtuch ausgestattet, und der ehemalige Chefermittler wirkte ausgesprochen zufrieden, während er langsam kaute und schluckte. Seine Mitbewohner hatten sich längst an die nicht mehr sonderlich gesellschaftsfähigen Essmanieren ihres Freundes gewöhnt, und der Anblick schreckte sie nicht ab. Stattdessen freuten sie sich mehr, als sie zugeben wollten, dass ihr Freund überhaupt neben ihnen saß und selbstständig zu essen versuchte. Fornell ließ seinen Blick zwischen den beiden ehemaligen NCIS-Ermittlern hin und her wandern und schmunzelte. Vermutlich war es Prides Kochkunst zu verdanken, dass Gibbs überhaupt noch etwas aß. Es war bei weitem nicht genug, um ihn mit ausreichenden Nährstoffen zu versorgen – dafür war die Prozedur des Kauens und Schluckens zu aufwendig geworden – aber mit Unterstützung der PEG-Sonde war es ihnen gelungen, den Silberfuchs einigermaßen bei Kräften zu halten.

      „Ehh… guuuhhh…. wii..gaaa… hiieee… uuuu… saaaaaiii“, brachte Gibbs schließlich mit einem schiefen Lächeln hervor, nachdem Tobias ihm das Handtuch, das seine Kleidung vor den gröbsten Unfällen bewahrt hatte, abgenommen und mit einem feuchten Tuch die Mundpartie seines Freundes gesäubert hatte. Fornell, der mittlerweile ebenso wie Pride eine Menge Übung darin hatte, die mühsam geäußerten Laute zu sinnvollen Sätzen zusammenzusetzen, interpretierte die Äußerung mit „Es ist gut, wieder hier zu sein“, und legte seinem Freund gerührt eine Hand auf die Schulter.
      „Es ist gut, dich wieder hier zu haben, mein Bruder“, sprach Pride aus, was auch Tobias durch den Kopf ging. „War verdammt leer hier in den letzten Wochen.“
      „Nie…. ni…chchch… nohhh… ei…maaaa…“ erklärte Gibbs mit einem geradezu flehenden Gesichtsausdruck. „Soooo… sooo viiiel Aaaaa… angst.“
      Die beiden anderen nickten. Sie wussten, was Jethro meinte. Sie hatten ihn im Krankenhaus besucht, so oft sie konnten, und schon dort hatte Gibbs immer wieder seiner Sorge Ausdruck verliehen, nie wieder zu seinen Freunden zurückkehren zu können. Eine Sorge, die Fornell und Pride durchaus teilten, zumal sie nicht ganz unberechtigt war. Es hatte beiden alles abverlangt, Jethro wieder nach Hause zu holen, und die Tage waren seitdem nicht einfacher geworden. Die Ärzte hatten Recht, es WAR ein enormer Aufwand, einen dermaßen stark pflegebedürftigen Mitbewohner zu haben. Aber etwas Anderes war schlicht nicht akzeptabel. Sie waren ein Team, das zusammengehörte, und das um jeden Preis.

      Jethro genoss die Gesellschaft seiner Freunde in vollen Zügen. Zum ersten Mal seit langem fühlte er sich endlich wieder gut und kräftig, und es war eine Wohltat, den alten Geschichten zu lauschen und aus vollem Herzen darüber zu lachen. Was hatten sie nicht alles zusammen erlebt! Dem Silberfuchs war bewusst, was mit ihm vorging, er wusste, dass ihm viele Teile seines Alltags mittlerweile einfach zu fehlen schienen. Er hatte die Entwicklung seiner Krankheit oft genug gesehen. Aber dies war nicht der Augenblick, darüber nachzudenken. Es gab ohnehin nichts, das er dagegen tun konnte, der Verfall ließ sich nicht aufhalten. Jethro lebte schon seit langem so gut wie nur noch für den Moment. Für Augenblicke wie diesen, in denen er mit seinen Freunden zusammensitzen und lachen konnte. Es war schön, alte Erinnerungen wachzurufen. So vieles hatte er längst vergessen – war er wirklich einmal in einem Osterhasenkostüm auf einem Pier herumgelaufen, um unbemerkt einen Verdächtigen identifizieren zu können? Hatte er wirklich Beweise versaut, weil er von einem Steg ins Wasser gefallen war? Vermutlich schon – zumindest tauchte in seinem Kopf unvermittelt das Bild einer attraktiven Rothaarigen mit einem äußerst wohlgeformten Hinterteil auf. Und eine Standpauke, die sich gewaschen hatte, auch wenn Jethro sich nicht mehr erinnern konnte, wer sein Gegenüber gewesen war. Gelächter brandete um ihn herum auf, und er stimmte aus vollem Herzen mit ein. Ja, er hatte Tobias in den Hintern geschossen, damals – um ihn vor Schlimmerem zu bewahren und aus der Schusslinie zu bekommen. Ein weiteres Bild tauchte in Jethros Erinnerung auf. Eine rothaarige Frau, in seinen Armen, mit einem Loch in der Stirn. Ein entsetzliches Gefühl von Trauer und Schuld. Tobias, im Schnee, kahlrasiert und ein betrunkenes Wrack. Eine Hütte im Wald. Jethro spürte, wie die Müdigkeit von ihm Besitz ergriff. Weitere Erinnerungen strömten auf ihn ein. Ein kleines Mädchen, das ihm alles bedeutete, ohne, dass er sich an ihren Namen erinnern konnte. Sie lachte ihm ins Gesicht. Jethro schloss die Augen und versuchte, die Erinnerung festzuhalten. Es dauerte nicht lange, bis er einschlief.

      Mit vereinten Kräften bugsierten Tobias und Dwayne ihren Freund in die Waagerechte und deckten ihn sorgfältig zu. Sie wussten, dass Gibbs sich im Schlaf nur sehr selten zu bewegen pflegte und wenig Gefahr bestand, dass er von dem breiten Sofa herunterfallen würde.
      „Meine Güte, bin ich froh, dass der alte Knabe wieder hier ist“, gähnte Pride mit einem Kopfnicken in Richtung seines schlafenden Freundes. „Auch wenn es verdammt anstrengend werden wird.“
      „Hm-mh“, stimmte Tobias zu, in Gedanken ganz woanders. „Wie ist denn deine Untersuchung gelaufen, King? Schon irgendwelche Ergebnisse, warum du ständig umkippst?“
      „Nein“, erwiderte Pride. „Oder besser… weiß ich nicht. Der verfluchte Drecksmediziner hat vermutlich nur Laurel alle Details erzählt, nachdem er mich einfach außer Gefecht gesetzt hat. Verdammt, muss ich mir so eine Behandlung eigentlich gefallen lassen?!“
      Fornell zuckte resigniert mit den Schultern. „Wir sind inzwischen die Alten und Schwachen, King. Wir haben unseren Platz in der Gesellschaft längst an unsere Kinder abgegeben. Aber wenn ich du wäre, würde ich dem Idioten einfach mal einen kleinen Beschwerdebrief schreiben. Oder noch besser, seinem Vorgesetzten, und eine Kopie davon an die Presse. Na ja, du kennst die Tricks ja vermutlich genauso gut wie ich…“
      Pride grinste und wurde dann rasch wieder ernst. „Früher hätte ich mir so was nie im Leben gefallen lassen. Ich hätte dem Kerl sein verdammtes Mittel sonstwohin gestopft – dahin, wo nie die Sonne scheint! Aber früher hätte ich auch niemals solche Attacken in dem verdammten Ding bekommen. Herrgott, ich bilde mir ein, mich wirklich gut ans Altwerden gewöhnt zu haben, aber manchmal… manchmal frage ich mich, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn ich bei dem großen Knall damals mit draufgegangen wäre.“

      Tobias atmete tief ein und wieder aus, und setzte sich dann unmittelbar neben seinen Freund auf das kleinere der beiden Sofas. Er kannte die Selbstvorwürfe, die der Andere sich machte, bereits seit langem, aber in den letzten Jahren hatte Pride so gut wie nicht mehr davon gesprochen.
      „King, das ist nicht fair, so zu denken“, erinnerte er ihn leise. „Es ist gut, dass du hier bist. Hier, bei uns. Wir brauchen dich hier, Dwayne Cassius Pride. Jetzt mehr denn je.“
      „Fair?!“ brauste der blinde Mann auf. „Was ist denn schon fair?! Ist es fair, dass Percy und Gregorio bei diesem verdammten Attentat draufgegangen sind? Dass es Christopher in so kleine Fetzen gerissen hat, dass er nicht einmal vernünftig beerdigt werden konnte? Ist es fair, dass der alte Mann da“ – er deutete auf Gibbs – „so sichtbar verfallen muss? Dass ausgerechnet er, der nie in seinem Leben irgendwelche Hilfe annehmen konnte, mittlerweile nicht einmal alleine Essen kann?! Hat er nicht genug durchgemacht in seinem Leben? Ist es fair, dass unsere Kinder…“ Er brach ab, weil ihm die Stimme stockte, und Tobias legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter. Es war selten, dass einer von ihnen emotional zusammenbrach, doch sie alle hatten derartige Ausbrüche mehr als einmal hinter sich gebracht, zerbrochenes Mobiliar und gelegentlich auch Tränen inbegriffen. Und auch, wenn es noch immer ein seltsamer Anblick war, einen seiner Freunde weinen zu sehen, so hatte sich keiner jemals vor den anderen dafür geschämt.

      Pride benötigte nicht lange, um sich zu fangen.
      „Gott, wie ich es hasse!“ stieß er dann hervor. „Nicht nur all die Dinge, die sie mit dir machen… ich kann nicht mehr sehen, Tobias, aber ich kann es spüren. Ich kann ihre Blicke auf mir spüren, diese mitleidigen Blicke, als sei ich eine besonders bedauernswerte Kreatur, der man noch ein paar möglichst angenehme Tage bereiten will.“
      Tobias schwieg, er wusste, wovon Pride sprach. Er kannte die Blicke, die sich auf Prides Gesicht richteten, sobald er seine Sonnenbrille abnahm. Die Sprengfalle des Attentäters hatte ganze Arbeit geleistet, die Augenhöhlen waren leer und vernarbt und boten in der Tat einen ausgesprochen gruseligen Anblick – was der Grund war, warum Pride so gut wie nie ohne seine Sonnenbrille anzutreffen war. Tobias selbst hatte sich an den Anblick längst gewöhnt, schön war es nun einmal nicht, aber er erinnerte sich an das entsetzte Keuchen der alten Mrs. Miller, als sie einmal im falschen Moment zur Tür hereingekommen war. Es hatte daraufhin ein paar Tage gedauert, ehe sie erneut geklopft hatte, doch seitdem war keine Spur von Ablehnung oder Scheu zwischen den beiden mehr zu spüren gewesen. Tobias vermutete, dass Dwayne die Sache in der ihm eigenen Weise mit ihr in einer ruhigen Minute geklärt hatte, aber keiner von beiden hatte je ein Wort darüber verloren.

      An diesem Abend lag Tobias Fornell noch lange wach und lauschte auf die vertrauten Geräusche aus den Nachbarzimmern. Er konnte noch immer nicht in Worte fassen, wie froh er war, Gibbs wieder zu Hause zu haben – ja, so weit war es schon mit ihm gekommen. Er, Tobias Claudius Fornell, FBI-Agent in Rente, nannte allen Ernstes ein Pflegeheim sein Zuhause – und meinte es auch so. Auch wenn es nicht immer einfach war, so hatte er die Entscheidung, mit seinen beiden Freunden herzukommen, nicht eine Sekunde lang bereut.
      Er seufzte leise, als er an den übernächsten Tag dachte. Die angekündigte Prozedur selbst schreckte ihn kaum, sicher, eine Magenspiegelung war nicht sonderlich angenehm, aber was war das in diesen Tagen schon. Was ihm wesentlich mehr Sorgen bereitete, war der Grund, weshalb sein behandelnder Arzt ihn zu dieser Untersuchung herbestellt hatte. Er hatte es nicht laut ausgesprochen, aber Tobias war nicht dumm, und das Wort „Magenkrebs“ hatte wie ein Damoklesschwert im Raum gestanden.
      Tobias seufzte noch einmal und wälzte sich auf die andere Seite. Vielleicht hätte er seinen Freunden doch von dem Termin erzählen sollen? Die vermehrte Übelkeit, die ihn zusätzlich zu seiner Darmentzündung in den letzten Wochen geplagt hatte, war ihnen nicht verborgen geblieben – oder zumindest Pride nicht. Aber King war taktvoll genug, nicht nachzubohren, wenn er auf manche Fragen keine Antwort bekam. Ebenso, wie Tobias wusste, wann er besser nicht weiter nachfragte.

      Magenkrebs.
      Tobias wusste nicht genau, wie die Therapie dazu in seinem Alter konkret aussah. Aber er wusste, was auf dem Spiel stand. Eine Krebstherapie, egal in welcher Form, würde ihn voll und ganz an seine Grenzen bringen, ganz gleich ob Chemo, Operation oder Bestrahlung oder auch alles zusammen. Er würde Wochen, Monate, wenn nicht sogar Jahre damit zu kämpfen haben, vorausgesetzt, er überlebte die Sache überhaupt. Aber was wurde dann aus Pride und Gibbs? Allein würden sie in der Wohnung nicht bleiben können. Pride vielleicht, aber die Heimleitung würde nie im Leben zulassen, dass Jethro Gibbs in seinem jetzigen Zustand allein von einem blinden alten Freund versorgt wurde, der sich gerade selbst auf den Beinen halten konnte. Und der heutige Nachmittag hatte Tobias noch einmal sehr, sehr deutlich gemacht, dass es die erneute Verlegung von Gibbs auf eine andere Station um jeden Preis zu verhindern galt. Wenn er nur wüsste, wie er das anstellen sollte…


      Teil 6


      „Und, wie war’s?“ wurde Tobias am übernächsten Tag von Dwayne Pride empfangen, als er am späten Nachmittag von seinem Termin zurückkehrte.
      „Frag nicht!“ knurrte Tobias heiser zurück. „Die hätten mich vermutlich auch noch bis zum Sankt Nimmerleinstag dabehalten, aber wenigstens darf ich jetzt sogar offiziell wieder was zu trinken zu mir nehmen. Haben wir noch Kaffee?“ Er ließ sich erschöpft in einen der Sessel fallen, während Pride kommentarlos in der Küche verschwand und wenig später mit zwei dampfenden Bechern zurückkehrte.
      „Sei froh, dass du nicht hier warst“, brummte King nach einer Weile des schweigenden Trinkens. „Wir hatten heute schon zweimal den Arzt da, weil Gibbs‘ Hustenanfälle gar nicht mehr aufhören wollten. Da kommt was auf uns zu, Tobias… heute Morgen war Doc Halligan hier, dieser junge blonde Hüpfer, der noch nicht viel zu sagen hat. Beim zweiten Mal haben sie gleich die Kavallerie alarmiert und ihm Iron Hunter auf den Hals gehetzt. Und der hat mal wieder recht nachdrücklich klargemacht, dass Gibbs seiner Meinung nach mehr oder weniger auf eine Intensivstation gehört. Gottseidank hat das Medikament, was der Doc Jethro gegeben hat, schnell angeschlagen, ansonsten hätte er ihn vermutlich tatsächlich gleich mitgenommen!“
      „Dann hätte er aber was erleben können!“ knurrte Tobias aufgebracht. „Den alten Wadenbeißer habe ich sowieso längst gefressen.“
      „Wem sagst du das“, stimmte Pride zu. „Es hätte nicht viel gefehlt, und ich hätte ihm eine reingehauen – der einzige Grund, es nicht zu tun, war, dass es Gibbs auch nicht weitergeholfen hätte. Obwohl… viel schlimmer kann es doch eigentlich nicht werden, oder?“
      „Keine Ahnung“, brummte Fornell. „Was Hunter angeht, sicher nicht – aber vermutlich wäre ich jetzt alleine hier und könnte mir aussuchen, wen von euch beiden ich zuerst besuchen gehe. Der Kerl ist aber auch eine Zumutung!“
      Pride nickte seufzend. Iron Hunter, mit bürgerlichen Namen James Huntington, war ein Paragraphenreiter, wie er im Buche stand, und unglücklicherweise nach derzeitigem Stand der Dinge Gibbs‘ amtlich bestellter Betreuer. Zwar hatte der Silberfuchs, als sich der Beginn seiner Krankheit abzeichnete, rechtlich abgesichert und Dwayne Pride zu seinem offiziellen Bevollmächtigten bestellt, sollte er selbst nicht mehr in der Lage sein, klare Entscheidungen zu treffen. Für den Fall, dass er Dwayne Pride überlebte, sollte diese Rolle Tobias zufallen. So weit, so gut – doch als Gibbs schließlich tatsächlich an dem Punkt angelangt war und das Heim die entsprechenden Dokumente vom Notar angefordert hatte, hatte sich herausgestellt, dass das Büro des Notars kurz zuvor abgebrannt war, und ein Großteil der wertvollen Dokumente ein Opfer der Flammen und des Löschwassers geworden waren. Der digitale Entwurf existierte zwar noch, war aber – da klar als Entwurf gekennzeichnet – nicht rechtskräftig. Und somit griffen zunächst die Mühlen der Bürokratie, die für einen solchen Fall die Bestellung eines amtlichen Vormunds vorsahen. Egal, wie sehr Dwayne und Tobias protestierten – das Verfahren war langwierig, und ehe nicht über den Ausgang entschieden war, blieb aus der Sicht der Heimverwaltung für die Belange des Patienten Leroy Jethro Gibbs sein Betreuer James Huntington zuständig. Und der hatte, zumindest aus der Sicht der Agenten, vor allem die Sicherung seines eigenen Hinterns im Sinn.
      „Die Sache gefällt mir auf jeden Fall nicht“, knurrte Pride und setzte seine Kaffeetasse lauter als beabsichtigt auf dem Wohnzimmertisch ab. „Immerhin ist seit Hunters Besuch Ruhe gewesen und Gibbs hat den Rest des Tages mehr oder weniger friedlich geschlafen. Wenn wir Glück haben, bleibt das bis zum Dienstschluss heute Abend so. Und nun raus mit der Sprache: warum genau hat dein Doc dich zur Magenspiegelung bestellt und was ist dabei rausgekommen?“

      Tobias gab ein unwilliges Knurren von sich. Er hatte bislang weder Pride noch Gibbs erzählt, welche Diagnose sein Arzt im Verdacht hatte, und er hasste den Gedanken, den anderen damit zu belasten. Aber er wusste, dass auf Dauer ohnehin kein Weg daran vorbeiführte – zwar standen die endgültigen Ergebnisse noch aus, aber allein der Gesichtsausdruck des Mediziners hatte Fornell mehr verraten, als der Arzt zugeben wollte.
      „Nicht gut“, brummte Pride, als ihm die Tragweite dieser neuerlichen Entwicklung klar wurde. „Und vor allem ein verdammt schlechter Zeitpunkt.“
      „Jetzt bin ich also an allem schuld, oder was?!“ brauste Tobias auf, und gleich darauf waren die beiden Freunde in einen lautstarken Streit verwickelt – der ein ebenso schnelles Ende nahm, als Pride die Luft ausging und Tobias hastig ins Bad stürzte. Als er zurückkam, zerriss das Klingeln eines Mobiltelefons die Stille.
      „Pride!“ bellte King wütend in den Hörer, in einem Tonfall, den auch Jethro Gibbs in seinen besten Zeiten nicht abweisender hinbekommen hätte.
      „Oh, hallo Laurel!“ Seine Stimme wurde für einen Moment einen Hauch freundlicher, während er die Sauerstoffmaske zur Seite legte. „Nein, das habe ich nicht, und das weißt du verdammt genau! Wie hätte ich das denn machen sollen, nachdem der miese Bastard mich einfach… Laurel! Sag mir, was Sache ist, und dann denke ich darüber nach, okay?!“
      Erneut ging ihm die Luft aus, und er musste wieder nach der Maske greifen – wie fast immer, wenn er sich aufregte und seine geschädigte Lunge überforderte. Tobias registrierte einmal mehr, wie geschickt Dwayne es trotz allem hinbekam, das Telefon so zu halten, dass man am anderen Ende der Leitung nicht viel davon mitbekam. Er beobachtete das Mienenspiel seines Freundes, während er dem Redeschwall seiner Tochter lauschte.
      „Was?! Das ist doch nicht dein Ernst! Vergiss es!!“
      Fornell glaubte, noch ein empörtes „Dad!“ aus dem Hörer zu vernehmen, ehe Pride die Verbindung trennte. „Schlechte Nachrichten?“
      „Ach, die sind doch alle wahnsinnig!“ fluchte Pride, nachdem er wieder zu Atem gekommen war. „Sie haben einen Tumor im Innenohr gefunden, der auf den Gleichgewichtsnerv drückt. Angeblich irgendeine Sache, die man mit einer regelrechten Routineoperation total einfach aus der Welt schaffen kann. Laurel sagt, der verdammte Doc habe schon mit ihr abgesprochen, dass sie sich morgen wegen eines OP-Termins bei ihm meldet. Eigentlich wollte sie mir nur sagen, welche Tage für ihren Terminkalender am passendsten wären!“
      Tobias zog die Augenbrauen hoch. „Wenn es nur eine Routineoperation ist, klingt das doch eigentlich gar nicht so schlecht, oder?“
      Pride schnaubte. „Ja, außer dass es wohl doch nicht ganz so routinemäßig ist, wie der kleine Dreckskerl Laurel weißmachen will. Der Eingriff erfordert in jedem Fall eine Vollnarkose – die durchaus mehrere Stunden dauern kann - und das Risiko besteht, dass es zu Komplikationen und anschließenden Hörproblemen kommt! Das kann doch nicht deren Ernst sein!!“

      Tobias unterdrückte ein Stöhnen. Er kannte sich mit Gehörproblemen und ihren Behandlungen nicht sonderlich gut aus, wenn man von seinem eigenen Hörgerät absah, dass immerhin mehr oder weniger zuverlässig funktionierte. Aber das, was Pride erzählte, klang nicht besonders vertrauenerweckend.
      „Vielleicht sind die Komplikationen nicht besonders wahrscheinlich“, gab Pride schließlich zu. „Aber ich bin schon blind, Tobias. Ich kann nicht auch noch mein Gehör verlieren, niemals! Lieber schwanke ich gelegentlich ein bisschen durch die Gegend!“
      Fornell nickte und brummte zustimmend, auch wenn „gelegentlich“ und „ein bisschen Schwanken“ die Probleme seines Freundes arg verharmloste. Und er wusste, dass Pride auf der linken Seite bereits seit einiger Zeit unter einem stärker werdenden Tinnitus litt – der vermutlich ebenfalls im Zusammenhang mit dem Tumor stand. Aber er wusste auch, was Pride nach dem Attentat durchgemacht hatte, und allein der Gedanke daran ließ ihn frösteln.
      Bevor er antworten konnte, ertönte zweimal kurz und durchdringend der Türsummer.
      „Amanda…“ seufzte Tobias. „Sie wird es nie lernen, dass die Tür offen ist. Na ja, immerhin hat sie ihren Patienten gleich schon mal geweckt – hoffen wir mal, dass Gibbs keinen neuen Hustenanfall hinlegt und wir bis morgen früh Ruhe haben.“

      Jethro hatte die Türklingel aus dem Schlaf gerissen, er hatte die Augen geöffnet, gähnte und versuchte, sich aufzusetzen. Pride, der sich so rasch er konnte auf den Weg in Gibbs‘ Schlafzimmer gemacht hatte, half ihm in eine aufrechte Position, während Schwester Amanda, eine der im Heim beschäftigten Pflegekräfte, in die Wohnung trat. Die meisten der Pflegerinnen und Pfleger waren in der Wohnung der drei durchaus willkommen, zumal sich unter dem Personal rasch herumgesprochen hatte, dass die drei alten Männer gut für sich selbst sorgen konnten. Aber Schwester Amanda war ein personifiziertes Regelbuch auf zwei Beinen, und geriet daher ständig mit einem der ehemaligen Agenten aneinander. Zur großen Erleichterung seiner Mitbewohner schien es Gibbs jedoch für den Moment einigermaßen gut zu gehen, und auch der von Pride beschriebene Husten blieb aus. Denn auf einen erneuten Besuch von Iron Hunter konnte Tobias genauso gut verzichten wie Dwayne – auch zu zweit würde es ihnen nicht gelingen, Hunter zu überstimmen, wenn er sich der Meinung des Arztes anschloss, dass es sicherer sein würde, Gibbs zu verlegen. Doch sie hatten Glück, und Amanda sah keinen Anlass, den diensthabenden Arzt zu verständigen.


      Teil 7


      Die folgenden Wochen verliefen alles andere als harmonisch für die kleine Gemeinschaft. Sowohl Pride als auch Fornell trugen schwer an ihren jeweiligen Diagnosen, und keinem von beidem war es ernsthaft gelungen, sich gegen die Planung der weiteren Behandlung durch ihre Töchter zur Wehr zu setzen. Der Streit zwischen Laurel und Dwayne war schließlich so weit eskaliert, dass Prides Tochter die Vormundschaft für ihren Vater beantragt hatte – mit der Begründung, der blinde alte Mann sei nicht mehr zurechnungsfähig. Das Verfahren würde einige Zeit in Anspruch nehmen und vermutlich im Sande verlaufen, aber allein die Tatsache, dass Laurel tatsächlich so weit gegangen war, schmerzte den Agenten mehr, als er je für möglich gehalten hätte.
      Auch Emily Fornell war vermutlich nicht mehr allzu weit von diesem Schritt entfernt. Zwar konnte sie die Argumentation ihres Vaters, er müsse die Gemeinschaft seiner Freunde zusammenhalten, bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen, aber sie weigerte sich, dies um den Preis seiner eigenen Gesundheit zuzulassen.
      Zudem kamen mehr oder weniger tägliche Diskussionen mit Iron Hunter hinzu, der die Zustände in der WG nicht länger verantworten mochte und bereits angekündigt hatte, Gibbs zumindest vorübergehend zu verlegen, bis seine Freunde wieder fit genug sein würden, ihn zu versorgen. Alle Argumentationen und Pläne, die Behandlungen aufeinander abzustimmen, so dass Gibbs grundsätzlich nicht unversorgt blieb, stießen auf taube Ohren. Selbst das Angebot der rüstigen Mrs. Miller, ebenfalls zur Versorgung beizutragen, verhallte ungehört. Noch war kein endgültiges Datum bekannt gegeben worden, und insbesondere in Gibbs‘ Beisein wurde das Thema vom Personal peinlich genau vermieden. Aber allen Beteiligten war klar, dass es im Grunde nur eine Frage der Zeit war.

      Die Nerven der beiden Männer lagen blank, und die konstante Sorge um Jethros sich weiter verschlechternden Zustand tat ein Übriges, so dass es regelmäßig zu Wutausbrüchen und handfesten Streitereien kam. In der Regel endeten die Auseinandersetzungen allerdings genauso schnell, wie sie begonnen hatten, und resultierten in einem gemeinsamen Bier der Streithähne, in depressives Schweigen gehüllt.
      „Was sollen wir tun, Tobias?“ fragte King eines Abends zum wiederholten Male. „Wir tun beide, was wir können, aber wir können nicht ewig geheim halten, wie schlecht es um den alten Mann da hinten wirklich bestellt ist.“
      „Wir haben keine Wahl“, seufzte Tobias. „Wenn Amanda – oder auch irgendeiner der anderen – mitbekommt, wie oft und wie heftig Gibbs mittlerweile tatsächlich hustet, dass er inzwischen so gut wie gar nicht mehr spricht, weiter abgenommen hat, obwohl er ohnehin schon nur noch aus Haut und Knochen besteht, und jetzt auch noch diese mehr oder weniger dementen Phasen beinahe zur Regel geworden sind... dann würde uns vermutlich nicht einmal Waffengewalt helfen, ihn vor dem Krankenhaus zu retten. Die würden uns schlicht und ergreifend einfach an die Seite schieben und ihn mitnehmen!“
      „Ich weiß“, stöhnte Pride. „Und das Schlimme ist... ich kann es ihnen nicht einmal wirklich verübeln. Er braucht Hilfe, Tobias.“
      „Ich weiß...“ seufzte Fornell.

      Beide nahmen einen tiefen Schluck aus ihren Bierflaschen und seufzten erneut. Es war nicht das erste Mal, dass sie diese Unterhaltung führten, und beide wussten, dass Pride Recht hatte. Gibbs baute so massiv ab, dass es mehr oder weniger unmöglich war, es noch länger zu verheimlichen. Beiden war nur zu deutlich bewusst, dass sie das zu Beginn ihrer Zeit im Heim so mühsam erworbene Vertrauen gerade massiv aufs Spiel setzten. Das Pflegepersonal vertraute darauf, dass sie Bescheid gaben, wenn tatsächlich Hilfe benötigt wurde, und bisher hatten sie dies auch stets getan – völlig ohne falschen Stolz. Und normalerweise lag ihnen nichts ferner, als es auch ein weiteres Mal zu tun und über Gibbs' Verschlechterungen zu berichten. Der Haken lag darin, dass ihr Freund ihnen in einem der immer seltener werdenden klaren Momente das Versprechen abgerungen hatte, auf gar keinen Fall zuzulassen, dass er noch einmal auf eine andere Station gebracht wurde. Und an dieses Wort fühlten sie sich gebunden – um jeden Preis.

      Als hätte er die Gedanken seiner Freunde gehört, erklang in diesem Moment ein rufender Laut aus Gibbs' Zimmer. Fornell erhob sich, um nach dem Rechten zu sehen, und fand seinen Freund zu seinem Erstaunen aufrecht im Bett sitzend vor – und, was sein Herz vor Freude beinahe explodieren ließ, mit klaren Augen und ebenso klarem Verstand. Zumindest, soweit er es bislang beurteilen konnte. Jethro lächelte schief, als Tobias den Raum betrat, und deutete mit fragend hochgezogenen Augenbrauen auf den Rollstuhl, der in der Ecke stand.
      „Mit dem größten Vergnügen, alter Knabe!“ lachte Fornell.
      Wenig später saß Jethro Gibbs, in warme Decken gehüllt und eine Tasse Kaffee in der Hand, zwischen seinen Freunden im Wohnzimmer.

      Es war schön, im Kreis seiner Freunde zu sitzen, und Jethro fühlte sich so wohl, wie es in diesen Tagen nur ging. Der Kaffee tat gut, um die Schmerzen in seinem Hals zu lindern, doch der Husten hatte ihn so sehr mitgenommen, dass an Sprechen nicht einmal zu denken war. Er versuchte es ein oder zwei Mal, aber es ging einfach nicht – er hatte einfach nicht genug Kraft, um seine Muskeln zu kommandieren. Wie er überhaupt so wenig Kraft hatte in letzter Zeit…. er konnte beinahe spüren, wie die Energie ihn mit jedem Tag ein Stück mehr verließ. Alles war so anstrengend geworden – Laufen, Essen, Sprechen, Denken, sogar das Atmen.
      Zu anstrengend.
      Er war müde, unendlich müde.
      Der Grauhaarige spürte, dass seine Zeit gekommen war, der Abschied würde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Der Gedanke an den Tod schreckte ihn nicht, im Gegenteil. Sein Leben hatte viel zu lange gedauert, von ihm war nichts weiter geblieben als eine kaputte Hülle, die seinen Freunden zur Last fiel. Das Einzige, was ihn beim Gedanken an den Tod schreckte, war die Aussicht, nicht sterben zu dürfen, irgendwo in einem Krankenhaus hilflos am Leben gehalten zu werden, allein und ohne den Zuspruch seiner Freunde. Er war zu müde, um genau mitzubekommen, was in der WG vor sich ging – früher einmal hatte er jedes Wort verstanden, aber mittlerweile kam ihm die Welt um sich herum wie ein dichter Nebel vor, und die meisten Dinge schienen sich im Verborgenen abzuspielen. Er vertraute King und Tobias, er wusste, dass sie auf ihn aufpassen würden, aber er konnte spüren, dass sie sich um ihn sorgten und etwas vor ihm verbargen. Irgendetwas war im Busch, das war eindeutig – und was immer es war, es gefiel ihm nicht. Es wurde Zeit, Abschied zu nehmen, und er wollte ihnen mitteilen, dass es nicht mehr lange dauern würde. Aber egal wie sehr Jethro es auch versuchte, es gelang ihm nicht, die Worte zu artikulieren - so sehr seine Freunde sich bemühten, die Laute zu verstehen, gerieten bereits die ersten Sätze zu einem hilflosen Ratespiel.

      Einer spontanen Idee folgend, stand Tobias schließlich auf und brachte dem Silberfuchs einen Notizblock und einen Stift. In der Zeit nach dem zweiten Schlaganfall, in der Gibbs überhaupt nicht hatte sprechen können, war es ihre einzige Verständigungsmöglichkeit gewesen – was Tobias automatisch zum Dolmetscher seines Freundes gemacht hatte, da Dwayne die hingekritzelten Notizen nicht lesen konnte.
      Jethro griff dankbar nach dem Block. Seine Hand war steif, das Schreiben beinahe so mühsam wie das Sprechen, und Tobias hatte Mühe, die krakeligen Lettern zu entziffern.
      Lang genug“, las er schließlich leise vor. „Zu lang. Wollte schon oft auf... - Jethro, nein, das darfst du nicht denken!“
      „Nicht?“ brachte Gibbs hervor, mit einem Blick, der Fornells Worte Lügen strafte. Gibbs wurde von einem weiteren Hustenanfall geschüttelt und blieb anschließend eine Weile reglos sitzen, seinen Gedanken nachhängend. Es gab so viel, was er sagen wollte, und so wenig, was er zu Papier bringen konnte. Aber es entsprach der Wahrheit, und weder seine Freunde noch er selbst konnten die Augen länger vor den Tatsachen verschließen. Er war Zeit seines Lebens ein Kämpfer gewesen, hatte all die großen und kleinen Prüfungen, die das Schicksal für ihn bereitgehalten hatte, jedes Mal irgendwie bewältigt, auch wenn er noch immer nicht wusste, wie er das geschafft hatte. Es war gut, dass er sein Leben bis hierher gelebt hatte. Es gab wenige Dinge, die er bereute, vieles, mit dem er seinen Frieden gemacht hatte. Und vor allem hatte das Leben ihn mit den besten Freunden gesegnet, die man sich vorstellen konnte. Aber er war des Kämpfens müde. So müde…. Mühsam drückte er den Stift wieder aufs Papier.

      „Lies weiter!“ krächzte Pride, als Fornell trotz des erneut kratzenden Stifts hartnäckig schwieg. Er hatte ebenso wie Tobias längst begriffen, was sein Bruder ihnen mitteilen wollte, und die Erkenntnis schnürte ihm regelrecht die Kehle zu. Er weigerte sich, dem Gedanken Raum zu geben.
      Wollte oft aufgeben“, brachte Tobias mit gepresster Stimme hervor. „Froh, dass nicht. Aber jetzt anders. Abby, Tony, Tim, Elli eigenes Leben.
      In diesem Punkt hat er in jedem Fall Recht, dachte Tobias. Abby, die sich lange Zeit hingebungsvoll um ihren Silberfuchs gekümmert hatte, hatte vor zwei Jahren eine Forschungsstelle in Südafrika angeboten bekommen, bei der sie Aidswaisen zu einer besseren Zukunft verhelfen konnte – ein Projekt, was sie aus Sorge um Gibbs beinahe abgelehnt hätte, ehe er sie überzeugen konnte, dass Pride und Fornell gut auf ihn aufpassen würden. Tim arbeitete seit Gibbs' Pensionierung selbst als Teamleiter und kam gelegentlich zu Besuch, doch die Arbeitszeiten eines Senior Special Agent waren ohnehin schwer genug mit einem geregelten Familienleben – Delilah und Tim waren inzwischen stolze Eltern von vier Kindern - unter einen Hut zu bringen. Tony lebte seit langem mit seiner Tochter Thali irgendwo in Europa, Ellie war an die Westküste gezogen. Und der gute Ducky war bereits einige Jahre vor Jethros Pensionierung friedlich im Schlaf verstorben. Tobias vermisste den alten Mediziner mittlerweile mehr denn je. Was würde er dafür geben, in einer Situation wie dieser auf die Erfahrung eines Freundes wie Ducky zählen zu können?
      Ein Rippenstoß von Pride riss ihn aus seinen Gedanken.
      „Lies weiter!“ forderte King noch einmal ungeduldig.
      Nicht ewig bleiben. Jethro, das.…“ Ein weiterer Rippenstoß von Pride ließ ihn abbrechen und schließlich weiterlesen. Die Hand des Silberfuchses zitterte bereits vor Anstrengung, und er brachte nur noch einzelne Wörter zu Papier. „Müde. Abschied. Segeln. Segeln?!“ fragte Fornell verwirrt und starrte mit zusammengekniffenen Augen auf das Stück Papier in seiner Hand. Gibbs nickte, längst völlig erschöpft. Tobias griff gerade noch rechtzeitig nach der Kaffeetasse, ehe sie dem Silberfuchs aus der Hand fiel.
      „Se...ln“, brachte er mühsam hervor. „Kelly!“
      In diesem Moment drangen zwei Geräusche an Prides Ohr, die er beide nicht hören wollte – und schon gar nicht gleichzeitig. Das eine war ein massiver Hustenanfall von Gibbs, das andere die Türklingel, die den abendlichen Besuch des Pflegepersonals ankündigte.

      Was folgte, war der Alptraum, der King und Fornell seit Wochen plagte. Wie erwartet erkannte der diensthabende Pfleger auf der Stelle, wie es um Gibbs stand, und bestand darauf, den Silberfuchs sofort in ärztliche Obhut zu bringen – was Pride und Fornell mit allen Mitteln zu verhindern suchten. Denn jeder Arzt, der auf die Station gerufen wurde, würde den Patienten auf der Stelle, spätestens jedoch nach einem Telefonat mit Iron Hunter, verlegen. Zum Glück für die Agenten hatte an diesem Abend nicht Schwester Amanda Dienst, sondern ein junger Neuzugang, der die Abläufe des Heims noch nicht gut kannte und zudem aufgrund einiger Krankheitsfälle im Pflegerteam hoffnungslos überarbeitet war. Darüber hinaus hörte auch der Hustenanfall überraschend schnell auf, und so gab sich der Pfleger schließlich mit dem Versprechen der beiden Ermittler zufrieden, Jethro Gibbs am nächsten Morgen dem dann diensthabenden Mediziner vorzustellen. Er half ihnen, den inzwischen bereits wieder halb schlafenden Gibbs zurück ins Bett zu bringen, ehe er kopfschüttelnd die kleine Wohnung verließ – in einer der Nachbarwohnungen hatte jemand den Rufknopf betätigt.

      „Puh, das war knapp“, stöhnte Fornell.
      „Das kannst du laut sagen“, stimmte Pride zu. „Ich hoffe nur, Gibbs hat nicht mitbekommen, was wir dem Kerl versprochen haben. Wir stecken ganz schön tief im Schlamassel, ist dir das eigentlich klar?“
      Fornell seufzte. „Ja... Aber was hätte ich sonst machen sollen? Er hatte doch die Finger schon auf dem Pager! Zwei Minuten später, und er hätte das gesamte Team alarmiert, oder noch schlimmer, diesen verdammten Huntington!“
      „Und wenn Hunter Gibbs erst einmal in die Finger kriegt, sehen wir ihn nie wieder“, stimmte Pride zu. „Allerdings wird die Frühschicht ohnehin vermutlich direkt Alarm schlagen, wenn sie den Bericht liest. Wir stecken in der Scheiße, Tobias!“
      Fornell antwortete nicht, er wusste, dass Dwayne Recht hatte. Aber er hatte auch keine Lösung für ihr Dilemma. Sein Blick fiel auf den zerknitterten Zettel, der neben dem Sofa auf den Boden gefallen war.
      „Meinst du, der alte Knabe hat das ernst gemeint?“
      „Was meinst du – mit dem Aufgeben? Warum nicht?“
      „Weil ich verdammt noch mal nicht will, dass der Kerl meint, sich einfach davonschleichen zu können!“
      Pride rieb sich den Nacken. „Von Davonschleichen war doch auch gar keine Rede, oder? Er hat gesagt er will Abschied nehmen.“
      „Von Kelly. Falls du es vergessen haben solltest, Dwayne Pride, Kelly Gibbs ist seit 45 Jahren tot!“
      „Das glaube ich nicht – also, dass er wirklich seine Tochter gemeint hat. Erinnerst du dich nicht an sein Boot?“
      „Er hat die „Kelly“ in kleine Stücke zersägen lassen, nachdem sie in irgendeinen Fall verwickelt war. Irgendwas hatte das mit Franks zu tun, wenn ich mich recht entsinne. Aber das ist doch auch schon bestimmt 25 Jahre her.“
      Pride lachte. „Manchmal mache ich mir wirklich Sorgen um dein Gedächtnis, Tobias“, gab er dann zu. „Du erinnerst dich perfekt an Dinge, die vor einem Vierteljahrhundert passiert sind, aber nicht, dass dein Freund eine zweite „Kelly“ gebaut und mit ihr jahrelang die Atlantikküste entlang gesegelt ist?“
      Fornell knurrte, er hatte nicht vor, dieses Thema weiter zu vertiefen. Insbesondere deshalb nicht, weil er tatsächlich vergessen hatte, dass Gibbs ein weiteres Boot nach seiner Tochter benannt hatte. Er hatte es verkauft, als er mit seinen Freunden ins Heim gezogen war, weil schon damals klar war, dass er nie wieder würde segeln können.

      „Du meinst, er will noch einmal Abschied von der "Kelly" nehmen?“ fragte Tobias nach einer Weile, in der die Männer schweigend nebeneinander auf dem Sofa gesessen hatten.
      „Nein... ich glaube, er meinte eher, er möchte... auf der "Kelly" Abschied nehmen. Nicht hier.“
      Prides Stimme zitterte, als er die Worte aussprach.
      Beide Männer brauchten einen Moment, um die Tragweite dieser Äußerung zu begreifen, doch sie wussten instinktiv, dass Pride recht hatte.


      Teil 8

      „Das ist verrückt!!“
      „Hast du eine bessere Idee?!“
      „Nein, verflucht!“
      Dwayne Pride stöhnte und rieb sich mit der Hand über das Gesicht. Was sein Freund eben vorgeschlagen hatte, war der blanke Wahnsinn. Aber es war auch – logisch. Und vor allem verführerisch. Der Gedanke, allen drohenden Problemen einfach aus dem Weg zu gehen, war zu verlockend. Wann hatte er – wann hatte einer von ihnen dreien – zuletzt einfach das getan, wonach ihm der Sinn stand?
      Er brauchte nicht zu antworten. Tobias hatte längst erkannt, dass er Feuer gefangen hatte. Die Lunte brannte wie Zunder.
      „Wir brauchen Vorbereitung!“
      „Wir haben keine Zeit!“
      Beide Männer hatten gleichzeitig gesprochen. Sie lachten, und jeder wusste, dass der andere Recht hatte.
      „Okay“, seufzte Pride schließlich. „Du hast Recht. Spätestens morgen früh um sieben steht hier die Kavallerie auf der Matte, um Gibbs abzuholen. Um elf Uhr will Laurel hier aufschlagen, um mich zum Vorgespräch mit diesem verfluchten Tumorspezialisten zu bringen, und…“
      „… ungefähr um die gleiche Zeit erwartet Dr. Beckett, dass er mit der Vorbereitung zur Chemotherapie beginnen kann.“
      „Wir haben keine Zeit!“ wiederholten dann beide synchron.

      „Was brauchen wir auf jeden Fall? Und was können wir unterwegs besorgen?“ fragte Pride.
      „Wir müssen Sondennahrung für Jethro einpacken, so viel wir haben“, begann Tobias zusammen zu fassen. „Alle Medikamente, die wir brauchen, und am besten auch alle anderen, die wir eventuell brauchen können. Vor allem das Hustenzeug – haben wir irgendeine Chance, da dranzukommen? An den Apotheken und Kliniken werden sie als Erstes nach uns suchen!“
      „Bargeld“, warf Dwayne ein. „Keine Kreditkartenzahlungen. Und keine Handys – am Besten lassen wir die gleich hier. Wenn ich eines von Patton Plame gelernt habe, dann dass Handys eine absolute Garantie dafür sind, auf irgendeine Weise aufgespürt zu werden.“
      Tobias nickte. „Wir können unterwegs ein Einweghandy besorgen, für Notfälle. Das kann ausgeschaltet bleiben, bis wir es brauchen. Ich schreibe die wichtigsten Rufnummern sicherheitshalber auf.“
      „Gut. Was ist mit Klamotten und Decken? Wir werden nicht viel mitnehmen können, wenn wir kein Aufsehen erregen wollen.“
      Tobias lachte auf. Als ob es irgendeine Chance gab, dass sie KEIN Aufsehen erregen würden – drei alte Männer, die sich kaum auf den Beinen halten konnten und vermutlich mehr Reisetaschen benötigten, als sie tragen konnten.
      „Die haben wir doch früher auch nicht gebraucht – das wird schon gehen“, entschied er. „Für Gibbs werden wir ein bisschen was einpacken müssen, aber was uns angeht, schlage ich vor, dass wir uns überraschen lassen, was wir unterwegs finden. Meinst du, du kommst für eine Weile ohne Sauerstoff aus, wenn wir es nicht allzu hastig angehen lassen?“
      „Um mich mache ich mir dabei weniger Sorgen“, erwiderte Pride. „Im Zweifelsfall muss ich eben eine Pause einlegen, bis die Luft wieder da ist. Die große Sauerstoffflasche bleibt auf jeden Fall hier, die können wir sowieso nicht tragen – aber wir sollten das kleine Gerät mitnehmen, vielleicht können wir das hinten an den Rollstuhl hängen? Dann haben wir für den Notfall auch etwas für Gibbs.“
      „Gute Idee“, stimmte Tobias zu. „Was noch?“
      „Dann fehlt uns eigentlich nur noch ein Auto. Richtig?“
      Tobias knurrte. Dwayne war höflich genug, um nicht laut auszusprechen, dass neben dem Auto auch eine gültige Fahrerlaubnis fehlte, denn Tobias‘ Führerschein war seit Jahren abgelaufen. Aber das spielte jetzt auch keine Rolle mehr. Wenn sie in eine Verkehrskontrolle kamen, waren sie schließlich so oder so geliefert. Was also hatten sie zu verlieren – außer Gibbs?

      ***

      Zwei Stunden später waren die Vorbereitungen abgeschlossen, und beide Agenten grinsten, als sie neben den gepackten Reisetaschen im Wohnzimmer standen. Sie fühlten sich so lebendig wie seit Jahren nicht mehr – um genau zu sein, fühlten sich beide mindestens zehn Jahre jünger. Tobias griff nach der Taschenlampe, öffnete leise die Terrassentür und schlich sich beinahe geräuschlos in die Dunkelheit. Eine Viertelstunde später war er zurück.

      „Okay, beste Voraussetzungen“, wisperte er. „Hinter dem Ärzteparkplatz steht ein alter Pickup, der hoffentlich noch kein serienmäßig integriertes GPS hat, und zwar außer Sichtweite der Klinikfenster. Einige der Lampen sind kaputt, es sollte also kein Problem sein, den Wagen zu knacken und euch hinten an der Straße aufzulesen. Natürlich werden die Kameras aufzeichnen, dass der Wagen den Parkplatz verlässt, aber mit etwas Glück sind wir längst über alle Berge, bis jemand die Videobänder ansieht.“
      Dwayne grinste. Glück würden sie wohl noch häufiger brauchen in den nächsten Tagen.
      Nun wurde es Zeit, den Dritten im Bunde reisefertig zu machen. Gibbs war verwirrt, als seine Freunde ihn mitten in der Nacht aus dem Bett holten, doch er spürte ihre freudige Aufregung und zögerte keine Minute, sich anzuziehen zu lassen und in den Rollstuhl zu klettern. Dennoch dauerte es wesentlich länger als geplant, ehe auch er endlich abmarschbereit war. Als Dwayne Cassius Pride schließlich die Terrassentür lautlos hinter ihnen schloss, drang aus dem nahen Wald der Ruf eines Uhus. Die Uhr zeigte 2.30 Uhr.


      Teil 9

      Es war nicht ganz einfach, den schweren Rollstuhl im Dunkeln über den Waldweg zu schieben, aber Tobias wagte es nicht, die Taschenlampe einzuschalten. Schließlich wusste er zur Genüge, dass viele der Nachbarn nachts nicht unbedingt fest schliefen. Und es reichte völlig, wenn einer der von nächtlichen Toilettengängen geplagten Nachbarn den Lichtschein sehen, Einbrecher vermuten und Alarm schlagen würde. Oder wenn die neugierige Mrs. Bramson etwas bemerkte. Er selbst würde schon klarkommen, Pride benötigte ohnehin kein Licht und Gibbs… nun, Tobias bezweifelte, dass sein alter Freund überhaupt mitbekam, was gerade mit ihm geschah. Seit dem Anfall am gestrigen Abend hatte er sich noch nicht wieder richtig erholt. Aber Tobias war sich sicher, dass er Feuer und Flamme für den kleinen Ausflug wäre.

      Nachdem sie den Wald einigermaßen unfallfrei hinter sich gebracht hatten, ließ Tobias seine Freunde im Schatten der Bäume zurück und machte sich erneut auf den Weg zum Parkplatz. Zu seiner Erleichterung ließ sich der Wagen problemlos knacken, und niemand stoppte ihn, als der weißhaarige Mann mit dem fremden Auto den Parkplatz des Heims verließ. Er wusste nicht, wem der Wagen gehörte, und hatte ein schlechtes Gewissen, weil nun vermutlich irgendjemand aus der Belegschaft nach einer anstrengenden Schicht nicht nach Hause kommen konnte. Aber darauf konnte er jetzt keine Rücksicht nehmen, und sie hatten nicht vor, das Gefährt lange zu nutzen. Nachdem Pride, Gibbs, Rollstuhl und Gepäck endlich im Auto verstaut waren – was in Tobias‘ Wahrnehmung gefühlte 100 Stunden dauerte – lenkte der ehemalige FBI-Agent den Pickup über ruhige Nebenstraßen in Richtung Norden. Der Plan sah vor, einige Meilen nordwärts zu fahren und in einer der kleineren Städte, in denen es keine Verkehrsüberwachungskameras gab, an einem Geldautomaten ein letztes Mal Bargeld abzuheben. Das würde ihre Verfolger hoffentlich für eine Weile auf die falsche Fährte locken und den Eindruck erwecken, sie seien in Richtung Stillwater unterwegs, um dort Zuflucht zu suchen. Doch stattdessen würden sie den gestohlenen Wagen gegen einen anderen eintauschen und sich über die Nebenstraßen in Richtung Süden vorarbeiten – zur Chesapeake Bay, wo Gibbs letztes Boot mittlerweile vor Anker lag. Es war schon lange nicht mehr sein Boot, doch Tobias beschloss, dass sie ein Recht hatten, es sich noch einmal auszuleihen. Er wusste, wie viel Herzblut Jethro in jedes seiner Boote gesteckt hatte, das musste einfach drin sein. Auch das Boot würden sie vermutlich irgendwann – genau wie die Autos – zurückgeben müssen, aber daran wollte Tobias im Moment lieber nicht denken. Und auch nicht daran, was sie tun würden, wenn sie das Boot an seinem damaligen Liegeplatz nicht vorfinden würden.

      Sie schienen Glück zu haben. Tobias und Dwayne hielten den Atem an, als sich ein Polizeiwagen mit heulender Sirene und hoher Geschwindigkeit von hinten näherte, doch der Wagen fuhr vorbei, ohne sie weiter zu beachten. Fornell wischte sich den Schweiß von der Stirn und konzentrierte sich weiter auf die Straße vor ihm. Er achtete sorgfältig darauf, nicht zu schnell zu fahren, aber auch nicht zu langsam – auch wenn er sich eingestehen musste, dass er mittlerweile verdammt nachtblind geworden war und am liebsten im Schneckentempo über die Straße gekrochen wäre. Aber um diese Uhrzeit würden ohnehin wenig andere Verkehrsteilnehmer unterwegs sein. Und gottseidank bot ihm die Dunkelheit auch ausreichend Schutz, wenn ihn sein Darm mitten auf der Landstraße wieder einmal in die Knie zwang.

      Das Trio erreichte Great Falls etwas später als geplant, es dämmerte bereits, als Fornell den Wagen am Straßenrand abstellte. Der Stellplatz war gut gewählt, er war von hohen Bäumen umgeben und von den umliegenden Häusern aus kaum einsehbar. In keinem der Fenster brannte Licht, und unmittelbar hinter ihnen stand ein nicht mehr ganz neuer, aber geräumiger Kombi – ideal für ihre Zwecke. Nun fehlten nur noch eine Bank für das Bargeld und ein Supermarkt für die dringenden Besorgungen. Tobias warf einen Blick auf die Uhr – es war viertel nach sechs. Mit etwas Glück hatte noch niemand das Fehlen der drei Patienten bemerkt, die Frühschicht der Pfleger begann selten vor halb sieben, jemandem einen Besuch abzustatten. Andererseits stand Gibbs unter verstärkter Beobachtung, es konnte also durchaus sein, dass irgendeine aufmerksame Seele früher als gewöhnlich nach ihm hatte schauen wollen. Aber selbst in diesem Fall hielt Tobias es für eher unwahrscheinlich, dass die Polizei bereits eine landesweite Fahndung ausgeschrieben hatte. Schließlich kannte er die Branche gut genug. Natürlich würden das Abheben des Bargelds und die Nutzung der Kreditkarte im Supermarkt nicht lange unbemerkt bleiben, aber bis dahin waren sie hoffentlich längst wieder auf dem Weg in Richtung Süden. Er hatte sich recht schnell mit Pride geeinigt, dass sie für diesen Einkauf die Kreditkarte ruhig nutzen konnten – die Nutzung des Geldautomaten würde ohnehin verraten, dass sie hier Station gemacht hatten, und so konnten sie das Bargeld für dringendere Zwecke aufsparen. Mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck hob Tobias so viel Geld wie möglich von allen drei Konten ab. Nichts passierte, kein Polizeiwagen näherte sich mit Sirenengeheul, um die Ausreißer dingfest zu machen. Warum auch? Sie waren schließlich keine Verbrecher, sondern lediglich ein paar alte Männer auf einem Ausflug.

      Und genauso kam es Tobias auch während der nächsten Stunden vor – wie eine Klassenfahrt. Dwayne und er lachten aus vollem Halse, während sie lauthals zur Musik aus dem Radio sangen. Kings Gesang war um einiges melodischer als Tobias‘, was der ehemalige FBI-Agent kurzerhand durch Lautstärke kompensierte – denn da konnte Pride zu seinem Unmut nicht mithalten. Gelegentlich, wenn Tobias mit der Tonart zu sehr danebenlag, handelte er sich einen Rippenstoß seines Beifahrers ein, doch das tat der Stimmung keinen Abbruch. Auf der Rückbank saß Gibbs und grinste zufrieden. Er verstand nicht, was gerade um ihn herum vorging, aber die gute Stimmung seiner Freunde war ansteckend. Ein Gefühl von Aufregung und Vorfreude lag in der Luft, Gelächter füllte seine Ohren. Ansteckende Melodien, die lange vergangene Bilder heraufbeschworen, doch sie endeten zu schnell, als dass er sie hätte festhalten können. Aber das war nicht weiter wichtig, ebenso wenig wie das Ziel oder der Zweck ihres Ausflugs. Es fühlte sich gut an, und das war alles, was zählte. Draußen vor dem Fenster bewegten sich unbekannte Landschaften vorbei, ruhig und gleichmäßig. Immer wieder nickte der Silberfuchs ein, und wenn er das nächste Mal aus dem Fenster sah, war erneut alles fremd. Aber seine Freunde hatten dafür gesorgt, dass er im Fond bequem sitzen konnte, und er genoss es, mit ihnen unterwegs zu sein – wohin auch immer die Reise gehen mochte.

      Das Glück der drei alten Männer hielt an. Niemand stoppte sie auf ihrem Weg Richtung Süden, und auch das Boot lag noch immer an dem kleinen Steg in Colonial Beach vertäut, der vom Wochenendsitz des neuen Eigentümers in den Potomac hineinragte. Sie hatten die Highways gemieden und waren über kleine Landstraßen gefahren, so dass es mittlerweile später Nachmittag war. Tobias musste sich eingestehen, dass er hundemüde war, trotz der vielen Pausen, die sie zwischendurch eingelegt hatten. Aber es nützte nichts, er würde durchhalten müssen, bis sie mit dem Boot vor Anker gehen konnten. Zwar wirkten Haus und Grundstück wie ausgestorben, und es war unwahrscheinlich, dass jemand ihre Anwesenheit auf dem Boot bemerken würde. Aber es war nun einmal nicht auszuschließen, dass ihr Ablenkungsmanöver fehlgeschlagen war und man sie hier auf der „Kelly“ vermuten würde. Auch wenn in diesem Fall wohl schon jemand auf sie gewartet hätte, schließlich betrug die durchschnittliche Fahrzeit hier her nur etwa zwei Stunden. Natürlich würden sie ohnehin nicht ewig davonlaufen können, aber sollte das Fehlen des Bootes bemerkt werden, musste zunächst eine Suche auf See veranlasst werden – was ihnen hoffentlich eine ausreichende Gnadenfrist verschaffen würde. Pride, der früher häufiger mit Gibbs in der Region gesegelt war, erinnerte sich an eine kleine, verborgen liegende Bucht ganz in der Nähe, zu der sie es an diesem Abend schaffen wollten. Tobias unterdrückte ein Gähnen und setzte die Segel. Beinahe lautlos glitt das Boot mit den drei Freunden auf das Wasser hinaus.

      Teil 10 ***25.02.***

      „Was zum… hey, du bist wach!“
      Tobias war erschrocken herumgefahren, als er Schritte hinter sich wahrgenommen hatte, und war nun gleichermaßen erstaunt. Einen Moment lang hatte er geglaubt, einen Geist zu sehen, denn er hatte nicht damit gerechnet, dass Jethro tatsächlich noch einmal aufstehen würde, noch dazu vollkommen ohne Hilfe. Doch irgendwie hatte der Silberfuchs es geschafft, die wenigen Schritte bis zur Reling zu überwinden und sah nun zufrieden auf das Wasser hinaus.
      „Wwwww… wo sii..ind…. wiiir?“ fragte er Tobias.
      „Weiß ich nicht genau“, gab dieser zu. „Einige Meilen südlich von Colonial Beach. Pride erwähnte eine hübsche, bewaldete Bucht im Westmorland State Park – nach der halte ich gerade Ausschau. Es dürfte nicht mehr allzu weit sein.“
      Jethros Gesicht verzog sich zu einer seltsamen Grimasse, als er breit grinste.
      „Es iii…ist grrr…. roßaaarrr….tttig, hiii…ier zzzuuu ss…seiiin“, brachte er dann hervor. „Dddannn…. Dankkkke.“
      „Keine Ursache – ich glaube, wir hatten alle Drei mal einen Tapetenwechsel nötig.“
      Er registrierte, dass sein Freund am ganzen Körper zitterte – vermutlich vor Anstrengung, er hatte schließlich seit Monaten kaum noch auf seinen Füßen gestanden. Abgesehen davon, dass es in Tobias' Augen einem Wunder gleichkam, dass er überhaupt stand.
      „Kannst du noch einen Augenblick stehen?“ fragte er. „Ich hole eben einen Stuhl vom Heck, dann kannst du weiter aufs Meer gucken.“
      Er wartete keine Antwort ab, sondern beeilte sich, schnellstmöglich den Liegestuhl heranzuschaffen. Dankbar ließ Gibbs sich hinein sinken und von Tobias mit warmen Decken einwickeln. Ein Piepen an seinem Handgelenk erinnerte Tobias zudem daran, dass es dringend Zeit war, Jethro mit Nahrung zu versorgen. Dwayne, der das Signal ebenfalls bemerkt hatte, tastete sich gleich darauf an Deck, ebenso erfreut wie überrascht, Gibbs so munter vorzufinden. Der Ausflug hatte sich bereits gelohnt, wie es schien.

      Während der Nahrungsbrei langsam seinen Weg in Jethros Magen fand, saß der Silberfuchs weiterhin an Deck, flankiert von Dwayne Pride, während Tobias das ruhig dahingleitende Boot im Licht der untergehenden Sonne geschickt in Richtung der kleinen Bucht lenkte. Es dauerte nicht lange, ehe er einschlief. Tobias betrachtete den schlafenden Freund eine Weile und befand, dass er trotz der durch den Schlaganfall verzerrten Züge mehr als zufrieden aussah.
      „Wir haben es geschafft, King“, murmelte Tobias leise, nachdem sie schließlich vor Anker gegangen waren. „Wir sind hier.“
      „Ja“, stimmte Pride zu. „aber um genau zu sein, hast DU es geschafft, Tobias. Ich war dir nun wirklich keine große Hilfe. Ruh dich aus, mein Freund – ich passe so lange auf Gibbs auf.“
      Tobias zögerte. Er war tatsächlich hundemüde, das Schiff lag ruhig und geschützt und bot einen traumhaften Ausblick auf den Potomac, über dem langsam die Sonne unterzugehen begann. Er machte es sich in einem der Liegestühle bequem und schlief tief und traumlos bis zum nächsten Morgen.

      Auch Dwayne schlief rasch ein. Nur Jethro Gibbs, der schließlich wieder erwacht war, blickte in warme Decken gehüllt noch lange hinauf in den sternenklaren Himmel. Er fühlte sich zum ersten Mal seit langem rundum zufrieden. Die Hustenanfälle, die ihn im Laufe des Tages mehrfach gequält hatten, waren schon seit einigen Stunden ausgeblieben, und er fühlte sich leicht und frei wie ein Vogel. Neben ihm schnarchten seine Freunde leise im Schlaf, und über ihm leuchteten die Sternbilder, die ihm seit Jahren vertraut waren. Einst hatte er alle ihre Namen gekannt, Sirius, Vega, Arcturus, Kassiopeia, Andromeda und wie sie alle hießen. Heute erinnerte er sich nur noch an die anderen Namen, die er ihnen gegeben hatte. Hoch oben, der hellste von allen, war seine kleine Kelly, nicht weit davon entfernt seine wunderbare Shannon. Etwas weiter östlich waren Ann und Jack, Joan Matteson und Jefferson Drake, sein treuer Begleiter durch den Großteil seiner aktiven Militärlaufbahn vom Bootcamp an. Noch ein Stück weiter gab es Kate, Jenny, Ziva, Diane, Paula und Hollis, Ducky hingegen verband er mit keinem bestimmten Stern, sondern mit dem leuchtenden Band der Milchstraße, das sich in klaren Nächten wie diesen quer über den Himmel zog. Auch Mike Franks, Tom Morrow, Chris Pacci, Christopher LaSalle, Merri Brody, Tammy Gregorio und viele andere Weggefährten hatten in seiner persönlichen Galaxie ihren Platz gefunden. Er hatte nie gezählt, wie oft er zu ihnen hinaufgeblickt hatte, doch er spürte, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis auch er von dort oben auf seine Lieben herabschauen würde. Er wusste, dass sie auf ihn warteten – es war Zeit. Tief in den Anblick versunken, bemerkte der Silberfuchs kaum, dass ihm erneut die Augen zufielen.


      ***TBC***

      Dieser Beitrag wurde bereits 11 mal editiert, zuletzt von „Mrs. Mallard“ ()

      Huh? Da bin ich doch tatsächlich mal die Erste, die sich zu Wort meldet *g*

      Der Ansatz, Gibbs, Fornell und Pride (den ich jetzt nicht wirklich kenne) im Altersheim zu beschreiben, ist schon mal recht interessant und hat einiges an Potenzial, ich bin also durchaus neugierig, wie es weitergeht. Dass die drei schon zu Anfang recht lädiert sind, ist mal was anderes, wenn auch nicht wirklich überraschend angesichts des Settings - obwohl es mir ja ehrlich gesagt ein wenig schwer fällt, mir Gibbs und Co. als altersschwache Senioren vorzustellen. Aber das wird sich sicher noch ändern, denn wie ich deine Storys kenne, wird es sicher nicht lange dauern, bis das nächste Kapitel hochgeladen wird *g*

      Also ein Daumen hoch und ich freu mich aufs nächste Kapitel!

      Lg Thalia

      Sehr gut geschrieben bisher und wie ich deine Stories kenne, geht sie auch toll weiter .

      Fornell, King und Gibbs zusammen in einem Pflegeheim als Rentner und schwer lädiert, ist etwas ganz neues. Wir hatten zwar schon die ein oder andere Story, in der Gibbs schwer lädiert war durch Einsätze , aber "alt geworden" glaube ich noch nicht.
      Wobei mir fällt gerade ein, dass es schon ein paar ShortCuts gab, aber keine Ahnung mehr von wem ...

      Mrs. Mallard schrieb:

      „Das kann doch so nicht weitergehen!“

      Mal sehen , worauf sich diese Aussage bezieht.

      Auf jeden Fall bin ich auf die Fortsetzung gespannt.
      Hey!

      Manchmal, wenn ich NCIS schaue, und da eine Szene zwischen Gibbs und Ducky kommt, fällt mir auf, wie alt die Schauspieler mittlerweile geworden sind (Mark Harmon ist mittlerweile 66, David McCallum 84) und ich nenne die Serie dann liebevoll "NCIS Altersheim" oder sowas in der Art ^^ Da passt diese Fanfiction ja perfekt.

      Irgendwie finde ich den Gedanken sehr befremdlich, Gibbs, Fornell und Pride so alt zu erleben, dann noch Emily und Laurel verheiratet, Loretta sogar bereits verstorben. Das ist etwas, was ich noch nicht sonderlich greifen kann oder mir vorstellen kann. Es ist eigentlich nicht ganz so weit weg, aber trotzdem verdammt fern. Deshalb tue ich mich damit beim Lesen noch etwas schwer.

      Ich finds aber irgendwo auch interessant, mal die Komfortzone zu verlassen und soetwas zu lesen. Und ich bin gespannt, wo uns diese Fanfiction noch hinführt.

      Danke für die PN, sonst hätte ich es wohl nicht mitbekommen :)

      Liebe Grüße,
      Kerstin
      Mir geht’s wie meinen Vorschreibern. Es ist schon komisch, dass die drei so derart gesundheitlich eingeschränkt sind, wenn man im
      Moment sonst neue Folgen der Serie sieht. Aber immerhin leben sie ja noch ;) das ist bei dem Titel und vor allem bei dir auch nicht so selbstverständlich. Ich weiß nicht ob du Gibbs in einer Geschichte schon mal sterben hast lassen, aber leiden musste er immer…. :D

      Ich bedanke mich auch für die PN und bin schon gespannt auf die Fortsetzung.



      Dieses tolle Set ist von Raya :thumbup:
      Hallo ihr Lieben,

      ich freue mich, dass ihr den Weg hergefunden habt!
      Wobei ich zugegebenermaßen ein bisschen schmunzeln musste, als ich eure Kommentare gelesen habe. Diese Story liegt schon so lange auf meiner Festplatte - und hat dementsprechend ebenso lange in meinem Kopf gearbeitet - dass die drei alten Männer für mich ein vollkommen normaler Bestandteil meines NCIS-Universums geworden sind. Dass andere Leute sich mit dieser Vorstellung schwertun könnten, ist mir überhaupt nicht in den Sinn gekommen. Ich hoffe, ihr gewöhnt euch rasch an die neuen Gegebenheiten - wir alle werden schließlich nicht jünger.

      @Thalia: Herzlich willkommen. Dwayne Pride ist es auf jeden Fall wert, ihn kennen zu lernen! Ausflüge nach New Orleans kann ich nur empfehlen!
      @Grisu112: Ich hoffe, ich enttäusche dich nicht. Lädiert ist Gibbs dieses Mal auch ziemlich, wenn auch diesmal nicht durch "Fremdeinwirkung" (wenn man die gefürchtete künstlerische Freiheit von Duckys Mum nicht mitrechnet *hust*). Einen alten Gibbs hatte ich schon mal in einem oder zwei Oneshots vorkommen lassen, aber an viele Storys dazu kann ich mich auch nicht erinnern. Dabei finde ich das Thema eigentlich sehr spannend!
      @Kerstin333: Ich freue mich sehr, dass du hergefunden hast. Das mit den alternden Darstellern fällt mir auch immer mal wieder auf, gerade Gibbs kann man ja förmlich beim Älterwerden zusehen. Aber so alt wie in dieser Story muss er in der Serie bitte wirklich nicht werden!
      @laborfledermaus: Ja, noch leben sie alle drei. Gibbs habe ich definitv mindestens einmal sterben lassen, ebenso wie Pride. Und leiden müssen sie auch mal wieder, so ganz ohne kann ich einfach nicht. Aber diesmal ist es wohl einfach... anders.

      Weiter geht's mit einem neuen Teil!

      Viele Grüße
      Vicky
      Der nächste Teil, wie schön! Weißt du eigentlich, wie viele Teile es insgesamt geben wird? Ich weiß immer gerne, wie viel noch vor mir liegt, damit ich einschätzen kann, ob man sich schon auf's Ende einstellen muss oder ob man noch ein paar Kapitel vor sich hat ^^ Auch inhaltlich ist das immer gut zu wissen.

      Lustig fand ich die Stelle mit Prides Gesprächen, wo er nachher mehr erfahren hat als die, die eigentlich um das Gespräch gebeten haben :D

      Gibbs' Zustand verschlechtert sich ja leider mehr und mehr. Das ist noch mal ganz anders, wenn jemand dann aus geistig nachlässt und der Mensch, den man mal kannte, mehr und mehr verschwindet. Schön aber, dass die Drei so gut zusammenhalten!
      Ja, es ist wirklich hart zu lesen wie es Gibbs immer schlechter geht, vor allem wenn man jetzt ältere Folgen sieht wo er doch alles
      weiß und jeden kennt.

      Die Geschichte ist echt toll geschrieben. Wie sie alle drei zusammenhalten und obwohl Pride so „lädiert“ ist hilft er wo er kann und fragt
      das Personal aus :D Tja gelernt ist gelernt.



      Dieses tolle Set ist von Raya :thumbup:
      Weiter geht es mit einem neuen Teil.
      @Kerstin333: Insgesamt sind 14 Teile geplant, und ein Epilog, der aber eine Geschichte für sich ist. Ursprünglich hatte ich gar nicht geplant, Gibbs auch geistig so abbauen zu lassen, das kam dann ganz von allein. Vermutlich ist es Ironie des Schicksals, dass ich schon vor so langer Zeit mit dieser Story angefangen habe und jetzt, wo sie fertig ist, zum ersten Mal im realen Leben mit der Thematik in Kontakt komme.

      @Grisu112: Ich freue mich sehr, dass du trotzdem dabei bist, auch wenn es nicht einfach zu lesen ist.

      @laborfledermaus: Vermutlich war es eine Überdosis Supergibbs aus der Serie, die mein Unterbewusstsein zu diesem "Kontrastprogramm" animiert hat ;)

      Ich wünsche euch und allen anderen Lesern viel Freude mit dem nächsten Teil.

      Vicky

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Mrs. Mallard“ ()

      Knocking on Heaven's door Teil 3 , 09.01.

      Jethro merkt selber , dass er geistig nachlässt, jedoch vertraut er seinen Freunden . Ja, das Thema Patientenverfügung ist nicht so ohne ...
      Und dann Laurel, die mit Pride zum Arzt will und Zeitdruck hat. Nach so einer Tortur kann man Pride nicht verdenken, dass er von Ärzten genug hat und trotz seines Gedächtnisses so etwas extra vergisst :)
      Grins , und den Kaffee haben die Herren auch schon umgestellt, ob das Jethro überhaupt mitbekommen hat ?

      Grisu112 schrieb:


      Grins , und den Kaffee haben die Herren auch schon umgestellt, ob das Jethro überhaupt mitbekommen hat ?

      Vermutlich schon... die alten Herren haben halt alle irgendwann gemerkt, dass sie "Marke Herztod" langsam nicht mehr vertragen. @anonyma hat mich ja auch darauf hingewiesen, dass für Jethro in seinem aktuellen Zustand - also halbgelähmt und mit Schluckbeschwerden - alle Arten von Flüssigkeiten zum Trinken absolut tabu sind, weil die Gefahr viel zu groß ist, dass er sich verschluckt und daran erstickt. Aber ich wollte dem armen Kerl diesmal wenigstens seinen Kaffee lassen...selbst wenn es nur Schonkaffee ist. ;)
      Oh, neue Kapitel :) Wieder eher ruhig, aber sehr schön zu lesen. Das kurze Zwischenspiel mit Gibbs im Halbschlaf war ein wenig irritierend, aber das liegt vermutlich eher daran, dass Gibbs in meiner Vorstellung noch immer der ewige Endvierziger ist, der alles mitkriegt und sofort darauf reagiert - wird wohl auch noch eine Weile dauern, bis ich mich an die Vorstellung eines alten/dementen Gibbs' gewöhnt habe *gg*

      Lg Thalia

      Laurel :love: :love: :love: (ich will sie auch endlich mal wieder in NOLA sehen, grummel)
      Schöne Szene, wie sie da ankommt, Pride erstmal Frühstück machen will (hach ja, Pride und seine Kochkünste!) und sie ihn dann an seinen Arzttermin "erinnert". Das hat mir gut gefallen :)
      Freu mich auf den nächsten Teil!
      Schön, wie sich die zwei um Jethro kümmern. Er kriegt nicht mehr viel mit :/
      Laurel besucht die 3 Herren und hat enormen Zeitdruck. Hihi Pride und Ärzte…. er würde lieber für alle kochen, ja das kann ich mir vorstellen. Ich freu mich auf den nächsten Teil!



      Dieses tolle Set ist von Raya :thumbup:
      Liebe Vicky,

      mit deiner neuen Story bescherst du uns ja wieder ein Sahnestück fürs Kopfkino :thumbsup: Deine Beschreibung der drei alten, gebrechlichen Griesgrame lässt einen beim lesen zu Anfang noch schmunzeln, aber ich ahne das mir das im Laufe der nächsten Teile vergehen wird. Es ist aber auf jeden Fall gut zu wissen das die drei sich gefunden haben und mit ihren Altersgebrechen nicht alleine sind. Gleichzeitig ist ihnen hoch anzurechnen, dass sie niemanden zur Last fallen wollen und sie zu der Erkenntnis gekommen sind das es alleine nicht mehr geht, was bei den Sturschädeln immerhin echt was heißen soll.

      So, weiter zu Teil 2: Wie nicht anders zu erwarten war, beutelst Du den armen Gibbs am Meisten. So ein Leben wünscht man echt keinem, erst recht nicht unserem stolzen Silberfuchs. Zum Glück schaffst Du es aber sehr gut die Sätze der realen Brutalität mit einem Hauch Humor zu überziehen und die Freundschaft der drei als Lichtblick herauszugeben :thumbup:

      In Teil 3 fand ich vor allem den magenfreundlichen Schonkaffee bezeichnend. Gut zu wissen, dass Du den drei alten Herren wenigstens noch ein bisschen Gaumenfreude gönnst. Jetzt bin ich gespannt wie die Untersuchung von Pride verläuft und was Du als Nächstes für Fornell bereithältst.

      Freue mich auf die Fortsetzung :)

      LG Kathrin
      Und weiter geht es mit einem neuen Teil. Ich muss zugeben, dass ich keine Ahnung habe, ob man einen Patienten in einem Zustand wie Pride nicht direkt ins künstliche Koma versetzen würde, aber die Szene wollte gerne so und nicht anders geschrieben werden.

      @Thalia: Nein "Endvierziger" sind die drei in dieser Story wohl alle nicht mehr...

      @Kerstin333: Ich will die "echte" Laurel auch mal wieder in NOLA sehen! :D Hier ist sie ja doch ganz anders geraten, als wir sie aus der Serie kennen, aber ich hoffe, du magst sie trotzdem.

      @laborfledermaus: Oh ja, Pride würde im Moment einiges dafür geben, einfach kochen zu dürfen. Aber leider sieht sein Terminkalender gerade weniger angenehme Dinge vor.

      @Agent-Mibbs: Kathrin!!! Wie schön, dass du Zeit zum Lesen gefunden hast - herzlich willkommen! Es ist wohl keine Überraschung, dass es Gibbs am härtesten getroffen hat - er bietet sich aber auch so schön dafür an! Und um ehrlich zu sein, möchte ich mit keinem der drei so wirklich tauschen. Und ich meine... wie soll es denn sonst mit den dreien enden? Wenn sie nicht gerade im Einsatz umkommen, ist allen dreien ohne Arbeit nicht viel geblieben im Leben, außer ihren Kindern, die aber nun mal auch ihr eigenes Leben führen. (Okay, ich hätte Linda und Hollis zurückbringen können... aber auch die leben nicht ewig!)

      So, und nun wünsche ich euch allen ein gutes neues Kapitel - mit Spaß hat es ja hier alles nicht mehr so wirklich viel zu tun.

      LG
      Vicky

      Hu, ein neues Kapitel *freufreu*

      Der arme Pride, eh schon nicht gut beinander und dann so eine Tortur. Ein MRT ist ja schon mit vorhandenem Sehsinn unangenehm, kein Wunder, dass der Mann da Panik kriegt. Das mit dem Beruhigungsmittel, das einfach so gespritzt wird, ist da nur noch das krönende I-Tüpfelchen, aber zumindest bekommt er von der Prozedur nun nichts mehr mit. Der Schluss hat mich beim Lesen übrigens ein bisschen an meine Schwester erinnert, die vor einem ambulanten Eingriff solche Angst hatte, dass ihr der Anästhesist was angeboten hat, das sie "so richtig balla-balla" macht - danach war ihre Aufmerksamkeit auch ziemlich abgeschweift *gg*

      Lg Thalia

      Danke für deine liebe Begrüßung Vicky :) Bei deinen Geschichten fällt es mir nicht schwer Zeit freizuschaufeln und die Belohnung dafür gibt es ja auch gleich mit Teil 4.
      Ich kann mich @Thalia nur anschließen, das Ganze ist eine wahrliche Tortur für den armen Pride. Man kann seine Panik und Hilflosigkeit verdammt gut nachzuvollziehen und ich hoffe für ihn, dass ihn mit dem MRT-Ergebnis keine böse Überraschung ereilt. Wobei, so wie ich dich kenne, lässt du es für ihn ganz bestimmt nicht glimpflich ausgehen :whistling:

      LG Kathrin
      ja , der arme Pride . Alle reden über ihn als sei er nicht anwesend oder geistig nicht mehr da . Alle haben es eilig ...
      Da ihm schon sein Augenlicht fehlt, kann ich mir sehr gut vorstellen, wenn dann auch noch der Gehörsinn nicht richtig funktioniert , weil ihm der Doc am Ohr rummacht oder er in so einem MRT eingezwängt ist, dass Pride dann Panikattacken bekommt.
      Aber irgendetwas muss der Doc ja vermuten, dass Pride irgendetwas hat, sonst würden sie ihn ja nicht ins MRT schieben.
      Sehen wir mal wie es weitergeht