[RPG] "Lauf, Gibbs, lauf!" (FSK 16)

      Gibbs

      "Hol mir irgendjemanden ans Telefon, der mir genau sagen kann was da passiert ist! Ich bin gleich oben."
      Dummerweise hatte ich nur noch eines meiner weißen T-Shirts im Spint. Ich wäre also ungewohnt leger unterwegs an diesem Nachmittag. Doch bei der vorherschenden Hitze würde das wohl kaum interessieren.
      Noch einmal schweiften meine Gedanken zu der rothaarigen Kellnerin. Ich hatte den ganzen Papierkram all die ereignislosen Tage so satt gehabt, nun wünschte ich es würde noch ein wenig so bleiben.
      Vorsichtig ließ ich meinen Fuß in den Schuh gleiten und schnürte ihn nur locker. Wenigstens würde mich diese Sache noch für eine Weile an diesen netten Zusammenstoß erinnern.
      Charlotte

      durchgeschwitzt kam ich nach gefühlten Stunden endlich zu hause an. Ich hatte den Bus verpasst und musste bei der Hitze laufen. Noah war sicher längst da. Zumindest hoffte ich das. Ich schloss die Haustür hinter mir und schlüpfte aus meinen Schuhen. Meine Füße waren dankbar dafür befreit zu werden.
      "Noah? Bist du da?"
      es dauerte einen Moment, da hörte ich von oben Schritte, die zur Treppe kamen.
      "na Schwesterherz, ich... wow, was ist denn mit dir passiert?"
      ich winkte ab und erklärte ihm, dass es mir gut ging und ich erst mal duschen gehen wollte. Sorgenvoll betrachtete Noah mich.
      "keine Sorge. Ein dusche und vielleicht etwas Schlaf und ich bin wie neu. Es war nur ein kleiner Arbeitsunfall. Das ist bis morgen vergessen."


      Gibbs

      Als ich das Großraumbüro erreichte traf ich auf hektische Betriebsamkeit.
      "Ein Update! Damit alle auf dem selben Stand sind", forderte ich ein und schaute auffordernd in die Runde.
      Anscheinend war Ziva soeben dabei gewesen sich in die alten Fallakten einzuarbeiten.
      Sie griff danach und trat zwischen die Tische.

      Ziva
      Irgendwas an unseren Computern funktionierte nicht wie gewohnt, do dass ich nicht mit dem Flachbildschirm arbeiten konnte. Ich hielt eine gedruckte Akte in Händen und fing an über den alten Fall zu referieren, soweit ich im Bilde war. Tim und Tony ergänzten an den verschiedenen Punkten.
      Es hatte vor einigen Jahren mehrere Übergriffe auf Kinder gegeben, insbesondere bei kleinen Jungen, deren Väter im Ausland stationiert waren. Missbrauch, Kindsentführung, Mord - es war ein beeindruckendes Exposee.
      Tony

      ich hatte gerade ein Telefonat beendet und trat auf die anderen zu. an verschiedenen Punkten ergänzte ich die Ausführungen der anderen. Glücklicherweise hatte ich einen alten Bekannten bei der Polizei erreicht, der mir sagen konnte, weshalb Dallas auf freiem Fuß gekommen war. Angeblich hatte der Dreckskerl die psychologischen Tests ohne weiteres bestanden. Deswegen sah man keine Notwendigkeit mehr ihn in Gewahrsam zu behalten. Ich fand nach wie vor, dass an der Sache was gewaltig faul war.

      Gibbs
      Ich starre DiNozzo irritiert an. "Der Mann ist verurteilt! Wie kann da ein Seelengutachter kommen und ihn aus dem Knast bescheinigen?"
      Ich stoß ein mürrisches Schnauben aus und ging um meinen Schreibtisch herum, griff nach Autoschlüssel und Waffe.
      "Die Adresse von dem elendigen Psychodoc, DiNozzo! Ziva, nimm deine Sachen."
      Tony
      "vermutlich hat bei dem Doc der gesunde Menschenverstand ausgesetzt."
      ich ging zu meinem Platz und setzte mich auf den Schreibtischstuhl. über die Tastatur gab ich den Namen des Arztes in den Rechner ein und teilte Gibbs dann die Adresse des Mannes mit. Nebenbei erkundigte ich mich auch, ob wir schon was über den Psychologen in unseren Akten hatten.

      Gibbs

      "Grabt weiter! Ich will das Gutachten und wenigstens so bald wie möglich den Wortlaut. Und den zuständigen Staatsanwalt. Das mache ich selbst - ich will wissen was der von der Sache hält!"

      Der Mann hatte zwei kleine Jungen nicht nur missbraucht, und entführt, sondern auch ermordet. Kein Gutachten - ganz gleich wo und durch wen erstellt kann eine Mordanklage & -Verurteilung als nichtig erklären.
      Mit Ziva im Schlepptau hastete ich zum Wagen.
      Charlotte

      das warme Wasser hatte wirklich gut getan. Ich war gerade dabei mich abzutrocknen, da ging die Tür zum Bad auf und Noah kam rein. Tadelnd sah ich ihn an und drehte ihm den Rücken zu, während ich mich ins Handtuch einwickelte. Ich war ja selbst schuld, da ich vergessen hatte abzuschließen.
      "warum ist dein Rücken so grün und blau?"
      hörte ich ihn fragen.
      "lange Geschichte."
      seufzte ich und ging in mein Schlafzimmer. Müde legte ich mich aufs Bett und schloss die Augen.

      Gibbs

      Ich steuerte den Dodge vor mein Haus. Es war spät geworden an diesem Tag.
      Es lag nicht, wie zunächst angenommen an einem psychiatrischen Gutachten, dass der Mann - Issac Dallas - wieder auf freiem Fuß war - oder lediglich bedingt.
      Viel mehr lag es an einem Verwaltungsfehler. Dieser und noch verschiedene andere Prozesse werden neu verhandelt. Bis zu einer erneuten Verhandlung war Dallas nun ein freier Mann. Es war ein schrecklicher Witz und ein Schlag für die Familien, deren Kinder dem Mann zu Opfer gefallen waren. Sie waren uns heute schier die Bude eingerannt.
      Ich greife nach dem Aktenstapel, der auf dem BEifahrersitz lag und den ich dringend noch heute durcharbeiten wollte. Ich wollte einen Grund dafür finden Dallas so schnell wie möglich wieder hinter Gittern zu bringen - und wir hatten den District Attorney auf unserer Seite. Das psychiartrische Gutachten, das den Mann auf freien Fuss gesetzt hatte, für die Zeit bis zum erneuten Verhandlungsbegin, war nicht anzuzweifeln. So schien es zunächst. Ich würde nun also auch den Gutachter unter die Lupe nehmen. Möglicherweise gab es etwas, irgendeinen Grund, wegen dem wir das Gutachten als nichtig erklären lassen können.
      Mit einem Seufzen stieß ich die Wagentür auf und wandte mich meinem Haus zu. Ich stockte. Ein schwaches, flackerndes Licht war hinter den hellen Vorhängen meines Wohnzimmerfensters zu erkennen.
      Ich zog meine Waffe aus dem Holster und eilte zur Tür - die wie immer unverschlossen war. Ein Kinderlied schallte mir entgegen.
      Ich stürmte in den Wohnbereich und erstarrte für den Bruchteil eines Augenblicks. Vier Puppen, schrecklich entstellt und verunstaltet, waren rings um meinen Esstisch drapiert.
      Ich wandte den Blick ab und durchsuchte mein Haus. Doch es fehlte jede Spur von einem Eindringling. Ich wählte Tonys Nummer:
      "Ich brauche Euch in meinem Haus - mit voller Ausrüstung!", bellte ich zornig in mein Handy und legte ohne weitere Erklärung wieder auf.
      Mein Blick fiel auf ein Blatt Papier, das auf dem Tisch lag. Drei Worte standen darauf:
      "Lauf, Gibbs, lauf!"
      Tony

      Erschöpft für diesen Tag öffnete ich meine Wohnungstür und trat ein. Mit einem leisen seufzen ließ ich den Schlüssel auf die Ablage an der Flurgardrobe fallen. Das durfte alles nicht wahr sein. Isaac Dallas, ausgerechnet dieses Schwein war wieder auf freiem Fuß und marschierte, als ob nichts gewesen wäre durch Washington und niemand hatte eine genaue Erklärung dafür, warum das so war! Allein bei dem Gedanken daran wurde mir schlecht und schüttelte leicht den Kopf.
      "Verdammte Justiz..."
      murmelte ich dabei eher an mich selbst gerichtet. Heutzutage würde ich nicht mal ausschließen wollen, dass der Staatsanwalt und der Psychologe geschmiert worden waren. Gibbs Meinung zu den Rechtsverdrehern war schon richtig. Auf diese Leute war einfach kein Verlass. Mir fiel ein, dass Dallas, man mochte es vielleicht kaum glauben, damals einige einflußreiche Freunde gehabt hat. Nach dem wir damals sein wahres "Ich" offenbart hatten, haben sich viele von ihm abgewandt und die schlechtesten Wünsche geäußert. Aber konnten wir da so sicher sein, dass nicht doch der eine oder andere hinter ihm stand?
      Mein Weg führte mich in die Küche und ich fuhr mir mit einer Hand durchs Gesicht. Im Kühlschrank war eine angefangenene Flasche Mineralwasser, die ich mir nahm und einen großen Schluck daraus trank. In dieser Sekunde klingelte mein Handy. Nach dem ich mir anhörte, was Gibbs zu sagen hatte, ahnte ich bereits schlimmes. Ich ließ das Wasser stehen und lief los, um zu meinem Auto zu gelangen. Von unterwegs aus rief ich Ziva an, konnte aber nur das an sie weitergeben, wie es mir gesagt wurde.

      Gibbs

      Unruhig lief ich durch mein Haus und spähte in jedes Eckchen, um nicht versehentlich etwas zu übersehen.
      Ich hatte die KErzen, die auf dem Tisch gebrannt hatten ausgeblasen und riss nun alle Türen weit auf, da mir der Geruch Kopfschmerzen bereitete.
      Auf all das hier konnte ich wirklich verzichten.
      Ich hoffte, dass mein Team sich beeilen würde. Ich wollte all das schnell aus meinem Haus haben.
      Mittlerweile war ich im Obergeschoss meines Hauses angekommen, doch auch hier schien alles beim Alten.
      Der Mistkerl hatte lediglich eine Nachricht hinterlassen wollen.
      Anscheinend wollte er mir das Leben schwer machen. Nur mir? Oder auch den Jungs?
      Er hatte damals Rache geschworen - nun witterte der Schweinehund anscheinend seine Chance.

      Ich wollte die Treppe hinuntereilen, als ich ein ersterbendes Motorengeräusch vor meinem Haus wahrnahm, doch mein Fuß meldete sich unter Protest.
      Ich stieß einen leisen FLuch aus und drosselte mein Tempo, während ich mich am Handlauf abstützte.
      Tony

      Ich hatte von unterwegs aus das Team zusammen getrommelt und alle einkassiert, damit wir gemeinsam zu Gibbs fahren konnten. McGee wollte gerade unter die Dusche hüpfen, als ich ihn nach einer gefühlten Ewigkeit endlich an die Strippe bekam. Das wäre beinahe meine zweite Begegnung in Unterhosen geworden für heute. Allein bei dem Gedanken daran, schüttelte es mich. Der Probie hatte doch sicher diese lange, feinripp Unterwäsche an.
      Ziva hingegen war beim Kampfsport gewesen. Sie in Unterwäsche zu sehen, hätte doch eher was reizvolles gehabt. Ob sie wohl Spitzenhöschen oder lieber einen String trug? Ein spitzbübisches Lächeln huschte über meine Lippen, bei diesem Gedanken und ich riskierte einen kurzen Blick zu ihr. In dem Moment sah sie mich an. Kurz räusperte ich mich und starrte wieder auf die Straße. Innerlich ermahnte ich mich selbst, dass jetzt die Sache mit Dallas von deutlich höherer Bedeutung war.
      Nach kurzer Zeit parkte ich den Dienstwagen vor Gibbs Haus und blockierte damit seine Einfahrt. Wir öffneten die Türen des dunkelblauen Dodge und ließen sie möglichst leise wieder ins Schloss zurück fallen, als wir ausgestiegen waren. Unsere Waffen hatten wir alle am Mann und legten schon mal eine Hand über den Holster, um im Notfall gleich schußbereit zu sein. Es war wirklich verdächtig still und ich deutete den anderen an, mir zur Haustür zu folgen. Dabei beobachteten wir aufmerksam die Umgebung.

      Tony

      Vorsichtig öffnete ich die Haustür und spähte um die Ecke. Als ich Gibbs am Treppenabsatz sitzen sah, entspannte sich für mich die Lage ein wenig und ich betrat das Haus.
      "Da sind wir, Boss."
      gab ich leicht nickend bekannt und ging auf ihn zu. Nebenbei sah ich mich um, da er nicht gesagt hatte, weswegen wir überhaupt kommen sollten.

      Gibbs

      Ich deutete mit einem Kopfnicken in Richtung Esszimmer.
      "schaut euch um!"

      ich stand langsam auf und hatte Schwierigkeiten meinen Fuss voll zu belasten.
      Tony stand im Durchgang zum Esszimmer und musterte die Szenerie, während Ziva bereits Fotos machte.
      "In deiner Wohnung war nichts?", wollte ich von Tony wissen.
      Tony

      Ich sah mir die vier Puppen an, die um den Tisch herum drapiert wurden und holte tief Luft.
      "Boss, meinst du das sind...."
      die Frage brauchte ich gar nicht beenden. Sie beantwortete sich bereits von alleine. Das sollten Gibbs, McGee, Todd und ich darstellen. Nur scheinbar hatte Dallas keinen Schimmer davon, dass Kate schon seit mehreren Jahren nicht mehr unter uns weilte. Mit einer Hand fuhr ich mir über mein unrasiertes Kinn.
      "Mir ist nichts aufgefallen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich nur bis zur Küche gekommen bin, als du mich angerufen hast. Daraufhin habe ich die Wohnung sofort verlassen und habe die anderen informiert."
      Der Typ musste uns wirklich hassen, schoss es mir durch den Kopf, während ich das Szenario weiter unter die Lupe nahm. Wenn er seine Drohung wahr machte, hatten wir nichts zu lachen.

      Gibbs

      ich seufzte: "also los, an die Arbeit!"
      Nachdem Tim alles gründlich mit der Kamera festgehalten hatte, befüllten wir die Beweismittelbeutel um alles zuAbby bringen zu können.
      ziva untersuchte währenddessen Türen
      & Lichtschalter auf Fingerabdrücke.
      "Brauchst du hier noch Hilfe?", fragte ich sie.
      Ziva

      ich schüttelte den Kopf. Mit den Pinsel wischte ich über den Lichtschalter und nahm anschließend die Fingerabdrücke mit einer speziellen Folie ab.
      "nein, ich bin auch gleich fertig."
      mit einer Kopfbewegung deutete ich auf seinen Fuß. Mir war schon im Büro nicht entgangen, dass er sein Bein kaum belasten konnte, ohne dabei Schmerzen zu haben. Ob das wohl mit seinem unglücklichen Zusammenstoß zu tun hatte?
      "brauchst du vielleicht Hilfe?"
      fragte ich und legte die Stirn etwas in Falten, während ich ihn fragend musterte.

      Gibbs

      Zivas Frage rief erneut die Erinnerung daran wach, wie es zu der Verletzung an meinem Fuß gekommen war.
      Ob der Rotschopf den Job bei Harry bekommen hatte?
      Ich riss mich aus meinen Gedanken und schüttelte den Kopf, während ich eine der Kisten mit sichergestelltem Beweismaterial in Richtung Auto trug.
      "Fahr du mit DiNozzo noch zu seiner Wohnung und schaut euch gründlich um. Nicht dass Dallas auch schon dort gewesen ist. McGee und ich bringen die Sachen zu Abby - sie wird ihren Bowlingabend mit den Nonnen verschieben müssen."
      Ziva

      ich nickte und musste dann ein wenig schmunzeln
      "Ist das wirklich wahr? Geht Abby mit den Nonnen zum Bowling?"
      amüsiert schüttelte ich den Kopf. Ich hatte schon einiges gehört und gesehen. Aber hier in Amerika gab es tatsächlich verrückte Dinge. Nebenbei sah ich mich nachTony um. Er schien etwas angespannt zu sein und versuchte seine Nervosität zu unterdrücken. Die Sache mit Dallas machte ihm mehr zu schaffen, als er zugeben wollte. Vielleicht würde er mir unterwegs erzählen, was damals genau geschehen war. Vorhin im Büro rieb er sich verdächtig häufig über den Unterarm. Das sich dort eine Narbe befand, wußte ich bereits. Sie war auch nicht zu übersehen, wenn er an den heißen Tagen kurze Hemden oder Shirts trug.
      Scheinbar hing das eine, mit dem anderen zusammen.