Mit Freunden oder alleine sterben? Thread 7 bis Kap 79 *abgeschlossen*

      Mit Freunden oder alleine sterben? Thread 7 bis Kap 79 *abgeschlossen*

      Mit Freunden oder alleine sterben? *abgeschlossen*
      Thread 7
      Fortsetzung von Thread 1 bis 6
      Autorin: Ziva-Ute


      Kapitel 65

      Explosion

      10:32
      Stunden vor Stunde 0, Donnerstag 16:40 Uhr

      In der Lagerhalle
      waren kleinere Abteilungen an den Seiten angebracht. Viele Container
      standen übereinander gestapelt. An der Stahlkonstruktion 30 Meter
      über ihnen war ein Hebesystem für Schwerlasten angebracht, der sich
      durch die ganze Halle bewegen ließ. So konnte man die Container zu
      den Trucks heben und dort verladen.

      Die Tore an einem
      Ende der riesigen Halle waren groß genug um zwei Lkws nebeneinander
      durchfahren zu lassen. Damit die Laster nicht umdrehen mussten,
      konnte sie auf der anderen Seite wieder hinaus fahren.

      Es gab dort auch
      eine lange Mechanikergrube im Betonboden. So konnten die Trucks
      repariert werden. Oder Schmuggelware wurde befestigt.

      In dem südlichen
      Tor war eine Tür eingelassen, durch die McGee und DiNozzo das
      Gebäude betreten hatten. Mit gezogenen Waffen bewegten sie sich
      schnell und trotzdem Vorsichtig zu den Lastern. Schließlich mussten
      sie wissen, ob jemand in der Halle war.

      Gibbs war auf der
      anderen Seite durch eine Tür mit Agent Dorneget eingetreten. Auch
      sie begannen sich durch das Gewirr von Containern und anderem
      Frachtgut zu bewegen.

      Einige Container
      waren geöffnet worden und die Kisten verteilten sich auf einer
      größeren Fläche.

      Es war schwierig,
      in diesem Durcheinander den Überblick zu bewahren und Gegner
      auszumachen.

      Laut ihrem Tipp
      sollte Heute die Ware verladen werden um nach Texas zu gelangen. Dazu
      waren Arbeiter nötig und der Chef der Gruppe sollte auch hier sein,
      um alles zu überwachen und seine Leute auszuzahlen.

      Aber hier rührte
      sich nichts.

      Kein Laut war zu
      hören.

      In dem Teamchef
      verstärkte sich das mulmige Gefühl., welches sich bereits seit dem
      Anruf bemerkbar gemacht hatte.

      Mit einer Geste
      bedeutete er dem Jüngsten im Team einen Container, dessen Türen
      weit offen standen, zu durchsuchen. Währenddessen gab er ihm
      Deckung.

      Auf der anderen
      Seite, gute 80 Meter entfernt, konnte er den MIT-Absolventen
      beobachten, der ebenfalls von Container zu Container schlich. Durch
      dessen Handzeichen wusste der Silberfuchs, das Tony das Gleiche auf
      der Gegenseite machte und sich so seine Agents langsam auf seine
      Position zu bewegten.

      Keiner hatte
      bisher ein Wort gesagt.

      Die üblichen
      Erkennungsrufe würden sie erst von sich geben, wenn sie den Gegner
      entdeckt hatten. Sonst war ja auch die Überraschung dahin.

      Plötzlich rannte
      Dorneget aus den Container und schrie: „Bombe!“

      Sofort erfasste
      Gibbs die Gefahr und schrie nun im Befehlston: „Raus. Alle raus
      hier. Sofort!“

      Need war schon an
      ihm vorbei. McGee hatte sich umgedreht und rannte zum Tor zurück.
      Die Tür war als Ausgang ihm am Nächsten. Das DiNozzo ebenfalls
      rannte, konnte er daran hören, das der smarte Agent empört schrie:
      „Und Heute trage ich keine Sportsocken.“

      So machte auch
      der Chefermittler sich so schnell er konnte auf den Weg zur Tür.

      Kurz darauf
      rannte er über den Platz vor der Halle auf eine Absperrmauer zu.
      „Dorneget. Deckung hinter der Mauer.“

      Und schon sprang
      er selbst darüber. Allerdings ging es dahinter zwei Meter nach
      unten.

      McGee erreichte
      die Tür in dem riesigen Tor und wollte sie aufreißen. Aber sie ließ
      sich nicht mehr öffnen. Mit einem kleinen Anflug von Panik drehte er
      sich um. Wo war ein Fluchtweg?

      DiNozzo erfasste
      die Situation, obwohl er noch mitten in der Halle war. Als Boß ihn
      vorhin schreien hörte, musste er noch um einige Container
      herumlaufen, bevor er zu der Tür rennen konnte, durch die sie auch
      hereingekommen waren. Das andere Tor war mit Containern und einem
      Truck zugestellt.

      „In die Grube,“
      schrie Tony seinem Kollegen zu und änderte selbst die Richtung.

      Sofort lief der
      Nerd in die Mechanikergrube hinein. Schließlich stand er am Anfang.
      Als er unten war, blieb er kurz unentschlossen stehen. Aber da er
      hier relativ sicher war, konnte er an seinen Kollegen denken und das
      der vorhin noch gute 50 Meter vor sich hatte. Und er würde weiter
      hinten in die Grube springen müssen. Es war wohl besser in seine
      Nähe zu kommen, um ihm zu helfen, falls er sich beim Runter springen
      etwas tat.

      Die Grube zog
      sich quer durch die ganze Halle und war 1,20 Meter breit. Ab und zu
      waren Regale angebracht, in denen Werkzeug lag. Manche Schraube und
      anderes lag aber auch auf dem Boden. Da die Schrauben Hand groß
      waren, musste man aufpassen, wohin man trat.

      Als der Agent
      gute 25 Meter zurückgelegt hatte, schaute er über den Rand um zu
      erfahren, wo der SFA inzwischen war. Gut 10 Meter trennten ihn noch
      vom Rand der Grube als die Explosion erfolgte.

      Tim wurde zurück
      geschleudert, sah aber auch wie sein Kollege durch die Luft flog.

      Das Dach der
      Lagerhalle wurde angehoben, während die Wände nach außen
      weggedrückt wurden. Ein Feuerball gespickt mit zersplittertem Holz
      und undefinierbaren Metallfetzen breitete sich mit rasender
      Geschwindigkeit aus.

      Danach krachte
      alles zusammen. Balken, Holz, Steine, Blech und Sand schwemmten in
      Unmengen in die Grube. Die ganze Lagerhalle schien sich die
      Mechanikergrube als Versammlungsort ausgesucht zu haben.

      Am Boden rollte
      der Computerspezialist sich zusammen und schrie vor Angst nach Tony
      ohne es selbst zu begreifen. Er spürte, das irgendwas ihn traf.
      Schützend versuchte er seine Hände um seinen Kopf zu legen. Und
      noch etwas traf ihn. Und noch...

      Dann herrschte
      Dunkelheit und Stille um Timothy McGee. Sein letzter Gedanke war, was
      wird Deleila nach seinem Tod tun?

      Draußen hatten
      Gibbs und Dorneget hinter der Mauer Schutz gefunden. Trotzdem flog
      auch ihnen eine Menge Material um die Ohren und begrub sie unter
      sich.

      Nach einer Weile
      hörte das Prasseln von kleinen Teilen auf. Die Sonne schien vom
      blauen wolkenlosen Himmel.

      Nur der Rauch und
      der Geruch nach Verbranntem und Staub erinnerten an das Inferno vor
      wenigen Sekunden.

      „Bin ich Tod?“,
      fragte Need ängstlich mit fest geschlossenen Augen und Händen auf
      den Ohren immer wieder.

      Der erfahrene
      Ermittler schob ein Blechteil von der Hauswand weg und versuchte
      aufzustehen. Sein Knie machte ihm dabei zu schaffen. Er war doch
      recht hart aufgekommen nach seinem Sprung über die Mauer. Nun
      wollten seine Beine ihn im ersten Moment nicht tragen. Aber ein
      Marine lässt sich so etwas nicht bieten.

      „Dorneget,“
      sprach der Silberhaarige stöhnend den jungen Mann an. Aber der war
      noch mit seinem Mantra beschäftigt. So haute ihm der Senior auf den
      Hinterkopf und es reichte.

      Dorni kam wieder
      ins hier und jetzt zurück. „Ich lebe!“, stellte er erstaunt fest
      und schaute fassungslos auf die Trümmerlandschaft um sich herum.

      „Rufen Sie die
      Feuerwehr und einen Krankenwagen,“ kommandierte der Boß grob und
      unternahm einen weiteren Versuch sich in die Höhe zu stemmen.

      „Ja... ja.
      Okay. Feuerwehr,“ und schon holte der Jüngere sein Handy heraus,
      stutze dann aber. „Krankenwagen? Sind Sie verletzt? Oder ich?“

      „Nein,“
      beruhigend legte der Marine seinem Ersatzagent die Hand auf die
      Schulter. „Alles okay mit uns. Trotzdem ist Vorsicht besser und wir
      lassen uns kurz durch checken. Okay?“

      Froh, dass der
      Ältere ihn beruhigte, nickte der Lehrling und wählte immer noch am
      Boden sitzend die entsprechenden Nummern.

      Gibbs hingegen
      sah hoch zur Mauerkrone, die von Schutt bedeckt war. Er musste da
      hoch, um zu sehen, was noch stand. Die Trümmer schienen ihm eine
      Leiter anzubieten. Wohl wissend, das er dort einstürzen konnte,
      machte er sich trotzdem auf und kletterte hoch. Oben mehr schlecht
      als recht angekommen, schaute er über das Trümmerfeld und suchte
      nach seinen Agents. Der Schuttberg war riesig. Besorgt fragte er
      sich, ob McGee und DiNozzo noch rechtzeitig raus gekommen waren. Zu
      sehen war keiner von Beiden.

      Ein Blick zurück
      zeigte ihm ein Häufchen Elend. Er würde Dorneget ins Büro
      schicken. Der Junge war ihm hier keine Hilfe, stand völlig unter
      Schock. Es war durchaus möglich, das er noch völlig zusammenbrach,
      wenn er das ganze Ausmaß und die Konsequenzen für die anderen
      Teammitglieder begriff. Im Moment war Need meilenweit davon entfernt.

      Die Erkenntnis,
      das zwei seiner engsten Freunde jetzt eventuell tot waren, traf den
      Chefermittler urplötzlich und ließ sein Herz schmerzhaft schnell in
      seiner Brust schlagen. Aber er kämpfte das Gefühl fast sofort
      wieder nieder. Es durfte nicht sein. Sie mussten leben. Er musste sie
      da raus holen. Also ging er los und packte mit bloßen Händen nach
      Trümmerstücken um sie wegzuschaffen.

      Dieser
      Aktionismus dauerte nur wenige Minuten an. Als Dorni fragte, er war
      ebenfalls hoch geklettert und stand nun hinter seinem Vorgesetzten,
      „Wo sind Tim und Tony?“, wurde ihm klar, das er es nicht wusste.

      Aber ohne zu
      wissen, wo sie waren, war seine Aktion völlig sinnlos. Er musste
      warten, bis Hilfe eintraf.

      Tief atmete er
      durch, um sein Herz zu beruhigen. Ein paar Mal. Dann drehte er sich
      um und bahnte sich einen Weg zu ihrem Truck. Da der unten an der
      Mauer gestanden hatte, war er relativ unbeschädigt geblieben. „Haben
      Sie alle angerufen?“

      „Feuerwehr und
      Krankenwagen,“ bestätigte der junge Agent unsicher. Dabei suchten
      seine Augen nach den Kollegen, fanden aber niemanden. Er war schon
      recht blass gewesen. Jetzt schien er noch um einige Nuancen heller zu
      werden. „Sie... sie sind noch... noch da drin?“ Seine Stimme
      zitterte und Tränen füllten seine Augen, als die Erkenntnis sein
      Gehirn erreichte.

      „Sie leben,“
      fauchte ihn da der Teamchef an. „Erst wenn ich ihre Leichen sehe,
      glaube ich an ihren Tod. Und jetzt kommen Sie mit. Es gibt viel zu
      tun.“


      Kapitel
      66

      Gedanken
      im NCIS

      21:00
      Stunden nach Stunde 0, Samstag 0:12 Uhr

      Es
      war Mitternacht.

      Die
      Explosion und die dramatische Rettung zweier NCIS Agents war in den
      Nachrichten nur noch eine Randnotiz. Der Großeinsatz im
      Einkaufszentrum war viel attraktiver geworden, wurden dort doch immer
      noch Feuernester gelöscht und ein kleines Mädchen war verschwunden.

      Vance
      war das recht so. Morgen früh würde es ein Update für die Presse
      geben. Da der Fokus nicht mehr beim NCIS lag, konnten alle wieder
      ihrer Arbeit nachgehen. Ruhe kehrte ein.

      Innerhalb
      der Behörde war aber die Stimmung noch sehr gedämpft.

      McGee
      ging es relativ gut. Bei DiNozzo war nicht sicher, ob er überleben
      würde. Auch wenn er ein Clown und eine Nervensäge war, so mochten
      ihn die meisten Kolleginnen und Kollegen und wünschten ihm alles
      Gute.

      Als
      Gibbs das Hauptquartier betrat, hörte er dies auch von den noch im
      Gebäude befindlichen Agents. Dankend nahm er die aufmunternden Worte
      entgegen und musste sogar lächeln. Im Moment war er emotional so fix
      und fertig, das jedes Schulterklopfen, jeder Händedruck gut tat.

      In seiner Büroecke war es ruhig. Kein
      Wunder. Erst in sechs Stunden würde sich das Yard beleben.
      Einerseits genoss der Chefermittler diese Ruhe. Keine ständigen
      Fragen. Kein Telefonklingeln.

      Andererseits hätte er gerne Antworten.
      Was hatte das Ersatzteam herausgefunden? Hatten sie die Mistkerle
      bereits geschnappt?

      Der Silberfuchs war noch kurz bei McGee
      gewesen. Deleila hatte in ihrem Stuhl gesessen, den Oberkörper halb
      auf dem Bett und hatte geschlafen. Endlich hatte sie es geschafft,
      her zu kommen. Auch Tim schlief tief und fest.

      Der Admiral war nach Hause gefahren und
      würde später wieder kommen, erfuhr er von einer Schwester. Sie
      erzählte auch von Reportern, die hier herumlungerten. Für Gibbs ein
      gutes Ventil.

      Natürlich fand er zwei Exemplare
      dieser Sorte und schmiss sie kurzerhand raus. Das würde sicher noch
      ein Nachspiel haben, aber es war ihm egal.

      Ducky hatte Abby auf dem Flur vor
      McGees Zimmer gefunden und überreden können, mit ihm zu sich nach
      Hause zu gehen. Ihr Verhalten war etwas seltsam und der Gibbsche
      Instinkt sprang an. Aber er hatte nicht die Gelegenheit mit der
      Forensikerin zu sprechen. Und das Mallard sie mit zu sich nahm,
      bewies ihm, das auch der Doktor die Veränderungen bemerkt hatte.
      Wenn der Gerichtsmediziner nicht schon eine Idee hatte, würde er
      herausfinden, was die junge Goth so sehr bedrückte.

      Anschließend fuhr der Senior Agent zu
      Tonys Wohnung und packte eine Tasche für ihn. Nachher würde er ins
      Krankenhaus fahren und sie mitnehmen.

      Als er in seinem Haus war, hatte er
      sich frisch gemacht und umgezogen. Kurz hatte er dabei überlegt, ob
      er eine Runde schlafen sollte. Aber schnell merkte er, das es ihm
      unmöglich war.

      Senior hatte grübelnd auf dem Sofa
      gesessen. Mit einem Glas Bourbon hatte Gibbs sich zu ihm gesetzt und
      sie hatten nach langen Minuten des Schweigens angefangen, abwechselnd
      Anekdoten aus Tonys Leben zu erzählen.

      Jetzt um Mitternacht saß der
      silberhaarige Mann an seinem Schreibtisch und ließ seine Gedanken
      schweifen. So merkte er nur im Hintergrund, wie sich das Büro
      belebte. Eine Person stellte sich vor seinen Tisch und sprach ihn an.
      „Wie geht es Deinen Jungs?“

      Gibbs Augen wanderten nach oben. „Gut,
      McWeiyers. Was gibt es neues?“

      Ein leises Lächeln zeigte sich unter
      dem Oberlippenbart ab. Diese Antwort war so typisch. Wie hätte er
      etwas anderes erwarten können?

      „Ihr habt gut vorgelegt. Da mit
      Dornegets Hilfe schnell alle Fakten vorlagen, brauchten wir nur noch
      aufsammeln. Diesen Collins und seine Schläger haben wir aufgreifen
      können. Allerdings streitet er alles ab. Ist das Unschuldslamm
      höchstpersönlich. Auch ist uns der Terrorist Nasir Kaladiry ins
      Netz gegangen und die Waffen haben wir sicher stellen können. Der
      hatte ein ganz schönes Lager mit einigen seinen Kumpels, die jetzt
      bei Homeland sind. Zur Zeit läuft die Fahndung nach Santino noch.
      Aber Dorneget verfolgt nun DiNozzos Ansatz mit den Autos weiter. Ich
      stell Dir die Akte zusammen, dann kannst Du alles nachlesen.“

      Aber der Silberfuchs winkte ab. „Im
      Moment brauche ich die Akte nicht.“

      McWeyers nickte verstehend. „Wir sind
      dabei den Oberboss der Bande ausfindig zu machen. Sobald ich ihn
      habe, gebe ich Dir Bescheid. Du kannst dann ja entscheiden, ob Du ihn
      verhören willst.“

      Und damit stieß sich der Agent vom
      Tisch ab und ging seiner Wege.

      Der Chefermittler hingegen seufzte und
      machte sich auf den Weg. Es war Zeit nach seinen Jungs zu sehen.
      Hoffentlich lief ihm jetzt nicht Vance über den Weg. Aber natürlich
      passierte genau das.

      „Sie hier, Gibbs?“, fragte der
      Direktor, der sich auf dem Weg nach Hause befand.

      „Keine Angst Leon, ich bin schon
      weg,“ meinte der Angesprochene und ging weiter zum Fahrstuhl.

      Leider hatte sein Chef das selbe Ziel.
      „Wir kriegen den Kerl.“

      „Ohne Zweifel,“ stimmte der Ältere
      müde zu.

      Vance musterte seinen besten Mann
      stirnrunzelnd. „Keine Rachegelüste? Kein Alleingang?“

      Ein bitteres Lächeln schlich sich in
      Leroy Jethro Gibbs Gesicht. „Ich würde Lügen, wenn ich sagen
      würde, es wäre mir egal. Aber nach diesen Stunden habe ich nicht
      die Kraft, mich selbst darum zu kümmern. Vielleicht muss ich doch
      noch einen guten Freund die.....“

      „DiNozzo ist stark,“ ging Leon mit
      sanfter Stimme dazwischen. „Zweifeln Sie jetzt nicht an ihm. Die
      ganze Zeit haben Sie fest an sein Überleben geglaubt. Hören Sie
      jetzt nicht damit auf.“

      Gibbs Mund öffnete sich, aber der
      Direktor hob die Hand.

      „Nein. Ich glaube an Gott und daran,
      das er nichts sinnlos geschehen lässt. Nach Jackies Tod war es eine
      Weile anders. Aber jetzt ist mein Glaube, besonders seit dieser
      Geschehnisse, wieder da. DiNozzo lebt nicht nur noch, sondern weil
      eine höhere Macht, weil Gott es so will. Kein Mensch wäre dort aus
      dieser Grube lebend herausgekommen. Also hat Gott noch etwas
      wichtiges mit DiNozzo vor. Anders lässt sich dieses Wunder nicht
      erklären. Also zweifeln Sie nicht, Gibbs. Der Junge kommt wieder auf
      die Beine.“

      Mit großen Augen betrachtete der Agent
      seinen Vorgesetzten. Die Haltung und die Aufrichtigkeit in den Augen
      zeugten davon, das die Worte ernst gemeint waren. Trotzdem konnte
      sich Gibbs nicht verkneifen zu sagen: „Glauben Sie wirklich diesen
      Quatsch?“

      Kurz herrschte Stille. Sahen sie sich
      an. Und fingen gleichzeitig an zu lachen.

      Der Pförtner war schon sehr
      überrascht, als sich die Fahrstuhltüren öffneten und die lachenden
      Männer entließ.

      Sie beruhigten sich schnell wieder.
      „Danke, Leon,“ meinte der Chefermittler leise und hielt dem Mann
      seine Hand hin. Er empfand in diesem Augenblick wirklich tiefe
      Dankbarkeit. Zu Lachen hatte ihm gut getan.

      Der drückte sie fest. „Gern
      geschehen!“

      Kapitel
      67

      Kate

      21:00
      Stunden nach Stunde 0, Samstag 0:12 Uhr

      Der Strand war schön.

      Weicher Sand.

      Blaugrüne Wellen mit strahlend weißen
      Schaumkronen rollten an das Ufer.

      DiNozzo saß im feinen Sand und wärmte
      sich an der leuchtenden Sonne an einem türkisfarbenen Himmel.

      Das Rauschen des Meeres war wunderschön
      beruhigend.

      Hinter ihm waren Palmen und dazwischen
      standen Hütten. Etwas weiter den Strand rauf war eine Bar aufgebaut.
      Tony war nicht sicher, aber er meinte Tom Cruise als Barkeeper
      erkannt zu haben. Aber war das möglich?

      „Alles ist möglich,“ meinte Kate
      neben ihm.

      Sie trug einen Bikini in Feuerrot und
      sah unglaublich gut aus, fand er und betrachtete sie wohlwollend.

      „Danke!“, lächelte die junge Frau.

      „Wofür?“ Stirnrunzelnd betrachtete
      der Agent seine Kollegin.

      Irgendwas stimmte nicht.

      „Für das Kompliment,“ meinte sie
      lächelnd. „Und das Tattoo findest Du nicht.“

      Jetzt musste der SFA lachen. Er schaute
      wieder auf die Wellen. Beobachtete sie. Sagte kein weiteres Wort,
      sondern genoss nur den Augenblick.

      „Was empfindest Du?“, fragte Kate
      und unterbrach damit die Stille zwischen ihnen.

      Tony überlegte kurz. Horchte in sich
      hinein. „Friede,“ sagte er dann. „Nichts ist im Moment
      wichtig.“

      „Was war denn wichtig?“

      Wieder runzelte der Gefragte die Stirn.
      Überlegte eine ganze Weile. „Frauen, Freundschaft, Anerkennung.“

      „Das sind wichtige Dinge,“ meinte
      Agent Todd mit sanfter Stimme. „Wieso ist das jetzt hier nicht
      interessant für Dich?“

      „Weiß nicht,“ erwiderte der junge
      Mann nachdenklich. „Er ist so friedlich hier. Keine Toten, keine
      Gangster. kein Gibbs. Kein böser Tim...“

      „Böser Tim?“, erstaunt schaute
      Kate ihren Kollegen an. „Meinst Du McGee?“

      „Er hat gesagt, er sei nicht mein
      Freund und will mich auf seiner Hochzeit nicht haben.“ DiNozzo
      klang dabei wie ein kleines beleidigtes Kind. Es tat ihm immer noch
      weh.

      Darüber versuchte die Frau nicht laut
      zu lachen, war es für ihren Partner doch ein ernstes Problem.
      Schließlich beschäftigte es ihn auch noch an diesem Ort. Mit
      möglichst ernster Mine versuchte sie statt dessen, mehr zu erfahren.
      „Hat er was dazu gesagt, warum?“

      Nun druckste der nur mit Shorts
      bekleidete Anthony etwas herum. „Nun ja... ihm gefällt es nicht,
      mit Superkleber festgeklebt zu werden.“

      Da musste die Brünette doch lachen.
      „Das dürfte inzwischen für Euch Beide ein alter Hut sein. Findest
      Du nicht, das sich das ausgelutscht hat?“

      „Mmh,“ brummte DiNozzo und musste
      zugeben, das es wohl besser wäre, sich dafür ein anders Opfer zu
      suchen. „Er will auch nicht mehr Bambino heißen.“

      „Na ja,“ meinte Todd dazu amüsiert.
      „Es kommt darauf an, ob er noch tollpatschig ist.“

      „Nö,“ gab der SFA zu. „Er hat
      sich gut entwickelt, und ist inzwischen ein guter und selbstbewusster
      Ermittler geworden.“

      „Verdient er dann noch den Namen?“

      Stille.

      „Du könntest ruhig mal auf Andere
      zugehen,“ meinte Kate weiter. „Alle auf Abstand durch Dein
      clowniges Verhalten zu halten, bringt Dich nicht wirklich weiter.
      Oder siehst Du das anders?“

      Tony seufzte, sah seine Freundin an und
      sagte dann leise und traurig. „Ich vermisse Dich.“

      Die Frau lächelte, beugte sich vor und
      gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Das Leben ist noch nicht vorbei,
      Anthony DiNozzo. Pack es an.“

      Der Agent nickte zaghaft und lächelte
      vorsichtig. Dabei sah er zu, wie die vor längerer Zeit verstorbene
      Kate sich auflöste. Sie verschwand einfach als wäre sie Nebel, der
      vom Wind weggeblasen wurde.

      Dieser Ort war ein seltsamer Ort, an
      dem eben seltsame Dinge passierten. Sprich normal waren. Allein die
      Tatsache, das Tom Cruise hier den Barkeeper gab, zeigte es zur
      genüge.

      Das hier war eine Szene aus Cocktail
      von 1988, wo sie auf Jamaika sind, schoss es ihm in den Kopf. Also
      war er wieder im Wartebereich und gestaltete sich seine Umgebung
      selbst.

      Schöne Erkenntnis, aber ist das
      wirklich interessant?

      Tony schaute wieder hinaus aufs Meer.

      Da war ein Boot aufgetaucht. Einige
      Gestalten standen darauf und schienen ihm zu winken.

      Als er seine Hand über seine Augen an
      die Stirn legte, so das sie seine Augen beschatteten, konnte er seine
      Kollegen sehen. Die, die noch lebten.

      Gibbs, Abby, Ducky, Jimmy und auch Tim.
      Sie schienen sehr vergnügt zu sein und ihm zu winken, er solle zu
      ihnen kommen.

      Aber er verspürte keinen Antrieb, da
      nun raus zu schwimmen.

      Sie hatten schließlich auch ohne ihn
      ihren Spaß. Und er störte doch nur.

      Hatte McGee nicht gesagt, das er das
      Team verlassen sollte? Vielleicht sollte er das tun.

      Vielleicht sollte er Kate folgen.

      Was war denn so schlimm daran, einfach
      zu gehen?

      Was erwartete ihn denn nun wirklich
      noch im Leben außer Schmerz?

      All seine Freundschaften waren
      gescheitert.

      Kate und Paula tot.

      Ziva fort.

      Selbst Gibbs hatte ihn gefragt, was er
      denn noch hier mache.

      Und mal ganz ehrlich, was hatte er denn
      schon großes erreicht?

      Ob er nun da war oder nicht. Es spielte
      doch keine Rolle. Es interessierte niemanden.

      Er war alleine.

      Unbemerkt.

      Niemand würde ihn vermissen.

      Niemand brauchte ihn. Keine Frau. Keine
      Kinder. Seinem Vater war er gleichgültig.

      Was hielt ihn also hier noch fest?

      Plötzlich schlug das Segel um und traf
      Tim. McGee wurde vom Deck gefegt und die Anderen an Bord schienen es
      nicht zu bemerken.

      „Oh Gott, nicht mein Bambino,“
      schrie Tony entsetzt und rannte ins Wasser.

      Lächelnd stand Kate am Strand.
      „Männer,“ sagte sie liebevoll den Kopf schüttelnd, während sie
      den Schwimmer beobachtete. „Und dieser Dickschädel ganz besonders.
      Wenn man ihm nicht den Weg zeigt...“

      Kapitel
      68

      Abby
      bei Ducky

      21:18
      Stunden nach Stunde 0, Samstag 0:30 Uhr

      Froh darüber, das er Abby ins Bett
      hatte bringen können, setzte sich Dr. Mallard an seinen
      Wohnzimmertisch und nahm das Glas Rotwein in die Hand. Während er
      sich zurücklehnte und seine Fliege abnahm, ließ er die letzten
      Stunden revue passieren.

      Schon im Krankenhaus hatte der
      Gerichtsmediziner bemerkt, das irgend etwas seine Freundin quälte.
      Sicher, auch am Explosionsort war sie aufgedreht und verheult
      gewesen. Emotional aufgewühlt. Wenn er so darüber nachdachte, war
      da bereits etwas zusätzlich nicht in Ordnung gewesen.

      Abigal Scuito war eine sehr emotionale
      und herzensgute Frau. Das sie also völlig aus dem Häuschen war,
      musste niemanden wundern.

      Diese Stille, die sie im Krankenhaus
      zeigte, gefiel Ducky überhaupt nicht. Und Jethros Erleichterung, als
      er die Forensikerin mit zu sich nahm, war ihm nicht entgangen. Zu
      lange kannte er seinen Freund schon, das er diesen winzigen
      emotionalen Ausbruch sah. Der Chefermittler machte sich ebenfalls
      Sorgen um ihre Laborantin.

      Während der Fahrt zu seinem Haus,
      hatte die Goth aus dem Fenster gestarrt und keinen Laut von sich
      gegeben. Auch nicht als er an einem vegetarischen Schnellimbiss
      hielt, um etwas zu Essen mitzunehmen. So hatte der Doktor einfach für
      sie mitbestellt.

      In seiner Wohnung hatte er Abby zum
      Sofa geleitet und sie förmlich da hin gepflanzt. „Ich werde eine
      Flasche Wein aufmachen, meine Liebe,“ meinte er leise zu ihr. „Ein
      Schluck wird uns Beiden gut tun. So rutscht das Essen auch besser.“

      Kurze Zeit später stand das Essen und
      der Wein auf dem Tisch und Donald saß neben der jungen Frau auf dem
      Sofa.

      „Abigal?“, fragte er und als sie
      nicht antwortete, anscheinend in einer anderen Welt gefangen,
      berührte er sie kurz an der Schulter.

      Es genügte tatsächlich und die Augen
      der Frau füllten sich wieder mit Leben, als sie den Doktor ansah.

      „Da bist Du ja wieder,“ lächelte
      der Gerichtsmediziner erfreut. „Wie fühlst Du Dich?“

      Kurz überlegte die Goth. „Ich weiß
      nicht. Ich bin müde, aber ich kann nicht schlafen. In meinem Kopf
      schwirrt so viel herum...“

      „Lass es raus,“ antwortete der
      Arzt. Und nach ein paar Sekunden des Schweigens fügte er scherzend
      hinzu: „Ich kann nicht nur Geschichten erzählen. Solchen zuzuhören
      beherrsche ich ebenso brillant.“

      Diese Aussage brachte die Laborantin
      zum Lächeln.

      Kurz darauf presste sie ihre Lippen
      zusammen und senkte den Kopf. Sollte sie über ihre Gefühle reden?
      Darüber, das sie anscheinend mehr für Tim empfand? Würde das nicht
      mehr schaden? Andererseits war er Arzt. Er musste sich doch an die
      Schweigepflicht halten. Hyppokratischer Eid und so. Ach was dachte
      sie da nur. Ducky war ihr Freund. Er würde niemandem etwas verraten,
      wenn sie es nicht wollte.

      „Okay,“ nickte sie, schaute den
      neben ihr sitzenden Mann aber nicht an. Statt dessen schnappte sie
      sich das Weinglas und leerte es in einem Zug.

      „Sachte Abigal,“ versuchte Mallard
      verbal dazwischen zu gehen. „Das ist ein
      Château
      Lafite-Rothschild aus Frankreich. Den muß man langsam und genußvoll
      trinken. Sonst steigt er einem schnell in den Kopf.“

      „Ich vertrag so einiges,“ war der
      ganze Kommentar der Goth dazu.

      Währender der Doc nachschenkte, zog
      Abby ihre Plateauschuhe aus und setzte sich im Schneidersitz Ducky
      gegenüber. Nachdenklich begann sie langsam ihre Gedanken
      auszusprechen. „Tim und Tony sind meine Freunde. Für sie
      würde ich durch Dick und Dünn gehen. Und ich weiß, das sie das
      auch für mich machen würden. Auch wenn sie es nicht gesagt haben,
      wie mein Silberfuchs auch, er würde mich nie im Stich lassen, das
      weiß ich genau, deshalb funktioniert das Team so gut, ich meinte das
      wir alle aufeinander aufpassen das ist gut für das Team nicht das
      sie alle für mich durchs Feuer gehen würden und das Du und Palmer
      also das ihr das auch...“

      „Meine Liebe,“ unterbrach der
      Mediziner das immer schneller werdende Gebrabbel und strich der
      Forensikerin dabei über den Unterarm. „Natürlich stehen wir alle
      für einander ein. Du hast es richtig erkannt. Dieser Zusammenhalt
      zwischen uns macht aus diesem Team etwas besonders Erfolgreiches.“

      Heftig nickte die Laborantin und
      schaute dabei unruhig im Raum umher. Mit sich selbst ringend, griff
      sie wieder zum Weinglas, nahm aber dieses Mal nur einen großen
      Schluck. „Ich habe meinen Tiger verraten,“ sprang es dann
      förmlich aus ihr heraus. Entsetzt über ihr Geständnis starrte sie
      ihr Gegenüber mit offenem Mund an. Ihre Augen begann sich rasend
      schnell mit Tränen zu füllen.

      Mallard legte den Kopf schief und
      schüttelte leicht lächelnd den Kopf. „Niemals!“

      „Doch, doch,“ ließ sich Abby nicht
      so leicht überzeugen. „Als er mit McGee da unten war und es ihm so
      schlecht ging, da... da hab ich.... Da hab ich nur an Tim gedacht.
      Was würde werden, wenn mein Lieblingsnerd stirbt? An Tonys Tod zu
      denken, dazu musste ich mich fast schon zwingen. Dabei ist er doch
      mein Tiger, mein Freund, mein nerviger Clown....“

      Ducky erfasste das Dilemma. Seine junge
      Kollegin glaubte, beide Freunde müsste sie gleich gut behandeln. Um
      die Gesundheit Beider bangen. Aber so funktionierte das Gehirn nicht.
      Solche Extremen Situationen brachten diese feinen Unterschiede zu
      Tage. Und da Abby eine Herzensgute Frau war, brachte sie das in
      Bedrängnis. „Abigal, es ist völlig normal, das man mehr Angst um
      eine Person hat als um eine Andere.“

      „Aber ich kenne Beide sehr gut und
      Beide sind wie Brüder für mich,“ widersprach die Forensikerin und
      wedelte dabei mit ihren Händen herum. „Ich sollte für Beide
      gleich viel empfinden. Mich um Beide gleichviel Sorgen machen. Es ist
      sogar noch schlimmer, denn Tony war viel schwerer Verletzt. Und das
      wussten wir. Timmy hatte praktisch nur ein paar Schürfwunden und
      einen rostigen Nagel. Nicht das ein rostiger Nagel nicht schlimm
      wäre, kann er doch eine Blutvergiftung verursachen, und das ist ja
      sehr gefährlich, Herzstillstand und so...“

      „Abigal,“ holte Ducky sie wieder
      ins Hier und Jetzt zurück. „Alles ist gut. Timothy ist gut
      versorgt. Er liegt auf seinem Zimmer und schläft jetzt friedlich.“

      „Genau, das meine ich,“ rief die
      Forensikerin schon fast verzweifelt. „Tim liegt auf der Normal
      Station. Aber mein Tiger wurde in ein Koma versetzt. Für ganze 72
      Stunden. Wobei das nicht mehr stimmt, schließlich ist schon etwas
      Zeit vergangen und so reduziert sich...“

      „Ich weiß, meine Gute,“ versuchte
      der Ältere weiterhin die junge Frau zu beruhigen. „Aber das ist
      nicht Deine Schuld und für Deine Gefühle wird Dich niemand
      verurteilen. So lange Du sie zum Nutzen aller einsetzt und nicht
      selbstsüchtig Handels.“

      Verblüfft betrachtete die Goth den
      Mediziner. Was war denn das für ein Satz? „Ich würde niemals
      jemanden schaden!“

      „Natürlich nicht, meine Liebe,“
      sprach Ducky behutsam weiter, denn er hatte da einen Verdacht. „Sage
      mir bitte, was Du von Deleila hältst.“

      Der Themenwechsel überraschte Abby nun
      sehr und so überlegte sie ein paar Sekunden. „Sie ist eine tolle
      Frau. Klug, charmant, ehrgeizig. Das mit ihrer Querschnittlähmung
      hat sie inzwischen gut weggesteckt.“

      „Magst Du sie?“

      „Ja, na klar.“

      „Würdest Du sie als Deine Beste
      Freundin haben wollen? Spontane Antwort bitte.“

      Langsam schüttelte Abby den Kopf.
      „Nein!“

      „Weil Du für Timothy mehr empfindest
      als Freundschaft?“

      „Ich empfinde für ihn wie für einen
      Bruder,“ versuchte die Goth sich stur zu retten. Die Erkenntnis war
      bereits da, aber sie wollte sie nicht in ihr Gehirn reinlassen.

      „Wirklich?“, skeptisch guckte Ducky
      seine junge Freundin an. „Ihr hattet Sex miteinander. Auch wenn es
      schon Jahre her ist. Eine sexuelle Vereinigung wird nur dann zu einem
      vollkommenen Moment, wenn das Gefühl der Liebe mit ihm Spiel ist.
      Wie war damals der Moment für Dich?“

      Völlig überrumpelt von der Direktheit
      ihres alten Freundes, konnte Abby nicht mehr ausweichen und musste
      sich eingestehen, das sie Tim McGee immer noch liebte. „Aber mit
      uns hat das damals nicht geklappt. Daher gönne ich ihm Deleila. Er
      hat mir ja meinen Parkranger auch nicht ausgeredet.“

      „Das, meine liebe Abigal, zeichnet
      wahre Liebe aus,“ lächelte der Mediziner sie beruhigend an. „Das
      eigene Wohlbefinden ist nicht so wichtig wie das des Geliebten.“

      Abby schniefte unglücklich und ein
      paar Tränen lösten sich. „Und mein armer Tiger muss darunter
      leiden.“

      „Aber wieso denn?“, fragte Mallard
      verschmitzt lächelnd. „Erstens, keiner der Beiden weiß etwas
      davon. Und zweitens, von mir erfährt niemand etwas davon.“

      Nachdenklich sah die Forensikerin den
      Gerichtsmediziner an. Darüber musste sie erst intensiv nachdenken.

      Ducky konnte es ihr förmlich von der
      Stirn ablesen. Deshalb überredete er sie, etwas zu Essen. Danach
      sprachen sie wieder darüber und erzählten sich dann Anekdoten. Der
      Wein tat dabei seine Wirkung. Zum Schluss konnte die junge Frau ihre
      Augen kaum noch offen halten und hatte auch zu lallen begonnen. Mit
      einiger Mühe schaffte es der alte Mediziner, die Goth ins
      Gästezimmer zu bringen.

      Nun war er selbst Müde. Eigentlich
      hatte er sich in sein Bett begeben wollen. Aber sein Körper war
      anderer Meinung. Und so schlief er ein noch während er über den
      Abend zu Ende nachdachte.

      Kapitel
      69

      ´Hab
      keine Angst, Bambino. Alles ist gut.´

      24:00
      Stunden nach Stunde 0, Samstag 3:12 Uhr

      Timothy
      McGee ging durch einen Tunnel. Stimmen waren zu hören. Verstehen
      konnte er sie anfangs nicht. Je weiter ging, um so deutlicher
      erkannte er seine eigene und DiNozzos Stimme.

      Es
      waren Gesprächsfetzen zwischen ihm und Tony. Sie waren noch so
      leise, das Tim sich anstrengen musste zu verstehen. Aber wollte er
      das überhaupt?

      TD: „Hast Du schon die Neue in der
      Personalabteilung gesehen? Die wäre genau richtig für Dich,
      Bambino.“

      TM: „Lass das. Ich habe, im Gegensatz
      zu Dir, eine feste Freundin.“

      TD: „Bist Du Deleila noch nicht
      überdrüssig?“

      TM: „Wir sind glücklich
      miteinander.“

      TD: „Wann heiratet Ihr?“

      TM: „Das ist noch zu früh. Wieso?“

      TD: „Wegen der Junggesellenparty. Ich
      muss doch planen. Es wäre doch furchtbar, wenn ich gerade dann
      Urlaub habe.“

      TM: „Vielleicht auch nicht.“

      TD:
      „Wie meinst Du das? Bin ich nicht Dein Freund?“

      Die
      Stimmen hatten normale Stärke erreicht. Trotzdem legte Tim ein
      zügiges Tempo vor und hatte den Kopf gesenkt. Er empfand
      Schuldgefühle. Tonys Stimme klang immer vorwurfsvoller.

      TD: „Du hast mir noch keine Antwort
      gegeben. Also?“

      TM: „Was?“

      TD: „Bambino. So vergesslich bist Du
      nicht. Auf Deinem Hemd ist übrigens ein Fleck!“

      TM: „Ein Fleck?“

      TD: „Das hab ich gebraucht.“

      TM: „Und Du fragst allen ernstes,
      warum Du nicht mein Freund bist?“

      TD: „Aber Spaß haben gehört doch
      dazu. Es ist lustig.“

      TM:
      „Nicht für den, der das Ziel der Attacken ist.“

      Immer
      lauter wurden die Stimmen. Tim begann schneller zu gehen.

      TD: „Wieso bin ich nicht Dein Freund,
      McFreudlos?“

      TM: „Was soll das denn jetzt?“

      TD: „Du hast es heute Morgen gesagt.
      Dabei dachte ich immer, wir wären die besten Freunde. Eine
      offensichtliche Fehleinschätzung von mir. Deshalb hätte ich gerne
      gewusst, was ich falsch gemacht habe.“

      TM: „Abgesehen von Superkleber auf
      der Tastatur, Durchforstung meiner persönlichen Sachen und der
      Spitznamen? Deine Nörgeleien? Deine beleidigenden Worte? Deine
      unangebrachten Streiche? Das Du alles schlecht machst, was ich tue?“

      TD:
      „Ja. Außer diesen unbedeutenden Kleinigkeiten. Was stört Dich an
      mir?“

      Die
      Stimmen hallten in dem Tunnel wieder. Schneller laufen, traben. Weg
      hier. Nur weg.

      TD: „Was für ein Früchtchen.“

      TM: „Ja. Den als Kameraden und Du
      brauchst keine Feinde mehr.“

      TD: „Gut, das wir keine Freunde sind,
      McFreundlos.“

      TM:
      „Gott!“

      TD: „Irgendwas
      musst Du auch erraten, McIchmagDichnicht.“

      TM: „Was soll
      denn der Spitzname jetzt?“

      TD: „Meinst Du,
      ich merke nicht, das es Dir nicht gefällt, das ich recht habe,
      Bambino?“

      TM: „Weil Du
      das nutzen wirst, um mich damit aufzuziehen.“

      TD: „Was ist
      daran schlimm?“

      TM: „Es ist
      Mobbing.“

      TD: „Quatsch.“

      TM: „Doch!“

      TD: „Nein.“

      TM:
      „Ja!“

      Die
      Lautstärke war so groß geworden, das Tim sich die Ohren zu hielt
      und nun wirklich rannte.

      TM:
      „Du hast also ein Date.“

      TD:
      „Hah. Das wäre überhaupt kein Problem, McNichtfreund. Mitnehmen
      werde ich Dich jedenfalls nicht.“

      TD: „Habt Ihr Nerds irgendwas neues?“

      TM: „Du klingst so frustriert. Etwa
      kein Glück gehabt?“

      TD: „Ich brauche kein Glück.“

      TM: „Ach seit wann?“

      TD: „Du hast also was gefunden,
      Bambino? Was ist es? Los. Ich bin Dein Vorgesetzter. Sag schon.“

      TM: „Verrate ich nicht. Da Du nichts
      gefunden hast, wirst Du meine Ergebnisse als Deine ausgeben. Aber
      nicht mit mir.“

      TD: „Du willst mir, dem
      stellvertretenden Leiter dieses Teams, aus persönlichen Gründen
      Deine Ergebnisse, die relevant in unserem Fall, dem Fall des Teams,
      sein könnten, vorenthalten?“

      TD: „Ich hätte Dich für
      professioneller gehalten, McNeid. Nur weil ich nicht Dein Freund bin,
      übrigens Dein Wunsch, auch die berufliche Zusammenarbeit leiden zu
      lassen... vielleicht solltest Du überlegen, Dich versetzen zu
      lassen. Ich meine, wenn meine Anwesenheit Dich dazu bringt,
      Geheimnisse über den Fall vor Deinen Teamkollegen zu haben, schadet,
      das der Aufklärung gewaltig.“

      TM: „Ich bin nicht unprofessionell
      und das Team werde ich definitiv nicht verlassen. Leider kann man
      Dich dazu auch nicht bewegen.“

      Auch die Ohren zu zuhalten half nicht
      mehr. Das Geschrei verursachte fast körperliche Beschwerden. Tim
      rannte so schnell er konnte. Wollte entkommen.

      TM:
      „Kein Wort. Märchen von ´ich
      habe verschlafen, weil...´ kannst Du Gibbs erzählen. Ich will es
      nicht wissen.“

      TD:
      „Nun Agent McGee. Das war ein Befehl unseres Bosses. Wir fahren
      getrennt.“

      TD:
      „Alles bringt uns weiter. Selbst Misserfolge beinhalten
      Erkenntnisse.“

      TM:
      „Da sprichst Du ja aus Erfahrung.“

      TD:
      „Ich weiß nicht, ob ich Dir das sagen darf, Bambino. Du könntest
      Gibbs gegenüber ja behaupten, das diese Info von Dir stammt.“

      TM:
      „Ich mache so etwas nicht. Das ist Deine Art.“

      Tim
      taumelte vorwärts. Guckte voraus. War da ein Ausgang?

      Die
      Helligkeit kam ihm entgegen. Schneller und schneller.

      Erlösung?

      Nein.

      Feuer.

      Das
      Feuer einer gewaltigen Explosion jagte lautlos heran.

      Lautlos?
      Oder waren die Geräusche nur von den schreienden Stimmen übertönt?

      Tim
      wusste es nicht. Hatte nicht die Zeit zu überlegen.

      Das
      Feuer war da!

      Mit
      einem Schrei wachte er auf.

      Spürte,
      wie ein Gewicht von seiner Brust verschwand.

      Hörte
      eine Stimme.

      Hatte
      irgendwo Schmerzen.

      Panik.

      ´Hab
      keine Angst, Bambino. Alles ist gut.´

      Tonys
      Stimme in seinem Kopf.

      Sie
      lies in ruhiger atmen.

      Lies
      die Panik einfach verschwinden.

      Sicherheit.

      Er
      war sicher.

      Nichts
      würde passieren.

      Nun
      erkannte Tim ein Zimmer.

      Ein
      Krankenhauszimmer.

      Er
      saß in einem Krankenbett.

      Die
      Stimme. Deleila.

      Sie
      saß neben ihn. Hielt seine Hand.

      „Hab
      keine Angst. Alles ist gut.“

      Kapitel
      70

      Der
      Tag fängt an

      27:48
      Stunden nach Stunde 0, Samstag 7:00 Uhr

      07:00 Uhr zeigte
      der Wecker an, der auf Gibbs Nachttischschränkchen stand.

      Nach dem der
      Seniorermittler den Navy Yard verlassen hatte, war er noch im
      Krankenhaus gewesen und hatte die Tasche abgegeben. Obwohl er lieber
      in der Nähe von seinem SFA geblieben wäre, war er doch zu sich nach
      Hause gefahren.

      Senior hatte im
      Gästezimmer geschnarcht. Der Bourbon hatte ihm wohl gut getan.

      Gibbs selbst
      hatte sich angezogen auf sein Bett gelegt und die Woche Revue
      passieren lassen. Was war falsch gelaufen? An welchem Punkt hatten
      die Verbrecher beschlossen Bundesagenten anzugreifen? Wer war so
      doof? Die UNI. Dort musste der Chef zu finden sein. Nur wer? So ging
      er im Geiste die Verhöre durch.

      Irgendwann musste
      er doch noch eingeschlafen sein. Aber es war ein sehr unruhiger und
      wenig erholsamer Schlaf. Völlig verschwitzt schreckte er hoch.

      Die Ungewissheit,
      ob Tony überleben würde, hatte sich in einem Alptraum manifestiert
      und den Marine ganz schön mitgenommen. Eine Dusche half ein wenig
      Schweiß und trübe Gedanken zu vertreiben.

      Nun lag er seit
      gefühlten Stunden wieder auf dem Bett und grübelte weiter.
      Aufstehen brauchte er nicht so früh, da es Wochenende war und sie
      frei hatten. Der Fall war schließlich nun in anderen fähigen
      Händen.

      Jetzt hörte er
      aber, wie sein Gast sich zum Bad begab. Er sollte Frühstück machen.

      In der Küche
      stellte der Marine als erstes die Kaffeemaschine an. Dann griff er,
      nach einen Blick in den leeren Kühlschrank, sein Handy und bestellte
      belegte Brötchen beim Bäcker mit Lieferservice. Vielleicht sollte
      er mal Nahrungsmittel einkaufen.

      Gibbs Haus war
      spartanisch eingerichtet. Um in die Küche zu kommen, musste man vom
      Eingangsbereich durch das Wohnzimmer. Dort war ein Kamin, ein Sofa,
      zwei Sessel und ein Sofatisch. Ein alter Röhrenfernseher stand auf
      einem kleinen Tisch vor dem Durchgang zum Esszimmer und der Küche.
      Auch hier war die Einrichtung funktionell. Ein Tisch, vier Stühle
      und mehr nicht.

      „Morgen,“ kam
      es vom Durchgang. DiNozzo setzte sich schwerfällig an den Tisch. Er
      sah so fertig aus wie Gibbs sich fühlte.

      „Kaffee?“,
      fragte der Ermittler von der Küchenzeile her und erhielt ein Nicken.

      Als Beide ihren
      Kaffee in der Hand hatten, fragte Senior. „Was machen wir nun?“

      Bevor der
      Hausbesitzer antworten konnte, klingelte es an der Tür.
      „Frühstücken.“

      Aber als der
      Teamchef das Wohnzimmer ganz durchquert hatte, ging im Flur bereits
      die Tür auf und jemand rief: „Nicht erschießen bitte.“

      „Tobias,“
      begrüßte der NCIS Agent den FBI Agent brummig. „Kann das nicht
      bis Montag warten?“

      Bundesagenten
      waren angegriffen worden. Da wurde selbstverständlich das FBI
      informiert, die dann ermitteln sollten. So wurde ausgeschlossen, das
      NCIS Agents ihre Kameraden rächen konnten. Theoretisch.

      „Ich dachte, da
      wir halbwegs Freunde sind,“ begann der Mann und hielt dabei eine
      Tüte hoch, „schaue ich Mal, wie es Ihnen geht. Der Bote wollte das
      hier abgeben. Sie schulden mir 20 Dollar.“

      Nach dem Tausch
      Tüte gegen Geld stellte der Marine, der zurück in das Esszimmer
      ging, die Männer vor. „DiNozzo Senior. FBI Agent Fornell. Kaffee?“

      „Ja, bitte,“
      erwiderte Fornell und gab DiNozzo die Hand. „Ich hoffe sehr, das
      Ihr Sohn durch kommt. Er ist ein guter Ermittler.“

      „Ich wünschte,“
      lies sich Juniors Vater vernehmen, „er hätte Wirtschaft oder so
      studiert.“

      Gibbs stellte
      seinem Halbfreund einen Becher hin. „Tony wäre bei einem solchen
      Bürojob zwar vor Kugeln sicher gewesen, aber nicht glücklich. Die
      Geschichten, die hinter den Verbrechen stehen, heraus zu finden, ist
      seine Leidenschaft. Seine natürliche Neugierde. Deshalb ist er so
      gut.“

      Dabei machte er
      die Tüte auf und legte die sechs belegten Brötchen auf einen
      Teller. „Essen Sie etwas.“

      Aber Mister D.
      schüttelte den Kopf. Seine Sorgen um seinen Sohn waren so stark, das
      er nichts anderes verspürte. Jetzt zu Essen.....

      „Sie müssen
      etwas essen,“ meinte auch Fornell und griff nach einem Brötchen
      mit Salami. „Wenn Sie für Tony da sein wollen, dürfen Sie sich
      selbst nicht vernachlässigen.“

      Der Chefermittler
      warf dem FBI Mann einen bösen Blick zu. Aber der hob in einer
      unschuldigen Geste seine Arme hoch. „Ich komme direkt von einem
      Einsatz. Drogenrazzia.“

      Den Kopf leicht
      schüttelnd griff Gibbs zu einem Brötchen mit Schinken und biss
      hinein. Zwar hatte er keinen Hunger aus den selben Gründen, aber
      Fornell hatte recht. Zu dem wollte er mit gutem Beispiel voran gehen.
      Und es klappte auch. Senior ergriff zögernd ein Käsebrötchen.

      Nachdem sie
      schweigend je zwei Brötchen vertilgt hatten, fragte DiNozzo erneut:
      „Und was jetzt? Zu Anthony können wir erst heute Abend.“

      Damit erinnerte
      er an die Aussage des Arztes, das erst nach 24 Stunden jemand Tony
      besuchen durfte.

      „Wie wäre es
      mit einen Bericht schreiben?“, fragte der FBI Agent mit
      unschuldigem Blick. „Oder Sie erzählen und ich lass das Band
      abtippen. Ganz wie Sie wollen.“

      Kapitel 71

      Dem Hintermann
      auf der Spur

      29:03
      Stunden nach Stunde 0, Samstag 8:15 Uhr

      Es war schon
      erstaunlich. Obwohl Cloud mit der Bombe das ermittelnde Team des NCIS
      Schachmatt gesetzt hatte, waren die andere Agents dieses Vereins ihm
      auf den Versen. Der Professor hätte nie gedacht, wie effizient
      dieser verdammte Laden war. Und sie waren sehr motiviert, den jenigen
      zu fassen, der ihre Kameraden angegriffen hatte.

      Noch Donnerstag
      Abend waren Sir Everett und seine Schläger festgenommen worden.
      McKenzie hatte zu dem Zeitpunkt bereits das Handy entsorgt und auch
      die Postfächer abgemeldet. Jede Verbindung sollte gekappt sein.

      Trotzdem kamen am
      Freitag gleich in der Früh Navy Agents in die Uni. Allen männlichen
      Professoren wurden Fingerabdrücke abgenommen und Schriftproben
      gesammelt. Ihnen wurde gesagt, das sie die Stadt nicht verlassen
      dürften. Bei Zuwiderhandlung würden sie sofort von der Polizei
      festgenommen werden.

      Als er am späten
      Nachmittag nach Hause ging, stand ein Streifenwagen vor seinem
      Wohnung. Sie taten nichts. Sie beobachteten nur.

      Aber damit
      machten sie ihn nervös und Jason hätte sicher einen Fehler gemacht,
      wenn er nicht über WhatsApp von seinen Kollegen die Nachricht
      erhalten hätte, das auch bei denen polizeiliche Personen vor dem
      Haus parkten. Also wurde nicht nur er verdächtigt. Die Mistkerle
      fischten im trüben. Und derjenige, der nervös wurde, war dann ihr
      Mann.

      Aber nicht mit
      Professor Dr. Jason McKenzie. Nein. So leicht fing man ihn nicht.

      Nach dem
      Abendessen machte er es sich vor dem Fernseher gemütlich. Dabei tat
      es ihm besonders gut, die Nachrichten über die Explosion und die
      verschütteten Agents anzusehen.

      Jetzt war es
      Samstag 8:15 Uhr und die Polizisten waren weg. Fragte sich nur
      weshalb? Ein erneuter Trick?

      Jason beschloss,
      zum Park zu fahren um wie jeden Samstag dort ein paar Runden Squash
      zu spielen.

      Obwohl er
      innerlich nervös war, wollte er sich keine Blöße geben.

      „Das Ziel
      steigt in seinen Wagen,“ meldete Jake Boromir seinem Boß über
      Funk.

      „Gut,“ nickte
      NCIS Speziell Agent MacWyser. „Fahren Sie ihm hinterher. Er kann
      das ruhig bemerken. Wenn er wieder Kurs auf sein Zuhause nimmt, rufen
      Sie mich an.“

      Sein Untergebener
      bestätigte und schon stieg er aus dem Dienstfahrzeug aus. Sie hatten
      in einer Straße auf der Rückseite des Anwesens geparkt und liefen
      nun zwischen den Häusern zur Hintertür der Wohnung des
      Verdächtigen.

      McKenzie wohnte
      in der Pierce Street in Rosslyn. Ein normales zweistöckiges
      Einfamilienhaus aus Holz wie es sie millionenfach in den USA gab.

      Agent Dorneget
      knackte das Schloss der Hintertür und sie arbeiteten sich mit
      vorgehaltener Waffe durch die Räume. Keine weitere Person war zu
      finden.

      Der Chefermittler
      gab seinem Team Anweisungen. „Dorneget an den Computer. Johnsen
      nach oben. Turner in die Garage.“

      Sofort verteilten
      sich alle und durchsuchten ihre Gebiete.

      Sie hatten einen
      Richter überzeugen können, das Professor Dr. McKenzie der Mann war,
      der Rebecca May die Liebesbriefe geschrieben hatte. Die Schriftproben
      hatten zum Erfolg geführt.

      Nun musste aber
      noch bewiesen werden, das er auch der Drahtzieher des
      Waffenschmuggels war.

      Und hier machte
      es ihnen der Doc nicht leicht. Dieser Verbrecher war sehr intelligent
      und hinterließ so gut wie keine Spuren.

      MacWyser war
      überzeugt davon, das der Professor den Auftrag für den Tausch der
      Bilder gegeben hatte und das er wusste, die Mays würden zu früh
      zurückkehren.

      In der Vernehmung
      von Soloka war herausgekommen, das er detaillierte Anweisungen
      bekommen hatte. Auch wann der beste Zeitpunkt für den Tausch war.

      May war die
      einzige Zeugin gewesen, die ihnen hätte erklären können, warum sie
      dieses Konto bei der First Nationel Bank hatte. Rebecca hatte es
      eröffnet, aber in ihrem Haus fand man nicht einen einzigen
      Kontoauszug. Was, wenn ihr Liebhaber diese hatte? Was tat man nicht
      alles ungefragt für einen geliebten Menschen?

      Vielleicht fanden
      sie auch die Besitzurkunde für das Tropicana und die Lagerhallen in
      Farefax. Weitere Nägel im Sarg dieses Professors. Aber MacWyser
      machte sich keine Illusionen. Der Mann war eindeutig schlau.

      Laut Duckys
      Profil auch überheblich, selbstsicher und arrogant. Vermutlich
      glaubte er, niemand könne ihn mit den Verbrechen in Verbindung
      bringen. Also doch eine winzige Chance, hier etwas zu finden.

      Dorneget befand
      sich derweil in der Bibliothek, das gleichzeitig das Wohnzimmer war.
      Alle Wände waren mit Regalen voller Bücher, Ordner und Papieren
      vollgestopft. Vom Boden bis zur Decke.

      Ein Sofa stand
      vor einem kleinen Kamin, darüber der Fernseher. Keine Sessel. Nur
      noch ein Beistelltisch neben dem Sitzmöbel.

      Den meisten Platz
      benötigte ein riesiger Eichenschreibtisch. Mächtig und alt mit
      einigen Verzierungen versehen. Der an der Sitzfläche abgenutzte
      Bürosessel war mit echtem Leder bezogen. Einige besonders teure
      Stücke.

      Deutlicher konnte
      man nicht darauf hin gewiesen werden, wo der Prof die meiste Zeit
      verbrachte. Der Tisch war bedeckt mit Stapeln Papier. Arbeiten seiner
      Schüler. Aber es waren auch Manuskripte für Bücher dabei in
      mehrfacher Ausfertigung.

      Kein Laptop war
      auf dem Tisch zu sehen. Ein großer Bildschirm zeigte an, das in den
      Schubfächern ein älterer Homecomputer sein musste. Dorni fand ihn
      schon nach kurzer Zeit und schaltete ihn an. Als Computerspezialist
      und Bundesagent machte er als erstes eine Kopie der Festplatte bevor
      er begann, sich die Dateien anzusehen. Ganz nebenbei knackte er das
      Passwort. In dieser Hinsicht war der Professor kein Genie und
      unvorsichtig.

      Eine halbe Stunde
      später kam der Chefermittler ins Wohnzimmer. „Haben Sie etwas
      gefunden, Agent Dorneget?“

      Der Angesprochene
      schüttelte den Kopf. „Mit dem Computer scheint McKenzie nicht viel
      zu arbeiten. In den Dateien sind Fotos drin, sowie wissenschaftliches
      Zeug zu seinem Fachgebiet. Einige private Korrespondenz und Scans von
      Zeitungsartikeln und Dokumenten. Da bin ich noch beim Durchsehen.
      Bisher nichts.“

      MacWyser nickte.
      „Dr. Mallard meinte ja, der Kerl schreibt lieber. Da ist die
      Wahrscheinlichkeit größer, das er was auf Papier hat.“

      Maggie Johnsen
      erschien in der Tür. „Dieser Prof ist der Liebhaber.“ Dabei
      wedelte sie mit einigen Briefen herum. „Die waren im Nachtisch. War
      wohl die Einschlaflektüre. Und Du wirst es nicht glauben. Er hat
      doch tatsächlich die Schreib- und Grammatikfehler mit
      unterschiedlichen Farben berichtigt.“

      Schmunzeln gab
      ihr Boß die Anweisung, das Beweisstück einzutüten. „Dann hilfst
      Du mir, diese Regale abzusuchen.“


      Kapitel 72

      McGees Familie

      29:18
      Stunden nach Stunde 0, Samstag 8:30 Uhr

      „Ich weiß
      nicht,“ meinte McGee zaghaft. „Ich habe das Gefühl, alles falsch
      gemacht zu haben. Ich habe versagt.“

      Innerlich stöhnte
      Deleila. Ihr Freund wusste nicht, wie er mit dem Erlebten fertig
      werden sollte. Es endete in Selbstzweifeln und auch Selbstmitleid.
      Kurz um, er jammerte. Trotzdem versuchte sie, Ruhe zu bewahren. Auch
      wenn sie ihn am liebsten gegriffen und kräftig geschüttelt hätte.
      „Nein. Du hast nicht versagt. Du hast Tony die ganze Zeit wach
      gehalten, Dich um ihn gekümmert. Ohne Dich wäre er schon lange
      Tod.“

      Aber Tim
      schüttelte den Kopf. „Er hat sich um MICH gekümmert. Ohne ihn
      hätte ich gar nicht gewusst was ich tun soll.“

      „Okay,“ sagte
      die Frau langsam. Das waren neue Informationen. Allerdings stimmten
      sie? Oder bildete er sich das nur ein? Schließlich war er durch die
      Hölle gegangen. Da konnten sich die Erinnerungen verändern. Es
      galt, behutsam zu sein. „Was hat er denn gemacht?“

      Der
      MIT-Absolventen sah sie traurig an und schluckte erst einmal den Kloß
      in seinem Hals herunter. Seit er hier im Krankenhaus aufgewacht war,
      plagten ihn Schuldgefühle. Das Gefühl, seinen Kollegen im Stich
      gelassen zu haben war am stärksten. Seine Freundin hatte ihm gesagt,
      das Tony lange operiert wurde. Das er für 72 Stunden ins Koma gelegt
      worden war. Und das es nicht sicher war, ob er überleben würde.
      Wenn doch, konnte es Schäden geben, die ihn zu einen Invaliden
      werden ließen. Vielleicht konnte DiNozzo nie mehr als Very Speziell
      Agent arbeitet.

      Er selbst hatte
      nur Kratzer. Seine Hand würde Problemlos heilen.

      „Tony hat mir
      zugerufen, das ich in die Grube gehen sollte,“ fing der Nerd an
      aufzuzählen. „Als das Wasser kam und wir am ertrinken waren,
      beruhigte er mich und sagte mir, das ich die Gullies suchen und frei
      legen muss. Er hat mir eine Technik gezeigt, wie ich meine
      Panikattacken in den Griff bekomme. Und als Gibbs mir Fragen
      zugerufen hat, sagte Tony mir die Antworten. Ich selber war schon gar
      nicht mehr in der Lage, alles zu verstehen.“

      „Du warst
      übermüdet,“ versuchte es Deleila. „Aber trotzdem hast Du alles
      versucht, um Tony zu helfen.“

      „Er wollte, das
      ich gehe,“ erinnerte sich McGee junior und eine Träne löste sich
      und lief seine Wange hinab. „Als Gibbs fragte, ob ich zu ihm
      kriechen könne, sagte Tony ich solle gehen. Aber das konnte ich doch
      nicht. Tony wäre dann alleine gewesen.“

      Mit gerunzelter
      Stirn dachte Deleila daran, das Gibbs doch zu Tim und Tony
      durchgekommen war. Dann hatte Gibbs McGee da raus geschickt. Brachte
      ihr Freund hier einiges durcheinander?

      „Als ich nicht
      ging, nannte er mich feige.“ Ein leises Lächeln fand sich nun in
      seinem Gesicht. „Ich hab es nicht ernst genommen, konnte ich doch
      sehen, das Tony froh war, weil ich blieb. Aber später als Gibbs bei
      uns war, musste ich gehen. Ich habe den Weg nur mit Mühe geschafft.“

      „Du hast getan,
      was Du konntest,“ sagte dieses mal Admiral McGee, der in der Tür
      stand. Er hatte die letzten Sätze seines Sohnes gehört.

      Tim drehte sich
      im Bett um und wischte schnell mit der Hand über sein Gesicht. Nun
      schämte er sich für die Träne. Sein Vater hielt ihn sicher für
      einen Weichling. „He, Dad.“

      Der Admiral kam
      ans Bett heran. Er lächelte als er sagte: „Ich bin stolz auf
      Dich.“

      Obwohl der
      Jüngere sich über dieses Worte freute, hatte er doch ein schlechtes
      Gefühl dabei. „Warum?“

      „Warum ich
      stolz bin?“, fragte sein Vater erstaunt zurück.

      „Ja,“
      erwiderte der Patient leise mit leicht zitternder Stimme. „Ich habe
      mich wie ein Anfänger verhalten. Mein Handeln war mehr von Panik
      bestimmt als von rationalen Überlegungen. Tony hingegen hatte die
      ganze Zeit alles im Blick. ER hat MIR Anweisungen gegeben.“

      Wie oft war ihm
      solch ein Verhalten schon begegnet?, dachte der Admiral. Jedes mal,
      wenn er Männer besuchte, die aus einem Gefecht zurückkamen. „Jeder
      Mensch reagiert anders, mein Junge. Trotz Deiner Panik warst Du für
      Deinen Kameraden da. Du hast ihn wach gehalten. DAS hat ihm die
      Chance gegeben, um sein Leben zu kämpfen. Timothy. Das ist sehr
      viel. Unterschätze den Wert nicht. Und jetzt bin ich noch stolzer
      auf Dich. Trotz Deiner Angst bist Du bei Deinem Freund geblieben als
      Du die Chance hattest zu gehen. Du bist sogar zu ihm gekrochen trotz
      der falschen Richtung. DAS ist es, was Heldentum ausmacht.“

      In Tims Augen
      schimmerten die Tränen und er schluckte. Es bedeutete ihm sehr viel,
      das gerade sein Vater solche Worte verwendete. Ein warmes Gefühl
      breitete sich von seinem Magen aus in ihm aus. Diese Anerkennung
      seines Vaters, wie lange hatte er darauf gewartet? „Danke.“

      Es klopfte und
      schon ging die Tür auf. „Guten Morgen,“ sagte Gibbs und warf
      einige Papiere auf das Bett. „Unterschreiben.“

      „Und was ist
      das, Agent Gibbs?“ fragte McGee Senior stirnrunzelnd.

      Aber sein Sohn
      lächelte und griff sich die Seiten. „Die Entlassungsdokumente.“

      „Ohne das ein
      Arzt noch einmal vorbei schaut?“, kam es erstaunt von Deleila. Sie
      fand es schon recht merkwürdig.

      Aber ihr Freund
      lachte nur. „Die kennen uns hier schon gut genug.“

      Kapitel 73
      McKenzies Haus
      32:53 Stunden nach Stunde 0, Samstag 11:05 Uhr

      Seit zwei ein halb Stunden durchsuchten sie zu viert die Bibliothek des Professors. Leider hatten sie nichts weiter gefunden, was auf ihren Fall hindeutete.
      Ein Telefon klingelte. „McWyser,“ meldetet sich der leitende Agent. „Verstanden.“ Nach dem er das Gespräch unterbrochen hatte, brummte er unzufrieden: „Der Professor ist auf dem Weg. Wir haben maximal 20 Minuten um endlich was zu finden.“
      „Das kannst Du vergessen,“ murrte Agent Johnson zurück. „Wir sind zu viert und haben noch nicht einmal die Hälfte dieser Bibliothek durch. Wie sollen wir in 20 Minuten den Rest durchsuchen?“
      Dorneget, der ein Buch in der Hand hatte, sprach seine Gedanken laut aus: „Wenn ich etwas verstecken wollte, würde ich es auf ein Datenstick ziehen und diesen an einem sicheren Ort wie ein Bankschließfach oder so deponieren. Aber ich bin ein Nerd und kein Wirtschaftsprof.“
      „Ich mag alte Autos und habe einen Bristol 405 von 1955,“ lies sich Agent Turner hören. „Daher würde ich ein Geheimnis irgendwo in der Garage platzieren. In einer Schachtel im Regal ohne Schloss oder sonst was auffälliges.“
      Agent Johnson beteiligte sich nun auch an diesen Überlegungen. „Ich wollte ein Geheimnis immer in meiner Nähe haben. Ich meine, greifbar. Dann kann ich es jederzeit hervorholen und mich daran erfreuen.“
      Der Teamleiter dachte darüber nach, drehte sich dabei und lies seine Augen über die Regale und Möbelstücke gleiten. „Er sitzt gerne am Schreibtisch und dieser ist alt. Geheimversteck?“
      Sofort machten sich alle daran, den Schreibtisch entsprechend zu untersuchen. Und tatsächlich fanden sie eine winzige Schublade. Darin befand sich ein Schlüssel, auf dem die Nummer 443 eingraviert war.
      „Noch fünf Minuten,“ meinte Turner. „Wir haben keine Ahnung zu welchem Schloss dieser Schlüssel gehört und wir können wohl kaum in der kurzen Zeit jedes Schloss im Haus ausprobieren.“
      Die Frau im Team holte Knetmasse aus ihrer Tasche heraus. „Zumindest können wir einen Abdruck des Schlüssels machen.“
      „Und dann legen wir ihn zurück,“ sagte Dorneget aufgeregt. „Wir schmeißen hier ein paar Papiere auf den Boden. Es muss so aussehen, als wäre eingebrochen worden. Der Prof wird sich den Schlüssel schnappen und überprüfen, ob sein Geheimnis noch gewahrt ist.“
      „Ich kann eine Kamera installieren,“ nickte Turner dazu und griff schon in seinen Rucksack.
      Mit einem Lächeln akzeptierte der Teamchef die Vorschläge. „Macht Euch an die Arbeit. Die Zeit wird knapp.“

      Der Wagen fuhr auf die Auffahrt und McKenzie stieg zufrieden aus. Er hatte seinen Trainingspartner und Freund Dave ein paar Mal schlagen können. Beim anschließenden Drink hatte er seine WhatsApp Kontakte abgerufen. Dabei waren die Versuche der Polizei die Lehrer der Uni aus der Reserve zu locken nur zu deutlich sichtbar gewesen. Die lieben Kollegen amüsierten sich prächtig darüber.
      So hatte Jason auch eher gelacht, als er den Wagen hinter sich bemerkte. Er stand also weiterhin unter Beobachtung.
      In Gedanken war der Doktor während der Fahrt zum xten Mal durchgegangen, ob es Hinweise auf ihn gab. Wie auch zuvor kam er zu dem Ergebnis, das er sich keinerlei Sorgen zu machen brauchte.
      Als der Professor nun die Tür zu seinem Haus öffnete, war er daher gutgelaunt und pfiff sogar ein Lied vor sich hin.
      Ein paar Schritte Richtung Küche blieb er erschreckt stehen. Nur aus den Augenwinkeln hatte er sein Wohnzimmer wahrgenommen und es hatte zwei Schritte gebraucht bis sein Gehirn die Bilder ausgewertet hatte. Jetzt aber lief ihm ein kalter Schauer den sowieso schon verschwitzten Rücken herunter.
      Schnell wendete er und lief ins Wohnzimmer, nur um bestätigt zu bekommen, was er schon befürchtete. Die Papiere auf seinem Schreibtisch lagen überall verstreut und die Schubläden waren aufgerissen worden. Anscheinend hatte derjenige, der hier gewesen war, sich auf den Schreibtisch beschränkt, denn die Regale waren unversehrt.
      Trotzdem war es ein Schock. Wer war das gewesen? Und hatten sie sein Versteck gefunden?
      Rasch trat McKenzie an den Tisch und öffnete die winzige Lade. Die Luft verliess seine Lungen und er seufzte erleichtert. Der Schlüssel war noch da.
      Wusste der Einbrecher von dem Schlüssel? Oder waren das die Agents gewesen? Glaubten sie in ihrer Verzweiflung, das sie ihn so zu einer Unvorsichtigkeit provozieren konnten?
      Nachdenklich schaute der Doktor sich um. Was war nun zu tun?
      Ein hinterhältiges Lächeln schlich sich auf seine Lippen. Diesen verdammten Gesetzeshütern würde er nicht auf den Leim gehen.
      Den Schlüssel in die Hosentasche steckend lief er zur Tür und steuerte draußen gleich seinen Schatten an.
      Boromir war gerade dabei, im Auto sein Sandwichs auszupacken als es an seiner Fensterscheibe klopfte. Völlig überrascht starrte er in das Gesicht eines wütenden Professors. Damit hatte er nun gar nicht gerechnet. Sollte der Kerl nach so viel Sport nicht unter der Dusche stehen? Trotzdem ließ er die Scheibe herunter, denn neugierig war er auch.
      „Das ist eine Frechheit sondergleichen,“ schrie der wütende Mann so gleich los. „Hat die Polizei nichts anderes zu tun als ehrenwerte Bürger zu belästigen? In Ermangelung von Tätern, wobei wir noch nicht einmal darüber informiert wurden, um welches Verbrechen es sich handelt, verfolgen Sie uns Professoren auf Schritt und Tritt. Und nun brechen Sie auch noch bei mir ein und verwüsten alles. Ist das zu fassen? Geben Sie mir Ihren Namen und Dienstnummer. Ich werde mich bei Ihren Vorgesetzten beschweren. Da können Sie sich drauf verlassen. Ihre Behörde wird immensen Ärger bekommen.“
      Der junge Agent war immer noch verblüfft und auch verwirrt. „Bei Ihnen wurde eingebrochen?“ Dabei machte er anstalten, das Auto zu verlassen. Sein Sandwichs hatte er auf das Armaturenbrett gelegt.
      „Ja, das sagte ich doch gerade,“ war McKenzie wieder etwas lauter zu vernehmen. Allerdings fing bei ihm im Hinterkopf eine leise Stimme an zu reden, das es vielleicht die Polizei gar nicht war, die bei ihm alles auf den Kopf gestellt hatte. Blödsinn, wer den sonst? Dieses kleine Licht hier wusste wahrscheinlich nichts davon, versuchte er die Stimme zum Schweigen zu bringen. „Bei mir kommt Ihre Behörde damit aber nicht durch, Mister. Also Name.“
      „NCIS Speziell Agent Jake Boromir,“ stellte sich der junge Mann ohne Angst vor und zeigte dabei seine Dienstmarke. Mit professioneller Haltung begann der Ermittler eine Befragung. „Mister McKenzie. Sie bemerkten gerade als Sie nach Hause kamen den Einbruch?“
      „Ja, wann den sonst?“
      „Heute Morgen als Sie das Haus verließen, war alles noch in Ordnung?“
      „Ja, natürlich.“ Ärger klang deutlich bei dem Älteren durch.
      „Darf ich mir den Tatort ansehen, Sir?“ Bei dieser Frage zückte Boromir sein Telefon, um seinen Vorgesetzten über die Ereignisse zu informieren.
      McKenzie zögerte.
      Woraufhin der Bundesagent weiter fragte: „Oder möchten Sie den Einbruch nicht melden und eine Anzeige starten?“
      „Doch, doch,“ nickte der Professor und versuchte seine Fassade des Ärgerns aufrecht zu erhalten. Bei ihm fuhren die Gefühle Achterbahn. „Also.. nun gerne. Sehen Sie sich das Chaos an.“ Und dann marschierte er voraus.
      Der junge NCIS-Mann folgte und informierte MacWyser über die Vorkommnisse. Der lies sich nichts anmerken und wies seinen Mitarbeiter an, schon mal den Ort des Geschehens zu sichern. Sie würden in 30 Minuten mit einem Truck kommen.
      „Haben Sie etwas angefasst?“, fragte Jake und brachte damit den Professor zum Schwitzen.
      Schließlich hatte er das Geheimfach geöffnet. Wie sollte er das erklären?
      „Es gibt ein Geheimfach im Schreibtisch,“ sagte er zögerlich und fieberhaft nachdenkend. „Da habe ich nachgesehen.“
      „Wurde etwas entwendet und wenn ja, was?“ bohrte der Ermittler weiter.
      Sie waren an der Haustür angekommen und Zeit schindend lies der Doktor dem Agent den Vortritt. „Rechts bitte. Es befand sich eine Urkunde eines Grundstücks darin. Die ist nun weg,“ log er in seiner Not.
      „Wo befindet sich dieses Grundstück?“, fragte der Jüngere mit unbewegter Mine weiter. Vorsichtshalber hatte er das Handy nach dem Telefonat auf Aufnahme gestellt. So wurde jedes Wort aufgezeichnet. Das konnte sich jetzt als nützlich erweisen. Schließlich wusste Boromir von den Grundstücken in Fairfax.
      Mit so detaillierten Fragen hatte McKenzie nicht gerechnet und sagte daher überrumpelt: „Wozu müssen Sie das wissen?“
      Aber der Junior-Agent war auf der Hut und hatte eine plausible Antwort parat. „Mit einer Originalurkunde kennt der Dieb die Adresse und wird vermutlich dort hin fahren, um nach weiterer Beute zu suchen. Das er die Urkunde behält ist eher unwahrscheinlich. Aber ich würde gerne eine Streife zu der Adresse senden. Wenn wir Glück haben, fassen wir dort den oder die Diebe, Sir.“
      Das war durchaus möglich, wenn die Urkunde tatsächlich gestohlen worden wäre. Der Professor musste zugeben, das er sich da wohl selbst ein Ei gelegt hatte. Nur welches von den drei Objekten sollte er nun nennen?


      Kapitel
      74

      McKenzies Haus
      (2)

      MacWyser
      musste ein Grinsen unterdrücken als Boromir in Anwesenheit des
      Professors ihm Bericht erstattete und die Adresse des Grundstücks in
      Fairfax nannte. Schließlich hatten sie so eine weitere Verbindung zu
      ihrem Fall. Kleine Bausteine, die aber diesem überheblichen Kerl das
      Genick brechen würden. Er wusste es nur noch nicht.

      „Sir.
      Sind Sie sicher, das nur in Ihrem Wohnzimmer etwas entwendet wurde?,“
      fragte der Teamleiter nach. Schließlich hatten sie ja auch die
      Liebesbriefe mitgenommen. Der Lehrer sollte das unbedingt auch
      entdecken. Es würde ihn noch nervöser machen.

      Und
      das der Mann nervös war, darauf wiesen seine sich ständig
      bewegenden Finger deutlich hin. Sein Gesicht hatte Jason unter
      Kontrolle. Wut und Ärger zeigten sich noch immer darin ab. Aber auch
      Ungeduld.

      „Nun,“
      erwiderte der Mann mit möglichst kontrollierter Stimme, „ich hatte
      noch keine Zeit, weitere Räume zu betreten.“

      „Dann
      schlage ich vor,“ meinte der Agent freundlich, „das Kollege
      Boromir mit Ihnen durch das Haus geht. Sehen Sie sich in Ruhe um und
      erstellen eine Liste von Dingen, die fehlen. Agent Boromir wird
      weitere Tatorte abgrenzen.“

      Daraufhin
      begannen die Zwei im Erdgeschoss von Zimmer zu Zimmer zu gehen, bevor
      sie nach oben gingen.

      Der
      Polizeiofficer Smittersen trat zu MacWyser. „Sind Sie immer noch
      sicher, das dieser Mann es ist?“ Seiner Meinung nach hatte der
      Hausbesitzer nicht das Format um den Befehl zu geben, einen
      Gefangenen vor dem Polizeirevier töten zu lassen.

      Amüsiert
      fragte der in diesen Dingen erfahrenere Agent zurück: „Kommt er
      Ihnen zu Lehrerhaft vor um der Kopf einer Gangsterbande zu sein?“

      Mit
      schief gelegtem Kopf nickte der Officer bedächtigt. „Wegen des
      Einbruchs ist er doch völlig durch den Wind.“

      Aber
      der NCIS Agent schüttelte den Kopf lächelnd. „Er ist durch den
      Wind, weil er improvisieren musste. Je mehr er darüber nach denkt,
      um so mehr wird ihm klar, das er mit der Adresse des Grundstücks zu
      viel verraten hat. Nun hofft er, das wir die Verbindung nicht sehen.
      Das ist etwas, das ihm seine Sicherheit raubt, alles unter Kontrolle
      zu haben. So kriegen wir ihn.“

      Als
      McKenzie in sein Schlafzimmer kam, fiel im sofort die leicht
      geöffnete Schranktür auf. Böses ahnend ging er weiter ins Zimmer
      hinein und entdeckte die einen winzigen Spalt geöffnete Schublade
      des Nachttischschränkchens. Mit einem Schlag wurde er blass und
      setzte sich rasch auf die Bettkante.

      Natürlich
      bemerkte Boromir die Veränderungen. „Ist Ihnen nicht gut, Sir?
      Soll ich Ihnen ein Glas Wasser besorgen?“

      Der
      Professor nickte nur und beobachtete angespannt wie der Agent im Bad
      verschwand. Schnell schaute er nach, ob die Briefe noch an ihrem
      Platz waren. Seine Befürchtung traf zu und noch blasser setzte er
      sich wieder auf das Bett. Gerade rechtzeitig, da sein Begleiter zu
      ihm kam mit dem Glas Wasser.

      Lieber
      hätte der Professor jetzt etwas stärkeres zu trinken gehabt. Es
      dauerte einige Minuten, bis er sich wieder gefasst hatte. „Es geht
      schon wieder. Ich denke, mir wird jetzt erst so richtig bewusst, was
      geschehen ist.“

      Der
      Speziell Agent nickte wissend. „Können Sie in den nächsten Tagen
      bei Verwandten oder einem Freund unterkommen? Da dieses Haus nun ein
      Tatort ist, wird es wohl mindestens diese Nacht über gesperrt
      bleiben.“

      „Aber
      wieso denn?“, fragte McKenzie überrascht und auch entsetzt zurück.
      Hies es doch, das die Polizisten und Agenten Zeit hatten, sein Haus
      auf den Kopf zu stellen. „Das Verbrechen hat doch nur im Wohnzimmer
      statt gefunden.“

      Ruhig
      und mitleidig nickte der junge Mann. „Standardvorgehen leider, Sir.
      Die Wahrscheinlichkeit, das Sie unabsichtlich Spuren vernichten ist
      zu groß. Deshalb wird Weiträumig abgesperrt. In diesem Fall Ihr
      Haus und Ihr Garten. Schließlich können dort Fußspuren sein. Und
      wir wissen auch noch nicht, wie der Einbrecher herein gekommen ist.
      Sie möchten doch, das wir den Fall aufklären und denjenigen fangen.
      Sonst haben Sie gar kein Sicherheitsgefühl mehr. Er könnte
      schließlich wiederkommen. Wer weiß schon, was er sich erhofft hat
      hier an Wertvollem zu finden. Vielleicht wurde er ja auch
      unterbrochen. Es ist schon außergewöhnlich, das der Täter am
      Vormittag bei Ihnen einbricht.“

      Dr.
      McKenzie musste zugeben, das dieser junge Mann recht hatte. Seine
      Argumente waren logisch und nahmen ihm die Möglichkeit, die Beamten
      von seinem Haus fern zu halten. Verdammt, hätte er doch mehr
      nachgedacht und keine Anzeige gestartet. Dadurch hatte er sich ganz
      schön reingeritten und es wurde immer schlimmer.

      „Also,
      Sir?“, fragte der junge Ermittler wieder. „Können Sie irgendwo
      unterkommen?“

      „Nein,
      ich fürchte, ich muss in ein Hotel,“ brummte der Professor
      angeschlagen.

      Verstehend
      nickte der Jüngere. „Da wir Zwei ja im Haus keinen weiteren Tatort
      entdeckt haben, schlage ich vor, das Sie ein paar Sachen für die
      Nacht einpacken. Da kein Mord geschehen ist, sehe ich keinen Grund
      für mehr als eine Nacht. Morgen können Sie sicher wieder in Ihr
      Haus zurück.“

      Cloud
      hatte feststellen müssen, das er auf den Fahndungslisten der Polizei
      stand. Schon zweimal war er von Polizisten zu Fuß verfolgt worden.
      Bei einem Autohändler war ihm aufgefallen, das man versuchte ihn
      hinzuhalten. Kurz darauf hatte ein Streifenwagen ihn verfolgt. Das
      Tropicana stand unter Beobachtung und auch die Lagerhalle war nicht
      mehr sicher. Ganz zu schweigen von seiner Wohnung.

      Er
      war in seiner Verzweiflung zu der Barfrau nach Hause gefahren. Sie
      hatte ihm ziemlich deutlich gesagt, das er sich wohl besser stellen
      sollte. Und ihn erst gar nicht reingelassen.

      Andere
      sogenannte Freunde hatten den Polizeifunk abgehört und wussten von
      der Fahndung. Vor allen wussten sie, das er wegen des Bombenanschlags
      auf die NCIS Agents gesucht wurde. Seine Beteuerungen, damit nichts
      zu tun zu haben, trafen auf taube Ohren.

      Momentan
      war er auf einem alten Schiff, das im Hafen lag und abgewrackt werden
      sollte. Einen anderen Unterschlupf hatte er nicht finden können.

      Was
      nütze ihm das Geld des Professors in dieser Stadt, wenn er nirgends
      hin konnte?

      Außerdem
      stand da noch die Hälfte aus. Alle anderen Schulden hatte er mit
      mehr oder weniger Kraft eingetrieben. So war ein hübsches Sümmchen
      zusammen gekommen.

      Mit
      einem Linienbus wollte er ein paar Hundert Meilen zwischen sich und
      Washington bringen. Dann konnte er einen Flug auf die Malediven
      buchen und sich dort ein schönes Leben machen.

      Nun
      musste er nur noch einen Weg zu McKenzie finden. Aber wie? Schaute er
      fragend in den fast blinden Spiegel.

      Auf
      jeden Fall musste er sein Aussehen verändern. Sein jetziges Aussehen
      war er in den Computern abgespeichert. Also her mit der Schere, Farbe
      für die Haare besorgen und andere Kleider. Ein unauffälligeres Auto
      musste auch her.


      Kapitel 75

      Das Alpha Team

      39:06
      Stunden nach Stunde 0, Samstag 17:18 Uhr

      Nach
      Tims Entlassung hatte der Teamchef alle erst einmal in den Diner
      versammelt. Dort hatten sie gefrühstückt und da Gibbs nur Leute um
      sich haben wollte, die voll da waren, war es ein sehr ausgedehntes
      Mal geworden.

      Beim
      FBI mussten sie anschließend vorbei und ihre Aussagen machen.Es
      dauerte zwar ein paar Stunden, aber damit hatten sie es dann auch
      hinter sich.

      Fornell
      meinte zwar, das sie offiziell aus dem Fall raus waren, aber
      natürlich kannte er Gibbs persönlich gut genug. Er wünschte
      deshalb nur eine gute Jagd.

      Von
      MacWyser hatten sie sich einweisen lassen und dieser hatte nur
      gelächelt, als Gibbs sich kurzerhand für eine Schicht der
      Überwachung des Professors mit McGee eintrug. Es hätte ihn eher
      überrascht, wenn Jethro sich tatsächlich raus gehalten hätte.

      Man
      hatte sich im Motel neben McKenzie einquartiert und eine Abhöranlage
      installiert. Laut Dorneget war diese so gut, das sie eine Mücke im
      Nebenraum Husten hören konnten.

      „Er
      hat wohl fertig gegessen,“ meinte McGee, der einen Kopfhörer auf
      hatte und angespannt lauschte. „Er schmeißt Packpapier in den
      Papierkorb.“

      Gibbs
      stand am Fenster und beobachtete aufmerksam den Parkplatz. Etwas zu
      tun zu haben, tat ihm gut. So dachte er nicht an seinen schwer
      verletzten SFA. Nachher, so gegen 21:00 Uhr, würden sie bei ihm
      vorbei sehen. Viele Änderungen würde es nicht geben, schließlich
      lag Tony noch keinen Tag im Koma. Zwei Tage würde es noch dauern,
      bis sie ihn wieder da heraus holten. Hoffentlich genügte diese
      Erholungsphase und der Junge kam wieder hoch.

      „Jetzt
      ruft er jemanden an,“ informierte Tim leise. Auch er war froh nicht
      untätig sein zu müssen. Gerade weil es Tony schlecht ging, brauchte
      er Ablenkung. Und dieses Schwein zu fassen zu kriegen würde eine
      Freude sein.

      Sein
      Vater hatte das verstanden, war er doch ebenfalls ein Mann der Tat.
      Deleila aber hatte ihm fast eine Szene gemacht, von wegen er sich
      doch erst einmal ausruhen sollte. Erst Gibbs Einwand, das man das
      nicht könne so lange der Mistkerl frei rumlief, hatte sie langsam
      Einlenken lassen. Jetzt war sie mit Abby zusammen im Labor und
      analysierte die Kopie der Festplatte. Löcher in die Luft starren und
      warten wollte sie auch nicht.

      Dadurch
      hatten der Professor und Cloud zwei erstklassige NCIS Teams im Nacken
      sitzen, verstärkt durch eine intelligente Analystin des
      Justizministeriums. Die konnten sich warm anziehen.

      Gibbs
      hatte sich ebenfalls die Ohrhörer aufgesetzt, denn es wurde nun
      interessant. Hoffentlich.

      McKenzie
      hatte die ganze Zeit überlegt, welche Schritte er als nächstes tun
      musste. Spontan wollte er nicht noch einmal sein müssen. Heute
      Morgen waren seine Entscheidungen weniger gut gewesen.

      Diesem
      Navy-Cop hatte er das Motel nennen müssen, in dem er abstieg. Das
      war bedauerlich, aber nicht zu ändern. Den Besitzer hatte er beim
      einchecken ganz nebenbei gefragt, ob er denn gut ausgelastet sein.
      Die Antwort war gewesen, das es nur noch zwei Zimmer im Gebäude
      nebenan gab. Die lagen direkt nebeneinander und gingen zur Straße
      raus. Schnell hatte er verneint. Schließlich hätte er dann ja
      praktisch die Polizei dazu eingeladen, sich entweder neben sich neben
      ihn einzuquartieren oder gegenüber auf das Gebäude zu gehen und ein
      Richtmikrofon auf sein Zimmer zu richten.

      Da
      war das Zimmer im Innenhof schon viel besser. Er hatte keine Ahnung,
      die Bullen waren schon vor ihm da und hatten alles arrangiert.

      So
      fühlte sich der Doktor sicher in dem kleinen schäbigen Zimmer und
      benutzte wie selbstverständlich das Telefon. Beim Eingeben der
      Zahlen gab der Apparat Töne von sich. Natürlich zeichnete McGee sie
      auf und ermittelte die Nummer. Ein Prepaid Handy. Sofort fing er mit
      der Ortung an als die Verbindung stand.

      „He,“
      sagte der Professor, „ich brauche Ihre Hilfe. …. Klar habe ich
      Ihr Geld... Natürlich. Ein Treffen wäre gut. …. Ja, die Gegend
      kenne ich, wenn ich auch noch nie dort war. … In einer Stunde.“

      Dann
      war das Gespräch beendet. Nachdenklich betrachtete McKenzie den
      Hörer in seiner Hand. Eine Stunde war knapp. Das hieß, er musste
      sich beeilen, um seinen Plan umzusetzen.

      Er
      nahm sich seine Jacke und verließ das Motel schnellen Schrittes.

      „Das
      Gespräch war zu kurz für eine genaue Ortung,“ sagte während
      dessen McGee zu seinem Boß. „Das Signal kam aber aus der Gegend
      mit den Lagerhallen. Hätte nicht gedacht, das ich so schnell an
      diesen schrecklichen Ort gehen muss.“

      Gibbs,
      der schon am Fenster stand und ihr Objekt beobachtete, gab
      Anweisungen. „Boromir. Verfolgen Sie den Wagen unauffällig.“

      „Verstanden,“
      kam es über Funk herein.

      Zu
      seinem Untergebenen gewannt: „Wenn Du nicht mit willst...“

      „Blödsinn,“
      unterbrach der Nerd und hatte bereits seine Waffe in der Hand und
      überprüfte sie. „So kurz vor dem Ziel weiche ich nicht.“

      Anerkennend
      nickte der Teamchef und lächelte. McGee war genauso wild
      entschlossen wie er, den Kerl mit sicheren Beweisen für die nächsten
      100 Jahre hinter Gitter zu bringen.


      Kapitel 76

      Geschenisse im
      Krankenhaus

      39:06
      Stunden nach Stunde 0, Samstag 17:18 Uhr

      Deleila
      war im Krankenhaus angekommen, um sich nach Tony zu erkundigen.

      Die
      aufmerksame Abby hatte bemerkt, wie müde ihre Freundin war. So einen
      langen Flug steckte niemand so leicht weg. Also hatte sie kurzerhand
      den Rollstuhl unter Protest der Inhaberin vor die Tür geschoben und
      gemeint, sie ließe sie erst am nächsten Morgen mit einer Ladung
      Kaffee und Muffins wieder rein.

      DiNozzo
      Senior war nirgends zu finden gewesen. Die Schwester auf der Intensiv
      meinte auf Nachfrage am Telefon, das der charmante Herr sehr bedrückt
      gewirkt hätte und auf ihren Rat hin wahrscheinlich einen Spaziergang
      im Park machte.

      Tim
      und Konsorten jagten dagegen weiterhin die bösen Jungs und somit war
      keiner hier im Bethesda, um auf Neuigkeiten zu warten. Für sie war
      es selbstverständlich den Posten zu übernehmen nach dem Rauswurf
      der Laborantin. Nach Hause gehen kam erst recht nicht in Frage. Ihr
      clowniger Freund sollte nicht alleine sein.

      Und
      DiNozzo betrachtete sie inzwischen als Freund. Schmunzelnd musste sie
      daran denken, wie sie sich kennengelernt hatten. Sofort hatte der
      Sonnyboy mit ihr geflirtet. Als Tim dann seine Besitzansprüche
      geltend machte, hatte sich der smarte Agent sofort zurückgezogen.
      Wenn auch mit ein paar süffisanten Bemerkungen.

      Kindisch
      und launisch hatte McGee ihr erklärt, wäre sein Kollege und sie
      solle sich von seinen Freundlichkeiten bloß nicht einwickeln lassen.
      Amüsiert und überrascht hatte sie sich die Beispiele erzählen
      lassen. Tony schien immer für eine Überraschung gut zu sein.

      Zu
      Freunden waren sie aber erst geworden, als er ihr half, den Rollstuhl
      zu akzeptieren. Timothy war zu dem Zeitpunkt eher unbeholfen,
      versuchte sie zu schützen. DiNozzo hingegen war direkt. Mit den
      Filmzitaten und Verweisen hatte er sie faktisch mit der Nase darauf
      gestoßen, den Stuhl als Neuanfang zu sehen. Der querschnittgelähmte
      Fallschirmspringer war nur noch der letzte Schubs gewesen.

      Tony
      flirtete weiterhin unbefangen mit ihr, natürlich nur, wenn sie
      alleine waren. Und er hatte von Anfang an auch nicht die geringsten
      Probleme mit dem Stuhl. Was Tim und die Anderen mühsam lernen
      mussten, tat Tony von Anbeginn.

      Er
      weigerte sich z.B., den Chauffeur zu spielen. „Schieb Dich doch
      selber,“ hatte er im Krankenhaus zu ihr gesagt. Aus Wut über diese
      Unverschämtheit hatte sie es tatsächlich auch getan. Er hatte
      lediglich grinsend die Tür aufgehalten und arrogant „Geht doch!“
      gesagt. Damals hätte sie ihn am liebsten erschossen. Heute war sie
      dankbar.

      Wenn
      man im Selbstmitleid versank, waren solche Freunde wichtiger als
      jene, die einem alles abnahmen. Schließlich musste man das eigene
      Leben selber meistern. Niemand konnte es einem abnehmen. Und durch
      Tony erkannte sie diese Weisheit viel eher.

      Daher
      war es für sie ein Bedürfnis, jetzt ihrem Freund beizustehen und zu
      helfen. Wobei mehr als hier rumsitzen konnte sie auch nicht. Es gab
      ihr aber das Gefühl, etwas zu tun. Sie wusste, das Tony es zu
      schätzen wusste.

      „Ich
      bin Schwester Ethel,“ wurde sie von der Seite angesprochen. „Leider
      kann ich Ihnen keine Auskunft über den Zustand von Mister DiNozzo
      geben. Sie sind nicht mit ihm Verwand und in der Akte stehen Sie auch
      nicht als Kontakt.“

      „Ich
      verstehe,“ erwiderte Deleila etwas enttäuscht. „Können Sie mir
      denn bitte freundlicherweise sagen, ob sich sein Zustand verbessert
      hat?“

      Kurz
      zögerte die Frau, um dann doch die heiß erwartete Info zu geben.
      „Ein klein wenig sind die Werte besser geworden. Ein
      Hoffnungsschimmer. Mehr aber auch nicht. Es tut mir Leid.“

      „Schon
      gut,“ nickte Deleila und versuchte ein Lächeln. „Das ist schon
      mal was. Es zeigt doch, das er kämpft. Danke, Schwester Ethel.“

      Sie
      schaute der Schwester noch nach und sah zu, wie ein junges Pärchen
      mit einem MaxiCosi sie angespannt ansprachen. In Gedanken hörte sie
      die Erzählung von Tim, als sie weiter auf den Transportbehälter
      sah. Konnte sie Kinder bekommen?

      Auch
      wenn Tim sich da schon erkundigt hatte, was sie süß fand, hatte sie
      ihre Zweifel. Sie konnte schließlich einem Kind nicht
      hinterherrennen. Und was war auf einem Spielplatz? Im Sand mit einem
      Rollstuhl ging gar nicht.

      Mit
      Tony würde sie sich darüber locker unterhalten können. Aber bei
      Tim? Der war zu sehr Kopfgesteuert, genau wie sie selbst auch. Nein,
      Tony war schon der Richtige dafür.

      Sie
      musste lächeln, während sie auf das Fenster vor dem Zimmer ihres
      Freundes zusteuerte. Tonys lebenslustige Art würde ihr den Kopf
      klären, so das sie für sich eine Entscheidung fand.

      Mit
      einem Seufzen streckte sie sich im Stuhl. So gerade konnte sie nicht
      nur durch das Fenster blicken sondern ihren Freund auch in dem Meer
      von Geräten entdecken. „Ich brauche Dich,“ flüsterte sie. „Also
      wo immer Du bist, beweg Deinen Arsch wieder hierher.“

      „Ich
      bin doch schon hier, Du Egoistin,“ grinste Tonys Geist neben
      Deleila. Er lehnte an der Wand neben den Fenster und hatte sich in
      den letzten Minuten köstlich über die Gedanken der jungen Frau
      amüsiert. Seinem Ego tat es alle Mal gut, das Deleila lieber mit ihm
      über bestimmte Dinge sprach als mit Bambino.

      „Typisch,“
      erklang es neben ihm. „Du nennst sie egoistisch und dabei siehst Du
      auch nur Dich selbst und Dein Vergnügen.“

      „Ach
      Kate,“ sprach Tony zu der geisterhaft durchscheinenden Frau jetzt
      auf der anderen Seite von Deleilas Rollstuhl. Dabei machte er seinen
      berühmten Schmollmund mit Hundewelpenblick. Das brachte doch jeden
      Eisberg zum Schmelzen.

      Und
      tatsächlich fing Kate an zu lachen. „Du bist unmöglich, DiNozzo.“

      Auch
      Tony grinste. Das war doch ein Kompliment.

      „Also?,“
      fragte seine Ex-Kollegin weiter. „Wo wirst Du Deinen Arsch
      hinbewegen?“

      „Weiß
      nicht,“ antwortete Tony gespielt nachdenklich. „Eigentlich hatte
      ich ja mehr die Weihnachsgeschichte erwarten. Du weißt schon. Die
      mit Ebenezer
      Scrooge und den drei Geistern von Charles Dickens. Tolle Verfilmung,
      die, wo Clive Donner die Regie führte.“

      Kate
      nickte mit amüsiert zuckenden Mundwinkeln. „Es ist aber nicht
      Weihnachten. Tut mir Leid, aber Gott ist da sehr eigen.“

      „Schade. Und
      was wird statt dessen an Unterhaltung geboten?“

      Wieder
      schüttelte Kate den Kopf bei soviel Unverfrorenheit. „Wir haben
      noch ein paar Stunden bevor sie Dich wieder aus dem Koma holen
      wollen. Da Du offensichtlich erwartest, das ich Dir Stationen Deines
      Lebens zeige, wie wäre es mit Baltimore?“

      Tony verzog das
      Gesicht, doch bevor er protestieren konnte, schwang Kate wie eine Fee
      einen Zauberstab und schon waren sie unterwegs.

      Kapitel 77

      Vorbereitung auf
      das Finale

      39:58
      Stunden nach Stunde 0, Samstag 18:10 Uhr

      Der
      Wagen des Professors parkte vor dem Lagerhaus 38. Von hier hatte man
      einen guten Blick auf das Chaos der gesprengten Lagerhalle. Bisher
      durften die Trümmer nicht zur Seite gefahren werden. Die
      Spurensicherung musste da noch ran und auch die
      Sprengstoffspezialisten.

      Flatterband
      sperrte das Areal ab. Vögel flogen über den Bereich als hofften sie
      auf Speisereste.

      McKenzie
      schlug den Kragen seiner Jacke hoch und ging zum Eingang der Halle.
      Die Tür in dem Tor stand offen.

      Seine
      Vorbereitungen klappten schneller als gedacht. Nun zweifelte er nicht
      daran, das sein Plan aufgehen würde. Diese kleine Ratte würde ihr
      blaues Wunder erleben. Ihn legte man nicht herein. Ihn nicht.

      Cloud
      war überrascht gewesen, das der Bücherwurm ihn angerufen hatte und
      ohne Druck den Rest bezahlen wollte. So ganz traute er dem Braten
      nicht. Deshalb hatte er die Zeit so knapp gewählt. Dadurch dürfte
      der Professor es nur so gerade rechtzeitig schaffen können. Durch
      seine Erkundigungen wusste er, das McKenzie an der George Washington
      Universität arbeitete und um diese Zeit war Rushhour. Nie nicht kam
      ihm der Gedanke, der Mann könne frei haben.

      Statt
      dessen ging Santino an die Vorbereitungen. Wenn der Kerl dachte, er
      könne ihn reinlegen, dann würde er ganz schön alt aussehen.

      Jetzt
      war es kurz vor der verabredeten Zeit und Cloud betrachtete sein Werk
      und war zufrieden.

      Niemand
      haute ihn übers Ort. Niemand.

      Agent
      Boromir informierte die Teams über den Aufenthaltsort des
      Professors. Es dauerte nur wenige Minuten und alle waren da.

      MacWyser
      stellte sich neben Gibbs. „Ziemlich große Lagerhalle.“

      „Nicht
      so groß wie die Kaputte,“ antwortete Gibbs leicht hin. Er stand am
      Kofferraum seines Dienstfahrzeuges und legte gerade eine
      Schusssichere Weste an. Seine Teamkollegen hatten das bereits
      erledigt.

      „Ich
      schlage Zweierteams vor,“ sprach der Leiter des größeren Teams
      vor. „Es gibt mehrere Zugänge. So können wir das zu unserem
      Vorteil nutzen.“

      „Einverstanden,“
      und der Silberfuchs machte mit einem Scharfschützengewehr in der
      Hand den Kofferraumdeckel zu. „Wir gehen aufs Dach und kommen von
      dort.“

      MacWyser
      nickte. „Johnson und Boromir an die linke Seite. Dorneget und
      Turner auf die Rechte. Schleicht Euch rein. Ich schaute durch die Tür
      da. Weitere Anweisungen folgen, wenn wir in Stellung sind.“ Bevor
      es los ging, schaute er noch einmal jeden Agent an. „Passt auf.
      Keine Alleingänge. Bringt Euch in eine gute Position. Aber verratet
      Euch nicht. Wir wollen da lebend wieder raus und diese Mistkerle mit
      Beweisen schnappen. Verstanden?“

      Nach
      dem alle dies bejaht hatten, ging es los.


      Kapitel 78

      Finale

      40:30
      Stunden nach Stunde 0, Samstag 18:42 Uhr

      Die
      Halle war einer der Kleineren. 100 x 40 Meter. Mehr nicht.

      Dem
      Eingang gegenüber befand sich am anderen Ende ein Bürokomplex zwei
      Stockwerke hoch. In der Halle standen überall Kisten gestapelt.
      Schön in Reih und Glied mit Gängen dazwischen.

      Cloud
      wartete vor einem Büro auf der Galerie. Von seiner Position aus
      konnte er den Mittelgang überblicken und sah daher den Professor
      herein kommen.

      MacKenzie
      seinerseits sah seinen Gegner am Geländer lehnen. Langsam ging er
      den Gang hinunter und auf die Treppe zu. Dabei versuchte er die
      Umgebung auf Gefahren abzuschätzen. Sein Plan war ihm als vollkommen
      vorgekommen. Aber jetzt hier, da krochen Zweifel wie kalte Finger in
      ihn hinein.

      Was,
      wenn Cloud Freunde hier hatte, die ihm auflauerten?

      Was,
      wenn er eine Waffe hatte und einfach abdrückte, wenn er ihm den
      Umschlag zeigte?

      Mit
      jedem Schritt wurde der Professor nervöser und wußte gleichzeitig,
      das er sich zusammen reißen mußte.

      Santino
      beobachtete den Doktor die ganze Zeit genau. Das nervöse Zucken der
      Finger lies ihn etwas hinterhältig lächeln. Der Kerl sollte ja
      nicht zu selbstsicher sein. „Hallo MacKenzie. Kommen Sie doch hoch
      in die gute Stube.“

      „Sehr
      gerne,“ lies Jason sich hören. Auf keinen Fall wollte er Schwäche
      zeigen und stieg gezwungen langsam zum ersten Stock rauf.

      Vor
      dem Büro lies junge Mann ihm den Vortritt.

      „Sie
      haben sich verändert,“ spielte MacKenzie auf die neue Friseur und
      die Kleidung an.

      Leises
      Lachen antwortete. „Aus irgendeinem Grund suchen die Bullen nach
      mir. Sie haben da keinen Tipp für mich?“

      „Nein,“
      erwiderte der Doktor und drehte sich mit zu Schlitzen verengten Augen
      um. „Es ist verständlicherweise nicht in meinem Interesse, Sie zu
      verraten. Schließlich haben Sie mich gesehen.“

      Cloud
      nickte nicht besonders überzeugt. „Geben Sie mir mein Geld und ich
      bin weg.“ Bei diesen Worten brachte Santino den Schreibtisch
      zwischen sich und seinem Gast. Er setzte sich hin und hatte nun die
      Automatikwaffe in der Schublade in Griffweite.

      „Okay,“
      nickte der Mann vor dem Schreibtisch und greift langsam in sein
      Jacket. „Aber sagen Sie mir, warum Sie in mein Haus eingebrochen
      sind?“

      „In
      Ihr Haus eingebrochen?“, verwirrt schaute Cloud von der Hand des
      Anderen wieder zu dessen Gesicht. „Wieso sollte ich?“

      „Um
      mich erpressen zu können,“ wurde geantwortet und dann hörte
      Santino wie der Hahn eines Revolvers gespannt wurde. „Wo sind die
      Briefe und die Urkunde?“

      Überrascht
      betrachtete der Gefragte den Smith&Wesson Trommelrevolver Modell
      1 ½ aus dem Jahr 1865, dessen Mündung auf ihn zeigte. „Schöne
      alte Waffe.“

      „Erbstück,“
      sagte MacKenzie trocken. „Also? Wo sind die Dokumente? “

      Einige
      Augenblicke war es still. Jeder beobachtete und überlegte. Beide
      waren am Schwitzen.

      Cloud
      wußte nicht, wovon der Professor sprach. Er hatte bei ihm nicht
      eingebrochen. Aber anscheinend ließ der Kerl sich nicht davon
      überzeugen. Mit der Waffe vor seinem Gesicht konnte er nicht nach
      der Automatik in der Schublade greifen. „Sie trauen mir ne Menge
      Hinterhältigkeit zu.“

      Jason
      nickte ernst. „Deshalb haben Sie in meinem Team gearbeitet.“

      „Danke
      fürs Aussuchen,“ erwiderte der Jüngere spöttisch. Dabei lehnte
      er sich lässig im Stuhl zurück und verschrenkte die Hände im
      Nacken.

      Das
      lief nicht so, wie MacKenzie es erwartet hatte. Sein Plan sah vor,
      das dieser Verbrecher wegen der Waffe Angst bekam und ihm gab, was er
      verlangte. Statt dessen lächelte der Kerl siegessicher. Lungerte ich
      doch noch jemand herum? Unstet lies er seine Augen wandern ohne der
      Anderen ganz aus den Augen zu lassen.

      Genau
      das war es, was Cloud wollte. Dieser Bürohengst war schon sehr
      nervös gewesen als er reinkam. Jetzt brachte er ihn an den Rand
      einer Panik nur mit Andeutungen. Was für ein Waschlappen. Er mußte
      nur noch den richtigen Zeitpunkt abwarten.

      „Wenn
      Sie brav sind, lasse ich Sie am Leben und Sie bekommen den Umschlag,“
      versuchte der Professor das Ganze zu beschleunigen. So schnell wie
      möglich wollte er hier raus. Schließlich hatte er die offene
      Bürotür im Rücken. Wenn da nun jemand durchkam... Also griff er
      wieder in seine Jacke und warf einen dicken braunen Briefumschlag auf
      den Tisch.

      Gier
      erschien in Santinos Augen und er leckte kurz über seine Lippen.
      „Also gut,“ meinte er leise und löste die Hände aus seinem
      Nacken. „Ich nehme die Sachen aus der Schublade. Ganz langsam.“

      Kurz
      darauf erklangen Schüsse.

      Kapitel 79

      Finale 2

      40:30
      Stunden nach Stunde 0, Samstag 18:42 Uhr

      Lange
      hatte MacKenzie nachgedacht. Zu Anfang hatte er noch angenommen,
      diese NCIS Agents hätten den Einbruch begangen. Aber nach und nach
      war er zu dem Schluss gekommen, das nur Cloud Interesse daran haben
      könnte. Er hatte sicherlich etwas gesucht, womit er sein Leben
      versüßen konnte. Regelmäßige monatliche Zahlungen für den Rest
      seiner Tage. Dieser Mann war ein Verbrecher und die dachten so. Davon
      war Jason überzeugt und so jemanden musste er sich vom Hals
      schaffen.

      Leider
      war er ein schlechter Schütze und nervös obendrein. Daher erwischte
      er sein Gegenüber 10 cm schräg über dem Herzen. Der Mann starb
      nicht sofort und konnte nach seiner Automatik greifen.

      Bevor
      der Professor bemerkte, das er einen Fehler gemacht hatte,
      durchbohrten ihn schon zwei Kugeln. Und diese waren etwas besser
      gezielt.

      Als
      die Agents das Büro stürmten, lag der Doktor röchelnd mit vor
      Angst geweiteten Augen auf dem Boden.

      Santino
      saß immer noch im Stuhl und presste seine Hand mit der Waffe auf die
      Wunde. Seine Augen waren bereits eingetrübt. Und er reagierte nur
      noch so gerade.

      Boromir
      nahm ihm die Waffe ab und übernahm die Wundversorgung. Johnson half
      dabei.

      Gibbs
      rief zwei Krankenwagen und Turner lief nach draußen, um sie
      einzuweisen.

      MacWyser
      und McGee hockten bei MacKenzie und versorgten ihn. Aber ihre
      Erfahrung sagte ihnen schon, das die Sanitäter zu späht kommen
      würden.

      Deshalb
      fragte der Operationsleiter einfach. „Haben Sie Waffen von
      Barrakus, Forman und Brouwder gekauft? Erleichtern Sie Ihr Gewissen,
      so lange Sie es noch können.“

      Der
      Professor starrte mit großen Augen den Agent an. Nackte Angst stand
      darin. Klare Gedanken Fehlanzeige.

      Eigentlich
      brauchten sie kein Geständnis mehr. Durch die offene Tür hatten
      Gibbs und MacWyser das Gespräch mit angehört. Dabei hatte der
      Teamchef Gruppe Zwei grinsen müssen. Schließlich hatten sie ja
      selber den Einbruch fingiert und dann so einen Durchschlagenden
      Erfolg. MacKenzie war tatsächlich der Meinung, Cloud habe ihn
      beklaut. So raffiniert und gut durchdacht der Schmuggel gewesen war,
      so schlecht hatte der Professor hier gearbeitet. Nur traurig, das sie
      ihn nicht vor Gericht bekommen konnten.

      Kaum
      gedacht, bäumte sich Professor Doktor Jason MacKenzie noch einmal
      auf, bevor er mit gebrochenen Augen wieder zu Boden glitt. McGee
      machte ihm die Augen zu. Wiederbelebung hatte keinen Sinn.

      Die
      Blutlache unter dem Mann hatte die Größe von mindestens zwei
      Litern. Man konnte davon aus gehen, das im Körper weitere 1 – 2
      Liter verströmt waren. Also mehr als die Hälfte Blut, die ein
      Mensch besaß. Einen solchen Verlust verkraftete kein Körper.

      Um
      Santino stand es auch nicht gut. Der Krankenwagen musste sich echt
      beeilen.

      Da
      man Schwerverletzte wach halten sollte, ging Gibbs zu ihm rüber und
      lehnte sich an den Schreibtisch. „Ich bin NCIS Speziell Agent
      Gibbs. Sie sind Cloud Santino?“

      Der
      Kerl starrte ihn aus einem verschwitzten Gesicht kalt lauernd trübe
      an. „Sie scheinen ja alles zu wissen.“ Schwer fielen im die
      Worte. Trotzdem schaffte er es, das sie spöttisch klangen.

      „So
      einiges,“ gab der Silberhaarige gelassen zurück. „Du warst die
      rechte Hand von Sir Everrett. Hast für ihn die Drecksarbeit gemacht.
      Die Übergabe der Waffen arrangiert. Als Dein kleiner Boß
      festgenommen wurde, ließ sich MacKenzie bei Dir hören. Er wollte
      uns Agents aus dem Weg haben. Du warst für die Sprengung im
      Lagerhaus verantwortlich. Jetzt wolltest Du das Restgeld haben. Aber
      etwas ist schief gelaufen. Was?“

      Inzwischen
      atmete Cloud nicht mehr so Kontrolliert wie noch vor einigen Minuten.
      Die Bleikugel machte ihm zusehends zu schaffen. „Der Scheißkerl
      dachte,... ich hätte ihn bestohlen.“

      „Keine
      Ehre mehr unter Ganoven,“ sagte Johnson dazu theatralisch.

      „Der
      Kerl war Professor,“ spuckte Santino mühsam hervor. „Kein
      Ganove.“ Er hustete kurz. Dabei lief Blut aus dem Mund.

      Gibbs
      und Johnson warfen sich einen bedeutungsvollen Blick zu. Der macht
      nicht mehr lange. Boromir hatte diese Erfahrung nicht und tat das,
      was ein guter Agent nun mal machte. „Kommen Sie. Nicht schlapp
      machen.“

      Ein
      müdes Lächeln erschien im Gesicht des Verletzten. „Überleben, um
      ins Gefängnis.... zu gehen? Sehr witzig.“

      Sirenen
      erklangen gedämpft. Der Krankenwagen waren noch ein gutes Stück
      weg, auch wenn sie schnell näher kamen.

      Gibbs
      stieß sich vom Tisch ab und ging wortlos zur Tür hinaus und die
      Treppe hinunter. Ein kurzer Blickwechsel mit seinem alten Kollegen
      hatte alles geregelt. Hier gab es nichts mehr für ihn zu tun. Als er
      durch die Halle stapfte, gesellte sich McGee neben ihn. Gemeinsam
      setzten sie den Weg fort. Fort von hier aus dieser Halle. Fort von
      dem Fall, der nun gelöst war. Die Einzelheiten würde MacWyser
      klären und die Berichte schreiben.

      Die
      vorbei hastenden Sanitäter nahmen Beide nur halb war. Es war nicht
      mehr wichtig.

      „Gehen
      wir zu Tony?“, fragte der Jüngere.

      Der
      Senioragent nickte. „Aber vorher duschen wir und ziehen neue Sachen
      an.“

      Tim
      nickte nun ebenfalls. Mit blutigen Sachen mussten sie nun wirklich
      nicht im Krankenhaus erscheinen.
      Live Long and prosper
      Ute
      :thumbup:

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