Mit freunden oder alleine sterben? Thread 6 bis K 64 abgeschlossen

      Mit freunden oder alleine sterben? Thread 6 bis K 64 abgeschlossen

      Mit Freunden oder alleine sterben?
      abgeschlossen

      Thread 6
      Autorin: Ziva-Ute
      Fortsetzung von Thread 1 bis 5


      Kapitel 51

      Im Krankenhaus
      06:41 Stunden nach Stunde 0, Freitag 9:53 Uhr


      „Wie geht es
      meinem Sohn, Doktor?“, fragte Admiral a.D. McGee den freundlich
      wirkenden Arzt, der sich gerade zu ihnen gesellt hatte.

      „So weit ganz
      gut,“ war die erlösende Antwort. Bevor der Doktor weiter sprach,
      umarmten sich die drei Frauen. „Wir mussten die Hand operieren um
      einer Versteifung entgegenzuwirken. Dabei haben wir die Verletzung
      auch gereinigt. Sie eiterte bereits stark durch die Verunreinigungen
      mit dem Wasser und Schlamm. Das Fußgelenk ist nur stark gestaucht
      und angeschwollen. Es wird wieder heilen. Im Knie hat sich ein
      Bluterguss gebildet. Wir haben ihn geöffnet und Eiter abfließen
      lassen. Dazu eine mittlere Gehirnerschütterung. Der Patient ist
      dehydriert und leicht unterkühlt. Etwas Fieber und natürlich
      völlige Erschöpfung.“

      „Keine inneren
      Verletzungen?“, fragte Misses McGee vorsichtshalber nach. So ganz
      konnte sie nicht glauben, das ihr Kind so glimpflich davongekommen
      sein sollte. Die Bilder im Fernsehen waren schrecklich gewesen.

      „Nein,“ war
      die gute Antwort des Mediziners. „Nur reichlich blaue Flecke und
      Prellungen. Agent McGee ist nicht in Lebensgefahr, weshalb er nach
      dem Aufwachen auf die Normal-Station gebracht wird. Sie können ihn
      dort gerne besuchen. Aber nicht zu lange. Der junge Mann braucht
      jetzt viel Ruhe. Sobald der Patient wach ist, können wir
      feststellen, wie er die Situation geistig überstanden hat.“

      „Geistig?“,
      ließ sich jetzt Sahra, Timothys Schwester, unsicher vernehmen. „Er
      ist Agent, da sollte er damit doch umgehen können.“

      Ihr Vater mischte
      sich nun ein bevor der Arzt antworten konnte. „Auf so eine
      Situation kann man sich nicht vorbereiten. Wir werden ihn da sicher
      noch zur Seite stehen müssen. Ganz besonders, wenn sein Freund es
      nicht schafft.“

      „Richtig,“
      bestätigte der erfahrene Mediziner ruhig die Worte des Soldaten.
      „Über mehrere Stunden hat er sich dem Tod gegenüber gesehen.
      Jeder Mensch reagiert auf diese Art von Stress anders. Manche
      zerbrechen daran, andere werden stärker. Wir werden abwarten müssen,
      zu welcher Art der Patient gehört. Bitte haben Sie Geduld.“

      Damit
      verabschiedete sich der Arzt und eine Schwester sagte ihnen, wo sie
      Speziell Agent Timothy McGee finden konnten.

      2 Stunden später

      Timothy McGee
      wachte auf. Ganz plötzlich und schrie „Tony!“

      Sein Vater war
      sofort zur Stelle und drückte seinen Sohn wieder in die Kissen des
      Krankenhausbettes zurück. „Schon gut. Dein Kamerad schafft das
      schon. Keine Sorge.“

      Mit großen Augen
      starrte Tim an die Decke. Er nahm seinen Vater gar nicht war. Es
      machte den Eindruck, als ob er etwas sah, das unter der Decke
      schwebte. Dabei formte sein Mund lautlose Wörter.

      Für John McGee
      wirkte es sehr gespenstig. Allerdings hatte er etwas ähnliches schon
      zwei Mal erlebt. Nur waren die Personen dabei gestorben. Es schien,
      als ob sie schon einen Blick ins Jenseits warfen. Sein Sohn war aber
      nicht gefährdet laut dem Doktor. Er sollte jetzt nicht sterben. Also
      versuchte der Admiral, den Jungen ganz wach zu bekommen.

      Nach ein paar
      Minuten war der Spuk vorbei und Timothy schloss erschöpft die Augen.
      Unruhig bewegte er sich im Bett und Schweiß bildete sich auf seiner
      Stirn.

      Der Ältere
      überlegte, ob er einen Arzt rufen sollte.

      Von Dr. Mallard
      wusste er von den im Moment laufenden Versuchen, DiNozzo aus der
      Kuhle zu holen. Diese verrückte Forensikerin, die Tim unerklärlicher
      weise so mochte, hielt sie auf dem Laufenden.

      Auch jetzt war
      sie mit Sarah und seiner Frau runter in die Cafeteria um zu
      Telefonieren.

      Deleila, die
      Verlobte seines Sohnes, musste ebenfalls informiert werden. Sie
      hatten immer noch keinen Flug zurück bekommen. Ein Auftrag ihrer
      Behörde hatte sie in die Türkei verschlagen. Es sollte ihre
      Karriere fördern. Dort wieder weg zu kommen, war nicht so einfach.
      Ihr Rollstuhl stellte sich dabei als großes Hindernis heraus. Es war
      eine Situation, in der sie ihre Lähmung von ganzem Herzen
      verfluchte. Aber diese Behinderung gehörte nun mal zu ihrem Leben
      dazu. Und sie würde einen Weg zu ihrem Freund ins Krankenhaus
      finden.

      Es schien Tim
      inzwischen besser zu gehen. Die Piepser des Überwachungsgerätes
      waren wieder regelmäßig geworden. Daher setzte sich der Admiral
      wieder in den unbequemen Stuhl zurück.

      Sein Sohn hing
      sehr an seinen Kollegen. Er bezeichnete sie als Familie. Zum einen
      sehr gut, da es zusammenschweißte und man gegenseitig auf einander
      aufpasste. Zum anderen behinderte es seine Karriere. Aber war
      Karriere wirklich alles?

      Er selbst hatte
      unbedingt in den Senat gewollt. Dafür hatte er seine Frau und auch
      seine Kinder vernachlässigt. Erst der Krebs hatte ihm langsam klar
      gemacht, was er verlor, wenn er für ein paar Tage Senat so weiter
      machte wie bisher.

      Und er merkte
      jetzt seit seinem Abschied aus dem Corps, wie wenig bleibende Freunde
      er hatte.

      Sein Sohn
      hingegen war unter Kollegen anerkannt und arbeitete auch hart. Nach
      dem, was ihm zu Ohren gekommen war, waren seine Leistungen
      hervorragend. Der Direktor des NCIS setzte ihn gerne auf
      Spezialaufträge an. Das hörte er als Vater gerne und er musste zu
      geben, das er auch Stolz war.

      Trotzdem. Was
      würde Tim in 10 Jahren machen? Immer noch dasselbe?

      Ob er mit seinem
      Sohn darüber reden sollte?

      Ja. Irgendwann.

      Im Moment war
      wohl das wichtigste, das dieser andere Agent diese Sache überlebte.

      Der Arzt hatte
      schon recht. So wie sich Timothy benahm, könnte der Tod seines
      Kollegen ihn gewaltig aus der Bahn werfen.

      Hoffentlich ging
      alles gut. Es würde schon so schwer genug werden.

      „Nichts neues,“
      informierte Abby die beiden Frauen. „Sie sind noch am Schweißen.“

      „Es wird schon
      alles gut gehen,“ sagte Misses McGee beruhigend lächeln, und legte
      eine Hand auf die der Goth, die jetzt auf dem Tisch lagen.

      Auch Sarah wollte
      Mut zusprechen. „Tony hat es so weit geschafft. Da ist der Rest
      doch ein Klacks.“

      Trotz der guten
      Worte, fühlte die Forensikerin sich gar nicht wohl. Sie hatte seit
      einiger Zeit das Gefühl, das etwas quer lief. Aber wie sollte sie
      dieses Gefühl den McGee Frauen begreiflich machen? Vielleicht hatte
      es ja auch nichts zu sagen.

      „Ich ruf noch
      mal an,“ meinte sie und nahm schon ihr Handy hoch.

      Aber Ruth hielt
      ihre Hand fest. „Ständig anzurufen hat keinen Sinn.“

      „Weil ich
      nerve,“ meinte die Schwarzhaarige dazu niedergeschlagen. Sie hätte
      dort bleiben sollen anstatt mit Tim ins Krankenhaus zu fahren.

      Die Frauen
      schienen ihre Gedanken zu lesen. „Auch dort hättest Du nicht
      helfen können.“

      „Wie wäre es
      mit einem Kaffee?“, fragte die ältere Frau aufmunternd Lächeln.

      Mit einem
      ergebenen Seufzer erwiderte die Laborantin: „Lieber hätte ich
      einen Tee.“

      „Schwarz?“

      „Nein,“ kurz
      überlegend, „lieber einen Früchtetee. Irgendwas südländisches.
      Danke.“

      Abigal Scuito war
      wirklich Dankbar, das sich die Frauen um sie bemühten. Sie hätte
      nicht gewusst, wohin mit sich, wäre sie alleine geblieben. So
      lenkten die Beiden sie etwas ab.

      „Sag mal,
      Abby“, begann Sarah da ein Gespräch. „Tim erzählte mir, das
      Tony ihn mit Superkleber vergewaltigt. Wie meint er das?“

      Zuerst schaute
      Abby überrascht ihr Gegenüber an. Dann musste sie schallend lachen.
      Es dauerte etwas bis sie sich wieder beruhigt hatte.

      Ruth war
      inzwischen wieder da und fragte neugierig. „Was ist den so lustig?“

      „Tim sagt doch
      immer,“ erklärte die Brünette unschuldig spitzbübisch ihrer
      Mutter, „das er mit Superkleber vergewaltigt wird.“

      „Na na,“
      erwiderte die Ältere. „So hart hat er es aber nicht ausgedrückt.“

      „Aber für Tims
      Hang zu dramatisieren genau richtig,“ lachte die Forensikerin immer
      noch.

      „Was macht Tony
      denn immer?“, wollte McGees Schwester nun noch stärker wissen.

      „Er verteilt
      Superkleber auf der Tastatur und Tims Finger kleben dann daran,“
      grinste die Schwarzhaarige schelmisch. „Gibbs hat deshalb immer
      eine Tube Lösungsmittel in seiner Schublade.“

      „Ein
      vorausschauender Mann,“ nickte Misses McGee anerkennend. „Ich
      würde aber auf so einen Streich nur 1x reinfallen. Aber so klingt
      es, als würde Tim nur noch festkleben.“

      Bei dieser
      Aussage musste die Laborfrau wieder lachen. Trotzdem empfand sie es
      als nötig, DiNozzos Verhalten zu erklären. „Tony benimmt sich
      zwar wie ein in der Pubertät stecken gebliebener Junge, aber das ist
      nur seine Art, sich zu verstecken. Eigentlich ist er sehr leicht zu
      verletzten. Aber da er stark wirken will und nicht schwach, verzapft
      er solch einen Blödsinn. Das heißt nicht, das er Tim nicht mag. Im
      Gegenteil. Ich denke, Tony sieht Tim inzwischen als seinen kleinen
      Bruder an.“

      „Ja, das
      erklärt so einiges,“ meinte Sarah. „Ich als kleine Schwester
      weiß wie große Brüder sind.“ Dabei verdrehte sie die Augen und
      machte einen genervten Eindruck.

      Aber ihre Mutter
      war da anderer Meinung. „Sei Du nur still. Deine Streiche waren
      auch nicht ohne. Und Du hast viel Schutz von Tim bekommen. Er war
      immer für Dich da.“

      „Ja, das
      stimmt.“ Leicht lächelnd nickte die Brünette. Dabei dachte sie an
      den Abend, als sie das erste Mal mit einem Jungen ausgehen wollte.
      Heimlich. Der Bursche wollte sie bloßstellen, da sie, wie auch Tim,
      eine Streberin war. Ihr Bruder hatte das mitbekommen und in der
      Einfahrt eine Konstruktion gebaut, die diese Verbrecher mit Farbe
      bespritzte, wenn ein Befehl in den Computer an Tims Fenster
      eingegeben wurde.

      Als dieser
      Mistkerl sich als Idiot offenbarte und das kleine Mädchen den Tränen
      nahe war vor Enttäuschung, im Hintergrund lauerten die Kumpanen, gab
      Timothy den Befehl.

      Sowohl die
      lachende Bande als auch der Anführer sahen danach aus wie bunte
      nasse Hunde.

      Sarah musste sich
      vor Lachen auf den Rasen setzen.

      Die ganze Bande
      aber verzog sich, nach dem ihre Eltern durch den Krach alarmiert aus
      dem Haus kamen. Ja, ihr Bruder beschützte sie auf seine ganz eigene
      Art. „Ist Tony für Tim da?“

      „Oh ja,“
      antwortete Abby mit voller Überzeugung. „Als Tim seinen ersten
      Menschen erschossen hat und sich herausstellte, das es ein Polizist
      war, hat Tony ihn zu Hause besucht und versuchte Tim wieder auf
      andere Gedanken zu bringen. Eine ganze Nacht lang. Später stellte
      sich heraus, das Timmy den Mann gar nicht erschossen hat.“ Bei den
      verwirrten Blicken der McGee Frauen fügte sie noch hinzu. „Ein
      komplizierter Fall.“

      Ihr Handy
      klingelte und sofort ging die Forensikerin aufgeregt ran. „Ducky!
      Was ist passiert? Habt ihr ihn? Ist er gesund? Ach, das geht ja
      nicht. Er ist auf jeden Fall verletzt. Aber hat er überlebt? Los!
      Ducky! So rede doch. Wie geht es meinem Tiger?“

      Kapitel 52

      Fox und der Anwalt

      35:47 Stunden vor Stunde 0




      Als
      Gibbs und McGee Dorneget fanden, saß dieser vor dem Krankenzimmer
      403 und tippte in seinen Laptop den geforderten Bericht ein.

      „Dorneget,“
      herrschte der Chefermittler den jungen Mann an.

      Der
      sprang geradezu erschrocken auf und rief: „Ja, Sir. Äh. Gibbs.“

      Kurz
      musterte der Grauhaarige den jungen Agent. „Bericht.“

      „Oh,
      ja,“ leicht rot anlaufend begann Dorni zusammen zu fassen. „Misses
      Fox schläft noch. Ihre Tochter ist bei ihr. Tomas wurde operiert und
      ist seit einer Stunde wieder einigermaßen ansprechbar. Leider hat er
      so viel Angst bekommen, das er vehement seinen Mund hält. Sein
      Anwalt kam vor Fünf Minuten und ist jetzt drin.“

      „Hast
      Du den Mann überprüft?“, fragte Tim. Schließlich konnten die
      Verbrecher es ja noch mal versuchen, ihren Kollegen zu töten.

      Das
      Küken im Team nickte. „Per Fingerabdruck, Ausweisnummer und Anruf
      bei der Anwaltskanzlei. Auch habe ich ihn abgetastet und von Fox die
      Bestätigung eingeholt, das er Riker vertraut und er sein Anwalt ist.
      Übrigens hat Riker Tomas schon früher vertreten.“

      Dafür
      erhielt er von Gibbs ein kurzes anerkennendes Nicken. Dann ging der
      Chefermittler einfach in das Zimmer hinein ohne anzuklopfen. Seine
      Agents folgten und sie stellten sich um das Bett auf.

      „Ich
      muss doch protestieren,“ setzte der kleine Anwalt an. Nur 1,50
      Meter groß plusterte sich der rundliche Mann auf um Gift und Galle
      zu spucken.

      Aber
      der Senior Agent nahm ihm den Wind aus den Segeln. „Ihr Mandant ist
      ein kleiner Fisch. Verrät er uns, was er weiß, bekommt er einen
      Deal.“

      „Was
      für einen Deal?“, fragt Riker wie erwartet sofort lauernd.

      Aber
      Tomas war viel zu verängstigt, um seine Chance sehen zu können.
      „Nein. Kein Deal. Ich sage nichts,“ rief er mit schriller Stimme.

      „Ihre
      Familie ist hier,“ versuchte Timothy die Angst zu lindern. „Mutter
      und Schwester sind in einem anderen Zimmer...“

      „Sie
      erhalten Polizeischutz, wenn Sie reden,“ unterbrach Dorneget und
      sah dabei den Verletzten fest in die Augen. „Sie wollen doch nur
      das Beste für sie, nicht wahr?“

      Empört
      reagierte der Anwalt. „Das ist Erpressung. Sie müssen die Familie
      so und so schützen...“

      „Müssen
      wir das?“, fragte der Chefermittler ruhig und fixierte den jungen
      Fox.

      Der
      Verletzte schluckte. Schweiß bildete sich auf seiner Stirn.

      Mit
      offenem Mund schaute Riker von einem Agent zum nächsten und
      versuchte eine Strategie zu erarbeiten, mit der er seinem Mandanten
      am weitesten brachte. Dieser Grauhaarige war eine harte Nuss.

      Überraschender
      Weise lenkte gerade der ältere Agent nun ein. „Fox. Wir wissen,
      das Sie lediglich der Fahrer waren. Trotzdem könnten wir Sie so
      anklagen, das Sie die nächsten 25 Jahre im Knast verbringen. Aber
      das möchte ich gar nicht. Im Grunde sind Sie ein netter Kerl, der
      versucht, seine Mum bei der Pflege und den Kosten der Schwester zu
      unterstützen. Dafür haben Sie das zusätzliche Geld verwendet. Sie
      könnten also mit einer Bewährungsstrafe davon kommen. Aber Sie
      müssen uns dann alles über Sir Everrett und Cloud erzählen. Und
      zwar bevor wir selber hinter die Geschichte kommen. Und das werden
      wir. Überlegen Sie also gut, was Sie tun wollen.“

      Und
      damit verließ Gibbs gefolgt von seinen Leuten den Raum.

      Keine
      10 Minuten später hatten sie einen Deal.

      Während
      McGee die Aussage aufnahm und die nächste Wache übernahm,
      veranlasste der Chefermittler die Zusammenlegung der Familie Fox und
      forderte weitere Agents zur Bewachung an.

      Dann
      fuhr er mit Dorneget zurück zum Yard. Trotz der guten Fortschritte,
      gab es noch viel zu tun.

      Im
      Yard war Tony ins nächste Verhörzimmer gewechselt. Vor ihm saß
      Corporal Clowny Brouwder, der in allem Durchschnitt war.

      „Corporal,“
      fing der Ermittler an. „Ihre Frau kauft reichlich ein. Darf ich
      erfahren, woher das Geld dazu stammt?“

      „Sie
      hat einen Job,“ war die lapidare Antwort. Brouwder hatte wohl keine
      Lust, heute seine Zähne unnötig auseinander zu machen.

      Gespielt
      überrascht schaute DiNozzo von der Akte auf. „Sie verdient als
      Haushaltshilfe bei den Lorentz 6.000,00 $ im Monat? Wow, da sollte
      ich vielleicht den Job wechseln. … Haben Sie dazu was zu sagen?“

      Jetzt
      doch etwas nervös werdend, bewegte sich der Soldat auf seinem Stuhl
      unruhig. „Sie hat eine Erbschaft gemacht. Und meine Frau kann mit
      ihrem Geld machen was sie möchte.“

      Tony
      faltete seine Hände und legte sie auf die Akte. Mit geduldiger
      Stimme sprach er langsam zu seinem Gegenüber. „Die Erbschaft hat
      sie vor zwei Jahren gemacht. Und das Geld ist schon längst
      verbraucht. Glauben Sie etwa, ich würde das nicht überprüfen? Ihr
      Gehalt reicht nicht aus. Diese Ausgaben werden auch nicht durch einen
      Kredit abgedeckt. Also woher kommen die Bareinzahlungen auf Ihrem
      Konto? Und lügen Sie mich bitte nicht an.“

      Der
      Corporal machte ein paar Mal den Mund auf und wieder zu. Das sah aus
      wie bei einem Fisch auf dem Trockenem. Dann schluckte er einmal.
      „Ich.. ich sage nichts ohne einen Anwalt.“

      Langsam
      nickte der smarte Agent betrübt. „Okay. Dann keinen Deal. Sie
      werden lange lange Zeit hinter Gitter wandern. Hätten Sie die
      Hintermänner verraten, tja dann hätten Sie noch was vom Leben
      gehabt. Aber so... für Mord bekommt man in unserem schönen State
      Lebenslang. Das Gute für Sie ist, Ihre Frau sind Sie zweifelsohne
      los.“

      Und
      so stand DiNozzo auf und ging zur Tür.

      „Warten
      …. warten Sie,“ hielt ihn die Stimme des Gefangenen an der Tür
      zurück.

      Langsam
      drehte sich der SFA fragend um.

      „Ich...“,
      fing dieser Mann nervös seine Hände knetend an. „Ich bin kein
      Mörder. Ich habe Harway nicht getötet. Aber ich weiß, wer es war.“

      „Wer?“

      „Erst
      der Deal,“ schüttelte Brouwder den Kopf. „Ich traue Ihnen zu,
      das Sie sich später nicht erinnern oder die Worte verdrehen.“

      Tony
      seufzte. Es war doch immer das Gleiche. Man vertraute ihm nicht und
      dabei war er doch so eine ehrliche Haut.

      Kapitel 53

      Hält die Höhle?

      08:15 Stunden nach Stunde 0, Freitag 11:27 Uhr

      Es war inzwischen
      kurz vor Mittag. Die Sonne schien ungetrübt vom Himmel. Kleine
      Wölkchen bewegten sich träge gegen Westen. Die Temperatur war auf
      25 Grad gestiegen.

      Im Fernsehen
      waren die Ereignisse der Rettung eines NCIS Agents immer noch Thema
      Nummer Eins. Bisher hatten sie den Namen des Verunfallten nicht
      herausbekommen. Bisher hielten alle, die es wussten, dicht. Bisher!

      Viele Experten
      und Nicht-Experten gaben ihre Meinung preis und vor der Absperrung
      wurde die Menschenmenge immer größer. In Kirchen wurde gebetet und
      Demonstranten wollten ein schärferes Waffengesetz.

      Politiker nutzten
      die Chance um ihr Mitgefühl und gute Wünsche medienwirksam in Szene
      zu setzen. Für die anstehenden Wahlen eine gute publiziti.

      Vor Ort aber
      bangten die nächsten Angehörigen und Freunde. Die Helfer versuchten
      weiterhin fieberhaft ihre Aufgaben zu erledigen. Jeder hier wusste,
      das es bereits jetzt ein Wunder war, das der Mann da unten immer noch
      lebte. Und jeder wünschte sich ein Happy End.

      Man hatte die
      Stahlträger auf einer Seite freigelegt und gesichert. So konnte man
      davon ausgehen, das der Träger bei Tony nun zerschnitten werden
      konnte ohne das alles zusammenfiel. Trotzdem war das Risiko riesig.

      Alle wurden
      gebeten, das Gebiet zu räumen.

      Natürlich
      weigerte sich Gibbs. Er würde bei seinem Agent bleiben. Der Chief
      stimmte zu, da er wusste, das er gegen eine Wand redete, wenn er
      weiterhin auf den Rückzug bestand.

      Auch einer der
      Marine Ärzte blieb. Sein ganzer Kommentar bestand in einem Lächeln
      und den Worten „Semper Fi.“

      Zwei
      Feuerwehrmänner, von denen einer schweißen würde,
      vervollständigten die kleine Gruppe.

      DiNozzo selbst
      wachte nur ab und zu auf. Trotz seiner Verletzungen und der
      Erschöpfung verstand er genau, was passierte. Auch er hatte
      versucht, seinen Boß aus der Gefahrenzone zu bringen. Ohne Erfolg.

      Nun ging es los.

      Der Stahlträger
      wurde zerschnitten, was rund 30 Minuten in Anspruch nehmen würde.

      Liebevoll
      versorgte Gibbs Tony unter der Schutzdecke mit Atemluft aus einer
      Sauerstoffflasche, die extra in einer feuerfesten Decke eingewickelt
      worden war. Es handelte sich dabei um die kleine handliche, die
      Sanies im Krankenwagen hatten. Sie ließen sich leichter vor den
      Funken schützen.

      „Sieht so
      aus... als ob ich... überlebe,“ brachte der SFA mühsam bei einer
      seiner lichten Momente hervor.

      „Hast Du was
      anderes erwartet, DiNozzo?“, fragte der Silberhaarige sanft zurück.

      „Nach dem Du
      Dich... so freundlich... fürsorglich.... aufführst... ja.“
      erwiderte sein Senior Agent langsam. In seinen Augen funkelte es
      dabei nur so.

      Leise lachte der
      Chefermittler auf. „Dir geht es wohl schon besser.“

      Es gab ein paar
      solcher Momente. Trotzdem machte sich L.J. Sorgen. Wie lange konnte
      sein bester Mann noch durchhalten? Und was kam zu Tage, wenn der
      Balken weg war? Gab es weitere schlimme Verletzungen? Das ungute
      Gefühl in seinem Magen ging nicht weg. Was kam da noch?

      Unruhig lief
      DiNozzo sen. auf der kleinen Fläche vor dem Mauerrest hin und her.

      Seit Stunden
      waren sie hier und es schien keine Fortschritte zu geben. Zumindest
      keine sichtbaren.

      Diese Warterei
      zerrte gewaltig an den Nerven.

      Director Vance
      war erschienen und redete mit Mallard, Palmer und Briana.

      Der
      Gerichtsmediziner beendete gerade seinen Bericht.

      „Verstehe,“
      bemerkte das Oberhaupt des NCIS ruhig. „Von Miß Scuito weiß ich,
      das es Agent McGee recht gut geht. Körperlich. Im Moment schläft er
      und die Ärzte wollen ihn so lange wie möglich schlafen lassen. Dann
      wird man sehen, wie seine geistige Verfassung ist.“

      „Schlaf kann
      Wunder wirken und Abigal ist im Moment bei Timothy gut aufgehoben,“
      erwiderte Ducky verständnisvoll. Seine Sorge galt dabei der
      Laborantin, die so emotional reagierte und deshalb bei einer
      schlechten Nachricht von hier zusammenbrechen würde. Im Krankenhaus
      könnte sie ihr aber sofort helfen. Das war besser als sie hier zu
      haben. Deshalb hatte er sie überredet.

      Auf seine Uhr
      schauend meinte Palmer unruhig: „Seit 14 Minuten schweißen sie
      jetzt. Wie lange dauert das noch?“

      „Nun ein
      Stahlträger dieses Durchmessers leistet natürlich einen
      beachtlichen Widerstand,“ beantwortete der Doktor die eher
      rhetorische Frage. „Besonders, da der Stahl unter Spannung steht.
      Schließlich liegen 100derte von Tonnen Schutt darüber. Ich rechne
      aber damit, das jetzt die Halbzeit erreicht ist. Hoffentlich bricht
      der Träger nicht. Dann bekomme ich nicht nur eine Leiche auf meinen
      Tisch.“

      „So schwarz
      wollen wir nicht sehen, Dr. Mallard,“ versuchte Vance die Stimmung
      wieder zu heben. „Alle tun was sie können.“

      Briana drückte
      sich enger an ihren Mann. Ihr Verhältnis zu DiNozzo war zwar nicht
      so eng, aber sie akzeptierte ihn als Freund ihres Lieblings. Trotz
      der Erklärung von Jimmy, das er es als eine Auszeichnung sah, fand
      sie es nach wie vor nicht gut, das Tony ihn Autopsie-Gremlin getauft
      hatte. Nun bangte sie mit und schickte ein stummes Gebet zum lieben
      Herrgott wie schon einige zuvor.

      Palmer war froh
      über die Nähe seiner Frau. Der Kloß in seinem Hals ließ sich
      nicht so einfach runter schlucken. Ein Blick zu DiNozzo sen. ließ
      ihn sich fragen, wie er sich als Vater in so einer Situation fühlen
      würde. Leider fiel ihm nichts ein mit dem er es diesem Mann hätte
      leichter machen können.

      Schweigend
      verbrachten sie die nächsten Minuten.

      Dann kam der Ruf,
      „Träger ist durch!“

      Kurze Stille und
      dann, „Die Höhle hält!“

      Es wird
      geklatscht. Eine Etappe wieder geschafft.

      Aber Jubel gibt
      es nicht. Zu gut ist jedem bewusst, das noch viel zu tun ist. Das
      noch viel passieren kann.

      Das medizinische
      Team verschwindet wieder nach unten. Werden sie gleich hier noch ein
      weiteres Mal operieren müssen? Oder kann Tony jetzt ins Krankenhaus
      gebracht werden?


      Kapitel
      54

      Verhör
      Barakkus

      34:35
      Stunden vor Stunde 0

      Der
      Anwalt von Corporal Brouwder war informiert und würde im Laufe des
      Nachmittags eintreffen.

      Tony
      dachte sich, das es nicht Schaden könnte, bei Barakkus vorbei zu
      sehen. Vielleicht war er ja nun doch bereit, ihr Kronzeuge zu werden.

      Der
      Lagerverwalter saß steif auf dem unbequemen Stuhl im Verhörraum und
      rührte sich nicht als der smarte Agent sich ihm gegenüber setzte.

      „Hallo.
      Ich bin der Very Speziell Agent Anthony DiNozzo,“ sagte er in einem
      freundlichen Plauderton. „Ihre Anwältin hat ausrichten lassen, das
      sie noch ca. eine Stunde benötigt. Sie hat ja nicht nur Sie als
      Klienten.“

      Der
      Marine rührte sich nicht und starrte gerade aus.

      Der
      SFA lies sich nicht beirren und erzählte munter weiter. „Wir haben
      inzwischen Hope Forman und Clowny Brouwder festgenommen. Sie singen
      Beide fröhlich nette Lieder von Waffenschmuggel und so. Und was soll
      ich Ihnen sagen? Brouwder behauptet doch tatsächlich felsenfest, das
      Sie den Petty Officer umgebracht haben. Sie können Ihrer Anwältin
      also gleich ...“

      „Ich
      habe Harway nicht getötet,“ knurrte der Sergeant plötzlich
      dazwischen.

      „Wer
      dann?“, fragte Tony mit mäßigem Interesse zurück.

      Kurz
      überlegte Barakkus, ob er was sagen sollte und entschied sich dafür.
      „Brouwder war es.“

      DiNozzo
      lehnte sich in seinem Stuhl so weit zurück, das die vorderen Beine
      in der Luft schwebten und setzte ein mildes Lächeln auf. „Sie
      waren Beide mit einem SUV da, haben Harway in der Gasse gesehen und
      sind ausgestiegen. Hatten Sie Beide den Auftrag, ihn zu töten?“

      Langsam
      schüttelte Barakkus den Kopf. „Wir sollten mit ihm reden und zur
      Vernunft bringen. Aber Brouwder hat seine Waffe gezogen und den Kerl
      einfach erschossen.“

      „Ah
      ja,“ äußerte sich der Agent zu dieser Aussage und verschränkte
      die Arme vor der Brust. „Meinen Sie nicht, das Brouwder die selbe
      Geschichte erzählt hat? Natürlich war er dabei der Passive. Sie
      verstehen sicher, das ich Ihnen nicht glauben kann. Aussage gegen
      Aussage. Wenn Sie mir hingegen mehr erzählen als Ihr Kamerad,
      steigert das Ihre Glaubwürdigkeit.“

      Wieder
      dachte der Sergeant nach. Tony lies ihm die Zeit. Der Mann gehörte
      nun mal nicht zu den Spontanen und brauchte für seine Schritte einen
      Plan. Sollte er doch, so lange der junge Verhörspezialist zu einem
      Ergebnis kam, das ihre Ermittlungen voran brachte.

      „Was
      wollen Sie wissen,“ kam es dann und der NCIS-Mann setzte sich
      wieder richtig hin.

      In
      der nächsten halben Stunde erfuhr er sehr viele nützliche Dinge.
      Einen Deal mit Brouwder würde es nicht mehr geben.

      Als
      Gibbs um 15:30 Uhr mit Dorneget im Schlepp ins Büro kam, gab es
      einige neue Informationen.

      „Was
      hast Du?“

      Schnell
      stand sein SFA auf und stellte sich mit der Fernbedienung in der Hand
      vor den Bildschirm. „Brouwder und Barakkus saßen in dem SUV, der
      vor der Gasse hielt. Im Moment beschuldigen sich Beide gegenseitig,
      PO Harway getötet zu haben. Ihre Aussagen dazu sind nahezu
      identisch, nur die Personen sind getauscht. Die Mordwaffe wurde in
      einem Gully drei Straßen weiter gefunden und von der Polizei
      hergebracht. Abby hat sie schon.“

      Der
      Chefermittler nickte und nippte an seinem Becher. Sein Schweigen
      zeigte an, das Tony fortfahren sollte.

      „Zu
      dem Waffenschmuggel. Dazu hatten sie mit einem Mann namens Cloud
      Kontakt. Nachname unbekannt...“

      „Santino,“
      war der Kommentar des Silberhaarigen. „McGee hat eine Fahndung
      laufen.“

      Dieser
      Hinweis veranlasste Dorneget sich an McGees Rechner zu setzen und die
      Fahndung zu überprüfen. Dabei stieß er auch auf Informationen zum
      Gesuchten. „Cloud Santino ist der Polizei reichlich bekannt.
      Jugendstrafen wegen Schlägereien, Alkoholmissbrauch im
      Straßenverkehr, illegale Rennen und so weiter. Er gehört oder
      gehörte zu der Jugendgang Panthers. Jetzt ist er 22 Jahre alt und
      seit zwei Jahren gibt es nur Strafzettel wegen zu schnellem Fahrens.
      Er liebt wohl teure und schnelle Autos. Seine Mutter lebt in LA und
      ein Vater ist unbekannt. Keine Geschwister. Die Fahndung war noch
      nicht erfolgreich.“

      Interessiert
      hatte DiNozzo zugehört und gab nun seinen Senf dazu. „Alle drei
      Soldaten sagen aus, das sie immer nur mit ihm zu tun hatten. Er hat
      die Übergabe arrangiert. Das heißt, ein Fahrer holte die Ware ab.
      War der Deal gelaufen, was meistens nur ein paar Stunden in Anspruch
      nahm, dann trafen sie sich im Tropicana und sie erhielten ihr Geld.
      Zu dem Hintermann konnten sie nur sagen, das der Sir Everett genannt
      wurde. Der Name fiel bei Telefonaten von Cloud. Gesehen haben sie ihn
      nie. Alle sind inzwischen bereit, gegen Cloud auszusagen. Sie hoffen
      auf Strafmilderung.“

      „Tomas
      Fox hat ebenfalls diesen Cloud belastet,“ brachte Dorneget den SFA
      auf den neuen Stand. „Sir Everett ist er im Hinterzimmer des
      Tropicana begegnet. Dort hat man ihm gedankt, das er auf die
      Schnüffelei des PO aufmerksam gemacht hat. Zugleich gab man ihm
      deutlich zu verstehen, welches Schicksal ihn erwartet, wenn er gegen
      sie arbeitet und plaudert. Wir haben ihm einen Deal angeboten und er
      wird aussagen, wenn wir seine Familie beschützen.“

      „Weis
      er etwas von derzeitigen Lieferungen?“, fragte Tony nach. „Barakkus
      hat gestern Abend noch einige Kisten mit Waffen ausgegeben.“

      „Ja,“
      nickte der Neuling im Team während seine Finger über die Tasten
      flogen. „Er sagte, das die 31. Street am Washington Habor, die
      alten Docks, das bevorzugte Gebiet für die Übergabe wäre. Er
      selbst war schon drei Mal in einer Lagerhalle, an der Wellington
      Sportware steht. Ich bin gerade...oh. Da ist was passiert.“

      Gespannt
      schauen die älteren Agents zum Schreibtisch. Als der junge Agent
      aber nur den Bildschirm anstarrt und keine Infos mehr gibt, schmeiß
      Gibbs den leeren Becher in den Abfallbehälter. Der Krach lässt den
      Jüngeren aufblicken und den Grauhaarige macht eine Kopfbewegung zum
      Schirm.

      Natürlich
      versteht Dorni die stumme Aufforderung. „Äh, nun.. es ist hier
      eine Meldung reingekommen, das eine DEA Agenten in einer Lagerhalle
      der Wellington Sportware Company schwer verletzt aufgefunden wurde.
      Ich versuche gerade an weitere Informationen zu kommen.“

      „Bei
      den alten Docks gibt es keine Kameras,“ überlegte der erfahrene
      SFA laut. „Aber es gibt an der Kreuzung zur Canal Street
      Verkehrskameras.“

      „Die
      Polizei hat hierzu eine Fahndung nach einem gestohlenen Lieferwagen
      mit Nummer South Caroline NB558 rausgegeben,“ mischte Dorneget
      wieder mit. „Bisher ohne Erfolg.“

      „Und
      was ist mit Lastwagen?“, fragte DiNozzo weiter. „Schließlich
      müssen sie die Waffen wegschaffen, wenn, und danach sieht es ja aus,
      die DEA Agentin sie entdeckt hat.“

      Schnell
      hatte der junge Mann die Videos von den vier Kameras zu dem
      entsprechenden Zeitpunkt auf dem Schirm gebracht.

      „Schneller,“
      verlangte der Teamchef.

      Schon
      nach kurzer Zeit meinte Dorni. „Es kommen ständig LKWs aus der
      31th Street. Da den richtigen zu finden...“

      „Halt,“
      ging Tony konzentriert schauend dazwischen.
      „Zurück...weiter....weiter...Stop und langsam laufen lassen.“

      Verständnislos
      sah Dorneget den verschiedenen Wagen zu, wie sie die Kreuzung in alle
      Richtungen befuhren.

      Tony
      aber schaute seinen Boß an und fragte fröhlich grinsend: „Siehst
      Du auch, was ich sehe?“

      Der
      lächelte ebenfalls. Er war sehr zufrieden mit der Arbeit seiner
      Leute. Jetzt würden sie auch noch diesen Cloud bekommen. Sir
      Everett wurde bereits von der Polizei gesucht. Aber war das wirklich
      der Fädenzieher?


      Kapitel 55

      Der Stahlträger
      ist weg

      09:31
      Stunden nach Stunde 0, Freitag 12:43 Uhr

      Der Stahlträger
      war durchgeschnitten und tatsächlich bewegte sich nichts. Es war
      genau so gekommen wie berechnet.

      Vorsichtig hoben
      zwei Marines aus der Spezialeinheit den kleinen Teil des Balkens mit
      einer Flaschenzugkonstruktion an. Sand und Erde rieselten nach. Ab
      und zu auch ein kleiner Stein. Aber die größeren Teile blieben
      stabil an ihrem Platz.

      So legten sie
      Zentimeter für Zentimeter die Beine von DiNozzo frei. Tony selbst
      stöhnte vor Qual. Vorher hatte der Stahl die Wade so eingedrückt,
      das nur wenige Schmerzen zum Gehirn gelangt waren. Nun änderte sich
      dies und trotz der Medikamente taten seine Beine fürchterlich weh.
      So als ob sie die letzten Stunden aufholen müssten.

      Beruhigend auf
      seinen Agent einredend beobachtete Gibbs jede Regung und hielt fest
      die Hand des Jungen.

      Wenn sein SFA zur
      genüge freigelegt war, sollte er ihn unter dem Träger wegziehen. So
      wurde ein Rückschlag durch herabstürzendes Material minimiert. Der
      Silberhaarige sah das mit gemischten Gefühlen. Er würde seinem
      Agent weitere Pein zufügen müssen. Das ließ sich gar nicht
      vermeiden.

      Die Schmerzen
      konnten zu einem weiteren Herzstillstand führen hatte Dr. Bakulas
      erklärt.

      Vor ca. 15
      Minuten war DiNozzo schon einmal weg gesackt, hatte sich aber erholt.
      Dabei hatte er nach Tim gerufen, fast so, als sähe er ihn vor sich.

      Unheimlich.

      „Gleich ist es
      soweit,“ sprach ihn Captain Steils an.

      Der Arzt stellte
      nach einer kurzen Inspektion der Beine fest: „Sie sind stark
      gequetscht. Aber es scheint nichts gebrochen zu sein. Ein Wunder. Die
      Schmerzen entstehen dadurch, das der Blutfluss wieder voll einsetzt
      und auch die Nerven wieder Informationen weiter geben. Da werden die
      nächste halbe Stunde auch Schmerzmittel nicht helfen. Er wird
      schreien.“

      Kurz brummte
      Gibbs. Er hatte verstanden und bereitete sich innerlich vor.

      „Ein Ruck und
      raus mit ihm,“ gab der Marine die Anweisung. „Auf Drei.
      Eins....Zwei....Drei.“ Und der Chefermittler zog Tony unter dem
      Träger weg. Die Ärzte packten die Beine und sie schafften den
      Verunfallten auf eine Trage, die neben ihnen bereit lag.

      Wie schon
      gedacht, schrie der Patient vor Qual auf und in einer Lautstärke,
      das sogar die kleine Gruppe draußen ihn hören konnte.

      Aber dann lag er
      auf der Trage. Dem jungen Mann liefen die Tränen vor Pein übers
      Gesicht. Er klammerte sich förmlich an seinen Vorgesetzten und
      starrte ihn aus großen Augen verzweifelt an.

      „Atme, Tony. Du
      musst Atmen,“ befahl Gibbs, da er sah, das sich die Brust nicht
      bewegte. Aber der barsche Ton half und gierig saugte der Kranke den
      Sauerstoff ein, den er immer noch über die Maske bekam. Einige
      Minuten später, war seine Atmung wieder normal und die Schmerzen
      schienen auch weniger geworden zu sein.

      Dr. Quincy hatte,
      unterstützt durch seinen Kollegen, die Beine und auch den Oberkörper
      von des Verletzten untersucht. Froh darüber, keine weiteren offenen
      Wunden gefunden zu haben, verkündete er das Ergebnis. „Wir haben
      eine neue Infusionsflasche angeschlossen. Auch noch zwei weitere
      Blutkonserven. Die Naht scheint zu halten. Zumindest gibt es kein
      Blut an dem Verband. Die Beine sehen bis auf die Quetschungen gut
      aus. Sie sind nicht völlig abgestorben. Die Haut bekommt schon
      wieder die richtige Farbe. Der Kreislauf hat sich soweit
      stabilisiert, das wir Sie jetzt raus bringen können. Aber denken Sie
      daran, jetzt nicht schlapp zu machen. Und wenn etwas ist, sofort
      Bescheid geben. Alles klar, Tony?“

      „Ja,“
      flüsterte der Agent kaum verständlich. Auch wenn er ab und zu
      wegdämmerte oder etwas nicht ganz wahrnahm, so hatte er lichte
      Momente. Die Pein hatte ihn im Augenblick genug Klarheit verschafft,
      das er die Worte des Arztes Verstand.

      „Ich passe mit
      auf,“ brummte der Silberfuchs und hielt immer noch die Hand seines
      Freundes fest.

      40 Minuten nach
      dem Stahlschnitt

      Endlich war Tony
      im Krankenwagen und der fuhr auch sofort mit Blaulicht los.

      Es war noch eine
      gutes Stück Arbeit gewesen, den Verunfallten aus der Mechanikergrube
      herauszubringen. Alle hatten mit geholfen auf die eine oder andere
      Weise. Nun standen sie immer noch im Halbkreis um die Stelle, wo kurz
      zuvor der Krankenwagen gestanden hatte.

      Gibbs reichte dem
      Chief seine Hand und nickte ihm zu. Kein Wort, aber der Launtrie
      wusste, das für diesen Mann der Händedruck die Vergabe des größten
      Lobes war. So nickte auch er nur und wandte sich an die Helfer.
      „Jungs und Mädels, vielen Dank für euren großartigen Einsatz.
      Hier ist ein kleines Wunder geschehen und wir durften dabei sein.
      Beten wir, das der junge Agent auch den Rest schafft. Es bleiben nur
      die Feuerwehrleute hier. Die Anderen gehen bitte nach Hause. Schlaft
      euch aus. Die nächsten Tage werden noch anstrengend werden. Danke!“

      Es gab kurz
      Applaus und dann verflüchtigten sich die Gruppen recht schnell. Alle
      waren Müde und geschafft, aber auch glücklich.

      Der Fire-Chief
      stellte eine Wache auf und klärte das weitere Vorgehen mit seinen
      Leuten ab.

      Ducky, Palmer und
      Briana begaben sich schon in Richtung der Autos, als sie dann doch
      stehen blieben und zurück sahen.

      Da stand der
      Silberfuchs neben DiNozzo Senior, der etwas verloren aussah. Immer
      noch schien er dem Krankenwagen nachzuschauen.

      „Alles in
      Ordnung, Mr. DiNozzo?“, fragte Gibbs leise. Er wollte schließlich
      den alten Mann nicht erschrecken.

      Der schien nun
      seine Umgebung wieder wahr zu nehmen und schaute den Ermittler wieder
      bewusst an. „Wird er durchkommen?“

      „Wenn nicht,
      kriegt er es mit mir zu tun,“ erwiderte der Chefermittler mit
      ernstem Gesicht. „Das wird er nicht riskieren.“

      Leicht
      schmunzelnd senkte der Ältere den Kopf um kurz darauf von unten her
      zum Anderen aufzusehen. Eine Geste, die dem Agent nur zu vertraut
      war. „Ich sollte dann wohl gehen.“

      „Oh nein!“
      Fest ergriff L.J. den Oberarm von Mr. D.. „So leicht kommen Sie
      nicht davon.“

      Erstaunt ließ
      sich Senior mitziehen zu den wartenden Teammitgliedern. „Was soll
      das?“

      „Wir Beide
      fahren jetzt ins Krankenhaus,“ bestimmte der Teamleiter einfach.

      Aber jetzt wehrte
      sich DiNozzo sen. und riss sich los. „Wieso? Er wird Sie sehen
      wollen!“

      Kurz sah Gibbs
      seinen Freund Ducky an. Der rollte mit den Augen und man musste kein
      Profiler sein, um zu wissen, was er dachte.

      „Sie sind Ihrem
      Sohn sehr ähnlich,“ brummte der Silberhaarige und fügte hinzu,
      als Senior fragend eine Augenbraue hochzog. „Genauso stur und
      manchmal begriffsstutzig.“

      Diese Aussage
      half dem Älteren leider nicht zur Erleuchtung.

      Jetzt war es aber
      Dr. Mallard, der diesem Sturkopf was erzählte. „Wissen Sie
      eigentlich, was die Liebe eines Sohnes bedeutet? Nein? Erstaunlich.
      Waren Sie doch auch einmal ein Kind. Also, ein Kind liebt seine
      Eltern ohne wenn und aber. Diese Liebe ist fast unzerstörbar.
      Anthony und Sie kommen offensichtlich nicht gut miteinander aus. Aber
      das bedeutet nicht, das er sie nicht liebt und in solch einer
      Situation braucht. Sie sollten also nicht wegrennen, sondern Ihren
      Sohn unterstützen. Denn über den Berg ist er noch lange nicht. Er
      kann immer noch auf einen meiner Tische zu liegen kommen. Gott
      bewahre uns da vor.““

      „Sie meinen, er
      könnte doch noch...?“, fast schon verängstigt guckte der alte
      Herr. Er fing sich zwar schnell wieder, aber sie hatten einen
      überdeutlichen Blick hinter die Fassade machen können. Es sagte
      mehr als tausend Worte.

      Gibbs sah es auch
      und konnte den Mann nicht mehr böse sein. Allerdings sollte er
      endlich aus seinen Fehlern lernen, fand er.

      „Durchaus,“
      beantwortete der Gerichtsmediziner ernst und ehrlich die Frage. „Ich
      bin sicher, man wird ihn noch heute operieren wollen. Da benötigt
      man die ein oder andere Unterschrift. Machen Sie es also nicht
      unnötig kompliziert.“

      Erschrocken ob
      dieser Möglichkeit nickte DiNozzo sen. und ging mit diesen Menschen,
      Tonys Freunden, mit zu den Parkplätzen. Dort nahm Ducky, Palmer und
      Briana mit. Nicht ohne Jethro zu raten, sich ein paar Stunden aufs
      Ohr zu hauen.

      Senior brachte
      Gibbs zu seinem Mercedes und überließ dem Agent auch Wortlos die
      Schlüssel. Dieser Tag hatte gewaltig an ihm gezerrt. Er fühlte sich
      furchtbar alt.

      „Sie haben Ihre
      Tochter verloren,“ fing DiNozzo an, ein Gespräch aufzubauen und
      auch seine Neugierde zu befriedigen. „Wie haben Sie es geschafft,
      weiter zu leben?“

      Es blieb eine
      Weile still, in der der Witwer den Wagen verkehrsgerecht durch die
      Straßen lenkte. „Es war und ist schwer.“

      Pause.

      „Sehr schwer.“

      „Das ich meinen
      Zenit überschritten habe, konnte ich inzwischen akzeptieren. Im
      letzten halben Jahr war ich schon drei Mal bei meiner Frau auf dem
      Friedhof. So oft habe ich es in den letzten 10 Jahren nicht
      geschafft. Die Vorstellung, das nicht ich zuerst bei ihr zu liegen
      komme...“ Zusammen gesunken saß der Senior auf dem Beifahrersitz
      und sprach den Gedanken nicht zu Ende.

      Der Chefermittler
      konnte den Mann gut verstehen. Sein eigenes Kind zu verlieren war
      schlimmer als selbst zu sterben. Wie oft hatte er sich nach Shannons
      und Kellys Tod selber zu sterben gewünscht. War Risiken eingegangen.
      Aber Satan wollte ihn noch nicht haben. „Machen Sie das Beste aus
      dieser Erkenntnis,“ war daher Gibbs ruhige Antwort. „Ihr Sohn
      wird seinen Beruf sicher nicht aufgeben. Also genießen Sie die Zeit
      mit ihm.“

      Längere Pause.
      Beide denken nach, erinnern sich an Begebenheiten mit dem Mann, der
      wohl jetzt in der Notaufnahme ankam.

      „Er würde sich
      sicher freuen, endlich einen Vater zu haben.“

      Kapitel 56

      Weiße
      Kittelträger

      10:31
      Stunden nach Stunde 0, Freitag 13:43 Uhr

      Vorhin war doch noch Gibbs bei mir.

      Jetzt sehe ich durch dicken Nebel
      hindurch weiß gekleidete Wesen.

      Dazu gedämpfte Stimmen.

      Bin ich von Aliens entführt worden?

      Gab es das überhaupt?

      Naja, Filme gab es genug darüber. Zum
      Beispiel Unheimliche Begegnung der dritten Art von Steven Spielberg
      aus 1977. Oder Cowboys & Aliens von 2011. Da spielten Harrison
      Ford und Daniel Craig mit.

      Andererseits kann der Tod sich so
      anfühlen?

      Oh nein. Ich bin doch nicht in der
      Autopsie gelandet und darf jetzt als Studierstück für
      Medizingremlins dienen?

      Bin ich Scheintod wie etwa in dem
      gleichnamigen Film von Alfred Hitchcock?

      Das will ich nicht.

      Ducky weiß das doch.

      Tu was.

      Hilft mir denn niemand?

      He, dazu habe ich nicht mein
      Einverständnis gegeben.

      Ich verklage Euch, wenn ihr an mir
      herum schneidet.

      Hört Ihr mich?

      Ich hätte doch eine Patientenverfügung
      machen sollen. McGee hatte schon recht, das es dafür nie zu früh
      war.

      Aber... wenn man Tod ist, wo mußte man
      dann so eine Anzeige machen?

      Gab es im Himmel Polizisten?

      Einwanderungsamt?

      Amt für außerhimmlische
      Angelegenheiten?

      Oder komm ich in die Hölle?

      Was sprach dafür, was dagegen?

      Seltsame Gedanken.

      Was war hier bloß los?

      Gibbs!

      Verdammt.

      Wo bist Du, wenn ich Dich brauche?

      Mmmh.

      Ungerecht von mir.

      Er war schließlich da, als McGee weg
      war.

      Wo ist McGee bloß hin verschwunden?

      Lässt mich allein.

      Ich bin ja auch nicht sein Freund.

      Schnieff.

      Ob sein Dad sich Sorgen macht?

      Ob mein Dad sich Sorgen macht?

      Weiß er überhaupt, was passiert ist?

      Er hat bestimmt eine Ausrede gefunden.

      Mußte ein dringendes Geschäft
      abschließen.

      Wieder einmal.

      Als ich die Lungenpest hatte, war er ja
      auch nicht aufgetaucht.

      Warum also jetzt?

      Oder war er doch da? Hatte ich nicht
      mit ihm telefoniert?

      Bestimmt nur ein Traum.

      Ich bin allein.

      Allein mit Weißkleidermonster.

      Die weißen Typen kommen näher und
      haben irgendwas in den Händen.

      Zumindest zwei von ihnen.

      Licht.

      Zu grell.

      Blöde Typen.

      Ärzte?

      Oh ja. So doof können doch nur Ärtze
      sein.

      Also bin ich nicht Tod.

      Schlimmer!

      Ich bin im Krankenhaus.

      Das heißt, Gibbs hat mich Ärzten
      überlassen.

      Was hab ich falsch gemacht, das mein
      heiliger Boß mich mit so bösen Wesen alleine läßt?

      Bin ich krank?

      Lungenpest?

      Nein.

      Mmmh.

      Feuer! Explosion!

      Ich bin verletzt.

      Schwer verletzt.

      Deshalb Krankenhaus.

      Wieder ein großes Rätsel der
      Menschheit enträtselt.

      Von mir!

      Ich bin gut. Soo gut!

      Der beste Ermittler in den USA.

      Nein, der Welt.

      Ja, das gefällt mir.

      Ich bin ein Superheld.

      Und Superheros kriegt man nicht tod.

      Ich ruhe mich nur etwas aus und dann
      geht es zur nächsten Superheldentat.

      Bin ich müde.

      Soo müde!

      Kapitel 57

      Operation DiNozzo

      10:31 Stunden nach Stunde 0, Freitag 13:43 Uhr

      „Wir haben ihn wieder stabilisiert.“
      Der Arzt wischte mit dem Handrücken über seine Stirn. „Ich frage
      mich nur, wie oft wir das noch schaffen.“

      „Er war kurz wach. Jetzt schläft er
      wieder,“ meinte die Narkoseärztin und überprüfte die Anzeigen
      der Geräte. „Herzschläge und Atmung sind nun viel ruhiger und
      auch kräftiger.“

      Drei Schwestern standen den Doktoren
      zur Seite.

      „Dann sollten wir die Zeit nutzen!“
      Ein älterer Arzt hielt mit einer Klemme einen Bauchschnitt offen,
      während er jetzt mit einer Zange wieder in der Wunde verschwand.
      „Tupfer... Saugen.... gleich habe ich dich... Tupfer, los...“

      Wieder hatte Timothy nach seinem Freund
      gerufen. Unruhig bewegte er sich im Bett. Stöhnte und wimmerte.

      Der Admiral hatte das schon ein paar
      Mal erlebt. Aber seine Frau und Sarah nicht.

      „Was ist denn los mit ihm? Sollen wir
      einen Arzt rufen?“ Ängstlich beobachtete sie ihren Bruder.

      „Irgendwie hat er eine Verbindung mit
      seinem Kameraden,“ versuchte McGee Senior sich an einer Erklärung.
      „Der ist dem Tode näher als dem Leben. Tim spürt das.“

      Seine Frau schaute ihn zweifelnd an.
      „Glaubst Du wirklich daran?“

      Schief lächelnd beantwortete er die
      Frage, während er einen Arm um die Schultern seiner Tochter legte.
      „Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde als wir sehen oder
      wissenschaftlich erklären können. Diese beiden Männer sind da
      unten durch die Hölle gegangen. Sie haben sich gegenseitig geholfen.
      Trost gespendet. Kraft gegeben. Glaub mir, das lässt ein Band
      wachsen, das weit über das Natürliche hinausreicht. Und vielleicht
      ist es dieses Band, mit dem unser Junge seinen Freund hier im Jetzt
      festhalten kann. Deshalb tun wir gar nichts. Erst recht nicht einen
      Arzt rufen, der ihm ein Sedativum geben würde.“

      Erstaunt überlegten die beiden Frauen,
      was zu tun sei. Aber nach kurzer Zeit entschieden sie sich, ihrem
      Mann und Vater zu vertrauen. Er war im Krieg gewesen und hatte sicher
      solche Situationen schon öfter erlebt als sie.

      Da Tim auch wieder ruhig im Bett lag,
      setzten Sie sich und warteten.

      13:00
      Stunden nach Stunde 0, Freitag 16:12 Uhr

      „Hier, Gibbs,“ sagte Abby
      erstaunlich ruhig. „Ich habe Dir Kaffee aus der Cafeteria
      mitgebracht.“

      Stumm nahm der Grauhaarige das Getränk
      entgegen. Er saß nun schon seit ein paar Stunden hier im
      Wartebereich vor den OP Räumen. Rein durfte er ja nicht.

      DiNozzo Sen. stand 10 Meter weiter und
      schaute schon seit ewigen Zeiten aus einem Fenster.

      Nach dem zweiten Schluck fragte der
      Chefermittler besorgt. „Alles in Ordnung?“

      Das seine Ziehtochter so still war,
      beunruhigte ihn doch sehr.

      „In Ordnung ist im Moment wohl
      nichts,“ antwortete sie abgeklärt und sah ihren Silberfuchs
      traurig an. Dunkle Ringe hatten sich um ihre Augen gebildet. Sie war
      Müde, aber gehen würde sie erst, wenn sie wusste, wie es ihrem
      Tiger ging.

      „Mit McGee?“, fragte Gibbs weiter
      mit besorgtem Unterton in der Stimme.

      „Er schläft. Inzwischen wieder
      ruhiger,“ antwortete die Forensikerin mit einem Seufzer. „Der
      Admiral ist bei ihm. Ich glaube, er macht sich echte Sorgen. Sarah
      und ihre Mutter sind vor einer Stunde nach Hause gefahren.“

      Der Senior Agent nickte. „Ducky,
      Jimmy und Briana werden sicher in der Früh wieder vorbeikommen.“

      „Was ist mit Mr. D.?“, fragte die
      Goth und schaute zu dem älteren Mann am Fenster rüber.

      Einen kurzen Blick warf der Ältere
      schon bevor er antwortete. „Er hat wohl begriffen, das er seinen
      Sohn beinahe verloren hätte. Endlich einmal.“

      „Ich fürchte, Tony bekommt er nicht
      zurück,“ seufzte die junge Frau.

      „Wieso?“ Irritiert schaute der
      Teamleiter zu seiner Laborantin, die Senior gedankenverloren
      betrachtete.

      „Nun, weil Tony mir erzählt hat, was
      er sich im letzten Jahr geleistet hat.“ Als Abby nun ihren Boß
      ansah, erkannte sie sofort die Frage in dessen Augen, was da passiert
      war. Aber sie hatte ihrem Tiger versprochen zu schweigen. „Da musst
      Du schon Tony selber fragen. Jedenfalls hat mein Tiger klipp und klar
      gesagt, das, obwohl er seltsamerweise seinen Vater liebt, er nie
      wieder zulassen will, das Senior ihn benutzt. Entweder er akzeptiert
      seinen Sohn so wie er ist, oder er sucht sich einen Anderen.“

      Bei Gibbs erstaunten Blick, hob die
      Forensikerin in einer unschuldigen Geste die Hände und meinte:
      „O-Ton Tony. Nicht von mir. Denn ich mag Mr. D., obwohl es mir auch
      nicht gefällt, wie er meinen armen Tiger behandelt. Aber das werde
      ich ihm auch noch sagen. Das kannst Du mir glauben.“

      Nun musste der Silberhaarige doch
      lächeln, verstand er doch, wie seine Ziehtochter es meinte.und er
      wusste auch, das DiNozzo Senior sich warm anziehen musste. Ein Blick
      zur OP Tür und er murrte leise: „Wann sind die endlich fertig?“

      16:19
      Stunden nach Stunde 0, Freitag 19:31 Uhr

      Einige Stunden später tauchte Dr.
      Mallard mit Palmer auf. Sie hatten eine Ladung Kaffee und Muffins
      dabei.

      Da sein Magen knurrte, ließ sich Gibbs
      dazu überreden, eins von den Dingern aufzuessen.

      Abby versuchte widerspruchslos
      ebenfalls ein wenig zu essen. Ihr war bewusst, das sie etwas zu sich
      nehmen musste, sonst landete sie auch hier in einem Bett. Obwohl so
      schlecht war das nicht. Sie konnte sich ja zu Tim reinlegen lassen.

      McGee.

      Schon meldete sich wieder ihr
      schlechtes Gewissen. Schließlich saß sie hier und wartete auf
      Nachrichten von ihrem Tiger, aber dachte nur an ihren Nerd.

      „Wie geht es Tony?“, fragte Jimmy
      vorsichtig.

      Ein kurzer Blick vom Chefermittler ließ
      ihn vermuten, das er keine Antwort bekommen würde. Aber heute
      täuschte er sich.

      „Er wird noch operiert. Sie haben
      Schwierigkeiten alle Verletzungen zu finden und zu stopfen. Er ist
      ihnen schon ein paar Mal weg gesackt.“

      „Das ist nicht gut,“ kommentierte
      Ducky diese Aussage. Als Mediziner wusste er eins und eins
      zusammenzuzählen. Eine so lange Operation, das bedeutete jede Menge
      Blutverlust. Das der Kreislauf da versagte, war normal. Aber je öfter
      es passierte, je kritischer war die Situation. Hoffentlich schaffte
      es der Junge.

      Weitere Minuten vergingen. Reiten sich
      aneinander und schienen zur Unendlichkeit zu wachsen.

      Als die Doppeltüren zum OP plötzlich
      aufgestoßen wurde, zuckten alle unwillkürlich zusammen.

      Ein Bett wurde herausgeschoben.
      Apparate und Infusionen waren an dem Bett befestigt. Trotz der
      Sauerstoffmaske erkannten sie ihren Kameraden. Er wurde
      herausgebracht und er lebte.

      „Platz bitte! Wir müssen da durch.
      Danke!“, rief der Pfleger und schon wurde der Patient durch eine
      andere Doppeltür geschoben.

      Ein Arzt trat ihnen in den Weg, als sie
      allesamt Anstalten machten, dem Bett zu folgen.

      „Sie gehören zu Mister DiNozzo?
      Verwandte?“, fragte er in die Runde.

      „Ich bin sein Vater,“ meldete sich
      DiNozzo Senior zu Wort. Mit einem kurzen Blick auf die Anderen fügte
      er hinzu. „Und das sind seine Freunde. Sie können offen sprechen,
      Doktor....“

      „Cunning.“ Kurz betrachtete der
      Arzt den bunte Haufen. Dann nickte er DiNozzo zu und wandte sich mit
      seinem Bericht auch direkt an ihn. „Wir konnten die Blutungen
      stillen und alle inneren Verletzungen zunähen. Einige Splitter haben
      wir auch entfernt. Der rechte Lungenflügel ist kollabiert. Aber das
      kriegen wir in den Griff. Es wird noch ein CT vom Kopf gemacht, da er
      da eine heftige Beule hat und wir auch ein wenig den Druck ablassen
      mussten. Um seinen Körper die nötige Ruhe zu gönnen, werden wir
      ihn in ein künstliches Koma legen. 72 Stunden sollte das anhalten,
      dann holen wir ihn zurück. Erst nach weiteren Untersuchungen kann
      ich Ihnen dann sagen, ob er was zurückbehält oder nicht. Bitte
      haben Sie Verständnis dafür. Nun rate ich Ihnen, nach Hause zu
      gehen. Besuchen können Sie ihn erst in 24 Stunden. Einzeln.“

      „Er wird überleben?“, fragte der
      Vater hoffnungsvoll.

      Kurz schürzte Dr. Cunning die Lippen.
      „Der Zustand ist kritisch. Er hat viel Blut verloren. Die lange
      Zeit in den Trümmern hat zu einigen gefährlichen Syndromen geführt.
      Daher hat der Patient einiges an Medikamente bekommen, die auch ihre
      Nebenwirkungen haben. Es ist ein Tanz auf einen verdammt schmalem
      Seil. Ich kann Ihnen daher keine Prognose geben.“

      Ducky mischte sich nun ein. „Ich bin
      Dr. Mallard med.. Kann ich mir die Patientenakte ansehen?“

      „Wenn Mister DiNozzo einverstanden
      ist?“

      Mr. D. nickte nur. Zum Sprechen war der
      Kloß in seinem Hals, die die Angst um seinen einzigen Sohn erzeugte,
      zu groß.

      „Gut. Dann folgen Sie mir bitte,
      Doktor,“ sprach der Arzt und mit einem Nicken verabschiedeten er
      sich. An der Tür drehte er sich noch einmal zögerlich um. „Es ist
      bemerkenswert, das er bis jetzt überlebt hat. Es scheint so, als
      würde etwas ihn hier festhalten und zwar mit einer Kraft, das der
      Sensenmann nicht dagegen ankommt. Hoffen wir, das es so bleibt.“

      Und damit verschwand der Mann mit Ducky
      im Schlepp durch die Tür.

      Es war nicht die Antwort, die sich alle
      hier erhofft hatten. Ihr Familienmitglied lebte. Aber die Zitterparty
      war immer noch nicht vorbei. Alle waren emotional müde. So gab es
      kaum Gegenwehr, als Gibbs alle raus aus dem Krankenhaus schickte.
      Schließlich konnte niemand jetzt etwas für Tony tun. Außer beten!

      „Ich werde noch kurz bei Timmy vorbei
      sehen,“ meinte Abby und machte sich nach einer Umarmung des
      Chefermittlers langsam und hängendem Kopf auf den Weg.

      „Palmer. Können Sie Mr. DiNozzo zu
      mir nach Hause bringen?“, fragte der Agent kurz und Jimmy meinte
      nur leise. „Natürlich. Kommen Sie, Mister DiNozzo.“

      „Was werden Sie tun, Agent Gibbs?“,
      fragte der aber erst nach, bevor er sich wegziehen ließ.

      „Ich habe noch ein paar Dinge zu
      erledigen.“


      Kapitel
      58

      Die
      Bank

      31:37
      Stunden vor Stunde 0, Mittwoch 19:35 Uhr


      Erschöpft lehnte sich Tony in seinem
      Stuhl zurück und rieb seine Augen. Es war 19:35 Uhr und er fühlte
      sich ausgepowert. Das lag bestimmt an den vielen CawPow!

      Ihm gegenüber saß Dorneget und tippte
      auf seinem Laptop herum. Genau wie McGee rechts von DiNozzo schien er
      nur Augen für den Bildschirm zu besitzen.

      Der Mord war aufgeklärt. Sie hatten
      bei der Durchsuchung der persönlichen Habe der Verdächtigen Spuren
      gefunden, mit deren Hilfe und Einbeziehung aller anderer
      Beweismittel, Abby ein Rekonstruktion der Tat machen konnte. Danach
      hatte Brouwder abgedrückt. Die Berichte dazu waren geschrieben und
      von Gibbs zu Vance gebracht. Jetzt holte sich der Chefermittler einen
      neuen Kaffee.

      Es würde wahrscheinlich eine lange
      Nacht werden. Der Waffenschmuggel war schließlich noch nicht
      aufgeklärt.

      „Habt Ihr Nerds irgendwas neues?“,
      fragte der Senior Agent brummelig in die Runde.

      Tim warf nur einen kurzen Blick zu
      seinem Kollegen. „Du klingst so frustriert. Etwa kein Glück
      gehabt?“

      „Ich brauche kein Glück,“ knurrte
      DiNozzo zurück.

      „Ach seit wann?“, fragte der MIT
      Absolvent und zog hämisch eine Augenbraue hoch. Er hörte dabei auf
      zu tippen und drehte seinen Stuhl leicht in Tonys Richtung eine
      überlegende Mine aufsetzend.

      „Du hast also was gefunden,
      Bambino?“, kam es vom SFA zurück, der sich ebenfalls lauernd
      seinem Kollegen zuwandte. „Was ist es? Los. Ich bin Dein
      Vorgesetzter. Sag schon.“

      „Verrate ich nicht,“ entgegnete der
      Jüngere entschieden. „Da Du nichts gefunden hast, wirst Du meine
      Ergebnisse als Deine ausgeben. Aber nicht mit mir.“

      Erstaunt wurden Tony´s Augen größer
      und seine Brauen wanderten nach oben. „Du willst mir, dem
      stellvertretenden Leiter dieses Teams, aus persönlichen Gründen
      Deine Ergebnisse, die relevant in unserem Fall, dem Fall des Teams,
      sein könnten, vorenthalten?“

      Nun wurde Tim doch unsicher. Aber nach
      kurzer Überlegung presste er die Lippen zusammen und nickte.

      DiNozzo musterte sein Gegenüber mit
      zusammengekniffenen Augen. „Ich hätte Dich für professioneller
      gehalten, McNeid. Nur weil ich nicht Dein Freund bin, übrigens Dein
      Wunsch, auch die berufliche Zusammenarbeit leiden zu lassen...
      vielleicht solltest Du überlegen, Dich versetzen zu lassen. Ich
      meine, wenn meine Anwesenheit Dich dazu bringt, Geheimnisse über den
      Fall vor Deinen Teamkollegen zu haben, schadet, das der Aufklärung
      gewaltig.“

      Nun nagte McGee nervös auf seiner
      Unterlippe. Klein bei geben wollte er aber auch nicht. Es erschreckte
      ihn zwar, das er unprofessionell war und das Team verlassen sollte,
      aber bei Tony konnte es auch ein geschickter Trick sein. „Ich bin
      nicht unprofessionell und das Team werde ich definitiv nicht
      verlassen. Leider kann man Dich dazu auch nicht bewegen.“

      Ohoh. Das saß. Die beiden
      Computerfreaks konnten es sehr deutlich merken. Ihr Kollege saß nun
      steif auf seinem Stuhl und sein Gesicht versteinerte geradezu. Einen
      langen Augenblick sah DiNozzo sein Gegenüber an. Dann stand er auf
      und ging zum Fahrstuhl. Kein Wort.

      Timothy verzog das Gesicht leicht. Das
      seine Worte Tony verletzt hatten, war nur zu offensichtlich.

      „Wenn Dir das nicht noch auf die Füße
      fällt, Tim,“ meinte Dorneget bedenklich den Kopf hin und her
      wiegend.

      „Bestimmt,“ brummte McGee
      unzufrieden. „Aber er hat schon öfter meine Ergebnisse für seine
      ausgegeben, weil er selbst nichts hatte. Das ist so unfair.“

      Neugierig war Dorni nun schon. „Was
      hast Du den Tolles rausgefunden?“

      Bereitwillig teilte der MIT Absolvent
      sein Wissen. „Wir wissen, das die Waffen Rückläufer aus
      Afghanistan sind. Sie werden nach Quantico gebracht, überprüft, in
      stand gesetzt und sollten dann wieder zur Verfügung gestellt
      werden.“

      „Ja,“ stimmte der Jüngere zu und
      kam zu seinem Freund herüber. „Aber statt das Zertifikat zu
      erhalten, das sie wieder verwendbar sind, werden sie zum Verschrotten
      freigegeben. Diese Dokumente waren an der Kiste befestigt, die wir
      untersucht haben.“

      „Weil Barrakkus als Lagermeister dies
      Problemlos machen konnte,“ nickte der Nerd. „Forman und Brouwder
      unterstützen dabei und schafften die Waren auch aus dem Stützpunkt
      heraus. Draußen wurden sie dann von Tomas Fox übernommen, der sie
      dort hin brachte, wohin Cloud Santino sie haben wollte.“

      „Zu den alten Docks,“ ergänzte der
      Probie. So weit war alles klar. „Die Übergabe an den Käufer wurde
      dann von Santino erledigt. Mit dem Geld ging er zum Tropicana, wo
      Edward Collins, das Geld verteilte. Santino übergab in der Bar den
      Soldaten ihren Anteil in bar. Beide wurden übrigens von der Polizei
      noch nicht gefunden.“

      „Richtig,“ sagte Tim zufrieden.
      „Aber weder Santino noch Collins sind die wahren Strippenzieher.
      Sie haben nicht das Format dazu. Außerdem wurde bei der Durchsuchung
      des Tropicanas nur ein Bruchteil des Geldes gefunden, das vorhanden
      sein müßte. In den Wohnungen der Beiden haben wir bei Santino
      hinter der Holzvertäfelung zwar einiges an Dollars gefunden, aber
      das dürfte die Bezahlung aus mehreren Geschäften sein. Jedenfalls
      nicht die Summe, die es sein sollte. Collins hatte kein Bargeld, aber
      ein Schließfachschlüssel.“

      „Hast Du rausgefunden, zu welcher
      Bank der gehört?“, fragte Dorneget neugierig erfreut zurück.

      Triumphierend grinste der Nerd. „Bank
      of America in der L Street 1801 K Street NW.“

      „Prima,“ grinste nun auch der junge
      Agent. „Und jetzt?“

      „Na wir brauchen einen
      Durchsuchungserlaubnis des Schliessfaches vom Richter,“ erwiderte
      McGee. „Ich hab ihn schon beantragt, aber vor Morgen um 9 werden
      wir wohl nicht da reinkommen.“

      „Sicher?“, fragte da Gibbs, der
      sich mit einem Kaffeebecher in der Hand angeschlichen hatte und nun
      vor dem Schreibtisch stand.


      Kapitel
      59

      Laborerkenntnisse

      31:11
      Stunden vor Stunde 0, Mittwoch 20:01 Uhr

      „He,“
      begrüßte Abby ihren Tiger fröhlich, als der ins Labor getrottet
      kam. „Du siehst aus als hättest Du Zitronen gegessen.“

      „Mmmh,“
      brummte DiNozzo missmutig zurück. McGee hatte ihm einen echten Hieb
      versetzt. Er sollte das Team verlassen? Hasste Tim ihn wegen der
      kleinen Streiche etwa so stark?

      Gestern
      noch ein Freund und heute der Feind.

      Vielleicht
      sollte er wirklich gehen. Ziva in Israel zurück zu lassen, hatte dem
      Team schon einen Knacks versetzt. Ihm fast das Herz gebrochen.

      Und
      nun das mit seinem Bambino. Das Team brach auseinander. Irgendwann
      kam immer der Zeitpunkt, wo es vorbei war.

      Die
      zwei Jahresfrist war schon sehr lange überschritten. Vielleicht
      sollte er wirklich weiter ziehen. Neues Ufer, neue Chancen. Gefallen
      tat es ihm trotzdem nicht.

      Zwei
      Hände legte sich auf seine Schultern und als er aufsah, konnte er
      direkt in besorgte Augen sehen. „Was ist los, Tiger?“

      Oh,
      wie würde er diese verrückte Laborfledermaus vermissen, wenn er
      ginge. „Nichts!“, quetschte Tony heraus. „Was hast Du für
      Erkenntnisse?“

      „Das
      Dich jemand sehr verletzt hat und Du Streicheleinheiten brauchst,“
      erwiderte die Goth ernst und umarmte erst einmal ihren Freund. Der
      schien es schließlich nötig zu haben.

      Der
      Mann erwiderte dies, tat es ihm doch seelisch gut. Wenigstens hatte
      er Abs noch als Familienmitglied.

      Aber
      nach zwei Atemzügen genießen gab er sich einen Ruck. „Danke.
      Meine Maus. Aber wir haben einen Fall zu klären.“

      Skeptisch
      betrachtete die Laborantin den Agent kurz. „Okay. Aber Du
      versprichst mir, heute nach der Arbeit zu mir zu kommen und wir
      trinken ein Glas Wein zusammen. Sonst ist mein Mund versiegelt und Du
      erfährst nichts.“

      Nun
      musste Tony doch lächeln und war seiner Freundin dankbar dafür.
      „Sicher. Versprochen.“

      „Super,“
      freute sich die junge Frau und hüpfte wieder fröhlich zu ihrem
      Bildschirm. „Du weißt ja, das ich dabei bin den Lieferwagen zu
      finden. Deshalb habe ich einen Algorithmus geschrieben, der jeden
      Lieferwagen nach bestimmten Kriterien überprüft. Dazu muss ich
      jedes Kennzeichen jedes LKWs eingeben und Du glaubst gar nicht, wie
      viele LKWs an diesem Circle umherfahren. Und ich hab mich dabei nur
      auf die beschränkt, die das Dockviertel verlassen. Wenn ich auch die
      Anderen alle eingeben würde, dann wü...“

      „Abby,“
      ging DiNozzo dazwischen und sah sie etwas belustigt an.

      Wie
      immer half diese kleine Unterbrechung und die Forensikerin
      konzentrierte sich wieder auf den Fall. „Tschuldige. Also mein Baby
      hier hat sechzehn Wagen gefunden, die weiter überprüft werden
      sollten.“

      „Zeig
      mir die Aufnahmen,“ meinte der erfahrene Senior Agent dazu und ging
      zum großen Schirm an der Wand.

      Überrascht
      hoben sich Abbys Augenbrauen. „Okay,“ meinte sie und fing mit Nr.
      1 an. Auf dem Schirm erschien der LKW, wie er an die Stoplinie heran
      fuhr, um dann abzubiegen.

      „Halt..
      und zurück,“ kommandierte Tony. „Nein. Der nächste bitte.“

      Die
      junge Frau tat wie geheißen und das bis Nr. 5.

      „Ha,
      da bist Du ja,“ grinste der SFA. „Der Wagen ist der richtige.“

      „Und
      woher weißt Du das?“, fragte die Labormaus neugierig.

      Mit
      einem siegessicheren Lächeln drehte sich der smarte Womanzier um.
      „Ich habe in den letzten Stunden versucht, herauszufinden, welche
      Wagen Cloud fährt. Auf ihn selbst ist ein Maserati zugelassen, den
      ich zur Fahndung ausgeschrieben habe. Allerdings glaube ich nicht,
      das dieser Bursche so dämlich ist und mit seinem eigenen Auto die
      Verbrechen begeht. Da er aber schnelle Autos liebt und sie ja auch
      vorteilhafter bei so etwas sind...“

      „...
      muss er teure, schnelle, maskuline Autos benutzen,“ ergänzt die
      Goth verstehend. „Und dort sehen wir einen Ferrari. Den überprüfe
      ich sofort.“

      „Du
      wirst herausfinden, das er einem Autohaus gehört und zu dem
      Zeitpunkt eine Probefahrt gemacht hat,“ prophezeite ihr der Agent.
      Auf ihren fragenden Blick, erklärte er weiter. „Cloud hat einige
      Strafzettel eingesackt wegen zu schnellen Fahrens. Dabei ist mir
      aufgefallen, das die Fahrzeughalter der Wagen immer ein Autohändler
      war. Die Polizisten haben ihn dann auch nur verwarnt mit geringem
      Bußgeld. Wer versteht denn nicht den Drang bei einer Probefahrt aufs
      Gas zu drücken. Schließlich möchte man ja wissen, was die Karre
      kann.“

      Enttäuscht
      schaute die Forensikerin zu ihrem Freund. „Eine Sackgasse.“

      „Mit
      nichten,“ grinste Tony triumphierend. „Drei der Autohändler
      haben Provisionsverträge mit Cloud. Der Kerl verkauft die Wagen,
      weshalb er problemlos Probefahrten machen kann. Ein Viertel dieser
      Ausflüge werden von einem Kaufvertrag gekrönt, für den er die
      Provision kassiert. So bald Cloud wieder eine Spritztour macht oder
      seine noch ausstehende Provision abholen will, bekomme ich Nachricht.
      In der Zwischenzeit haben mir die Händler die Navi-Daten der letzten
      zwei Monate geschickt, so wie eine Liste der Käufer.“

      „Nicht
      schlecht, DiNozzo,“ meldete sich nun Gibbs, der in der Tür zum
      Labor stand. Das ließ den Jüngeren geradezu in die Höhe wachsen.
      „Wenn das jetzt auch noch zu etwas Brauchbaren führt, streichle
      ich Dir Deinen Nacken, mein Bernhardiner.“


      Kapitel
      60

      Dorni
      bei der Arbeit

      29:24
      Stunden vor Stunde 0, Mittwoch 21:48 Uhr

      Während McGee versuchte, den
      Durchsuchungsbeschluss durchzuboxen und jemanden von der Bank zu
      bekommen, der das Schließfach öffnen konnte, machte Dorneget sich
      daran mehr über den zweiten Besitzer des Tropicanas heraus zu
      finden.

      Tony hatte zwar vermutet, das es sich
      um eine Scheinidentität handelte, konnte aber nichts weiter an
      Informationen bekommen. Auch der junge Agent scheiterte mit all
      seinen Anfragen.

      Aber durch McGee und die Bank war er
      auf eine Idee gekommen. Dieser stille Teilhaber musste schließlich
      Geld auf das Konto des Tropicanas gezahlt haben und seinen Anteil
      auch bekommen. Selbst wenn es in Bar geschehen war, musste es Belege
      geben oder Geldsummen, die sich nicht so einfach erklären ließen.

      Dermaßen in die Arbeit vertieft, bekam
      er nur am Rande mit, wie der Chefermittler seine Leute in den
      Feierabend entließ.

      Nach einigen Stunden, er war inzwischen
      alleine mit Gibbs im Büro, fand er die Ungereimtheit. „Heureka!“

      Der Ausruf brachte ihm die
      Aufmerksamkeit vom Senior Agent ein, der gerade beschlossen hatte,
      für heute Schluss zu machen. „Was haben Sie gefunden?“

      Kurz irritiert stotterte Dorni zu erst:
      „Oh...ah.. nun, wie soll...Also. Ich habe mir vorgenommen, Ronald
      Dover zu finden. Aber es gibt nichts über ihn. Keine Kreditkarten.
      Kein Führerschein. Kein Handyvertrag. Nichts außer der
      Geburtsurkunde und eine Sozialversicherungsnummer. Aber keine
      Finanzamtsbelege, Steuererklärung oder Kontodaten. Deshalb habe ich
      Sterbeurkunden durchgesehen und eine gefunden. Ein Ronald Dover,
      dessen Geburtsdaten mit der Geburtsurkunde übereinstimmt, ist sechs
      Tage nach der Geburt im Kindbett gestorben.“

      „Gut,“ meinte Gibbs mäßig
      überrascht. „Was bringt uns das?“

      „Äh,“ Need schluckte. Schließlich
      musste er diesem Mann erklären, das er nicht seine Zeit verschwendet
      hatte. „Nun...äh... auch wenn dieser Mann nur zum Schein
      existiert, so muss er für das Tropicana Geld zur Verfügung gestellt
      haben. Collins musste ja die Summe für den Kauf aufbringen und der
      Gewinn wird geteilt. So steht es im Vertrag. Also muss dieses Geld an
      Dover ausgehändigt worden sein. Wenn nicht elektronisch per
      Überweisung, dann in bar.“

      „Was sich nicht verfolgen ließe,“
      meinte Gibbs, immer noch auf den Punkt wartend.

      Der nervöse Agent für schnell fort.
      „Die Summen sind nicht unerheblich. Das Tropicana war beliebt, die
      Einnahmen hoch. Selbst bei Barauszahlung muss es Aufzeichnungen
      geben. Und ich habe sie gefunden.“

      Der triumphierende Blick des jungen
      Mannes wurde mit einem zunehmend bösen Blick aus blauen Augen
      beantwortet. Das vorübergehende Teammitglied verstand dann doch noch
      und beantwortete die stumme Frage schnell. „Es werden hier
      Spendengelder verzeichnet. Und
      zwar gehen die zwischen der Uni und dem Lokal hin und her.“

      „Welche Uni?“

      „George
      Washington Universität, Wirtschaftsbereich,“ grinste Dorneget
      begeistert. Schließlich war das ein Riesen Stück Arbeit gewesen und
      er hatte sich die selbst gestellte Frage beantwortet.

      Auch
      Chefermittler nickte nun anerkennend. „Wer hat die Überweisungen
      veranlasst?“

      Und schon
      verflog das Grinsen. „Keine Ahnung. Hier auf den Konten ist kein
      Name angegeben. Das kann nur von der Verwaltung der Uni beantwortet
      werden.“

      Gibbs schürzte
      die Lippen und überlegte kurz. „Beantragen Sie einen
      Durchsuchungsbefehl mit dem dringenden Tatverdacht der Geldwäsche.
      Dann gehen Sie nach Hause wie auch die Anderen und ruhen sich aus.
      Morgen um 7 Uhr werden wir zur Universität fahren. Gute Arbeit.“

      Erfreut über
      das Lob streckte Dorni den Rücken durch. Während Gibbs weiter zum
      Fahrstuhl ging, erledigte der junge Agent noch schnell die Aufgabe,
      bevor er ebenfalls das Büro verließ.


      Kapitel
      61

      In
      der GWU oder es wird heißer

      20:12
      Stunden vor Stunde 0, Donnerstag 7:00 Uhr

      Um 7 Uhr stand
      McGee vor der Bank.

      Eigentlich
      sollte DiNozzo auch herkommen, aber der hatte wohl wieder
      verschlafen. Natürlich ärgerte sich Tim darüber und beschloss, mit
      der Bankangestellten, die gerade auf ihn zu eilte, gleich rein
      zugehen.

      Nach dem die
      Formalitäten geklärt waren, erschien auch Tony.

      „Kein Wort,“
      meinte der Nerd böse. „Märchen von ´ich habe verschlafen,
      weil...´ kannst Du Gibbs erzählen. Ich will es nicht wissen.“

      Überrascht
      schaute der Senior Agent seinen Kollegen an und hielt den Mund.
      Anscheinend ging es wohl so weiter wie der gestrige Tag geendet
      hatte. Dabei hatte sich der SFA bei seinem Kollegen entschuldigen
      wollen.

      In der Nacht war
      er wie versprochen mit Abby gegangen und hatte ihr sein Herz
      ausgeschüttet. Die Goth hatte aber zu ihrem Timmy gehalten und ihrem
      Tiger ins Gewissen geredet. Zwar sah Tony immer noch nicht, das seine
      Streiche Mobbing waren, aber er hatte verstanden, wie sein Bambino
      sich fühlte und das er ihn auch mal loben musste. Das Gleichgewicht
      zwischen Lob und Kritik war gestört und der smarte Braunhaarige
      musste an sich arbeiten.

      Und verschlafen
      hatte er nicht, denn er war bei der Laborantin erst um 4:00 Uhr oder
      so los gekommen. Da es sich nicht mehr lohnte, sich hinzulegen, war
      er ins Büro gefahren und hatte bis 6 Uhr gearbeitet. Danach nach
      Hause und frisch machen.

      Unterwegs hatte
      DiNozzo ein Frühstück für sich und Kaffee für alle besorgt. Als
      er gesehen hatte, das Tim ohne ihn in die Bank ging, war er schneller
      gelaufen und aus Unaufmerksamkeit mit einer Frau zusammen gekracht.
      Ein kurzer Flirt und das Versprechen, es mit einem romantischen Essen
      wieder gut zu machen, hatte die Wogen geglättet und leider ein paar
      Minuten gekostet. Es war also nicht seine Schuld.

      Das McGee ihm
      keine Möglichkeit zur Erklärung gab, ließ seine Mundwinkel nach
      unten wandern. Wenn er Abby nicht so versprochen hätte, es mit dem
      Jüngeren ruhig und verständnisvoll angehen zu lassen, hätte der
      sich warm anziehen können. So blieb Tony stumm und folgte in den
      Tresorraum.

      Das Schließfach
      wurde geöffnet und der MIT-Absolvent nahm die Papiere heraus. „Das
      sind Urkunden für zwei Grundstücke in Farefax. Sie sind auf Robert
      Dover und Collins ausgestellt.“

      „Also wie beim
      Tropicana,“ meinte der SFA dazu. „Die Kaufsumme könnte das
      fehlende Geld sein. Von den Zeiten des Kaufes her würde es auch
      passen.“

      Der Nerd
      schüttelte langsam den Kopf. „Da muss mehr Geld sein.“

      „Dann lass uns
      einen Durchsuchungsbeschluss besorgen und wir fahren dahin,“ sagte
      der Ältere und begab sich bereits wieder aus den Tresorraum raus.
      „Vorher müssen wir aber zur George Washington Uni.“

      „Wieso,“
      rief Tim seinem Kollegen nach und folgte ihm schnell.

      Der bedankte
      sich gerade mit seinem besten DiNozzo Lächeln und einem Handkuss von
      der errötenden Angestellten, bevor er sachlich erklärte. „Nun
      Agent McGee. Das war ein Befehl unseres Bosses. Wir fahren getrennt.“

      -----------

      Zur gleichen
      Zeit erklärte Gibbs dem Direktor der George Washington Universität
      ihr Anliegen und zeigte das entsprechende Dokument vor.

      „Selbstverständlich
      kooperieren wir voll und ganz, Agent Gibbs,“ befleißigte sich der
      Direktor zu versichern. „Kommen Sie bitte mit zu Miss Bauers. Sie
      steht unserer Buchhaltung vor und kann sicher Ihre Fragen
      beantworten.“

      Als McGee und
      DiNozzo eintrafen, stand fest, das die Buchungen von einer Miss Fitz
      getätigt worden waren. Nur diese Miss Gerda Fitz war vor drei Jahren
      bei einem Unfall im Urlaub so schwer verletzt worden, das sie im Koma
      lag. Ihr Passwort musste von jemand anderen benutzt worden sein.

      Die beiden Nerds
      kopierten alle relevanten Daten, um sie im HQ auswerten zu können.
      Dann machten sich alle vier Agents daran, das Personal im
      Verwaltungsbereich und die Lehrkräfte zu befragen. Eben jeden, der
      Zugang zu den Computern per Passwort hatte und sich so Zugang zu dem
      Buchhaltungsprogramm hätte verschaffen können.

      Dies nahm zwar
      Stunden in Anspruch, aber die Beantwortung dieser Frage, würde sie
      zu dem Hintermann führen. Das fühlte der Seniorermittler ganz
      deutlich.

      -----------

      Die Lage spitzte sich immer mehr zu,
      stellte Dr. McKenzie fest. Trotz das Sir Everrett in Gewahrsam war
      und keine Spur zu ihm führte, kamen ihm die NCIS Agents verdammt
      nahe.

      Heute waren sie sogar an der
      Universität gewesen und diese beiden Nerds schnüffelten in den
      Computern der Verwaltung herum. Es ging um die Spenden vom Tropicana.

      Sein Geld.

      Zwar glaubte er nicht, das sie etwas
      finden würden. Schließlich hatte er das Geld über etliche Konten
      geschickt. Aber seine Mutter sagte schon immer, Vorsicht ist besser
      als Nachsicht.

      Und dieser Grauhaarige, der war wie ein
      Jagdhund. Er hatte die Fährte aufgenommen und würde nicht mehr
      locker lassen. Da war der Professor sicher. Das hatte er bei seinem
      Gespräch deutlich gespürt.

      Diese blauen Augen … er hatte das
      Gefühl gehabt, das der Mann jeden Moment die Handschellen zückt.
      Natürlich sagte ihm sein rationaler Verstand, das Agent Gibbs
      routinemäßig jeden vom Personal überprüfte. Trotzdem beunruhigte
      es ihn sehr.

      Deshalb beschloss er, ein
      Ablenkungsmanöver zu starten. Er rief Everetts Handlanger an. Da der
      noch nie mit ihm gesprochen hatte, musste Jason ihn erst davon
      überzeugen, das er der wirkliche Boß war.

      „Woher haben Sie diese Nummer?“,
      fragte Cloud misstrauisch.

      „Von Everett,“ erwiderte McKenzie.

      „Der sitzt,“ kam es sofort zurück.
      „Sie sind also ein Bulle.“

      „Nein. Halt,“ befahl der Professor,
      da er merkte, das der Jüngere auflegen wollte. „Ich biete 5.000,00
      $ für einen Auftrag, der uns die Bullen vom Hals schafft.“

      Das Geld ließ Santino inne halten.
      „10.000,00 $ und ich bin ganz Ohr. Aber besser wäre, es nicht am
      Telefon zu besprechen.“

      „Einverstanden,“ stimmte der Doktor
      zu. „Wir treffen uns in einer Stunde im Tropicana.“

      Da kannte Cloud sich aus. Das war sein
      Terrain. Und die Polizei war schon dort gewesen. „Okay. Aber wehe,
      das ist eine Falle. Ich kann sehr ungemütlich werden.“


      Kapitel
      62

      Cloud
      und der Professor

      14:18
      Stunden vor Stunde 0, Donnerstag 12:54 Uhr

      Eine Stunde später war der Professor
      im Tropicana, das geschlossen war. Aber als Mitinhaber Ronald Dover
      hatte er einen Schlüssel.

      Für Cloud waren Schlösser kein
      Hindernis und so wartete er bereits hinter der Bar scheinbar ganz
      gelassen. Aber eine Pistole und ein Schrotgewehr lagen bereit. Dazu
      ein paar Nebelbomben, damit er in dem Durcheinander durch die Falltür
      in den Keller verschwinden konnte. Von da aus konnte er durch einen
      alten Fluchttunnel in ein anderes Gebäude wechseln. Von dort war es
      dann ein Kinderspiel.

      Santino war vorbereitet.

      McKenzie hatte einen Revolver in der
      Tasche, sonst nichts. Schließlich wollte er ein Geschäft machen.

      „Also Mister,“ begrüßte Cloud ihn
      und stellte zwei Gläser auf die Theke. In diese goss er Whisky ein.
      Eine Hand lag unter der Theke auf der Waffe. „Was für ein Geschäft
      haben Sie vor?“

      Der Professor setzte sich langsam auf
      einen der Barhocker und nahm das Glas an. Seine andere Hand umfasste
      den Revolver in seiner Tasche. „Hier ist das Waffengeschäft
      kaputt. Ich werde mich also in den Ruhestand verabschieden.“

      „Gut für Sie,“ brummte der
      Jüngere. Er hatte es nicht so mit sparen und Vorsorge und so. Daher
      war er knapp bei Kasse. In Ruhestand gehen war für ihn also nicht
      drin.

      „Mir ist klar, das es nicht jedem so
      gut geht wie mir,“ erläuterte McKenzie weiter. „Daher wäre ich
      bereit, für Sie Kontakte herzustellen. Sie haben sich von allen als
      der Fähigste herausgestellt. Daher traue ich ihnen zu, mein
      Geschäftsmodell zu übernehmen. Aber bevor wir uns daran machen
      können, ein letztes Geschäft durchzuziehen und Sie dann alleine
      weiter machen können, müssen die NCIS Agents außer Gefecht gesetzt
      werden.“

      „Die anderen Bullen nicht?“, fragte
      Cloud etwas spöttisch.

      Der Professor schüttelte den Kopf.
      „Alles Flachpfeifen. Aber dieser Gibbs, der ist wirklich
      gefährlich. Er muss weg.“

      Langsam nickte Santino. Dieser Gibbs
      hatte sich einen nach dem anderen geschnappt. Cloud fürchtete, das
      er der nächste sein würde. Daran zweifelte er nicht. Wenn es also
      eine Möglichkeit gab, diesen Bluthund los zu werden, warum nicht?

      Trotzdem blieb er wachsam, denn das
      dieser feine Pinkel sich die Hände nicht schmutzig machen würde,
      war klar. „Wie haben Sie es sich vorgestellt?“

      „Nun, die letzte Lieferung konnte
      nicht ausgeliefert werden,“ fing McKenzie an. „Da waren auch
      Sprengstoffe dabei. Wie wäre es also, diese Agents durch einen
      anonymen Anruf zu sagen, wo sie diese netten Sachen finden
      können...“

      Verstehend nickte Cloud. „Und dann
      macht es Krawumm.“

      „Bedauerlich, das so gute Agents bei
      so was das Zeitliche segnen müssen,“ seufzte der Professor
      bedauernd.

      Santino grinste dreckig.
      „Berufsrisiko!“

      Sie prosteten sich zu und Cloud
      schenkte nach. „Sie sagten etwas von 10.000,00 $.“

      Der Professor griff in seine Jacke und
      förderte ein Bündel Banknoten zu Tage. „5.000,00 $ jetzt und
      weiter 5.000,00 $ nach getaner Arbeit.“

      Cloud legte sich über die Lippen. So
      ein Bündel sah er nur selten. „Okay,“ meinte er rau und steckte
      das Geld ein. „Wer macht den Anruf und wo soll die Show steigen?“

      In Farefax angekommen, gingen McGee und
      Dorneget zu dem Gebäude, für den der erste Durchsuchungsbeschluss
      galt. Es handelte sich um eine alte Lagerhalle. Die Fenster waren
      teilweise zerbrochen. Alles war schmutzig und heruntergekommen.

      „Die Lage des Grundstückes ist nicht
      schlecht,“ meinte der jüngere Agent sich prüfend umsehend. „Wenn
      man das Gebäude abreißt und einen Supermarkt darauf setzt, hätte
      man einen bombigen Laden.“

      Amüsiert sah Tim seinen Kollegen an.
      Hatte dessen Magen nicht während der Fahrt verdächtige Geräusche
      von sich gegeben? „Wie wäre es mit einem Imbiss?“

      Skeptisch schüttelte der Nerd seinen
      Kopf, die Anspielung nicht mit bekommend. „Dafür bekommst Du in
      diesem Industriegebiet nicht genug Klientel zusammen. Ein Supermarkt
      aber würde einen viel größeren Umkreis bedienen.“

      Inzwischen standen sie vor dem Tor.
      „Nun hier gibt es wohl etwas, das es sich lohnt, eingesperrt zu
      werden,“ meinte McGee und betrachtete das neue Vorhängeschloss an
      der stabil aussehen Schiebetür.

      „Dann muss es größer sein,“ sagte
      Dorneget mit voller Überzeugung. Auf den Blick des erfahreneren
      Agents hin, erklärte er: „Die Fenster sind kaputt. Es muss also
      größer als die Fenster sein. Sonst macht das da doch keinen Sinn.“

      Anerkennend musste Tim ihm recht geben.
      Logisch war das. Aber Verbrecher waren manchmal nicht logisch. Also
      nahm er eine Eisenstange vom Boden und wollte das Schloss mit
      brutaler Gewalt knacken.

      „Halt,“ rief Dorni und zückte
      grinsend ein Etui. „Ich wollte schon immer mal ausprobieren, ob das
      auch an anderen Schlössern als in der Akademie funktioniert.“

      Und schon machte er sich an die Arbeit.

      Im Büro saß Scuito an McGees
      Schreibtisch und sah sich die Daten von der Universität an.

      Währenddessen durchleuchtete DiNozzo
      das Personal der GWU. Sie hatten zwar jeden interviewt, aber man
      musste gründlich vorgehen und auch die Personalakten einsehen. Zu
      dem verlangte Gibbs, das man auch noch andere Quellen zur Information
      nutzte. Nur so erhielt man ein unabhängiges Bild.

      „Also hier sind einige Buchungen von
      Spenden, die eingebucht wurden und auch wieder raus,“ sprach die
      Forensikerin mehr zu sich selbst und weckte Gibbs und Tonys
      Interesse. „Diese Summen kommen in schöner Regelmäßigkeit vor.
      Angefangen vor drei Jahren. He, ist da diese Gerda sowieso nicht
      überfahren worden?“

      „Nicht überfahren,“ mischte
      DiNozzo nun mit. Er stand auf und begab sich hinter Abby´s Stuhl.
      „Im Skiurlaub in eine Lawine geraten.“

      „Echt jetzt?“, entsetzt schaute die
      Laborfrau zu dem smarten Mann hinter ihr. „Und ich wollte einen
      Skiurlaub buchen. Aber im Reisebüro sagten sie mir, das in Espen
      schon alles ausgebucht sei. Denkst Du, das es Schicksal...“

      „Abbs,“ kam es da streng vor dem
      Tisch her. Gibbs sah sie auffordernd und Mahnend zugleich ein. Ein
      Blick, den nur ihr Silberfuchs so hinbekam.

      Grinsend wandte sich die junge Frau
      wieder dem Bildschirm zu. „Die Kontenbewegungen finden in schöner
      Regelmäßigkeit statt. Zum Wochenanfang wird eine Summe von 5.000,00
      $ vom Tropicana eingezahlt. Aber nur wenig später wird das Geld
      weiter an eine Kontonummer bei der Deutschen Bank transferiert.“

      „Das heißt, ein
      Durchsuchungsbeschluss für das Konto bei der Deutschen Bank,“
      seufzte DiNozzo. Von dem bevorstehenden Papierkrieg war er nicht
      begeistert. Es würde ewig dauern.

      „Nicht unbedingt, mein Tiger,“
      grinste die Goth mit einem teuflischen Blick. „Ich habe bei der
      Bank mal etwas herausfinden müssen. Also schaut mal kurz weg.“

      Natürlich tat Tony das nicht. Aber was
      für ihn nützliches sah er trotzdem nicht. Abby war viel zu schnell
      und hatte sich bereits in das System der Bank eingeklinkt, da suchte
      er noch das Logo.

      „Vola,“ rief die Forensikerin und
      warf die Arme hoch. Kurz darauf hatte sie die Information. „Das
      Geld wird automatisch an ein Konto in Frankreich versendet. Ich
      schätze mal, das geht so weiter. Es wird also doch etwas dauern.“

      „Sag mal. Haben die Nerds auch die
      Kameraaufzeichnungen der Überwachungsanlage kopiert?“, fragte
      DiNozzo nachdenklich.

      „Nö,“ antwortete Abby. „Aber sie
      haben das Passwort mitgebracht. Ich kann Dich einloggen. Was willst
      Du damit anstellen?“

      Statt des SFA antwortete Gibbs, der den
      Gedanken ebenfalls hatte. „Wenn jeden Montag die Überweisung
      getätigt wurde und das nur vom Büro im Verwaltungstrakt ging...“

      „...müsste eine Person an diesem Tag
      immer wieder auftauchen,“ vollendete der Jüngere den Satz.

      Der Teamchef nickte ihm zu. „Prüf
      das!“


      Kapitel
      63

      Fortschritte?

      13:21
      Stunden vor Stunde 0, Donnerstag 13:51 Uhr



      Vorsichtig schlichen Dorneget und McGee
      mit gezogenen Waffen in die Lagerhalle hinein. Sicherten sich
      gegenseitig ab und durchsuchten so die ganze Halle mit den zwei
      schäbigen Büroräumen. Personen fanden sie keine.

      Aber ein LKW der Navy stand im Raum.
      Leider waren auf der Ladefläche keine Waffen oder Kisten zu finden.
      Sie war total leer.

      „Schau Dir das Führerhaus genauer
      an,“ befahl der ältere Agent kurzerhand. „Ich fange schon mal in
      den Büros an.“

      Gesagt, getan.

      Schon nach kurzer Zeit stieß Dorni zu
      Tim und forschte in den Schubladen und Papierstapeln weiter.

      Nach gut einer Stunde hatte sie alles
      gründlich durchsucht und nichts gefunden.

      Seufzend meinte Timothy dazu.
      „Hoffentlich ist das zweite Objekt erfolgreicher.“

      Und schon fuhren sie an andere Ende der
      Stadt zum nächsten Grundstück aus den Urkunden.

      Cloud war sich im klaren darüber, das
      er keine Bomben bauen konnte. Er hatte zwar die perfekte Lagerhalle
      für den Hinterhalt, aber die explosive Zutat fehlte noch.

      Ihm war natürlich schon eine Idee
      gekommen.

      Sein Käufer für die Waffen, Nasir
      Kaladiry, war immer noch interessiert. „Ich will aber einen
      Nachlass wegen der Unannehmlichkeiten,“ meinte der Syrer frech.

      Santino grinste amüsiert ins Telefon,
      ließ sich sein Empfinden aber nicht anmerken. „10% Nachlass und
      weitere 10%, wenn Sie mir eine Bombe bauen. Ich brauche sie sofort.“

      „Wieso so eilig?“, fragte Nasir
      misstrauisch zurück.

      „Weil der Boden hier zu heiß wird,“
      erklärte der Amerikaner trocken. „Also wir treffen uns an der
      Lagerhalle 418 in der Duke Street in
      Alexandria. Bring die Bombe mit. Sie muss stark genug sein, um
      die Halle zum Einsturz zu bringen. Und sie muss sowohl selbst
      hochgehen, wenn man versucht sie zu entschärfen als auch
      ferngesteuert.“

      „40% Nachlass und ich bin dabei,“
      kam es autoritär aus dem Telefon.

      Nach kurzem Nachdenken antwortete
      Cloud: „30% oder ich such jemand anderes. Die Waffen bringe ich
      mit. In zwei Stunden dort.“

      „Okay,“ und schon wurde aufgelegt.

      Der junge Mann grinste fies. In so
      einer Explosion konnte man doch prima Leichen verschwinden lassen.
      Und warum sollte das schöne Geld diesen Professor erreichen? Der
      hatte schließlich nach eigener Aussage seine Schäfchen im
      trockenen. Dabei lenkte er seinen neuen Probewagen durch die Straßen
      DC´s und genoss die Fahrt sichtlich.

      Missmutig warf Tony das Telefon auf
      seine Station zurück. „Verdammt,“ rutsche es ihm heraus.

      Natürlich hatte er dadurch sofort die
      volle Aufmerksamkeit seines Bosses. „DiNozzo!“

      Enttäuscht erzählte der Jüngere, was
      er erfahren hatte. „Einer der Autohändler hat angerufen. Vor einer
      halben Stunde war Santino dort und hat einen Lexus LFA von 2011,
      Hubraum 4800ccm und 570 PS, mitgenommen. Sonderausstattung
      Nürnburgring Performance. Vergrößerter Frontspoiler. Finnenartiger
      Seitenspoiler. Fester Heckflügel...“

      Schon bekam er eine Kopfnuss, die seine
      Schwärmerei jäh unterbrach.

      „He, es wurden nur 50 Stück in
      dieser Ausfertigung hergestellt,“ brummt der Womanzier und rieb
      sich seinen Hinterkopf. „Verkehrswert eine halbe Millionen.“

      „Hast Du eine Fahndung rausgegeben?“,
      fragte der Chefermittler leicht gereizt zurück.

      Sofort griff der SFA nach dem Telefon.
      „So gut wie erledigt. Es ist übrigens Anthrazit farbend.“

      „Wollten Dich die Autohändler nicht
      sofort anrufen?“, fragte Abby nun neugierig dazwischen.

      Tony nickte und knirschte mit den
      Zähnen. „Ein Angestellter hat ihm den Wagen ausgehändigt. Er war
      vergessen worden. So hatte er die Info nicht und hat gehandelt wie
      immer.“

      „Habt Ihr sonst noch was raus
      gefunden?“, fragte der Silberhaarige und stellte sich vor dem
      Bildschirm.

      „Also das Geld wurde über
      verschiedene Konten im Ausland geschickt,“ begann die Laborantin
      eifrig zu erzählen. „Ein paar Mal hatte ich es verloren. Die
      Banken im Ausland sind nicht gerade kooperativ. Da muss man sich
      etwas einfallen lasse. Aber natürlich habe ich...“

      „Abs,“ wurde sie scharf
      unterbrochen.

      „Schon gut, mein Silberfuchs,“
      grinste die Forensikerin. „Es ist hier in DC gelandet bei der First
      National Bank auf dem Namen Rebecca May.“

      „Der Name taucht bei einem Professor
      auf,“ rief DiNozzo und durchwühlte seinen Schreibtisch nach der
      richtigen Akte. „Hier. Rebecca May. Professorin für
      Firmen-Mangment an der GWU. 32 Jahre alt. Verheiratet mit
      Generalsekretär der Organization of American
      States Donald May. Keine Kinder.“

      „Hol die Dame her,“ war Gibbs
      kurzer Befehl. Dann ging er zu seinem Kaffeedealer.


      Kapitel
      64

      Opfer
      oder Täter?

      12:48
      Stunden vor Stunde 0, Donnerstag 14:24 Uhr

      Es
      war 14:24 Uhr als DiNozzo bei dem Haus von Rebecca May ankam. Sie
      wohnte in Georgetown in einer Villa, die etwas von der Straße
      entfernt stand. Das Tor stand offen. Eine Auffahrt führte an
      manikürten Bäumen und Büschen vorbei.

      Als
      Tony zur imposanten Eingangstür kam, entdeckte er, das sie nur
      angelehnt war. Für ihn ein Warnsignal, welches Adrenalin
      ausschüttete. Hoch wachsam und mit gezogener Waffe drückte er die
      Tür weiter auf. „Bundesagent. Ist da jemand?“

      Blumentöpfe
      und Stühle lagen zerstört am Boden. Der erfahrene Senior Field
      Agent schnappte sich sein Handy und wählte die Nummer seines
      Vorgesetzten.

      „Gibbs,“
      kam es kurz und prägnant aus dem Apparat.

      „Ich
      bins,“ sprach der treue Berhardiner leise hinein, sich wachsam
      umsehend. „In das Haus von May wurde eingebrochen und es hat wohl
      einen Kampf gegeben. Boß, ich könnte Verstärkung gebrauchen.“

      „Verstanden.“
      Der Silberhaarige hatte den Ernst der Lage sofort erkannt. „Du
      rührst Dich nicht vom Fleck, DiNozzo. Ich organisiere was. Kapiert?
      Nicht ins Haus weiter vordringen!“ Der Teamchef kannte seinen SFA.

      „Ja,
      klar.“ Und schon war die Verbindung unterbrochen.

      Tony
      hockte sich neben dem Eingang auf den Boden und wartete. Sein
      Instinkt sagte ihm, das hier noch jemand im Haus war. Nur wo wusste
      er nicht. Mit spitzen Ohren lauschte er auf jedes Geräusch.
      Beobachtete alles genau.

      Im
      Obergeschoss viel etwas um. Dann klirrte Glas.

      „Der
      Kerl will durchs Fenster abhauen.“ Schnell rannte er raus und
      wendete sich nach rechts. Irgendwo hier musste es sein.

      Weitere
      Geräusche von brechenden Ästen drangen an sein Ohr. Mit der Waffe
      im Anschlag lief DiNozzo um einen Erker und stand vor einem Mann
      mittleren Alters. Er war wohl gerade heruntergesprungen und richtete
      sich mit einem blutigen Baseballschläger in den Händen auf.

      „Waffe
      fallen lassen,“ schrie der Bundesagent sofort los. Dabei nutzte er
      das Überraschungsmoment aus. Wenn jemand unvermittelt von hinten
      angeschrien wird, sorgt das für eine kurzzeitige Schockstarre, die
      ein Polizist gut nutzen konnte. So wurde es auf der Polizeiakademie
      vermittelt.

      Auch
      hier hielt die Person zunächst in der Bewegung inne.

      „Bundesagent,“
      identifizierte sich Tony. „Lassen Sie die Waffe fallen. Sofort!“

      „Hören
      Sie, ich...“ sprach der Verdächtige nun los und wollte sich
      umdrehen.

      „Halt!
      Den Schläger fallen lassen,“ befahl DiNozzo wieder. Er stand ca.
      drei Meter von dem Mann entfernt. Dieser hatte ihm immer noch den
      Rücken zugekehrt.

      „Der
      Mörder, der meine Frau erschlagen hat, rennt jetzt weg. Wenn Sie
      nicht sofort hinterher rennen, ist der Mistkerl weg,“ versuchte der
      Tatwaffenhalter mit angespannter Stimme von seiner Unschuld zu
      überzeugen.

      Aber
      die Very-Speziell-Agent-Instinkte und langjährige Erfahrung ließen
      ihn Verzweiflung und Wut vermissen. Wenn man den Mörder seiner Frau
      hinter herspringt, sollten solche Gefühle zu erwarten sein. Aber
      hier Fehlanzeige. Und die Kleider passten auch nicht zu einem Mann in
      Donald Mays Position.

      „Zum
      letzten Mal, lassen Sie den Schläger fallen,“ rief der SFA mit
      ernster Stimme. „Hier wird niemand verfolgt, so lange Sie das nicht
      gemacht haben.“

      Kurz
      standen Beide still.

      „Okay,“
      sprach dann der Verbrecher und beugte sich nach unten, um den
      Schläger ins Gras zu legen.

      „Jetzt
      Hände über den Kopf verschränken. Handflächen nach oben.“

      Brav
      folgte der Mann der Anweisung.

      „Danke,“
      meinte DiNozzo sarkastisch. „Und jetzt bitte auf die Knie runter
      und dann die Füße über Kreuz legen.“

      Der
      Kerl stöhnte leicht und versuchte es noch einmal. „So hören Sie
      doch. Der echte Mörder flieht. Rennen Sie bitte hinterher.“

      „Tun
      Sie, was ich gesagt habe,“ blieb Tony eisern.

      Widerspenstig
      gab der Verdächtige nach. Der Agent legte ihm Handschellen an und
      tastete ihn ab. Dabei bekam er dessen Brieftasche mit Ausweis in die
      Hand. „Mister Donald May. Das Foto sieht Ihnen gar nicht ähnlich.
      Wie kann das sein?“

      Der
      Verbrecher schüttelte den Kopf enttäuscht. „Ausgerechnet ein
      Agent. Konnte es nicht einfach ein stink normaler Polizist sein? Der
      wäre drauf reingefallen.“

      Diese
      Aussage brachte Tony zum Grinsen. Was war heute doch für ein schöner
      Tag.

      Als
      der Chefermittler eine halbe Stunde später bei der Villa ankam, saß
      Mister Henry Solokai im Streifenwagen und ein Polizist war dabei,
      Flatterband anzubringen.

      Gibbs
      schürzte kurz die Lippen und ging direkt hinein. Sein SFA stand im
      Eingangsbereich und gab einem jungen Polizisten Anweisungen.

      „Hatte
      ich nicht gesagt, Du sollst nicht ins Haus gehen?“, grollte Gibbs
      gleich los.

      Unschuldig
      lächelnd antwortete der Jüngere: „Bin ich auch nicht. Der
      Verbrecher war draußen als ich ihn gefasst habe.“

      „So
      so,“ brummte der Teamchef und warf seinem Agent einen prüfenden
      Blick zu. „Was haben wir hier?“

      „Donald
      May hat den Einbrecher überrascht,“ erklärte Tony sachlich. „Nach
      der Aussage von Solokai hat er hier im Auftrag ein wertvolles Bild
      austauschen sollen. Niemand sollte zu Schaden kommen. Keinem wäre
      der Tausch ohne Expertenrat aufgefallen. Aber die Mays kamen verfrüht
      nach Hause. Donald griff den Eindringling an. Siehe unschuldige
      Stühle und Pflanzen. Rebecca floh nach oben. Ein Officer hat eine
      Pistole im Schlafzimmer gefunden. Die wollte sie wohl holen um sich
      damit zu wehren. Leider hat der Ehemann zwischenzeitlich verloren.
      Solokai hat ihn auf einen Glastisch im Esszimmer geworfen. Dort liegt
      die Leiche immer noch. Dann verfolgte Solokai die Frau und fand im
      Flur oben eine Sammlung Baseballschläger. Die perfekte Waffe.
      Rebecca hatte keine Chance. Nach der Tat hat er sich hingesetzt und
      einen Scotch getrunken. Als er mich rufen hörte, brauchte er ein
      paar Minuten zum Denken bevor er aus dem Fenster sprang. Auf dem
      Rasen habe ich ihn dann gestellt. Dort behauptete er, Donald May zu
      sein und den Mörder seiner Frau verfolgen zu wollen.“

      Während
      des Berichts waren die Agent die Treppe hoch gestiegen und standen
      nun im Blutüberströmten Schlafzimmer.

      „Mach
      Fotos und Skizze. Hier haben wir einiges an Arbeit.“

      Um
      16:00 Uhr sind alle Teammitglieder wieder im Hauptquartier vereint.

      „Fairfax
      hat uns nicht weiter gebracht,“ erzählte Dorneget enttäuscht.

      Aber
      McGee war anderer Meinung. „Das stimmt so nicht. Wir fanden einen
      LKW der Navy in einem Lagerhaus und in einer weiteren Hütte einige
      selbst gemachte Pässe. Sie sind noch blanko. Einer flüchtigen
      Überprüfung hätten sie stand gehalten. Vielleicht kann Abby den
      Drucker oder Kopierer näher bestimmen.“

      Skeptisch
      guckte Dorni zu seinem Kollegen. „Glaubst Du wirklich, das uns das
      weiterbringt?“

      „Alles
      bringt uns weiter,“ wies DiNozzo den Jungen belehrend mit dem
      Finger wackeln zurecht. „Selbst Misserfolge beinhalten
      Erkenntnisse.“

      Tim
      konnte sich eine spitze Bemerkung nicht verkneifen. „Da sprichst Du
      ja aus Erfahrung.“

      „Ich
      habe einen Mörder gefasst,“ gab Tony mit einem bösen Seitenblick
      zu seinem Kollegen an. „Das Geld hat Abby bis zu einem Konto bei
      der First Nationell Bank verfolgt. Es war für Rebecca May
      eingerichtet worden. Als ich sie holen wollte, hatte ein Einbrecher
      die Mays schon erschlagen. Der Kerl sollte für jemanden ein teures
      Bild gegen eine Fälschung austauschen. Jetzt sitzt er im Verhörraum
      und Gibbs quetscht ihn aus wie eine Zitrone.“

      „Also
      Sackgasse,“ stöhnte Dorneget und ließ sich endlich auf den Stuhl
      fallen.

      „Wie
      man es nimmt,“ lächelte der SFA siegessicher und hielt sich einen
      Packen Briefe an die Nase. „Liebesbriefe haben ihren ganz eigenen
      Duft.“

      Hellhörig
      geworden fragte McGee sogleich. „Von wem an wen?“

      „Ich
      weiß nicht, ob ich Dir das sagen darf, Bambino,“ meinte der Ältere
      und spielte auf McGees Heimlichtuerei an. „Du könntest Gibbs
      gegenüber ja behaupten, das diese Info von Dir stammt.“

      Der
      MIT-Absolventverdrehte die Augen. War ja klar, das es da noch eine
      Retourkutsche geben würde. „Ich mache so etwas nicht. Das ist
      Deine Art.“

      In
      diesem Moment kam der Teamchef um die Ecke.

      Sofort
      lüftete Tony das Geheimnis. „Rebecca May hatte einen Verehrer und
      nach dem süffisanten Inhalt dieser Briefe hatte sie ein richtig
      schmutziges Verhältnis mit allem drum und dran.“

      Nicht
      ganz verstehend wiederholte Dorni leise die Worte. „Mit allem drum
      und dran.“

      „Soll
      ich Dir aufmalen, was die Biene...“ Weiter kam DiNozzo nicht. Da
      hatte er schön die Hand seinen Vorgesetzten kräftig im Nacken
      gespürt.

      „Wer?“,
      fragte der wie immer kurz angebunden und stand dabei keine fünf
      Zentimeter von seinem Ranghöchsten entfernt.

      „Ein
      Professor an der GWU,“ beeilte sich der Angesprochene zu sagen.
      „Sie nennt ihn ihr Genie, oder Einstein. Seine Briefe sind mit Dein
      Dich ewig liebender Prof unterschrieben. Da Rebecca aber keine Kurse
      belegte, muss es einer der Kollegen sein. Deshalb meine Behauptung.“

      „Beweise
      sie,“ nickt der Boß ihm zu.

      Und
      sofort macht Tony sich auf zum Fahrstuhl. „Ducky kann sicher ein
      Profile erstellen und damit gehe ich dann zur Uni.“

      „Und
      ich bringe Abby unsere Beweisstücke,“ bemerkte McGee so gleich.
      „Wäre doch gelacht, wenn wir da nichts finden.“

      Blieb
      nur noch Dorneget übrig, der nicht so recht wusste, was er noch tun
      könnte.

      Wie
      immer schien Gibbs hellsehen zu können. „Überprüfen Sie die
      Professoren der Uni noch einmal mit Angehörigen.“

      „Oh
      ja,“ lächelte der junge Mann unsicher und fing an zu tippen.

      Ein
      paar Minuten war es ruhig. Das Klingeln des Telefons ließ Dorni
      leicht zusammen schrecken.

      „Gibbs.“
      Aufmerksam hörte er zu. „Verstehe. Wir übernehmen.“ Und schon
      stand der Chefermittler auf und warf dem Jüngeren den Autoschlüssel
      zu. „Informieren Sie DiNozzo und McGee. Wir treffen uns alle beim
      Wagen.“

      „Was
      ist denn los?“

      „Anonymer
      Anruf. In einer Lagerhalle steht ein Truck voll mit Waffen.“
      Live Long and prosper
      Ute
      :thumbup:

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