[Shibbs] Sunburned *Neu 23.08.2016

      [Shibbs] Sunburned *Neu 23.08.2016

      Sunburned


      Autor: anonyma
      Genre: Whump, Romanze
      Rating: P12

      Inhalt: Während einer Ausbildungsmaßnahme seines Squads, treffen Lance Corporal Gibbs und seine Kameraden auf einen unangenehmen Zeitgenossen. Einer der Ausbilder versucht den jungen Marines das Leben schwer zu machen. Die Situation eskaliert und hat vor allem für Gibbs unangenehme Folgen.

      Eine Geschichte, die seit Jahren unfertig zwischen meinen Schreibleichen lag. Nun ist sie beendet und möchte gern das Tageslicht erblicken!

      Disclaimer: Alle Charaktere und sämtliche Rechte an Navy CIS gehören CBS, Paramount und Belisarius Productions. Diese Fanfic wurde lediglich zum Spass geschrieben und nicht um damit Geld zu verdienen. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden und toten Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt. Alle unbekannten Charaktere sind Eigentum des Autors.




      Prolog




      Die spärliche Beleuchtung hüllte die Offiziersmesse auf dem US-Marinestützpunkt Quantico in ein schummriges Licht. Drei Männer saßen rauchend an einem Tisch und führten eine hitzige Diskussion.
      „Bei allem Respekt, Sir! Nur weil ein angesehener Mann, wie dieser Major General aus San Diego, seinen Einfluss geltend macht und seinen unehelichen Sohn vor seiner gerechten Bestrafung schützen will, werde ich meine Jungs nicht diesem Schweinehund ausliefern!“ Empört sprang der First Lieutenant auf und lief mürrisch dreinblickend zwischen den Tischreihen auf und ab.

      Es war ihm ein Dorn im Auge, dass dieser Gunnery Sergeant, der in San Diego als Drill Instruktor in Ungnade gefallen war, hier in seinem Stützpunkt wüten sollte. Der Mann hatte so einiges auf dem Kerbholz und war ein zwielichtiger Typ, dem allerdings nie jemand etwas hatte anhängen können, da alle Beschwerden wieder und wieder zurückgezogen wurden waren. In den geschwärzten Akten des Mannes fanden sich etliche Hinweise darauf, dass er einen mehr als schändlichen Umgang mit jungen Rekruten pflegte. Angefangen bei kleineren Gefälligkeiten bishin zu körperlichen Übergriffen – und zwar in der Form, in der es sogar den rauen Umgang im Corps bei weiten überschritt.

      „Will … Lieutenant Ryan! Ich habe für dieses Problem keinen besseren Mann als Sie! Behalten Sie den verfluchten Gunny im Auge. Instruieren Sie Ihre Marines jedes Überschreiten der üblichen Umgangsformen zu melden“, forderte der JAG-Offizier mit ruhiger Stimme. „Es ist kein Zufall, dass der Mann hier bei uns gelandet ist. Der Lieutenant General konnte seinem alten Freund nicht in den Rücken fallen. Aber wir können das sehr wohl. Bis hierher reicht der Arm der SanDiego – Offiziere nicht. Und ich denke, dass…“

      „Meine Männer sollen als Kanonenfutter der JAGs dienen? Verstehe ich das richtig?“, brauste der Lieutenant auf und wandte sich hilfesuchend an seinen direkten Vorgesetzten. „Ist das in Ihrem Interesse, Colonel? Sie wissen schon, dass ein Großteil der Marines, mit denen der Gunny zu tun haben wird, nur für Lehrgänge und Seminare hier sind. Es ist keine feste Einheit, der man durch die Blume sagen kann, dass es da eine Drecksau gibt, vor der sie sich in Acht nehmen sollen!“

      Die Ader auf der Stirn des Lieutenant pochte gefährlich und Colonel Ellison erhob sich von seinem Platz und legte dem Offizier eine Hand auf die Schulter. „Anders werden wir es nicht schaffen dem verfluchten ShitBrick die Beine zu brechen.“ Der Mann seufzte schwer und wandte sich nun seinerseits an seinen Vorgesetzten. „Ihnen ist doch klar, dass dieser Mann neben einer unehrenhaften Entlassung zudem dringend Hilfe benötigt. Die sozialen Kompetenzen des Mannes sind mehr als verkümmert! Ich habe bereits mit ihm gesprochen. Ehrlich gesagt wundert es mich doch sehr, dass er es bis in den Rang eines Gunnery Sergeant geschafft hat.“



      US-MarineCorps Stützpunkt Quantico, Sommer 1977

      Gedankenverloren verließ die junge Frau den Speisesaal und trat hinaus in die stickige Abendluft eines heißen Spätsommers. Das olivgrüne T-Shirt klebte ihr am Körper und sie fächerte sich mit einer Hand Luft zu. Joan Matteson hatte Küchendienst – der wohl undankbarste Job, den ein Marine an einem heißen Sommertag zu verrichten hatte. Sie beneidete die Jungs aus ihrem Squad, die dafür eingeteilt waren den Fuhrpark des Stützpunktes auf Vordermann zu bringen. Nur zu gern hätte sie wenigstens ihr T-Shirt aus dem Bund ihres Kampfanzuges gezogen, doch das widersprach der Kleiderordnung. Ein kleines Rinnsal Schweiß ließ zwischen ihre Brüste. Joan streckte sich gähnend und lief über den Hinterhof der Hauswirtschaftsgebäude, um die offiziellen Wege des Stützpunktes zu erreichen.

      Seit einer Woche waren die Marines aus Lejeune nun schon hier in Quantico. Der Lehrgang machte dem jungen PFC Spaß, wenn es sie auch maßlos ärgerte, dass ihr Kamerad Gibbs noch vor dieser Unterrichtseinheit zum Lance Corporal befördert worden war. Es lag an diesen verdammten Schießübungen. Sie gehörte beim Umgang mit den Schusswaffen schlicht zum Durchschnitt – egal wie sehr sie sich auch bemühte. Während Jethro Gibbs sie einfach immer wieder übertrumpfte. Sogar im Ausdauertraining kam sie nicht ganz an seine Zeit heran. Es war zum verrückt werden!

      Doch sie verzieh dem smarten Kerl beinahe alles. Wenn ihr aus seinen blauen Augen der Schalk entgegen blitzte, verlor sie all ihre Zurückhaltung. Schon ein oder zweimal hatten sie sich getroffen und mehr als nur nette Worte getauscht. Sie suchten beide nach Abenteuern und wollten Erfahrungen sammeln – körperlicher Art.

      Joan haderte mit sich. Es fiel ihr sehr schwer die Gefühle für den attraktiven Lance Corporal im Keim zu ersticken. Dabei wusste wohl jeder aus ihrem Squad, dass Gibbs unsterblich in ein Mädchen verliebt war, das er vor mehr als einem Jahr zuletzt gesehen hatte. Er hatte es ihr selbst gesagt: Er musste die Rothaarige wiedersehen und herausfinden ob er nicht lediglich einem Luftschloss nachjagte.

      Joan war sich sicher, dass Gibbs ihre gemeinsamen, zweisamen Stunden genauso genoss wie sie selbst.

      „PFC Matteson – richtig?“

      Die Dunkelhaarige fuhr herum und fand sich Aug in Aug mit einem Gunny wieder. „Sir, jawohl, Sir!“, entgegnete sie pflichtbewusst.

      „Was ist mit ihren Haaren passiert? Wenn Sie nicht in der Lage sind ihre Frisur in Ordnung zu halten, sollten Sie eine Kurzhaarfrisur tragen!“

      „Ich werde es sofort in Ordnung bringen, Sir! Meine Unterkunft ist gleich dort, wenn Sie erlauben, Gunny…“

      Der Mann rückte noch ein wenig näher an die junge Frau heran und musterte sie aus zusammengekniffenen Augen. Dann schüttelte er den Kopf. „Sie werden das gleich hier erledigen, Matteson! Ziehen Sie Ihr Haarband aus den Haaren!“

      Irritiert runzelte Joan die Stirn, folgte der Anweisung jedoch prompt. Die Hitze und der straffe Pferdeschwanz hatten ihrem Haar jegliche Fülle geraubt und so hin es ihr schlaff über die Schultern. Der Gunny hob eine Hand und verspielte seine Finger mit einem gefährlichen Lächeln in ihren Haaren. Als Joan vor seiner bedrückenden Nähe zurückweichen wollte, krallten seine Finger sich grob in ihre Haare.

      „Oh nein, du kleines Biest! Du gehst erst dann, wenn ich es dir erlaube!“

      Unsanft zog er ihren Kopf an den Haaren nach hinten. Sein heißer Atem strich über Mattesons Gesicht und verursachte ihr Übelkeit. Sein Griff löste sich nicht, während er mit der anderen Hand über ihren bloßen Hals strich, über ihr Dekolletee und sich dann über die Wölbung ihrer Brust legte.

      „Sir! Lassen Sie das, bitte!“, flehte sie mit bebender Stimme. Anstatt einer Antwort, wurde der Blick des Ausbilders nur noch um eine Spur bedrohlicher.

      Hart knetete er ihre Brust und beugte sich dann zu ihr hinunter. „Sollte es dir einfallen, dich über mich zu beschweren, dann wirst du dir wünschen nie hierhergekommen zu sein. Ich werde deinen Kameraden das Leben zur Hölle machen und es wird deine Schuld sein…“

      Ohne lange über die Konsequenzen nachzudenken, tat Joan das Einzige, was ihr aus der misslichen Lage heraushelfen konnte. Es war wie ein Reflex. Mit aller Kraft zog sie ihr Knie nach oben und rammte es dem Mann zwischen die Beine. Ohne den Griff um ihre Haare zu lockern, ließ sich der Gunny mit einem qualvollen Aufschrei auf die Knie fallen. Der reißende Schmerz explodierte auf der Kopfhaut der jungen Frau, doch dem schenkte sie kaum Beachtung, sonder senkte ihre Fingernägel in den Unterarm des Mannes. Er löste seinen Griff kaum spürbar, doch

      Joann rannte los und schrie auf, als einige Haare brutal ausrissen.

      Ohne sich umzuschauen sprintete sie in Richtung der Unterkünfte. Ihre eigene Stube lag ganz am anderen Ende des Wohnkomplexes und so hielt sie auf die Stubentür ihrer männlichen Kameraden zu.

      Gehetzt hieb sie die Fäuste gegen die Zimmertür von Lance Corporal Gibbs und PFC Hunt. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis die Tür endlich geöffnet wurde. „Gibbs…“

      Atemlos schob die Dunkelhaarige sich an ihm vorbei und wandte den Blick erst jetzt um. Der Gunny hatte tatsächlich aufgeholt. Schwer atmend stand der Mann an eine Hauswand gelehnt da und starrte zornfunkelnd zu den beiden jungen Marines hinüber. „Das wirst du bereuen!“, brüllte der Mann aufgebracht und verschwand im nächsten Moment im Schatten der Häuser.



      *Neu 28.07.2016

      „Was ist los, Joan? Ärger mit dem Gunny?“

      Der Blick des Lance Corporal lag fragend auf dem Gesicht seiner Kameradin, die sich langsam an der Wand hinunter sinken ließ und beide Hände fest auf den Hinterkopf presste. „Dieses Schwein …“

      Langsam schloss der Lance Corporal die Tür und ging vor der Dunkelhaarigen in die Hocke, während hinter ihm ein weiterer Marine auftauchte. Joan schaute zu den Jungs und schüttelte den Kopf. Die Erleichterung flutete ihre Sinne. Hier bei Gibbs und Bull war sie sicher.

      „H-hey Prin-prinzesschen, b-bist du in eine Rauferei ge-geraten?“, wollte PFC Hunt wissen und musterte sie genauso forschend wie zuvor Gibbs.

      Joan hatte einen Kloß im Hals. Sie wollte auf keinen Fall in Tränen ausbrechen, doch der Schreck saß tief und sie musste erst einmal gedanklich die Geschehnisse einordnen. Als könnte Gibbs in ihr lesen wie in einem Buch nickte er zu der spärlichen Nasszelle hinüber. „Da drin bist du ungestört – wir sind hier, wenn du uns brauchst, Matteson.“

      Langsam richtete der Marine sich auf und hielt der Dunkelhaarigen eine Hand entgegen, doch bevor sie diese hatte ergreifen können, schob Bull Gibbs zur Seite und zog seinerseits die Soldatin auf die Beine. Er warf Gibbs einen warnenden Blick zu, woraufhin dieser nur mit den Augen rollte.
      Matteson bekam davon nicht viel mit, zu sehr war sie damit beschäftigt ihre Empfindungen einzudämmen und zu sortieren. Wortlos verschwand sie in dem kleinen Raum.



      Bull lehnte sich neben Gibbs an die Wand. „W-weißt du, w-was da los war?“

      Der Lance Corporal zuckte mit den Schultern. „Nein, aber ich ahne es. Dieser Gunny hat mir vom ersten Moment an nicht gefallen.“

      „E-Er i-ist e-e-ei-ein B-b-b …“

      „Bastard – ich weiß“, stimmte Gibbs zu und musterte seinen Freund. „Hat er dich schon vorgehabt?“

      Dean Hunt war ein willkommenes Opfer für geltungsbedürftige Vorgesetzte. Der PFC war beinahe zwei Meter groß und breit wie ein Schrank, allerdings war ihm die Freundlichkeit in das rundliche Gesicht gemeißelt und zudem stotterte er, sobald er unter Druck geriet. Ihr DI in Parris Island hatte ihnen ganze Monologe dazu vorgetragen, dass Hunt ein idiotischer Ochse war – so groß und so dumm. Noch immer konnte Gibbs die Wände hochgehen, wenn er nur darüber nachdachte. Zum Glück hatte ein Staff Sergeant irgendwann gemeint, dass Stärke auch aus starken Metaphern entstehen kann. Aus dem Ochsen wurde Bull – ein Kerl mit Eiern in der Hose!

      „Och … H-habs sch-schon v-verg-gessen …“, meinte Dean nun mit einem ruhigen Grinsen, bevor sein Gesicht wieder ernst wurde und er Gibbs musterte. „A-aber d-du wolltest z-zur K-kr-krankenstation gehen, Gibbs! I-ich k-kann a-auch allein auf M-Matteson aufpassen.“

      Doch Gibbs machte nur eine abwertende Handbewegung. „Das hat auch Zeit bis morgen. Spiel dich bloß nicht so auf, als wärst du meine Mutter!“

      „D-Du f-frierst b-bei 40°G-Grad u-und d-du hast d-den halben N-Nachmittag g-gekotzt … Das ist kein Spaß!“

      Jethro schnaubte genervt. „Ich bin ok, Bull. Lass mich damit in Ruhe! Matteson geht vor!“

      Doch insgeheim wusste Gibbs, dass sein Freund recht hatte. Er fror tatsächlich und hätte sich am liebsten ein Sweatshirt übergezogen. Während ihm zeitgleich der Schweiß über das Gesicht lief. Allerdings tat sein Bauch nicht so sehr weh, dass es nicht zum Aushalten war. Er hatte sich einfach irgendeinen Virus eingefangen und würde das nun aussitzen. Ein Arztbesuch war vollkommen überflüssig.

      Das Öffnen der Badezimmertür riss ihn aus seinen Überlegungen.

      „Alles klar?“, wollte er wissen und suchte den Blick seiner Kameradin. „Sagst du uns, was da draußen los war?“

      Der Lance Corporal stieß sich von der Wand ab und durchquerte das Zimmer, um sich auf seine Bettkante zu setzen.

      Matteson zuckte mit den Schultern und kletterte neben Gibbs auf dessen Bett. Mit einem Seufzen lehnte sie sich gegen die Wand. „Sie sollten uns wenigsten einen Stuhl in die Stube stellen …“, murrte die Dunkelhaarige leise.

      „Mich stört es eigentlich nicht Dich in meinem Bett zu haben“, entgegnete Gibbs frech und suchte ihren Blick. „Was war los mit dem Gunny?“

      „Ich hab ihm das Knie in die Eier gerammt“, wisperte Matteson leise und schloss mit einem verzweifelten Aufstöhnen die Augen. „Scheiße … Der verfluchte Mistkerl wird mich fertigmachen!“

      Bull stieß hastig Luft aus und verzog das Gesicht. „U-und warum ha-hast du das gemacht?“

      Matteson kniff die Augen zusammen und zischte zornig: „Weil der Gunny ein widerliches Arschloch ist!“

      Gibbs rutschte auf seiner Matratze zurück, sodass er nun neben Matteson an der Wand gelehnt da saß. Er musterte ihr Profil und presste die Kiefer aufeinander. „Wollte er … dir an die Wäsche?“

      Sie nickte stumm, während ihre Miene einen trotzigen Ausdruck annahm. „Er ist eine widerliche Drecksau!“

      „D-du soll-solltest d-das dem L-Lieutenant sagen, M-Matts. I-ich h-hatte Dienst i-in der S-schreibstube u-und habe gehö-hört, w-wie R-ryan s-sich m-mit dem Co-colonel u-unterhalten hat. E-ein PFC v-von h-hier h-hat sich be-beschwert, weil der Gunny i-ihm e-einen Kn-knüppel zwischen die B-beine geworfen hat. U-und es g-gab w-wohl w-weitere Be-beschwerden.“

      „Das geht nicht. Er hat damit gedroht Euch fertigzumachen, wenn ich auch nur einen Ton sage. Er weiß doch jetzt schon, dass ihr Bescheid wisst.“ Gibbs erkannte die Furcht im Blick seiner Kameradin und zog sie in seine Arme.

      „Der Scheißkerl kann uns nichts, Joan. Nicht wenn wir zusammenhalten.“

      Bull nickte bestätigend, doch Matteson blickte die Jungs zweifelnd an.

      „Aber morgen früh, das Frühtraining. Er hat bereits angekündigt die Gruppen aufzulösen. Einzeltraining, Querfeldein.“ Ihre Stimme klang beinahe verzweifelt.

      „Er wird den Start überwachen, aber er kann nicht überall sein. Der Erste läuft ein – zwei Kilometer und wartet dann, sodass der nächste aufschließen kann und wir in der Nähe zueinander bleiben können. Keine Sorge!“

      Gibbs spürte Bulls Blick auf sich und starrte finster zurück. Doch sein Freund ließ sich nicht einschüchtern. „Q-querfeldein, Gibbs!“

      „Halt die Klappe!“

      Irritiert schaute Joan von einem zum anderen. „Was ist?“

      „E-er h-hat …“

      Gibbs löste sich hastig von der jungen Frau und rutschte vor zur Bettkante. „Du sollst still sein, Bull! Ich bin ok!“

      „D-du b-bist e-ei-ein Vo-vo-vollt-trottel, Ll-le-leroy!“ Wie immer wenn Bull in Rage geriet, bekam er kaum ein Wort heraus. Zornig erdolchten die Freunde einander mit ihren Blicken. Gibbs hasste es, dass Dean genau wusste, wie er ihn zur Weißglut bringen konnte. Der merkwürdige, verrückte Leroy, der er nicht mehr sein wollte und schon lange nicht mehr war. Dean wusste das alles und setzte es gegen ihn ein. Ein schöner Freund war das!
      „D-du w-wirst Sh-shannon n-nicht t-treffen k-können, w-wenn d-du k-krank im B-bett liegst!“ Der Marine wandte sich von seinem Freund ab und streckte Joan eine Hand entgegen. „S-soll i-ich d-dich in d-deine S-stube bringen, M-Matts? T-terror-B-barbie w-wird b-best-stimmt au-auf dich a-aufpassen k-können!“ Bull grinste breit bei der Erwähnung von der jungen Soldatin, die mit Joan eine Stube teilte. Die Blonde kam direkt von den Hollywood-Marines und hob sich hier deutlich von den meisten Soldatinnen ab – sie bot den Jungs allerdings mächtig was fürs Auge.

      Joan nickte nur und rappelte sich langsam auf. „Du siehst das Mädchen aus dem Zug also wieder?“

      Gibbs lächelte verlegen und senkte den Blick. „Ja, sie geht in Woodbridge aufs College. Wir wollen uns morgen treffen.“

      Joan nickte und zwang sich zu einem Lächeln. „Und was hat Bull damit gemeint, dass du sie nicht sehen wirst, wenn du im Krankenhaus liegst. Bist du krank?“

      Jethro lachte auf. „Nein – er macht mich krank! Aber das ist was anderes. Bull ist schlimmer als jede überfürsorgliche Mutter!“



      Neu *29.07.2016*

      Als am nächsten Morgen der Weckruf ertönte, fiel es Gibbs schwer sich aus dem Schlaf zu kämpfen. Sein Kopf war merkwürdig wattig und seine Muskeln schienen verkrampft und zäh. Müde schob er sich aus dem Bett und wankte hinüber zum Waschbecken, um sich die Zähne zu putzen. Mit einem Stöhnen griff er sich an den Kopf. Das schrille Läuten des über Lautsprecher hallenden Wecksignals ließ es hinter seiner Stirn dröhnen.

      Gibbs war, von einigen wenigen Kinderkrankheiten einmal abgesehen, noch nie ernsthaft krank gewesen. Dass sein Körper fieberte, war ihm vollkommen fremd. Doch Bull hatte, nachdem er Joan auf ihre Stube begleitet hatte, noch einmal seine Lieblingslektüre unter dem Bett hervor gezogen und voller Eifer zitiert.

      Bei dem Gedanken daran knirschte Jethro unwillkürlich mit den Zähnen. Was hatte er sich nur dabei gedacht, einen angehenden Sanitäter zu seinem besten Freund zu machen?

      Fieber war ein gängiges Symptom eines entzündeten Blinddarms, hatte Bull zu schwadronieren gewusst und gemutmaßt, dass Gibbs vermutlich noch vor dem Mittagessen am folgenden Tag im OP landen würde.

      So sehr ihm das Geschwafel seines Freundes auf die Nerven gegangen war, der Lance Corporal musste sich eingestehen, dass er heute nicht in Bestform war.

      Er fühlte sich schlapp, sein Bauch schmerzte sehr und er schnappte unwillkürlich nach Luft, als er sich hinunterbeugte, um seine Stiefel zu schnüren. Schmerzhaft zog es durch seinen Unterbauch, sodass er die Zähne zusammenbeißen musste, um nicht laut aufzustöhnen.

      Glücklicherweise war am heutigen Morgen sein Mitbewohner mit dem Küchendienst gestraft, sodass Jethro sich nicht vor ihm zu rechtfertigen brauchte, warum er einen Besuch beim Sanitätsdienst noch immer ablehnte.

      Nun würde er sich allerdings beeilen müssen, wenn er es pünktlich zum Frühtraining schaffen wollte.

      Gerade als er die Stubentür hinter sich schloss und den offenen Gang entlangeilte, hielt ihn die Stimme des verhassten Gunnys zurück. Jethro presste die Kiefer aufeinander. Joans Befürchtung schien sich zu bewahrheiten. Nun hatte der Mann es auf sie alle abgesehen.

      „Lance Corporal Gibbs! Wo wollen Sie hin?“

      „Sir, zum Frühtraining, Sir!“

      Der Mann musterte ihn finster. „Sie haben Ihr Marschgepäck vergessen, ShitBrick!“

      Gibbs kniff die Augen zusammen und musterte den Gunny irritiert, doch dann wandte er sich wortlos um und lief zurück in seine Stube. Als er sich das 20 Kilo schwere Gepäckstück auf den Rücken schwingen wollte, durchzuckte ein glühender Schmerz seinen Unterleib. Es kostete den Marine Mühe sich nicht auf die Knie fallen zu lassen. Schweratmend kämpfte der Mann mit seiner Ausrüstung, bis diese Vorschriftsmäßig an seinem Körper saß.

      Der Schweiß rann ihm aus jeder Pore und für den Moment schloss er die Augen, um das unangenehme Schwindelgefühl in den Griff zu kriegen. Dann stieß er sich von der Wand ab und lief los, während er bei jedem Stoß das Gefühl hatte es würde ihn zerreißen.

      Sieben Kilometer Querfeldein …

      „Lance Corporal Gibbs! Ihre Ausrüstung ist unvollständig!“, brüllte der Gunny, der in kurzer Entfernung an einen Baum gelehnt dastand und den Bick nicht von seiner Uhr hob. „Ich will Sie in fünf Minuten auf dem Trainingsplatz sehen – mit ihrer Waffe!“

      Ohne länger darüber nachzudenken, dass er diesen Befehl nicht mal in Topform würde erfüllen können, sprintete der Marine los. Im vergangenen Jahr hatte er sich daran gewöhnt mit zusätzlichem Gewicht zu laufen, sodass es ihm allmählich wieder leichter fiel. Die Schmerzen in seinem Unterbauch ebbten kaum ab, doch er schob sie von sich und zwang sich weiterzulaufen. Wenn nur sein Mund nicht so unangenehm trocken und sein Kopf nicht so sehr schmerzen würde.

      In der Waffenkammer nannte er dem diensthabendem Marine seine Kennnummer und erhielt binnen kürzester Zeit seine Waffe inklusive der Munition.

      Während in Lejeune jeder Marine seine Waffe in der Stube verwahrte, wurden sie hier in Quantico gesondert aufbewahrt, um den Ausbildern jederzeit unangekündigt Zugang zu ermöglichen. Doch das war nicht Gibbs Problem, er hielt seine Waffe nahezu pedantisch in Ordnung.

      Der Marine in der Waffenausgabe war deutlich Älter als er und musterte ihn nun stirnrunzelnd. „Geht es Ihnen gut, Junge? Sie sehen aus, als ob Sie gleich aus den Latschen kippen!“

      Gibbs ging nicht darauf ein und winkte nur ab. Dann wandte er sich um und rannte los. Es blieb ihm lediglich noch eine Minute. Seine Gedanken rasten während er sich vorzustellen versuchte, wie die folgenden Sanktionen aussehen würden. Würde der Gunny nun ihn bestrafen, oder einen seiner Kameraden?

      Gibbs Herz trommelte hastig gegen seine Brust. Bereits jetzt war der junge Marine von Kopf bis Fuß schweißnass.

      Als endlich der Trainingsplatz in sein Blickfeld kam erkannte Gibbs, dass Joan bereits losgelaufen war und auf den Wald zuhielt. Erleichterung durchströmte ihn. Der Gunny konnte seine folgenden Sanktionen nicht auf Matteson beziehen.

      „Lance Corporal Gibbs! Ich hatte schon nicht mehr mit Ihnen gerechnet! Los, los! Laufen Sie nur. Sie laufen die Runde zweimal! Und sollten Sie dazu länger brauchen als 70 Minuten, wird PFC Drake für die nächsten sieben Tage auf der Grünfläche vor dem Fuhrpark schlafen. Laufen Sie, Marine! Los!“

      Zähneknirschend führte Gibbs den Befehl aus. Nachdem er einige hundert Meter gelaufen war, tauchte neben ihm ein Marine aus seinem Squad auf.

      „Scheiße, Gibbs! Was hast du angestellt? Wir sind doch nicht mehr im Bootcamp. Ich dachte, die Kacke wäre vorbei?“

      Jethro zuckte mit den Schultern. „Der Typ ist total durchgeknallt, Owen. Die Zeit schaffe ich nicht.“

      Sein Kamerad musterte ihn aufmerksam. „Was ist los? Bist du verletzt?“

      Gibbs biss die Zähne zusammen und schüttelte den Kopf. „Nein. Ich bin nur … nur nicht ganz auf der Höhe“, keuchte er, während er spürte, wie sein Körper allmählich seinen Laufrhythmus fand und seine verbohrte Sturheit es schaffte, ihn weiterlaufenzulassen.


      Es dauerte nicht lange bis einige Kameraden aus Lejeune neben Gibbs herliefen.

      „Wem willst du was beweisen, Gibbs? Hör auf!“

      Eine Hand fest auf den schmerzenden Bauch gepresst, lief der Lance Corporal Meter um Meter und ignorierte die besorgten Stimmen der anderen Marines.

      Er horchte erst auf, als er die Stimme des verhassten Ausbilders hörte.

      „Was wird das hier? Ein Kaffekränzchen? Was trödeln Sie hier so rum! Laufen Sie verdammt!“

      Der kleine Pulk rund um Gibbs löste sich auf. Mit deutlichem Widerwillen liefen die jungen Marines schneller und brachten so eine immer größere Distanz zwischen sich und ihren Kameraden.

      Für den Moment hatte auch der dunkelhaarige Lance Corporal den Versuch unternommen sein Tempo zu steigern, doch er hielt das nur wenige Meter durch. Schmerzwellen fluteten seinen Körper, während er blinzeln musste, um das unebene Gelände vor sich erkennen zu können.

      Locker lief der Gunny neben ihm her und registrierte jedes Stolpern und jedes Aufstöhnen des Jüngeren, das sich nicht zurückhalten ließ.

      „In ihren Unterlagen finde ich nur Anerkennungen für ihre Leistungen. Ein exzellenter Schütze sollen Sie sein, tadellose Fitness, ein vorbildlicher Kamerad. Allerdings mit großen Schwierigkeiten, wenn es darum geht Autoritäten zu respektieren.“

      Jethro schwieg und quälte sich weiter Schritt für Schritt voran, während der Gunny wieder und wieder versuchte ihn aus dem Rhythmus zu bringen.

      „Ein freches, unüberlegtes Mundwerk sollen Sie haben. Aber das ist mir egal. Und was die Bewertung ihrer heutigen Fitness angeht – so werde ich um eine negative Bewertung nicht drum rum kommen. Sie schleichen durch den Wald wie meine 90 jährige Großmutter! Ist das schon alles? Ich habe in ihren Unterlagen auch entdeckt, dass Sie eine große Karriere anstreben. Scout Sniper wollen Sie werden!“ Der Mann lachte rau. „Im Moment sind Sie weniger als der Dreck unter meinen Nägeln! Laufen Sie endlich. Kriegen Sie Ihren verdammten Arsch hoch!“

      Gibbs presste die Kiefer aufeinander und kämpfte sich aus der Benommenheit. Der Schmerz pochte heiß durch seine Eingeweide, doch um nichts in der Welt würde er diesem miesen Drecksack eine weitere Angriffsfläche bieten.

      Kurz schaute Gibbs auf und entdeckte Matteson, die von Rechts kommend auf sie zu hielt.

      „Vögeln Sie die kleine Schlampe, Gibbs?“, knurrte der Gunny mit zu einem Grinsen gebleckten Zähnen.

      „Lassen Sie Lance Corporal Gibbs in Ruhe, Sir. Ich bin es doch mit der Sie ein Problem haben. Ich übernehme Gibbs Ausrüstung und laufe für ihn. Drei Mal zehn Kilometer!“

      Gibbs grollte einen unwirschen Laut. „Halt die Klappe, Matts!“ Um nichts in der Welt würde Jethro die junge Frau mit dem Gunny alleine lassen. Er hatte das gefährliche Funkeln in dessen Blick erkannt und ahnte, dass wenigstens eine Sicherung bei dem Mann durchgebrannt war.



      Ungeduldig starrte First Lieutenant Will Ryan dem jungen PFC ins Gesicht. Unerträglich langsam kamen gepresste, zerrissene Worte aus dessen Mund ohne dass der Offizier es schaffte deren Bedeutung zu greifen.

      „Zeigen Sie es mir einfach, Hunt! Das ist doch …“ Ryan schüttelte den Kopf. Was sollten sie mit einem solchen Kerl? Dieser stotternde Riese war nicht in der Lage eine Meldung zu machen – er schaffte es nicht einmal einen Zweizeiler rauszuwürgen. Der Lieutenant hatte aus dem Gestammel des Marines lediglich heraushören können, dass es irgendwann zu einem Zwischenfall mit dem verhassten Gunnery Sergeant Milton gekommen war. Aber was genau vorgefallen war … Er hatte keinen Schimmer, doch anscheinend wurde seine Hilfe gebraucht.

      Zwischen zwei Baracken kam ein weiterer PFC von Hunts Squad gelaufen und keuchte vor Anstrengung. „Sie müssen dem ein Ende setzen, Sir.“

      „Wem soll ich ein Ende setzen, Marine? Was ist denn hier los?“, polterte Will Ryan, während er den beiden Männern im Laufschritt folgte.

      „Der Morgenlauf … Gunnery Sergeant Milton hat irgendwas mit Lance Corporal Gibbs am Laufen, Sir.“

      Ryan stieß ein tiefes Grollen aus. „Was am Laufen? Sitzen die knutschend im Gebüsch?“

      „Nein, Sir, der Lance Corporal musste mit vollständigem Marschgepäck und seiner Waffe zum Lauf erscheinen. Er soll zwei Mal zehn Kilometer laufen – aber, Sir … Irgendwas stimmt nicht mit Gibbs.“

      Zornig blickte der Offizier von einem zum anderen. „Und das ist alles? Sind wir hier im Kindergarten?“

      Hunt schüttelte den Kopf. „Der Gunny wollte Matteson an die Wäsche und Gibbs …“, brachte Bull ohne jedes Zögern heraus, wurde jedoch sofort von Ryan unterbrochen.

      „Wie bitte?“




      *Neu* 31.07.2016

      Der dichte Baumbestand des Waldes lichtete sich langsam und Gibbs wusste, dass sie auf dem Hindernisparcours rauskommen würden. Er peitsche seinen Körper zu physischen Höchstleistungen und spürte, wie der Schmerz allmählich nachließ. Ein Triumphgefühl durchströmte ihn und ließ das Adrenalin durch seine Venen schießen.

      „Hör einfach auf, Gibbs. Bull hat mir gesagt, dass du krank bist. Wir gehen rüber zu den Sanis. Sei doch nicht so verdammt stur!“

      Gibbs nahm Joan neben sich kaum wahr. Er funktionierte und tat genau das, was der Gunny von ihm verlangt hatte. Dieser hielt sich neben ihm und es wurmte Jethro, dass er es noch immer nicht schaffte die volle Leistung zu bringen. Doch der Mann wirkte allmählich erschöpft. Gibbs hörte dessen keuchenden Atem und erneut war der Triumph darüber ihm ein Ansporn.

      „Über die Wand, Shit Brick!“, brüllte der Gunny heiser, als sie den Waldrand erreicht hatten.

      Sofort verschwand die morgendliche Kühle, die ihnen zwischen den Bäumen etwas Erleichterung verschafft hatte. Es war als liefen sie gegen eine stickige warme Wand.

      Jethro nahm lediglich am Rande wahr, dass mehrere Marines in der Nähe waren. Laute Rufe waren zu hören, doch Gibbs schaffte es nicht diese durch das Rauschen in seinen Ohren wahrzunehmen.

      Ohne nachzudenken taxierte er die hölzerne Wand. Ein Rempeln des Gunnys, in dem Moment, in dem Gibbs sich vom Boden abdrücken wollte, sorgte für ein Straucheln, doch der Lance Corporal hatte nicht die Chance zu einem Ausgleich. Er verlor das Gleichgewicht, stieß sich dennoch kraftvoll ab und schaffte es sich über das Hindernis zu ziehen. Auf der anderen Seite landete er hart auf den Füßen. Der Stoß des Aufpralls vibrierte durch seinen Körper und der Schmerz flammte lodernd auf. Gibbs konnte sich den Schmerzensschrei nicht verkneifen und ging zu Boden. Unsanft landete er auf der Erde und versuchte sich sofort wieder aufzurappeln.

      Gibbs sah das herannahen des Gunnys, der anscheinend kehrt gemacht und seinerseits nun die hölzerne Wand erklommen hatte. Doch er schaffte es nicht dem Mann auszuweichen. Milton landete direkt neben Gibbs auf dem harten Erdboden und unternahm nicht einmal den Versuch Gibbs nicht zu streifen.
      Ungebremst landete der schwere Stiefel des Ausbilders auf Gibbs Hand, mit der er sich auf dem Boden aufgestützt hatte. Der Lance Corporal spürte wie seine Knochen unter dem Gewicht des Mannes barsten und schrie vor Schmerzen auf.

      Wie durch einen rotglühenden Nebel spürte der verletzte Lance Corporal Hände, die versuchten ihn von dem schweren Marschgepäck zu befreien. Doch das Zerren an seinem Körper war eine Qual - so behutsam es auch sein mochte. Wenn Sie ihn einfach nur für eine Weile in Ruhe lassen würden.

      Doch schließlich, als er glaubte es nicht länger ertragen zu können, ließen sie von ihm ab.

      Wortfetzen flogen ihm entgegen. Er hörte Bull und Matteson aus dem Durcheinander an Stimmen heraus und schaffte es erneut sich aus dem Nebel frei zu kämpfen. Es kostete in viel Kraft die Augen zu öffnen und den Blick zu lenken - das hatte er nicht erwartet.

      Er nahm seinen eigenen keuchenden Atem wahr und lenkte seine Aufmerksamkeit auf seine Hand. Der Versuch die Finger zu bewegen endete in einem pochenden Brennen und ließ ihn nach Luft schnappen.

      „Nicht! Nicht bewegen, Jethro. Bleib nur liegen. Das wird wieder. Keine Sorge."

      Das wird wieder? Gedanklich durchlief Gibbs die vergangenen Momente. Er schien einen Virus verschleppt zu haben und zwar einen sehr hartnäckigen – die Bauchschmerzen quälten ihn. Und der verdammte Gunny war ihm auf die Hand getreten.

      Er spürte die harte Erde unter sich. Wusste, dass das kurze Gras sonnenverbrannt und hart war. Und es stach ihm in die Seite auf der er lag. Es schien zu wachsen, in seine Haut ein zu dringen, durch seine Muskeln zu stechen ... Er schrie auf, spürte Panik in sich aufsteigen und wollte fliehen. Doch das harte Gras schien ihn festzuhalten und jeder Versuch sich zu bewegen endete in einem Inferno aus stechenden Schmerzen.

      Sie hielten ihn fest - Hände! Er öffnete die Augen und der Lärm der ihm entgegenscholl erschlug ihn schier. Die Stimmen seiner Eltern waren da irgendwo in diesem Durcheinander. Jethro versuchte den Kopf zu heben. Das Gesicht seiner Mutter zu entdecken, doch stattdessen schaute er in fremde, zu blutrünstigen Fratzen verzogene Mienen. Er war in seinem ganz persönlichen Albtraum gelandet und hörte die Stimme seines Vaters. Dessen entsetzten Tonfall.

      Es ist nur ein Traum. Das ist nicht echt.

      Er hörte sich selbst trocken schluchzen, doch er konnte nichts dagegen tun. Wusste er doch genau was sein Unterbewusstsein als nächstes zeigen würde. Diesen Traum kannte er.

      Er hörte das Knarren der Tür, die hineinführte in den halbverfallenen, von Büschen überwucherten Verschlag. Er schrie, doch hier konnte ihm niemand helfen und er wusste, dass sein Traum-Selbst nur Sekundenbruchteile später auch schreien würde. Er erkannte nur Schemenhaft das Innere des Verhaus und stöhnte gequält auf. Er wollte hier nicht sein, diesen Ort nie wieder betreten.

      Doch da war es das Bild aus seinem Kopf, das sich nicht vergessen ließ. Er erkannte die vertraute Figur seiner Mum, ihre Kleidung, ihre Hände, die Jagdwaffe seines Vaters in der Rechten, ihre Arme, Schultern - sein Schrei war markerschütternd. Ihr Gesicht - eine blutige Fratze.

      Er hatte sich doch nur verstecken wollen, damit der verfluchte Chuck Winslow und dessen Freunde ihn nicht wieder verprügeln konnten – und war in seinem persönlichen Albtraum gelandet.

      Endlich - endlich rannte der kleine Leroy davon. Weg, nur weg, immer schneller. Wenn es nur nicht so wehtun würde.



      Langsam schlenderte die Rothaarige durch das bewaldete Gebiet des Leesylvania National Parks. Sie war zu früh - das passierte ihr andauernd. Doch es war nicht weiter schlimm. Sie würde einfach warten, bis ihr Date da war und dann zum verabredeten Ort gehen.

      Er hatte sie überrascht. Und das nicht nur mit dem Vorschlag sich ausgerechnet hier zu treffen. Der Leesylvania National Park bot eine Vielzahl an Freizeitaktivitäten. Doch, dass er sie unbedingt zu einem Ausritt einladen wollte, das hatte die Rothaarige nicht erwartet. Sie hatte nicht einmal gewusst, dass er reiten konnte. Der Marine hatte wirklich viele Gesichter.

      Leroy Jethro Gibbs hatte sich nicht abschütteln lassen. Nach ihrer gemeinsamen Zugfahrt von Stillwater nach Virginia hatte sie ihm gesagt, dass er schon selbst herausfinden musste wie er Kontakt zu ihr würde halten können.

      Shannon hatte nicht schlecht gestaunt, als nur wenige Wochen später ein erster Brief von ihm an ihrer Tür im Zimmer des Studentenheimes klemmte. Und noch überraschender empfand sie es, nahezu in jeder Woche zwei Briefe von ihm zu bekommen.

      Und sie beantwortete jeden. Gerade hatte sie angefangen zu fotografieren. Ein recht kostspieliges Hobby, doch ihre Aufnahmen waren gut und so gönnte sie sich dieses Freizeitvergnügen.

      Sie schickte ihm regelmäßig Abzüge ihrer Bilder, und Gibbs hatte ihr geschrieben, dass er ihre Aufnahmen mochte und sie immer wieder dazu ermuntert weiter zu machen.

      Im Tausch dafür hatte sie von ihm kleine Skizzen bekommen. Die Bleistiftzeichnungen zeigten oft Boote, doch genauso waren Möbel zuerkennen, kleine Tiere - Fabelwesen. Noch dazu hatte er ihr geschrieben, dass er all diese Dinge irgendwann aus Holz formen würde.

      Ihr Herz machte einen verhaltenen Freudensprung. Sie liebte ihren Briefkontakt und wollte ihn nicht mehr missen. Doch trotzdem konnte sie sich nicht uneingeschränkt auf den Besuch des jungen Marines freuen.

      Was wäre, wenn er ein ganz anderer war, als der, den sie nun anhand seiner Zeilen gedanklich geformt hatte?

      Doch was sollte so gravierend sein, dass sie ihn nicht Wiedererkennung würde?

      Sie spähte den Weg hinunter und entdeckte das Tarnmuster einer Marineuniform - doch es war nicht Jethro, der sicher nicht in Uniform zu ihrer Verabredung auftauchen würde. Stirnrunzelnd ging sie über den Weg, zögerte dann und schaute sich blinzelnd um. Obwohl ihre verabredete Uhrzeit bereits seit einigen Minuten verstrichen war, fehlte von Gibbs jede Spur. Mit klopfendem Herzen ging sie in Richtung der Parkbank, an der sie sich verabredet hatten. Unschlüssig blieb sie davor stehen und blickte sich noch einmal um.

      Shannon spürte einen ersten Stich der Enttäuschung. Mit bebenden Finger griff sie in ihre Umhängetasche und holte seinen letzten Brief heraus, um ihn noch einmal zu lesen. Womöglich hatte sie sich geirrt. Vielleicht stimmte der Tag nicht, oder die Uhrzeit oder der Treffpunkt. Vielleicht war sie hier an der verkehrten Stelle und Jethro ging es wie ihr.

      Sicher würde er wartend an einem anderen Flecken in diesem weitläufigen Park stehen und genauso verunsichert wie sie selbst immer wieder zu seiner Uhr starren. Sicher war es nur ein Missverständnis.

      „Vielleicht hältst du mich für albern, Shannon, aber ich bin wirklich froh darüber, dass es in deinen Regeln nichts gibt, was gegen ein Date mit einem Marine spricht.

      Die Sekunden zählend,
      Gibbs“

      Ein klassischer Dreizeiler, wie sie es von dem Marine gewohnt war. Er verlor scheinbar nie viele Worte. So auch in diesem Brief nicht. Doch zumeist fand er diejenigen, die ihr Herz berührten. Ganz unten auf dem fast leeren Papier hatte er Tag, Uhrzeit und Treffpunkt notiert. Ihr Blick glitt noch einmal über die Umgebung. Es war alles richtig.

      Ihre Kehle schnürte sich zusammen und ein unangenehmes Brennen loderte hinter ihrem Brustbein auf. Er hatte sie versetzt.

      Fassungslosigkeit und unendliche Enttäuschung brandeten in ihr auf. Sie stand auf, stockte. Suchte mit letztem hoffnungsvollem Blick noch einmal die Wege und Grünflächen ab. Keine Spur von ihm. Mit einem unwirschen Schnauben zerknüllte sie seine Nachricht und warf sie achtlos auf die Bank.
      „Du verfluchter Mistkerl!“, knurrte sie leise, dann wandte sie sich ab und eilte davon.



      Neu *01.08.2016*



      Die Patientenakte aufmerksam lesend, trat Dr. Malcolm Pilteras an das Bett seines Neuzuganges. Der junge Marine hatte es eindeutig zu weit getrieben. Rasch ließ der Mediziner sich von einer Krankenschwester die aktuellen Werte nennen und zeichnete die Akte ab. Dann schüttelte er den Kopf und musterte den blassen jungen Mann besorgt. „Wir Jarheads sind verteufelt harte Hunde, aber ich habe damals auch gelernt, dass mein Körper mein Kapital ist. Aber es gibt sie doch immer wieder, diese Kerle, die auf Biegen und Brechen alle Warnsignales ihres Körpers missachten.“
      Der grauhaarige Intensivmediziner schüttelte den Kopf und legte dem Lance Corporal eine Hand auf die Schulter, als sich dessen Gesicht im Fiebertraum qualvoll verzog.
      „Wissen Sie was der Vorgesetzte des Jungen mir gerade gesagt hat, Schwester Mary. Er hat mir erzählt, dass der Kleine hier bis zu seinem Zusammenbruch ein Querfeldeintraining mit vollem Marschgepäck absolviert hat. Knapp 7 Meilen unwegsames Gelände mit mehr als 20 Kilogramm Ausrüstung am Körper. Laut der Auskunft eines Kameraden hatte er bereits gestern Beschwerden inklusive Fieber und Erbrechen.“
      Die blonde Frau schüttelte Fassungslos den Kopf und deutete auf die Hand ihres Patienten. „Ich würde seine Hand gerne noch kühlen, Doctor. Die Schwellung ist doch sehr stark.“
      Dr. Pilteras nickte, während er sich vorbeugte und einen Blick auf die Gliedmaße warf. „Wie ist das passiert?“, wollte er wissen und griff erneut nach der Akte.
      „Scheinbar ist ein zweiter Marine auf seine Hand getreten, als er am Boden lag“, wusste die Schwester zu berichten.
      Der Mediziner zog die Augenbrauen hoch. „Ein Glückspilz ist er nicht gerade, unser DevilDog. So, dann werde ich sein Squad mal beruhigen und seinen Vorgesetzten kontaktieren. Haben Sie es gehört, Schwester? Seine halbe Einheit wartet auf Nachricht von dem Jungen.“ Er schmunzelte und legte dem Jungen noch einmal die Hand auf die Schulter. „Sie scheinen ein guter Kerl zu sein. Also, machen Sie keinen Ärger und werden sie auf dem kürzesten Weg wieder gesund.“
      „Doctor – eins noch. Die Beatmung? Bis wann etwa?“
      Der grauhaarige Arzt musterte seinen Patienten. „Für die nächsten Stunden bleibt es dabei, dann wollen wir mal weiter sehen. Beobachten Sie bitte ob er noch unruhiger wird. Seine Körpertemperatur sollte langsam fallen, und dann wird er sicher auch ruhiger. Wenn nicht überlegen wir uns was – er soll sich erholen, nicht durch irgendwelche Albträume quälen.“



      Es war bereits später Abend, doch im Verwaltungstrakt der Marine Corp Base in Quantico herrschte noch immer reger Betrieb. Junge Männer und Frauen, denen die Erschöpfung anzusehen war, standen und saßen schweigen in dem Flur vor den Räumen ihrer Vorgesetzten. Ihrer Empörung über die Ereignisse des Tages hatten die Marines längst Luft gemacht, zurück blieben Fragen und Müdigkeit. Noch immer war es unangenehm heiß und schwül. Durch ein kleines Fenster am Ende des Ganges war zu erkennen, wie hohe Wolkentürme sich näherten.
      Über alle dem ertönten immer wieder die rüden Stimmen ihrer Vorgesetzten, die scheinbar uneinig waren, wie man weiter verfahren sollte.
      Die PFCs Matteson und Hunt saßen etwas abseits der anderen am Boden. Die dunkelhaarige Frau hatte die Lippen festaufeinander gepresst, während ihr Blick verriet, dass sie mit ihren Gedanken weit weg war. Nur bruchstückhaft nahm sie die Ausführungen ihres Kameraden wahr.
      Dean „Bull“ Hunt schwadronierte über Blindarmdurchbrüche, Frakturen der Mittelhandknochen und diverse andere Verletzungen. Joan seufzte tief und strich dem anderen mit einem schiefen Grinsen über den Arm.
      „Ich mache mir auch Sorgen um ihn“, wisperte sie leise, woraufhin Bull verstummte und nickte.
      „Man, wie er da lag und …“ Er fuhr sich mit einer Hand über das schweißglänzende Gesicht. „Wir hätten ihn vorher ausbremsen müssen. Wir hätten ihn einfach zu den Sanis schleifen müssen. Scheiß doch auf Kollektivstrafen und Erniedrigungen. Ich werde sowas nicht mehr mitmachen, Matts. Die können mich hier alle mal. Echt.“
      Joan wandte ihm den Blick zu. „Willst du … Wirst du hinschmeißen?“
      Er schwieg eine Weile und sie spürte die Unruhe in ihm aufsteigen. „I-ich w-w-weiß auch n-nicht. D-Das wa-was da h-heute gel-gelaufen ist, w-war f-fürn A-Arsch.“
      Joan nickte und befürchtete, dass es vielleicht jetzt der Moment war, an dem ihrem Freund und Kameraden alles hier zu viel wurde. Für Bull war die Zeit hier im Corps schwieriger als für sie und viele anderen.
      Gerade als sie etwas entgegnen wollte, öffnete sich eine Tür und Lieutenant Ryan spähte den Flur hinunter. „Matteson! Hunt!“, bellte der junge Ausbilder unwirsch. Hastig rappelten die Zwei sich auf und folgten der unausgesprochenen Aufforderung.
      Hinter einem ausladenden Schreibtisch saß Colonel Ellison, flankiert von zwei Männern in JAG-Uniformen. „Guten Abend“, die Stimme des Colonels war ruhig. Er schenkte den beiden jungen Marines ein nachsichtiges Lächeln. „Stehen Sie bequem. Erst einmal sollte Lieutenant Ryan Sie beide von Ihren größten Sorgen befreien. Sie sind Freunde von Lance Corporal Gibbs?“
      „Sir, ja, Sir!“, schmetterten Joan und Dean folgsam.
      „Er ist bereits auf der Aufwachstation und hat die Operation gut überstanden. Genauere Auskünfte kann ich Ihnen nicht geben, aber laut der Prognose des Mediziners deutet alles auf einen positiven Verlauf hin.“
      Joan schloss für einen Moment die Augen und nickte erleichtert. Dann schaute sie auf und sah, wie Lieutenant Ryan sich mit einer Hand über das Gesicht fuhr. „Wir müssen von Ihnen verlangen, dass Sie uns ausführlich schildern, was zu den heutigen Vorkommnissen geführt hat.“
      Und so berichteten die beiden PFCs.



      Es war ein schöner Traum gewesen. Doch scheinbar war es nie mehr als das gewesen. Shannon zog die Knie an ihren Körper und ließ den Kopf sinken. Einer seiner Briefe, dessen Zeilen sie gerade noch einmal gelesen hatte, glitt aus ihren Fingern und schwebte lautlos zu Boden, während Elvis Stimme leise im Hintergrund sang. Heiße Tränen rannen über ihre Wangen.
      Für wie albern hatte sie es insgeheim gefunden, wenn eine ihrer Kommilitoninnen sich tagelang weinend einschloss – wegen eines Jungen. Nun erfuhr sie die Qual einer Zurückweisung am eigenen Leib und es schmerzte entsetzlich. Es fühlte sich an, als würde ihr Herz in Flammen stehen. Und sie würde sich niemandem anvertrauen können. Der Marine war ein Phantom und einige ihrer Kommilitoninnen zerrissen sich bereits das Maul darüber, dass der geheimnisvolle Briefschreiber womöglich gar nicht echt wäre.
      War es für Gibbs nur ein Spiel gewesen? Hatte er sich in seinen Briefen nur einer Fantasie hingegeben, die in der Realität keinen Bestand haben konnte?
      Vielleicht war er in dem Park gewesen und hatte sie beobachtet und herausgefunden, dass sie nicht die war, nach der er sich in seiner Vorstellung gesehnt hatte. Vielleicht hatte er sie anders in Erinnerung. Ihr Haar war etwas kürzer und sie hatte Jeans getragen. Jeans und eine Bluse. Sie hatten reiten gehen wollen. Da hätte sie wohl kaum ein Sommerkleid tragen können. Hatte er aber vielleicht so etwas erwartet? Hatte er sie unbemerkt gesehen und sie unattraktiv gefunden?
      Shannon ließ sich auf die Seite sinken und zog ihr Kissen vor die Brust. Sie schaffte es nicht aufzuhören zu weinen, wie albern. Wie schrecklich albern. Es hatte doch nichts gegeben für sie, von einem stupiden Briefwechsel einmal abgesehen. Alles andere waren doch nur ihre Wunschvorstellungen gewesen. Sie kannte diesen Gibbs doch gar nicht. Was stellte sie sich denn jetzt so an?


      Neu *03.08.2016


      Dumpf drangen Geräusche an seine müden Empfindungen, doch nur Sekundenbruchteile später schien ihn eine Welle glühenden Schmerzes zu überrollen. Unwillkürlich schnappte er nach Luft und hörte sein eigenes gequältes Aufstöhnen aus weiter Ferne.

      Nur langsam schrumpfte sein Schmerzempfinden auf ein beinahe erträgliches Maß, sodass er versuchen konnte den Ursprung ausfindig zu machen. Eine Bestandsaufnahme. Sein Bauch … Unwillkürlich wollte er mit einer Hand die schmerzende Stelle befühlen, als er auch in dieser eine unangenehme Starre spürte. Er zwang sich zur Konzentration und versuchte sich zu erinnern. Er hatte sich nicht gut gefühlt. Nun kam es ihm wieder in den Sinn. Dieser stechende, reißende Schmerz, als er sein schweres Marschgepäck angehoben hatte. Aber was war mit seiner Hand? Er würde die Augen öffnen müssen. Seine Finger schienen vollkommen unbeweglich und ein dumpfer Schmerz – überlagert, von dem Inferno in seinem Leib – konnte er ausmachen. Vielleicht würde er auch einfach wieder wegdriften. Er sehnte die gnädige Schwärze herbei, doch scheinbar gab es kein Einsehen für ihn. Das stete Rauschen und Wummern seines eigenen Pulsschlages in sden Ohren verebbte leicht und wurde nun untermalt von einer geschäftigen Geräuschkulisse und einem anhaltenden Redeschwall in einer Sprache, die er nicht zu verstehen schien.

      Jethro Gibbs zwang sich die Augen zu öffnen. Sein Blick fiel auf helle Vorhänge, welche die Sonne aussperrten. Wie ein stets Summen umhüllte ihn das Gebrabbel einer Person, die sich nicht in seinem Sichtfeld aufzuhalten schien. Langsam und unter unendlicher Kraftanstrengung drehte er seinen Kopf, um die Quelle dessen ausmachen zu können.

      Die gedrungene Gestalt einer Frau erschien in seinem Blickfeld. Sie schien den Boden zu wischen – und dabei pausenlos zu reden.

      „Auch nicht schlimmer, als der Weckruf auf der Base, oder Kleiner?! Ich hab mal geklingelt. Du siehst aus als bräuchtest du noch ne Menge Dope, um richtig klarzukommen.“

      Jethro blinzelte, hätte gerne herausgefunden wer da mit ihm gesprochen hatte, doch er schaffte es nicht seine Lider länger offen zu halten. Doch noch immer ließen die unangenehm reißenden Schmerzen in seinem Bauch kein sanftes wegdriften zu. Sie nahmen all seine Sinne vollkommen für sich ein – es war nebensächlich geworden herauszufinden, was mit seiner Hand nicht stimmte.

      Wieder hörte er dieses gepeinigte Stöhnen – und schämte sich unwillkürlich dafür, nichts dagegen tun zu können. Zudem fror er. Die Kälte kroch an seinen bleischweren Beinen empor und legte sich wie eine eisige Decke über ihn. Er spürte, wie ein unkontrollierbares Zittern seine Glieder erfasste. Der junge Marine presste die Kiefer fest aufeinander, um nicht auch noch mit den Zähnen zu klappern.

      „Oh man, du hast nun genau den Schichtwechsel erwischt. Da dauert das manchmal bisschen, Kumpel. Ich klingel einfach weiter und du machst dir paar schöne Gedanken, was.“ Die Stimme klang ruhig und besonnen. Wie an einen Rettungsanker hängte Gibbs seine Aufmerksamkeit daran und hoffte, dass dieser Jemand einfach weiter mit ihm sprechen würde. Und der Mann tat ihm den Gefallen. „Mich hatten sie vorgestern unterm Messer. Blinddarm. Bei dir auch, was? Mich hats mitten im Manöver erwischt. Ist zum Kotzen, wenn die Narkose raus ist. Aber die geben dir gleich was, Kleiner, dann wird’s besser. Aber der Tag ist für dich gelaufen. Der kann weg. Ah, da kommt ja schon deine Rettung.“

      Gibbs blinzelte wieder und erkannte schemenhaft eine in weiß gekleidete Person. Nur die Aussicht auf Linderung und Schlaf, ließ ihn vergessen, dass er jede Art der medizinischen Behandlung verabscheute.

      „Guten Morgen, Lance Corporal. Na, da haben Sie ja für reichlich Wirbel in ihrer Einheit gesorgt.“

      Er reagierte nicht auf die Worte. Es wäre einfach zu anstrengend gewesen.

      „Das Fieber ist wieder gestiegen. Machen Sie keinen Ärger, Leroy. Da sind ne Menge Leute, die darauf brennen sie zu sehen.“

      „Jethro …“, krächzte er heiser und mit kaum hörbarer Stimme. „Nicht … Leroy.“

      Er spürte ihre Hand auf seinem Arm. „Na schön, wie Sie wollen, Jethro. Es wird Ihnen gleich besser gehen und Sie werden noch ein wenig schlafen können.“

      „Was … Warum bin …“

      „Warum Sie hier sind? Sie hatten einen Blinddarmdruchbruch, Jethro. Man hat sie operiert, zudem haben Sie sich die Hand gebrochen. Da haben Sie allerdings Glück gehabt, das wird sicher gut heilen. Nun versuchen Sie noch ein wenig zu erholen.“

      Das Herz schlug ihm bis zum Hals und er spürte, wie ihm der kalte Schweiß ausbrach. Sie hatte seinen Körper aufgeschnitten. Er presste die Kiefer aufeinander und rang seine blutigen Fantasien nieder. Schob Gedanken an scharfe Skalpellklingen und chromglänzende Instrumente weit von sich. Und nun endlich überrannte ihn erneut eine bleierne Schwärze, welche die unliebsamen Vorstellungen davon spülte und nichts überließ als Stille und erholsames Nichts. Die Krankenschwester hatte die Wahrheit gesagt. Es war als würden warme Wellen über ihn hinweg gleiten und diesen infernalischen Schmerz, die Angst aus seinem Körper spülen.

      Gibbs hätte weinen mögen vor Erleichterung, doch seine Erschöpfung siegte und zog ihn mit sich in eine traumlose, erholsame Tiefe.



      Es war für ihn nicht auszumachen, wie lange er geschlafen hatte, doch als seine Gedanken das nächste Mal in Richtung Bewusstsein drängten, hatte sich das Licht seiner Umgebung verändert. Und auch die Geräuschkulisse war eine andere. Er spürte in sich hinein. Noch immer schien da ein monströses Etwas in seinen Eingeweiden zu toben, doch es schien hinter einem dichten Nebel gefangen zu sein, auch wenn es sich scheinbar zu befreien versuchte.

      Gibbs zuckte zusammen, als etwas feuchtkaltes ihn an der Stirn berührte.

      „Pssst, schon gut. Ich wollte dich nicht erschrecken.“

      Mattesons Stimme drang in sein Bewusstsein und er spürte wie seine Lippen sich unwillkürlich zu einem Lächeln verzogen.
      „Du versetzt hier alles in Sorge, weil du scheinbar immer noch zu hohes Fieber hast.“

      Er spürte ihre Hand an seinem Arm, lauschte der Melodie ihrer Stimme und wunderte sich über die merkliche Veränderung darin. So schläfrig seine Sinne auch sein mochten, eine Erkenntnis traf ihn nun klar und deutlich. Es war wie ein Reflex seinen Arm fortzuziehen.

      „Matts …“, murmelte er tonlos und durchbrach damit ihr liebevolles Gerede.

      „Hey, gut, dass du tatsächlich wach wirst. Ich war mir nicht sicher.“

      Er blinzelte und erkannte sie dicht vor sich. Ihre Finger strichen über seine Wange und er verzog das Gesicht. Leicht schüttelte er den Kopf und griff mit seiner unverletzten Hand nach ihrer.

      „Vorsicht! Nicht den Infusionsschlauch rausreißen“, wies sie ihn leise an.

      Blinzelnd suchte er ihren Blick. „Matts …“, sagte er nur wieder leise und zwang sich die Worte auszusprechen, die er schon viel eher hätte sagen müssen. „Hätte ich … ich mir eine Schwester backen können, dann … dann wäre sie wie du gewesen.“ Er war nicht gut in Worten, doch im Moment lag wohl seine Hemmschwelle deutlich tiefer als gewöhnlich und so hoffte er ihr nicht unnötig wehzutun.

      Er spürte, wie sie sich versteifte, erkannte, wie sie ihre Lippen aufeinanderpresste und schloss erschöpft und feige erneut die Augen. Sie hatte wohl verstanden, was er ihr damit hatte sagen wollen.

      „Ist Bull auch hier?“, murmelte Gibbs mit undeutlicher Stimme. Nicht allein, dass diese Situation ohnehin unangenehm war, meldete sich nun auch noch ein Bedürfnis, das nicht länger aufgeschoben werden wollte.

      „Ja, und Lieutenant Ryan auch, sie versuchen gerade den JAG-Anwalt von dir fernzuhalten. Der Vater von dem Gunny ist Major General in San Diego und hat sofort seine Bluthunde von der Leine gelassen, als er hörte was hier losgewesen ist. Anscheinend waren die Herren gerade in DC. Du kannst dir nicht vorst …“

      „Dean. Ich brauche … Holst du ihn?“, stöhnte Gibbs leise, während sein Unbehagen wuchs.

      „Äh klar, aber … Kann ich dir nicht helfen.“

      „Joan! Ich muss pinkeln – dringend! Und das werde ich nicht in deiner Gegenwart tun!“ Jethro hatte versucht den Kopf zu heben, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen. Sofort drehte sich der Raum um ihn und das Bett schien Bocksprünge zu machen.

      „Vielleicht wäre eine Krankenschwester …“

      „Hol ihn doch einfach … Bitte!“

      Der weinerliche Tonfall des Lance Corporal veranlasste schließlich, dass Joan sich in Bewegung setzte.

      Nur Augenblicke später stand Bull an Gibbs Seite. „D-dr-dringend, m-meinte Matteson. Was gibt’s d-denn?“

      „Hilf mir auf …“, presste Gibbs hervor und griff schon nach dem Arm seines Freundes.

      „Sp-sp-spinnst d-du?“

      „Pinkeln, Dean.“

      Der hochgewachsene Soldat drückte den Kranken mühelos zurück in die Kissen. „L-Liegen bleiben.“

      Ein erneuter Schwindelanfall ließ Gibbs, unfähig sich zu rühren, sein Schicksal erdulden. Er spürte die Hände des Freundes unter der Bettdecke, völlig ungeniert an seiner Körpermitte, und wollte einfach nur sterben.

      „K-kann l-los g-gehen“, sagte Dean und schien sich über Jethros deutlich spürbare Schamhaftigkeit königlich zu amüsieren.

      Gibbs wünschte sich nichts sehnlicher als eine plötzliche Ohnmacht, einen Herzstillstand seinetwegen – völlig egal, wenn nur diese Erniedrigung ein Ende finden würde.

      Schließlich drang Wasserrauschen an seine Ohren und er entdeckte Bull, der sich an einem Waschbecken die Hände wusch. Zuvor hatte er einfach abgeschaltet.

      Schweigend trat der PFC zurück an das Bett seines Kameraden und musterte diesen gründlich. „D-du b-bist ziemlich am A-Arsch.“

      Gibbs verzog das Gesicht. „Ich hatte keine Ahnung, dass irgendwas so weh tun kann, Bull“, jammerte er völlig untypisch mit Leidensmiene.

      Das leise Öffnen der Zimmertür war dem Kranken entgangen, umso erstaunter war er, als Lieutenant Ryan hinter Dean auftauchte. Er hatte bisher nicht viel mit dem Mann zu tun gehabt. Lediglich bei einigen Übungen hatte er Gibbs‘ Squad beobachtet.

      „Sir?“, murmelte er leise, was Bull dazu veranlasste einen Schritt zurückzumachen und Haltung anzunehmen.

      Lieutenant Ryan klopfte dem PFC sachte auf die Schulter und deutete in Richtung der Tür. „Geben Sie uns einen Moment unter vier Augen, Hunt.“

      Als die Tür ins Schloss fiel zog Jethros Vorgesetzter sich einen Stuhl heran und musterte den jungen Marine prüfend. „Ich weiß, dass sie sich nicht sonderlich wohlfühlen, dennoch möchte ich kurz mit Ihnen sprechen, solange Ihr Bettnachbar noch auf den Fluren unterwegs ist. Denken Sie, dass Sie das schaffen werden?“

      Jethro nickte verhalten. Er würde es jedenfalls versuchen.

      „Zunächst wüßte ich gerne, ob ich Ihren Vater informieren soll.“

      „Nein!“, keuchte Jethro hastig, während sein Unbehagen, bei dem Gedanken an einen besorgten Jackson wuchs.

      Ryan runzelte die Stirn, nickte aber. „Ihrer Akte habe ich entnommen, dass es ihr angestrebtes Ziel ist eines Tages zu den Scout Snipern zu gehören. Ist das so?“

      Gibbs beließ es erneut bei einem Nicken.

      „Ja, ich habe Sie noch nicht allzu häufig beobachten können, doch eines eilt Ihnen voraus. Sie sind sehr beliebt in ihrem Squad. Stehen für ihre Kameraden ein und intervenieren, sobald es Grund dafür gibt. Allerdings stellen Sie sich und ihre eigenen Belange gern hinten an. Das wäre heute beinahe in die Hose gegangen, Lance Corporal!“
      Lieutenant Ryan beugte sich vor und schaute den Jüngeren eindringlich an. „Möglicherweise entspricht es einfach nicht Ihrem Wesen, doch Sie werden lernen müssen auf Signale Ihres Körpers und Ihrer Psyche zu hören. Es ist eine Sache, dass Gunnery Sergeant Milton … nun ja … sagen wir, ein wenig übers Ziel hinausgeschossen ist. Eine ganz andere ist es auf Teufel komm raus dagegen halten zu wollen. Ich möchte Sie nicht mit langen Vorhaltungen quälen. Aber ich möchte, dass Sie die kommenden Tage nutzen, um ihren Körper und dessen Bedürfnisse genau wahrzunehmen. Das Schmerzkontrollsystem in Ihrem Gehirn wird im Notfall dafür sorgen, dass Sie handlungsfähig bleiben: ist etwas wichtiger als der Schmerz, die Flucht vor einem reellen Feind zum Beispiel, wird der Schmerz an Präsenz verlieren, bis Sie an einem sicheren Ort sind. Diese Funktion ihres Körpers scheint mir gut entwickelt. Doch was im Ernstfall keine funktionierende Einheit brauchen kann, ist pure Selbstüberschätzung. Gehen wir davon aus, dass Sie es eines Tages an Ihr Ziel schaffen. Es ist ihre Aufgabe die Umgebung zu sichern, um Ihre Einheit sicher aus einer Gefahrenzone zu bringen, und in dieser Situation brechen Sie zusammen … Verstehen Sie was ich Ihnen klar machen möchte? Sie haben Ihren kranken, schmerzenden Körper zu Höchstleistungen getrieben, um eine Kameradin schützen zu können. Doch schlussendlich haben Sie an dem Punkt jämmerlich versagt, Lance Corporal! Es ist keine Schwäche sich einzugestehen krank oder verwundet zu sein. Schwach ist nur der, der nicht die Stärke besitzt die Schwäche anzunehmen.“

      Jedes einzelne Wort hatte sich in Jethros Wahrnehmung eingebrannt und er fühlte sich wie ein dummer Junge. Leroy, der Idiot. Er hatte es also wieder einmal völlig verbockt. Er presste die Lippen festaufeinander und wandte den Blick ab. Selbstmitleid und Wut rangen in ihm. Tränen brannten in seinen Augen. Er war beinahe in Rekordzeit zum Lance Corporal befördert wurden, doch im Grunde scheiterte er bereits an der Basis. Weil er einfach nicht gesehen hatte, dass die Prioritäten mit seinen Handlungen einfach nicht abzudecken waren.

      Er spürte die Hand des Offiziers warm auf seiner Schulter und empfand diese Geste als ungeheuer tröstlich. Er fuhr sich mit der Hand über die Augen.

      „Aus Ihnen wird was werden, Gibbs! Achten Sie nur in Zukunft besser auf sich! Sie müssen nicht aversuchen alles im Alleingang niederzukämpfen.“

      „Ja, Sir“, murmelte der Lance Corporal und schloss die Augen, in der Hoffnung alles um sich herum ausblenden zu können.

      Lieutenant Ryan senkte die Stimme zu einem Flüstern. „Morgen werden Sie dem JAG noch Fragen beantworten müssen. Bis dahin ruhen Sie sich aus und werden Sie gesund.“

      Jethro nickte verhalten. „Kann ich Bull … PFC Hunt noch einmal sprechen?“

      Ryan schüttelte den Kopf. „Morgen. Für heute hatten Sie ausreichend Besuch, denk ich.“


      Neu *04.08.2016





      Joan hatte nicht auf Bull gewartet. Sie war gegangen. Sie hatte Jethros Worte verstanden, jedes einzelne. Ihr Verstand hatte es längst gewusst, doch ihr Herz hatte anderes gehofft. Ziellos folgte sie den Straßenzügen von Bethesda und landete schließlich an einem Busstation. Ein Bus ließ gerade den Motor an und machte Anstalten loszufahren. Woodbridge stand groß auf der Anzeige.
      „Sie geht in Woodbridge aufs College“, hörte sie Gibbs Stimme in ihren Gedanken wiederhallen. Er hatte sein Date verpasst. Ohne noch eine Sekunde zu zögern, hastete Matteson los und zwang den Busfahrer anzuhalten.
      „Nehmen Sie mich noch mit, Sir?“, fragte sie außer Atem und suchte in ihrer Hosentasche nach Kleingeld.
      „Na los!“, brummte der Mann und wartete nicht, bis die Soldatin saß, sondern ließ den Bus ruckartig anfahren.
      Joan taumelte zu einer der vorderen Sitzreihen und ließ sich darauf nieder. Wie gern säße sie nun an Gibbs Seite, seine Hand in ihrer. Sie lehnte den Kopf gegen die Kühle Scheibe und ließ die Landschaft an sich vorbeifliegen. Sie hatte es gewusst. Er hatte es ihr wieder und wieder zu verstehen gegeben und niemals hatte sie vorgehabt sich in den Jüngeren zu verlieben. Doch was nützte einem die Vernunft, wenn das Herz doch tat was es selbst für richtig hielt? Es war nicht seine Schuld und auch nicht die des rothaarigen Mädchens. Für einen Moment hatte Joan vorhin an seinem Krankenbett ihre Beherrschung verloren. Er hatte schrecklich ausgesehen. Schmal und unnatürlich blass. Seine Züge gezeichnet von den schmerzhaften, vergangenen Stunden. Es sollte ihm eigentlich bereits besser gehen, hatten die Ärzte geäußert, doch scheinbar wirkte das Antibiotikum nicht so, wie es sollte.
      Gefesselt von ihren Gedanken und der Sorge um Gibbs, verflog die Fahrtzeit rasch. Als ihr das Ortsschild Woodbridge ins Auge fiel richtete sie sich auf. Eine ältere Frau in der Sitzreihe hinter Joan raffte ihre Sachen zusammen.
      „Ma’am?“, wandte die junge Soldatin sich an die Frau. „Können Sie mir sagen, welche Haltestelle ich nehmen muss, um das Wohnheim vom College zu erreichen?“
      „Steigen Sie am Hedgewood Drive aus. Nur ein kurzes Stück die Straße hinauf, dann kommen Sie an der Bibliothek vorbei und direkt daneben geht es zu den Unterbringungen der Studentinnen“, erwiderte die Frau freundlich.
      Joan nickte. „Danke! Sie haben mir sehr geholfen.“
      Zwei Minuten später stand sie auf einer ruhigen, von Backsteinhäusern gesäumten Straße. Sie folgte dem Weg eine Weile und entdeckte die ersten Wegweiser, die in Richtung Campus deuteten. Ein steter Windhauch brachte leichte Abkühlung, auch wenn die Gewitter der vergangenen Nacht kaum etwas von der Schwüle haben nehmen können. Joan war es als spürte sie die Nähe des trägen Potomacs, der eine natürliche Stadtgrenze bildete. Irgendwo hinter den Häuserreihen würde der mächtige Flusslauf entlang führen.
      Die Frau im Bus hatte recht. Es war nicht schwer gewesen den Weg zu finden. Ohne weiteres betrat sie ein Gebäude, das entfernt an die Mannschaftsunterbringungen auf dem Stützpunkt in Quantico erinnerte. Ratlos schaute sie den Flur hinunter und fragte sich mit leichtem Unbehagen, ob sie wohl an sämtliche Türen würde klopfen müssen, um die rothaarige Studentin zu finden.
      Womöglich war es überhaupt eine bescheuerte Idee gewesen hier her zu kommen. Sie hatte nie nach dem Namen dem Mädchen aus dem Zug gefragt. Sie wußte lediglich, dass sie auffallend rotes Haar haben sollte.
      Joan seufzte, trat an die erste Tür und klopfte. Es dauerte eine Weile, bis diese geöffnet wurde.
      „Ja?“
      „Hi, ich suche eine Studentin, die hier wohnen soll … könnte … Also im Grunde weiß ich es nicht mit Sicherheit, sie könnte auch außerhalb vom Campus … Aber -“ Joan unterbrach sich.
      „Äh …“, machte das Mädchen irritiert und lehnte sich mit verschränkten Armen in den Türrahmen zu ihrem Zimmer.
      „Okay, also, es ist so. Ein Freund von mir ist gestern im Krankenhaus gelandet. Er hat dadurch ein Date verpasst, das ihm sehr wichtig war. Ich habe es irgendwie verpasst ihn zu fragen, wie das Mädchen heißt, mit dem er sich treffen wollte. Ich weiß nur, dass sie hier studiert. Wenn ich das richtig verstanden habe will sie Lehrerin für Kunst und Religion werden. Sie hat rote Haare.“
      Die Studentin lachte laut auf. „Ok, das hier ist zwar ein recht kleines College, aber … herrje. Deine Infos sind doch etwas dürftig. Die Jahrgangsstufe wäre schon nichtschlecht. Ein Name natürlich besser. Aber vielleicht klopfst du mal bei 14e. Arianne ist im Education-Studiengang, vielleicht hat sie eine Idee. Oder bei 18e, dort ist eine Theologiestudentin. Vielleicht wissen die ja wer das sein könnte. Viel Erfolg!“
      Joan bedankte sich und mache sich auf die Suche nach einem der beiden Appartements. Bei 18e hatte sie kein Glück, es war niemand da, doch die Studentin namens Arianne öffnete ihr die Tür und bat sie sogleich in ihre Unterkunft.
      „Hi, Noemi hat mir schon gesagt, dass du hier klopfen wirst.“ Sie deutete auf einen Telefonapparat, der an der Wand neben der Eingangstür hing. „Magst du was trinken?“ Arianne nickte in Richtung eines altmodischen, aber gemütlichen Sofas, auf dem keine freie Fläche mehr sichtbar war. Überall verstreut darauf lagen Unterlagen und Notizen.
      „Ich will nicht stören, du scheinst schwer beschäftigt.“
      „Mach dir keine Gedanken. Die meisten sind am Fluss, um zu baden, aber meine Panik vor den Prüfungen verbietet mir das. Eine Zwangspause ist gerade genau das richtige. Du suchst eine rothaarige Studentin?“
      Joan nickte und bedankte sich für das Glas Cola, das die andere ihr reichte. Erst jetzt spürte sie, wie ausgetrocknet sich ihr Hals anfühlte. Dann erzählte sie noch einmal Jethros Geschichte und wartete dann gespannt auf die Reaktion.
      „Ach, wie romantisch!“ Die angehende Pädagogin lachte freundlich. „Also, Rothaarig … Da erinnere ich mich an ein Mädchen aus dem Vorkurs. Die könnte es sein, aber … Na, wie wäre es, wenn wir es einfach mal in der Bibliothek versuchen und uns bei den Leuten aus den Vorkursen umhören?“
      Joan zuckte mit den Schultern. „Sprengt das nicht deine Prüfungsvorbereitungen?“
      „Wie gesagt, ich kann eine Pause gut gebrauchen. Gehen wir!“
      Arianne schien die geeignete Person zu sein, um irgendeinen Menschen ausfindig zu machen. Sie sprach alle möglichen Leute an, erzählte von Gibbs und dem geplatzten Date und nahezu jeder versprach sich nach einer Rothaarigen umzusehen.
      „Der Vorkurs hat die letzten Prüfungen schon vor einigen Tagen geschrieben. Bist du dir sicher, dass sie überhaupt noch auf dem Campus ist?“, sagte schließlich eine Brünette.
      Joan stöhnte leise auf. Auch das noch. „Kennst du denn Leute aus diesen Kursen?“
      Sie nickte eifrig. „Ja, meine Cousine. Die ist allerdings bereits zu ihrer Familie nach New Bern gefahren. Ich kann sie anrufen, wenn einer von Euch bißchen Kleingeld hat? Ich hab kein Telefon auf dem Zimmer – sorry.“
      „Ich aber!“, triumphierte Arianne und marschierte sofort los. „Mein Dad ist ein Kontrollfreak und aus dem Grund hat er mir das Telefon gekauft. Rufen wir deine Cousine an!“
      Es dauerte nicht lange, da gab es Gewissheit. „Also, scheinbar sind wir fündig geworden. Ein Mädchen Namens Sharon – wenn ich sie richtig verstanden habe – dein Telefon rauscht eklig … jedenfalls wollte sie gleich heute Morgen mit dem Zug zu ihrer Familie fahren. Nach Pennsylvania. Wo in Pennsylvania wußte Glenda nun leider auch nicht.“
      Joan ließ die Schultern hängen. „Ach verflixt. Das wird natürlich schwieriger. Nun gut, jetzt muss ich mir was einfallen lassen. Habt wirklich vielen Dank für Eure Hilfe. Ich werde nun …“
      Eilige Schritte näherten sich der Zimmertür. Die drei jungen Frauen wandten sich unwillkürlich um. „Hi! Ihr sucht Shannon, oder?“
      „Sharon – Shannon – wie auch immer. Kennst du sie?“
      Sie nickte und hielt den Dreien ein Bild unter die Nase. „Wir teilen uns ein Appartement. Sie ist heute Morgen abgereist. Sie hat immer nur von einer Reise zu ihrer Familie in Pennsylvania gesprochen. Eine Adresse habe ich nicht, aber das hier auf dem Foto ist Shannon mit ihrer Mom.“
      Die Fotografie zeigte zwei hübsche Frauen vor einem geschmückten Bahnhofsgebäude. „Stillwater?“, las Joan fragend vor. „Bist du dir sicher, dass sie aus diesem Ort stammt?“
      „Ich glaube schon, jedenfalls war es diese Zugfahrt – von Stillwater hierher, bei der sie den Marine kennengelernt hat. Ich hab aber keine Telefonnummer oder so. Tut mir leid.“
      Joan grinste. „Nun wissen wir wenigstens, wo wir sie möglicherweise finden können! Ihr habt mir echt geholfen! Vielen Dank. Und vielleicht. Falls sie sich bei irgendwem meldet – könntet ihr vielleicht dafür sorgen, dass ihre Freunde Gibbs Geschichte kennen und sie ihr erzählen? Vielleicht ist ja noch was zu retten. Es ist ihm scheinbar sehr wichtig.“
      Zustimmung schallte Joan entgegen.

      Erneut hatte man sich spät am Abend in der Offiziersmesse eingefunden. Als Lieutenant Will Ryan den Raum betrat standen Colonel Ellison und der Vater des in Ungnade gefallenen Gunnery Sergeant, Major General Milton, zusammen und schienen in ein aufgeregtes Wortgefecht vertieft.
      „Es hat noch keinem Marine geschadet durch die Alte Schule zu gehen, Ellison! Auch wenn es mir leid tut, dass der Lance Corporal nun im Krankenhaus liegt – ist das sicher nicht das Verschulden meines Sohnes! Der Mann war anscheinend bereits am Tag zuvor kränklich. Und was diese Sache mit der Frau angeht … Nun-“
      Der sonst so ruhige und besonnene Colonel schlug mit der Faust auf den Tisch. „Bei allem nötigen Respekt, Sir! Der Gunny hat Grenzen überschritten und das nicht erst in den vergangenen Tagen bei uns, sondern bereits im Vorfeld. Es ehrt Sie, dass Sie sich den Belangen Ihres Sohnes so zu tun, aber es geht hier nicht um armselige Lappalien, sondern um Sachverhalte wie Belästigung, Nötigung und zuletzt auch um Körperverletzung. Und damit meine ich nicht den unglückseligen Lance Corporal – das war allenfalls eine Schikane, auch wenn es Sache eines guten Ausbilders ist körperliche Missstände der Soldaten zu erkennen und zu reagieren. In der vergangenen Woche ist ein PFC mit einem Kreuzbandriss im Bethesda gelandet, weil Gunnery Sergeant Milton ihm einen Knüppel zwischen die Knie geworfen hat. Andere Ausbilder berichteten von verbalen Erniedrigungen. Selbst der mieseste DI sollte seine Grenzen kennen. Mit Verlaub, Sir – ihr Sohn reizt Grenzen nicht nur aus, er durchbricht sie wieder und wieder.
      Und was die Beschwerde von Private First Class Matteson angeht … So dulde ich ein solches Verhalten auf meinem Stützpunkt nicht, Sir! Es tut mir leid Ihnen das so direkt ins Gesicht zu sagen. Sie sind befangen. Niemand möchte ein so soziopathisches Verhalten an seinem eigenen Kind ausmachen müssen. Jeder andere Marine wäre unehrenhaft entlassen worden. Und genau das werde ich an entsprechender Stelle auch empfehlen, General!“ Der Colonel holte tief Luft und stützte die Hände auf die Tischplatte. „Es tut mir leid, Sir. Wirklich leid.“
      Der Major General holte tief Luft. „Diese Sache wird sich vor Gericht entscheiden. Ich werde dagegenhalten. Strenge und Disziplin haben von jeher ihren Platz im US Marine Corp gehabt. Wenn das Ihren Ansichten nicht entspricht, Colonel, dann sollten wir besser über Ihre Zukunft hier nachdenken.“ Die Stimme des Mannes klang schneidend und troff nur so vor Verachtung. Lieutenant Ryan zog die Augenbrauen hoch. Hier flogen gerade sehr zivilisierte Kampfansagen durch den Raum.
      „Entscheidungen bezüglich meiner weiteren Laufbahn obliegen meiner Kenntnis nach nicht ihrer Zuständigkeit, Sir! Doch bleiben wir noch für einen Moment bei dem vorangegangenen Thema. Wo können wir Ihren Sohn finden? Die Offiziere des JAG würden gern seine Darstellung der Dinge protokollieren. Doch leider hat er diesen Stützpunkt unerlaubt verlassen. Sein Aufenthaltsort konnte bisher nicht ermittelt werden.“
      Der Major General schnaubte unwirsch. „Kriegen Sie Ihren verdammten Laden hier in den Griff!“ Er machte auf dem Absatz kehrt und hastete in Richtung Tür davon.
      Colonel Ellis ließ sich auf einen Stuhl fallen und fuhr sich mit beiden Händen über das Gesicht. „Hätte ich mich nur nie auf diesen Gunny eingelassen. Ich hatte wirklich geglaubt, dass wir das hinkriegen.“
      „Hier, Sir. Kaffee – den können Sie brauchen“, murmelte Will Ryan leise und schob einen Plastikbecher über den Tisch. „Unsere beiden JAG-Offiziere sammeln aktuell Beschwerden gegen den Gunny – nicht nur hier. Es liegt so viel gegen diesen Mann vor, dass es mir eigentlich unmöglich scheint, dass der General ihn da noch einmal rausboxen kann.“
      Der Colonel nickte. „Das hoffe ich auch, doch muss der Gunny erst einmal wieder auftauchen.“



      NEU * 20.08.2016*

      Von einer inneren Unruhe gepackt saß der Lance Corporal auf der Kante seines Krankenbettes und hing seinen unsteten Gedanken nach. Diese verflixte Blinddarmentzündung hatte ihn um das Date mit Shannon gebracht. Mehr als ein Jahr hatte er darauf gewartet die Rothaarige endlich wiederzusehen. Und dann war alles warten für die Katz. Sie würde jeden seiner Versuche sich zu entschuldigen ignorieren. Aus ihren Briefen ging sehr genau hervor, dass sie jede Art von Unzuverlässigkeit nicht duldete. Das entsprach auch seinen Prinzipien. Wenn es nur nicht solange dauern würde zu genesen … Doch vermutlich war auch das nur eine Frage der inneren Stärke.
      Nun denn, auf einen Versuch sollte er es ankommen lassen. Jethro fixierte einen Stuhl der wenige Meter entfernt dastand. Langsam schob er sich von der Matratze und versuchte sich auf zu richten. Mit schmerzverzerrtem Gesicht presste er seine unversehrte Hand auf die Operationswunde. Es tat auch zwei Tage nach dem Eingriff noch scheußlich weh. Doch er kannte seine Selbstbeherrschung – es lag einzig an ihm selbst. Er hatte es in der Hand der lästigen Tatenlosigkeit zu entfliehen.
      Sein Bettnachbar war verlegt worden und er lag hier in diesem Krankenbett, Stunde um Stunde allein mit sich und seinen Gedanken. Mit diesen Gedanken, die ihn quälten und seine schrecklichsten Erinnerungen immer wieder wahr werden ließen. Er war gerade elf Jahre alt gewesen, als seine Mutter sich gegen ihn und für den Freitod entschieden hatte. Er würde ihr niemals verzeihen, dass sie sich ausgerechnet in seinem liebsten Versteck gerichtet hatte. Sie hatte den Lauf von Jackson großkalibriger Jagdwaffe in ihren Mund genommen und abgedrückt. Es gab mittlerweile kein Detail dieser Art zu sterben, das er nicht kannte. Vor allem aber wusste er, was diese Munition aus einem schönen Gesicht machen konnte: Eine monströse Fratze, die einen kleinen Jungen wieder und wieder – Nacht für Nacht heimsuchte.
      Gibbs Atmung ging holprig, doch er würde keine Ruhe geben. Langsam schob er einen Fuß vor den anderen und ignorierte das scheußliche Gefühl einfach in der Mitte auseinanderzufallen. Noch fester presste er seine Hand auf den Unterbauch und kämpfte sich weiter vor. Es war scheinbar doch kein Hexenwerk – man musste sich lediglich überwinden. Musste die durchtrennten Muskeln vergessen, die Hände, die sich in seinem Körper zu schaffen gemacht hatten – dann schien es tatsächlich zu klappen.
      Für einen Augenblick hielt er sich an der Stuhllehne fest, dann setzte er seinen Weg fort. Und erreichte sein dringlichstes Tagesziel: die Toilette. Er hasste nichts mehr als die erniedrigenden Vorgänge, die diverse Bedürfnisse nach sich zogen. Mit einem befreiten Seufzen betätigte er den Lichtschalter und schloss die Tür zu dem fensterlosen Raum hinter sich.
      „Lance Corporal Gibbs?“, riss ihn nur Augenblicke später eine beinahe empörte Stimme aus seiner primitiven Glückseligkeit. Die Krankenschwester vom Spätdienst. Ihm blieb auch nichts erspart – und schon klopfte es an der Tür zu diesem stillen Örtchen.
      „Moment“, knurrte er missmutig.
      „Haben Sie Stuhlgang?“, rief die Krankenschwester mit lauter Stimme – vor der verschlossenen Tür stehend.
      Gibbs riss die Augen auf und wollte wieder einmal nur vergehen vor Scham.
      „Lance Corporal Gibbs! Wenn Sie nicht antworten, muss ich davon ausgehen, dass sie kollabiert sind, und reinkommen!“
      Er schnappte nach Luft. „Bleiben Sie draußen!“
      „Beantworten Sie meine Frage noch? Ich muss meine Dokumentation vervollständigen.“
      „Ja!“
      „Ja, Sie antworten oder ‚ja‘ sie hatten -“
      Er stieß die Tür auf und hätte damit beinahe die Krankenschwester getroffen. „Ja! Und Ja!“ So aufrecht wie es ihm nur möglich war, schlurfte er zurück zu seinem Bett. Er spürte ein erstes Rinnsal über seinen Rücken laufen und war sich bewusst, dass ihm das Herz bis zum Hals schlug und er in wenigen Augenblicken schweißgebadet sein würde. Kleine Blitze zuckten in seinem Blickfeld und die dauerbrabbelnde Stimme der ältlichen Pflegekraft verschmolz zu einem zähen Rauschen. Gibbs spürte wie die Knie ihm weich wurden. Ihm war als würde er ein leichtes Vibrieren des Fußbodens spüren – war DC bekannt für Erdbeben?
      „Lance Corporal? Geht es Ihnen nicht gut? Jethro?“
      Er kniff die Augen zusammen, fühlte sich taub und schob ein Bein vor – doch er trat ins Leere. Bevor er stürzen konnte griffen Hände nach ihm und buxierten ihn hinüber zu seinem Bett. Er brauchte einen Moment um wieder zu Atem zu kommen, bis das Dröhnen aus seinen Ohren verschwand und er seine Umgebung wieder gestochen scharf wahrnehmen konnte. Lediglich eine leichte Übelkeit blieb zurück.
      Erst nach einer Weile spürte er die Hand auf seiner Schulter, eine andere auf seinem Oberschenkel und er wandte das Gesicht um. Bull und Matteson standen an seinem Bett und musterten ihn forschend, mit beunruhigten Mienen.
      „Sie holt einen Arzt“, sagte Joan anstatt einer Begrüßung und Jethro rollte mit den Augen. „Was war denn los? Geht es dir sehr schlecht?“
      „Nein“, erwiderte Gibbs mit leiser Stimme. „Ging mir eigentlich gut.“
      „D-das s-sieht man.“ Bulls Stimme troff nur so vor Ironie – er grinste breit. „A-aber scho-schon wieder b-besser als n-noch vor zw-zwei Tagen. W-wir h-haben dir w-was mit-mitgebracht.“
      Er hielt Jethros Seesack hoch. „D-dachte d-du willst mal a-aus dem Kl-Kleidchen r-raus.“
      Erst jetzt ging es Jethro auf, dass seine Freunde ihm vermutlich gerade auf den nackten Hintern gestarrt hatten, als sie ins Zimmer gekommen waren. Er zog die Decke höher, obwohl es auch ohne unangenehm aufgeheizt war in diesem Zimmer.
      „Danke, stell die Tasche einfach darüber“, sagte er leise.
      „Ich kö-könnte d-dir b-beim Um-umziehen helfen“, bemerkte Bull und zog fragen die Augenbrauen hoch.
      Gibbs schüttelte den Kopf.
      „Ich kann auch solange rausgehen“, bot Joan an, doch bevor Jethro antworten konnte ging die Tür auf und die Krankenschwester rauschte in den Raum.
      „Rausgehen ist Ihr Stichwort, Herrschaften. Warten Sie bitte im Flur, bis wir hier fertig sind“, bellte sie in bestem Kommandoton, bei dem sogar der Mediziner, der ihr in Gibbs Krankenakte vertieft folgte, den Kopf einzog.
      Als die Tür hinter Bull und Matteson ins Schloss fiel, griff sie nach Gibbs Handgelenk und fühlte seinen Puls. „Wie ein Babykätzchen!“ Sie lachte über ihren eigenen Witz und fügte hinzu: „Einen 105er Puls – aber er ist ja auch gerade erst spazieren gegangen.“
      „Behalten Sie das im Blick, ja?“, forderte der Mediziner und wandte sich nun direkt an Gibbs. „Wie fühlen Sie sich?“
      „Super“, entgegnete Jethro mit ernster Miene.
      Der Arzt runzelte die Stirn. „Ah ja. Schmerzen auf einer Skala von eins – keine Schmerzen – bis zehn – unerträgliche Schmerzen?“
      „Vier. Eher drei.“
      Der Blick des Arztes wurde eine Spur kritischer. „Lance Corporal Gibbs, Sie sollten bei dieser Befragung aufrichtig sein. Sie müssen hier nicht zeigen, dass Sie ein harter Kerl sind.“
      Gibbs rümpfte die Nase. „Stecken Sie in diesem Körper oder ich? Es geht mir gut!“
      „Sie sind vor weniger als fünf Minuten kollabiert. Sie sind nicht sonderlich glaubwürdig, auch wenn Sie sich scheinbar erstaunlich schnell erholt haben.“ Er wandte sich an die Schwester: „Hatte der Patient Stuhlgang?“
      Jethro gab ein leises Schnauben von sich und rollte mit den Augen.
      Sie zuckte mit den Schulter: „Er sagt ‚ja‘!“
      „Nun denn … Behalten wir die Medikation so bei. Und Sie sollten wirklich noch eine Weile das Bett hüten. Keine Abenteuer!“
      Gibbs ließ sich in die Kissen sinken. Zwei Tage war er nun schon hier und er hatte das äußerst dringende Bedürfnis von hier zu verschwinden.
      Bull und Matteson standen wieder an seinem Bett. „Alles ok?“, wollte die Dunkelhaarige wissen. Er nickte nur.
      „Sch-schlechte Laune?“, hakte Bull nach.
      „Ich muss hier raus“, murmelte Jethro leise ohne den Blickkontakt der Freunde zu erwidern.
      Dean lachte amüsiert auf. „J-ja, i-ich w-würde a-auch gerne m-mal a-auf d-d-den Mond f-fliegen.“
      Joan strich behutsam über seine Finger, die aus dem Gipsverband herauslugten. „Vielleicht habe ich etwas, was dich aufheitert. Ich war in Woodbridge.“
      Jethro richtete sich auf und suchte ihren Blick. „Du bist bei Shannon gewesen?“
      Sie machte ein entschuldigendes Gesicht. „Ich habe sie knapp verpasst. Sie hat den ersten Zug nach Hause genommen. Ihre Kommilitoninnen wußten lediglich, dass ihre Familie in Pennsylvania lebt. Nur ein Mädchen, Shannons Mitbewohnerin, die hat ein Foto von ihr und ihrer Mom gefunden, auf dem im Hintergrund des Bahnhofes von einem Ort namens Stillwater zu erkennen war. Vielleicht ist das ein Anhaltspunkt. Sie heißt Fielding mit Nachnamen. Möglicherweise kann ich eine Telefonnummer herausfinden.“
      Jethro ließ sich zurück in die Kissen sinken. „Stillwater … Ach verdammt!“
      „W-was i-i-ist m-mit Stillwater?“
      Gibbs seufzte schwer. „Ich komme aus Stillwater. Mein … mein Dad lebt dort.“
      „Dann habt ihr ein Leben lang im selben Ort gelebt und seid einander erst im Zug nach DC begegnet?“, wollte Joan ungläubig wissen.
      „Nein, so war es nicht. Vermutlich ist ihre Mom erst im letzten Jahr nach Stillwater gezogen. Aber ich weiß es nicht genau. Jedenfalls waren sie im letzten Sommer plötzlich da …“
      „Dann kanntest du sie schon vor der Zugfahrt?“
      Jethro zuckte mit den Schultern. „Nein ... also zumindest nicht … ich hatte sie vorher ein paar Mal gesehen. Aber ich war das gesamte Frühjahr über in Parris Island. Erst nach der Grundausbildung war ich wieder in Stillwater.“
      „U-und wa-was wirst d-du nun t-tun?“
      Gibbs zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Ich hatte mir geschworen nie wieder in diese Stadt zurück zu kehren.“
      „Warum?“, wollte Joan wissen.
      Gibbs machte eine wage Kopfbewegung. „Vielleicht ist sie ja bald zurück. Wir sind ja noch knapp vier Wochen in Quantico.“
      Joan schüttelte bedauernd den Kopf. „Sie wird die nächsten acht Wochen dort verbringen. So hat sie es jedenfalls ihrer Mitbewohnerin gesagt.“
      Gibbs stöhnte leise auf und machte dann Anstalten sich aufzusetzen. „Also gut, dann sollte ich mich doch jetzt anziehen. Könntest du vielleicht …“
      „W-wa-warum a-a-anziehen?“
      „Ich kann ja wohl schlecht im rückenfreien Kleid bis Stillwater fahren!“, keuchte der Lance Corporal, während er sich in eine aufrechte Position kämpfte.
      Bull lachte fassungslos. „Ach, d-du willst g-gleich l-los.“
      „Wer weiß was die ihm hier geben, Dean.“ Joan schüttelte den Kopf.
      Das Verhalten seiner Freunde machte Jethro wütend. „Na schön! Ich brauche eure Hilfe nicht. Wozu auch.“ Etwas zu hastig ließ er sich aus dem Bett gleiten. Nicht auf eine Schonhaltung bedacht, brach in seinen Eingeweiden erneut ein infernalischer Schmerz los und ließ den jungen Hitzkopf beinahe aufschreien. Wieder einmal war es Bull zu verdanken, dass Gibbs in halbwegs aufrechter Position blieb.
      „Das hat noch kein Sinn, Jethro“, murmelte sein Freund beinahe im Flüsterton. Er setzte sich neben den Kranken auf die Bettkante. „Darf i-ich d-dir einen D-Deal vorschlagen? D-du hältst n-noch zwei Tage d-durch u-und d-dann f-fahren w-wir alle d-drei n-nach St-Stillwater.“
      „Dean hat recht, Jethro. Das packst du noch nicht. Aber wir haben noch unsere zwei freien Tage. Vielleicht kriegen wir die für Freitag und Montag genehmigt, wenn wir sagen, dass wir dich nach Hause zu deinem Vater bringen wollen.“
      Jethro ließ den Kopf hängen. Er wußte, dass dieser Vorschlag vernünftig war. Und dass es auch in zwei Tagen noch schwierig genug werden würde das Krankenhaus zu verlassen, doch er konnte sich kaum vorstellen auch nur eine weitere Stunde hier zu verbringen.
      Aber schließlich stimmte er zu.


      NEU * 23.08.2016*

      „Wie können Sie nur so unvernünftig sein, Lance Corporal? Aber dass Sie ein ganz besonders schwieriger Patient sind, das habe ich mir gleich gedacht. Wer mit Fieber und …“
      Der stiefmütterliche Tadel der Krankenschwester begleitete Jethro nun schon seit geraumer Zeit. Er vermutete, dass sie auch dem Mediziner, der sein (wenn auch widerwilliges) O.K. gegeben hat, die Hölle heiß machen würde. Ihrer Meinung nach gehörte er noch für mindestens eine Woche in ein Krankenhausbett.

      Aber nicht mit Jethro Gibbs. Er ließ sich nicht einsperren. Zudem fühlte er sich gut. Die Operationswunde machte ihm keine übermäßigen Schwierigkeiten und auch seine Hand schien gut zu heilen. Das hatte auch der Mediziner zugegeben, als er geradeheraus von Lieutenant Ryan in ein Kreuzverhör genommen worden war. Der Offizier war aus allen Wolken gefallen, als er die Urlaubsanträge von Bull und Matteson hatte gegenzeichnen sollen. Doch schlussendlich hatte der Arzt – ein fähiger Mann – angedeutet, dass es möglicherweise für die Psyche des Marines besser wäre das Krankenhaus zu verlassen und sich in heimischen Gefilden zu erholen.

      Nun war es so, dass Jethro ganz offiziell bereits heute das Bethesda Medical Center verlassen durfte.

      Ein luftiger Vorhang versperrte neugierigen Blicken die Sicht, während er sich in seine Kleidung mühte. Was deutlich schwieriger war als er zuvor angenommen hatte. Er schaffte es weder sein rechtes Bein anzuwinkeln, noch es voll zu belasten, ohne, dass dies in einem wütend reißenden Schmerz in seinem Unterbauch endete. Doch schließlich steckte er in Hose und T-Shirt – lediglich an Socken und Schuhen war er bisher gescheitert. Augenblicke lang harrte er still und mit geschlossenen Augen auf einem Hocker aus, bevor er einen weiteren Versuch unternahm. Er hangelte nach seinem Turnschuh und löste die Schnürbänder soweit wie möglich. Dann ließ er den Schuh zu Boden fallen und steckte seinen nackten Fuß hinein, bevor er mit dem zweiten genauso verfuhr. Zufrieden betrachtete er sein Werk und war froh, als die Tür des Zimmers laut ins Schloss fiel. Er hatte das Gebrabbelt der Krankenschwester einfach ausgeblendet, die derweilen irgendwelche Vorbereitungen für einen neuen Patienten getätigt hatte. Vermutlich war sie zutiefst darüber beleidigt, dass niemand in Bezug auf Gibbs Entlassung ihren Unmut wirklich teilte.

      Es war alles vorbereitet und ein Blick auf seine Uhr zeigte ihm, dass es gleich Zeit wurde für seine Verabredung. Vorsichtig versuchte er den Seesack mit seinen persönlichen Dingen auf seine Schulter zu wuchten – und es gelang ohne größere Probleme. Schwankend und völlig entgegen Lieutenant Ryans Anweisungen – besser auf sich zu achten – bewegte er sich langsam in Richtung Zimmertür und verließ das karge Krankenhauszimmer.

      Schritt für Schritt quälte er sich über den belebten Krankenhausflur und musste sich schließlich an der Wand abstützen. Das Gewicht seines Gepäckstückes schien mit jedem Meter zuzulegen und seine Kraft zu schwinden. Schließlich spürte er dieses verräterische Kribbeln in den Händen und unter seiner Gesichtshaut. Das kannte er bereits und spätestens jetzt war eine Pause die einzige Option. Jethro ließ seinen Seesack zu Boden sinken und lehnte sich gegen die Wand. Seine gesunde Hand schlang sich haltsuchend um den Handlauf, während er seine andere unwillkürlich auf seinen Bauch presste.

      „Hey Gibbs! Konntest du es mal wieder nicht abwarten? Ich dachte ich habe klar gesagt, dass ich dich in deinem Zimmer abhole!“ Joan stand vor ihm und strahlte ihn breit an. „Tada! Hier ist Ihr Taxi, Lance Corporal! Startklar?“

      „Hey, Matts!“ Er grinste schwach und protestierte nicht, als sie ihn in Richtung eines Rollstuhls buxierte. Er ahnte bereits, dass seine Reise nur allzu rasch beendet wäre, wenn er sie nicht gewähren ließ.

      Er stöhnte leise auf, als der Bund seiner Hose unangenehm auf die Operationswunde drückte.

      „Alles klar? Vielleicht ist es doch noch zu früh, um ...“
      Joan musterte ihren Kameraden besorgt, doch dieser schüttelte entschieden den Kopf.

      „Alles gut“, murmelte er leise und deutete ihr mit einem Kopfnicken den Weg endlich fortzuführen. „Hat Bull meinen Wagen ganz gelassen?“

      Joan lachte auf, als es nun an Gibbs war, besorgt zu klingen. Der Marine hatte einen Narren an diesem gelben Ungetüm gefressen. Obwohl der Wagen erst sechs Jahre auf dem Buckel hatte, war er ein einziger Schrotthaufen. Nach einem schweren Verkehrsunfall hatte er verbeult und nicht fahrtüchtig in der Nähe des Stützpunktes in Lejeune herumgestanden und Gibbs hatte ihn für wenig Geld bekommen können. Gemeinsam mit Bull hatte er Wochenlang daran herumgeschraubt, bis das Gefährt endlich wieder gelaufen ist. Dennoch war der Wagen nicht sonderlich zuverlässig. Beinahe hätten die beiden jungen Marines es nicht rechtzeitig bis Quantico geschafft, da sie darauf bestanden hatten die gesamte Strecke mit dem Dodge zurückzulegen. Mehrfach hatte der Wagen sie im Stich gelassen. Und auch jetzt war Joan mehr als skeptisch, ob es wirklich klug war mit diesem Wagen die 200 Meilen bis Stillwater zurückzulegen.


      Mit laufendem Motor stand der Dodge vor dem Haupteingang des Navy-Krankenhauses. „Er ist schlecht angesprungen. Bull meint, dass es an der Batterie liegen könnte. Er wollte ihn nicht ausmachen. Ich glaube ja, dass viel mehr, dass die Einspritzdüse es nicht mehr lange macht. Aber ihr wisst es ja immer besser!“

      Gibbs erwiderte nichts. Vielmehr war er damit beschäftigt keinen weiteren Schmerzenslaut von sich zu geben. Was hatte er sich nur dabei gedacht eine Jeans anzuziehen? Was war gegen eine weiche Sporthose einzuwenden?

      Wieder betrachtete Joan ihn forschend und seufzte dann. „Ich stelle die Rückenlehne schräg. Sitzen ist sicher unangenehm, hm?“

      Jethro nickte dankbar und schenkte ihr ein kleines Lächeln.

      Fluchend rüttelte Matteson an der Rückenlehne des Beifahrersitzes, während sie auf der Sitzfläche kniete. Doch die rührte sich keinen Zentimeter. „Drück mal dagegen, Bull … Ja, noch mal fester … Jetzt kommt es langsam … Verdammter Schrotthaufen ….“

      Mit einem schrillen Schrei von der Soldatin krachte die Rückenlehne herunter und hing schief im Fußraum vor der Rücksitzbank.

      „Jo … Aarrggh! R-r—runter!“, keuchte Bull gepresst und versuchte verzweifelt die passenden Worte zu artikulieren, während er mit der linken Hand Joan vom Sitz stieß, als wäre sie eine Puppe. Mühsam rappelte Jethro sich aus dem Rollstuhl um einen Blick ins Wageninnere werfen zu können.

      Während Joan rücklings im vorderen Fußraum hing, machte Dean sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an der vollkommen ausgehängten Rückenlehne zu schaffen. Er jaulte gequält auf, als es ihm endlich gelang seine Hand darunter hervorzuziehen.

      Augenblicke später ließ Gibbs sich zurück in den Rollstuhl sinken und hielt sich den schmerzenden Bauch, während ihm Tränen über die Wangen liefen. Seine Schultern bebten vor Lachen, während er heisere Laute ausstieß. Auf dem Beifahrersitz presste sich Joan ein Taschentuch vor die blutende Nase.
      „Du hast mir deinen Ellenbogen ins Gesicht gerammt, Dean, du Arsch!“, jammerte sie nasal. „Meine Nase ...“

      „G-g-guck d-dir meine H-hand an. D-d-d-du f-fetter Brocken!“

      Jethro rang nach Luft. „Oh Scheiße, ihr seid der Hammer! Seine Hand hat unter dir und der Lehne geklemmt, Matts. Braucht einer von Euch ein Arzt?“

      Erneut lachte er kopfschüttelnd.

      „Ich glaube nicht – hört schon wieder auf“, nuschelte Matteson, noch nicht sicher, ob sie sich amüsieren sollte, oder doch nörgeln sollte.

      Langsam beugte Gibbs sich vor, spähte an Joan vorbei, und musterte Dean der sich noch immer schweigend die gequetschte Hand hielt. „Was ist mit deiner Hand?“

      Vorsichtig bewegte der Hüne seine malträtierten Finger. „N-nichts p-passiert.“

      Misstrauisch beäugte Gibbs seinen Freund und zuckte dann mit den Schultern. „Wenn du meinst … Und was machen wir jetzt damit?“ Er deutete auf den demolierten Beifahrersitz.

      Matteson hatte ihre gute Laune bereits wiedergefunden. „Ich und der Schleudersitz kommen schon klar, nur du musst hier nun sportlich drüberweg krabbeln, Gibbs. Der Fahrersitz ist schließlich auch kaputt und lässt sich nicht nach vorne klappen!“, lachte sie und grinste die Marines frech an, während sie Jethros Seesack auf der Rücksitzbank zurechtschob. „Und du kannst dich auch dahinten lang machen. Sogar mit Kissen!“

      Als sie ihm Platz machte kam Jethro dieser Idee umständlich und unter diversen Flüchen nach. Es brauchte einige Momente, bis er die Rücksitzbank für sich eingenommen hatte.

      Mit einigem Stottern rollte der auffällige Dodge los, während Bull seine Finger an einer Coladose kühlte.

      Dieser Beitrag wurde bereits 9 mal editiert, zuletzt von „anonyma“ ()

      YEAH!!! Eine neue Shibbs von dir, darauf habe ich gewartet! Klasse!!
      Der Anfang lässt ja schon mal nicht viel Gutes erwarten - also, für deine Protagonisten. Für deine Leser schon *grins* Dass du Joan Matteson auftauchen lässt, finde ich total klasse, ich mag sie total gerne. Es hat mich ein bisschen irritiert, dass sie - nachdem er ja sehr eindeutig wird - zuerst gradezu flehend bittet, dass er das lassen soll. Das passte für mich irgendwie nicht so ins Marine-Bild. Umso besser gefallen hat mir dann natürlich ihre darauffolgende Reaktion, das hat der "Herr" sich ja nun auch redlich verdient. Und dann flüchtet sie unter Gibbs' Fittiche - sehr schön!! Ich war etwas überrascht, dass der Gunny schon wieder so schnell rennen und brüllen kann, aber er ist ja auch nicht über Natodraht gesprungen (*hüstel*).

      Nun bin ich also sehr gespannt, wo du uns hinführen wirst... klasse Idee und super geschrieben wie immer! :) :)
      Hallo du.....

      dann hat dich also die NCIS Sucht wieder gepackt... das freut mich ja besonders, denn ich hoffe immer noch auf eine Wiederbelebung unserer FF.... :D
      Aber jetzt zu dieser.. Gibbs in jung... da muss ich erst einmal Platz in meinem Kopf schaffen.. ich sehe ihn immer in alt vor mir.. da kann ich machen was ich will. Format C... funktioniert scheinbar nicht :huh: .... aber 1977... warte mal da war ich??? ach Gottchen.. ein Kind... =O
      Ich lass mich dann mal von deinem jungen Gibbs berieseln.. und freu mich schon das die FF schon fertig ist.... bis zum nächsten Mal...

      LG Micha

      PS... wie kann ich das denn einstellen, das ich wenn es weiter geht eine PN bekomme????
      Ein bissel Werbung in eigener Sache..... 8o


      Hallo anonyma .
      Wieder eine schöne Story von dir.
      Joan , die sich zu Gibbs flüchtet . Also ist dieser berüchtigte Gunny schon bei Ihnen. Ich bin auf die Fortsetzung gespannt und auch wie du Shannon hier einbauen wirst .

      P.S. : Über eine Fortsetzung deiner angefangenen AVON Story würde ich mich auch freuen ;)

      Grisu112 schrieb:



      P.S. : Über eine Fortsetzung deiner angefangenen AVON Story würde ich mich auch freuen ;)


      *lach* Ich mich auch!

      Waaahhh!!! 8o Ihr verwöhnt mich! Gleich 3 x FB für den knappen, nichtssagenden Anfang. Während meines Ausfluges in die Harry Potter - Welt habe ich keine 3 Reviews für eine fertige Geschichte bekommen: :thumbsup: DANKE!!!!

      Dafür braucht ihr auch nicht lange warten. Ich mache hier ein bißchen zackig, ab Morgen sind Ferien und hier steht so einiges an. Keine Ahnung wie ich dann Zeit finde. Gucken wir mal.

      Hier geht es vorerst noch ruhig weiter. Viel Spaß!!

      edit: @Mara Jade Ich habe keine Ahnung. Sorry!!!
      Das ist ja mal eine ganz andere Gibbs-Geschichte! Ich glaub mit Joan Matteson hatten wir noch keine, oder? Auch ich bin gespannt, wann und wie Shannon in der Geschichte auftaucht. Na klar, Gibbs braucht nicht zum Arzt, wieso auch? Also war er auch damals schon so stur :D Einen Scheißkerl muss es doch in jeder Geschichte geben… ^^ bin gespannt wie es weitergeht….



      Dieses tolle Set ist von Raya :thumbup:
      Yeah, es geht weiter - und Gibbs ist schon wieder am Kotzen, sehr schön! (Also für mein Whumperherzchen, nicht für Gibbs. Warum muss ich eigentlich grade an Eiersalat denken? :D ) Das Kapitel hat mir super gefallen, von vorne bis hinten. Insbesondere all die Details über Bull, vom Stottern über zu den starken Metaphern bis hin zu der Tatsache, dass er Gibbs zur Weißglut kriegen kann - den Kerl habe ich jetzt schon ins Herz geschlossen. Dann bin ich mal sehr gespannt, was das Frühtraining den dreien beschert. Und wenn Gibbs es tatsächlich danach noch schafft, Shannon zu treffen, dann bekommt die vermutlich schon mal einen realistischen Vorgeschmack auf das, was sie erwartet! :D

      Klasse Kapitel, ich freue mich auf mehr! :)

      laborfledermaus schrieb:

      Auch ich bin gespannt, wann und wie Shannon in der Geschichte auftaucht.


      Ja, im Moment ist Shannon irgendwie noch etwas entfernt. Aber das wird sich ändern.

      Mrs. Mallard schrieb:

      Yeah, es geht weiter - und Gibbs ist schon wieder am Kotzen, sehr schön!


      8o :thumbsup: Oh Gott, warum hatte ich irgendwann das Schreiben eingestellt???? Ist das schön hier bei Euch!!


      Hier geht es nun ganz fix weiter. Bis Morgen abend bleibt mir nun kaum Zeit zum Durchschnaufen. Habt Spaß mit den Jungs! Bis denne dann!!
      So schnell schon und dann gleich zwei Kapitel.. du verwöhnst uns und haust den Schnitt dieses Thread der letzen drei Jahre, über den Haufen... :D

      Leiden.... du brauchst keine Kugeln, keine Folter...du bedienst dich einfach an Kinderkrankheiten, den Mandel, Hexenschuss, Schlaganfall? (warst du das damals nicht auch?), Trombose, Lungenemboly und anderen immer wieder vorkommende Krankheiten um unseren Gunny Schach Matt zu setzten. Und jetzt ist es also der Blinddarm... gut.. das hatten wir glaube ich noch nie... :thumbsup:
      Ich seh es schon vor mir.. verschleppt... kurz vor dem Durchbruch.. Not OP... oder doch nur ein böser Traum... und er hat einfach nur Blähungen??? Aber egal wie... wir wollen es ja lesen... 8o

      Das dürfte jetzt auch Peppies Frage beantwortet haben..... :thumbup:
      also bis zum nächsten Teil.
      Ein bissel Werbung in eigener Sache..... 8o


      Wow, Gibbs hat es mal wieder ganz schön erwischt. Mal abwarten , was er wirklich hat . Blinddarm wäre wahrlich nicht gut .
      Hoffentlich schaltet sich Ryan noch rechtzeitig ein, bevor Gibbs komplett kollabiert und sich dieser Ausbilder wieder an Matteson zu schaffen macht. Wobei es vielleicht gut wäre, wenn es Ryan persönlich mitbekommt.

      Also warten wir mal wieder gespannt auf die Fortsetzung :)
      …bei Thalia und Mrs. Mallard hatte Gibbs die Masern… :D
      Ach ja, früher hatte er noch dunkle Haare, das vergess ich immer :D Vernunft war immer schon ein Fremdwort für unseren Gunny. Jetzt geht’s wahrscheinlich beiden an den Kragen – Gibbs in den OP und dieser Gunny bekommt es mit Ryan zu tun….



      Dieses tolle Set ist von Raya :thumbup:
      Ich freue mich sehr über diesen neuen Teil! :D
      Das ist lustig, dass du Gibbs offenbar tatsächlich eine Binddarmentzündung an den Hals (oder eher woandershin) gehext hast, das war auch mein allererster Gedanke, als die Bauchschmerzen eingangs erwähnt wurden. (Für Gibbs ist das natürlich nicht lustig.... jaaaaa.... aber der hat schon Schlimmeres durchgemacht.)
      In jedem Fall bin ich sehr froh, dass Bull nun doch endlich den entscheidenden Satz hervorbringen konnte und Will Ryan hoffentlich noch rechtzeitig einschreiten kann, ehe der Gunny meinen Lieblingsmarine dazu bringt, sich selbst komplett zu Schande zu laufen. Der gehört in den OP und nicht auf den Crosslauf. Aber so wie ich Gibbs (und dich) einschätze, will ich nicht ausschließen, dass er sich nicht helfen lassen will, weil er dann Shannon nicht treffen kann. Wobei ich es ja auch durchaus romantisch fände, wenn er statt beim Date im OP landet und nun denkt, er sieht sie nie wieder, und sie dann ein bisschen an seiner Seite Händchen haltend vorfindet. Andererseits: wo bleibt da das Drama?! :D Aber wie auch immer, ich habe volles Vertrauen in dich, dass du etwas genau nach meinem Geschmack geschrieben hast :D :D

      So, und nun gehe ich mal weiter Sachen packen, ehe es morgen für eine Woche in den Urlaub geht!

      LG
      Vicky

      Mrs. Mallard schrieb:

      Der gehört in den OP und nicht auf den Crosslauf. Aber so wie ich Gibbs (und dich) einschätze, will ich nicht ausschließen, dass er sich nicht helfen lassen will, weil er dann Shannon nicht treffen kann.
      LG
      Vicky


      Aber wenn er operiert wird und nachher Shannon trifft, kann er ihr ja auch die Narbe zeigen :D :whistling:



      Dieses tolle Set ist von Raya :thumbup:

      Mara Jade schrieb:



      Leiden.... du brauchst keine Kugeln, keine Folter...du bedienst dich einfach an Kinderkrankheiten, den Mandel, Hexenschuss, Schlaganfall? (warst du das damals nicht auch?), Trombose, Lungenemboly und anderen immer wieder vorkommende Krankheiten um unseren Gunny Schach Matt zu setzten. Und jetzt ist es also der Blinddarm... gut.. das hatten wir glaube ich noch nie... :thumbsup:


      Mandelntzündung??? Eine tolle Idee, aber falls es das schon gibt war ich es nicht. Aber VICKY!!!! Wäre das nicht was für ein "Natodraht reloaded"??? Hexenschuss - jap, das war ich, Schlaganfall .... Nein, ich glaube nicht. Trombose, Lungenembolie, Eiersalat bedingte Salmonellen, diverse Prügeleien, Krebs, Natodraht, Pneumothorax, Herzbeutelentzündung, Trümmerbrüche in Hüfte und Serienfraktur Rippen. Und dann habe ich bestimmt noch etliches vergessen.
      Ach ja ... die Allergie gegen Tonys "Honey Dust" *prust*

      So, nun geht es aber hier mal weiter. Wir wollen die Liste schließlich fortsetzen, nicht wahr!

      Viel Vergnügen und ganz lieben Dank für Eure tollen Kommentare! Macht riesig viel Spaß!
      Ein neuer Teil und was für einer. Wieder sehr schön geschrieben.
      Gibbs , der nur noch "fun ktioniert" und dann seinen größten Alptraum wieder erlebt. Jetzt wird es wirklich Zeit fürs Krankenhaus .
      Und dann Shannon, die denkt das ihr Marine sie versetzt hat. Hat er zwar letztendlich , aber wenn sie wüsste wie es ihm geht, ist die Punkt bestimmt bald verraucht.

      @anonyma : du hast weiter oben geschrieben :

      Waaahhh!!! Ihr verwöhnt mich! Gleich 3 x FB für den knappen, nichtssagenden Anfang. Während meines Ausfluges in die Harry Potter - Welt habe ich
      keine 3 Reviews für eine fertige Geschichte bekommen: DANKE!!!!

      Hier in diesem Forum bist du auf jeden Fall für deine tollen Stories bekannt und die Leser wissen, wie dir das Feedback gut tut ;)
      Ein neuer Tag, ein neuer Teil und der Alptraum geht weiter..... Gibbs in Ohnmacht mit einem seltsamen Erinnerungsfetzen... und Shannon die seine Abwesenheit völlig falsch interpretiert... und zu allem Übel hast du ihm nun auch noch die Hand gebrochen!!!!!

      Ach und das mit dem Schlaganfall warst nicht duuuuuuuu .... hätte aber gepasst... :D

      Und noch Glückwünsch zum Gewinner Fohlen... so süß das Kleine.... 8o
      Ein bissel Werbung in eigener Sache..... 8o


      Schön, dass es so schnell weiter geht mit Deiner Geschichte.

      Mein Gott, wenn ihr den armen Mann in die Finger bekommt, dann bleibt ihm aber auch nichts erspart.
      Erst der Blinddarm (?), jetzt ist auch noch die Hand gebrochen und die Liebe seines Lebens denkt, sie wurde versetzt.
      Da bin ich ja nun nur mal gespannt, ob es das jetzt war oder ob er noch mehr durchstehen muss.

      Jedenfalls kann Chuck Norris mal langsam einpacken! ;) 8)



      Grisu112 schrieb:



      @anonyma : du hast weiter oben geschrieben :

      Waaahhh!!! Ihr verwöhnt mich! Gleich 3 x FB für den knappen, nichtssagenden Anfang. Während meines Ausfluges in die Harry Potter - Welt habe ich
      keine 3 Reviews für eine fertige Geschichte bekommen: DANKE!!!!

      Hier in diesem Forum bist du auf jeden Fall für deine tollen Stories bekannt und die Leser wissen, wie dir das Feedback gut tut ;)


      :love: Vielen Dank!!!

      Und: Who the fuck is Chuck Norris??? :D :D

      Ach ja! Und weiter gehts!!! Vielen Dank für Eure süßen Kommentare!!!!
      Mann, dieser Lance Corporal… bricht ihm auch noch die Hand X( und die Fieberträume… sehr gut beschrieben…. endlich wird er operiert. Wenn der Doc wüsste, dass er nicht freiwillig mit 20
      kg Marschgepäck gelaufen ist…. aber das wird er ihm schon noch sagen…. arme Shannon. Total fertig, weil er sie versetzt hat und weiß nicht wieso ;( kann ihr jemand sagen, dass Gibbs auf dem Weg der Besserung ist? ich hoffe jedenfalls, dass er das ist :D



      Dieses tolle Set ist von Raya :thumbup: