Mit Freunden oder alleine sterben? abgeschlossen Thread 5 bis Kap. 50

      Mit Freunden oder alleine sterben? abgeschlossen Thread 5 bis Kap. 50

      Mit Freunden oder alleine sterben?
      abgeschlossen!


      Autorin: ziva-ute

      Fortsetzung zu Thread 1, 2, 3 und 4

      Kapitel 40

      Ein DiNozzo weint nicht

      01:24 Stunden nach Stunde 0, Freitag 4:36 Uhr

      Über Handy waren Palmer und Frau, sowie DiNozzo sen. immer auf dem Laufenden. Im Auto herrschte nach dem letzten Telefonat eine bedrückende Stimmung.

      Sie hatten sich entschlossen, mit dem Auto von New York nach Washington DC zu fahren. Das dauerte zwar Stunden, aber Flüge gab es Zeitnah nicht. Einen Privatjet konnte Senior sich nicht leisten. Und der Zug hätte genauso viel Zeit in Anspruch genommen wie das Auto!

      Jimmy fuhr den Mercedes von DiNozzo.

      Der Besitzer des Wagens hatte bei dem Gespräch mit Dr. Mallard, der ihnen da mitgeteilt hatte, das Wasser in die Grube lief, beinahe einen Unfall gebaut. Danach hatte er sich auf die Rücksitzbank zurückgezogen und kein Wort mehr gesagt.

      Als der erlösende Anruf Minuten später kam, hatte Palmer schon befürchtet, der alte Mann würde einen Herzinfarkt bekommen. Die Hoffnung war zwar wieder da, aber Minute um Minute ging es Tony schlechter und Ducky schonte sie nicht, in dem er etwas beschönigte. In dessen Augen hätten falsche Aussagen später nur zusätzlichen Stress bedeutet.

      Jeder im Auto hing seinen Gedanken nach während sie Meile um Meile zurücklegten. Weit war es nicht mehr.

      Jimmy Palmer dachte an seine Familie, aus der Zwei vielleicht heute sterben würden. Sonst konnte sein sonniges Gemüt mit jeder Situation fertig werden. Aber jetzt war das anders. Die Angst schnürte ihm regelmäßig die Kehle zu. Seine Frau bemerkte dies immer und legte dann
      beruhigend ihre Hand auf seine. Ein liebevoller verstehender Blick folgte und der Knoten löste sich wieder auf. Sie war sein Halt in dieser schweren Zeit.

      Aber Senior hatte keinen Halt mehr. Schon etliche Male verheiratet, waren doch mittlerweile alle Frauen und auch alle Freunde verschwunden. Nur sein Geld hatte ihn die Freundschaften eingebracht, nicht er selbst. Immer mehr erkannte der ältere DiNozzo in dieser dunklen Zeit, das sein Sohn den richtigen Weg gewählt hatte. Tonys selbstgewählte Familie kümmerte sich um ihn. War für ihn da. Hielt zu ihm, egal was passierte. Geld spielte keine Rolle. Wahre Freundschaft ließ sich nicht kaufen.

      Und er? Anthony DiNozzo Senior? Was hatte er für sich erreicht? Sein einziges Kind redete kaum mit ihm. Waren sie zusammen, war ein Streit vorprogrammiert. Und warum?

      Weil Senior es Junior nicht verzeihen konnte, das er Polizist geworden war, anstatt in seine Fußstapfen zu treten. Aber waren diese Fußstapfen erstrebenswert?

      Sein Lebenswerk lag in Trümmern. Er hatte alles verloren. Auch die Villa, in der er noch leben durfte, und er war sogar hoch verschuldet.

      Agent Gibbs hatte bei ihren erste Begegnung gesagt: ´Reden sie mit ihm. Sie haben ihren Sohn noch.´

      Damals hatte er diesen Ausspruch nicht verstanden. Heute wusste er, das Gibbs seine Tochter durch ein tragisches Ereignis verloren hatte. Sie war tot. Trotzdem schlug Senior den Ratschlag in den Wind.

      Aber jetzt wurde ihm klar, was es bedeutete, sein eigen Fleisch und Blut zu verlieren. Es zerriss einem das Herz.

      Viele Bilder aus der gemeinsamen Vergangenheit zogen vor seinem inneren Auge vorbei. Zeigten sowohl glückliche als auch schlechte Tage. Der Tod seiner Frau hätte ihm eigentlich zeigen müssen, wie vergänglich das Leben war. Er hätte wissen müssen, das er seinen Schmerz runter schlucken und für den Jungen hätte da sein müssen. Aber er war zu schwach dafür.

      Sein Sohn hatte zu seinem Boß gesagt, das er seinen Vater trotz dessen Fehler und Rücksichtslosigkeit liebte. Er, Senior, hatte in der Küche in Gibbs Haus diese Worte gehört und sie hatten ihn gerührt. Das Thanksgivingfest war daraufhin sehr schön gewesen.

      Aber er hatte die kleine Pflanze zwischen ihnen wieder zertrampelt. Wie gerne würde er jetzt seinem Kind sagen, das auch er ihn liebte. Aber so wie es aussah, würde er das in dieser Welt nicht mehr schaffen.

      Ein Frösteln durchzog seinen Körper. Am liebsten hätte er geweint und geschrien. Aber ein DiNozzo weinte nicht, tönte die strenge Stimme
      seines Vaters durch sein Gehirn. Nein. Ein DiNozzo weint nie!

      Jimmy lenkte den Wagen vom Highway zu den Marinedocks runter. Eigentlich hatte er ja mit Dr. Mallard ausgemacht, den alten Mann zu seinem eigenen Schutz ins Büro zu bringen. Aber als Senior mitbekamt, das Palmer zum Navy Yard abbiegen wollte, hatte er darauf bestanden, doch zu der Unglücksstelle zu fahren. Dem Autopsieassistenten war nichts anderes übrig geblieben als dem Wunsch nachzukommen. DiNozzo wollte unbedingt so Nah wie möglich bei seinem Sohn sein.

      Eine halbe Stunde noch, dann waren sie dort. Was würden sie vorfinden?

      In den Nachrichten wurde inzwischen ausführlich über die Rettungsaktion berichtet. Allerdings waren auch eine Menge Halbwahrheiten dabei. So waren Breana und ihr Mann darüber ein gekommen, das Radio auszuschalten. Die Stille war bedrückend. Trotzdem genossen sie die Ruhe, bevor sie mit eigenen Augen das Chaos sehen würden. Nahmen doch Angst und Unruhe zu, je näher sie dem Unglücksort kamen.

      DiNozzo Senior beteiligte sich schon seit Stunden nicht mehr an den Gesprächen. Seine Augen lagen tief in den Höhlen und sein Gesicht wirkte eingefallen. In dieser kurzen Zeit der Fahrt schien der alte Mann um gute 10-15 Jahre gealtert zu sein. Diese Sache nahm ihn gewaltig mit. Und er schwor sich, wenn sein Sohn überlebte, wollte er mehr für ihn da sein.

      Alles Geld der Welt war nicht so wichtig wie sein Kind, kam ihm die Erkenntnis. Sein eigen Fleisch und Blut.

      Es war doch völlig egal, welchen Beruf er ergriffen hatte. Hauptsache war doch, das sein Junge glücklich war. Das er sich wohl fühlte.

      Und das er das tat, zeigte allein schon, das der Junge schon so lange an diesem Fleck blieb.

      Ein Krankenwagen mit Blaulicht und Sirene rauschte laut an ihnen vorbei. Da er ihnen Entgegengekommen war, sagte Jimmy zu seiner Frau: „Ruf bitte Ducky an, Schatz.“

      Sie verstand sofort warum und wählte die Nummer. „Hallo, hier ist Breana,“ sprach sie in den kleinen Apparat als abgehoben wurde. Dann lauschte sie. „... Okay. Im Krankenwagen war... oh ja.... Das ist gut. Und wie geht es jetzt weiter?... Hmm.. Ja...Gut... Ja, wir sind nur noch ein paar Minuten entfernt... Ja, das wäre gut. Danke. Dr. Mallard.“

      „Also?“, fragte Palmer, da er vor Neugierde platzte.

      Kurz holte die junge Frau Luft bevor sie erklärte. „Im Krankenwagen war ein Feuerwehrmann. Er hat sich ein Bein gebrochen als er in den Trümmern hängen geblieben ist.“

      „Okay. Und Tony und Tim?“, fragte der Wagenlenker weiter als seine Frau auch noch nach einer kleinen Atempause nicht weitersprach.

      „Oh. Sie kommen im Graben gut voran, aber es fehlen immer noch ca. 10 Meter. Tony fängt an mit Geistern zu sprechen. Er sieht eine Katy in Schuluniform. Dr. Mallard macht sich große Sorgen. Tim versucht sein Bestes, um Tony im hier und jetzt zu halten.“

      Betroffenes Schweigen machte sich zwischen den Eheleuten breit.

      Dann kam Jimmy bei der Absperrung an, die sehr weitläufig angebracht war.

      Von hier aus konnte man noch nichts sehen. Trotzdem hatte sich eine sehr große Menschenmenge eingefunden. Es gab sogar schon Straßenhändler, die von Kaffee bis zu Roleximitaten alles anboten. Übertragungswagen standen an mehreren Stellen und Reporter liefen herum und suchten nach etwas, das sie für ihre Nachrichten verwenden konnten.

      Ein uniformierter Polizist wollte sie weiter winken. Aber Palmer ließ die Scheibe herunter und identifizierte sich. So kam sie bis zur Schranke. Dort wäre aber Schluss gewesen, wenn Ducky nicht aufgetaucht wäre. Er sorgte dafür, das sie durch die Schranke fahren und kurz darauf parken konnten. Den Wagen weiter mitnehmen konnten sie nicht, da hier Rettungs- und Einsatzwagen in großer Zahl standen.

      „Dr. Mallard,“ begrüßte der Assistent seinen Vorgesetzten. „Wie geht es Tony und Tim?“

      Aber bevor der Mediziner die Frage beantworten konnte, begrüßte er erst Breana und dann DiNozzo Sen.. Dabei schaute er sich den Vater von Anthony mit seinem geschulten Blick an. Was er sah beunruhigte ihn sehr.

      „Lassen sie uns schon einmal da rüber gehen,“ meinte der Doktor ruhig und zeigte die Richtung an. „Anthony geht es nicht gut. Er fantasiert immer stärker, weshalb wir weitere Medikamente runter schicken. Das Wasser in seinen Lungen macht mir große Sorgen. Timothy versucht ihn so weit auszugraben, das Anthony den Oberkörper drehen kann....“

      „Wie sind seine Chancen, Doktor?“, unterbracht DiNozzo mit heiserer Stimme.

      Den Kopf hin und her bewegend antwortete Ducky nur zögernd. „Schwer zu sagen. Er ist ein Kämpfer.“

      „Also schlecht,“ resümierte der Andere und ließ die Schultern resigniert hängen.

      „Die Hoffnung dürfen wir nicht aufgeben,“ versuchte Mallard zu trösten und Mut zu machen. „Er hat viel durchgemacht. Ohne Zweifel. Sein Körper ist geschwächt. Trotzdem. Es wird alles getan, um ihren Sohn dort lebend herauszuholen.“

      Der Angesprochene neben dem Mediziner nickte nur. Man konnte merken, das die Aufmunterung nicht auf fruchtbaren Boden gefallen war. Aber mehr konnte der Coroner nicht tun.

      Inzwischen hatten sie das Ende eines Lagerhauses erreicht und konnten nun einen Blick auf den Schuttberg werfen.

      „Großer Gott,“ entkam es Breana und sie klammerte sich fester an Jimmys Arm. Palmer selbst war geschockt von dem Anblick. Da sollten seine Freunde noch drin stecken und leben?

      „Ich weiß“, ließ sich Ducky hören. „Bei diesem Anblick vermutet man das schlimmste. Timothy und Anthony hatten sehr viel Glück, das sie es in die Mechanikergrube geschafft haben. Ohne diesen Hohlraum hätten sie keine Chance gehabt.“

      „Wo ist McGees Familie?“ fragte der Autopsiegremlin interessiert.

      „Wir konnten sie davon abhalten, auch hierher zu kommen. Abigal ruft sie regelmäßig an.“

      Der Gerichtsmediziner setzte sich wieder in Bewegung und die kleine Gruppe folgte ihm. Sie kamen an Feuerwehrmännern und Soldaten
      vorbei, an Einsatzwagen, Baggern, Kränen und vielen anderen Geräten. Als sie um ein Zelt kamen, stießen sie auf Abby und Gibbs.

      „Weiter ran dürfen wir nicht. Es ist zu gefährlich. Dort drüben haben sie einen Gang freigelegt. Darüber können sie in die Grube steigen,“
      erklärte Gibbs ohne Begrüßung. Dort, wo er hin zeigte, war ein Zelt zu sehen. Es waren Scheinwerfer aufgestellt. Ein Kran stand dort und etwas hing an seinem Ausleger. Sehen, was es war, ging aber nicht.

      Mallard schien die Gedanken der Neuankömmlinge zu erahnen, denn er beantwortete die unausgesprochene Frage. „Am Kran wurde ein Stahlträger befestigt. So muss nicht befürchtet werden, das er wegrutscht. Die Grube würde sonst einstürzen.“

      Zwei Bagger fuhren den Schutt an der Seite weg und vergrößerten so den Zugang. Aber bei der Menge an Schutt, würde es noch Stunden dauern, bis ihre Arbeit sichtbare Früchte trug.

      „Ich glaube, ich versuche Kaffee aufzutreiben,“ meinte Palmer leise nach etlichen Minuten des Zusehens. Immer noch war er entsetzt über das Ausmaß. Nur hier zu stehen und dieses Chaos anzustarren, dazu fühlte er sich nicht fähig. Breana schien ähnlich zu empfinden, denn sie
      nahm seine Hand und zog ihn fort.

      DiNozzo Senior hatte Jimmys Worte gar nicht gehört. In seinem Kopf herrschte zur Zeit eine unglaubliche Leere. Auch Gefühle wollten nicht aufkommen. Nur Finsternis und Tod herrschten in ihm.

      Ja, Tot fühlte er sich. Dieses Gefühl hatte er auch gehabt, als seine Frau verstorben war. Konnte er das noch einmal Durchstehen? Und sich
      erholen?

      „Mister DiNozzo,“ fragte Ducky vorsichtig zum fünften Mal. Er konnte gut verstehen, das der Vater völlig verzweifelt war. Seine Menschenkenntnis sagte ihm, das dieser Mann jetzt wirklich begriff, wie wichtig sein Sohn ihm doch war. Der Gedanke, ihn zu verlieren, raubte ihm zusehends die Lebensenergie. Daher machte sich der Mediziner berechtigterweise Sorgen um Anthonys Vater.

      Als DiNozzo jetzt reagierte, sprach der Coroner weiter: „Wir haben eine Telefonverbindung zu den Beiden. Wenn Sie mit Ihrem Sohn reden wollen... Abigal überlässt Ihnen sicher gerne den Apparat.“

      Nach kurzem Zögern schüttelte DiNozzo den Kopf. Seine Kehle war wie zugeschnürt. Er konnte jetzt nicht mit seinem Sohn reden. Er würde
      kein Wort herausbekommen. Zu entsetzlich war dieser Ort.

      Statt dessen folgte er Gibbs zu der Mauer, auf der schon Abby saß und in das Telefon sprach. Kurz lächelte die Goth Mister D. An, beschäftigte sich dann aber wieder damit, ihren Tiger am reden zu halten.

      Zögernd setzte sich Senior neben die Forensikerin und lauschte dem ungewöhnlichen Gespräch. Dabei entspannte er sich langsam. Die Stimme seines Kindes zu hören tat gut. Auch wenn sie schwach war und er sehr viel Unsinn redete.

      „Sagen Sie, Mister DiNozzo,“ versuchte Ducky leise ein Gespräch zu beginnen. „Wie war Anthony als Kind? Leider erzählt er nicht sehr viel und wenn doch, dann ist es so kurios, das ich nicht weiß, ob er heillos übertreibt.“

      Zuerst schwieg der immer noch gut aussehende Mitsechziger und starrte zu der weißen Zeltplane über dem Eingang der Mechanikergrube. Schon glaubte der Mediziner, keine Antwort mehr zu erhalten, als der Senior doch anfing, leise Geschichten aus Tonys Kindheit vor dem Tod der Mutter zu erzählen.

      Unbemerkt hielt Abby das Handy so, das Tony die Stimme seines Vaters hören konnte. Erst als er anfing seinen Vater zu korrigieren, bemerkte Mister D. es.

      Er nahm der jungen Frau das Telefon ab und ein Gespräch zwischen Vater und Sohn begann.


      Kapitel 41

      Ein Mordverdächtiger

      41:11 Stunden vor Stunde 0

      Gerade als Gibbs in sein Auto einsteigen will, kommt Colonell McWire aus dem Bürogebäude gelaufen und steigt in einen Jeep der MP, die gerade angefahren kamen, ein. Mit quietschenden Reifen fahren die Militärpolizisten davon.

      Aus einer Ahnung heraus ruft der Chefermittler im NavyYard an.

      „DiNozzo,“ klingt es fröhlich aus dem Lautsprecher.

      „Bericht,“ bellt der Silberfuchs ohne Begrüßung.

      „Ich hab Rotgold noch mal befragt,“ erzählt Tony locker. „Er hat zwei Männer in einem schwarzen SUV gesehen. Die Männer hatten militärisch geschnittene Haare und Anzüge von der Stange an. Einen hat er näher gesehen und ich habe gerade das Phantombild zu McWires Büro gefaxt mit der Bitte, es Dir zu geben...“

      „Besondere Merkmale?“, unterbrach der ältere Agent seinen SFA.

      „Schwarzer, blaue Augen, Narbe quer über linkes Auge,...“

      „Verdammt.“ Mit der Hand schlug Gibbs auf das Lenkrad und unterbrach die Verbindung. Barakkus wies alle diese Merkmale auf. Und ihm war klar, das McWire das auch wusste. Jetzt kam ihm der Kerl zuvor.

      Kurzerhand wählte er Dornegets Nummer und als dieser abhob, legte er sofort los. „Dorneget. Sofort Sergeant Barakkus festnehmen. Und Sie lassen sich von niemanden den Mann abnehmen. Ist das klar?“

      „Ver..verstanden,“ kam es stotternd zurück.

      Der Navy-Ermittler legte auf und fuhr mit halsbrecherischer Geschwindigkeit zu der Lagerhalle zurück. Dabei wurde er schon nach kurzer Zeit von der MP verfolgt. Hier war eben nicht Washington DC, wo es zu wenig Streifenwagen zu geben schien, die Gibbs einen Strafzettel verpassen konnten.

      Bei seinem Ziel angekommen, zeigte der Silberhaarige der MP hinter ihm seine Marke und identifizierte sich. Der Gunnery Sergeant schaute ihn trotzdem Böse an. „Kein Grund hier wie eine wild gewordene Sau herumzufahren, Sir!“

      „Um einen Mörder festzunehmen schon,“ erwiderte der Senior Agent trocken, drehte sich um und zeigte während er auf den Eingang der Lagerhalle zuging, seinen Ausweis auch diesen Soldaten der MP.

      Niemand hielt ihn auf. Der Colonell hatte da wohl eine entsprechende Anweisung gegeben.

      In der Halle fand er einen wutschnaubenden McWire vor. Mit seinen Leuten stand er im Halbkreis um den Sergeant und Dorneget herum. Alle mit der Waffe im Anschlag. Das Problem war, das der Mordverdächtige den Agent wie einen Schild vor sich hatte und mit dessen Waffe bedrohte. „Keinen Schritt weiter oder...“

      „Oder was,“ schnauzte Gibbs den Mann an, während er weiter auf die Beiden zu ging. „Werden Sie einen Bundesagent erschießen? Dann können Sie sich gleich die Kugel geben, denn ich werde dafür sorgen, das Sie lange ins Gefängnis gehen und dort die Hölle erleben. Weg mit der Waffe!“

      Nervös zog Barakkus seine Geisel mit seinem Arm um dessen Hals weiter nach hinten in die Halle hinein. Drückte dem Mann den Pistolenlauf an die Stirn.

      Obwohl Dorneget Todesangst hatte, war seine Stimme erstaunlich ruhig als er sprach. „Sie könnten Ihre Zeit im Gefängnis verkürzen, wenn Sie als Kronzeuge aussagen.“

      „Vorausgesetzt Sie wissen was wichtiges,“ stieg der Chefermittler darauf ein. Gedanklich gab er seinem vorübergehenden Teammitglied einen Stern für seine Reaktion.

      Allerdings sagten die größer werdenden Augen, das der bereits sehr blasse Junior Agent nicht das Gefühl hatte, unterstützt zu werden.

      Barakkus aber sah seine Chance wieder verschwinden und fühlte sich genötigt eine Kostprobe seines Wissens abzugeben. „Ich weiß sehr viel. Das hier ist eine größere Sache, als Sie sich bisher vorstellen können.“

      „Wie viele Waffen wurde bereits vertickt,“ fragte der Senior Agent ungerührt, der nun nur noch drei Meter vor dem Pärchen stand und somit in der Schusslinie der MP Soldaten. McWires Zähneknirschen war in der allgemeinen Stille gut zu hören.

      Sich über die Lippen leckend, dachte der Sergeant nach. Inzwischen schwitzte er stark. Ihm war heiß und kalt zugleich. Alles hatte so gut ausgesehen. Die Agents hatte keine Ahnung bis der große Pummelige einen Anruf bekam und zu seiner Waffe griff. Zuerst dachte er noch, es würde reichen, ihn zu überwältigen. Aber dann waren die Sirenen der MP zu hören. Er hatte handeln müssen und nun saß er ganz schön in der Klemme. „40 000 MPs. Dazu diverse Handgranaten. Zuletzt mehrere MK 19 Maschinengranatwerfer.“

      „An wen?“ stieß Gibbs scharf aus. Diese Waffe konnte verheerende Schäden anrichten. „Und wann?“

      „Gestern Nacht. An wen weiß ich nicht,“ sprach Barakkus mit zittriger Stimme. Erst nach den Worten wurde ihm bewusst, das es ein Fehler
      war, schon jetzt soviel zu verraten. „Ich weiß aber noch eine Menge mehr. Aber sagen werden ich nun nichts mehr.“

      Kurz knurrte der Chefermittler. „Lassen Sie meinen Agent los. Dann fahren wir zum Yard.“

      Der Sergeant zögerte, war unschlüssig. Daher flüsterte Dorneget: „Wenn Gibbs zu zählen anfängt, können Sie den Deal vergessen. Dann macht er Sie kalt.“

      „Ich zähle jetzt bis drei, dann ...“, fing der Silberhaarige knurrig an zu erläutern, was er zu tun gedachte.

      Aber Barakkus kam ihm zuvor vor lauter Angst. „Okay. Ich gebe auf.“

      Als er die Waffe wegnahm und den jungen Agent los lies, drehte dieser sich sogleich um und legte ihm die Handschellen, die er die ganze Zeit schon in der Hand gehalten hatte, an. Seine Hände zitterten dabei leicht.

      Gibbs schnappte sich die Waffe und durchsuchte den Soldaten schnell und trotzdem gründlich.

      Inzwischen kam der Colonell heran. „Den Mann übernimmt die MP.“

      „Vergessen Sie das,“ lies sich der Senior Agent vernehmen. Er stellte sich direkt vor den Colonell und es begann ein Kräftemessen der Blicke. „Das ist mein Gefangener und da der NCIS den Fall bearbeitet, nehme ich ihn mit.“

      „Der Kerl hat hier in meinem Lager Waffen gestohlen,“ erwiderte McWire zornig. „Ich werde ihn nicht gehen lassen, bis ich weiß, wer noch von diesem Stützpunkt in diese Schweinerei verwickelt ist.“

      „Soll das ein Weitpissen werden?“, fragte Gibbs eher genervt und zugleich herausfordernd zurück. „Der NCIS hat für so etwas die Profis. Nicht Sie. Also spielen Sie nicht den Beleidigten und behindern meine Ermittlungen unnötig.“

      Wenn Blicke töten könnten... Nur musste der Colonell einsehen, solche Blicke konnten mit der selben Intensität auch zurückkommen.

      „Ich muss wissen,“ fing McWire an, „wer noch beteiligt ist.“

      „Und Sie sind der Erste, den ich benachrichtigen werde,“ versprach der Chefermittler seelenruhig. „Das hier aber kostet wertvolle Zeit. Muss ich erst den SecNav anrufen? Schneller ginge es aber, wenn ich Sie festnehme.“

      Verblüfft starrte der Soldat den Ermittler an. „Weshalb denn das?“

      „Verdacht auf Mittäterschaft. Ihre Wahl.“


      Kapitel 42

      Verletzungen

      02:57 Stunden nach Stunde 0, Freitag 6:09 Uhr


      Der Speziell Agent Timothy McGee hatte es trotz seines Handicaps geschafft, den Oberkörper seines Kollegens frei zu legen und ihn in eine teils liegende, teils sitzende Position zu bringen. Kopf und Füße waren jetzt in einer Höhe.

      „Besser?“, fragte Tim besorgt, denn das sein Partner schwer verletzt war, wusste er nun gewiss. Mehrere Rippen waren gebrochen. Tony hustete auch etwas Blut und hatte Schmerzen beim Atmen, weshalb er nur flach die Luft einzog.

      Das Telefonat mit Senior hatten sie beenden müssen, da die Batterien des Handys nachließen. Über die Röhre hatten sie zwar ein neues Telefon bekommen, genauso wie mehrere Taschenlampen, aber dennoch gab es jetzt wieder den 10 Minuten Rhythmus.

      Durch das Wasser war der Sand teilweise weggespült worden. Dadurch hatten sich Bretter unter DiNozzo gelöst. So waren sie auf die Idee gekommen, den SFA weiter auszugraben. Auch um es ihm bequemer zu machen und die versteckten Verletzungen zu entdecken.

      Am Kopf befand sich eine Beule und eine klaffende Wunde, die der Nerd mit Verbandsmaterial, das durch die Röhre zu ihnen gelangte, verbunden hatte. Der linke Arm war eingeklemmt, so das Tony ohne Hilfe von Außen dort nicht weg kam. In wie weit der Arm beschädigt war, ließ sich nicht feststellen. Wahrscheinlich mehrfach gebrochen.

      Die Beine waren ebenfalls eingeklemmt und so war nicht fest zu stellen, ob sie gebrochen waren oder es offene Wunden gab. Der Stahlträger verdeckte alles.

      Am Rücken hatte der MIT Absolvent eine Eisenstange gefunden, die darin steckte. Nach Rücksprache mit Ducky hatte er die Stange nicht angerührt. Jetzt war der Bereich so abgestützt, das nichts passieren konnte. Allerdings verlor der Verunfallte Blut.

      Zwei Mal war DiNozzo Bewusstlos geworden. Erstaunlich wenig, wenn man bedachte, wie schlecht es ihm ging.

      Er hatte klare Momente, aber es gab auch Minuten, in denen er wirres Zeug von einem McButch und Geistern erzählte. Naja, das machte der Very Speziell Agent sonst zwar auch öfters, aber hier war schon zu merken, das sein Gehirn nicht mehr richtig funktionierte.

      Gibbs und Ducky waren darüber informiert. Und wenn man Ducky schon bei den Telefonaten anmerken konnte, das er sich Sorgen machte, dann war es schon schlimm, fand McGee.

      „Ja. … Danke.“ antwortete Tony auf die Frage einsilbig. Er fühlte sich schwach und ihm war kalt. Furchtbar kalt. Das Zittern seines ganzen
      Körpers konnte er nicht mehr kontrollieren. Mal war es schwächer, mal schüttelte es ihn. Dann hatte er wiederum das Gefühl zu verbrennen.

      Am liebsten hätte er die Augen zugemacht und geschlafen. Aber Gibbs hatte es ihm verboten. Er sollte auf Tim aufpassen. Was für ein Witz. Wie sollte er auf seinen Bambino aufpassen, wenn er selbst Bewegungsunfähig war? Aber dennoch war es eine Aufgabe, die er erfüllen musste. Das wusste der SFA genau.

      Irgendwo in seinem Gehirn wusste er aber auch, das es nur ein Befehl gewesen war, um ihn wach zu halten. Er sollte nicht aufgeben. Sein Verstand ließ die Erkenntnis darüber wohl weislich im Hintergrund.

      Zu dem gab es Momente, in denen DiNozzo hätte schwören können, das tote Personen, Freund und Feind, sich zu ihm hier gesellten und ihre
      Meinung lautstark kund taten. Ari wünschte ihm einen langsamen und schmerzhaften Tod. Kate beschwor ihn, durchzuhalten. Da Tim ihn verängstigt ansah, wenn er es ihm erzählte, hatte er es gelassen. Statt dessen beobachtete er die Meute und redete nur wenig mit ihnen. Schließlich erschreckte es seinen Bambino.

      Es war schon seltsam, wie viele hier unten in diesem Chaos Platz hatten, dachte er erheitert. Man konnte glatt Platzangst bekommen. Bei dem Gedanken musste er kichern und bereute es gleich darauf, da er McGees verstörtes Gesicht sah. Der Junge wusste einfach nicht, wie er auf diese Sprünge seines Partners reagieren sollte.

      „Alles gut, Bambino,“ sagte Tony deshalb leise.

      Dem Schwerverletzten fiel es immer schwerer wach zu bleiben. Seine Lunge schmerzte bei jedem Atemzug. Viele Steine schienen auf seiner Brust zu liegen, was es zu einem Kraftakt machte, Luft zu holen. Dagegen waren die Schmerzen in den Beinen und Arm kaum noch zu spüren.

      Immer mehr fragte DiNozzo sich, ob sich die Mühe noch lohnte. Der schwarz gekleidete Mann mit der Sense schien immer mal wieder ein Stückchen näher zu rücken. Der hatte übrigens einen sehr schlechten Schneider.

      Vor ein paar Minuten hatte McGee versucht, Tony auf die Geräusche aufmerksam zu machen. Die Retter kamen näher.

      Aber der SFA war schon im Halbschlaf und driftete immer mehr ab.

      Wieder traf ihn ein Schubser. „He, Speziell Agent DiNozzo, reißen Sie sich gefälligst zusammen.“ klang eine strenge aber auch aufgeregte
      Stimme an sein Ohr.

      „Schon gut, Bambino,“ antwortete der Angesprochene leise und drückte die Hand des Jüngeren wieder kräftiger. Es war die Verbindung, an der Tim den Zustand seines Kollegens am besten wahrnahm. Lies der Druck nach, war Tony wieder am ein nicken.

      „Du machst mir Angst.“ Die Stimme klang vorwurfsvoll und ängstlich. „Soll ein großer Bruder nicht den Kleineren beschützen?“

      „Beschützen schon,“ lächelte der Senior Agent belustigt. „Aber auch Angst machen.“

      „Haha.“ Typisch, dachte der Nerd, der ebenso erschöpft war wie sein Kamerad. Auch ihm war kalt und seine Verletzungen schmerzten höllisch. Das ständige auf und ab der Gefühle machte ihn fertig. Adrenalin konnte sein Körper unmöglich noch ausschütten. Soviel wie er davon in den letzten Stunden erhalten hatte, würde er sich nicht wundern, jetzt Entzugserscheinungen zu entwickeln.

      Ein paar Mal hatte er sich schon selbst dabei erwischt, eingeschlafen zu sein. Auch wenn es nur Sekunden waren, schämte er sich dafür. Sein Partner war hier der schlimmer Verletzte und alles, was er tun konnte, war, Händchen zu halten.

      Da! War das Wirklichkeit oder Einbildung? Hatte er Stimmen gehört?

      Angestrengt lauschte der junge Agent in das Gewirr und tatsächlich. Da waren Stimmen. „Tony, sie sind bald bei uns. Ich kann sie schon hören. Tony. He. Tony. Hörst Du mich?“

      Wieder diese Panik und Hilflosigkeit. Wie er das hasste. Sein Freund musste wach bleiben. Unbedingt.

      Schubsen.

      Rufen.

      Nochmal.

      Lauter.

      Verdammt.

      „Gibbs bringt Dich um, wenn Du jetzt stirbst!“ Ein letzter verzweifelter Ausbruch.

      „Hmmh,“ kam es vom SFA und die Hand griff wieder fester zu. „Sehr unlogisch!“

      Erleichtert ließ McGee die Luft raus. Bisher klappte es mit dem Trick, mit Gibbs zu drohen. Aber wie lange noch?

      „Ich kann die Arbeiter hören,“ informierte der Nerd den Anderen.

      Leise und leicht amüsiert erklang die Stimme seines Partners. „Dann ruf Gibbs an. ….Der freut sich einen Keks.“

      „Gibbs? Du spinnst, DiNozzo,“ bemerkte der MIT Absolvent erschöpft, während er schon die Nummer wählte.


      Kapitel 43

      Dreister Angriff

      39:55 Stunden vor Stunde 0

      Policeman Henry Baxter führte Tomas Fox zum Polizeiauto, wo seine Partnerin Officer Melissa Waco schon wartete. Der Mitfünfziger musste
      schmunzeln, als er sah, das das Küken die Hand an der Waffe hatte und sich konzentriert umsah, bevor sie die hintere Tür des Fahrzeuges öffnete. Frisch von der Akademie hielt Melissa sich Buchstabengetreu an die Vorschriften.

      Das würde nicht lange so bleiben, dachte der erfahrene Mann. Im Polizeialltag ging es um einiges anders zu als in den Studienunterlagen stand.

      Ein prüfender Blick zum Himmel zeigte ihm dunkle Wolken, die sich langsam über die Stadt schoben. Würde wohl am Nachmittag regnen.

      Bevor er den jungen Gefangenen in den Wagen bugsieren konnte, tauchte eine brünette Frau mittleren Alters auf und rief laut: „Tommy. Mein Gott. Was hast Du wieder angestellt?“

      Der bis dahin mit gesenktem Kopf den Anweisungen befolgende Bursche bekam rote Backen und gab ein beschämtes „Mum.“ von sich. Er schien richtiggehend in seinem Arbeitsoverall zu versinken. Der Truck, mit dem er schon zur Auslieferung von Waren in der Stadt unterwegs
      gewesen war, stand gegenüber auf der anderen Straßenseite.

      Bevor die besorgte Mutter in ihrem dünnen Sommerkleid ihren Sprössling indie Arme schließen konnte, trat Waco dazwischen. „Miss Fox.
      Entschuldigen Sie, aber wir können Sie leider nicht zu Ihrem Sohn lassen.“

      „Aber was machen Sie jetzt mit ihm?“, fragte Samantha nervös zurück und versuchte wieder einen Blickkontakt mit ihrem Jungen aufzubauen. Der aber hatte den Kopf gesenkt und kaute auf seiner Unterlippe herum. Warum musste seine Mutter hier nur auftauchen?

      Officer Baxter antwortete jetzt mit beruhigender Stimme. „Miß. Wir bringen ihn zum Navy-Yard. Der NCIS ist hier zuständig. Am besten besorgen Sie ihm einen Anwalt.“ Und damit schob er den mit Handschellen gefesselten Fox weiter zur Tür des Autos.

      Während Melissa mit der Mutter beschäftigt war, die versuchte an ihr vorbeizukommen, sah der erfahrene Policeman die Straße hinunter. Sei es Zufall oder Instinkt. Jedenfalls bemerkte er mit seinem über Jahrzehnte geschulten Blick einen dunklen Wagen, der zu schnell fuhr.
      Die hintere Scheibe wurde runter gelassen und der Lauf eines Maschinengewehren tauchte auf.

      Ohne Schrecksekunde schrie Baxter. „Runter! Hinlegen! Sofort!“ Gleichzeitig drückte er Fox zu Boden gegen den Wagen und zog seine
      Waffe.

      Da sie neben dem Polizeirevier vor den Parkbuchten standen, gab es reichlich erfahrene Polizisten, die auf den Ruf sofort reagierten. So
      rissen diese Männer und Frauen unbeteiligte Passanten mit nach unten, bevor diese überhaupt realisierten, was geschah.

      Frischling Waco hatte allerdings noch nie diese Art von Begegnung gehabt. Schließlich war das hier ihr elfter Einsatz. Sie blieb stehen und
      suchte die Gefahr. Ein völlig falsches aber normales Verhalten.

      In Sekundenbruchteilen erfasste Baxter die Situation und sprang kraftvoll auf die Frauen zu.

      Der Schütze aus dem Wagen ließ seine Waffe sprechen und die Kugeln durchsiebten mehrere Polizeiwagen. Einige Beamte schossen beherzt
      zurück und suchten Deckung hinter den Dienstautos.

      So schnell wie es begonnen hatte, war es auch schon wieder vorbei.

      Mit Entsetzen in den Augen sah Officer Smittersen, er hatte hier Deckung gesucht, den jetzt ängstlich am Boden hockenden Fox an. „Man,
      Junge. Mit welchen Schweinen hast Du Dich denn eingelassen?“

      Erst danach begann er mit einer Bestandsaufnahme.

      Der Gefangene blutete aus einer Wunde an der Schulter nahe des Armes. Weitere Verletzungen schien es nicht zu geben.

      Sein Kollege Baxter lag halb auf der Neuen und der Brünetten und rührte sich nicht.

      Misses Fox schrie wie am Spieß. Sie war total in Panik und versuchte den Körper über ihr los zu werden.

      Weitere Personen schienen lediglich einen Schreck bekommen zu haben.

      Aus dem Revier stürmten Polizisten teils mit schweren Waffen und versuchten, den Angreifer zu lokalisieren. Beziehungsweise heraus zu
      finden, was geschehen war.

      Zwei Einsatzwagen fuhren mit Sirenen los und nahmen die Verfolgung auf.

      Smittersen wies einen Kollegen an, bei dem Gefangenen zu bleiben. Zudem gab er sofort durch, das mehrere Krankenwagen gebraucht wurden.

      Als Smittersen die zwei Meter überwunden hatte, half er Waco vorsichtig von der schreienden Frau herunter. Eine Staatsanwältin kümmerte
      sich um Misses Fox und führte sie zu einer Bank.

      Baxter aber war von zwei Kugeln getroffen worden und bewusstlos. Sofort versuchten die beiden Officer die Blutungen zu stoppen.

      Die Rettungssanitäter waren schnell zur Stelle und konnten sich um den Polizisten kümmern.

      Erst jetzt konnte der ältere Officer Smittersen richtig Luft holen und über das Geschehene nachdenken. Er dankte Gott dafür, das Autos
      nicht so einfach von Kugeln durchdrungen werden konnten. Bei der Menge an Munition hätte er nicht überlebt und es hätte noch viel mehr Opfer gegeben. Offensichtlich war der junge Fox das Ziel gewesen.

      „Ohne Baxter wäre ich jetzt tot,“ kam es geschockt von der jungen Kollegin. Erst jetzt realisierte Melissa ihre falsche Reaktion und es machten sich Schuldgefühle breit. „Ich sollte angeschossen sein. Meine Aufgabe war es, eine Zivilistin zu schützen, die direkt vor mir stand. Statt dessen tat ich nichts.“

      „Schon Okay, Mädchen,“ versuchte Smittersen sie zu beruhigen. „Viele haben in so ner Situation ne Schrecksekunde. Keine Sorge. Niemand
      wird Ihnen da einen Vorwurf draus machen.“

      Einen Moment starrt die Frau ihn an. „Sie bluten, Officer Smittersen,“ kommt es dann unvermittelt von Waco.

      Und tatsächlich hatte er einen Streifschuss am Arm abbekommen. Gleichzeitig mit der Erkenntnis setzte auch der Schmerz ein. Trotzdem
      meinte er: „Halb so wild.“

      „Das sehe ich anders,“ erwiderte die Frau nun streng und dirigierte den Policeman zu einem Sanitäter. Hatte sie vorhin falsch gehandelt, so
      passierte ihr das kein zweites Mal, schwor sie sich.

      ------

      Der Polizeichef informierte gut 30 Minuten später NCIS Director Vance über den Vorfall und der wiederum Gibbs Team.

      Die Fox´s, Mutter und Sohn, waren ins Krankenhaus gebracht worden. Tomas hatte einen glatten Durchschuss und einen Schock. Samantha bekam eine Beruhigungsspritze, da sie völlig in Panik war und sich nicht beruhigen ließ. Keine weiteren Verletzungen.

      Der Polizist Baxter wurde operiert. Man war zuversichtlich, das er durchkommen würde.

      Leider hatten die verfolgenden Polizisten den Wagen nicht stellen können, da der Fahrer des Gegners plötzlich gewendet und auf Angriff
      gefahren war. Dabei schoss im vorbeifahren der Schütze wieder auf die Autos und beschädigte sie so schwer, das an Weiterfahrt nicht mehr zu denken war. Auch die Polizisten wurden dabei leicht verletzt.

      Die gute Nachricht war, das es keine Toten gab.

      Die schlechte, das Reporter und Politiker sich auf die Geschichte regelrecht warfen und für ihre Zwecke ausschlachteten.

      Der Polizeichef versuchte, so wenig Informationen wie möglich nach Außen dringen zu lassen. Aber Quatschköpfe gab es leider genug, so das
      sich Vance öffentlich äußern musste. Schließlich sollte Tomas Fox zum NCIS gebracht werden.

      „Soll ich ins Krankenhaus fahren, Boß?“, fragte DiNozzo und griff schon nach seinem Parka.

      Aber der Silberfuchs schüttelte den Kopf. Er stand zwischen den Tischen und stemmte sich seine Hände gegen die Hüften. „Ich habe Dorneget hingeschickt. Er wird auch die erste Wache übernehmen.“

      Das er den jungen Agent schon vor einer Stunde dort hingeschickt hatte, damit ein Arzt ihn sich ansah, erwähnte er nicht. Zudem war ein
      ruhiger Auftrag zum Personenschutz jetzt wohl nach dem Schock der Geiselnahme besser für den jungen Mann geeignet, als hier am Fall zu
      arbeiten. Dorneget sollte Zeit zum Nachdenken bekommen.

      Ein bisschen enttäuscht plumpste Tony wieder auf seinen Stuhl. Er hätte sich was vom Italiener zu Essen holen können. Das Lokal lag auf dem Weg.

      McGee hingegen fing leicht grinsend an, er konnte sich denken, warum sein Kollege raus wollte, über seine Recherchen zu berichten. „Du
      wolltest alles über Rachel McLachlein und Cherryl McWire haben. Also die Erste ist in Cornwood in Main geboren. (Bilder erschienen auf dem
      Bildschirm.) Eltern leben noch dort. Der Vater, Adam McCord, betreibt einen Eisenwarenhandel. Die Mutter hilft dort mit. Das haben sie ihr
      Leben lang gemacht. Rachels Brüder arbeiten ebenfalls in dem Laden. Die Schwester ist Lehrerin im Nachbarort. Bei all diesen Personen
      nichts auffälliges. Rachel wurde mir von Nachbarn und Schulkameradinnen als rebellierend beschrieben. Sie wollte in dem kleinen Ort nicht versauern. Ihr Vater hat sie aber kurzerhand mit Charles Amando McLachlein, dem Banker der Stadt, verheiratet. (Ein Foto des Mannes erscheint.) Keine Kinder. Rachel hat nur zwei Monate später ihn wegen Vergewaltigung angezeigt und die Scheidung eingereicht. Sie zog aus dem Ort fort und soll seit dem, also seit 12 Jahren, keinerlei Kontakt mehr zu ihrer Familie haben. Mit ihrer Ausbildung zur Verkäuferin hat sie verschiedene Stellungen annehmen können. Da sie aber nie lange an einem Ort bliebt, wechselte sie auch immer wieder schnell den Job. Seit sieben Monaten ist sie nun in DC und ein starker Partygänger. Dadurch ist ihr Freundeskreis recht groß. Wirkliche feste Beziehungen hatte sie aber nur zu unserem Toten und davor schon einmal mit einem Travis Akkord. Der gab die Auskunft, das sie sehr Eifersüchtig sei, was es einem Mann schwer bei ihr machte. Wenn sie einen Lover wieder los werden wolle, würde sie eine blühende Fantasie entwickeln. Dabei auch Anzeigen bei der Polizei wie Stalking, Einbrüche, Vergewaltigungsversuche machen, die aber gelogen sind. Ich habe daraufhin Polizeiberichte geprüft und 49 Anträge von ihr gefunden. Ein Amando Mendoza ist dabei öfter als One-Night-Stand aufgetaucht. Und eine Sporttasche wurde schon 8 Mal gestohlen.“

      „Mit anderen Worten, wir können die Sporttasche vergessen,“ kommentiere der SFA und legte gelangweilt seinen Kopf in seine Hand, dessen
      Ellbogen auf dem Schreibtisch platziert war. „Und Amando war doch der zweite Vornahme ihres Ex-Ehemannes.“

      „Denke ich auch,“ stimmte Tim zu. „Die Berichte zu dem Klau sind nahezu identisch.“

      Gibbs schürzte die Lippen kurz. Irgendwie hatte er Rachel sowieso schon aus dem Fall raus gehabt. Aber man musste gründlich sein. „Was ist
      mit Cheryll?“

      „Die kleine McWire ist auch eine Rebellin,“ begann das Computergenie sogleich und auf dem Schirm erschienen die passenden Fotos. „Sie hat allerlei Dummheiten gemacht. Streiche in der Schule, weshalb sie schon sechs Mal wechseln musste. Es mag auch daran liegen, das ihre Mutter an Krebs starb, da war sie 12 Jahre alt. Am Anfang hat sie wohl versucht, die Mutter zu ersetzen. Sie hat alles im Haushalt gemacht. Hat mit Jungs nichts angefangen um für ihren Vater da zu sein. Laut einer Freundin hat ihr Vater aber versucht eine neue Mutter ins Haus zu bringen. Da hat dann alles angefangen. Falsche Freunde haben sie dazu gebracht zu klauen. Nur dem Einfluss des Colonells ist es zu verdanken, das viele Vergehen mit einer Verwarnung endeten. Inzwischen musste sie aber auch schon Sozialstunden ableisten, da sie nicht aufhört Dummheiten zu machen. Die Freundin meinte, das ihr Männerverschleiß recht hoch sei. Sie geht auf Partys und hängt stark bei den Soldaten herum. Dabei lässt sie sich das Schießen bei bringen oder Panzer fahren und dergleichen. Mit Sprengstoff kann sie ebenfalls umgehen und sie hat faktisch zu jedem Gebäude und Büro Zugang durch ihr Wissen, wo Schlüssel und Zugangscodes zu finden sind.“

      „Damit wäre sie für Schmuggler der ideale Insider,“ kam es nachdenklich vom smarten Agent. „Solche wütenden Mädchen sind auch leicht zu beeinflussen. Man braucht nur den richtigen Knopf zu drücken und schon macht es Peng. Erinnert mich an den Film Footlose von 1984. Obwohl da gab es kein Peng. War eher ein seichter Tanz... ich hör schon auf, Boß.“

      Die erhobene Hand wieder sinken lassend, geht der Chefermittler zwischenden Schreibtischen mit einem winzigen Lächeln um die Mundwinkel hin und her. „Woher wussten Fox Kumpane von seiner Verhaftung? Und der Verlegung?“

      „Wusste der Colonell von Tomas?“, fragte McGee zurück und beobachtet den Senior Agent, der jetzt zu seinem Schreibtisch ging. Ein Kopfschütteln antwortet dem Nerd.

      „Diese Information haben wir nicht herausgegeben,“ meinte Tony dazu. „Bei uns im Yard ist erst jetzt durch die Medien das Thema überhaupt aufgekommen. Der Junge war aber einige Stunden in Polizeigewahrsam. Die haben ihn sicher in der Sammelzelle untergebracht. Ich werde mal nachfragen, ob und wen er angerufen hat. Ein Anruf steht ihm ja zu. Und wer mit ihm gesessen hat.“

      Nickend bestätigt Gibbs diese Idee und DiNozzo schnappt sich eifrig den Hören.

      „Dorneget könnte auch danach fragen,“ greift Tim die Idee auf. „Ich simse ihm das mal rüber.“

      „Und ich will von Dorneget einen Bericht. Ich will alles zu Barakkus haben und zu seinen Freunden,“ gab der Marine seinen Agents Befehle.
      „Wenn ich zurück bin, verhören wir ihn.“

      Und damit verschwand ihr Boß im Fahrstuhl. Wann hatte er seinen letzten Kaffee gehabt?


      Kapitel 44

      Semper Fi

      03:16 Stunden nach Stunde 0, Freitag 6:28 Uhr

      Der grauhaarige Mann war immer nervöser geworden. Jede Minute, die verstrich, kam sein SFA dem Tod näher und Tim hielt auch nicht mehr lange durch. Man konnte bei jedem Telefonat merken, das McGee seine Gefühle kaum mehr unter Kontrolle hatte. Die ständige Sorge um Tony und sein eigenes Leben, das permanente auf und ab, forderte ihren Tribut. Da jetzt still hier oben zu bleiben, ging Gibbs zunehmend gegen den Strich.

      Als sein Handy klingelte, außerhalb des regulären Rhythmus, nahm der Seniorermittler sofort besorgt ab. „Was ist los?“

      Er lauschte kurz. „Gut. Haltet durch!“ Und schon stapfte er rasch in das Kommandozelt aufmerksam von Ducky, Senior und Abbys Augen verfolgt. Trotz ihrer Neugierde fragten sie nicht nach. Inzwischen wussten die Angehörigen nicht, ob sie neue Informationen noch seelisch
      vertrugen. Also blieben sie stumm und warteten.

      Als der Agent neben dem Firechief stand, sagte er ohne Einleitung schlicht: „Sie hören Stimmen und es fällt auch etwas Licht rein.“

      „Gut. Dann müssen wir jetzt vorsichtiger vorgehen,“ war die nicht willkommene Antwort und der erfahrene Feuerwehrmann sprach in sein WalkyTalky, um die Retter zu informieren.

      Die Aussage ließ Jethro ergeben seufzen. Er wusste genau, würde jetzt wild weiter gebuddelt, konnte das zum Einsturz dieses Raumes führen. Aber seinen Familienmitgliedern lief die Zeit davon. Und jetzt wurde noch langsamer gegraben.

      Vance hielt seinem besten Mann einen Becher Kaffee hin. Er hatte erst vor einer Stunde hier eintreffen können und übernahm seit dem die
      Pressearbeit. Somit hielt er sich weitestgehend im Zelt auf, was Gibbs durchaus gut fand. Ging der Kerl ihm doch somit aus dem Weg. „Jede Minute ist eine gewonnene Minute,“ versuchte der Direktor aufzumuntern.

      Ein Brummen kam zur Antwort während der Kaffee schon mechanisch getrunken wurde. Leon war klug genug, um sich wieder zurückzuziehen und statt dessen die SecNav zu informieren.

      Als Captain Steils nun die Kommandozentrale betrat fragte der Chefermittler einfach. „Kann ich rein klettern?“ Die Antwort war ihm eigentlich schon bei der Fragestellung bekannt.

      Bedauernd schüttelten der Chief und der Captain nur den Kopf. Der Mann hatte zwar ihr Mitgefühl und sie konnten den Teamchef verstehen, aber sie mussten im Namen der Sicherheit hart bleiben.

      Einer der wartenden zivilen Ärzte kam nun zu ihnen rüber. Er hatte das Gespräch mitgehört. „Gibt es eine Möglichkeit, das eine Person zu den Eingeschlossenen durchkommt?“

      „Wieso?“ Launtrie ahnte schon, was der idealistische junge Mann gleich sagen würde. Es gab immer junge Leute, die die Gefahr einfach ignorierten.

      „Weil ich es riskieren würde, damit die medizinische Versorgung in Gang kommt. Der Verunfallte hat sowieso nur noch eine winzige Chance.“

      Der Feuerwehrmann schüttelte abermals den Kopf und wollte schon absagen, als Gibbs ihm zuvorkam. „Das ist viel zu gefährlich. Tim ist zwar zu Tony durchgekommen, aber eine falsche Bewegung und das Ganze bricht zusammen.“

      „Würden Sie nicht gehen, wenn es eine Möglichkeit gibt?“, fragte der Arzt ruhig.

      „Sofort,“ gab der NCIS Agent zu. „Aber...“

      Den Finger hebend unterbrach der Mitdreißiger den Grauhaarigen. „Ich weiß. Und ich hänge am Leben. Trotzdem würde ich da rein gehen, wenn es einigermaßen sicher ist, da durch zu kriechen.“

      „Es wäre eine Prüfung wert“, ließ sich nun der Captain vernehmen. Bisher hatte er nur zugehört. Er war erfahren genug, um zu wissen, das ihre Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt sein würden, wenn nicht endlich ein Arzt zu den beiden Agents durchkam.

      Seufzend gab sich Launtrie geschlagen. „Kommen Sie mit. Wir schauen vor Ort, ob es möglich ist ohne das Sie begraben werden.“

      ---------------------------

      „Sie haben aufgehört zu graben.“ Furcht klang in Tims Stimme mit.

      Tony schien die Situation aber unnatürlich klar zu analysieren. Diese Momente hatte er immer mal wieder. „Da sie in unserer ...Nähe sind, müssen sie ….doppelt vorsichtig sein. ...Ein falscher Schritt ...und der Schrott über uns ….zerquetsch uns zu Brei.“

      „Okay! Verstanden! Trotzdem,“ erwiderte McGee sich mühsam beherrschend. Sein Nervenkostüm war am Ende und das Denken fiel ihm schwer. „Sie könnten ruhig schneller machen.“

      „Würdest Du mir einen ….Gefallen tun, McAngsthase?“, fragte DiNozzo kaum noch hörbar.

      Heftig nickend näherte sich der MIT Absolvent seinem Freund. „Natürlich!“

      „Hör auf meine Hand ...zu zerquetschen. ….Vielleicht brauche ich sie... noch in diesem Leben.“

      „Oh!“ Erschrocken sah der Nerd seine eigene Hand an und entdeckte trotz des diffusen Lichtes, das Tonys Finger schon ganz weiß waren. Sofort lockerte er seinen Griff. „Entschuldige!“

      „Entschuldigungen sind ...was für Weicheier,“ kam es vom Senior Field Agent zurück.

      Einen frustrierten Seufzer ausstoßend, rief Timothy verzweifelt: „Zur Zeit bin ich ein Weichei, Tony. Ich kann Dir nicht helfen, obwohl ich es so gerne würde.“

      „Schon gut,“ lächelte der Ältere in die zunehmende Dunkelheit, denn das Licht der Taschenlampen schien sein Gehirn nicht mehr in vollem Umfang zu erreichen. „So leicht wirst Du ….mich nicht los. ...Ich habe nicht vor, ...Dir das Team zu überlassen.“ Messerscharf hatte Anthony die Gedanken von seinem Bambino erfasst.

      Der fühlte sich ertappt und wurde rot vor Scham. Hatte er doch seinen Kameraden schon halb in Panik Tod gesehen. Und daran gedacht, wie schrecklich es ohne ihn im Büro weitergehen würde. Dabei war ihm auch eingefallen, das er dann der Senior Field Agent war und die Leitung über das Team hatte, wenn der Boß verhindert war. Bevor er aber sich für diese Gedanken entschuldigen konnte, hörte er seinen Namen.

      Jemand rief nach ihm.

      „Gibbs ruft Dich,“ meinte DiNozzo dazu. Er hatte es auch gehört.

      Aufgeregt drehte sich der junge Agent in die Richtung des Lichts, das durch die Öffnung einige Meter entfernt hereinschien. „Hier,“ schrie er so laut er konnte. „Wir sind hier!“

      „Okay, McGee, ich höre Dich,“ kam es zurück. „Siehst Du die Lampe?“

      „Ja. Ihr scheint direkt zu uns herein.“ Erleichterung floss durch Tims Adern. Der Boß war da. Alles würde gut werden.

      „Wie weit entfernt?“, hörte er den Silberfuchs rufen.

      Kurz schätzte der Nerd die Entfernung, was nicht einfach war. Die Zeit hier unten, die Gefühlsschwankungen, die Angst, das alles war für die Wahrnehmung der Umgebung nicht sehr förderlich.

      „Tief durch atmen,... McNervös. Du ...schaffst das,“ sprach sein Partner leise hinter ihm. Aus fast geschlossenen Augen beobachtete er seinen Freund und bemerkte dessen Unsicherheit. Und er erriet wieder das Problem so sicher, als wäre er in McGees Kopf.

      „Danke,“ flüsterte der MIT-Absolvent zurück, und nach einem tiefen Atemzug rief er laut: „5-8 Meter schätze ich.“

      „Viel Gerümpel?“

      „Was .. was meint der Boß damit?“ Verwirrt fragte sich Tim das selbst.

      Aber DiNozzo hatte verstanden und half auch hier weiter. „Er will wissen, ...ob der Weg frei ...ist, um zu uns ...zu klettern.“

      „Oh,“ überlegend schaute McGee in dem defusen Licht die Strecke ab. „Es liegen Balken quer über der Grube. Eine Menge Schutt ist hier. Das Wasser hat Schlamm dagelassen. Aber ich denke, jemand könnte da durch kriechen. Das Dach sieht stabil aus und hier unten kann man das meiste gefahrlos zur Seite schieben.“

      „Können Sie raus klettern?“, fragte nun eine fremde Stimme.

      Entsetzt schaute Timothy seinen Kollegen an. Ihn hier allein zu lassen, das ging doch nicht.

      „Sag ja,“ kam es ruhig von dem schwerverletzten Agent. „Je schneller ...Du in Sicherheit ….bist, um so ….besser.“

      „Nein!“ Mit Nachdruck kam dieses Wort aus dem Mund vom jüngsten Teammitglied. Entschlossen fügte er hinzu: „Ich lass Dich nicht allein.“

      „So ein Quatsch,“ flüsterte der Schwerverletzte und versuchte zornig zu klingen. Dabei versagte er kläglich. „Mach, das Du hier ….rauskommst. Dileila wartet.“

      Aber McGee schüttelte nur den Kopf. „Boß?“

      „Ja?“

      „Ich kann hier nicht weg!“ Mit fester Stimme gab der Agent diese Erklärung ab. „Selbst wenn ich es tun würde, ich habe nur einen Arm zur
      Verfügung. Das ist zu schwierig.“

      „Weichei,“ brummte DiNozzo neben ihm.

      Zu McGees eigener Überraschung musste er lächeln. Dieses Wort erinnerte stark an den alten Tony.

      „Okay Tim. Wir kommen zu Euch. Wie geht es Tony?“, rief Gibbs von draußen.

      „Schlecht,“ schrie der Computerspezialist zurück. „Ich kann ihn kaum noch wach halten.“

      „Verstanden.“

      Dann war es wieder still.

      -----------------------------------------------

      Um sie herum türmten sich die Überreste der Halle und des Inhalts. Mehrere Arbeiter und Feuerwehrmänner standen bei ihnen. Auch einige Soldaten waren zugegen. Inzwischen konnte man auch ohne die starken Lampen der Feuerwehr das Szenario sehen. Die Sonne schickte die ersten Strahlen auf die Stadt. Laut Wettervorhersage sollte es ein schöner Tag ohne Regen werden. Hoffentlich behielten die Wetterfrösche recht.

      Kopfschüttelnd starrte der Chief auf das Loch der Mechanikergrube. Er, Steils und Gibbs waren gerade wieder herausgekrochen. Immer noch gab es einige Meter zu überwinden und es wurde schwieriger.

      „Wenn wir den Haufen abtragen wollen, brauchen wir dafür sicher noch 4 bis 5 Stunden,“ meinte der Captain nüchtern.

      „Diese Zeit hat McGee, aber nicht DiNozzo,“ warf der Arzt ein. „Wenn er einschläft, bei den Verletzungen, wäre es ein Wunder, würde er es noch schaffen zu überleben.“

      „Dort rein zu gehen ist der reine Wahnsinn,“ erwiderte Launtrie ruhig. „Es ist zu unsicher.“

      „In Afghanistan haben wir gelernt, wie man solche Hohlräume absichert,“ mischte sich nun ein Marine Leutnant ein. „Das Material dazu haben wir dabei. Es handelt sich um Gummistangen, die durch ein speziellesSystem so hart wie ein Stahlträger werden.“

      „Also erst die Spezialisten rein, die absichern und dann der Arzt. Danach wird weiter geräumt, damit die Beiden da raus geholt werden können,“ stellte der Chefermittler ruhiger als er sich fühlte fest. „Wie lange würden Sie für die Acht Meter brauchen?“

      „30 Minuten,“ kam sofort die Antwort. „Eventuell auch schneller. Kommt auf die Situation an.“

      „Dann machen wir es so,“ entschied der Captain, was Launtrie zum Protest ansetzen lies. Aber Steils unterbrach schon im Ansatz. „Meine
      Verantwortung. Meine Entscheidung. Solche Einsätze sind uns nicht unbekannt und auch noch nicht das Extremste, was ich je gemacht habe.“

      Der Chief betrachtete die Gesichter der Marines, Gibbs eingeschlossen, und nickte ergeben. „Ich schätze, ich würde Sie sowieso nicht abhalten können. Also los. Aber die Verantwortung trage ich dafür nicht.“

      „Kein Problem,“ konnte Leroy Jethro Gibbs da nur fast lächelnd von sich geben. Nur zu gern trug er die Verantwortung. Brachte es die nötige Hilfe doch zu seinen SFA.

      Zum Arzt gewannt gab Steils den Befehl: „Unsere Ärzte werden da reingehen. Dafür sind meine Leute geschult. Sie übernehmen, wenn wir die Verletzten raus geholt haben.“

      Kurz zögerte der Arzt, stimmte aber doch zu.

      „Semper Fi,“ lies sich Gibbs vernehmen und klopfte dem Marine auf die Schulter.

      Jetzt ging es weiter. Vielleicht doch mit einem Happy End?


      Kapitel 45

      Die Wette

      39:11 Stunden vor Stunde 0

      „Laut Abby hat Fox im Tropicana angerufen,“ verkündete Tony übermäßig fröhlich als Gibbs von Vance zurückkam. „In der Sammelzelle waren nur zwei Kleinkriminelle, die zu einer Straßengang gehören. Sackgasse sag ich Dir und zwar so was von....“

      „Infos zum Tropicana?“, unterbrach der Chefermittler ihn und stellte sich vor den Bildschirm.

      Dieses Mal antwortete McGee, der auch gleich die passenden Bilder dazu aufrief. „Das Tropicana gehört einem Mann namens Edward Collins,
      genannt Sir Everrett. Seine Akte fängt an mit Diebstahl als er acht Jahre alt war. Hat sich hochgearbeitet bis zum Mordverdacht, konnte
      aber nicht angeklagt werden. Insgesamt hat er von seinen 55 Lebensjahren 27 im Knast verbracht. Seit 9 Jahren kein einziges Vergehen mehr. So lange besitzt er auch mit einem stillen Teilhaber die Bar.“

      „Und der soll heißen Randal Dover,“ fügte DiNozzo aufgekratzt hinzu. „Ein Mann nur mit einer Geburtsurkunde. Sonst gibt es rein gar
      nichts über den Kerl. Wenn Du mich fragst, ist das eine Scheinidentität. Vielleicht existiert da nicht mal ein Typ hinter. Oder ist von Aliens entf.....“

      Der Silberfuchs gab seinem SFA eine leichte Kopfnuss und warf einen Blick in dessen Mülleimer, in dem zwei CafPow Becher lagen.

      Unschuldig erklärte der Jüngere: „Hab ich von unser Laborfledermaus.“ Und rieb sich den Hinterkopf.

      „Ab jetzt für Dich verboten,“ befahl Gibbs.

      „Okay, Boß,“ grinste der Agent überdreht und hüpfte von einen Bein auf das Andere, was er aber schnell wieder unterließ. „Tschuldige,
      Boß.“

      Tim konnte sich ein schadenfrohes Lächeln nicht verkneifen. Erzählte dann aber ernst weiter. „Bei den 16 Angestellten sind nur die Bodyguards auffällig. Davon gibt es drei. Robert Smith, Amed Brown und Bill Mayer. Alle drei haben schon eingesessen wegen Schlägereien
      und Drogenhandel. Das letzte Mal vor 8 Monaten.“

      „Was ist mit der Bardame?“ Ein Schmunzeln erhellte kurz das Gesicht des Chefermittlers. Selbst in der Erinnerung amüsierte ihn die Frau.

      „Miß Loretta Larson, geborene Freese. Künstlername Miß Laroue,“ erzählte Tony hibbelig. „Sie ist in Oregon vor 39 Jahren geboren worden. Sieht man ihr echt nicht an. Ich meine, ich hätte sie für älter....Gehörte zu einer Schaustellerfamilie. Dadurch hatten sie keinen festen Wohnsitz. Erst durch ihre Heirat mit dem Staubsaugervertreter Herb Larson wurde sie sesshaft hier in Washington. Ihr Mann verstarb an Krebs vor 4 Jahren. Davor war er lange Jahre in Behandlung. Da er selbst nicht mehr Geld verdienen konnte, hat Loretta durch Auftritte in verschiedenen Bars den Unterhalt und das Geld für die Medikamente beschafft. Deshalb der Künstlername. Ich vermute mal, das sie sich auch prostituierte, denn die Summen, die gebraucht wurden, waren schon hoch. Durch artistische Einlagen, Striptease und Gesang nicht zu erarbeiten. Erst nach dem Tod ihres Gatten fing sie im Tropicana an. Ihre Lebensführung ist solide. Keine Auffälligkeiten seit dieser Zeit.“

      „Hast Du was aus Barakkus rausbekommen?“, fragte McGee seinen Chef neugierig.

      Der schüttelte den Kopf. „Stumm wie eine Auster. Lassen wir ihn schmoren.“

      DiNozzo lachte über die Äußerung, verstummte beim gibbschen Blick schnell wieder. „Bei der Durchleuchtung seiner Kameraden sind mir zwei Soldaten aufgefallen. PO Hope Forman. 21 Jahre alt. War in einer Gang und hatte Schwierigkeiten mit dem Gesetz. Der Richter gab ihr ne Chance mit Militärdienst. Und Corporal Clowny Brouwder. Bei dem Vornamen dürfte sein Start ins Leben alles andere als Angenehm verlaufen sein. Ich könnte mir da Scherze vor.....Seine Frau vernichtet reichlich Geld in Boutiquen. Er selbst ist totaler Durchschnitt. 1977 geboren. Einzelkind. Eltern leben noch in Ohio.“

      „Dann hohl sie...“, fing der Silberhaarige an, wurde aber von seinem SFA aufgedreht unterbrochen. „...her. Sind schon auf dem Weg. Der
      Colonell hat sie gleich einkassiert.“

      Skeptisch guckte der Ältere DiNozzo an. „Und er schickt sie her?“

      „Ja,“ nickte Tony kräftig und grinste dann übers ganze Gesicht. „Nachdem ich gedroht habe, Dich noch mal vorbeizuschicken. Was hast Du ihm nur angedroht?“

      Ohne weiter darauf einzugehen, drehte Gibbs sich um und ging zu seinem Schreibtisch. Dort holte er seine Waffe. „McGee. Wir fahren ins
      Tropicana. DiNozzo. Verhör den PO und den Corporal. Und trink mindestens 2 Liter Wasser in der nächsten Stunde.“

      „Geht klar Boß,“ rief der zurück bleibende Agent hinter seinen Kollegen her.

      Im Fahrstuhl fragte der Seniorermittler niemanden bestimmten: „DiNozzo und CafPow?“ Normal hätte er seinen SFA mitgenommen, aber in
      diesem überdrehten Zustand hätte er ihn auf dem Weg wahrscheinlich aus dem Auto geschmissen. Wie kam DiNozzo nur auf die Idee, dieses
      Zeug zu trinken? Und gleich zwei Becher.

      „Eine Wette mit Abby,“ erklärte der Nerd schadenfroh. „Sie hat Tony letzte Woche dazu überredet, den Schwestern noch ein paar Tricks für
      das Bowlingturnier beizubringen. Danach hat er gemeint, das die Schwestern den letzten Platz belegen würden. So hat Abby mit ihm gewettet, das er für jeden Platz, den die Nonnen besser sind als der letzte, einen Becher ihres Lieblingsgetränkes trinken muss. Gestern war das Turnier.“

      „Sie haben den vorletzten Platz belegt?,“ schmunzelte Gibbs.

      „Nein,“ erwiderte Tim grinsend. „Sie wurden Zweite. Tonys Glück, das es nur 7 Gruppen gab.“

      Ungläubig schaute der Silberfuchs seinen Agent an. „Er musste fünf Becher trinken?“

      McGees Grinsen wurde noch breiter.

      Kein Wunder, dachte der Seniorermittler amüsiert, das sein SFA so aufgedreht war. Schließlich war er dieses Zeug nicht gewohnt. Allerdings war es da fraglich, ob er heute wirklich noch zu gebrauchen war. Im Außendienst jedenfalls nicht.


      Kapitel 46

      Zu Späht?

      03:34 Stunden nach Stunde 0, Freitag 6:46 Uhr

      Wie zum Teufel sollte er DiNozzo 30 Minuten lang wach halten?, fragte sich der MIT-Absolvent verzweifelt. Schließlich tat er das schon die ganze Zeit und es wurde immer unmöglicher. „Du musst wach bleiben, Tony. Nicht einschlafen. Hilfe ist bald da.“

      „Müde,“ kam es leise zurück und der Schwerverletzte schloss wieder die Augen. Seine Lider schienen Tonnen zu wiegen. Und sein Bambino klang so weit weg. Alles schien in einem dumpfen Nebel zu verschwinden. Wurde leiser und leiser. Es war verlockend, sich der bleiernen Schwere hinzugeben. Einfach schlafen und vergessen.

      Aber da traf den SFA des Teams etwas nasses. Die plötzliche Kälte ließ ihn aufschrecken und die Augen aufreißen. Wasser, war die Erkenntnis. McGee hatte ihm Wasser aus der Flasche ins Gesicht geschüttet, das jetzt kalt in seinen Kragen lief. Ein neuerliches Zittern ging durch seinen Körper. Jetzt fühlte sich alles wieder so kalt an. Schauer um Schauer gingen über seine klamme Haut. Unmutig grummelte der NCIS Agent kurz.

      „Gott sei Dank,“ sagte eine erleichterte Stimme neben ihm. „Da bist Du ja wieder. Man. Bitte, halte noch eine halbe Stunde durch. Bitte.“

      Den Kopf zu seinem Kollegen drehend, versuchte der Angesprochene in dessen Gesicht zu sehen. Aber die Taschenlampe über ihnen glühte nur noch so gerade und das Licht der Rettungskräfte war hinter Timothy. So konnte er nur dessen Konturen sehen. „Alles klar,“ antwortete er und hörte gleichzeitig krächzende Laute. Es dauerte einige Sekunden, bis er begriff, das es seine eigene Stimme war.

      Wie es wohl im Himmel aussah? War da Frühling? Immer währender Frühling? Langweilig.

      Oder kam er in die Hölle? Da war es wenigstens warm.

      So driftete er schon wieder ab und erst ein Schubs von McGee, erinnerte ihn daran, das er am Leben bleiben wollte.

      Oder nicht?

      „Woran denkst Du, Tony“, fragte Tim. Er hatte furchtbare Angst, das ihm in den letzten Minuten vor der Rettung, sein Vorbild unter der Hand wegstarb. „He! Rede mit mir!“

      DiNozzo hörte durch den Schleier seinen Freund und auch die Angst in dessen Stimme. Allerdings glaubte er, das der Junge um sich selbst Angst hatte. Das weckte wieder seinen Beschützerinstinkt als großer Bruder. Also konzentrierte er sich und holte noch irgendwo die Energie dafür weg. „Keine Angst, ...Bambino. Gibbs ….holt uns schon raus. ….Du kannst mit Deiner ….Freundin noch viele ….Babies machen.“

      „Okay. Gut,“ erwiderte der Nerd etwas verwirrt. Es war doch manchmal sehr schwer, den Gedankensprüngen seines Kollegens zu folgen. „Da ist jemand durch das Loch gekrochen und macht nun irgendwas hier unten.“

      „Die Träger abstützen,“ belehrte ihn der Ältere kaum hörbar. „Im Bergwerksstollen ….macht man das,....damit nichts einstürzt.“

      Froh, das Tony redete, ermutigte McGee ihn weiter. „Aus welchen Film hast Du dieses Wissen?“

      „Verflucht bis zum... jüngsten Tag,“ gab der Filmfreak bereitwillig Auskunft. „Mit Sean Connery... und Richard Harris... in den Hauptrollen.“

      „Den kenn ich gar nicht,“ mit Absicht log der MIT-Absolvent hier.

      „Banause,“ war die erwartete Antwort. „Wir sehen uns ….den Film ….zusammen an.“

      „Okay.“

      „McGee,“ erklang Gibbs Stimme nicht weit von ihnen entfernt.

      Sofort schaute Tim sich nach seinem Boß um. Er war nun auch hier unten in fünf Meter Entfernung.

      „Hier,“ antwortete der Computerspezialist. Insgesamt konnte der Agent vier Personen ausmachen. Und sie kamen gut vorran. „Tony schläft mir ständig ein.“

      „Wir sind gleich da,“ ermunterte der Seniorermittler die Eingeschlossenen. „DiNozzo. Wenn Du einschläfst ohne meine Erlaubnis, schick ich
      Dich zurück zu den Straßenpolizisten.“

      Seufzend drückte Tony die Hand seines Partners. Es fiel ihm sehr schwer, wach zu bleiben. „Ich bin früher ….gerne Streife gefahren.“

      „He, das war früher!“ Die Worte seines Kollegen versetzen den Nerd fast in Panik. „Jetzt liebst Du Deinen Job als Senior Field Agent.“

      „Ja,“ bestätigte der verletzte Ermittler und spürte, wie er Stück für Stück den Kampf gegen die Dunkelheit verlor. Seine Augen schlossen
      sich gegen seinen Willen. Aber er konnte einfach nicht mehr.

      Als Gibbs den Schrei von seinem Teamkollegen nach ihm vernahm, wusste er, das er nicht mehr warten konnte bis alles abgesichert war. Tony starb gerade.

      Auch der Arzt Ben Bakulas wusste, jetzt oder nie, wenn der Mann noch eine Chance haben sollte.

      So hielt er den Ermittler vor ihm mit der Hand zurück. „Ich gehe vor. Je schneller ich da bin, um so schneller kann ich ihn verarzten.“

      Der Teamchef nickte und machte Platz. Behende schlängelte sich der Marine an ihm vorbei und durch das Durcheinander von Balken, Streben und Kabeln. Keine drei Minuten später war Ben schon bei den Eingeschlossenen.

      Der Chefermittler wollte zwar auch so schnell als möglich zu seinen Leuten, aber er war vernünftig genug, nicht blind los zu stürmen.

      „Das Geflecht hier ist recht stabil, Sir,“ sagte da die adrette Frau neben ihm. Sie gehörte zu dem Spezialkommando. Da sie sehr zierlich war, konnte sie sich überall hindurch schieben und so für ein schnelles Vorwärtskommen sorgen. Jetzt bewegte sie die Taschenlampe über das Durcheinander über ihnen. „Die Stahlträger haben sich so über die Grube gelegt, das sie die Last darüber gut abfangen. Wir brauchen nur die Querstreben hier unten abzusichern. Sie können sich also vorsichtig da durch bewegen, Sir.“

      Dankend nickte Gibbs und bewegte sich in die Richtung, die die Taschenlampe des Captains gewiesen hatte. Einen der Koffer des Arztes vor sich herschiebend und mit der eigenen Taschenlampe immer wieder prüfend orientierend, brauchte er länger als der Arzt. Aber dann konnte er eine Hand auf die Schulter von Tim legen.

      Der junge Mann zuckte unter der Berührung mächtig zusammen und ein erschrockenes und müdes Gesicht schaute dem Marine entgegen.

      „Ich bin es nur, McGee,“ beruhigend strich er seinem Agent über den Rücken.

      Der Computerspezialist zitterte so stark, das seine Zähne klapperten. Er konnte es nicht abstellen. Genauso wenig wie die Tränen, die nun
      über sein Gesicht zu laufen begannen. Er konnte seinen Boß nur zunicken. Sprechen konnte er nicht.

      Der Arzt hatte dem Schwerverletzten eine Infusion angelegt und untersuchte ihn. Als der Silberhaarige näher kam, wenn auch nur ein winziges Stück in dieser Enge, konnte er sehen, das die Augen seines Senior Agents geschlossen waren.

      Das Gesicht war so blass und eingefallen. Dunkle Ringe um die tief in den Höhlen liegenden Augen. Die Haare nass. Die Lippen schon etwas bläulich verfärbt.

      Ein schreckliches Bild, das viel zu stark an die Leichen erinnerte, die sie an Tatorten fanden.

      „Er verliert Blut, aber ich kann die Verletzung nicht finden,“ sprach Ben den Chefermittler an. „Wir müssen versuchen, ihn frei zu legen und ich brauche Blutkonserven.“


      Kapitel 47

      Zwei unterschiedliche Frauen

      37:41 Stunden vor Stunde 0

      Jetzt war es 11:30 Uhr.

      Tony hatte eine Flasche Wasser und zwei Kannen Tee von Ducky getrunken und eine Ladung Donuts verputzt. Immer noch war er aufgekratzt, aber es war schon weniger geworden. Trotzdem hatte er ein Funkeln in den Augen, das jeden Agent besser einen Bogen um ihn machen lies. Dazu dieses Grinsen, das einem sagte, der Kerl führt was im Schilde.

      Nun fand der Very Speziell Agent es an der Zeit, die inzwischen eingetroffenen Soldaten zu befragen. Hüpfend begab er sich zu den Verhörräumen. Vor der Tür von Raum Zwei sortierte er sich und setzte eine ernste Mine auf. Schwungvoll öffnete DiNozzo die Tür und erschreckte damit den Petty Officer Hope Forman.

      Die junge blonde Frau war in Gedanken gewesen und beobachtete nun vorsichtig den Mann, der sich auf den Stuhl vor ihr setzte. Eine Akte klatsche auf den Tisch zwischen ihnen.

      Hope hatte eine durchschnittliche und gut trainierte Figur. Ihre Haare waren kurz geschnitten. Die Uniform stand ihr gut. Einige Pickel befanden sich auf ihrer linken Wange, was ihrer Schönheit abträglich war. Ihre Haut war allgemein sehr blass und sie trug kein Make-up. Dadurch waren die feinen Linien ihrer schmalen Lippen nicht betont. Sie schien keinen Wert darauf zu legen, ihre Attraktivität zu steigern.

      „Petty Officer Forman,“ begann Tony. „Ich bin Speziell Agent DiNozzo. Wissen Sie, warum Sie hier sind?“

      „Nein, Sir,“ antwortete der PO und streckte den Rücken durch. Ihre Hände hatte sie unter den Tisch verschwinden lassen, da sie nervös die Finger rieb. Dieser Ermittler musste das ja nicht sehen.

      Tony lächelte dazu nur leicht wie ein Raubtier.

      Dieser Blick und dieses Lächeln machten Hope nur noch nervöser, was ja die Absicht war.

      „Nun, dann will ich Sie mal aufklären,“ sagte der Ermittler gönnerhaft und lies eine Bombe platzen. „Sie sind des Mordes und des Entwendens und wieder veräußern von militärischen Eigentum, sprich Waffenhandeln, in schwerem Fall verdächtigt. Das bedeutet für Sie lebenslang in den Bau, wenn Sie mich fragen.“ Dabei war Anthonys Lächeln regelrecht liebenswürdig geworden.

      Aber Forman wurde noch blasser. Ihre Augen weiteten sich und ihr fiel die Kinnlade herunter. „Nein, das stimmt nicht!“, rief sie entsetzt aus.

      „Der Mord oder der Schmuggel?“, fragte der SFA mäßig interessiert.

      „Der Mord...“, kam es schon fast panisch aus der jungen Frau heraus.

      DiNozzo unterbrach sie mit der Feststellung, „dann geben Sie den Waffenschmuggel zu?“

      „Ja.....nein!“ Verwirrt, entsetzt, panisch fing der PO an heftig zu atmen. Wie ein in die enge getriebenes Reh schaute sie sich in dem Raum um, ob es irgendwo Rettung gab. Aber natürlich fand sie nichts. Und dann kam ihr ein Gedanke. „Wer ist denn ermordet worden?“

      „Was denken Sie?“, lies der Agent prompt die Gegenfrage los.

      Sie schüttelte den Kopf. Tränen sammelten sich in diesen nussbraunen Augen. Kaum hörbar nannte sie einen Namen: „Cloud?“

      Der Ermittler hatte keine Ahnung, wer das war. Ein neuer Name. Für das Mädchen aber wohl die Liebe ihres jungen Lebens. „Tut mir Leid,“ sprach Tony und vergaß geflissentlich zu ergänzen, das er über eine laufende Ermittlung keine Informationen an Außenstehende geben dürfte.

      Hope musste nun annehmen, das der junge Mann der Tote sei und fing an zu weinen. Sie war schon immer eine Frau gewesen, die leicht zu manipulieren war. Deshalb war sie von Cloud ausgesucht worden. Deshalb geriet sie immer wieder an die falschen Männer.

      DiNozzo ließ ihr zwei Minuten. Dann machte er mit der Befragung weiter. Schließlich brauchte er Antworten, um den Fall lösen zu können. „Hat Cloud Verwandte, die wir benachrichtigen können? Sie standen sich doch sehr nahe.“ Dabei reichte er ihr ein Taschentuch.

      Forman schüttelte den Kopf und trocknete die Tränen. „Er war ein Freund. Mehr nicht.“

      Die Augenbrauen hochziehend versuchte Tony einen Schuss ins Blaue. „Aber Freund genug, Sie in einen Waffenschmuggel rein zu ziehen.“

      Sie nickte mit gesenktem Kopf. Ein Geständnis.

      Erfreut grinste der SFA kurz, um dann möglichst einfühlsam zu fragen: „Wie ging das vonstatten? Und wer war noch beteiligt? Können Sie sich vorstellen, das einer ihrer Partner ein Mörder ist?“

      --------------------------------

      „Boß?“, rief McGee und sah seinem Chef hinterher, der gerade in die Gasse zum Hintereingang des Tropicana einbog. „Wir sind außerhalb der Öffnungszeiten hier. Da wird niemand drin sein.“

      Als Gibbs nicht zurück kam, folgte Tim ihm in die Gasse.

      Der Chefermittler rüttelte gerade an der Hintertür, die zugeschlossen war.

      „Es dürfte erst um 18:00 Uhr wieder jemand hier auftauchen,“ informierte der Nerd, während er zu seinem Vorgesetzten ging.

      Der Silberfuchs schaute nach oben zur Feuerleiter. „Wohnt jemand in dem Haus?“

      Als Computerspezialist zückte der Jüngere sein Handy und rief dort die Informationen ab. „Es gibt keine Wohnungen hier. Aber Zimmer, die
      vermietet werden. Vermutlich an Prostituierte. Der Besitzer Collins hat ein Haus in Marlow Heights. Das ist nicht weit von hier. Ich kann anrufen.“

      Gibbs nickte zur Bestätigung.

      Nach einem kurzen Telefonat teilte der MIT-Absolvent mit: „Collins ist geschäftlich in Boston. Er kommt heute Abend zurück. Ich habe ihm gesagt, das wir ihn im Navy-Yard gerne sprechen möchten. Heute noch. Collins denkt, das er es gegen 21:00 Uhr schaffen könnte.“

      Der Chefermittler nimmt diese Information schweigend auf und macht sich wieder Richtung Auto auf. Im Auto fragte er dann: „Adresse von Laroue?“

      Als Tim ihm diese gibt, fährt er in seiner gewohnten Manier los. So dauert es keine viertel Stunde und sie halten vor einem Apartmenthaus in der Massachusetts Avenue.

      Natürlich wohnt die Bardame im achten Stockwerk und der Fahrtstuhl ist kaputt. Während McGee sich noch von der fünften Etage weiter kämpft, wird der Silberhaarige bereits begrüßt.

      „Hallo Seemann,“ haucht ihm Loretta mit rauchiger Stimme entgegen. „Die heb ik hier gornicht verwacht. Kum rin.“

      (Dich habe ich hier garnicht erwartet. Komm rein.)

      Schmunzelnd folgt Gibbs der Frau und lässt für seinen Agent die Tür offen.

      Ohne die Schminke sieht Larson viel eher ihrem Alter entsprechend aus. Und das bunte lockere Sommerkleid steht ihr sehr gut, findet der Mann. Aber er sagt es lieber nicht, da er schon drei Scheidungen hinter sich hatte.

      Loretta ging auf den erstaunlich großzügigen Balkon und setzte sich an den zum Frühstück gedeckten Tisch. Sie war wohl gerade erst aufgestanden und genoss die frische Luft.

      Dem Holzfachmann war sofort klar, das man die Außenwand des Wohnzimmers nach Innen verlegt hatte. Sehr fachgerecht.

      Seinem Ermittlerblick entgingen nicht die vielen Prozellanfigürchen, die Szenen aus dem Zirkus zeigten. Oder die vielen künstlichen Blumen.
      In dieser Wohnung schlug die Kindheit Lorettas als Schaustellerkind sich nieder. Immer auf Reisen. Immer unterwegs.

      Mit einer Zigarette in der Hand bat sie ihren Gast, Platz zu nehmen.

      Einen Tee lehnte er dankend ab. „Aber für meinen Mitarbeiter hätte ich gerne ein Glas Wasser, Madame.“

      Erst schaute Larson erstaunt, aber dann lachte sie und stellte das Gewünschte bereit. Amüsiert fragte sie: „Nu what kann ik för di don.“

      (Nun was kann ich für Dich tun?)

      „Der Tote soll in der Bar gewesen sein,“ kam Gibbs gleich zum Punkt. „Haben Sie ihn dort gesehen?“ Dabei zeigte er ihr ein Foto, das den Soldaten in Uniform zeigte.

      Die Frau schaute sich nachdenklich das Bild an, verneinte dann aber. „Ik kann Vannobent dat Bild de anner Lü wiesen. Vielicht hem de de Kerl sehn,“ bot sie an.

      (Ich kann heute Abend das Bild den anderen Leuten zeigen. Vielleicht haben sie den Kerl gesehen.)

      „Danke. Das wäre sehr nett,“ lächelte der Chefermittler sie an. „Miß Laroue. Wissen Sie etwas von illegalen Geschäften im Tropicana?“

      „Ik? Nee.“ (Ich? Nein.) Die Künstlerin schüttelt den Kopf. „Aabe what dor achten int Kammer los is, dat geit me nix an.“

      (Aber was dort hinten in der Kammer los ist, das geht mich nichts an.)

      Ein etwas außer Atem gekommener McGee kommt herein und setzt sich ungefragt in einen der Sessel. Wortlos hält der Ältere das Glas Wasser Tim hin.

      „Mien lev Jung,“ (Mein lieber Junge) meint Loretta amüsiert zu dem Neuankömmling. „Du musst meer Sport maken. Gift dat be jo Verein
      ne Mindestmobilitäten?“

      (Du musst mehr Sport machen. Gibt es bei Eurem Verein keine Mindestfitnessanforderungen?)

      Ein Lachen erklingt von Gibbs.

      Der Jüngere macht gute Miene zum bösen Spiel. Schon jetzt kann er sich vorstellen, das sein Chef ihn zum Extratraining schicken wird. Keine guten Aussichten. Und dabei dachte Timothy, er hätte aufgeholt. Aber diese Treppen hatten ihn geschafft. Wie machte der Boß das nur? Der war nicht einmal außer Atem.

      „Wenn also Waffenhandel im Hinterzimmer stattfinden würde,“ nahm Gibbs den Faden wieder auf, „dann würden Sie davon nichts mitbekommen?“

      „Genau,“ bestätigte die Frau ruhig. „Ik sech nix. Ik hör nix.“

      (Ich sehe nichts. Ich höre nichts.)

      Hier schaltete sich nun der Nerd ein. Auf seinem Handy hatte er eine SMS von Tony bekommen. „Ist Ihnen ein Mann namens Cloud bekannt?“

      „Sekker doch,“ (Sicher doch) gibt die Bardame freizügig zu. „Dat is de Clown von Sir Everett.“

      (Das ist der Clown von Sir Everett.)

      „Clown?“ Diese Bezeichnung irritiert McGee doch etwas.

      Die Ältere nickt schmunzelnd. „He deit för siin Chef allns.“

      (Er tut für den Chef alles.)

      „Kennen Sie seinen vollständigen Namen und seine Wohnadresse?“, fragte der Chefermittler hellhörig geworden.

      „Cloud Santino,“ antwortet die Frau und zuckt die Schultern. „Op dat ok siin rekkert Naam ist, wet ik ne. Un siin Adrees kenn ik ne. He kummt und geit een paar Mal up Dach.“

      (Ob das auch sein richtiger Name ist, weiß ich nicht. Und seine Adresse kenne ich nicht. Er kommt und geht ein paar Mal am Tag.)

      „Kommt er denn alleine?“ fragt der Nerd nach, der sich sehr unsicher darüber war, ob er auch alles richtig verstand.

      „Nu too leertz har he ein jung Haase dörbi,“ (Nun zuletzt hatte er einen jungen Hasen dabei.) meinte die Barfrau nachdenklich. „De Jung schlottern de Büchs so um Beenen rum, de haar Angst um siin Leven.“

      (Dem Jungen schlotterte die Hose so um die Beine herum, der hatte Angst um sein Leben.)

      Einer Eingebung folgend holt Gibbs ein Foto von Tomas Fox aus der Tasche und zeigt es der Frau vor ihm. Sie nickt. „Jo. Dat weer he. Man as de gunn, weer he blied as een Klütche.“

      (Ja. Das war er. Als er ging, war er so glücklich wie ein Klütje/Mehlspeise.)

      Damit wussten die Agents, das Tomas, Cloud und Sir Everett etwas mit dem Schmuggel zu tun hatten. Bei Collins hatten sie ja die lange Vorstrafenliste gesehen.

      „Ich denke, wir haben erst einmal alles,“ meinte der Chefermittler und stand auf. „Loretta. Sie sollten sich einen anderen Job suchen.“

      „Ach Schätzchen,“ meinte sie dazu traurig. „Een anner Job, dat word nix.“

      (Ein anderer Job, das wird nichts.)

      Aber Gibbs lächelte. „Sie haben meine Karte.“


      Kapitel 48

      Einer geht

      04:16
      Stunden nach Stunde 0, Freitag 7:28 Uhr

      Dr. Mallard wurde
      nach Tonys Blutgruppe gefragt. Vorsichtshalber nannte er auch noch
      ein paar andere medizinische Daten von Anthony DiNozzo jun.. Wenn der
      Junge schwerer verletzt war, und davon ging der Doktor aus, dann
      waren diese Informationen lebensnotwendig. Am liebsten wäre er
      selbst in dieses Loch gekrochen, aber im Gegensatz zu Jethro,
      akzeptierte er seine Grenzen.

      „Wird er
      sterben, Ducky?“, flüsterte Abby in seinen Armen. Seit sie
      mitbekommen hatte, das für ihren Tiger gleich fünf Blutkonserven
      angefordert wurden und ein zweiter Arzt sich auf den Weg gemacht
      hatte, spukte dieser Gedanken mit einer unglaublichen Intensität
      durch ihren Kopf. Sie zitterte am ganzen Körper und der Ältere
      wusste, das es nicht am Wetter lag.

      Die Sonne war
      aufgegangen und bereits jetzt hatten sie 22 Grad Celsius. Keine Wolke
      war am Himmel zu sehen. Eigentlich passte dieses Wetter nicht zu dem
      Drama, das sich hier auf der Erde abspielte.

      Seufzend
      antwortete der Gerichtsmediziner wahrheitsgemäß: „Ich weiß es
      nicht, Abigal. Ich weiß es nicht.“ Und drückte die junge Frau
      noch fester an sich.

      „Wir müssen
      den Stahlträger an zwei Stellen zertrennen,“ erklärte Captain
      Steils ruhig seinem Vorgesetzten und dem Chief der Feuerwehr. „Sonst
      können wir den Verletzten nicht rausholen. Aber dieser Träger wird
      von dem Schutt hier draußen und in der Grube im Gleichgewicht
      gehalten. Zertrennen wir diesen Stahlträger, könnte alles
      zusammenstürzen. Wir müssen also den Schuttberg auf der anderen
      Seite soweit wegräumen, bis wir das Ende des Trägers haben. Der
      wird dann abgestützt und durch Stahltrossen gesichert. Erst dann
      können wir ihn in der Grube zerschneiden und den Verunfallten
      befreien.“

      „Das dauert
      mehrere Stunden,“ gab Launtrie zu bedenken und dachte daran, was
      der Arzt ihm noch vor kurzem verdeutlicht hatte. Wenn dieser Mann da
      unten nicht innerhalb der nächsten Stunden in einem Krankenhaus war,
      gab es definitiv keine Hoffnung mehr.

      Auch der Colonell
      hatte das Gespräch mit dem Doc gehört. „Dann muss das Krankenhaus
      eben zum Patienten kommen,“ brummte er jetzt nur. „Dann haben wir
      die Zeit, diese Sache da in Angriff zu nehmen.“

      Der Captain
      lächelte amüsiert, während der Fire-Chief die Stirn runzelte. „Wie
      meinen Sie denn das?“

      „Ganz einfach,“
      erwiderte Lynch unwirsch. Typisch Zivilist. „Wir kriegen den Kerl
      da nicht raus. Er stirbt. Aber das können wir nicht zulassen. Also
      müssen wir das Problem an der Wurzel packen. Die medizinische
      Versorgung. Meine Jungs operieren überall. Also machen sie das auch
      hier!“

      Trotz der
      abgehackten Erklärung verstand Launtrie und war wenig begeistert.
      Schließlich hieß das, das noch mehr Leute in der Grube
      verschwanden.

      Zu gleich merkte
      er aber, das seine Bedenken von diesem Militärheini einfach in den
      Wind geschlagen werden würden, sollte er sie vortragen. Der Colonell
      hatte praktisch bereits alles entschieden.

      Deshalb gab der
      Einsatzleiter der Feuerwehr auf und fragte das, was ihn nun noch am
      meisten interessierte. „Warum setzen Sie sich für einen Zivilisten
      so sehr ein?“

      Ein böser Blick
      traf ihn, beeindruckte Launtrie aber nicht. So war er schon öfter
      angeguckt worden.

      Also bequemte
      sich Lynch kurz zu sagen: „Semper Fi.“

      „Er ist Agent.
      Kein Marine,“ gab der Chief zurück und hätte sich am liebsten auf
      die Zunge gebissen. Schließlich stellte er die Rechtmäßigkeit in
      Frage. Was, wenn der Colonell jetzt einen Rückzieher machte?

      Aber der Mann
      schüttelte den Kopf. „Es kommt nicht auf die Papiere an, sondern
      auf die Einstellung. Der Gunny hat den Jungen gut geformt. Er ist es
      wert! Ob Zivilist oder nicht. Es ist unsere verdammte Pflicht, ihm zu
      helfen.“

      Damit war die
      Entscheidung endgültig und Lynch entfernte sich, um das medizinische
      Team anzufordern.

      Aber der
      Fire-Chief warf nun dem Captain einen auffordernden Blick zu. „Da
      ist noch mehr,“ meinte er bestimmt. Seine Menschenkenntnis sagte es
      ihm.

      Grinsend nickte
      der Uniformierte. „Gibbs hat unter dem Colonell gedient und da sind
      wohl so einige Sachen passiert. Aber auch DiNozzo hatte schon mit dem
      Colonell zu tun. Personenschutz. War wohl auch nötig.“

      „Verstehe.“
      Hier wurde also eine Ehrenschuld eingelöst. Hoffentlich wusste der
      Verunfallte das zu schätzen. Einmal ganz davon angesehen, das alles
      klappen musste und der Agent dort lebend heraus geholt werden konnte.

      „Ich
      werde dann mal mit den Baggerleuten sprechen, wenn Sie erlauben,“
      holte Steils ihn aus seinen Gedanken und er nickte nur. Dieser
      Einsatz würde noch eine ganze Weile andauern.

      „Das
      ist ein Befehl,“ knurrte Gibbs, der nun schon ein paar Minuten mit
      einem total übermüdeten und damit völlig aufgedrehten
      Computerspezialisten sprach.

      Den
      Tränen nahe beobachtete Tim die Ärzte, die sich ruhig und
      professionell um den eingeklemmten Agent kümmerten. „Er hat
      gesagt, das er für mich wach bleibt. Verstehst Du? Wenn ich gehe,
      dann kann ich nicht mit ihm sprechen. Und wenn ich nicht mit ihm
      sprechen kann, dann denkt er, er kann schlafen. Und wenn er denkt,
      das er...“

      „McGee,“
      unterbrach der Seniorermittler sanft das Gebrabbel des Jüngeren und
      drehte ihn an den Schultern zu sich herum. Der Nerd sollte ihm in die
      Augen sehen. „Es ist in Ordnung. Ich bin hier. Tony ist bei mir
      sicher. Er wird nicht sterben. Das lasse ich nicht zu. Du aber gehst
      jetzt hier raus. Lass Deine Verletzungen behandeln.“

      Ein
      paar Tränen rollten nun. Die Anspannung der letzten Stunden fing an
      nachzulassen.

      „Es
      ist okay, mein Junge.“ Eine Hand an der Backe sollte Beruhigend
      wirken. „Du gehst jetzt!“ Intensiv sah der Silberhaarige Tim in
      die Augen und es wirkte. Endlich gab McGee nach. Sanken seine
      Schultern nach unten. Er nickte und begann nach einem letzten Blick
      zu seinem Partner sich durch die Lücke zu quetschen.

      Froh
      darüber, jetzt wenigstens die Sorge um einen seiner Leute los zu
      sein, beobachtete Gibbs kurz, wie der Junge erschöpft
      hinauskletterte. Die Marines dort sprachen ruhig auf den verletzten
      Mann ein und dirigierten ihn sicher durch das Gewirr.

      Die
      Grube war immer noch voll mit den kleingehackten Resten der
      explodierten Halle. Es würde immer noch Stunden dauern einen guten
      Durchgang frei zu räumen, durch den dann die Sanitäter Tony bergen
      konnten.

      Aber
      einen konnten sie nun raus bringen. In Sicherheit. Eine Familie würde
      in kürze Glücklich sein.

      Seufzend
      drehte sich Gibbs um. Es gab noch ein Familienmitglied, das hier
      hinaus gebracht werden musste.

      Lebend!

      Würde
      Tony es schaffen?


      Kapitel 49

      Illegale Geschäfte

      37:41 Stunden vor Stunde 0

      Professor Dr. Jason MacKenzie, Wirtschaftsdozent seit 10 Jahren an der Washington State University, legte mit einem Knurren den Hörer auf.

      Wie konnte dieser Idiot das nur machen? Aber was sollte man von einem Kleinkriminellen auch anderes erwarten? Hatte dieser Everrett doch tatsächlich auf Fox schießen lassen. War das zu fassen?

      In allen Nachrichten kam es groß durch. Natürlich stürzten sich die Medien darauf, schließlich wurde ein Polizist angeschossen.

      Wie dumm musste man nur sein, so einen Quatsch zu fabrizieren?

      Das Geschäft mit Waffen aus Armee-Beständen war sehr erfolgreich gewesen. Aber wegen des toten Schnüfflers wurde vom NCIS ermittelt. Und nun auch noch wegen dieser Kacke von der regulären Polizei. Mehr Aufmerksamkeit geht ja wohl kaum noch.

      Nicht, das er glaubte, aufzufliegen. Nur, wenn es zu brenzlig wurde, sollte man aufhören. Das hatte sein Vater ihm schon immer gesagt.

      Hier hatte er sehr gut verdient. Noch die nächsten zwei Jobs und dann hätte er sich auf seine Pensionierung vorbereitet. Mit 55 hatte er dazu ein gutes Alter erreicht. Da konnte man das Leben noch feiern.

      So war der Plan.

      Das man ihn entdeckte, glaubte er auch jetzt nicht. Schließlich kannte ihn aus der Organisation niemand. Alles lief anonym über E-Mail Konten, Wegwerfhandys, Briefkästen und Mittelsmänner ab.

      Nirgendwo war er persönlich aufgetreten.

      Trotzdem warfen die Ereignisse seine Pläne durch einander.

      Auch war zu befürchten, das Everrett weiteren Mist baute.

      Es wurde Zeit für ihn zu verschwinden.

      Niemand, absolut niemand, konnte auch nur Verdacht schöpften, beruhigte er sich selber. Immer mit der Ruhe.

      Unbedingt musste ein klarer Kopf behalten werden. Es war wie beim Schach. Welche Züge machte nun die Polizei und der NCIS? Was würde sie beruhigen und trotzdem ihm noch Zeit für einen letzten Deal verschaffen?

      Schlau waren Bullen nicht. Man musste ihnen nur einen Knochen hinwerfen und sie würden sich freudig darauf stürzen.

      Ein Bauernopfer. Ja genau das. Und wer eignete sich dafür? Nun, Sir Everrett hatte einen Fehler gemacht. Also war es an der Zeit, ihn zu ersetzen.

      Zufrieden vor sich hin lächelnd, begann der Professor die Arbeiten seiner Studenten und Studentinnen zu korrigieren.

      In seinem Kopf entwickelte er dabei bereits einen Plan. Er war der Beste und niemand würde ihm auf die Spur kommen. Dafür hatte er gesorgt und würde dafür sorgen.

      --------------------------

      Nasier Kaladiry schaute auf seine Uhr. Der Anruf, wann er die Waffen in Empfang nehmen konnte, ließ auf sich warten.

      Schon drei Minuten drüber.

      Wie er diese Nachlässigkeit hasste. Diese Amerikaner waren doch das Letzte. Arrogant, überheblich und meinten, ihnen gehöre die Welt.

      Was würde dieser Cloud wohl sagen, wenn er wüsste, das diese Waffen in den USA bei Anschlägen auf Elite-Schulen eingesetzt werden sollten?

      Nasier grinste schäbig. Schade, das er das Gesicht dieser Idioten nicht sehen konnte in dem Moment der Erkenntnis.

      Das Telefon klingelte. Endlich!

      Schnell waren die Informationen ausgetauscht und Nasier machte sich auf den Weg. Da er aus früheren Kontakten wusste, wo ungefähr die Übergabe statt fand, war er schon in der richtigen Gegend unterwegs.

      Nur eine viertel Stunde später stand er mit seinem Wagen vor Ort und beobachtete vorsichtig die Umgebung. War etwas Auffälliges zu sehen? Verdächtige Personen? Ungeplante Baustellen oder Handwerker?

      Es schien alles in Ordnung zu sein. Nasier sah, wie Cloud in seinen Angeberwagen vorfuhr und das Tor der Lagerhalle öffnete. Er fuhr hinein und ließ wie verabredet das Tor offen.

      Es wurde Zeit.

      Nasier näherte sich mit seinem Lieferwagen und setzte Rückwärts in die Toreinfahrt.

      Schon wollte er aussteigen, als er eine blonde Frau von der gegenüberliegenden Seite der Straße sich nähern sah. Eigentlich nichts ungewöhnliches, wenn man sich mitten in der Stadt befand. Aber hier waren sie an den Docks. Und hier war niemand.

      Wieso lief also eine gutgekleidete blonde Frau hier herum?

      Sein Instinkt hatte angeschlagen und er betrachtete die Frau genauer. Da entdeckte er einen Waffenholster an ihrem Gürtel. Nicht weiter nachdenkend gab er Gas und raste auf die Straße hinaus.

      Die Frau brachte sich mit einem Sprung in Sicherheit und feuerte dann ein paar Kugeln in den Lieferwagen. Aber aufhalten konnte sie ihn nicht.

      Nasier sah nicht, was hinter ihm geschah. Aber es interessierte ihn auch nicht.

      Er musste jetzt seinen Notfallplan umsetzen. Schließlich war das eine verdammte Falle gewesen.

      Was ist denn hier los?, fragte sich Andrea Passo, Agentin bei der DEA. Sie hatte sich in der Lagerhalle zwei Straßen weiter mit einem
      Informanten treffen wollen.

      Und nun war der Wagen, der vorhin hier aufgetaucht war und hinter einem anderen Wagen in eine Halle fuhr, wie von der Tarantel gestochen auf sie zugeschossen und hätte sie beinahe überfahren.

      Da war doch was im Busch.

      Sie rief ihren Kollegen bei der Dienststelle an, während sie zu dem immer noch offenen Tor ging. Die Waffe im Anschlag.

      „He, hier ist Andrea,“ sagte sie leise ins Handy. Dabei schaute sie um die Ecke in die Halle hinein. Viel zu sehen war nicht, da es dunkel
      darin war. Ihre Augen mussten sich erst umstellen.

      „Ich wurde gerade fast von einem Lieferwagen überfahren. Scheck mal die Nummer South Caroline NB558. ...Mir geht es gut. Aber der Typ hat nicht angehalten, als ich zur Seite sprang. Ich vermute was illegales. … Nein. Hier war ein zweiter Wagen und den werde ich nun überprüfen... He, ich bin eine ausgebildete Agentin. ...Na, dann beeilt Euch gefälligst. ...Gestohlen. War ja klar. … Jaa, (Augen verdreh) Ich bin in der 31. Street am Washington Habor. Die alten Docks. Hier steht Wellington Sportware dran. … Beeilt Euch.“

      Vergessen war der Informant. Vergessen das Treffen.

      Durch Andreas Adern rauschte das Adrenalin. Sie war schon immer eine Frau gewesen, die dem Risiko nicht aus dem Weg ging. Zu ergründen, was hier vor sich ging, war viel zu spannend um auf ihre Kollegen zu warten.

      Also ging sie mit vorgehaltener Waffe durch das Tor und wandte sich gleich nach links. Immer die Wand im Rücken, damit Dir keiner von Hinten kommen kann, hörte sie ihren Ausbilder im Kopf sagen.

      Vorsichtig und doch schnell arbeitete sie sich zu einem Truck vor, der mitten in der Halle stand. Der BMW, den sie draußen gesehen hatte, war davor geparkt. Zu sehen war niemand.

      Die Ladefläche des Trucks stand offen. Als sie hineinsah, begriff sie, das sie es mit Waffenschmuggel zu tun hatte. Etliche Kisten waren auf
      der Ladefläche verteilt und eine Kiste war geöffnet worden. Deutlich konnte sie ein MG-Gewehr sehen.

      Verdammt. Das war eine große Sache.

      „So schön und so neugierig,“ sprach eine männliche Stimme amüsiert hinter ihr.

      Als sie sich erschrocken umdrehte und ihre Waffe auf die Person richten wollte, traf sie etwas hartes an der Stirn. Sofort ging sie bewusstlos zu Boden. Ihre Jacke öffnete sich dabei und ihre Dienstmarke war zu sehen.

      „DEA-Schätzchen,“ meinte Cloud trocken und warf die Eisenstange zur Seite. „Du hast mir ein Geschäft versaut.“

      Dann schaute er zu seinem Kumpel, der auf der anderen Seite des Lasters aufgetaucht war und gelangweilt Kaugummi kaute. „Schaff den Wagen in das Versteckt Nummer sechs.“

      „Und was wird mit der da?“, fragte der grobschlächtige Kerl nicht wirklich interessiert.

      Cloud zog die Schultern hoch. „Wir sollten die Nummernschilder wechseln.“ War alles was er dazu sagte.

      Die DEA Agentin blieb blutend am Boden liegen.

      Als 16 Minuten später ein SWAT Team die Halle stürmte, fanden sie lediglich Andrea Passo mehr tot als lebendig vor.

      Sonst nichts.


      Kapitel 50

      Abwarten

      06:41
      Stunden nach Stunde 0, Freitag 9:53 Uhr

      Endlich konnte
      Agent Leroy Jethro Gibbs bei seinem Senior Field Agent sein.

      Nachdem sie McGee
      abtransportiert hatten, war die medizinische Spezialeinheit schnell
      ans Werk gegangen. Mit Hilfe von zwei weiteren Marines konnten sie
      den Verunfallten noch weiter ausgraben und soviel Platz schaffen, das
      sie an die Wunde in Tonys Rücken ran kamen.

      Zwei Stunden
      operierten sie unter schwierigsten Bedingungen. Ihr Patient sackte
      ihnen ein paar Mal weg.

      Jedes mal
      fürchtete Gibbs, das es zu Ende war.

      Aber Tony kam
      wieder zurück.

      Dieses auf und ab
      war eine schlimme Prüfung. Die Hilflosigkeit, die der Chefermittler
      dabei verspürte, erschöpfte den Silberhaarigen sehr. Trotzdem
      verspürte er Dankbarkeit. Tief empfundene Dankbarkeit, das er hier
      sitzen konnte. Und das verdankte er den Menschen, die halfen und
      dabei unglaubliches leisteten.

      Dr. Bakulas hatte
      ihm erklärt, das sie das Eisenstück aus dem Rücken holen konnten.
      Aber man würde den Verletzten im Krankenhaus noch einmal operieren
      müssen. Sie konnten hier unten sich nur provisorisch mit der Wunde
      beschäftigen. Es ging darum, Blutungen zu stoppen und den Patienten
      stabil zu behalten. Dafür hingen improvisierte Infusionen und
      Blutkonserven an der „Decke“.

      Gibbs hatte sich
      zu Tony gesetzt, so das er dessen Kopf auf seinen Oberschenkel liegen
      haben konnte. Die Beine seines Agents lagen höher und waren nach wie
      vor eingeklemmt. In diesem Fall war die Haltung von Vorteil.

      Es tat dem
      Älteren gut, die Atemzüge des Jüngeren wahrzunehmen.

      DiNozzo ging es
      alles andere als gut. Er hatte Fieber und fror. Auch die Decken, in
      denen er inzwischen eingewickelt war, halfen nicht. Es schien, als
      wäre Tony inzwischen 100 Jahre alt geworden, so grau, faltig und alt
      sah er aus.

      In diesen
      Momenten dachte der Seniorermittler an den jungen, quirligen
      Detective aus Baltimore, der ihn mit seiner schnellen Auffassungsgabe
      beeindruckt hatte. Obwohl die Frechheiten überhand hatten, konnte
      der NCIS Mann den Diamanten sehen. Deshalb hatte er ihn nach DC
      geholt. Nie hatte er es bereut.

      Der Unterschied
      von damals zu hier war riesig.

      „Wie geht es
      Ihnen, Agent Gibbs?“, fragte Bakulas.

      Zwei Ärzte
      wechselten sich inzwischen ab, denn Beide brauchten an diesem Ort
      wirklich nicht zu sein. Schließlich war es schon eng genug und damit
      der Sauerstoff knapp. Hier befanden Sie sich in einer Grube ohne
      Frischluftzufuhr.

      Tony wurde
      inzwischen durch eine Maske mit Sauerstoff versorgt. Die kleine
      Flasche dazu wurde regelmäßig getauscht. Es half dem Verunfallten
      sehr, Luft in seine geschädigten Lungen zu bekommen.

      „Besser, wenn
      DiNozzo schon im Krankenhaus wäre,“ erwiderte der Angesprochene
      ehrlich.

      Der Arzt nickte
      verstehend: „Ja, ich auch. Aber unsere Leute kommen besser voran
      als gedacht. Auch hier ist man schon dabei, auszuarbeiten, wie wir
      den Verletzten am schnellsten raus bringen können, wenn der Weg frei
      ist. Schnelligkeit ist nicht alles. Wenn der Patient aus dieser Ecke
      raus ist, kann sein Blutdruck noch einmal gefährlich absacken.“

      „Glauben Sie,
      er hat noch weitere Verletzungen?“ Gibbs versuchte sich seine
      Erschrockenheit nicht anmerken zu lassen. Nahm das denn kein Ende?

      Den Kopf hin und
      her wiegend bekam der Silberhaarige eine zögerliche Antwort. „Er
      hat außer Knochenbrüchen, die wir sicher noch nicht alle entdeckt
      haben, weitere offene Wunden. Innere Blutungen sind das gefährlichere
      Übel. Wir sehen sie nicht. Es würde mich wundern, wenn es keine
      gäbe. Die Organe scheinen im großen und ganzen in Ordnung zu sein.
      Er hätte sonst so lange nicht durchgehalten. Trotzdem. Aus dem
      Schneider ist er noch lange nicht.“

      Langsam nickte
      der Ermittler betrübt. Vorsichtig strich er Tony eine nasse
      Haarsträhne aus der heißen Stirn.

      „Er scheint für
      Sie mehr zu sein, als nur ein Kollege,“ stellte der junge Arzt
      leichthin fest. Neugierig war er schon. Aber er wollte sich nicht
      aufdrängen.

      Kurz musterte der
      Agent den Mann vor sich, der gerade DiNozzos Puls überprüfte und
      einen wachsamen Blick auf die Infusion warf.

      „Tony ist
      nervtötend, benimmt sich häufig wie ein Fünfjähriger, rennt jedem
      Weiberrock hinterher und ist ein verdammt guter Ermittler.“

      Der junge Mann
      lächelte und meinte schmunzelnd: „Fünfjährige Kinder stecken
      Verletzungen viel leichter weg als Erwachsene.“

      „Mmmh,“
      brummte Gibbs mit einem amüsierten Funkeln in den Augen. „Dann ist
      es ja gut.“
      Live Long and prosper
      Ute
      :thumbup:

      Dieser Beitrag wurde bereits 14 mal editiert, zuletzt von „ziva-ute“ () aus folgendem Grund: Kapitel 50 am 20.08.2016