Mit Freunden oder alleine sterben? Thread 2 abgeschlossen Kapitel 6 bis 12

      Mit Freunden oder alleine sterben? Thread 2 abgeschlossen Kapitel 6 bis 12

      Mit Freunden oder alleine sterben?

      Autorin: ziva-ute

      Fortsetzung zu Thread 1

      Kapitel 6

      Erwachen

      9:48 Stunden vor Stunde 0

      Als Timothy McGee wieder zu vollem Bewußtsein kam, brannten seine Lungen und das Atmen schien fast unmöglich zu sein. Nur mühsam bekam er Sauerstoff in das Organ hinein. Der Staub, der zum Husten reizte, schien zum schneiden Dick zu sein.

      Es knackte und knirschte. Die Balken und Bretter, Steine und Metall suchten noch ihre endgültige Position in dem Chaos. Dazwischen das Rieseln von Sand.

      Wo kam dieser Sand bloß her?

      Seine zuerst wirren Gedanken wurden allmählich klarer. Dazu nahm auch die Sicht zu. Es schien, als würde es heller werden. Trotzdem war in dem defusen Licht nicht viel zu erkennen.

      McGee begann, nach dem der Husten nachgelassen hatte, eine Bestandsaufnahme seiner Schmerzen zu machen.

      Der Rücken tat weh. Eine genaue Stelle ließ sich nicht bestimmen.

      An seinem linken Bein schien es eine Verletzung am Knie zu geben. Der Fuß dazu wurde von igendwas festgehalten, vermutlich eingeklemmt. Jedenfalls war er verdreht. Gebrochen?

      Seine rechte Hand sendete Schmerzen in Wellen aus und er spürte Feuchtigkeit.

      Die Kopfschmerzen empfand er schon als gemäßigt gegenüber den anderen Stellen.

      Wo war er noch mal?

      In einer Mechanikergrube in einer explodierten Lagerhalle.

      Wie viel war 10x8+16-4?

      92

      Wer war Direktor des NCIS?

      Vance

      Und wo war DiNozzo, wenn man ihn brauchte?

      Verdammt. Er lag hier rum und Tony... bei seinen schlechten Lungen mußte ihn der Staub umbringen. Wenn er überhaupt noch lebte.

      Die Augen weit aufreißend vor Schreck und sich hochstemmend, wollte McGee sofort zu seinem Kollegen. Aber diese Aktion wurde eben so schnell bestraft. Ein brechendes Holzstück landete auf seinem geschundenen Rücken und verursachte eine heftige Schmerzwelle in seiner Schulter. „Oh verdammt!“, jaulte der MIT Absolvent und hustete dann wieder wegen des Staubes erst einmal ausgiebig.

      Benutze dein Gehirn, ermahnte er sich selbst. Wir brauchen Hilfe.

      Dieser Gedanke sorgte dafür, das er nach seinem Handy fischte. Das helle Display verschaffte ihm einen Überblick in seiner unmittelbaren Umgebung.

      Rechts lagen viele Bretter und ein T-Träger aus Stahl hatte sich nur 10 cm vor seinem Kopf in den Boden gerammt. Erschrocken starrte McGee den Stahl einige Sekunden lang an und versuchte, die Panik wieder niederzukämpfen.

      Wenn er den Kopf 30 cm hob, knallte er gegen etwas hartes. Als er sich weiter umsah, entdeckte er, dass dieser Träger ihm das Leben gerettet hatte. Denn er hielt viele andere bedrohliche Balken von ihm fern. Nur der Kleinkram war bis in die Grube vorgedrungen. Die größeren Trümmerstücke bildeten ein wildes, aber stabil wirkendes Geflecht oberhalb des Bodeneinschnittes.

      Links von ihm entdeckte Tim eine Lücke. Dort mußte er hin. Dort war Tony.

      Also fing Tim an sich zu drehen, um seinen Fuß zu befreien. Das Licht des Handys zeigte ihm, wie er das Bein bewegen mußte, um es zu lösen. Anschließend schaute er sich seine Hand an und erstarrte schockiert.

      Ein dicker rostiger Nagel war durch den Handrücken gedrungen. Ein Stahlstück mit dem Nagel war herabgefallen und genau auf seiner Hand gelandet. Jetzt tat die Hand viel stärker weh, stellte McGee verblüfft und entsetzt zugleich fest.

      Einen dicken Kloß runterschluckend holte McGee tief Luft und bereute es sofort. Immer noch hatte sich der Staub nicht gelegt. Nach dem Hustenanfall, prüfte er vorsichtig, in wie weit er die Hand bewegen konnte. Der Nagel hatte sich nicht in die Bretter unter ihm gebohrt. So konnte er den Arm samt Stahlstück zu sich ziehen und weiter in die Lücke klettern.

      Dort war es etwas geräumiger und er konnte sich an die Grubenwand setzen. Schweiß lief ihm übers Gesicht. Deutlich verspürte er die Angst und das Entsetzen. Die Panikgefühle mußte er ständig niederkämpfen. Aber es war schwer so allein in einer solchen Situation nicht zu schreien vor Angst und Hilflosigkeit.

      Plötzlich klingelte das Handy in seiner Hand und ließ ihn zusammenschrecken. Ein paar Sekunden lang konnte er nur auf das Mobiltelefon starren, bevor er begriff, das Gibbs ihn sprechen wollte.

      „Ja?“ Seine Stimme hatte einen krächzenden Klang und selbst er konnte die Angst in diesem einem Wort hören.

      „McGee, alles wird gut,“ hörte er Gibbs angespannte aber ruhige Stimme sagen.

      Genau das, was er jetzt brauchte. Jemanden, der ihm Mut zusprach. Der ihm sagen konnte, was zu tun war. „Okay!“, klang es deshalb etwas erleichterter zu Gibbs zurück.

      „Okay, McGee,“ hörte er wieder diese so bekannte Stimme. „Die Feuerwehr ist unterwegs. Du mußt dort, wo Du bist, ausharren. Es kann etwas dauern.“

      Die letzten Worte hallten in Tims Kopf wieder. Ihm schien diese Einschätzung viel zu Positiv. Sein rationaler Verstand sagte ihm deutlich, dass es sehr lange dauern konnte, hier raus zu kommen. Trotzdem sagte er lediglich: „Okay, Boß!“

      „Wie geht es Dir, Tim?“ Sanft klang nun die Stimme. Da sprach ein Freund. Wie gut es ihm tat, das Gibbs jetzt seinen Vornamen verwendete. Diese Augenblicke waren selten und der Agent sah es als besondere Auszeichnung.

      „Mein Knie hat eine Wunde und ist etwas verdreht worden. Rücken und Kopfschmerzen. Aber auszuhalten. Nicht schlimm,“ berichtete McGee. „Schlimmer ist der Nagel in meiner rechten Hand. Der ist da durchgegangen. Was soll ich tun? Es blutet. Aber so kann ich die Hand nicht verbinden.“

      „Dann zieh den Nagel raus,“ kam die Antwort, die Tim nun gerade nicht hören wollte.

      „Aber das wird weh tun,“ antwortete er wie ein kleines Kind.

      Ein kurzer Seuftzer erklang. „Tim! Zieh den Nagel raus und verbinde die Wunde mit Deinem Taschentuch.“

      Zögernd schaute der Agent zwischen Hand und Handy hin und her.

      „Sofort!“, brüllte es da aus dem kleinen Apparat unvermittelt.

      „Ja... okay.... ja, Boß,“ stotterte McGee unsicher und legte schon mechanisch das Handy weg. Nahm das Metallstück und riß daran. Ein Schmerzensschrei hallte durch die Grube. Danach heftiges Atmen.

      „Verbinden. McGee. Sofort,“ schrie Gibbs aus dem Handy.

      Und McGee tat es halb in Trance. Die Schmerzen waren mörderisch und er mußte gegen die Bewußtlosigkeit heftig ankämpfen. Aber er gewann.

      Wie viele Minuten vergangen waren, konnte er nicht sagen. Aber er nahm das Handy wieder in die Hand und sagte leise: „Erledigt.“

      „Gut gemacht.“ Nun hörte sich die Stimme zufrieden an. Ein wohliges Gefühl breitete sich bei McGee aus und er drohte wieder wegzudrieften.

      „Ich bin stolz auf Dich, McGee.“

      Das tat dem MIT Absolventen gut. Gab ihm die Kraft, die er brauchte und machte seinen Kopf wieder klarer. „Tony muß hier auch irgendwo sein. Wir sind in die Mechanikergrube gesprungen.“

      „Okay. Kannst Du ihn sehen?“

      „Nein. Er muß 8-10 Meter von mir entfernt sein. Bei dem Schutt hier könnten es aber auch 100 km sein.“ Dabei schaute McGee in die Richtung, in der er seinen Kollegen zuletzt gesehen hatte. Ein Chaos aus Balken und Schutt starrte ihm entgegen.

      „Verstanden. Ich lege jetzt auf und versuche Tony zu erreichen.“

      „Okay,“ und schon war nur noch das Tuten zu hören und McGee war wieder allein. Erschöpft schloß er die Augen und lehnte den Kopf an die Wand hinter ihm.

      Kapitel 7

      Hast Du was für mich?

      60:33 Stunden vor Stunde 0

      Der Fahrstuhl brachte den Chefermittler vor das Forensische Labor. Ohrenbetäubende Musik, wenn man den Krach so nennen konnte, schallte ihm entgegen.

      Es war für Gibbs schon ein normales Ritual zur Musikbox zu gehen und den Lärm mit dem AUS Knopf ein Ende zu bereiten.

      „Wer ist da und stört?“, schallte es sofort durch das Labor. Die flippige Abigale Scuito drehte sich einmal im Kreis, bis sie den Silberfuchs, wie sie Gibbs nannte, erkannt hatte. „Oh, Du bist es. Wie immer gerade richtig.“

      Kein Wort sagend stellte sich der Teamleiter neben die junge Laborantin an ihren Computer. Dabei wedelte er mit einem frischen Becher Caf-Pow.

      Für Abby der Hinweis, ihre Entdeckungen mit Gibbs zu teilen. „Wie du willst. Dann eben ohne Smaltalk.“ Sie drehte sich um und tippte auf ihrer Tastatur. Am Bildschirm erschienen Fingerabdrücke in starker Vergrößerung. „Die Abdrücke stammen von dem Portmonee. Sie gehören...“

      „Ronald Harway,“ warf der Chefermittler trocken ein.

      Böse funkelte die Forensikerin den Mann neben sich an. „Lass das. Außerdem sind da noch die Abdrücke von einem kleinen Dieb namens Adam Cortwell.“

      Ein Bild aus der Verbrecherkartei und dessen Akte erschienen nun auf dem Schirm. Es zeigte einen schmalen Kopf mit kleinen Augen und erstaunlich buschigen Brauen. Über den vollen Lippen prangte ein Schnurrbart, der an den Enden hoch gezwirbelt war. „Ih bah. Erst 24 und leidet schon an Geschmacksdegeneration. 6 Jahre hat er bereits hinter Gitter verbracht. Ist im Waisenhaus und in mehreren Pflegefamilien
      aufgewachsen. Bereits in der Jugend Drogenprobleme und Entzugskuren. Wenn Du mich fragt, hatte er von Anfang an keine Chance. Aber Du
      wirst mich nicht fragen, da Du das ja selber siehst. Auch wenn Du keine Brille auf hast. Was ich gar nicht verstehe. Du siehst mit einer Brille wirklich gut aus. Allerdings solltest Du Dir vielleicht ein moderneres Modell zu...“

      „Abs,“ gab Gibbs streng von sich und zog den Caf-Pow Becher weg.

      „Okay.“ Unschuldig lächelnd wandte sich die Laborantin dem Tisch mit den Beweismitteltüten zu. „Die Waffe hat noch eine Seriennummer. Danach gehört sie zum Besitz eines Mister Spencer Rotgold. Er hat die Waffe vor zwei Wochen als gestohlen gemeldet. Adresse hat McGee schon.“

      Ruhig nahm der Teamleiter die Informationen auf und nickte der jungen Frau zu. Sie war sicher noch nicht fertig.

      „An der Kleidung konnte ich ein paar fremde Fasern an den Ärmeln finden. Die muss ich noch untersuchen. Auch den Dreck an den Schuhen muss noch von Major Massenspektrometer in die Mangel genommen werden. Aber hier habe ich in der Hosentasche diesen Zettel gefunden.“

      Sie gab Gibbs eine Tüte mit einem zerknitterten DINA5 großen Zettel. Darauf standen Zahlen in 5 Reihen untereinander.

      „Koordinaten?“, fragte der Chefermittler.

      „Möglich,“ erwiderte Abby ernst. „Aber die 5 Orte würden dann keinen Sinn ergeben, da sie alle im Wasser liegen. Ich werde noch ein paar andere Möglichkeiten untersuchen.“

      „Gut.“ Mit einem Kuss auf die Wange der Goth und der Übergabe des Bechers verabschiedete sich Gibbs und machte sich auf den Weg zur Autopsie.

      Kapitel 8

      Sonnenuntergang

      9:37 Stunden vor Stunde 0

      Er ritt in den Sonnenuntergang.

      In diesem Nichts war es ihm zu langweilig geworden. Wozu hatte er die ganzen Filme gesehen, wenn er sich das jetzt nicht in seiner Fantasie vorstellen konnte? Also los. Und es klappte wie die jetzige Umgebung zeigte.

      Die Sonne war ein riesiges Halbrund und spannte sich golden über den Horizont.

      Um ihn herum war Steppe so weit das Auge reichte. Nur ab und zu war ein dürrer Baum auszumachen.

      Die Temperatur war angenehm. Der Vorteil eines Traumes.

      Alles war angenehm.

      So gar das Reiten. Obwohl beim letzten Reitausflug mit Gibbs brannte ihm der Hintern. Jetzt nicht.

      Er genoss es in vollen Zügen. Zog die Luft tief ein … und hustete.

      „Soll ich Dir auf den Rücken schlagen, Kid?“, fragte McGee neben ihm.

      Aber er schüttelte mit dem Kopf. „Nein, McButch. Geht schon wieder.“

      Einen Freund wie Butch Cassidy zu haben, war schon toll.

      Moment!

      Ich bin im Film Butch Cassidy & Sundance Kid.

      Und ich bin Sundance. Toll, was ich mir so ausdenke...

      Ich wollte schon immer die Rolle von Robert Redford haben. Der war in dem Film einfach genial.

      Aber mal ganz ehrlich, wenn ich mir meinen Partner angucke... die Klasse von dem berühmten Paul Newman erreicht McGee nicht. Sieht sogar etwas komisch aus so im Western Look auf einem Pferd.

      „Was gibt es da zu grinsen?“, fragt McCassidy.

      „Na ja. Irgendwie siehst Du heute .. mh...witzig aus.“

      Er mustert mich mit zusammengekniffenen Augen. „Wir wollen gleich einen Zug überfallen und Du hältst mich für witzig?“

      Ich lache. Mit einem Freund ist es doch schön.

      „Wenn Du mich auslachst, erschieße ich Dich,“ knurrt mein Partner da.

      Ohoh.

      Ernst antworte ich. „Ich lache Dich nicht aus. Ich finde es hier im Moment einfach nur schön.“

      McButch hat sein Pferd angehalten. „Also ich finde es hier zu laut.“

      Jetzt halte ich mein Pferd auch an und lausche. „Das ist ein Handy. … Mein Handy. … Der Boß will mich sprechen.“

      „Welcher Boß? .. Egal! Da ist der Zug!“ McButch zeigt auf eine graue Dampfsäule vor uns. „Wir müssen uns beeilen. Sonst wird das nichts mit dem Überfall.“

      Und schon gibt er seinem Pferd die Sporen.

      Verdammt. Was mache ICH jetzt?

      Abenteuer oder Schimpftirade?


      Kapitel 9

      Was hast Du, Ducky?

      60:18 Stunden vor Stunde 0

      Die automatischen Türen der Autopsie öffneten sich so gerade noch schnell genug vor dem Ermittler. Dort war Ducky gerade dabei, seinem Assistenten eine seiner vielen Geschichten zu erzählen, während sie die Autopsie des Petty Officers durchführten.

      Jimmy Palmer hörte interessiert zu. Er mochte seinen Vorgesetzten sehr gerne und lernte eifrig alles, was ihm vor die Nase kam. Dabei übertrieb er es allerdings manchmal und gab Wissen preis, welches keiner wirklich haben wollte. So wie bei Duckys Geschichten. Meistens hörte ihm nämlich niemand wirklich zu.

      Als Gibbs neben dem Tisch mit der Leiche zu stehen kam, fragte er auch sogleich: „Was hast Du?“ und
      unterbrach somit den Älteren in seinem Redefluss.

      Aber Dr. Mallard nahm solch ein rüdes Verhalten nicht übel. Dafür kannte er den Chefermittler viel zu gut. „Ah Jethro, schön Dich schon jetzt hier zu sehen. Wir haben erst gerade mit der Autopsie begonnen.“

      „Und schon etwas gefunden?“, lies Gibbs sich nicht aus dem Konzept bringen.

      Geschäftig fing der Coroner an aufzuzählen, was sie gefunden hatten. „Die Kleidung ist bei Abigal. Es gibt noch mehr Hämatome und Abschürfungen. Hauptsächlich im Unterleibsbereich. Brüche der Knochen sind nicht vorhanden. Der Gegner muss ein Boxer oder jemand mit entsprechender Ausbildung gewesen sein, da er sehr präzise zugeschlagen hat.“

      „Ein Gegner?“, hakte der Agent nach und besah sich die blauen Flecke genauer.

      „Ja,“ bekräftigte Ducky seine Aussage. „Die Schläge haben ein Muster und das stammt von einer Person. Bei mehreren Kämpfern wäre diese unterschiedlich in Stärke und Größe. Unter den Fingernägeln habe ich Dreck, aber auch Blut und Hautfetzen sicherstellen können.“ Dabei zeigte er dem Ermittler ein paar Probenbehälter. „Die gute Abigal wird diese Proben nachher untersuchen.“

      Und schon hatte Palmer die Aufgabe, die Beweismittel ins Labor zu bringen. Nur zu gern verließ er die Nähe des Chefermittlers. Dieser machte ihn immer nervös.

      „Todesursache?“, fragte Gibbs während dessen.

      „Der Favorit ist immer noch die Schussverletzung. Aber erst wenn ich den armen Mann aufgemacht habe,“ führte Ducky aus, „kann ich mit 100% Sicherheit sagen, was es war. Bei den Verletzungen kämen auch innere Blutungen in Frage. Es könnte auch ein Magendurchbruch sein oder eine gerissene Leber. Und nicht zu verg...“

      Ein unzufriedenes Brummen von Gibbs unterbrach Duckys Gerede. „Ist das alles?“

      „Wenn Du mich so fragt, ja,“ erwiderte der Doktor völlig ungerührt. „In 2-3 Stunden kann ich Dir mehr sagen. Weißt Du, das ganze erinnert mich an einen Fall in Bristol. Dort bekamen wir einen jungen Major auf den Autopsietisch. Keiner wusste, wieso er tot war, denn es gab keine...“

      Während der Mediziner erzählte, verließ der Chefermittler den Raum. Ducky störte sich nicht daran und erzählte munter weiter. Der tote Petty Officer lief ja nicht weg.

      Kapitel 10

      Was war das für eine Bombe?

      9:37 Stunden vor Stunde 0


      Einen Moment hielt Gibbs das Handy in seiner Hand und fuhr sich mit der anderen Hand zitternd durch die Haare. Sein Cape hatte er bei der Explosion verloren.

      Unendliche Erleichterung hatte er verspürt als McGee das Gespräch annahm. Dann ging es durch Höhen und Tiefen. Die Verletzung der Hand machte ihm Sorgen. Als Tim dann den Nagel zog und so schrie, befürchtete er schon, das der junge Mann bewusstlos werden würde.

      Die Nachricht, das Tony mit der Explosion in die Grube geschleudert worden war, behagte ihm gar nicht. Würde er ihn erreichen können? Würde Tony ans Telefon gehen können?

      Es nütze nichts. Um seine Fragen beantwortet zu bekommen, musste er ihn anrufen. Also wählte er dessen Nummer und wurde mit einem Freizeichen belohnt.

      Leider blieb es dabei. Tony nahm nicht ab. Gibbs Sorgen wurden immer größer. Schließlich gab er auf und rief wieder Tim an.

      Sofort hob der MIT Absolvent ab und sagte aufgeregt. „Boß, ich konnte das Klingeln hören. Tony ist sicher bei mir in der Grube. Ich schätze 5 oder 6 Meter entfernt. Gerührt hat er sich aber nicht. Auch auf mein Rufen reagierte er nicht.“

      „Verstehe.“ Das Herz wurde Gibbs schwer. „Du bleibst, wo Du bist, Tim. Wir holen Dich da raus und...“

      „Nein!“ unterbrach sein Agent ihn mit fester Stimme. „Ich werde versuchen, zu Tony zu kommen.“

      „Das ist zu gefährlich,“ erwiderte Gibbs, aber eigentlich war ihm die Idee selbst schon gekommen. „Dein Zustand lässt das nicht zu. Und Du weißt nicht, ob noch mehr einstürzt, wenn Du etwas zur Seite schiebst.“

      Darüber hatte der Nerd schon nachgedacht. „Gibbs. Hier sind ein paar Stahlträger über der Grube, die uns vor dem Rest der Trümmer schützen. Hier in der Grube liegen mehr Materialien rum, die alle locker sind. Wenn ich da Vorsichtig mich durch grabe, komm ich ohne weitere Einstürzte vorwärts. Das geht schon!“

      „Sei bloß vorsichtig,“ sprach der Chefermittler nach einer kurzen Pause leise ins Telefon. „Melde
      Dich alle 10 Minuten. Wenn etwas passiert, kann Dir niemand helfen. Das ist Dir klar.“

      „Ja.“ Ein Seufzer war zu hören. „Ich bin allein, aber Deine Stimme hilft sehr.“ Nach einer kleinen Pause fügte er hinzu. „Sorge dafür, das Abby mich nicht anruft. Wir müssen die Batterien schonen und sie spricht ewig.“

      Leise lachte Gibbs. „Ich kümmere mich darum. Viel Glück, mein Junge.“

      Damit legte er auf und schaute zur Straße, wo er die Sirenen der Feuerwehr hören konnte. Als das erste rote Auto um die Ecke bog, stapfte er los. Schließlich stand er noch Mitten im Trümmerfeld. Dabei bedeutete er Dorneget, ihm zu folgen.

      Der junge Agent hatte noch große Schwierigkeiten, sich zu recht zu finden. Durch den Sturz über die Mauer hatte sein dunkelblauer Anzug sehr gelitten. Die Krawatte saß schief und überall hatte sich Staub abgesetzt. Aber bis auf wenige Kratzer und blaue Flecke war er unverletzt.

      Nur wenige Minuten später standen sie vor einem Feuerwehrmann mit dem Wort Einsatzleitung auf der Brust. „Ich bin Greg Launtrie. Wer sind Sie , Sir, und können Sie mir sagen, was hier passiert ist?“

      Seine Leute begangen bereits Schläuche auszuladen und den nächsten Hydranten zu suchen. Gibbs fiel erst jetzt auf, das ein Teil des Schutthaufens brannte.

      „NCIS Speziell Agent Gibbs und das ist Agent Dorneget,“ stellte er sich vor. „Wir haben ein Lagerhaus durchsucht, eine Bombe entdeckt und sind dann raus gerannt. Die Explosion hat diesen Trümmerhaufen hinterlassen. Zwei meiner Leute konnten sich in eine Mechanikergrube retten. Der Eine hat leichte Verletzungen und ich stehe per Handy mit ihm in Verbindung. Der Andere, da habe ich keine Informationen.“

      „Verstehe, Sir,“ erwiderte Launtrie ruhig. Er war froh darüber, das er einen erfahrenen Mann vor sich hatte, der präzise Angaben machte. „Weitere Personen, die im Gebäude waren?“

      „Nein. Wir haben niemanden gesehen.“

      „Gefahrengut?“

      „Waffen, Handgranaten und ähnliches in dem Bereich.“ Gibbs zeigte auf eine Fläche weit links von ihnen. Die Flammen waren in der Mitte. „Meine Leute sind dort.“ Nun zeigte er nach rechts. „Es waren zwei Trucks auf der Seite in der Halle. Keine Ahnung, was sie geladen hatten. In der Mitte war die Bombe. Es gab viele Kisten dort. Inhalt... Dorneget. Was war deren Inhalt?“

      Der angesprochene Agent schien in weiter Ferne gewesen zu sein. So guckte er erschrocken seinen Vorgesetzten an und versuchte sich bei dessen bösen Blick zu erinnern.

      „Spielzeug in Kisten. Schienen ca. 100 zu sein. Hier Vorne gab es Maschinenteile. Da, wo die Bombe war, lag viel Holzwolle herum.“

      „Wie sah die Bombe aus?“, fragte Gibbs, dem wieder einfiel, das Dorneget sie als Einziger gesehen hatte.

      Etwas verlegen, weil er den Typ der Bombe nicht genau bestimmen konnte, versuchte er sich zu entschuldigen. „Ich... ich weiß nicht... mit so etwas kenne ich mich nicht aus... vielleicht sollte ich Bilder von...“

      Eine Kopfnuss beendete das Gestotter. „Beschreiben,“ forderte Gibbs grob, während Launtrie amüsiert eine Braue hob. Interessante Methode, dachte er.

      „Oh,.. ja. Sie.. sie stand auf einer Kiste in 80cm Höhe. War ca. 30cm groß. Es gab Säulen mit sprudelnder Flüssigkeit. Dann bewegte sich noch ein Teil und machte klickende Geräusche. In die Säulen führten Kabel. Und eine Uhr zählte die Sekunden runter. Ein Handy lag da auch noch.“

      „Eine chemische Bombe. Die wurde durch einen Anruf scharf gemacht und zählte dann runter.“ Diese Erklärung kam von einem dunkelhäutigen Feuerwehrmann mittleren Alters, der zu ihnen gestoßen war. „War außer Holzwolle noch etwas anderes dort?“

      Angestrengt überlegte Dorneget. Versuchte sich ein Bild des Raumes wieder ins Gedächtnis zu rufen. Dazu schloss er die Augen und atmete ein paar mal tief ein und aus. „Düngemittel. Einige Säcke. Sie standen auch direkt an der Kiste. Da hab ich mich beim Betreten des Containers noch drüber gewundert.“

      „Dadurch wurde es zu einer riesigen Explosion. Es erklärt die völlige Vernichtung.“

      „Okay, Scott. Wir sollten Schaum verwenden,“ gab der hochgewachsene Launtrie seine Anweisung.

      „Ja, Greg, mach ich,“ und schon lief Scott davon, um den Befehl auszuführen.

      Gibbs klopfte seinem Agent anerkennend auf die Schulter. Ob des Lobes freute sich Dorneget ganz enorm und ließ die Brust schwellen.

      Zu dem Feuerwehrmann gewandt meinte Gibbs leise. „Holen Sie meine Leute da raus. Wenn ich helfen kann...“

      Kapitel 11

      Befragung Mendoza

      58:47 Stunden vor Stunde 0


      In Quantico war es nicht schwierig zu den Kameraden des Petty Officers zu kommen. Sie waren in der Mechanikerhalle und bastelten an verschiedenen LKW und Jeeps herum.

      Mendoza war der Erste, den sie verhören. Sie holten ihn dazu von seinen Kameraden weg.

      „Petty Officer First Class Amando Mendoza,“ fing McGee an. „Wo waren Sie heute Nacht?“

      Sie standen vor dem Eingangstor der Halle. Der 25 jährige Mann benutzte die willkommene Abwechslung, um sich eine Zigarette anzuzünden. „Geschlafen,“ war die ganze Antwort von ihm. Er meinte wohl einen auf cool machen zu müssen.

      Da Mendoza mehr mit der Zigarette zu tun hatte, nahm DiNozzo sie ihm kurzer Hand aus dem Mund und zerdrückte sie. „Rauchen ist ungesund,“ meinte er dazu aggressiv und trat sehr dicht an den Soldaten heran. „Und Bundesagenten anzulügen auch.“

      „He, ich lüge nicht,“ empörte sich der einen Kopf kleinere Mann spanischer Abstammung, wich aber auch nicht zurück. „Worum geht´s überhaupt?“

      McGee beobachtete jede Reaktion genau, konnte ihm die Körpersprache doch einiges verraten. „In Ihrer Koje waren Sie aber nicht.“

      „Man kann auch woanders schlafen,“ brummte der Verdächtige gereizt zurück. „Also, wasn los?“

      „Wo haben Sie denn nun geschlafen?“, kam statt einer Antwort von DiNozzo, der von oben auf den muskulösen Soldaten hinabsah und weiter versuchte, ihn einzuschüchtern.

      Mit verengten Augen starrte dessen Gegenüber zurück. „Ich weiß nicht, was Sie das angeht.“

      „Eine Menge,“ nun wich Tony zurück und zückte seine Handschellen. „Aber das besprechen wir wohl lieber in einer Zelle. Da wird Ihnen der Ernst der Lage sicherlich klarer werden.“

      „Moment,“ abwehrend hob Mendoza die Hände. Er war schon Auffällig geworden und würde nur weitere Strafen erhalten, wenn er jetzt abgeführt wurde. „Ich war bei ner Freundin. Die ganze Nacht.“

      „Kann sie das bezeugen?“

      „Klar.“

      „Name. Adresse.“

      „He, können wir das nicht vertraulicher behandeln?“ Etwas verlegen sah sich der Mechaniker kurz um.

      „Die Tochter des Vorgesetzten?“, fragte Tony ins Blaue hinein.

      Verdutzt guckte der Petty Officer sie an: „Woher...?“

      Als die Agents einen Blick wechselten, grinste Tony über das ganze Gesicht und McGee holte seufzend einen Ein-Dollar Schein aus der Tasche.

      „Danke.“ Vergnügt nahm Tony den Geldschein entgegen. „Es ist doch immer schön, Geschäfte mit Dir
      zu machen“

      „Sie … Sie haben gewettet, das ich was mit der Tochter des Colonels habe?“ Kein Mensch könnte in diesem Moment erstaunter sein als Mendoza. Schließlich hatten sie es streng geheim gehalten. Hatten sorgfältig darauf geachtet, das sie niemand bei ihren Techtelmechtel beobachtete. Und nun wussten Bundesagent aus DC über die Affäre Bescheid?

      Immer noch grinsend war Tony so gnädig, die Auflösung von sich zu geben. „Als ich das Bild der Tochter vorhin im Büro sah, war mir klar, das sie nicht mehr unschuldig ist. Daher habe ich darauf gewettet, das einer von Euch Dreien es mit ihr getrieben hat. Soldatenväter sind doch immer soo streng. Da muss die Kleine doch was Dummes tun.“

      „Einer von uns Dreien?“ Verständnislos guckte der P.O. aus seiner Uniform.

      Nicht darauf eingehend, hielt Tim McGee ein Foto des Toten vor die Nase ihres Verdächtigen. „Kennen Sie
      diesen Mann?“

      Geschockt konnte der Soldat seinen Blick von der Leiche auf einem Metalltisch nicht lösen. „Ja.., das
      .. das ist Ronald. .. Äh, ich meine Petty Officer Ronald Harway. Er... er ist Tot?“

      „Richtige Schlussfolgerung,“ merkte Tony an. „Warum haben Sie ihn umgebracht?“

      Die direkte Anschuldigung brachte den Mendoza so durcheinander, das er ängstlich los sprudelte. „Ich habe ihn nicht erschlagen. Wir wollten ihm nur einen Denkzettel verpassen. Er hat aber gelebt, als wir gingen.“

      „Wer ist wir?“, stieß McGee gleich hinterher.

      „Ah, also... ich weiß nicht...“

      „Also doch Handschellen.“ Bei diesen Worten hielt Tony lässig den Armschmuck hoch.

      Sofort fasste Mendoza sich und gab die Antwort resigniert. „Meine Freunde Andrew Morgen und Jason Paltrow.“

      „Sie haben alleine zugeschlagen?“, fragte McGee nach.

      Sich hilfesuchend umsehend, kam die Antwort zögerlich: „ Ich … nun ich habe … also früher habe ich mal geboxt. Daher meinten die Anderen, das ich das am besten machen könnte. Aber … Aber was... was ist eigentlich passiert?“

      „Wieso?“ DiNozzo betrachtete den P.O. wie ein Insekt, das erstaunlich interessant war.

      Unruhig bewegte sich der Soldat unter diesem Blick. „Nun, ich hätte... gerne gewusst... also ist er an inneren Blutungen gestorben?“

      Die Stirn runzelnd blickte Tony sein Insekt tadelnd an. Aber der Mann war so durch den Wind, das er die Geste nicht verstand, sondern unsicher und nervös seinen Blickzwischen den Bundesagenten hin und her schickte.

      „Wieso haben Sie sich mit dem Toten geprügelt?“, half Tim ihm auf die Sprünge.

      „Oh, das.“ Die Gesichtsfarbe wechselte von weiß zu rot. „Äh, das war eigentlich ganz harmlos.“

      „Mord ist nicht harmlos,“ knurrte Tony bedrohlich.

      Die Hände abwehrend hebend nuschelte der Zurechtgewiesene. „Natürlich nicht. Er hat uns verpfiffen. Wihaben eine Stange Zigaretten geschmuggelt. Das hat er gemeldet. Deshalb haben wir einen Monat Ausgangssperre.“

      „In diesem Monat?“ Tony´s Augen waren nur noch Schlitze.

      „Ja,“ irritiert reagierte der junge Soldat.

      Ein Blick von Tony und McGee verstand. „Wo fand die Prügelei statt?“

      „Hinter der Turnhalle auf dem Übungsgelände.“

      „Wann? Los! Uhrzeit!“, herrschte DiNozzo den schon Eingeschüchterten an.

      Der hüpfte inzwischen von einem Bein aufs andere. „So ca. 9:30 Uhr Abends. Um 10:00 Uhr müssen wir in den Kojen liegen.“

      Die Lippen schürzend stellte McGee die nächste logische Frage. „Irgendwen sonst dort gesehen? Irgendwas ungewohntes?“ Schließlich musste es ja ein Motiv geben. Dieser P.O. hatte durch die Prügel ja schon seine Rache gehabt.

      Den Kopf schüttelnd verneinte Mendoza.

      „Waren Deine Freunde dabei?“ Tony hatte seine Hände auf seinen Hüften gestützt und die Schultern hochgezogen. Dabei streckte er den Kopf nach vorne. Diese Haltung wirkte einschüchternd.

      Der kleine Kerl vor ihm reagierte darauf und nickte zuerst nur als Antwort. Als Tony sich zusätzlich auf die Zehenspitzen stellte, kam ein leises „Ja!“ dazu.

      „Nur Zigaretten?“

      Wieder ein Nicken.

      „Dafür schlagen Sie einen Mann brutal zusammen?“

      Sich kleiner machend kam leise von unten: „Wir wollten ein Zeichen setzen.“

      „Gut,“ erwiderte DiNozzo kopfschüttelnd und trat einen Schritt zurück. „Sie können wieder an die Arbeit gehen. Aber kein Wort hierüber zu Ihren Kollegen, sonst bring ich Sie wegen Behinderung der Ermittlungen vors Kriegsgericht. Und Sie halten sich zur Verfügung.“

      Eifrig nickend, machte sich Mendoza schnell auf den Weg in die Halle. Der zu Anfang so Hartgesottene kehrte völlig verschüchtert an seinen Platz zurück.

      NEU


      Kapitel 12

      Jäger des verlorenen Schatzes

      8:18 Stunden vor Stunde 0

      Vorsichtig schleiche ich mich durch den Tunnel aus Felsen und Stein. Leichter Nebel bedeckt den Boden.

      Unheimlich. Ein Schauer läuft mir den Rücken runter.

      Aus den Wänden ragen die Wurzeln der Bäume heraus und dazwischen sind Spinnweben. Diese Netze sind bestimmt Jahrhundertealt, so groß und dicht wie sie sind.

      Grüner Moos ist auch überall und macht den Boden rutschig.

      Das Licht ist diffus. Indirekt kommt es durch viereckige Löcher, die schräg in die Decke eingelassen waren und so Tageslicht einließen.

      Ich gehe um eine Ecke und stehe plötzlich einer aufgespießten Mumie gegenüber.

      Der Kleidung nach ein Spanier aus der Zeit der Entdeckung Amerikas.

      Diese Begegnung ist ein historischer Moment für mich.

      Echt gruselig. Ich bin total aufgeregt.

      Wahnsinn.

      Aber ich bin Profi.

      Ich bin Indiana Tony Jones.

      Und diese Pfeile im Körper des Toten sagen mir, dass hier von den Erbauern eine Falle vorbereitet wurde. Die Pfeile müssen schließlich ausgelöst worden sein. Sie stecken horizontal in dem Körper. Hier im Gang ist aber nicht genug Platz für eine weitere Person mit Pfeil und Bogen. Also hat sich der Erbauer irgendeinen Mechanismus ausgedacht.

      Diesen gilt es nun zu finden. Sonst bin ich tot, wenn ich weitergehe.

      Adrenalin durchströmt meinen Körper wie ein Rausch.

      Ja, ich fühle mich lebendig.

      Ich fühle mich gut.

      Ich könnte Bäume ausreißen.

      Mein Gehirn erfasst jeden Zentimeter. Kein Detail entgeht mir.

      Was könnte der Auslöser sein?

      Und funktioniert der noch nach so vielen Jahrhunderten?

      Indiana Jones zu sein, macht doch mächtig Spaß.

      Das hier stammt eindeutig aus dem Film „Jäger des verlorenen Schatzes“ aus dem Jahr 1981. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit von George Lucas als Produzent und Steven Spielberg als Regisseur.

      Ganz zu schweigen von der grandiosen Darstellung von Harrison Ford. Kein anderer Schauspieler hätte Indy besser spielen können.

      Wie oft habe ich diesen Film schon gesehen?

      20 mal?

      Aber das hier ist noch viel besser.

      Mitten drin zu sein ist der Wahnsinn.

      Vorsichtig bewege ich mich vor der imaginären Todeslinie entlang und suche den Auslöser.

      Da.

      Ein Lichtstrahl. Nicht diffus, sondern stark.

      Wo kommt der her?

      Egal. Unwichtiges Detail.

      Das ist das Einzige hier, was den Gang überbrückt und durch das man hindurch muss.

      Mal sehen ob ich recht habe.

      Kurz gesucht und ich habe eine abgefallene Wurzel in den Händen. Diese halte ich in den Lichtstrahl und...

      WUMM.

      10 Pfeile schießen aus der Wand und nageln die Wurzel fest.

      WAU.

      Erschrocken springe ich zurück und rutsche auf irgendetwas aus.

      Eine Bananenschale wie ich feststelle.

      Wo zum Kuckuck kommt die jetzt her?

      Also manchmal sind Träume ganz schön durcheinander.

      Ich reibe meinen Hintern und brumme unzufrieden.

      „Weh getan?“, fragt eine Frauenstimme hämisch direkt hinter mir.

      Ein Blick und mein Verdacht bestätigt sich.

      Es ist Paula Cassidy. Eine tote NCIS Agentin. Immer noch genauso hübsch wie ich sie in Erinnerung habe.

      „Hey,“ lächle ich sie an. „Du hast mich schon lange nicht mehr in meinen Träumen besucht.“

      „Das hier ist kein Traum,“ meint Paula ruhig und setzt sich neben mich. Jetzt können wir uns ansehen. Sie trägt ein langärmeliges T-Shirt mit Streifenmuster und eine dunkle Jeans. „Dieser Weg kann Dich in die Hölle oder in den Himmel bringen.“

      Ich lache, halte ich es doch für einen Scherz.

      Sie lacht nicht!

      „Echt jetzt?,“ frage ich neugierig zurück. „Kein dritter Weg? Ich meine, Himmel und Hölle klingt
      ziemlich …. tot. Bin ich tot?“

      Ein warmes Lächeln erscheint auf ihren roten Lippen. „Es ist Deine Wartezone, Tony. Nur Du allein entscheidest, wohin der Weg geht.“

      Ich nicke langsam. „Bleibst Du bei mir?“

      „Warum?“ Amüsiert mustert sie mich. „Du hast doch wohl keine Angst im Dunkeln.“

      „Neeeiiinnn. ICH doch nicht.“ Ich strecke meine Brust heraus und schlage wie Tarzan darauf, was Cassy zum Lachen bringt. „Aber Indy hatte in allen Filmen eine Frau an seiner Seite. Also brauche ich auch eine.“

      Diese Aussage bringt Paula noch mehr zum Lachen. Ohne ein weiteres Wort löst sie sich auf und wird zu dem Nebel am Boden.

      „Toll,“ meine ich enttäuscht. „Das ist ja wie in The Fog. Hoffentlich gibt es hier keine Wasserleichen, die einen umbringen wollen.“

      Als ich aufstehen will, um mich weiter zum Schatz vorzuarbeiten, sendet mein Fuß so höllische Schmerzen, das ich wie ein Indianer beim Kriegstanz aufheule.

      Das kann doch jetzt nicht sein.

      Das ist unfair!

      Ich bin noch nicht einmal in der Nähe des Schatzes und nun schon Game Over.

      Irgendjemand ruft nach mir. Dunkel und gedehnt klinkt die Stimme. Halt von den Wänden wieder. „Ttttooooonnnnnyyyy!“

      Bah. Jetzt mag ich hier nicht mehr sein.

      Frustriert schlage ich mit der Faust auf dem Boden.

      So macht das keinen Spaß.

      Der Nebel wird dichter und verschlingt alles in diesem kalten Weiß.

      Mmmh.

      Also woanders hin.

      Und welchen Film nehme ich jetzt als Wartebereich?

      Liebesfilm?

      Nein. Die Frauen haben alle Zivas Gesicht. Das deprimiert mich.

      Krimi?

      Nö. Da kommt Gibbs als Vorgesetzter vor. Nicht entspannend.

      Ein Western?

      Mit John Wayne.

      Ja. Das ist gut.

      Nur welchen?

      Und soll McGee da wieder mitspielen?

      Wieder erklingt diese Stimme. Irgendwie kenne ich sie.

      Aber ist das wichtig?

      Ich denke nicht.

      Also, Anthony DiNozzo, welcher Film soll es denn nun sein?
      Live Long and prosper
      Ute
      :thumbup:

      Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von „ziva-ute“ () aus folgendem Grund: Kapitel 12 am 18.5.16