Mit Freunden oder alleine sterben? Thread 1 bis Kapitel 5 - abgeschlossen

      Mit Freunden oder alleine sterben? Thread 1 bis Kapitel 5 - abgeschlossen

      Mit Freunden oder alleine sterben?

      Autorin: ziva-ute

      Disclaimer: Alle Charaktere und sämtliche Rechte an Navy CIS gehören CBS, Paramount und Belisarius Productions.

      Diese Fanfic wurde lediglich zum Spaß geschrieben und nicht um damit Geld zu verdienen. Jegliche
      Ähnlichkeiten zu lebenden und toten Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.
      Alle weiteren Charaktere sind Eigentum des Autors.

      Genre: Drama

      Inhalt: Schreckliches ist passiert. Bei einem Einsatz werden Tim und Tony verschüttet. Werden Sie überleben? Oder sind sie schon tot? Ein Wettlauf beginnt. Und der Fall muß auch noch gelöst werden. Oder?

      Personen: Das NCIS Team um Gibbs

      Pairing: keine

      FSK: ab 16

      Ich habe diese FS bereits in einem anderen Forum gepostet :whistling: , aber sie ist noch nicht zu Ende geschrieben. Am Anfang werde ich daher schneller neue Kapitel einstellen. Sind ja schon fertig. Später geht es dann im Wochenryhtmus weiter. Über Feedback würde ich mich freuen, sind sie doch die Nahrung für uns Autoren. :thumbup:

      Hinweis: Falls Ihr Fehler findet, was Rechte, Aufbau, Bilder und ABC angeht, schreibt es in Eure Kommis. Ich bin dankbar für jede konstruktive Kritik.


      Prolog

      Der NCIS Speziel Agent Leroy Jethro Gibbs stand am Einsatzzelt der Feuerwehr und schaute hilflos auf das Chaos vor ihm. Was sollte er jetzt tun?

      Ein Berg von Schutt türmte sich zwischen weiteren Lagerhäusern hier am Hafen auf.

      Noch vor zehn Stunden war es eine große Halle gewesen. Über 250 Meter lang und 100 Meter breit. Ganze Container konnten untergebracht werde. Es gab auch eine LKW-Werkstatt mit Gruben für die Mechaniker. Diese langen Schlitze im Boden konnten aber auch gut dazu dienen, Diebesgut unter einen Anhänger eines Trucks zu montieren.

      Durch mehrere große Tore konnten ganze Riesenlastwagen ins Innere fahren. Einen solchen Lastzug hatten sie kontrollieren wollen. Der Tippgeber hatte von einer Ladung Waffen gesprochen.

      Gefährlich. Ja. Aber sie machten so etwas nicht zum ersten Mal. Dafür waren sie ausgebildet. Sie waren Bundesagenten.

      Also waren sie reingegangen und es war offensichtlich eine Falle gewesen, wie sie fast zu spät bemerkten.

      Eine gewaltige Explosion hatte die Lagerhalle in diesen teilweise brennenden Haufen Bauschutt verwandelt.

      Und zwei seiner Leute waren darunter begraben.

      „Jethro,“ rief eine Stimme neben ihm. „Ich habe ordentlichen Kaffee besorgt, da ich ja weiß, das Du den Kaffee hier nicht einmal als....“

      Weiter sprach Dr. Donald Mallard nicht, denn sein langjähriger Freund hatte sich zu ihm umgedreht. Der verzweifelte Blick machte klar, das etwas ganz und gar nicht stimmte.

      „Was ist geschehen?“, fragte deshalb der Pathologe des NCIS vorsichtig und legte dabei eine Hand beruhigend auf Gibbs Oberarm.

      „Sie sind da drin,“ erwiderte der Chefermittler heiser. Immer noch konnte er es nicht fassen, was gerade geschehen war. Als er dabei seine Hand hob, sah er sein Handy. Aus diesem Ding waren McGees angsterfüllte Schreie gekommen. Wieder konnte er alles in seinem Kopf hören. Die grausame Wahrheit traf ihn mit voller Wucht.

      Ducky, wie er von allen nur genannt wurde, nickte, da er annahm, das sein Freund erst jetzt die Tragweite des Geschehens realisierte. Zwei ihrer Freunde waren verschüttet. Aber es wurde bereits alles getan, um sie aus ihrem Gefängnis zu befreien. Der Arzt fand es nur normal, wenn Gibbs durch einen Schock erst jetzt begriff, wie ernst die Lage trotz aller Hilfe war. „Das weiß ich doch. Du hast es uns erzählt. Sie leben, Jethro. Du hast mit ihnen telefoniert. Die Feuerwehrmänner helfen ihnen.“

      Aber der grauhaarige Mann schüttelte resigniert den Kopf. Gerade diese Helfer töteten seine Männer gerade. „Die Löscharbeiten. Das Wasser läuft in die Grube. McGee und DiNozzo haben keine Chance, Ducky. Sie ertrinken. Und ich kann nichts tun. Nichts!“


      Kapitel 1

      Alles normal

      64:08 Stunden zuvor

      „Toter Petty Officer in Anacostia,“ rief der Chefermittler L.J. Gibbs seinen Leuten im Großraumbüro des Navy Yard an einem Dienstag im schönen Monat Mai um 9:16 Uhr zu.
      Während er seine Waffe aus der Schublade zog und unter seinem grauen Sacko verschwinden ließ, gab er im strengem Ton die üblichen Befehle. „DiNozzo, tank den Truck. McGee, informiere Ducky.“

      Und schon ging es in gewohnter Manier zum Fahrstuhl.

      Nur war es nicht wie gewohnt. Eine Person im Team fehlte. Normal waren sie zu viert. Aber ihre Kollegin Ziva David, oder vielleicht schon Ex-Kollegin, hatte sich dazu entschlossen, in Israel zu bleiben.

      Besonders Anthony DiNozzo, kurz Tony genannt, viel es schwer, einfach weiter zu machen.

      Aber so war das Leben. Böse und ungerecht.

      Also hieß es für ihn, fröhlich zu sein. Zumindest war das Tonys Überlebensstrategie.

      Hier im Büro in seinem makellosen Armani-Anzug ließ er sich möglichst nichts anmerken. Schließlich hatte er den Ruf des Womanziers und des Clowns. Man war es von ihm gewohnt, das er dumme Sprüche machte und ständig flirtete. Er hielt es für seine Pflicht, dem gerecht zu werden, und so seine wahren Gefühle zu verbergen. Auch wenn es schwer war.

      Spezial Agent Timothy McGee konnte von den Späßen ein Lied singen. Schließlich war er das Ziel so mancher verbalen Attacke.

      Gott sei dank hatten die Streiche mit dem Superkleber auf seinem Tisch aufgehört. Nicht, das McGee in seiner Wachsamkeit nachließ. Bevor er eine Tastatur oder Maus oder was auch immer unbeaufsichtigt auf seinem Schreibtisch gestanden hatte, anfasste, untersuchte er alles erst mal schnell. Natürlich nur dann, wenn es keiner sah.

      Obwohl der Computerspezialist in den Jahren viel an Selbstvertrauen hinzugewonnen hatte, gab es immer noch Phasen der leichten Unsicherheit.

      Nun standen die Agents mit ihrem Teamleiter im Fahrstuhl und fuhren runter zum Ausgang.

      „Hast Du schon die Neue in der Personalabteilung gesehen?“, fragte Tony ungeniert seinen Kollegen. „Die wäre genau richtig für Dich, Bambino.“

      „Lass das,“ antwortete McGee genervt. „Ich habe, im Gegensatz zu Dir, eine feste Freundin.“

      Gibbs, der vor ihnen stand, nippte leicht schmunzelnd an seinem Kaffee. Es kam selten vor, das er keinen Becher in der Hand hatte. Auch ihm fehlte die Israeli. Daher empfand er Tonys munteres Geplapper als Ablenkung und genoß die so scheinbar vorhandene Normalität.

      „Bist Du Deleila noch nicht überdrüssig?“, machte der smarte Agent fröhlich weiter. Er selbst hatte bisher nur zwei feste Beziehungen gehabt. Das erste Mal war es eine in Baltimore, die seine Verlobte beendet hatte, und ein zweites Mal ein Undercoverauftrag.

      Und die Frau, die er sich an seine Seite wünschte, wollte zur Zeit nicht.

      Sehr wohl wußte McGee dies, aber deshalb brauchte er sich nicht seine eigene Beziehung kaputt machen zu lassen.

      „Wir sind glücklich miteinander,“ antwortete er deshalb kurz und hoffte, so das Thema zu beenden.

      Natürlich reichte dies Tony nicht im Mindesten als Antwort. „Wann heiratet Ihr?“

      „Das ist noch zu früh,“ schnaubte der Jüngere zurück und schaute seinen Kollegen mistraurisch an. „Wieso?“

      „Wegen der Junggesellenparty,“ flapste Tony zurück. „Ich muß doch planen. Es wäre doch furchtbar, wenn ich gerade dann Urlaub habe.“

      „Vielleicht auch nicht,“ grummelte Tim, dem ein unangenehmer Schauer bei der Vorstellung über den Rücken lief.

      Sie waren inzwischen auf dem Parkplatz des Yards und auf dem Weg zum Wagen. Es war ein herrlicher sonniger Tag. Wenn auch noch etwas kühl.

      Entrüstet op der Reaktion packte DiNozzo seinen Kollegen am Arm und hielt ihn damit auf. „Wie meinst Du das? Bin ich nicht Dein Freund?“

      Bevor McGee eine Antwort geben konnte, mischte sich ihr Vorgesetzter ein. „Wenn Ihr weiter so trödelt, schmeiß ich Euch Beide Heute noch raus und such mir ein neues Team.“

      Schnell beeilten sich die Agents zu ihrem Boß zu kommen. Die Drohung nahmen sie zwar nicht ernst, aber es graute ihnen jetzt schon vor der Fahrt. Denn wenn Gibbs schlecht drauf war, fuhr er noch mehr wie ein wildgewordener Wolf auf Kaffeeentzug. Also hieß es vorbeugen und schnell den Truck fertig machen und einsteigen.

      Kapitel 2

      Ist Schwarz alles?

      10:04 Stunden zuvor


      Schwarz. Alles ist schwarz. So schwarz.

      Und still.

      Kein Geräusch.

      Aber auch kein Gewicht.

      Ich schwebe schwerelos im Raum.

      Das ist wie in 2001 – Odysse in Space von 1968. Die Momente ohne Musik, ohne alles.

      Wie schön.

      Wieso?

      Woher wußte ich, das dieser Ort Wände hat?

      Giebt es überhaupt Wände?

      Zu sehen ist nichts.

      Aber habe ich meine Augen überhaupt offen?

      Es macht keinen Unterschied. Es bleibt Schwarz.

      Bin ich blind?

      Alles Schwarz.

      Und still.

      Kein Laut dringt an Ohren, von denen ich nicht sicher bin, das ich welche habe.

      Habe ich überhaupt einen Körper?

      Wenn man Tod ist, braucht man keinen Körper mehr.

      Okaaayy.

      Bin ich Tod?

      Also in allen Filmen, die ich je gesehen habe und die sich mit dem Tod befasten, gab es ein Licht, auf das man zugehen mußte, um ins Jenseits zu gelangen.

      In der Serie Ghost Wisperer – Stimmen aus dem Jenseits schickt Melinda die Geister immer ins Licht.
      Wunderschöne Frau diese Jennifer Love Hewitt.

      Hier ist kein Licht.

      Nur schwärze.

      Und in den anderen Filmen kamen die Toten in eine Welt, die sich ihr Unterbewußtsein ausdachte.

      So wie Robin Williams in Hinter dem Horizont. Da hat es eine Landschaft aus Tubenfarbe gegeben. Toller Film.

      Oder bei Ghost, wo Patrick Swayze in unserer Welt weiterhin als Geist herum läuft.

      Auch eine wunderschöne Liebesgeschichte mit Demi Moore.

      Aber hier?

      Nichts davon.

      Nur schwärze.

      Das ist langweilig.

      Öde.

      Blöd.

      Also das Jenseits habe ich mir anders vorgestellt.

      Ist das nur für mich anders?

      Man sagt, jedem das seine.

      Aber habe ich das wirklich verdient?

      War ich so schlecht?

      Na ja, McGee hat so einiges abbekommen.
      Das muß ich zugeben.

      Aber es war nur zu seinem Besten.

      Ein großer Bruder hat nun mal die Aufgabe, nicht nett zu den Jüngeren zu sein.

      Da kann mir keiner einen Strick draus drehen.

      Gott, ist das doof.

      Oder ist das die Hölle?

      Bei Charmed – Zauberhafte Hexen war die Hölle immer heiß.

      Und die müssen es schließlich wissen, wie es dort aussieht.

      Also heiß ist es hier nicht.

      Eher angenehm temperiert.

      Obwohl, spüre ich überhaupt warm und kalt?

      Nein, die Hölle ist das nicht.

      Aber es ist die Hölle zu warten im Nichts.

      Das hier muß eine Zwischenstation sein.

      Eine Art Wartezimmer.

      Ja.

      Ja. Genau.

      Langweiliges Wartezimmer.

      Da sind sogar die Wartebereiche in Krankenhäusern unterhaltsamer.

      In dem Warteraum meines Zahnarztes laufen Filme, die den Patienten ablenken sollen. Das ist immer lustig.

      Wäre hier auch gut.

      Wenn das hier ein Wartezimmer ist, worauf warte ich dann eigentlich?

      Wo soll es hingehen?

      Muß man dazu einen Fragebogen ausfüllen?

      Wohl eher nicht. Hab ja keinen Körper.

      Oder erscheinen hier in nächster Zeit ein oder zwei Wege, zwischen denen man sich entscheiden muß?

      Ich fühle mich wie Mia in Wenn ich bleibe.

      Aber sie konnte alles beobachten, was mit ihr geschah.

      Hier ist es nur Schwarz. Still.

      Von wo war ich eigentlich gekommen?

      Und wo war ich davor gewesen?

      Explosion.

      Ja.

      Es gab eine Explosion.

      Ich bin gesprungen und dann erwischte mich die Druckwelle.

      Man, war das ein Flug. So schwerelos.

      Bin ich irgendwo gelandet?

      Aufgeschlagen?

      Gefallen?

      Ich erinnere mich nicht.

      Vielleicht fliege ich immer noch.

      Hmm.

      Müßte dann nicht jetzt mein Leben an mir vorbeiziehen?

      Die glücklichen Momente?

      Habe ich welche gehabt?

      Nach der Schwärze zu urteilen nicht.

      Keine Bilder.

      Keine Erinnerung.

      Keine Geräusche.

      Schwärze.

      Bleibt das jetzt so?

      Sterbe ich allein?

      Hier?

      Seltsam.

      Ich habe keine Angst.

      Ich fühle … nichts.


      Kapitel 3

      Der Fundort

      63:25 Stunden zuvor


      In Anacostia in einer Seitenstraße der Nicholson Street fanden sie die Leiche des Petty Officers. Die Polizei hatte alles mit Flatterband abgesperrt. Eine schöne Gegend war das hier nicht. Müllcontainer waren übervoll und verbreiteten einen unmöglichen Gestank.

      Es war jetzt regelrecht heiß und die Essensreste der Restaurants/Bars und der Imbissbuden gammelten so vor sich hin. Leider standen davon gut 15 Stück auf den 100 Metern in der Gasse verteilt. Hier in der Nähe des Anacostia Parks am Anacostia River gab es reichlich dieser Geschäfte. Die Matrosen der Schiffe mussten schließlich versorgt werden.

      Für einen Dienstag um 9:59 Uhr war es hier schon sehr belebt.

      Gibbs ließ sich von dem Police Officer Baker unterrichten. Der Cop war schon zu lange auf den Straßen unterwegs, um aufgeregt zu sein und gab routiniert sein Wissen weiter.

      „Die Dame dort beim Rettungswagen, Miss Laroue, arbeitet im Tropicana hier. (Dabei zeigte er auf den Hintereingang eines Gebäudes in der Nähe.) Wollte den Müll entsorgen. Fand den Toten. Sie dachte allerdings, er wäre besoffen und hat den Rettungswagen gerufen. Die Sanis haben den Tod festgestellt. Wegen der Schussverletzung informierten sie uns. Ihnen gab ich wegen der Uniform Bescheid. Ist ja von der Navy.“

      „Irgendwas unternommen?“, fragte Gibbs ebenso kurz angebunden, während er sich ein paar Notizen machte.

      „Nein,“ antwortete der Policeman eher gelangweilt Kaugummi kauend. Erst auf einen Blick von Gibbs, sprach der Mann weiter. „Bin nicht mal mehr in die Nähe gegangen.“

      „Gut. Danke,“ brummte der Chefermittler halbwegs zufrieden. „McGee Fotos. DiNozzo Skizze,“ rief er seinen Leuten zu, die gerade mit den Ausrüstungskoffern ankamen, und begab sich zum Rettungswagen.

      „Miss Laroue. Ich bin Spezial Agent Gibbs vom NCIS,“ sprach er dort die aufgedonnerte Frau an. Ein rotes Charleston Kostüm lag eng um ihren vollbusigen Körper. Ihr Alter war schwer zu schätzen. Sie konnte 35 aber auch 65 Jahre schon abgerissen haben. Ihr Beruf als Barfrau hatte sie reichlich gekennzeichnet. Die dicke Schminke wirkte im Sonnenlicht rissig und grell. Eine lange Nacht.

      „Was isn NCIS?“, fragte sie auch gleich angriffslustig nach. Dabei blies sie provozierend einen Rauchring in Richtung des Neuankömmlings. Die Zigarette steckte in einer langen 20er Jahre Zigarettenspitze und sie hielt sie lasziv zwischen ihren Fingern.

      „Naval Criminal Investigative Service,“ knurrte Gibbs halbwegs freundlich. Sein Blick zeigte allerdings deutlich, was er von einer Rauchwolke in seinem Gesicht hielt. „Was haben Sie gesehen?“

      Den bösen Blick eher amüsiert wahrnehmend, antwortete sie gelangweilt: „Nu, Matros, ik bün runner kommen und wull de Müll in de Kasten schmieten. Dor heb ik mi ordentlich schreckt. Denn dor lech de Kerl lang utstreckt. Ik dorch mi, dat he sück besoppen häd. Orber so richtig as n Klabautermann. So dorch ik mi, dat ik better de Levenshelper anroppen do. Un nu hepp ik de Malheur. Statt to Huus mi lang hen to lergen, mud ik yo Fragen uthollen. Un dat nu all ton söbenundtachentig mal.“

      Übersetzung: Nun, Matrose, ich bin runter gekommen und wollte den Müll in den Kasten schmeißen. Da habe ich mich ordentlich erschreckt. Denn da lag der Kerl lang ausgestreckt. Ich dachte mir, das er sich besoffen hätte. Aber so richtig wie ein Klabautermann. So dachte ich mir, das ich besser den Krankenwagen rufe. Und nun habe ich das Maleur. Statt zu Hause mich lang hinzulegen, muß ich ihre Fragen aushalten. Und das nun zum 87 mal.

      Interessanter Slang, dachte der Chefermittler. Im Groben hatte er aber das Meiste verstanden. „Sie haben sich erschreckt?“, fragte er dennoch nach und war jetzt der Amüsierte.

      Miss Laroue gehörte zu der Sorte Mensch, die schon viel zu viel gesehen hatten, als das sie sich vor einem Besoffenen oder einer Leiche erschrecken würde. Schließlich hatte selbst Gibbs´ mörderischer Blick sie eher zum Grinsen gebracht, und weitere Rauchringe nicht aufgehalten. Natürlich von einem kokett unschuldigen Blick begleitet.

      „Jo, Du Söten. Ok ik schreck mi off un too,“ antwortete sie mit ihrer angenehm rauchigen Stimme.
      Übersetzung: Ja, Süßer. Auch ich erschrecke mich ab und zu.

      Ein kurzes Grinsen breitete sich über das Gesicht des Spezial Agents aus. Während er sich bereits umdrehte, meinte er noch: „Verlassen Sie nicht die Stadt. Falls Ihnen noch etwas einfällt, rufen Sie mich an.“

      „Immer dorch,“ kam prompt die zweideutige Antwort, während sie Gibbs Karte in ihr Dekolletee stopfte. „Ik bün hier, wenn Du mi bruuks, Matros,“ warf sie ihm noch mit schmachtender Timbre hinterher.

      Übersetzung:
      Immer doch ..... Ich bin hier, wenn Du mich brauchst, Matrose.

      Gibbs überlegte, ob er DiNozzo eine zweite Befragung der Bardame machen lassen sollte. Würde Tony sicher gut tun. Allerdings konnte dieses Weib seinen Senior Field Agent auch verschlingen. Müsste er als sein Boß den Jüngeren nicht schützen?

      So in Gedanken leicht lachend schritt Gibbs zu seinem Coroner, der sich inzwischen schimpfend über die Leiche beugte. Man hatte sie bewegt und dadurch Spuren vernichtet. So eine Ignoranz konnte er auf den Tod nicht leiden.

      Dr. Donald Mallard war ein schon über sechzig jähriger Herr der alten Schule. Da er ursprünglich aus Great Britannia stammte, sprach er mit einem entsprechenden Akzent und setzte die Worte sehr genau. Unter der blauen Dienstjacke trug er einen Tweedanzug und eine Fliege zierte seinen Kragen.

      Durch die Nickelbrille sah der Doktor einen Schatten auf die Leiche fallen. Als er zu dem Neuankömmling hochschaute, zog er staunend die Augenbrauen hoch. „Du lächelst, Jethro?“

      Eine wegwischende Handbewegung seitens Gibbs sorgte dafür, das der Mediziner erst einmal nicht weiter bohrte. Obwohl es ihn brennend interessiert hätte. Lächelte der Chefermittler im Dienst doch so gut wie nie.

      „Was hast Du für mich, Duck?“ Die übliche Frage des Teamchefs sorgte für die nötige Geschäftsmäßigkeit.

      „Nun, dieser bedauerliche Petty Officer ist höchstwahrscheinlich an einer Kugel gestorben.“ Der Doktor zeigte auf das blutige Loch in der Brust der Leiche. „Der Schuss ging mitten durch das Herz. Es gibt keine Austrittswunde. Vorher war der Arme aber noch in eine Schlägerei verwickelt. Hier an den Fingerknöcheln sind starke Abschürfungen vorhanden wie sie bei Faustkämpfern vorkommen.“

      McGee fotografierte die Hände des Toten.

      „Bin mit der Skizze fertig, Boß,“ meldete sich in diesem Moment DiNozzo und konnte einen neugierigen Blick zu seinem Vorgesetzten nicht verbergen. Zu gerne hätte er gewusst, worüber sein ewig griesgrämiger Chef gelacht hatte.

      Natürlich erahnte Gibbs die Gedanken seines SF, nur Antworten bekam der nicht. „Dann such Beweismittel.“ Als DiNozzo zögerte, setzte er knurrig hinzu: „Oder willst Du die Barfrau noch mal befragen?“

      „Nein, Boß,“ beeilte sich Tony mit verzogenem Gesicht zu versichern. „Die Frau hat etwas zu viel …. Figur.“ Schnell drehte er sich um und begann zu suchen.

      Der Gerichtsmediziner schmunzelte und zählte eins und eins zusammen. „Das erinnert mich an das Dorf Glen Finnen in den Highlands von Schottland. Dort gab es auch so ein ...“

      „Sonst noch was?“, wurde er in seiner Erzählung vom Chefermittler unterbrochen.

      Ohne diese grobe Behandlung zu beachten, er war sie von seinem Freund gewöhnt, fuhr der Mediziner konzentriert fort. „Nach der Gerinnung an den Knöchelverletzungen zu schließen, fand die gewalttätige Auseinandersetzung ein paar Stunden vor dem bedauerlichen Ableben dieses jungen Mannes statt. Wann ist der Tod eingetreten, Mister Palmer?“

      Sein Assistent Jimmy Palmer hatte soeben die Lebersonde wieder aus dem Körper des Toten gezogen. Kurz rechnete er nach. „Etwa vor 1-1,5 Stunden, Dr. Mallard.“ Dabei lächelte der schlaksige junge Mann nervös den Agent an. Er hatte einen riesigen Respekt vor Gibbs.

      „Also hat die Schlägerei ca. vor 5 bis 7 Stunden stattgefunden. Alles weitere erfährst Du, wenn der Petty Officer bei uns zu Hause ist,“ erklärte Ducky, wie er von allen meist genannt wurde, noch kurz. Zu seinem Assistenten gewandt fügte er hinzu. „Holen Sie die Trage, Mister Palmer. Es wird Zeit zu gehen.“

      Der Chefermittler hatte bereits den Weg zu DiNozzo angetreten, als der auch schon rief. „Boß?“ Ohne sich umzudrehen, fuhr Tony fort. „Ich habe die Mordwaffe gefunden.“

      Dabei stellte er eines der Plastikschildchen mit einer Nummer auf den Boden. Neugierig war McGee herangekommen und fotografierte das Fundstück aus verschiedenen Winkeln. Erst dann packte DiNozzo die Waffe in eine Beweismitteltüte und reichte sie Gibbs.

      „Ein Colt,“ war dessen etwas erstaunte Reaktion. Dann drehte Gibbs die Waffe hin und her.

      „Die Seriennummer steht hier, Boß.“ Eifrig wies Tony auf eine Stelle und fügte unverschämt grinsend hinzu. „Soll ich sie Dir vorlesen?“

      Die Tüte seinem Senior Field Agent unsanft vor die Brust schlagend erwidert der Teamleiter eisig. „Ließ sie Abby vor.“

      „Klar. Boß. Wird sofort erledigt.“ Und schon zückte Tony sein Handy, während er seine Brust massierte. Trotzdem grinste er fröhlich.

      Missbilligend den Kopf schüttelnd fragte Agent McGee. „Wieso macht Dir das Spaß?“

      „Was denn, McRatlos?“, kam es unschuldig lächelnd von seinem Kollegen zurück. Tony liebte es, McGee mit Veränderungen seines Namens zu necken. In dem Moment bekam er eine Verbindung und konzentrierte sich auf das Gespräch mit der Forensikerin des Teams.

      Immer noch mit dem Kopf wackelnd ließ McGee seinen Blick weiter über den Boden schweifen. Schließlich durfte ihnen kein Beweisstück entgehen.

      Gibbs hingegen fragte Ducky, ob ein Colt die tödliche Verletzung verursacht haben könnte.

      „Es würde mich sehr überraschen,“ war die Antwort des Coroners. „Wie ich bereits ausführte, ist die Kugel im Körper stecken geblieben. Das deutet auf ein Kleinkaliber hin. Ein Colt hat eine viel größere Durchschlagskraft und verursacht andere Verletzungen. Zu Einhundert Prozent kann ich aber erst nach der Autopsie sicher sein. Was mich an einen Fall in Philadelphia erinnert. Da hatten wir doch tatsächlich....“

      Bereits eine Stunde später trommelte Gibbs seine Leute zusammen und sie fuhren zurück zum Navy Yard. Nicht ahnend, das unter den Zuschauern hinter den Absperrungen auch eine Person, die ihnen noch Kummer bereiten würde, stand und alles genau beobachtet hatte.

      Kapitel 4

      Noch so viel vor

      10:04 Stunden zuvor

      Oh mein Gott.

      Ich hatte doch noch so viel vor.

      Eine Familie.

      Kinder.

      Ich habe mich erkundigt. Auch eine Querschnittsgelähmte kann schwanger werden und ein gesundes Kind zur Welt bringen.

      Soll das jetzt vorbei sein?

      Durch eine Bombe getötet?

      So ein Mist.

      So ein verdammter Mist.

      Tim, zieh die Bremse an. Aufregen nützt nichts. Du musst einen klaren Kopf bewahren.

      Toller Spruch. Ganz toll. Und sooo hilfreich.

      Mist.

      Ich will nicht sterben.

      Nicht heute.

      Nicht jetzt.

      Nicht so.

      Überlegen.

      Durchatmen.

      Tony. Er schrie, ich soll in die Grube springen.

      Ja.

      Hab ich gemacht.

      Kann mich nicht daran erinnern, das ich gestorben bin.

      Bin ich verletzt?

      Ich bin bestimmt nur verletzt.

      Aber ich habe keine Schmerzen.

      Ich fühle wenigsten nichts dergleichen.

      Atme. Atme.

      Verdammt, ist das schwer.

      Wenn ich tot wäre, würde das Atmen mir dann schwer fallen?

      Okay.

      Ganz ruhig.

      Denken, McGee.

      Ganz analytisch.

      Was ist meine letzte Erinnerung?

      Ich war schon in der Grube und lief in Richtung Tony.

      Er hatte den weitesten Weg.

      Wenn ich zum zweiten Ausgang gelaufen wäre, hätte ich ihn erreicht?

      Nein.

      Ich wäre definitiv tot.

      Okay.

      Also richtig entschieden.

      Dann die Explosion.

      Ich konnte den Feuerball sehen.

      Wieso?

      Weil ich nach Tony schauen wollte und deshalb über den Rand der Grube geguckt habe.

      Tony war noch 10 Meter von der Grube entfernt.

      Die Druckwelle schleuderte ihn vorwärts.

      Und mich zurück in die Grube.

      Dann krachte es und es fiel eine Menge auf mich herunter.

      Und jetzt?

      Ich muss aufwachen und nach Tony sehen.

      Ich bin nicht tot.

      Noch nicht.

      Oh Gott, lass mich hier nicht sterben.

      Kapitel 5

      Erste Ergebnisse

      61:11 Stunden zuvor

      Zurück im Hauptquartier machten sich die Agents gleich ans Werk. Es galt so viel wie möglich über das Opfer herauszufinden bevor Gibbs von seinem Kaffeedealer zurück kam.

      „Du hast mir noch keine Antwort gegeben,“ erinnerte Tony von seinem Schreibtisch aus.

      In ihrem Büroabschnitt standen 4 Schreibtische sich in zweier Gruppen gegenüber. Zwischen Tony und Tims Tischen war ein Flachbildschirm über den Aktenschränken angebracht. Darauf wurden die Beweise in Bildform präsentiert zur besseren Übersicht.

      Tony saß mit einem Schokoriegel in der Hand da und schaute auffordernd zu McGee. „Also?“

      Der war gerade mit den Daten auf seinem Computer beschäftigt und wurde von der Frage überrumpelt. „Was?“

      „Bambino,“ verdrehte Tony die Augen. „So vergeßlich bist Du nicht. Auf Deinem Hemd ist übrigens ein Fleck!“

      „Ein Fleck?“, und schon schaute Tim sein makeloses weißes Hemd an. Der erste Knopf stand offen. Sein cremefarbenes Sacko war ein schöner Kontrast zu der dunklen Jeans. Schwarze Socken und Snikers vervollständigten alles. Eine Krawatte trug er nicht im Gegensatz zu DiNozzo, der einen makellosen silber glänzenden teuren Anzug trug.

      Lachend schlug sich Tony auf sein Knie. „Das hab ich gebraucht,“ meinte Tony zu seinem Ausbruch.

      Der Blick von McGee war genervt. „Und Du fragst allen ernstes, warum Du nicht mein Freund bist?“

      Das saß. Auch Tim merkte, das er damit seinen Kollegen getroffen hatte.

      DiNozzo wurde Augenblicklich ernst. „Aber Spaß haben gehört doch dazu. Es ist lustig.“

      „Nicht für den, der das Ziel der Attacken ist.“

      Bevor Tony etwas erwidern konnte, betrat der Chefermittler mit einem Becher in der Hand ihre Büroecke. „Was habt Ihr?“

      Der Twist mußte erst einmal warten. Aber Tony würde das klären. Er musste es für sich klären, denn fiel Tim weg, wen hatte er dann noch? Ziva war ja schon weg.

      DiNozzo sprang auf und stellte sich vor den Plasmabildschirm, auf dem das Bild des Toten und seine Akte erschien. „Petty Officer Ronald Harway. Sein Portmonee mit Ausweis haben wir bei einer Mülltonne in der Gasse gefunden. Kein Geld drin. Kreditkarten aber schon. Er selbst trug noch seine teure Uhr und einen Ring. Gelegenheitsdieb?“

      „Laut den Kontobewegungen hat er gestern Abend 500,00$ abgehoben und damit sein Konto überzogen. Wäre ein Motive für einen Straßendieb,“ fügte McGee von seinem Schreibtisch aus hinzu.

      „Ne Menge Geld für diese Besoldungsgruppe,“ meinte Tony nachdenklich. Ein Blick von Gibbs sorgte dafür, das er schnell wieder zum Wesentlichen zurückkehrte. „Harway´s Akte führt einige Straftaten an. Kleinere Sachen wie Prügeleien, Diebstahl, Stalking. Seine Verlobte hat ihn verlassen und er ist seiner Ex dann Monate lang nachgestiegen. Sie hat ihn mehrfach angezeigt und eine Verfügung erwirkt, dass er mindestens 500 Meter Abstand zu ihr halten muss. Harway´s Eltern sind tot. Starben vor 5 Jahren bei einem Unfall. Keine Geschwister.“

      „Sein Konto ist außer der Abhebung unauffällig. Die Telefonverbindungen zeigen, das er mit 3 Kameraden in den letzten 2 Wochen reichlich Kontakt hatte. Sonst nur einzelne Anrufe bei verschiedenen Versicherungen, Shops und Dienstleistern.“

      „Sein CO sagt, das er etwas schwierig im Umgang war, aber seine Aufgaben sehr gut erledigte. Er war in der Fahrzeugeinheit in Quantico und hat als Mechaniker die Rückläufer aus Afghanistan wieder flott gemacht. Seine Kameraden konnte ich nicht sprechen. Da ist wohl ein Besuch von uns fällig.“

      Langsam nickte der Chefermittler, während er das Bild des Mannes auf dem Schirm betrachtete. Typischer Militärhaarschnitt, markantes eckiges Gesicht, schmale Lippen und graue Augen. Die Nase schien schon ein paar Mal gebrochen worden zu sein. Ein paar kleine feine Narben zogen sich wie Spinnweben über den linken Wangenknochen. Ein braungebrannter Weißer. „Was ist mit der Verlobten?“

      „Ex-Verlobte. Kommt heute in ihrer Mittagspause vorbei,“ antwortete Tony grinsend. „Sie arbeitet in einer Bountique ein paar Blocks von hier.“

      „Dann nehmt Euch die Kameraden vor,“ sprachs und schon war Gibbs unterwegs zum hinteren Fahrstuhl. Dabei konnte er noch hören, wie seine Agents sich darüber stritten, wer den Wagen fuhr. Lächelnd stieg er in die Kabine ein. Dieser Kindergarten.
      Live Long and prosper
      Ute
      :thumbup:

      Dieser Beitrag wurde bereits 9 mal editiert, zuletzt von „ziva-ute“ () aus folgendem Grund: Kapitel 5 eingestellt 04.05.2016

      Hallo,

      leider hat sich bisher niemand dazu durchringen können, meine Story zu kommentieren. Und das obwohl ich schon einige Updates gemacht habe.
      Daher werde ich die Geschichte auf dieser Plattform wieder löschen.
      Die Entscheidung fällt mir nicht leicht.
      Ich kann einfach nicht feststellen, ob hier überhaupt jemand diese Story liest.
      Das macht mich traurig.
      Auf einer anderen Plattform ist sie sehr erfolgreich.
      Falls es aber einen Leser gibt, nur einen, werde ich weiter posten.

      Gruß, Ute

      Gruß, Ute
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      Ute
      :thumbup: