Thread II: *Avon* 4. Akt ~Zeitspiel~ 17. Kapitel *Thread voll

      Thread II: *Avon* 4. Akt ~Zeitspiel~ 17. Kapitel *Thread voll

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      Während Gibbs darauf wartete, dass der Wasserkocher seine Dienste verrichtete, fiel sein Blick durch das Fenster hinaus auf Gwyn, die mit Julia auf dem Schoss in einem der geflochtenen Sessel auf der Terrasse saß und das Baby in ihren Armen wiegte. Genaugenommen war Julia bereits eineinhalb Jahre jung und damit ein Kleinkind, doch den Status des Babys würde sie noch eine Weile innehaben.
      Gekonnt bereitete Jethro das Milchfläschchen für Julia, als Gwyns Freund Jonah um die Ecke spähte. „Draußen ist ein 1980er Ford Mustang Cabriolet vorgefahren. Wahnsinn, die Karre. Der Mann fragt nach Ihnen?“
      Gibbs nickte grinsend. „Gut in Schuß?“
      „Der Hammer!“ Entgegnete Jonah bewundernd und nahm das Milchfläschchen entgegen.
      „Gwyn soll der Kleinen schon mal den Schlafanzug anziehen. Ich komme gleich hinterher, ja?“
      Neugierig ließ Gibbs seinen Blick über den Sportwagen gleiten. Er nickte anerkennend und eilte die Außentreppen des Sandcastles hinunter.
      „Hallo! Toller Wagen. Was kann ich für Sie tun? Suchen Sie ein Zimmer?“, begrüßte Jethro den Mann und reichte ihm die Hand.
      „Das ist zwar ein irrer Schuppen hier, aber nein… Ich wollte mit Ihnen sprechen – oder besser mit meiner Tochter. Ich bin Dylan Mitchell.“
      Gibbs Miene gefror binnen Sekunden zu einer eisigen Maske. Er trat einen Schritt zurück und musterte den blonden Mann mit unverhohlenem Misstrauen. Das hier war also der Moment, vor dem Hollis sich so gefürchtet hatte, nur dass sie nicht mehr damit gerechnet hatten. Monatelang hatten sie versucht Dylan Mitchell, Gwyns leiblichen Vater, zu erreichen und jetzt – wo endlich jeder von Ihnen einen festen Platz in diesem neuen Leben gefunden hatte, ausgerechnet jetzt, kam dieser Mann her und würde erneut alles ins Wanken bringen.
      „Was wollen Sie?“, fragte Gibbs schroff und verschränkte ablehnend die Arme vor der Brust. Der Grauhaarige hatte nicht vor diesen verantwortungslosen Spinner Zugang zu seiner Familie zu gewähren.
      „Ich möchte meine Tochter besuchen und sehen, ob es ihr gut geht.“ Der Mann breitete lachend seine Arme aus, während sein Tonfall noch immer frei von Reue, ein wenig überheblich anmutete. Er nahm die Sonnenbrille von seinen Augen und hängte diese lässig in den Saum seines T-Shirts. „Mein gutes Recht als Gwynnis Daddy, oder?“
      Gibbs presste die Kiefer so fest aufeinander, dass es beinahe schmerzte. Am liebsten würde er das schmierige Grinsen des anderen mit seinen Fäusten bearbeiten. „Wo waren Sie, als Gwyn Sie gebraucht hätte? Wir haben versucht Kontakt zu Ihnen aufzunehmen.“
      „Geschäfte… Sie wissen schon. Ich hatte für einen Auftraggeber im Ausland zu tun.“
      Gibbs bebte vor unterdrückter Wut und es kostete ihn einiges an Selbstbeherrschung den Mann nicht wenigstes anzubrüllen. Doch seine Stimme blieb beängstigend ruhig. „Sie hat geweint. Nächtelang hat sie sich in den Schlaf geweint. Sie war alleine. Ihre Mutter, der Mann, der für sie der Vater war, beide tot und ihr Erzeuger nicht an ihrem Wohlergehen interessiert. Sie war so alleine und es hat Sie nicht interessiert… Es gibt für Sie keinen Platz in Gwyns Leben – die Chance haben Sie verspielt und ich rate Ihnen sich in Ihren Wagen zu setzen und zu verschwinden!“
      Dylan Mitchell musterte Jethro mit hochgezogenen Augenbrauen und lächelte dann besänftigend. „Gwynnis Mum hat nie viel Wert darauf gelegt, dass ich Anteil am Leben meiner Tochter habe – tja. Sie brauchen mir also nicht vorwerfen, dass ich mein eigenes Leben so gestalte, wie es mir gefällt. Was auch immer Sie allerdings von mir halten: Ich will Gwyn sehen und wissen, ob es ihr bei Ihnen gut geht. Klar?!“
      Das Klappern der sich öffnenden Haustür zog die Aufmerksamkeit der Männer auf sich. Gibbs stockte für einen Moment der Atem, als Gwyn mit Julia auf dem Arm am oberen Treppenabsatz erschien.
      Er erkannte das Erstaunen auf dem Gesicht des Mädchens und genauso das Gefühlschaos, das scheinbar augenblicklich in ihr aufwallte. Zögerlich stieg sie die Treppe hinunter und suchte dann fragend Jethros Bick.
      Ohne dem Mann weiter Beachtung zu schenken, hastete Jethro die Treppe hinauf. Mit einem Seufzen blieb er vor seiner Ziehtochter stehen und legte ihr kurz eine Hand auf den Arm, bevor er ihr Julia abnahm.
      „Du musst nicht mit ihm reden, Gwyn“, wisperte Gibbs leise, während sie wortlos an ihm vorbeischaute und ihren Vater ernst musterte.
      „Warum… Was will er denn?“
      Jethro hörte den hoffnungsvollen Unterton in Gwyns Stimme. Sein Magen verknotete sich beinahe schmerzhaft. „Er will dich sehen. Aber ich glaube nicht, dass er…“, der Grauhaarige stockte und schluckte schwer. „Er will dich nur besuchen, denke ich.“
      Sie presste die Lippen fest aufeinander und suchte unsicher Gibbs Blick.
      „Du musst nicht mit ihm sprechen. Ich kann ihn wegschicken.“ Insgeheim hoffte Jethro darauf, dies tun zu dürfen.
      „Nein, schon ok. Ich… ich gehe zu ihm, ja?“
      Am liebsten hätte Gibbs es ihr verboten, doch er wusste genau, dass er sie in diesem Fall nicht vor einer Enttäuschung schützen konnte. Er nickte nur stumm und wandte sich ab um die Treppe hinauf zusteigen und Julia ins Bett zu bringen.
      „Jethro?“, hielt ihn Gwyns flüsternde Stimme auf. Er suchte ihren Blick. „Ich habe dich und Hollis sehr lieb.“
      Gibbs hatte einen Kloß im Hals und versuchte sich in einem schmallippigen Lächeln. Sanft strich er ihr über die karamellfarbenen Haare. „Und wir dich, Kleines. Ich bin da, ok?!“

      Das Herz schlug dem Grauschopf bis zum Hals, als er mit dem kleinen Mädchen auf dem Arm im Haus ankam. Für einen Moment lehnte er sich mit geschlossenen Augen gegen die verschlossene Tür, dann stieß er sich mit einem schweren Seufzen ab und sah sich Jonah gegenüber, der ihm fragend und mit unverhohlener Neugierde gegenüberstand.
      „Du! Geh raus!“, forderte Gibbs in bester Befehlsmanier und deutete auf die Haustür. „Gwyns leiblicher Vater ist da – schwieriges Thema. Aber sie kann Unterstützung brauchen. Wenn dieses Gespräch zwischen Gwyn und ihm nicht läuft, dann wirst du es beenden. Jetzt ist der beste Zeitpunkt um zu beweisen, ob dir was an ihr liegt!“
      Ohne weitere Erklärungen wandte Gibbs sich ab und eilte mit Julia auf dem Arm die Treppe hinauf.

      „Und du bist dir da wirklich sicher, ja?“ Ned Dorneget schüttelte mit einem Anflug von Verzweiflung seinen Kopf. Das konnte doch alles nicht wahr sein.
      „Emily Fornell! Ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass sie die Tochter von dem FBI-Fornell ist, aber ich lasse es überprüfen. Ich habe Nick ein Foto geschickt.“ Mit ernstem Blick steckte Casey sein Smartphone zurück in seine Hosentasche, während Ned ihren Wagen behutsam durch die belebten Straßen von Frisco lenkte. Schweigend saßen sie nebeneinander, während der NCIS Agent einen freien Parkplatz suchte.
      Sie hatten den Tag am Strand verbracht, genau wie Jimmy Stone und seine Freude. Sie hatten die Infos die ihnen gefehlt hatten und noch einiges mehr.
      Zu wissen, dass die gesamte Gruppe morgen zu einer Kanutour auf der Lagune aufbrechen würde, war ein großer Vorteil und bot Casey und ihm Gelegenheit sich Zugang zu Stones persönlichen Sachen zu verschaffen. Dass dieser nun an einem Strand an dem es vor Mädchen in knappen Bikinis nur so wimmelte, sich ausgerechnet an die Tochter eines leitenden FBI-Mannes heranmachte, das war weniger gelungen.
      „Denkst du, dass es Zufall gewesen ist? Hat er sie zufällig angesprochen?“, wollte Ned wissen, während er sein Auto in eine enge Parklücke dirigierte.
      Casey prustete leise. „Hm… Ich weiß es nicht. Aber ehrlich gesagt befürchte ich, dass dieser kleine Drecksack irgendetwas plant.“







      „Willst du drüber reden?"
      Gwyn warf Jonah einen überraschten Blick zu. Der Blonde hatte heute eine Überdosis ihrer chaotischen Familienverhältnisse ohne Vorwarnung abgekriegt und dennoch hatte er nicht Reißaus genommen.
      Sie zuckte mit den Schultern und stieß mit einem leisen Prusten Luft aus. "Ich könnte mir vorstellen, dass du es allmählich bereust, den Tag mit mir verbracht zu haben. Normalerweise geht es bei uns ruhiger zu."
      Jonah äußerte sich nicht und Gwyn wappnete sich für das was nun unweigerlich kommen würde. Er würde ihr sagen, dass sie nett, hübsch oder irgendwas anderes war, aber dass sie sich vielleicht ein paar Tage aus dem Weg gehen sollten. Irgendetwas eben was Jungs sagten, wenn es zu eng wurde. Dabei hatte Gwyn sowas nie gewollt. Sie waren Teenager und sollten einander nicht mit ihren Problemen belasten und in irgendwelche Familieninternas verwickeln.
      „Vielleicht...", begann sie leise und schluckte schwer. Sie kniff für einen Moment die Augen zusammen - der nächste Schritt kostete sie einiges an Überwindung. „Geh jetzt, Jonah. Es ist zu kompliziert. Ich muss das erst mit meinem Dad und Jethro auf die Reihe bringen. Du... Du bist da irgendwie unter die Räder geraten."
      Das Herz zersprang ihr in tausend winzige Splitter. Und sie holte tief Luft um nicht plötzlich anzufangen zu weinen.
      „Gwyn, es macht mir..."
      „Nein, ich habe das ernst gemeint! Geh bitte." Sie wandte sich ab und schob ihr Fahrrad den schmalen Weg zwischen den Dünen entlang, während Jonah sich wortlos zurück fallen ließ.

      Unruhig ging Jethro auf der Veranda vor dem Haus auf und ab und hielt nach seiner Adoptivtochter Ausschau. Es war bereits dunkel und der Sternen übersähte Nachthimmel schien zu glühen, doch dafür hatte der Grauschopf an diesem Abend keinen Blick. Es bereits weit nach 22:00 Uhr und von Gwyn fehlte jede Spur.
      Sie ging auch nicht an ihr Handy. Sorge und Wut rangen in ihm, während er die lange dunkle Auffahrt hinabschaute.
      „Sie braucht Zeit, Gibbs. Das ist für sie keine leichte Situation."
      Der Grauhaarige schnaubte unwirsch. „Das ist kein Grund um am späten Abend unerreichbar unterwegs zu sein. Was würdest du machen, wenn es um Emily ginge, Tobias? Seelenruhig abwarten?"
      Der FBI-Ermittler lachte rau auf. „Um Himmelswillen - nein! Ich hätte ein SWAT-Team angefordert und je einen Killer auf den Möchtegern-Vater und einen auf den Traumprinz angesetzt!"
      Gibbs stützte sich schwer auf das Geländer der Veranda. „Sie ist doch gerade erst zur Ruhe gekommen. Der verfluchte Mitchell wird ihr wieder das Herz brechen. Sie hat ihm EMails geschrieben, Postkarten, angerufen. Sie hat weinend auf seine Mailbox gesprochen..." Gibbs schluckte schwer, als in seinen Gedanken ihre tränenerstickte Stimme laut wurde. Daddy, meine Mum ist tot und Eric auch. Hilf mir. Bitte, Daddy!
      Voller Wunden an ihrem Körper und auf ihrer Seele, hatte sie schmal und blass im Krankenhausbett gelegen und so bitterlich geweint, dass niemand es geschafft hatte ihr Trost zu spenden. Stunde um Stunde hatte Gibbs, selbst krank und schwach, neben ihrem Bett ausgeharrt. Hatte schweigend dagesessen und ihre Hand festgehalten, während sie nach ihrer Mum gerufen hatte.
      Der Gedanke an diese Wochen schnürte ihm schier die Kehle zu. Er konnte es nicht zulassen, dass sie noch einmal verletzt wurde.
      „Ich werde ihn fortschicken. Besser sie hasst mich, als dass Mitchell sie noch einmal so verletzt."
      Tobias seufzte schwer und schüttelte den Kopf. „Die Situation für dein Mädchen ist doch heute eine ganz andere. Sie hat Euch, ihren Freund, ihren Bruder und deinen Vater und Meg. Wenn du ihn vertreibst, wird er niemals von seinem Sockel fallen. Dann wird es noch dutzende Male genauso ablaufen."
      Jethro wusste, dass etwas Wahres an den Worten des Freundes dran war. Doch noch immer könnte er Jackson den Kopf abreißen, weil dieser den Fremden ins Haus gebeten und bewirtet hatte.
      Dylan Mitchell hatte sich als der Super-Dad aufgeführt. Er hatte Gwyn eines dieser angesagten Armbänder mitgebracht, an das kleine Anhänger angebracht worden und ihr in schmeichelndem Tonfall die Bedeutungen derer erläutert, die er selbst für Gwyn gekauft hatte. Dann hatte er auch noch eine kostspielige Ray Ban aus dem Hut gezaubert und die Siebzehnjährige mit seinem Sportwagen fahren lassen. Als er jedoch andeutete Gwyn den Wagen schenken zu wollen, da war Jethro der Kragen geplatzt.
      Er hatte Dylan Mitchell zur Rede stellen wollen. Hatte diesem Lackaffen sagen wollen, dass er sich durch diese materiellen Zuwendungen nicht freikaufen konnte, doch das Weinen der kleinen Julia hatte ihn daran gehindert. Vielleicht war es gut, dass die Männer diesen Konflikt nicht vor der Familie hatten austragen müssen. Doch auch unter vier Augen war es eine hässliche Szene gewesen.
      Gibbs hatte sich ehrlich bemüht nicht die Fassung zu verlieren. Doch er konnte sich die Worte nicht verkneifen, die ihm auf der Seele brannten und hatte Mitchell Vorhaltungen gemacht. Doch an diesem Mann schien jedwede Kritik einfach abzuprallen. „Was erwarten Sie von mir, Jethro? Es sieht ehrlich gesagt nicht so aus, als wären sie besonders scharf darauf, dass ich Zeit mit Gwynni verbringe und dennoch werfen Sie mir vor, dass ich nicht sofort springe, wenn das Mädchen nach mir ruft?“
      Jethro war es leid, dem Mann die Situation zu erklären. Mit einem Schnauben hatte er sich abgewand, nur um an der Tür zum Wohnbereich noch einmal halt zu machen. „Sie sind eine Belastung für ihre Tochter, Mitchell! Gwyn braucht Halt und Geborgenheit – jemand auf den sie sich verlassen kann. Keinen Filou, der in ihrem Leben auftaucht, wie es ihm gerade passt. Für jemanden wie Sie gibt es in Gwyns Leben keinen Platz! Ihre Anwesenheit ist nur eine Belastung für die ganze Familie.“ Mitchell hatte etwas erwidern wollen, doch in Gibbs züngelte der Zorn empor, sodass er den anderen nicht zu Wort kommen ließ. „Sie sind in meiner Familie nicht willkommen!“
      Als der Grauschopf sich zum Gehen gewandt hatte, hatte er Gwyn gegenüber gestanden, aus deren Blick Zornesfunken zu sprühen schienen. „Warum machst du das? Warum machst du alles kaputt?“
      Mit einem leisen Stöhnen ließ der Grauhaarige sich auf einen Stuhl sinken und verbarg das Gesicht in den Händen. Er hatte dem kleinen Mistkerl eine Bühne gebaut, auf der er ein weiteres Schauspiel – eine Schmierenkomödie – für seine Tochter inszenieren konnte.


      Die Holzplanken auf des Bootsdecks fühlten sich noch immer warm an, obwohl die Sonne langsam am Horizont verschwand. Es war still hier draußen. Jethros Boot – ein Erbstück von Megs erstem Mann Hal – lag an einem kleinen Pier, unweit ihres Zuhauses am Ufer der Lagune vertäut. Der kleine Anleger gehörte einem ihrer Nachbarn. Zwar gab es auch an ihrem Haus einen direkten Zugang zum Pamlico Sound, doch die Zufahrt war sehr schmal und wurde bewohnt von allerlei Wasservögeln, sodass ihr Ziehvater sich dafür entschieden hatte sein Boot einige hundert Meter entfernt zu Wasser zu lassen.
      Sanft schaukelte es unter Gwyn. So fühlte sich wohl ein Baby, wenn es im Arm der Mutter gehalten wurde, mutmaßte die Jugendliche. Ihre Wut auf Jethro war noch nicht verraucht. Wieso musste ihr Adoptivvater nur so besitzergreifend, ja, richtig gehend herrisch sein? Ihr Dad, also Eric, hatte sich immer rausgehalten. Er hatte eher im Nachhinein ruhige Gespräche gesucht – mit ihr und ihrer Mum. Doch er hatte den Dingen einfach ihren Lauf gelassen. Es wurmte sie, dass Jethro immer alles beherrschen musste. Jede Situation sollte sich wenn möglich nach seinen Ansichten gestalten. Doch hier ging es um sie – um den winzigen Rest Familie, den es für sie noch gab. Und er trat all das mit Füßen. Als würde er ihre Wurzeln kappen wollen.
      Mit einer grimmigen Geste wischte sich Gwyn über das Gesicht, als sie spürte, wie sich vorwitzige Tränen aus ihren Augen stahlen und es ihnen gelang in ihrem karamellfarbenen Haar zu versickern.
      Sie lag auf dem Rücken und beobachtete den Himmel. Sanft glitt der satte Rotton in ein dunkles Blau und offenbarte eine erste Sternenschar. Der warme Wind blies über ihren Körper und außer gelegentlich einem auf dem nahen Highway vorbeifahrenden Auto, war es absolut still.
      Sie schloss die Augen und fing an leise zu singen. Das hatte sie schon als Kind so gemacht, wenn es ihr nicht gut ging. Sie holte ihr Smartphone aus der Tasche und setzte sich im Schneidersitz hin. Ein leises Klavierspiel ertönte und eines ihrer Lieblingslieder erklang. Es war ein wenig schwermütig – „Hallelujah“ von John Bon Jovi – aber sie mochte gerade am liebsten die leiseren Töne. Mit weicher, melodischer Stimme sang sie mit. Es tat so gut sich in der Musik verlieren zu können. Wie gern säße sie jetzt an Megs Klavier. Oder an ihrem eigenen, das sie hatte zurücklassen müssen. Für eine Weile – hatte Jethro gesagt, doch anscheinend hatte er sein Versprechen längst vergessen. Es war ein wunderschönes, altes Instrument – es hatte Erics Mutter gehört. Der Korpus war aus rotbraunem Nussholz mit wundervollen floralen Verzierungen. Das Herz wurde dem Mädchen schwer bei dem Gedanken an ihr Klavier und sie seufzte tief, bevor sie sich wieder zurücksinken ließ und erneut in den Sternenhimmel schaute.





      Stone lehnte an einem Baum und genoss den Blick auf die langen Beine des Mädchens. Er grinste zufrieden und nahm einen tiefen Zug seiner Zigarette. Er hatte Recht behalten - es war ein Kinderspiel gewesen Emilys Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Zwar war die Kleine zu Beginn des gemeinsamen Nachmittags noch etwas distanziert gewesen, doch je länger sie zusammen gewesen waren, desto mehr hatte sie sich von seinem Charme umgarnen lassen.
      James P. Stone harrte reglos in der aufziehenden Dunkelheit aus und beobachtete entspannt das Treiben auf den Campingplatz. Dort saß sie - die süße Emily. Sie hatte ihre langen, makellosen Beine weit von sich gestreckt und wippte leicht mit einem Fuß den Rhythmus der Musik, die anscheinend aus ihren Kopfhörern drang. Sie war ein wahres Prachtmädchen und beinahe tat es ihm leid, sie auf einen so harten Weg zu schicken. Doch das hier war der Beginn seiner ganz persönlichen Rache. Sein Blick fiel auf das Getränk, das neben Emily auf dem Boden stand und aus dem sie regelmäßig einen Schluck trank. Die Kleine war bereits auf dem Weg…
      Mit einem zufriedenen Seufzen wandte der Dunkelhaarige sich ab und kehrte zurück zu seinem Wagen. Seine schwarze Corvette parkte auf dem Seitenstreifen der sandbestäubten Straße. Mit einer geschmeidigen Bewegung ließ er sich auf dem Fahrersitz nieder, beugte sich zum Handschuhfach hinüber und holte ein kleines, ledernes Etui heraus. Mit geübten Handgriffen drapierte er das darin verwahrte Kokain und schnupfte es.
      Stone schloss die Augen und lehnte sich zurück. Für wenige Augenblicke harrte er so aus, dann griff er nach seinem iPhone und öffnete eine Audiodatei. Melodisches Klavierspiel ertönte und er schloss erneut die Augen. Stimmen waren auf der Aufnahme zu hören, das Rauschen des Meeres und die samtige Stimme einer jungen Sängerin - immer wieder gestört durch das schrille Kreischen eines Kleinkindes.
      „Gwyn und Emily also... ", murmelte der Dunkelhaarige mit einem schmalen Lächeln.
      Nun würde er sich nur noch etwas für Gwyn einfallen lassen müssen. Jimmy Stone war nicht dumm - das Mädchen mit den karamellfarbenen Haaren würde seinem Charme nicht einfach so erliegen. Bei Emily lag es anders. Sie war ein kleiner Rebell und steckte gerade mitten in einer Krise. Noch vor einem Jahr hätte er auch mit dem anderen Mädchen spielen können, wie die Katze mit der Maus, doch heute lagen die Dinge bei Gwyn anders. Um das zu erkennen musste man kein Experte auf dem Gebiet sein. Allerdings würde Stones Spiel folgte keinen Regeln folgen – er wollte Vergeltung, für das was ihm widerfahren war – diese Tatsache versprach nur wenig Fairness.
      Oder war es etwa fair gewesen, dass die Agents Fornell und Gibbs ihn ohne Umschweife zurück zu seinem Erzeuger geschickt hatten? Dabei hatte er, Jimmy Stone, doch für den damaligen Fall der Ermittler überhaupt keine Relevanz. Er war lediglich zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Mit einer Anzeige wegen Drogenbesitzes hatten die beiden Agents ihn in seinem Elternhaus abgeliefert, vor seinem Vater, dem Navy Vice Admiral, einen Bückling gemacht, und Jimmy einfach seiner persönlichen Hölle überlassen.
      Doch er würde dafür sorgen, dass die Gerechtigkeit für ihn wieder hergestellt wurde. Er würde den beiden Männern zeigen, was es hieß zu leiden.



      Mit einem wohligen Aufseufzen schmiegte Gwyn sich in Jonahs Arme.
      Während sie auf dem Bootsdeck gelegen und versucht hatte ihre aufgewühlten Emotionen zu zügeln, war eine leise Melodie zu ihr vor gedrungen. Sie hatte es sofort erkannt und gewusst, dass es Jonah sein musste. Der Junge hatte auf dem Steg gesessen, die Beine baumeln lassen und auf seiner Gitarre „All of me“ von John Legend gespielt. Minutenlang hatte Gwyn nur still gelauscht. Dann war die Melodie verklungen und der rotblonde Lockenkopf hatte die Reling des Segelbootes erklommen. Wortlos war er zu ihr gekommen, hatte sich neben sie auf das grobe Holz gelegt und nach ihrer Hand gegriffen.
      Und so lagen sie schon seit Stunden nebeneinander auf dem ruhig schaukelnden Boot und lauschten in die Nacht. Mittlerweile fröstelten die Jugendlichen und Gwyn wandte ihrem Freund den Blick zu. „Es ist kalt, oder?“
      „Ein klein wenig vielleicht. Soll ich dich nach Hause bringen?“
      „Eigentlich würde ich lieber nicht nach Hause. Vermutlich ist Jethro noch wach und macht sich längst die größten Sorgen…“ Sie wandte sich um, sodass sie auf dem Bauch zum Liegen kam und stützte den Kopf in die Handflächen.
      „Dann wäre es aber womöglich das Beste, wenn wir ihn nicht länger warten ließen, Gwyn. Ich will keinen Ärger – schon gar nicht mit deinem Dad!“, gab Jonah an.
      „ER ist nicht mein Vater. Dylan ist mein Dad.“
      Jonah widersprach nicht, doch er musterte seine Freundin nachdenklich. „Aber Jethro ist derjenige, der jetzt vermutlich eine schlaflose Nacht hat. Während Dylan hingegen nicht einmal gesagt hat in welchem Hotel oder in welcher Pension er zu finden ist.“
      Mit einem mürrischen Schnauben wandte Gwyn sich ab, zog die Beine an den Körper und legte ihren Kopf auf die Knie. „Und trotzdem hat er nicht das Recht, meinem Dad zu verbieten mich zu sehen, oder mir ein Geschenk zu machen! Dylan ist nicht Jethros Sache, sondern meine!“
      Jonah setzte sich hinter seine Freundin und schlang die Arme um sie. Nach einem Moment des Widerstandes, lehnte Gwyn sich an ihn. Sie wandte den Kopf und küsste seine Wange, seinen Hals und verspielte ihre Zunge an seinem Ohrläppchen.
      Jonah hatte die Augen geschlossen und stöhnte leise auf. „Ich denke nicht, dass… Oh Himmel – nicht, hör auf damit!“
      Gwyn hatte seine Hände auf die sanften Rundungen ihrer Brüste gelegt und ihn mit ihrem Mund zum Schweigen gebracht. Sie merkte wie sein Widerstand zu bröckeln begann. Vorsichtig stieß sie mit ihrer Zunge gegen seine weichen Lippen und spürte, wie ein Zittern seine Glieder beben ließ.
      Ein warmer Windhauch umschmeichelte die verliebten Teenager, während hoch über ihnen die Möwen mit ihrem Kreischen den Tag begrüßten.

      Gibbs stand in der geöffneten Tür seiner Werkstatt und ließ den Blicküber das bewaldete Grundstück schweifen. Die Dämmerung setzte ein und von Gwyn fehlte noch immer jede Spur. Auch ihr Handy war nach wie vor ausgeschaltet. Sorge und Zorn gaben sich die Hand und beherrschten ihn gleichermaßen. Er fragte sich, was in dem Mädchen vorging. Die Versuche, sich die eigene Teenagerzeit vor Augen zu führen, hatte er vor einer ganzen Weile aufgegeben. Es spielte hier und jetzt keine Rolle was er als Jugendlicher für Bockmist verzapft hatte. Hier ging es darum, dass Gwyn alle ihre gemeinsamen Regeln mit Füßen trat und egoistisch handelte.
      Müde fuhr er sich mit einer Hand über das Gesicht. Er hatte schon lange keine durchwachte Nacht unter einem Bootsrumpf verbracht. Er spürte den harten, kalten Boden in jedem Knochen. Steif und ungelenk folgte er einem kleinen Trampelpfad, der an der Lagune entlang führte.
      Beinahe war er versucht Hollis anzurufen und sie um ihren Rat zu bitten. Doch er wollte ihre freien Tage nicht stören. Zudem wollte Jethro vor ihr nicht zugeben, dass er nicht in der Lage war die Familie ohne ihr Zutun zusammenzuhalten. Er hatte sich immer als geborene Führungspersönlichkeit empfunden, doch hier in ihrer Familie hatte Hollis die Hosen an. Es war wirklich erstaunlich, wie geschickt sie alle Fäden in Händen hielt ohne diese jemals zu verknoten. Er kam sich vor wie ein Zirkusclown, der es nicht schaffte mit zwei Bällen zu jonglieren.


      Der Schweiß rann Emily über das Gesicht, doch sie fühlte sich wunderbar. Nachdem sie sich über Stunden in ihrem Bett hin und her gewälzt und nicht in den Schlaf gefunden hatte, hatte sie dem Drängen ihres Körpers nachgegeben, ihre Laufklamotten angezogen und war losgelaufen. Hätte sie das Gelände des Campingplatzes verlassen, dann hätte es richtig Ärger geben können. Und so war sie Runde um Runde um die Zeltstadt der jugendlichen Triathleten gejoggt. Eigentlich war es nicht sonderlich clever vor einem Wettkampf ein solches Trainingsprogramm zu absolvieren, wie Emily es getan hatte. Doch wo sollte sie hin mit ihrer Energie?
      Eigentlich wollte sie nur eine letzte Runde locker auslaufen, doch jetzt, wo sie die Zelte passiert hatte und auf das offene Gelände zulief konnte sie nicht anders. Ein letzter Sprint würde ihr nicht schaden.
      Es war als würde der Wind sie tragen. Sie juchzte laut auf und legte lachend ihren Kopf in den Nacken. Sie verlor das Gleichgewicht dabei, doch zwei kräftige Hände an ihren Oberarmen hielten sie aufrecht.
      „Bist du vollkommen übergeschnappt? Was machst du hier, Emmi?“
      Das Lachen verschwand aus ihrem Gesicht, als sie Everett erkannte. „Lass mich los!“, zischte sie aus zusammengepressten Kiefern.
      „Was ist denn nur los mit dir? Verdammt!“ Der dunkelhaarige Junge fuhr sich mit einer Hand durch das von Schlafen zerzauste Haar. „Du startest heute Vormittag bei einem Wettkampf. Einem Teamwettkampf!“
      „Kümmere dich um deinen eigenen Kram!“ Emily wandte sich ab und eilte in Richtung ihres Zeltes.









      Gibbs warf einen flüchtigen Blick auf seine Armbanduhr. Sein Gefühl hatte ihn nicht betrogen. Es war tatsächlich morgen, die langsam aufziehende Dämmerung und die anschwellende Geräuschkulisse der Wasservögel machte es nur allzu deutlich.

      Gwyn war nicht nach Hause gekommen. Sein Herz verkrampfte sich schmerzhaft, als ihm bewusst wurde, dass damit das Drama erst begann. Es würde nicht bei einer handfesten Auseinandersetzung bleiben, dazu hatte sie es viel zu sehr verbockt. Die Nacht auswärts zu verbringen war eine Sache, nicht erreichbar zu sein und damit willentlich seine Sorgen und seinen Ärger zu schüren, eine ganz andere. Das würde Konsequenzen mit sich bringen und diese würden unweigerlich zu einer Missstimmung führen. Sie wollte im kommenden Monat ihre Führerscheinprüfung ablegen – vielleicht wäre es sinnvoll, ihre Unabhängigkeit noch etwas zu begrenzen und die Fahrprüfung um einige Wochen hinauszuzögern. Das ließe sich mit mangelndem Verantwortungsbewusstsein begründen.

      Oder er strich ihr vorerst den geplanten, nächtlichen Strandausflug, der ihr so sehr am Herzen lag. Oder... Eine Bewegung, nur im Augenwinkel wahrgenommen, ließ ihn herumfahren. Gerade lief er an dem kleinen, natürlichen Wasserbecken vorbei, in dessen klarem Nass Hal's Boot vor Anker lag. Er kniff die Augen zusammen, spähte hinüber und erstarrte für den Bruchteil einer Sekunde.

      Seine Augen waren gewiss nicht mehr die besten, aber was dort auf seinem Boot geschah, war nicht zu übersehen. Vor Zorn mit den Zähnen knirschend, eilte er den Pfad und den Zufahrtsweg zum Pier entlang. Mit einem Satz, der seine angeschlagene Hüfte protestieren ließ, gelangte er an Deck. Er hatte sich auf die Zunge beißen müssen, um nicht vollkommen unbeherrscht zu brüllen, doch nun quollen die Worte aus ihm heraus.

      „Was zum Teufel glaubt ihr, was ihr hier macht!“, knurrte er in leisem, bedrohlichem Tonfall.

      Die im Liebestaumel gefangenen Jugendlichen wichen auseinander. Jonah sprang mit einem Satz von Gwyn weg, sodass er hart gegen die Reling stieß.

      „Verschwinde von hier!“, grollte Gibbs zornig und starrte den smarten Jungen dabei in Grund und Boden. Als Jonah anfing eine Entschuldigung zu stammeln, ließ der Grauschopf seinen Blick sinken. Sekundenlang betrachtete er den geöffneten Hosenschlitz an der Jeans des rotblonden Lockenkopfes, zog verächtlich eine Augenbraue in die Höhe und baute sich vor dem, in die Ecke gedrängten, Jugendlichen auf. „Du sollst gehen – sofort!“

      Jonah nickte nur stumm, griff nach seiner Gibson und sprang behände auf den Steg.

      „Ich rufe dich an, Gwyn!“, rief er im Davoneilen. Was Jethro mit einem humorlosen Auflachen kommentierte.

      „Sicher nicht!“, spie er Jonah hinterher und wandte sich dann Gwyn zu, die es anscheinend endlich geschafft hatte ihre Kleidung zu richten.

      „HAST DU VÖLLIG DEN VERSTAND VERLOREN?“ „WAS FÄLLT DIR EIGENTLICH EIN?!“, fielen Gwyn und Jethro zeitgleich übereinander her.

      Die Siebzehnjährige schmiss mit einem leisen Aufschrei die Hände in die Höhe, spurtete an ihrem Adoptivvater vorbei und verließ das Boot.

      „Du hast kein Recht dich überall einzumischen!“, keifte sie, während sie über den Steg lief, ohne ihre Schritte zu verlangsamen.

      „Wo gehst du hin? Ich bin noch nicht fertig mit dir!“, polterte Gibbs hinter ihr her, versuchte aber gar nicht erst mit seiner Adoptivtochter Schritt zu halten, als er erkannte, dass sie den Weg eingeschlagen hatte, der direkt zu ihnen nach Hause führte.

      Als er das Haus betrat hörte er noch das unsanfte ins Schloss werfen von Gwyns Zimmertür und hastete die Treppe hinauf ins obere Stockwerk. Ohne anzuklopfen betrat er den Raum. Demonstrativ abweisend hatte sie dem Grauschopf den Rücken zu gewandt und legte eine CD in ihre Stereoanlage. Nur Sekunden später dröhnte hämmernder Bass aus den Boxen.

      Mit einem wutschnaubenden Grollen drängte Gibbs sich an der Jugendlichen vorbei und riss das Netzteil der Anlage aus der Steckdose.

      „Wir haben einen Gast, der sehr krank ist und Ruhe braucht!“, machte er deutlich und wandte sich ab, ohne eine Reaktion abzuwarten.

      Als er die Tür erreichte keifte Gwyn hinter ihm: „Warum machst du mir alles kaputt? Erträgst du keine anderen Männer in deinem Umfeld? Hast du Angst sie könnten dir den Rang ablaufen?“

      Jethro presste die Kiefer aufeinander und rief sich in Erinnerung, dass diese fauchende Bestie für gewöhnlich ein sehr kluges und liebenswertes Mädchen war, das er sehr fest in sein Herz geschlossen hatte. „Ich bin im Augenblick viel zu wütend, um mich vernünftig mit dir unterhalten zu können, Gwyn. Und umgekehrt scheint es genauso. Du solltest duschen und schlafen. Ich erwarte dich um acht Uhr unten im Wohnzimmer. Dann werden wir besprechen wie es weitergeht.“

      Sie lachte humorlos auf. „Krieg ich eine Abmahnung, Superagent Gibbs?“

      Er musterte sie mit verschlossener Miene und schüttelte den Kopf. „Ich bin verflucht enttäuscht von dir. Du solltest mich nicht weiter reizen – es könnte sein, dass es dich sämtliche deiner Privilegien kostet!“

      Als sie erneut den Mund öffnete, um etwas zu erwidern, wandte er sich rasch ab und schloss ihre Zimmertür hinter sich. Mit einem resignierten Stöhnen lehnte er sich gegen die Wand, schloss die Augen und massierte sich die schmerzende Hüfte.

      Gott, wie sehr er sich nach Hollis sehnte. Diese Frau war in der Lage sie alle mit einem einzigen, innigen Blick wieder auf Kurs zu bringen. Ohne sie war alles was er tat anscheinend zum Scheitern verurteilt. Er hatte es verbockt. Niemals hatte er so mit Gwyn reden wollen. Sie hatte das Recht zornig zu sein – genau wie er auch. Aber er, als Erwachsener, sollte sich doch soweit im Griff haben, dass er sich nicht hinunter begab auf die zornige Gefühlsebene einer Siebzehnjährigen.

      Schwerfällig stieg er die Stufen hinab und tigerte eine Weile rastlos durch Wohnzimmer und Küche. Schließlich ging er in die kleine Abstellkammer, wohin zurzeit all ihre Vorräte, notdürftig vor dem vorherrschenden Küchen-Chaos, Zuflucht gefunden hatten. Es dauerte eine Weile bis er fand was er suchte, doch dann hielt er den Bourbon in der Hand. Er schenkte sich etwas davon in einen Kaffeebecher und leerte diesen in einem Zug. Nachdem er noch einmal nachgeschenkt hatte, stellte er den Alkohol zurück in das Regal und verließ das Haus durch die Terrassentür.

      Minutenlang ließ er seinen Blick über die gerade erwachende Landschaft wandern. Der Pamlico lag friedvoll im schummrigen Morgenlicht und der Anblick schien seine Unruhe etwas abzumildern.

      Ohne lange darüber nachzudenken, griff er nach seinem Handy und verbrachte mühsame Minuten damit, eine Textnachricht zu verfassen und diese Hollis schicken.

      Es dauerte keinen Wimpernschlag, bis das Handy in seiner Hand zu vibrieren begann. Hastig nahm er den Anruf entgegen.

      „Oh, hat meine Nachricht dich geweckt?“, sprach er anstelle einer Begrüßung.

      „Nein, sie hat mich in Alarmbereitschaft versetzt! Was ist passiert, Jethro?“

      Die Stimme seiner Partnerin klang ernsthaft besorgt und Gibbs runzelte die Stirn. „Was für eine Nachricht hat dich denn erreicht? Ich habe dir doch nur geschrieben, dass du mir fehlst und ich dich liebe!“

      Der Grauschopf hatte das Terrassendeck überquert und sich auf die Bank sinken lassen, die mit Blick Richtung Lagune aufgestellt war.

      „Ja, genau deswegen. Es ist hier… Gott, ich kann es auf meiner Uhr kaum erkennen –Mist, ich… Wo ist denn meine Brille. Ach egal.
      Irgendwas um Mitternacht rum. Und außerdem hast du mir noch nie eine solche Nachricht geschickt. Also! Was ist los bei Euch?“

      Gibbs seufzte schwer. Hätte er die Nachricht doch nur nicht geschrieben… „Gwyn ist heute Nacht nicht nach Hause gekommen“, als er hörte wie Hollis nach Luft schnappte, sprach er rasch weiter. „Es geht ihr gut, sie ist jetzt da, aber…“

      „Stop! Jetzt will ich die ganze Geschichte hören. Von Anfang an! Gwyn ist nicht der Typ Mädchen, der grundlos nicht nach Hause kommt.“

      Gibbs machte ein gequältes Gesicht. Hätte er doch bloß die Klappe gehalten… In knappen Worten berichtete er von Mitchells Auftauchen, ihrer Auseinandersetzung und Gwyns Wut auf sein Einmischen. Und schließlich von seiner Entdeckung auf Hal’s Boot.

      Hollis schwieg ungewöhnlich lange. „Es war gut, dass du ein Gespräch fürs erste auf später verschoben hast.“ Doch vorerst machte sie ihm keine Vorhaltung, sondern hakte mit dem Hauch von Nervosität im Timbre ihrer Stimme noch einmal nach. „Und was genau wollte Dylan Mitchell?“ Will er uns Gwyn wegnehmen?

      „Tja…“, begann Gibbs lahm und trank einen Schluck aus seinem Becher. „Ich bin überzeugt davon, dass er nur für ein paar Tage hier hereinschneien und das Mädchen unglücklich machen will. Sie hat in seinem Leben keinen Platz – das hat er ziemlich deutlich gemacht.“

      „Das hat er gesagt?“, wollte Hollis wissen.

      Jethro legte nachdenklich die Stirn in Falten. „Ja, ich denke schon.“

      „Ok, gut.“ Sie klang erleichtert und allmählich entspannte Gibbs sich ein wenig. „Und jetzt zu dir, Freundchen!“ Er hatte sich zu früh gefreut… „Wie willst du das mit Gwyn wieder in Ordnung bringen? Ich meine, sie wird in ein paar Monaten achtzehn Jahre alt. Auch wenn es mir ganz und gar nicht gefällt, dass sie die Nacht mit Jonah auf einem Boot verbringt… Wir werden uns an diesen Gedanken gewöhnen müssen. Ihr solltet Euch darauf einigen, dass sie immer – egal wie zornig sie ist – Bescheid gibt, wenn sie nicht nach Hause kommt. Und was…“

      Jethro zog eine Augenbraue in die Höhe. „Sie hat sich vollkommen daneben benommen, Hollis, und diesem Jungen erlaubt…“

      „Ja! Und du hast dich nicht daneben benommen, was? Gwyn hat Recht, Jethro! Es gibt Bereiche in ihrem Leben, die dich nichts angehen. Du bist übers Ziel hinausgeschossen, oder? Wir hatten irgendwann einmal beschlossen, dass wir ihr Raum geben wollen, ihre eigenen Erfahrungen zu machen. Aber wenn du dich von nun an ständig benimmst, wie der Elefant im Porzellanladen, dann wird sie ihre Erfahrungen zwar dennoch machen. Aber sie wird sich uns nicht anvertrauen, wenn irgendetwas schief läuft. Soweit sollte es nicht kommen!“

      Wieder hatte Gibbs seine Kiefer fest aufeinandergepresst – mittlerweile strahlte ein dumpfer, dröhnender Kopfschmerz durch seinen gesamten Schädel. Mühsam versuchte er seinen Kiefer zu lockern.

      „Es ist meist etwas hinderlich, während eines Telefonats nur mit Mimik zu arbeiten, Jethro!“, wies Hollis ihn ungeduldig zurecht.

      Er holte tief Luft. „Er wird sie wieder enttäuschen, Hollis. Und sie wird wieder weinen und sich ungeliebt fühlen.“

      „Ja, mein Herz, das wird mit ziemlicher Sicherheit genauso passieren“, sagte die schöne Blonde mit sanfter Stimme.

      Gibbs stöhnte gequält auf. „Und dieser Jonah - was passiert wenn er…“

      „Psst!“, machte Hollis und er hörte ihr leises Lachen. „Dann werde ich mit ihr Unmengen an Schokoladeneis mit Karamellsauce verdrücken und du wirst ihr die schmerzhaftesten Möglichkeiten für ein qualvolles, fremdbestimmtes Ableben beschreiben und Rachepläne schmieden.“

      Gibbs seufzte schwer. „Oh Himmel…“

      Erneut lachte Hollis sanft auf. „Und nun schüttest du den Rest von deinem Bourbon in den Ausguss und versuchst noch ein – zwei Stunden zu schlafen – sonst kannst du nachher vor lauter Kopfweh gar nicht geradeaus schauen.“

      Irritiert schaute Jethro auf den Becher in seiner Hand. „Woher weißt du…?“

      Sie schnaubte amüsiert. „Schlaf gut, Jethro. Du fehlst mich auch sehr – ich liebe Dich!“







      Obwohl es noch früher Tag war, stiegen die Temperaturen bereits an. Nur in Shorts und T-Shirt saß Ned Dorneget auf der Terrasse, die zu Ihrer Ferienunterkunft gehörte, und trank Kaffee. Vor ihm auf einem kleinen Tisch stand sein Notebook. Rasch brachte der junge Agent sich auf den neusten Stand der Ermittlungen, allerdings hatte sich seit den Abendstunden nicht viel getan.
      Immer wieder spähte er durch die getönten Gläser seiner Sonnenbrille hinüber zu dem Cottage, das von Jimmy P. Stone und dessen Freunden bewohnt wurde. Bereits seit einer halben Stunden war Casey Gavel, der Kollege der DEA, in dem Haus auf der Suche nach Hinweisen für Stones Mitwirken im Kreis der Drogendealer. Obwohl alles danach aussah, als wäre Jimmy Stone im hierarchischen Zirkel des Drogenringes deutlich über den einfachen Dealern zu finden, hatten sämtliche Observationen nichts ergeben, außer, dass Stone selbst reichlich Kokain konsumiert. Und scheinbar eine Schwäche für Agent Fornells Tochter hatte.

      Ned zuckte zusammen, als Casey mit den Händen in den Taschen seiner dreiviertellangen Freizeithose, mit einem Lächeln um die Ecke kam.
      „Hey!", sagte dieser mit einem entwaffnenden Lächeln, vor dessen Wirkung Ned sich beinahe zu fürchten schien. Doch er versuchte Caseys Charme zu ignorieren und fragte stattdessen:
      "Und? Irgendwas gefunden?“
      Agent Gavel zuckte nur mit den Schultern. „Nicht offensichtliches... Aber ich habe die Festplatte von Stones Notebook kopiert. Hier!“ Lässig warf Gavel seinem Kollegen einen USB-Stick zu, den dieser auffing und mit seinem eigenen Computer verband.
      „Und du bist dir sicher, dass es Stones Notebook war? In dem Haus wohnen noch sechs weitere Personen“, zweifelte Ned, während er den Blick nicht vom Bildschirm nahm.
      Casey war an ihm vorbeigegangen und im Haus verschwunden. Das leise Brummen der Kaffeepad-Maschine ertönte und kurze Zeit später stand Gavel wieder neben ihm.
      „Ich bin mir sicher. Das Teil lag in Stoneskoffer unter diversen Poloshirts und Boxershorts. Boxershort… Ich mag die Teile nicht – da biste die ganze Zeit nur damit beschäftig dein Gehänge zu sortieren.“
      Ein unterdrücktes Lachen ließ Neds Mundwinkel zucken, dann entgegnete er amüsiert: „Vielleicht hat Stone da nicht so viel hängen, dass es ihn beim Laufen stören könnte.“
      Casey lachte laut auf und legte Ned die Hände auf die Schultern. Ein wohliges Schaudern durch lief den NCIS-Agent. Doch dann sammelte er sich.
      „Auf den ersten Blick nichts was auf seine Drogengeschäfte hinweist. So ein Mist! Ich schicke alles zu Abby. Wenn es darauf Geheimnisse gibt, dann wird sie die finden.“ Er wandte sich um. „Und sonst war da gar nichts?“
      „Nichts außer reichlich Kokain“, entgegnete Gavel und ließ sich direkt in den sonnengewärmten Sand vor der Terrasse fallen. „Allerdings nicht überraschend viel, sondern gerade so viel wie diese Typen in einem entspannten Urlaubsaufenthalt wegschnupfen können.“ Ned erkannte Caseys Unmut über die zähen Ermittlungen in diesem Fall und seufzte.
      „Und du bist dir sicher, dass es kein Fehler ist, nicht am Pier zu warten, bis Stone und seine Freunde von der Kanutour zurück sind? Was ist, wenn…“
      Das energische Kopfschütteln des DEA-Mannes unterbrach Dorneget. „Die sind vor 11:00 Uhr nicht zurück. Ganz sicher.“
      „Wie du meinst… Dann versuche ich mal etwas über Dylan Mitchells Rolle in dem Spiel herauszufinden.“




      Gwyn hatte nicht geschlafen in dieser Nacht. Sie hatte auf ihrem Bett gesessen, das Jethro für sie in eine Nische unter einem der Fenster ihres Zimmers, eingelassen hatte. Erst hatte sie geglaubt für eine solch verspielte Einrichtungsvariante wie einen Alkoven zu alt zu sein. Doch mittlerweile hatte sich dieser Bereich zu ihrem liebsten Rückzugort verwandelt. Schwere helle Leinenvorhänge teilten ihren Schlafbereich vom Rest des Zimmers ab. Jethro hatte zudem ein deckenhohes Bücherregal für sie geschreinert, das am Fußende des Bettes seinen Platz gefunden hatte. Es war wundervoll. Nun saß sie auf der Fensterbank und spähte hinaus in die Morgendämmerung. Dunstige Nebelschwaden hingen in Fetzen über den Schilfwiesen am Ufer des Pamlico und wirkten mystisch und geheimnisvoll.
      Die Siebzehnjährige warf einen Blick auf ihren Wecker und seufzte. In zwanzig Minuten würde Jethro sie erwarten. Doch sie hatte ganz und gar keine Lust mit ihm zu sprechen. Das würde nur peinlich werden. Sie hatte obenrum nur noch ihren BH angehabt, als er auf das Boot gekommen war. Ja, sie hatte bemerkt, wie er sich von ihr abgewandt, und auch erst mit ihr gesprochen hatte, als sie ihr T-Shirt wieder angehabt hatte. Trotzdem… Am liebsten würde sie ihm nie wieder unter die Augen treten.
      Was würde Jonah nur denken… Gwyn stöhnte auf.
      Sie konnte nicht mit Gibbs sprechen. Mit Hollis wäre das anders. Sie wäre auch wütend darüber gewesen, dass Gwyn nicht erreichbar gewesen war, doch alles andere… Hollis hätte abgewartet und nicht nach ihr gesucht. Es wäre alles nur halb so schlimm geworden.
      Doch ganz egal ob sie nun Mist gebaut hatte oder nicht – sie konnte unmöglich mit Jethro sprechen. Auf keinen Fall. Aber es gab jemanden, mit dem sie nun reden wollte. Sie wollte Amy sehen. Die junge Mutter war mittlerweile so etwas wie eine große Schwester für Gwyn. Sie wüsste was zu tun war und konnte Gwyn bestimmt helfen sich besser zu fühlen. Der Gedanke daran, dass Jethro sie in Unterwäsche und noch schlimmer, beim Liebesspiel mit Jonah, gesehen hatte, verursachte ihr beinahe Übelkeit.
      Entschlossen stand Gwyn auf, zog sich rasch an und öffnete leise die Tür. Wie eine Diebin schlich sie durch das Haus. Im Wohnzimmer hielt sie inne. Jethro lag auf dem Sofa und schlief. Seitdem Hollis in den Urlaub abgereist war, schlief er nur noch hier unten, fiel Gwyn auf. Eine ganze Weile beobachtete sie den Schlaf ihres Adoptivvaters und spürte, dass sie eigentlich nur wollte, dass zwischen ihnen alles wieder in Ordnung kam.
      Sie hatten sich noch nie gestritten. Noch nie war er wütend auf sie gewesen. Sie hatten immer alles besprechen können und Wege gefunden, die sie beide gehen konnten. Zwischen Hollis und ihr waren schon häufiger die Fetzen geflogen – und das schien viel weniger schlimm zu sein.
      Mit hängenden Schultern wandte Gwyn sich ab und griff nach einem Zettel und einem Stift



      Sie lehnte die Nachricht an die Kaffeemaschine und verließ das Haus.




      Stone lächelte zufrieden. Kurz nachdem er und seine Freunde rausgepaddelt waren auf die spiegelglatte Wasserfläche der Lagune, hatte er eine Magenverstimmung vorgetäuscht und war alleine zurückgerudert. Er verfolgte keinen konkreten Plan, doch er wollte wissen was im Hause Gibbs an diesem Morgen vor sich ging. Gut verborgen hatte er den beginnenden Streit der letzten Nacht beobachtet. Vielleicht ließe sich daraus etwas machen.
      Er trat das Gaspedal seiner Corvette durch und jagte über die sandige Straße, die von Frisco nach Buxton führte. Im Ort herrschte noch die morgendlich Ruhe. Die Touristen schliefen noch und die Einheimischen bereiteten sich in entspannter Geschäftigkeit auf einen weiteren Sommertag vor. Gerade als Jimmy Stone seinen Wagen am Straßenrand abstellen wollte, um bis zum Haus des ehemaligen Ermittlers zu Fuß zu gehen, kam das blonde Mädchen auf ihrem Fahrrad angeradelt. Sie überquerte die Straße und folgte dem Radweg in Richtung Avon.
      Langsam ließ er seinen Wagen wieder vom Seitenstreifen rollen und überholte Gwyn. Er fuhr etwa einen Kilometer weit, dann hielt er erneut auf dem Seitenstreifen, stieg aus und lehnte sich an seinen Wagen. Mit einem Grinsen blickte er der Blonden entgegen. Kurz bevor sie in Sichtweite kam, setzte er sich die Kapuze seines Hoodies auf und zog sein Halstuch halb über das Gesicht.
      Wie er es erwartet hatte musterte sie ihn im Vorrüberfahren argwöhnisch. Sein Blick folgte ihr unbeirrt und er konnte erkennen, wie sie schneller in die Pedale trat.
      Mit einem leisen Auflachen setzte Stone sich wieder hinter das Steuer seines Autos und folgte Gwyn eine Weile langsam. Er spürte beinahe am eigenen Leib, wie sich ihr Puls erhöhte und eine Vielzahl von Gedankenfetzen durch ihren Kopf jagte. Das Spiel fing an ihm zu gefallen. Stone beschleunigte seinen Wagen und fuhr rasch an ihr vorbei – nur um wenige hunderte Meter erneut anzuhalten und den Wagen zu verlassen.
      Er spürte ihren Blick beständig auf sich ruhen. Man konnte ihre Angst beinahe riechen und dennoch fuhr sie weiter. Es war auch das Klügste, was sie machen konnte. Wollte er sie jetzt erreichen, musste er erst einen breiten Streifen weichen, tiefen Sand überqueren – was ihr einen uneinholbaren Vorsprung verschaffen würde, selbst wenn sie sich überlegen sollte zu wenden und Richtung Buxton zurück zu fahren. Mit dem Auto hatte er keine Chance sie auf dem Radweg zu erreichen. Und dennoch fürchtete sie sich. Gut so…
      Er spielte dieses Spiel noch eine Weile, dann erschien das imposante Strandhaus „Sandcastle“ hinter den Dünen. Er hielt in der Einfahrt zu der Pension an und sah wie sie unwillkürlich ins Stocken geriet. Hier würde sie mit dem Rad nur schlecht vorankommen. Der gesamte Bereich der Zufahrt war vom Sand vollkommen überlagert. Doch sie war nicht dumm. Stone sah, wie sie ihr Smartphone in der Hand hielt, kurz auf das Display blickte und es dann ans Ohr nahm.
      Sein Blick fiel auf den Eingangsbereich der Pension. Es dauerte nur Sekunden, dann wurde die Tür aufgestoßen und ein breitschultriger, dunkelhaariger Mann eilte die Stufen hinunter und auf Gwyn zu. Als das Mädchen den tieferen Sand erreicht hatte, sprang sie vom Rad, ließ es achtlos fallen und sprintete los.
      Stone legte den Kopf in den Nacken und lachte laut auf. Doch der Dunkelhaarige kam weiter in seine Richtung gelaufen. Um nichts zu riskieren, schwang Stone sich in seine Corvette und gab Gas.






      Nur mühsam kamen Gwyn und Amy voran. Die Straßen von Frisco waren an diesem späten Vormittag voll von Zuschauern der Triathlon-Schülerläufe. Energisch bahnten die Beiden sich ihren Weg zu einem kleinen Café, welches im Hinterhof einer Buchhandlung lag. Hier gab es den besten Kaffee von ganz Hatteras Island.
      Nachdem sich die Aufregung über den unheimlichen Corvette-Fahrer gelegt hatte und das Frühstück der Gäste beendet war, hatte Ennis kurzerhand beschlossen, seiner Frau und Gwyn einen freien Vormittag zu gönnen. Jackson, Julia und er konnten so in aller Ruhe die Arbeiten an Megs Garten beaufsichtigen, was bedeutete, dass sie in Liegestühlen in der Sonne liegen konnten, ohne dass irgendein Befehlshaber sie dazu verdonnern würde, irgendwelche Arbeiten zu verrichten.
      Doch Amy freute sich darauf einfach einmal ohne Kind in die Stadt zu komme und ein wenig in den Trubel dort einzutauchen. Und vor allem in Ruhe mit Gwyn zu sprechen, der irgendetwas mächtig auf der Seele brannte.
      Von dem Lärm abgeschirmt, durch die Häuserfront, war es herrlich ruhig in dem kleinen, verwunschenen Innenhof. Amy lotste die Jüngere um Tische herum, bis sie eine flache hölzerne Bank erreichten, die vor der Hauswand stand. Die Dunkelhaarige nahm Platz und schloss genießerisch die Augen. „Und jetzt einen Chai Latte mit Zimt und Kardamom…“, wisperte sie mit seligem Lächeln.
      „Ok, das klappt!“, riss die amüsierte Stimme der Bedienung sie aus den Träumereien. „Schön, dass du mal wieder hier bist, Amy. Wie ist es so in D.C.?“
      Als Amy aufschaute erkannte sie eine ehemalige Schulfreundin. „Hi Caren! Es ist ganz schön dort. Bisschen viel Großstadt, aber unser Haus liegt in einer ruhigen Gegend.“
      Die blonde Frau nickte. „Naja, lange werdet ihr ja nie an einem Ort bleiben, oder? Soldatenfamilien sollen ja ständig unterwegs sein. Für mich wäre das nichts. Aber für mich wäre es auch nichts, mich jetzt schon fest zu binden. Oder gar ein Kind… Oh Gott!“
      Amy zog missbilligend eine Augenbraue hoch. „Wolltest du auch etwas bestellen, Gwyn? Caren hat sicher viel Arbeit.“
      Doch bevor Gwyn etwas erwidern konnte, sagte diese Caren: „Ach – apropos Arbeit. Hast du denn deinen Abschluss nachholen können? Also so ganz ohne Schulabschluss ist man ja schon aufgeschmissen.“
      Amy zuckte mit den Schultern und strich sich lächelnd eine gelockte Haarsträhne aus dem Gesicht. Gwyn bewunderte die Ältere für diese Selbstbeherrschung. Sie, Gwyn, hätte der aufgeblasenen Pute schon längst die Meinung gegeigt. Doch Amy kramte lediglich in ihrer Handtasche herum und reichte der Bedienung ein kleines Büchlein.
      „Meinen Abschluss habe ich längst. Die Zeit rennt, oder? Das hier ist der dritte Band einer kleinen Kinderbuchreihe, deren Illustration ich übernommen habe. Die Autorin, eine gute Freundin von mir, und ich sind seit dem Frühjahr bei einem Verlag unter Vertrag. Aktuell arbeiten wir an einer kleinen Entdeckerbox, die Eltern von Kindern ab 3 Jahren bestellen können. Darin befinden sich eine Geschichte und diverse Anleitungen zu naturnahen, pädagogisch wertvollen Spiel- und Bastelideen. Ich übernehme den kreativen Teil. Das ist zum Glück recht flexibel zu gestalten. Julia darf natürlich nicht zu kurz kommen.“ Sie seufzte leise. „Und du, Caren? Hier im Café? Ich weiß nicht, ob mich das nicht auf Dauer langweilen würde. Aber jeder nach seinen Vorlieben, was? So ungebunden und mit so wenig Verantwortung… Tja.“ Amy lächelte zuckersüß und um ein Haar wäre Gwyn aufgesprungen und hätte applaudiert.
      „Ja, ich…“, wollte Caren gerade erneut antworten, als ein Fenster im Caféhaus aufging und eine mürrische Stimme rief. „Hier türmen sich die Bestellungen! Gibt es ein Problem, Caren?“
      Gwyn kicherte leise, dann sagte sie schnell. „Für mich einen großen Milchkaffe – ohne Milchschaum. Nur Kaffee und Milch – groß! Danke.“
      Ohne ein weiteres Wort wandte sich die blonde Frau ab und lief eilig in den Laden. Gwyn lachte laut auf. „Du warst großartig, Amy! Übrigens haben Ty und ich die Muschelkette gebastelt, die in Eurer nächsten Box angeleitet wird. Süß!“
      Die Dunkelhaarige lachte leise und kopfschüttelnd. „Endlich kann ich mal wirklich kontern, wenn mir eine von den Schnepfen blöd kommt.“ Sie seufzte und Gwyn entging der Schatten nicht, der ganz kurz über Amys Gesicht huschte.
      Im nächsten Moment stellte ein junger Mann die Bestellungen der Beiden zwischen sie auf die Sitzbank. „Alles klar? Oder braucht ihr noch was?“
      Sie verneinten.
      Nach einem Schluck aus ihrem Glas, wandte Amy sich mit ernster Miene an Gwyn. „Was ist los?“
      „Wie?“, fragte sie überrumpelt.
      „Du hast doch etwas auf dem Herzen! Also?!“
      Die Jüngere senkte den Blick und rührte langsam in ihrem Kaffee herum. „Ich habe Streit mit Jethro…“
      Amy zog die Augenbrauen in die Höhe. „Mit Jethro? Echt?“
      „Ja, was hast du denn gedacht?“
      „Ich hatte geglaubt es wäre was mit Jonah oder irgendein Mädchenkram. Was weiß ich?“ Amy musterte Gwyn nachdenklich. „Aber – solltest du dann nicht besser mit Jethro sprechen und nicht mit mir?!“
      „Das geht nicht! Weil ich… Ich hab… Er hat uns erwischt, mich und Jonah beim… beim…“, stammelte Gwyn verlegen und machte schließlich eine hilflose Geste in Amys Richtung.
      „Erwischt beim…“ Sie riss die Augen auf - „Oh. Oh!“ – und senkte dann die Stimme zu einem Flüstern. „Er hat euch beim Sex erwischt? Oh Gott, Gwyn!“ Sie schlug sich eine Hand vor den Mund und Gwyn war sich nicht sicher, ob Amy sich nicht ein Lachen verkniff.
      „Nein!“, zischte sie ungeduldig. „Nicht so richtig, meine ich. Aber wir waren auf Hal’s Boot und…“
      „Am helllichten Tag auf dem Boot? Sorry, Gwyn, das war echt dämlich! Warum denn dann nicht gleich auf seiner Werkbank!“
      Gwyn verzog das Gesicht. „Hahaha, toll, danke Amy!“
      „Ist doch wahr.“
      „Nein, ist es eben nicht. Ich kann wohl schlecht ahnen, dass Gibbs nachts um 4:00 oder 5:00 Uhr da draußen am Anleger rumschleicht!“, empörte sie sich.
      Amy musterte die Jüngere irritiert. „Nachts um 4:00 oder 5:00 Uhr? Und das hat er… Oh! Hat er garantiert nicht. Du hast dich aus dem Haus geschlichen?“
      „Nein, ich bin gestern Abend gar nicht erst nach Hause gegangen, nachdem was Jethro sich am Nachmittag geleistet hat!“, echauffierte Gwyn sich wild gestikulierend.
      Amy nickte verstehend. „Ach so, ja. Jack hat uns davon erzählt. Dein Erzeuger ist in der Stadt.“ Sie zog zweifelnd eine Augenbraue in die Höhe.
      „Sag das nicht so abfällig!“
      „Gwyn! Du kannst nicht verlangen, dass wir diese Type hier mit offenen Armen empfangen! Als du ihn gebraucht hast, war er nicht da – und nun sollen wir das einfach vergessen? Jethro hat bis zur totalen Erschöpfung an deiner Seite gesessen, während du vor Schmerzen und Trauer wie von Sinnen gewesen warst!“ Amys Stimme hatte ihren gewohnten, beinahe samtigen Tonfall fast verloren. Und Gwyn meinte Tränen in den Augen der älteren Freundin zu erkennen. „Du hast nach deinen Eltern gerufen, du hast diesem verfluchten Mitchell weinend auf die Mailbox gesprochen. Und er hat dich länger als ein Jahr warten lassen.“
      Betreten senkte Gwyn den Blick, während Amy bemüht war die Erinnerungen an diese finstere Zeit zu verdrängen. „Du kannst es Jethro nicht zum Vorwurf machen, dass Dylan Mitchell ein rotes Tuch für ihn ist. Und dann hast du ihn bestrafen wollen, dafür, dass er deinem Erzeuger die Wahrheit gesagt hat, und bist einfach über Nacht weggeblieben?! Und am Ende war Jethro so verzweifelt vor Sorge, dass er zu Fuß los ist um dich zu suchen?“
      Gwyn biss sich auf die Unterlippe. Amy hatte es echt drauf einem ein richtig schlechtes Gewissen zu machen. „Oh man, Amy…“
      Die Brünette schüttelte den Kopf, zog ihr Handy aus der Tasche und reichte es Gwyn. „Ruf ihn an. Er ist hier in Frisco mit seinem FBI-Freund – er hat vorhin im Sandcastle angerufen, um zu hören ob du ok bist. Du solltest das dringend in Ordnung bringen!“
      Sie seufzte schwer und holte ihr eigenes Smartphone aus der Tasche. „Ok…“
      „Und noch was… Wie verhütet ihr?“
      Gwyn riss die Augen weit auf. „Bitte?“
      „Du hast mich verstanden! Pille, Kondom – beides? Was anderes?“
      „Ähm…“
      „Gar nicht?“
      „Wir sind doch erst…“, stotterte Gwyn, woraufhin Amy die Augen rollte.
      „Oh Gwyn! Wir gehen nachher gleich rüber zu Dr. Mason. Die ist sehr nett und hat bestimmt schnell einen Termin für dich!“
      Das Mädchen mit den karamellfarbenen Haaren stöhnte gequält auf. Wenn sie den vergangenen Tag doch einfach ungeschehen machen könnte…




      Schwer atmend schaute Emily wieder auf den Laufcomputer an ihrem Handgelenk. Noch immer lagen mehr als eine Meile Weg vor ihr – die Strecke wollte nicht weniger werden. Zu Beginn des 6,5-Meilen-Laufes hatte sie sich großartig gefühlt und war locker und schnell angelaufen. Doch das letzte Drittel ihrer eigentlichen Lieblingsdistanz zog sich wie Kaugummi. Ihre Muskeln brannten entsetzlich und ihr Kopf schmerzte unterschwellig. Doch sie war darauf trainiert durchzuhalten und ihre Zeit nicht aus den Augen zu verlieren. Noch immer war sie schnell genug – sie hätte es sogar etwas langsamer angehen lassen können - Schwimmer und Radfahrer hatten optimale Zeiten vorgelegt, doch sie hatte sich noch nie auf den Leistungen anderer ausgeruht.
      Endlich erreichte sie die Stadt. Der Weg war gesäumt von jubelnden Zuschauern und die Samba-Rhythmen der Musikgruppen trugen sie dem Ziel entgegen. Als es endlich in Sicht kam peitschte Emily sich zu einem letzten Sprint und wartete auf das gewohnte Hochgefühl. Doch das blieb aus.

      Mit letzter Kraft schleppte sie sich über die Ziellinie. Sie glaubte die Stimme ihres Vaters zu hören, den Jubel ihrer Teamkollegen, doch dann übertönte das laute Rauschen in ihren Ohren jedes Geräusch und ihr wurde unerträglich schwindelig. Ihr Kopf schien bersten zu wollen und ihre Muskeln standen in Flammen. Sie sank auf die Knie, beugte sich vor und nahm ihren Kopf zwischen die Arme. Endlich wurde es stiller, immer weiter drifteten die Geräusche um sie herum weg. Endlich konnte sie wieder das Rauschen des Meeres hören. Und schließlich die erlösende Stille.





      „Ich hatte erwartet, dass du rumschreien und den Trainer zu Schnecke machen würdest, Daddy", sagte die Rotblonde mit leiser Stimme und nippte an dem Getränk in ihrer Hand.

      Noch immer war Emily flau im Magen und ihr Kopf schmerzte, aber es wurde langsam besser. Zuviel Sonne - zuviel Training. Darüber stritten sich der kauzige Mediziner und ihr Trainer lautstark im Eingang zum Sanitätszelt.

      Emily suchte den Blick ihres Vaters, der besorgt auf einem Plastikstuhl saß und sie musterte. „Du sagst gar nichts? Echt jetzt?"

      Tobias schüttelte den Kopf. „Ich habe alle Hände voll damit zu tun, nichts dergleichen zu machen, Kleines. Glaub mir. Aber Gibbs steht nicht grundlos da vorne rum. Er hat, während du zusammengebrochen bist, schon geglaubt mich wiederbeleben zu müssen."

      Emily zog eine Augenbraue hoch. „Nicht witzig, Dad!", tadelte sie mit leiser Stimme, während sie langsam ihre Beine streckte und wieder anwinkelte. Sie stöhnte leise auf. „Gott verdammt, was ist das?" Ihre Beine schmerzten schrecklich. Jeder Muskel war vollkommen verspannt.

      „Wie lange hast du gestern trainiert? Hast du gegessen? Getrunken?", die Stimme ihres Vaters klang heiser vor Sorge.

      Ihr fiel ihr nächtlicher Lauf ein, doch daran könnte es nicht liegen. Ihr Körper konnte mit lockeren Extraeinheiten umgehen...

      „Alles wie immer. Vielleicht wirklich zuviel Sonne. Ich sollte es doch mal mit einem dieser UV-Schutz-Capes versuchen." Doch das würde nichts an den Muskelkrämpfen in ihren Beinen ändern.

      Als sie aufschaute blickte sie in die Gesichter von Arzt und Trainer. Der Mediziner griff nach ihrem Handgelenk und nickte. „Also, kleine Miss, geh mal eine Runde um die Liege. Wenn das klappt bist du entlassen! Unter der Voraussetzung, dass du den Rest des Tages im Schatten liegen und deinem Körper Nahrung und Ruhe zukommen lassen wirst. Und Schlaf! Keine Partys heute Abend!"

      „Warum ist meine Tochter nach dem Lauf zusammengebrochen, Doktor? Wäre es nicht sinnvoll sie in einer Klinik richtig durchchecken zu lassen?" Tobias war skeptisch, der Anblick seines kleinen Mädchens, das reglos am Boden lag, lastete unfassbar schwer auf
      ihm. Und nun schickte man sie mit dem Hinweis auf Ruhe und Nahrung fort?

      „Ihre Tochter hat ihre Grenzen ausgereizt. Und dass Mädchen in dem Alter hin und wieder Probleme mit dem Kreislauf haben, ist nicht ungewöhnlich“, entgegnete der Arzt mit ruhiger Stimme. „Sicherlich wurde in den vergangenen Tagen viel trainiert – gerade Läufe auf dem Sand sind ungewohnt. Und auch die Ernährung auf den Campingplätzen ist sicher nicht optimal für sportliche Höchstleistungen…“

      Emilys Trainer schnaubte unwirsch. „So ein Schwachsinn! Es gab in den letzten Tagen lediglich leichte Jogging-Einheiten, Ballspiele im Meer – nichts was eine Sportlerin wie Emily aus dem Gleichgewicht bringen kann, Dr. Langdon! Und die 6,5 Meilen sind für Emily ein Spaziergang – sonst wäre sie wohl kaum hier!“

      Der Arzt lächelte milde. „Ich wollte Ihnen keine Vorwürfe machen – sicher betreuen Sie Ihre jungen Sportler sehr gut. Es werden einfach mehrere Faktoren zusammen gekommen sein. Bei körperlichen Anstrengungen – auch wenn sie noch so gering scheinen – kann es bei Temperaturen von über 33 °Grad schnell einmal zu Hitzeschäden kommen. Dazu gehören auch Hitzekrämpfe. Hochwertige Kost, Ruhe und der Aufenthalt in kühlen Räumen wirken da Wunder.“

      Emily schaute von einem zum anderen, rappelte sich dann auf und lief – wie von Dr. Langdon verlangt – einmal um ihre Liege. Sie blinzelte, als das Pochen hinter ihrer Schläfe erneut zunahm, doch sie ließ sich nichts anmerken. „Kann ich morgen starten?“

      „Himmel NEIN!“

      „Ich sehe keinen Grund der dagegen spricht, wenn du dich dazu in der Lage fühlst.“ Tobias Fornell und der Arzt hatten zeitgleich das Wort ergriffen.

      Emily erkannte, dass ihr Dad nun scheinbar doch laut werden würde. Ihr Blick flog hinüber zum Zelteingang, wo Jethro Gibbs in bester Personenschützer - Manier da stand, die Arme vor der Brust verschränkt, eine dunkle Sonnenbrille vor den Augen – die Miene von ernster Wichtigkeit.

      „Haben Sie alle den Verstand verloren?“, erhob sich nun Fornells Stimme und peitschte gebieterisch durch den kleinen Raum. „Sie lag vor weniger als einer Stunde ohnmächtig am Boden! Und sie denken, dass sie Morgen an einem Triathlon starten könnte?“

      „Dad!“, sagte Emily mit strenger Stimme und legte ihrem Vater eine Hand auf den Arm. Gibbs hatte nun das Zelt betreten und stellte sich hinter seinen Freund. Emily hätte beinahe laut gelacht.

      „Was…“, irritiert musterte Teddy Langdon den Grauschopf. „Was wollen Sie denn hier, Gibbs?“

      „Keine Sorge, Doc. Ich mische mich nicht ein. Aber ich denke, dass Emily und ihr Dad nun BEIDE dringend auf eine Liege in den Schatten sollten. Vielleicht kann man sich ja dahingehend einigen, dass Emily vor dem morgigen Wettkampf noch einmal durchgecheckt wird“, mischte er sich entgegen seiner Worte allerdings doch ein.

      Der Mediziner nickte und schaute fragend in die Runde. „Wäre das eine Option mit der alle leben können?“




      Es hatte noch einiges Hin und Her gegeben, doch schließlich hatte Jethro sowohl Tobias, als auch Emily in sein Auto verfrachten und nach Buxton fahren können. Man hatte sich darauf geeinigt, dass das Mädchen die Nacht in der Obhut ihres Vaters verbringen würde. Später würden Freunde von Emily ihre Sachen vorbeibringen.

      Nun stand Gibbs in der Küche und wischte sich mit dem Handrücken über die tränenden Augen, während aus einer Pfanne vor ihm auf dem Herd, beißend scharfe Dämpfe aufstiegen. Vermutlich hatte er zu viele Chilis in die Puttanesca gegeben. Hatte Hollis ihn nicht gewarnt und gemeint, dass die Chilis im Gemüsefach nicht die einfachen Supermarkt Chilis wären, sondern echte Habaneros aus Amys Versuch diese kleinen Biester selbst zu kultivieren? Jetzt erinnerte er sich wieder an die großen Tontöpfe auf Megs Veranda.

      Vorsichtshalber stellte er eine zweite Pfanne auf den Herd. Er würde einfach eine weitere Portion der Puttanesca kochen – mit weniger Chilis. Vermutlich mochte Emily es nicht so gerne wenn ihr beim Essen die Augen tränten.

      Sich nähernde Schritte ließen Gibbs aufschauen. Durch einen Tränenschleier erkannte er Gwyns Gestalt. Sie hustete unwillkürlich und rang nach Luft. „Mein Gott, was kochst du denn da?“

      Sie eilte an ihm vorbei, eine Hand vor Nase und Mund gepresst, und riss die Küchenfenster weit auf, wobei sie beinahe über Jethros Werkzeugkiste gefallen wäre.

      „Pasta Puttanesca…“, entgegnete der Grauschopf mit heiserer Stimme. „Ich habe es mit der Schärfe etwas zu gut gemeint.“ Mittlerweile lief seine Nase und sein Hals kratzte entsetzlich.

      Gwyn griff mit einer Hand nach seinem Arm, während sie mit der anderen den Stiel der Pfanne griff. „Raus hier!“, meinte sie bestimmt und zerrte ihren Adoptivvater mit sich.

      Lachend stolperten die Beiden aus der Hintertür raus auf die Veranda. Gwyn stellte die Pfanne auf den Boden, in gewisser Distanz zu Gibbs, der sich hustend und die Nase schnäuzend, auf den Stufen der in den Garten führenden Treppe niederließ.

      Gwyn wischte sich lachend die Tränen von den Wangen und ließ sich neben den Grauhaarigen sinken, der noch immer mit den Auswirkungen der scharfen Dämpfe zu kämpfen hatte.

      Sie lehnte sich gegen das Geländer und musterte ihn abwartend. Schließlich sagte sie leise: „Ich hatte versucht dich zu erreichen. Amy und ich waren in Frisco, aber du bist nicht an dein Handy gegangen. Wolltest du nicht mit mir reden?“

      Erstaunt riss Gibbs die Augenbrauen hoch und griff in seine Hosentasche. Das Handydisplay gab sechs verpasste Anrufe an. Er schüttelte den Kopf. „Es hat nicht geklingelt! Ganz sicher.“ Jethro suchte Gwyns Blick und zuckte mit den Schultern. „Tut mir leid, Kleines. Und nicht nur das mit dem Handy…“

      Sie nickte nachdenklich. „Mir tut es leid, dass ich wegen meinem Da… wegen Dylan so wütend war. Es ist nur… Wenn er schon einmal wegen mir hierher kommt, dann möchte ich ihn nicht vergraulen.“

      Jethro zuckte mit den Schultern. „Dann solltest du ihm besser sagen, dass ihr Euch künftig nur noch auf neutralem Boden treffen solltet, Gwyn. Ich kann und will ihn nicht in meiner Nähe haben. Und ja, wenn ich es könnte, dann würde ich es dir verbieten ihn zu sehen. Aber…“

      „Du willst mir verbieten meinen Vater zu sehen?“ Gwyn war aufgesprungen und funkelte ihn nun wieder wütend an. Gibbs seufzte leise.

      „ABER!“, knüpfte er überdeutlich an der Stelle an, an der sie ihn unterbrochen hatte. „Aber, ich weiß, dass es falsch wäre, dir den Umgang mit deinem Erzeuger zu verbieten. Also werde ich es tolerieren, Gwyn. Mehr kannst du nicht verlangen!“

      Sie setzte sich wieder, doch Gibbs spürte, dass dieses Gespräch noch lange nicht beendet war und das eine Versöhnung vielleicht doch schwieriger werden würde, als er gedacht hatte.

      „Richtig, du kannst es mir nicht verbieten. Genauso wenig, wie du mir Jonah verbieten kannst!“ Sie warf ihm einen angriffslustigen Seitenblick zu.

      In Gibbs schien der Zorn erneut zu Leben erwachen. Wenn doch nur Hollis hier wäre… „So ein Verbot wäre auch nicht nötig, wenn ich nicht erwarten müsste, dass ihr übereinander herfallt wie die Kanickel!“

      „Hast du als 18 jähriger keinen Sex gehabt, Jethro?“, herrschte sie ihn an und suchte frech und herausfordernd seinen Blick. Es war unübersehbar, dass ihrem Adoptivvater gerade die buchstäbliche Zornesröte ins Gesicht stieg.

      „Gwyn…“, murrte er mühsam beherrscht und atmete tief durch. „Ich werde nicht mit dir über diese Dinge sprechen. Ich hoffe einfach auf deine Vernunft. Ich habe mit Hollis gesprochen und wir haben beschlossen dir freie Hand zu geben – was aber nicht bedeutet, dass ich aus voller Überzeugung hinter dieser Absprache stehe.“

      „Das bedeutet, dass ich tun und lassen kann was ich will?“, hakte Gwyn skeptisch nach.

      Gibbs zuckte mit den Schultern. „Ja, im Grunde durftest du es bei uns immer so handhaben, oder? Du triffst deine Entscheidung und trägst die Folgen. Bisher klappte es nur besser mit den Rahmenbedingungen. Ich möchte wissen, wo du bist und mit wem – immer! Du hast dafür zu sorgen, dass du über dein Handy erreichbar bist. Und wenn du wirklich meinst, alt genug für… für Sex zu sein, und überzeugt bist, dass Jonah es wert ist, ihm dieses… dieses Geschenk zu machen…“ Die Worte quälten sich aus seinem Mund und am liebsten würde Gibbs die Frauen seiner Familie in diesem Moment zum Teufel jagen! Warum musste er dieses verdammte Gespräch mit diesem verrückten Teenager führen? „…dann bist du auch dafür verantwortlich, dass diese… dass der Sex ohne Folgen bleibt! Verhütungsmittel kosten Geld – welche du selbst verdienen musst. Überleg dir, ob der Spaß es wert ist.“


      Gwyn starrte den Grauschopf mit vollkommen überraschtem Blick an. Das hier war beinahe so peinlich, wie die Begegnung mit Gibbs auf dem Boot, als sie nur noch ihre Unterwäsche angehabt hatte.

      '…ihm dieses Geschenk zu machen'

      Die Blonde biss sich auf die Zunge, um nicht in albernes Gekicher zu verfallen.

      Gibbs stand auf und ging langsam über die Veranda. „Ich versuche es jetzt noch einmal mit der Pastasauce. Isst du mit? Tobias Tochter ist auch hier.“

      Gwyn nickte langsam. „Ja, ich würde nur gern erst einmal duschen und dann will ich auch noch ein paar Stunden schlafen. Ennis und die Jungs wollen heute Abend surfen, der Wind soll gut sein. Ich wollte mit Amy mit an den Strand.“

      Gibbs runzelte die Stirn. „Und wer passt auf Julia auf?“

      „Jack hat gemeint, dass es kein Problem ist, wenn Amy mitgeht. Die Kleine schläft ja schon recht früh.“

      Der Grauschopf nickte nur und verschwand dann in der Küche.






      Es war tatsächlich ein nervtötendes Geduldspiel Emily auch nur für eine Sekunde allein zu erwischen. Den ganzen Tag hatte ihr Vater sie bewacht wie ein Schießhund. Dazu noch der argwöhnische Blick des ehemaligen NCIS-Mannes Gibbs und dessen Adoptivtöchterchen.
      Stone hatte bis zum späten Nachmittag warten müssen, bevor er einen Moment abpassen konnte, in dem Emily vollkommen allein gewesen war.
      Nun saß die Rotblonde auf dem Steg, der zu Gibbs Haus gehörte und ließ die Beine baumeln, während der Hausherr mitsamt Anhängsel weggefahren und der FBI-Agent im Haus eingeschlafen war – ein rascher Blick durch das richtige Fenster hatte Stone Sicherheit verschafft. Dennoch war er auf der Hut. Jeden Moment konnte einer der Männer wieder hier auftauchen und ihn entdecken. Kurzentschlossen entledigte er sich seiner Klamotten bis auf die Boxershorts und sprang vom Steg des unbewohnten Nachbarhauses ins kalte Nass der Lagune. Zuvor hatte er sich ein kleines Tütchen zwischen die Zähne geklemmt und achtete nun peinlich genau darauf, dass dieses nicht mit dem Wasser in Berührung kam. In der Nähe des Steges war das Wasser so flach, dass es ihm nur noch bis zur Hüfte reichte. Blinzelnd schaute Emily auf, als er sich nur wenige Meter von ihr entfernt zur vollen Größe aufrichtete.
      „Jimmy?“, fragte sie mit einem überraschten Unterton und lachte dann leise. „Was machst du denn hier?“
      Er kam näher und stützte seine Arme auf das warme Holz des Steges. Grinsend schaute er zu dem Mädchen auf und strich ihr sanft mit einem Finger über den Oberschenkel. Sie trug lediglich Hotpants und ihre Haut war erhitzt von der Sonne. Sein Blick wurde ernst.
      „Ich habe gehört was heute Vormittag beim Lauf passiert ist. Bist du ok?“
      Verlegen wandte Emily den Blick ab und spürte wie die peinliche Röte in ihr Gesicht schoss. Ihr Dad bezeichnete ihre verräterische Miene immer als „ihr gläsernes Gesicht“. Sie hasste es, dass jeder immer sofort erkennen konnte was sie gerade dachte.
      „Es geht mir gut. War wohl nur so eine Art Sonnenstich. Peinlich – mehr nicht.“
      „Gut, dass du es jetzt ruhig angehen lässt. Das ist schließlich nicht ungefährlich“, sagte er noch immer mit dieser besorgt-ernsten Stimme.
      „Wie hast du mich hier gefunden, Stone?“, fragte Emily und musterte den Älteren fragend. Es schmeichelte ihr, dass er sich anscheinend Sorgen um ihr Befinden gemacht hatte. Als er sie am vergangenen Abend zurück zum Camp gebracht hatte, waren sie tief im Gespräch versunken gewesen. Sie hatten über die Schwierigkeit gesprochen es einem Vater recht zu machen. Jimmy hatte seine Erfahrungen mit seinem Vater mit ihr geteilt und hatte ihre Sorgen und Nöte verstehen können. Noch nie hatte sie mit einem Jungen ein solches Gespräch geführt. Die Jungs in ihrem Alter waren alle abartig hormonverseucht und interessierten sich kaum für was anderes, als für die Titten der Mädchen. Niemals hatte sie so mit Everett sprechen können. Immer war es nur um diesen oberflächlichen Mist gegangen.
      „Ich habe die Leute aus deinem Team gefragt wo du bist und eines der Mädchen hat Bescheid gewusst. Allerdings habe ich eine Weile dort drüben gewartet. Nach allem was du mir erzählt hast, hielt ich es nicht für sonderlich klug deinem Dad in die Arme zu laufen.“ Er grinste amüsiert und steckte Emily damit an. Er hatte zweifelsfrei Recht! Weder Gibbs noch ihr Dad hätte einen Jungen wie Jimmy Stone in ihre Nähe gelassen.
      „Und wie geht es nun weiter? Ist der Wettkampf nun für dich gelaufen?“, hakte Stone nach, während sich seine Faust fest um das kleine Tütchen schloss.
      „Ich weiß es nicht. Wenn es mir morgen gut geht und der Doc sein Ok gibt, dann darf ich eventuell starten. Aber ich bin nicht sicher, ob mein Dad nicht am Ende doch noch ein Veto einlegt. Das wäre echt scheiße! Ich möchte dieses Stipendium unbedingt – vor allem will ich auf das Sportler-College. Da gibt es für mich viel mehr Perspektiven, als auf allen anderen Colleges. Aber das klappt nur, wenn ich sportliche Bestleistungen vorzuweisen habe.“
      Stone musterte sie nachdenklich – ein letztes Mal wog er das Risiko ab. Dann holte er tief Luft und lächelte gewinnend. „Für dieses kleine Problem habe ich vielleicht eine Lösung, Emily.“ Er hielt das kleine durchsichtige Tütchen hoch.
      Die Sechzehnjährige schnappte nach Luft. „Bist du bekloppt?“ Erschrocken schaute sie sich um, doch sie waren nach wie vor allein.
      Stone machte ein gekränktes Gesicht. „Ich wollte nur helfen, Emily. Aber gut, wenn du nicht willst.“
      Sie schloss für einen Moment die Augen und schüttelte den Kopf. Dann machte sie Anstalten aufzustehen, doch bevor sie ganz auf die Beine kam ließ sie sich zurück sinken, sodass sie am Boden kauerte, und verbarg das Gesicht in den Händen. Schwindel und Übelkeit waren erneut in ihr aufgestiegen und sie rang um Luft, während sie spürte wie ihre weichen Knie bebten. Jimmys Hände griffen nach ihr. Behutsam und doch kraftvoll hob er sie hoch und trug sie hinüber zu der Liege, im Schatten eines am Ufer stehenden Baumes.
      Zärtlich strich er über ihre Wange und reichte ihr eine kleine Flasche Wasser, die am Boden neben der Liege gestanden hatte. „Hier, trink einen Schluck“, sagte er leise und wartete darauf, dass sie erneut die Augen öffnete. Dann legte er das Tütchen auf den kleinen Tisch, der neben der Liege stand und legte eine Zeitschrift darüber. „Vielleicht überlegst du es dir noch und…“
      „Ganz sicher nicht!“, zischte Emily atemlos und presste sich die Wasserflasche gegen die schmerzende Stirn. „Ich habe Doping nicht nötig!“
      Jimmy lachte leise und scheinbar erleichtert auf. „Ach so! Du dachtest das wäre Dope. Nein, Süße! Natürlich nicht. Das ist einfaches Ritalin. Jeder Zweite Sportler nimmt es – jeder, der dauerhaft Höchstleistungen bringen muss. Du weißt schon, dass Zeug, das Eltern ihren Kindern geben, wenn diese ADHS haben. Es hilft einem über einen gewissen Zeitraum leistungsfähig zu bleiben.“ Er deutete auf ihr Tablet, das ebenfalls auf dem Tischchen lag. „Kannst es ja googlen. Ich muss los, Emily! Dein Dad kommt glaube ich – die Tür zum Haus wurde geöffnet. Wir sehen uns!“ Er warf dem Mädchen einen Handkuss zu und sah, wie sie hektisch nach den Pillen griff und diese in ihrer Hosentasche verschwinden ließ. Dann ließ er sich vom Steg sinken und schwamm rasch hinüber zum Anleger des Nachbargrundstückes.

      Gut verborgen hinter dichtem Schilf schlüpfte der Dunkelhaarige wieder in seine Klamotten und schlich über einen kleinen Trampelpfad, der an der rückwärtigen Seite einer kleinen Scheune entlang führte. Er entdeckte eine angelehnte Tür und griff nach der Klinke. Sie öffnete sich und führte in ein kleines Materiallager das anscheinend Holz und Lack beherbergte, welches Agent Gibbs für seine Arbeit an den Booten brauchte. Als sein Blick auf einen Benzinkanister fiel, der in der Ecke stand, kam ihm kurz die Idee einfach alles anzuzünden, doch mit einem rein materiellen Schaden konnte er Jethro Gibbs nicht nachhaltig treffen.
      Er schlich weiter durch den Lagerraum und bekam eine neue Idee. Eigentlich war er mit dem Vorsatz hierhergekommen, Gibbs Lebensgefährtin ein wenig zu hetzen. Leider aber hatte deren Abwesenheit Stones Pläne durchkreuzt. Zwar war das Mädchen eine nette Alternative – insbesondere weil es ihm ein viel größeres Vergnügen bereitete ihr ein wenig Angst ein zu jagen – aber nach allem was er über den Agent herausgefunden hatte, ahnte er, dass die Sorge um die blonde Hollis ihn noch tiefer treffen würde. Und nun tat sich vor ihm eine Möglichkeit auf, auch in diesem Punkt seine Rachegelüste erfüllen zu können.
      Mit einem gefährlichen Grinsen schlich der junge Mann um den dunklen Ford, der hinter den großen Toren der Scheune stand. Dies hier konnte nur der Wagen von Agent Gibbs Lebensgefährtin sein. Feixend griff Stone in seine Hosentasche und zog ein kleines Taschenmesser heraus, dann ließ er sich zu Boden gleiten und kroch unter den Motorraum des Kombis. Es war eine Kleinigkeit die Bremsleitungen zu durchtrennen…









      „Leroy?“ Jacksons Stimme klang beinahe empört, als er mit zwei Gläsern in der Hand aus dem Speisezimmer kam, wo er gerade die letzten Spuren des Abendessens der Pensionsgäs-te beseitigt hatte. Er musterte seinen Sohn, der auf einem Stuhl an dem kleinen Tisch in ei-ner Ecke der Küche saß. „Schläfst du, Junge? Ich hatte geglaubt, du wolltest Megs Garten sehen?“

      Jethro zuckte zusammen und fuhr sich mit einer Hand über das Gesicht. „Was? Was sagst du, Dad?“

      „Was ist denn los mit dir?“

      „Ich habe letzte Nacht nicht geschlafen.“ Jethro verließ seinen Platz am Tisch und ging gäh-nend hinüber zur Kaffeemaschine.

      „Was unternimmst du wegen Gwyn?“, wollte Jackson wissen und reichte seinem Sohn auch seinen eigenen Kaffeebecher, mit der wortlosen Bitte diesen ebenfalls zu füllen.

      „Ich habe mit ihr gesprochen. Was soll ich denn tun? Ich kann sie ja nicht einsperren.“ Er zog irritiert die Augenbrauen hoch.

      Jackson runzelt die Stirn. „Du hast mit IHR gesprochen? Ich hatte geglaubt, dass du mit Roy Garrick sprechen würdest. Ich wollte ihn selbst anrufen, aber das Mädchen hat drauf be-standen, dass sie dir erst von dem Vorfall berichten wollte.“

      Gibbs schüttelte verständnislos den Kopf und rieb sich die Augen. „Den Detective? Was hat der denn damit zu tun? Dad…“, sagte er in ungeduldigem Tonfall. „Worum geht es diesem Gespräch?“

      „Na, um den Wahnsinnigen, der unserem Mädchen heute Morgen eine Heidenangst einge-jagt hat! Was denkst du denn worum es geht?“

      „Was für ein Wahnsinniger?“, hakte Jethro in erstauntem Tonfall nach.

      „Hat sie denn nichts gesagt?“

      Mit einem mürrischen Grollen ließ der Silberfuchs sich erneut auf dem Stuhl in der Ecke nie-der und trank einen tiefen Schluck aus seinem Kaffeebecher. „Hat sie nicht“, bestätigte er dann leise.

      Jack stöhnte leise auf und ließ sich seinem Sohn gegenüber nieder. „Da war ein Mann mit einer schwarzen Corvette. Er hat Gwyn bis vor unsere Haustür verfolgt.“

      Jethro riss die Augen weit auf. „Bitte? Das ist ein Scherz, Dad. Oder?“

      Der Ältere schüttelte den Kopf. „Natürlich nicht, Junge!“



      Amy prustete amüsiert, während sie mit Ennis und Gwyn über den Weg lief, der am Strand von Buxton entlang durch die Dünen führte. „Das hat er gesagt? Er hat versucht dir Sex als teures Luxusvergnügen zu verkaufen.“

      Die Mädchen lachten schallend. „Gott, war das peinlich. Hoffentlich fährt Hollis nie wieder ohne ihn in den Urlaub.“

      Ennis zog die Augenbrauen hoch. „Könnt ihr das Thema wechseln? Ich kann es nicht leiden, wenn ihr tratscht wie alte Waschweiber. Ich bin auf Jethros Seite – ja, da braucht ihr gar nicht so zu gucken! Wenn ich mir überlege, dass Julia irgendwann irgendwas mit Jungs an-fängt…“ Er schüttelte sich, während er den Blick über den weitläufigen Parkplatz an diesem Strandabschnitt schweifen ließ. „Ich finde es ist ein Scheißspiel was du gerade treibst, Gwyn! Jethro ist derjenige, der dir ständig alle Freiheiten aushandelt. Damals, als du mit diesen Gestalten auf dem Pier abgehangen hast, da hat er dir vertraut und ist das Risiko einge-gangen. Und auch jetzt geht es nicht darum, dass er dir irgendwelche Verbote machen möchte. Seine Regeln sind denkbar einfach und gerecht! Halte dich doch einfach daran.“

      Gwyn schnaubte empört. „Und das sagst gerade du mir, Ennis? Ja? Eure Eltern haben es si-cher auch gut gemeint, damals mit Euch und…“

      Ennis schloss die Augen und presste die Kiefer aufeinander.

      „Es ging hier auch nicht um das Grundsätzliche, sondern viel mehr um den Inhalt der Unter-redung, Ennis. Jethro hat halt wenig Übung in sowas“, versuchte Amy zu besänftigen, schmunzelte und suchte den Blick ihres Mannes.

      „Ach – und das gibt Euch das Recht seine Bemühungen ins Lächerliche zu ziehen, ja?“ Der Marine schüttelte schnaubend den Kopf.
      „Was glaubt ihr denn, wem wir es zu verdanken haben, dass wir den Abend hier am Strand verbringen können? Wer übernimmt denn wie selbstverständlich unsere Verpflichtungen?! Ihr wisst genauso gut wie ich, dass wir Jackson nicht mit Julia und der Pension allein lassen sollten. Ja, er ist noch rüstig und fit, aber die Tage strengen ihn dennoch an. Also wir verlassen uns alle darauf, dass Jethro in Habachtstel-lung im Hintergrund verweilt, für den Fall dass er gebraucht wird.“ Mit einer gewissen Zu-friedenheit betrachtet Ennis die betretenen Mienen der Mädchen, doch bevor er mit seinen Vorhaltungen fortfahren kann, fällt Amy ihm ins Wort.

      „Aber für dich ist das anscheinend auch alles kein Thema, Ennis! Du wärst heute Surfen ge-gangen – ganz egal was ich für Pläne gehabt hätte. Wenn es für dich so eine große Sache ist, deine Verpflichtungen auf andere abzuwälzen, dann hättest du doch im Sandcastle bleiben können. Aber auf diese Idee kämst du auch nicht. Wenn wir hier sind, scheint es dein Privileg zu sein dich ständig mit Freunden zu treffen und mir Julia zu überlassen.“ Sie funkelte ihn finster an. „Tu nicht so, als würde dich das alles nichts angehen, Ennis! Du genießt Jacks und Jethros Großzügigkeit in der Hinsicht genauso wie ich.“

      „Wie passend, dass du gerade das jetzt thematisierst!“, zischte er aus zusammengepressten Kiefern und verlagerte das Gewicht seines Surfbretts ein wenig. „Oh ja, ich genieße das und ich bin sehr froh, darüber, dass wir die Möglichkeit haben hier mal die Seele baumeln zu lassen. Hätten wir nämlich den Rückhalt unserer Familie nicht – und damit meine ich nicht unsere Erzeuger und deren Anhängsel – dann würden uns diese Freiheiten verdammt teuer werden. Womit wir wieder bei Sex und Luxus wären. Wir können uns keinen Babysitter leis-ten – einfach so, um Spaß zu haben. Genauso wenig könnten wir uns deine Pille leisten, wenn wir nicht das Glück hätten einen Teil des Geldes dafür von der Versicherung zu bekommen. Und Gibbs und Hollis werden es sicher nicht zulassen, dass Gwyn es ‚darauf ankommen lässt‘, aber auch wenn Army und Navy sicherlich gute Pensionen zahlen, haben die beiden keinen Goldesel! Ich finde es absolut richtig, dass Jethro das Thema etwas rationaler angeht, als es euch vielleicht passt!“

      Gwyn und Amy erwiderten nichts, sondern folgten dem Weg schweigend und schauten sich immer wieder um. Sie alle hielten Ausschau nach der schwarzen Corvette. Ennis hatte sich den ganzen Tag über umgehört und mit Freunden und Bekannten telefoniert, für den Fall, dass jemand diesen Wagen irgendwo entdeckt hätte. Doch bisher konnte niemand etwas damit anfangen.

      „Wir hätten es wirklich Roy Garrick überlassen sollen. Was sollen wir denn machen, wenn wir den Typen hier am Strand sehen?“, warf Amy nach einer Weile ein.

      „Ich werde ihn zur Rede stellen – was soll an einem öffentlichen Ort wie einem gut gefüllten Strand passieren?“, erwiderte Ennis leichtfertig. „ Vermutlich hat der Kerl vorher gesoffen oder irgendwelche Pillen eingeworfen und sich einen Spaß erlaubt.“

      „Na, sehr witzig…“, murrte Gwyn und fühlte sich unwillkürlich furchtbar unwohl. „Sind dort nicht deine Freunde, Ennis? Wollen wir hier runter?“

      Der dunkelhaarige Marine musterte für eine Weile die heranrollenden Wellen und nickte dann. „Ja, sie haben eine gute Stelle ausgewählt. Hier passt es.“




      Mit einem Seufzen lehnte Jethro den Kopf in die Hand und stierte auf den schnurgerade verlaufenden Highway gen Norden. Als hätte dieser Tag nicht schon ausreichend viele Turbulenzen mit sich gebracht, hatte vor wenigen Minuten auch noch sein Handy geklingelt. Die Mom von Taylors Freund, bei dem der blonde Junge einige Tage verbringen wollte, war am Apparat gewesen und hatte Jethro gebeten ihn abzuholen. Anscheinend war Taylor krank geworden. Er hatte sich mehrfach übergeben müssen und nun bekam er Fieber.

      Gibbs musste sich zwingen nicht zu eilig zu fahren und aktivierte vorsichtshalber den Tempomat seines Pickups. Er wollte sich nicht auch noch durch eine nervenaufreibende Polizeikontrolle quälen müssen.

      Die Müdigkeit nach der durchwachten Nacht hing bleischwer über dem Grauschopf und er öffnete die Wagenfenster, griff nach seinem Handy und wählte Hollis‘ Nummer.

      Es dauerte eine Weile, bis er sie Stimme seiner Partnerin hörte. Anstatt einer Begrüßung murmelte er nur ein erschöpftes „Hilfe!“ in den Apparat, was Hollis laut lachen ließ.

      „Hilfe? So schlimm?“

      „Ich habe Kopfschmerzen…“, murmelte er leidend, doch er schmunzelte dabei.

      „Hmm…“, machte Hollis mit tadelndem Unterton. „Dann hast du also nicht geschlafen und dich nur mit viel zu viel Kaffee auf den Beinen gehalten!?“

      Er nickte. „Mmhm. Für mehr war keine Zeit! Hab mein Bestes gegeben. Ab morgen werde ich lieber wieder den ganzen Tag in meiner Werkstatt verbringen.“

      „Mein armer Gunny.“ Er konnte Hollis‘ breites Grinsen förmlich hören und seufzte leise.

      „Aber nun hätte ich gern ein paar Details. Was ist los bei Euch?“

      Gibbs bemühte sich um einen knappen, verständlichen Bericht und schloss die Erläuterung seines Tagewerkes mit der Erwähnung des Mannes mit der Corvette. „Ich habe mit Roy Gar-rick gesprochen. Er will seine Trooper und die Deputys instruieren die Augen offen zu halten. Jetzt ist Gwyn mit Amy und Ennis unterwegs – das ist wohl ungefährlich. Ich habe gerade mit Amy gesprochen und sie hat mir zugesagt, dass Gwyn die ganze Zeit über bei ihnen bleiben wird!“

      Hollis schwieg einen Moment lang. „Und was sagt dir dein Bauchgefühl? War das nur ein hirnloser Streich eines dummen Idioten, oder… etwas anderes.“ Ihre Stimme klang schwer besorgt.

      „Mein Bauchgefühl ist in Kaffee und viel zu scharfer Puttanesca ertränkt, Hollis. Einem ersten Impuls folgend würde ich ganz Hatteras Island absuchen, nach dem verdammten Drecksack. Und Tony bitten nachzusehen, welche der bösen Jungs gerade aus dem Knast gekommen sind und vielleicht auf Rache aus sind. Dann würde ich Gwyn gern übers Knie legen, weil sie mir davon nichts gesagt hat und weil sie anscheinend gerade dabei ist vollkommen verrückt zu spielen! Ferner möchte ich meinen Vater mit Freuden an den Sessel binden, damit er nicht noch weitere unsinnige Dinge anstellt und…“

      „Oh ja, dein Bauch scheint tatsächlich vollkommen überlastet, Liebling. Was macht Jackson denn wildes?“

      Gibbs biss sich auf die Zunge. Hätte er nur nichts gesagt… „Das kann ich dir nicht sagen. Du würdest es Meg sagen und ich wäre schuld daran, dass Jacks Überraschung platzt.“

      „Meg hasst Überraschungen“, entgegnete Hollis misstrauisch.

      „Ich weiß – aber es… es ist wirklich ganz… nett. Es ist nur so, dass…“ Er fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. „Nein, eigentlich ist mein Dad gerade der Einzige, dessen Verrücktheiten am erträglichsten sind.“

      „Rede! Ich will jetzt wissen was er gemacht hat!“

      „Er hat Meg einen Rosengarten angelegt – anlegen lassen – und eine Pergola gebaut.“

      Schweigen.

      „Hollis?“

      „Oh…“

      Gibbs seufzte schwer. „Ja, das habe ich auch gedacht. Aber es ist sehr hübsch geworden.“

      „Was für eine wunderschöne Idee“, sagte Hollis leise und schien ernsthaft gerührt zu sein, obwohl sie von dem Rest der Überraschung noch gar nichts wußte.

      „Und noch etwas, Hol‘“, wechselte er schwungvoll das Thema. „Ich bin auf dem Weg nach Corolla. Taylor übergibt sich und hat Fieber. Ich hole ihn nach Hause. Muss ich mit ihm zum Arzt fahren?“

      „Ach du liebe Güte! Das hat ja gerade noch gefehlt. Hmm, kommt drauf an, ob er irgendet-was bei sich behält. Wenn er hin und wieder einen kleinen Schluck trinken kann, dürfte es keine Probleme geben. In der Kommode in unserem Schlafzimmer steht eine kleine Kiste. Dort gibt es allerlei Medikamente – Fiebersaft, Vomex gegen Übelkeit und Erbrechen, und noch andere Sachen. Aber wenn es ganz und gar nicht geht, oder es dir zu heikel ist, dann fahr mit ihm zu Doc Langdon. Oder ruf ihn von mir aus auch einfach an. Du solltest als erstes in Erfahrung bringen, ob er nicht vielleicht einfach zu lange in der Sonne gewesen ist.“

      „Ok, das kriege ich hin. Ach Mist, verdammt!“, fluchte Jethro leise und drehte das Radio lau-ter. „Der Tornado Watch ist aktiv. Irgendein Gewittersturm kommt anscheinend. Hol‘, ich muss Ennis anrufen. Er soll mit den Mädchen ins Sandcastle fahren. Dad wird die Wetter-warnung sicher auch hören und wird unruhig werden.“

      „Jethro?“, sagte Hollis leise und eindringlich.

      „Ja?“

      „Pass auf dich auf! Und mache einfach genau das, was du vorhin gesagt hast – verbringe den Tag morgen in deiner Werkstatt. Sie sind alle alt genug – und unser Kleiner kann auch auf einer Liege neben einem Boot gesund werden.“

      „Wie schaffst du das, dich nie zu verheddern, wenn du hier alle Fäden in Händen hältst, mei-ne Schöne?“

      Sie lachte leise. „Na, weil du neben mir stehst und ständig das Garn sortierst. Ich liebe Dich, Jethro! Gib auf dich Acht!“


      Dieser Beitrag wurde bereits 13 mal editiert, zuletzt von „anonyma“ ()

      Endlich, endlich, endlich geht es weiter!!! :) :) :)

      Herrlich... Ich atme tief die würzige Seeluft ein, spüre die leichte Bise, kuschle mich wohlig fröstelnd in einen freien Korbsessel und hoffe, dass ich das Baby gelegentlich auch mal auf den Schoß nehmen darf - und bedaure die Protagonisten, die offenbar gerade sehr schweren Zeiten entgegengehen. Mir zieht sich alles zusammen, wenn ich an das denke, was wohl als Nächstes auf sie zukommt... ich bin direkt wieder mittendrin (und bitte darum, das als größtmögliches Kompliment zu verstehen!)

      Und bestimmt hast du in den letzten Monaten so viel vorgearbeitet, dass wir nun (mehrmals) täglich ein Update bekommen!?!?! :D ;) :D
      "All are lunatics, but he who can analyze his delusion is called a philosopher. (Ambrose Bierce)

      * freude strahl *
      Es geht weiter. :) ;) :)
      Du hast wieder toll die Gefühle von Gibbs für seine "Familie" beschrieben und wie er diese verteidigt.
      Als er sich wegen kleinen Julia zurückziehen muss, schickt er umgehend Jonah zu Gwyns Sicherheit raus.
      Sehr schön dieser Satz von Gwyn :
      „Ich habe dich und Hollis sehr lieb.“


      ich freue mich auf die Fortsetzung.

      Viele Grüße Grisu112
      Ich habe auch das jüngste Kapitel sehr genossen unf freue mich über hoffentlich bald viel mehr!

      Und jetzt lege ich mich mal neben Gwyn auf das Bootsdeck (mein Rücken protestiert schon...), habe - im Gegensatz zu ihrem eifersüchtigen, störrischen Adoptivvater - sehr wohl eine Menge für den Sternenhimmel übrig und rede mal ein ernstes Wörtchen mit der jungen Dame, die natürlich in diesem Alter (das ich nicht mal geschenkt noch einmal wiederhaben wollte) noch nicht wahrnehmen kann, dass der böse, böse Adoptivpapa es sooo gut mit ihr meint... ;)

      Danke fürs Schreiben, sei weiter fleissig - ich kann viel schneller lesen, als du schreiben kannst. Also bin ich immer im Dehihihihifizit und jammere nach meeeeehr!!!
      "All are lunatics, but he who can analyze his delusion is called a philosopher. (Ambrose Bierce)

      Hallo anonym .

      Dieser Teil ist einfach wieder schön von dir geschrieben .
      Hoffentlich erkennt Gwyn bald, dass Gibbs nur ihr bestes will und auch Jonah scheinbar nicht zu arg von ihren Familenverhältnissen erschlagen ist .

      Als du mit dieser Story angefangen hast , dachte ich ja , du hättest sie schon fertig und müsstest sie nur nach und nach veröffentlichen .
      Aber momentan bekomme ich das Gefühl, dass du sie noch am Schreiben bist .

      Ich freue mich auf jeden Fall auf die Fortsetzung

      a.no-nym schrieb:

      Andra schrieb:

      Wollen wir die nächste DEMO evtl. dorthin verlegen?

      ;) *Wort-zum-Sonntag-Modus ein*

      Also, meine Empfehlung wäre ja eher, nyma mit liebevollem FB und genauso liebevollen PNs zu überhäufen, damit sie sich an diesem Kraftfutter laben und stärken kann, damit ihre positiven Kräfte wachsen :) und gedeihen!!!

      anonyma schrieb:

      Und sie hatte ihm die Hand gegeben und dafür gesorgt, dass er bei diesen ersten Schritten über die Trümmer seines Lebens nicht die Balance verlor.

      <3 Wer solche Sätze zaubert, verdient es meiner Ansicht nach uneingeschränkt, auf Händen getragen zu werden... :)


      Ich sehe da draußen eine ganze Welt voller Gründe zu demonstrieren, aber hier im Forum schaffen wir hoffentlich den praktischen Gegen-Entwurf? <3 Wie wär´s mit einem Massenkuscheln bei Lieblingstee und frischen Walnuss-Schokoladen-Cookies?

      *Wort-zum-Sonntag-Modus aus* ;)



      <3 :love: <3

      Wow!!! Danke!!!!
      Um meinen guten WIllen zu demonstrieren bin ich heute morgen extra zeitig aufgestanden (4:30).
      Hier gibt es nun für all die lieben Leseratten ein neues Häppchen Avon.
      Ich hoffe ihr könnt es genießen!

      Liebe Grüße und vielen Dank!!!
      nyma

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „anonyma“ ()

      Wow, DANKE!
      Jetzt hab ich es hier auch gefunden - super schön!
      Besonders die Stelle mit dem wartenden Jethro - die Gedanken sind förmlich greifbar.

      (Keine Angst, das mit der DEMO war doch nur ein Scherz! ;) )





      anonyma schrieb:




      Und sie hatte ihm die Hand gegeben und dafür gesorgt, dass er bei
      diesen ersten Schritten über die Trümmer seines Lebens nicht die Balance
      verlor.

      aus welchem Kapitel ist das denn? Hab ich das überlesen?

      GLG a
      Jubel :) :) :) :)
      Es geht mit AVON weiter.

      Und dann packst du gleich einiges aus. Auf jeden Fall sind die ganzen Szenen von dir wieder toll geschrieben.
      Also dieser Stone will sich an Gibbs und Fornell rächen. Damit hatte ich jetzt wirklich nicht gerechnet, Emily hat er irgend einen Stoff scheinbar in ihr Trinken getan. Das hört sich gar nicht gut an, und bei Gwyn muss er noch überlegen.

      Jonah hat Gwyn wenigstens gefunden und versucht ihr nahezubringen, dass ihr "Dad" vielleicht wirklich nicht der richtige ist. Hmm, und dann kommen die zwei sich viel näher.
      Gibbs, wie er sich Sorgen macht aber auch verärgert ist, dass sich Gwyn nicht an Regeln hält. Allerdings sieht er auch ein dass Hollis im Familienleben die Zügel besser in der Hand hält.

      Auf jeden Fall freue ich mich auf mehr .
      Zwar ist mein Kopf für ein richtiges FB leider grad überhaupt nicht frei, wofür ich höflichst um Nachsicht bitte... ;(

      ...aber: Ich freue mich wie doll und verrückt, dass es hier weitergeht!!! :) <3

      anonyma schrieb:

      Der Junge hatte auf dem Steg gesessen, die Beine baumeln lassen und auf seiner Gitarre „All of me“ von John Legend gespielt.
      Ich werde mich jetzt anschleichen und mich in Hörweite niederlassen, schweigen und genießen (natürlich nur, solange er musiziert *hüstel*)
      "All are lunatics, but he who can analyze his delusion is called a philosopher. (Ambrose Bierce)

      Schön, dass es mit Avon weitergeht. <3 Du schreibst sehr schön und gefühlvoll. Bitte mehr davon. :thumbup:
      Gwyn ist immer noch sauer, dass Gibbs ihren „Dad“ nicht in ihrer Nähe haben will. Gibbs weiß nicht wo sie ist und macht sich Sorgen. Nicht mal eine SMS kriegt er…. für einen Zirkusclown fehlt aber die rote Nase *zwinker* Emily…. hoffentlich lässt sich Everett nicht verjagen…



      Dieses tolle Set ist von Saphira :thumbup:
      Da ich wieder einmal zu langsam war und die Familie schon Hufe scharrend hinter mir steht...
      Danke ich Euch trotzdem ganz ganz dolle für Eure tollen Nachrichten!!
      Das Schreiben dieses Kapitels war eine Freude und ich hoffe, dass es Euch bei Lesen genauso viel Vergnügen bereitet!!!

      Ich freue mich von Euch zu hören!!
      Was für ein schönes Kapitel :) ! Und wie gut, dass der erzürnte Vater doch noch den letzten Funken Selbstbeherrschung aktivieren kann und das Gespräch verschiebt... Ich hab mal den schönen Spruch gehört, Mädchen in dem Alter wären wie Kanonenkugeln - - - einfach nicht zu halten... :D


      Und dann dieser Dialog:

      anonyma schrieb:

      „Oh, hat meine Nachricht dich geweckt?“, sprach er anstelle einer Begrüßung.

      „Nein, sie hat mich in Alarmbereitschaft versetzt! Was ist passiert, Jethro?“

      Die Stimme seiner Partnerin klang ernsthaft besorgt und Gibbs runzelte die Stirn. „Was für eine Nachricht hat dich denn erreicht? Ich habe dir doch nur geschrieben, dass du mir fehlst und ich dich liebe!“
      Einfach göttlich!!! :thumbsup:


      anonyma schrieb:

      Ein überdeutliches ABER baumelte an einem bedrohlich dünnen Fädchen direkt über ihm und würde ihn wohl in Kürze erschlagen.
      Und das ist wieder eins von den Bildern, die mir tagelang Freude machen - danke! :)


      anonyma schrieb:

      „Es ist meist etwas hinderlich, während eines Telefonats nur mit Mimik zu arbeiten, Jethro!“, wies Hollis ihn ungeduldig zurecht.
      Ach was... Dabei sollte sie doch inzwischen in der Lage sein, sich jedes Detail lebhaft vorzustellen... ;)


      anonyma schrieb:

      Sie schnaubte amüsiert. „Schlaf gut, Jethro. Du fehlst mich auch sehr – ich liebe Dich!“
      Hoffentlich kommt die Frau bald zurück. Ich glaube, wir brauchen sie hier wirklich gerade ganz, ganz dringend ;(



      Freue mich sehr auf Weiteres! :) <3
      "All are lunatics, but he who can analyze his delusion is called a philosopher. (Ambrose Bierce)

      Hallo Zusammen,
      da mir gerade mein für gewöhnlich so robuster Kreislauf abhanden gekommen ist und ich nun irgendwie tatenlos am Sofa hänge, finde ich endlich Zeit Eure süßen Avon-Kommentare zu kommentieren.
      Ich freue mich so über Eure Wortmeldungen!



      Andra schrieb:

      Wow, DANKE!
      Jetzt hab ich es hier auch gefunden - super schön!
      Besonders die Stelle mit dem wartenden Jethro - die Gedanken sind förmlich greifbar.

      (Keine Angst, das mit der DEMO war doch nur ein Scherz! )



      anonyma schrieb:

      Und sie hatte ihm die Hand gegeben und dafür gesorgt, dass er bei
      diesen ersten Schritten über die Trümmer seines Lebens nicht die Balance
      verlor.

      aus welchem Kapitel ist das denn? Hab ich das überlesen?



      Dieses Zitat gehört zu meiner anderen laufenden Geschichte "Skyfall", in der es deutlich weniger heiter zu geht als hier in Avon.
      Allerdings ist Hollis auch dort an Board!

      Grisu112 schrieb:

      Allerdings sieht er auch ein dass Hollis im Familienleben die Zügel besser in der Hand hält.


      Unser Gunny ist es einfach gewohnt, dass alle vor ihm kuschen - ich glaube, dass Gwyn ihn gelegentlich einfach an seine Grenzen bringt. Oder habt ihr es schon einmal erlebt, dass jemand ihn gezielt provoziert?? Teenager sind halt keine Probies...



      a.no-nym schrieb:



      ...aber: Ich freue mich wie doll und verrückt, dass es hier weitergeht!!!

      anonyma schrieb:

      Der Junge hatte auf dem Steg gesessen, die Beine baumeln lassen und auf seiner Gitarre „All of me“ von John Legend gespielt.
      Ich werde mich jetzt anschleichen und mich in Hörweite niederlassen, schweigen und genießen (natürlich nur, solange er musiziert *hüstel*)


      Ich sitze neben dir. Herrlich wie das kalte Wasser unsere Füße umspült, was?! Es ist soooo schön warm hier...

      laborfledermaus schrieb:

      Du schreibst sehr schön und gefühlvoll. Bitte mehr davon.
      Gwyn ist immer noch sauer, dass Gibbs ihren „Dad“ nicht in ihrer Nähe haben will. Gibbs weiß nicht wo sie ist und macht sich Sorgen. Nicht mal eine SMS kriegt er…. für einen Zirkusclown fehlt aber die rote Nase *zwinker* Emily…. hoffentlich lässt sich Everett nicht verjagen…


      Oh Gott ja, Gwyn ist stur wie ein alter Esel! Und unser Gunny wird immer zorniger. Ich glaube es hat nicht viel gefehlt und es hätte eine Kopfnuss gegeben...
      Ich glaube nicht, dass Everett sich wirklich vertreiben lässt. Eigentlich ist er glaube ich ein ziemlich guter Kerl. Aber in dem Alter will man(n) Leichtigkeit und keine Sorgen... MAl schauen wie es weitergeht.

      a.no-nym schrieb:






      1.

      anonyma schrieb:

      Ein überdeutliches ABER baumelte an einem bedrohlich dünnen Fädchen direkt über ihm und würde ihn wohl in Kürze erschlagen.
      Und das ist wieder eins von den Bildern, die mir tagelang Freude machen - danke!

      2.

      anonyma schrieb:

      „Es ist meist etwas hinderlich, während eines Telefonats nur mit Mimik zu arbeiten, Jethro!“, wies Hollis ihn ungeduldig zurecht.
      Ach was... Dabei sollte sie doch inzwischen in der Lage sein, sich jedes Detail lebhaft vorzustellen...

      3.

      anonyma schrieb:

      Sie schnaubte amüsiert. „Schlaf gut, Jethro. Du fehlst mich auch sehr – ich liebe Dich!“
      Hoffentlich kommt die Frau bald zurück. Ich glaube, wir brauchen sie hier wirklich gerade ganz, ganz dringend



      Freue mich sehr auf Weiteres! <3


      Oh, Herzi!!! Da haben schwimmen wir doch mal wieder in derselben Strömung. Du hast genau die Textstellen hervorgehoben, die mir beim Schreiben ein breites Lächeln ins Gesicht gezaubert haben. Das ist dieses Avon-Ding... Da schreibt sich vieles von ganz allein und man fühlt dabei die Sonne auf der Haut - auch wenn die Handlung in der Nacht spielt!

      Einfach herrlich dieses Kapitel! Das Streitgespräch zwischen Gibbs und Gwyn, die Szene auf dem Boot und dann das Telefonat mit Hollis,
      einfach mega toll geschrieben. :thumbsup: Gibbs schreibt SMS? Dann steht ihm das Wasser schon höher als bis zum Hals! :D Ich kann mir bei den beiden Sturköpfen schon vorstellen, dass es erst im übernächsten Kapitel zu einer Einigung und Versöhnung kommt. Hoffentlich kommt Hollis bald wieder!



      Dieses tolle Set ist von Saphira :thumbup:
      Die Nachricht war süß, der Zettel ist süß. <3 Ja es ist besser, alles mal selber zu verarbeiten, laut auszusprechen, dann mit Gibbs reden. So ist man dann selber ruhige und das Gespräch läuft (hoffentlich) in die richtige Richtung. ;) Ich will auch dort sein, will auch zum Sandcastle! Das hat diesem Stone wohl gefallen, Gwyn so Angst zu machen, na warte! Hoffentlich lässt er sie in Ruhe, es reicht ja dass er sich an Emily ranmacht. Bin gespannt wie es weitergeht.....



      Dieses tolle Set ist von Saphira :thumbup:
      Gwyns Gedanken waren schön zu lesen und dann lässt sie Jethro ein Nachricht da, die schon sehr viel aussagt .

      Stone verfolgt Gwyn. Das ist nicht gut, aber er will sich ja irgendwie an Fornell und Gibbs rächen.
      Dummerweise verschwindet Stone am Ende, sonst könnte er mit Enis ( das ist doch wahrscheinlich Enis, der aus dem Haus kommt ) ganz schön Probleme bekommen.

      Ned sollte wirklich auf sein eigenes Gefühl achten und nicht auf die seine Freundes. Sonst hätten sie schon Stone's Rückkehr bemerkt.